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dr.pingel

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1

Dienstag, 25. März 2014, 20:55

Was singe ich gerade (Chormusik)?

Dieses Thema hat verschiedene Väter. Einmal ist es eine Variante zu "Was höre ich gerade?", danach finde ich es hochinteressant, mal die Chorsänger hier zu versammeln und sie von ihrem chorischen Werdegang erzählen zu lassen, von ihren Lieblingswerken und auch von den Werken, die sie hassen und von den Werken, die sie bedauerlicherweise nie gesungen haben. Beim Überdenken des Themas ist mir plötzlich klargeworden, woher meine Vorlieben in der Musik kommen. Bei mir ist Singen die Hauptsache, d.h. Chormusik und Oper. Sinfonie und vor allem Solistenkonzerte kommen erst abgeschlagen hinterher. Ich denke, für Taminos, die Geige oder Klavier oder Flöte spielen, ist das anders.
Da ich als Junge lieber Fußball als Flöte spielen wollte, fing ich im Schulchor an, dann kam der Kirchenchor meiner Gemeinde im Süden Düsseldorfs. Hier waren dann einmal im Jahr die großen Passionen dran, die ich so früh kennenlernte. Allerdings war ich damals ein schwacher Blattsänger, hatte aber ein gutes Gedächtnis, sodass es leidlich ging.
Als ich meine erste Stelle antrat in der Gemeinde Mülheim-Saarn, die einen guten Kirchenchor hatte, lernte ich vor allem Schütz und Bach kennen und mit Begeisterung singen. Diese Begeisterung hat nie nachgelassen.
Ein neuer Kantor kam, der Spezialist für Alte Musik war. Plötzlich hatten wir eine Schola (als evangelische Gemeinde!), die Gregorianik und Ars Nova sang. Danach bekam ich ein Angebot, in einem Vokalensemble zu singen (Vokalensemble Fulerum, Essen, 20 Sänger). Für Tenöre wird ja immer ein roter Teppich ausgerollt. Da hatte ich plötzlich drei Chöre am Hals, sodass ich meinen Kantor bat, mich aus dem Kirchenchor zu entlassen. Das wollte er nicht, ich musste auch die Schola verlassen. Damit hatte er sich ins Knie geschossen, denn dieses Ensemble wurde bald aufgelöst.
Im Vokalensemble Fulerum und in dem folgenden Palestrina-Ensemble (10 Sänger) habe ich bis 1992 gesungen. Wir haben uns durch die ganze Musikgeschichte gesungen. Meine Lieblingswerke waren die Messen von Palestrina, die Motetten und Exequien von Schütz und die Motetten von Bach. Die beiden schwersten Stücke waren "Agnus Dei" von Penderecki und "Friede 48" von Karl Amadeus Hartmann.
Nach einem Zwischenchor (CAntico novo Oberhausen) kam ich dann in mein jetziges Vokalensemble, die Camerata vocale Oberhausen, geleitet vom Domkantor in Xanten, Wolfgang Schwering. Auch hier singen wir uns durch die Musikgeschichte, besonders auch singbare neue Werke von Arvo Pärt, Eric Whitacre, Benjamin Britten.
Meine Lieblingswerke, die ich mehrfach gesungen habe, sind die Exequien, die Johannespassion, die Johannespassion von Lechner, Motetten von Bach und Brahms und natürlich die geistliche Chormusik 1648 von Schütz. Thomas Tallis mit seinen lamentationes nicht zu vergessen.
Werke, die ich nie singen wollte, sind Beethovensche und Mahlersche Chorwerke, was allerdings auch mit der Größe unseres Chores zusammenhängt.
Werke, die ich leider nie habe singen können, sind: der Schwanengesang von Schütz und die Marienvesper von Monteverdi.
(Weisheit der Brahmanen)
Die Tage sehen wir, die teuren, gerne schwinden,/um etwas Teureres herangereift zu finden:/ ein seltenes Gewächs, das wir im Garten treiben,/ ein Kind, das wir erziehn, ein Büchlein, das wir schreiben.
(Friedrich Rückert)

dr.pingel

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2

Dienstag, 25. März 2014, 21:08

Camerata vocale, Oberhausen, Leitung Wolfgang Schwering, 20 Sänger.
1. Wir proben gerade: "Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen?" von Brahms; für mich die beste Motette des 19.Jahrunderts. Brahms vertont hier Texte aus dem Buch Hiob. Der erste Satz (eine Fuge) ist sehr schwer, vor allem auch wegen seiner Chromatik. Der Text wird immer wieder unterbrochen von dem Aufschrei "Warum?", der aber immer wieder in sich zusammenfällt. (Der Chor war sehr amüsiert über meine Feststellung, wie Brahms am Schluss dieses Satzes ein wirkliches piano erzielt: Sopran tacet!).
Die anderen Sätze sind sehr melodisch und sanglich, am Schluss kommt ein schlichter Choral im Stile Bachs. Brahms nimmt in diesem Stück übrigens eine alte Arbeit auf, die er in seinen Zwanzigerjahren verfasst hatte, die "missa canonica" (ohne Opuszahl).
2. Peter Planyawski: Der 269.Psalm. Einen solche Psalm gibt es nur, wenn man Texte aus Psalm 148 und 121 zusammenfügt. Ein gefälliges Stück in der Nachfolge von Knut Nystedt, aber musikalisch nicht so substantiell.
3. Max Baumann: Vater unser, für 8 Stimmen. Ein expressives Werk (1964), mit Dissonanzen, aber nur an den Höhepunkten.
4. Gottfried August Homilius wurde 1714 geboren, also wie Carl Philipp Emanuel Bach vor 300 Jahren. Auch von Homilius singen wir ein deutsches Vaterunser.
(Weisheit der Brahmanen)
Die Tage sehen wir, die teuren, gerne schwinden,/um etwas Teureres herangereift zu finden:/ ein seltenes Gewächs, das wir im Garten treiben,/ ein Kind, das wir erziehn, ein Büchlein, das wir schreiben.
(Friedrich Rückert)

dr.pingel

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3

Dienstag, 25. März 2014, 21:12

In meiner Kirchengemeinde gibt es einen Projektchor, der im März einen sehr schönen Messias aufgeführt hat, mit einem sehr guten Orchester mit alten Instrumenten aus Köln. Seit etwa 2 Jahren hat daraus der Chorleiter einen eigenen Männerchor gebildet. Wir proben unregelmäßig, aber intensiv. Begonnen haben wir mit Bel Ami und anderen Schmachtfetzen. Jetzt proben wir aber transponierte geistliche Literatur. Für mich ist es schön, dass ich mit einem sehr guten Kollegen im ersten "Sopran" (also 1. Tenor) singen kann, wo man immer die Melodie hat und schön hoch singen kann.
Für diesen Chor müsste ich Vergnügungssteuer bezahlen.
(Weisheit der Brahmanen)
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William B.A.

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4

Mittwoch, 26. März 2014, 00:43

Da wären wir wieder beisammen, lieber dr. pingel. Jetzt bricht ja für unsereins die Zeit der "Vielbeschäftigung" an.

Es geht los mit meinem Stammchor, mit dem wir an Passionssonntag, 6. April eine kirchenmusikalische Andacht gestalten. Dafür proben wir an Neuem

1. die Hymne "Hör mein Bitten" von Felix Mendelssohn-Bartholdy,
2. "Panis angelicus" vn César Franck;

Dann geht es weiter mit meinem zweiten Kirchenchor, mit dem wir Gründonnerstag den Gottesdienst gestalten. Dafür üben wir aus dem Repertoire zur Zeit aus Charles Gounods Messe Breve Nr. 7 in C

1. das Kyrie,
2. das Gloria,
3. O salutaris hostia;

Karfreitag und Karsamstag bin ich dann mit usneren beiden Choralscholen in Sachen Gregorianische Chorräle unterwegs.

Ostersonntag werden wir dann in meinem zweiten Kirchenchor wohl die gesamte Gounodmesse singen.

Ostermontag werden wir in unserem Stammchor neben eingen Repertoire-Stücken wohl das Kyrie und das Gloria aus Mozarts Krönungsmesse singen.

Am Samstag nach Ostern werden wir in einem Pontifikalhochamt zum 100jährigen Jubiläum von St. Johannes in Lette in meinem Stammchor die gesamte Krönungsmesse zur Aufführung bringen.

Also 7 Auftritte in 20 Tagen: man gönnt sich ja sonst nichts.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

dr.pingel

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5

Mittwoch, 26. März 2014, 09:23

Danke, lieber William, unter anderem hatte ich dich auch im Sinn, als ich das Thema startete. Vielleicht kannst du noch nachreichen, wie deine musikalische Chor - Sozialisation war, dazu deine sonstigen Lieblingswerke. Dieses Thema soll nicht nur aktuelle Stücke vorstellen, sondern auch den Sänger selbst!
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William B.A.

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6

Mittwoch, 26. März 2014, 15:40

Lieber Dr. Pingel,

ich wollte auch nicht alles auf einmal schreiben :D . Nein, im Ernst, schon als Sechsjähriger kam ich zum ersten Mal bewusst mit dem Chorgesang in Berührung. Mein Vater hatte mich mit in die Festmesse des Schützenvereins genommen und mich auf der Orgelempore untergebracht, wo schon der örtliche Männerchor versammelt war. Dieser trug dann in mich ergreifender Weise die "Deutsche Messe" von Schubert vor. Von da an habe ich auch hauptsächlich die Gottesdienste besucht, in denen unser Kirchenchor sang.
Einige Jahre später kam ich dann aufs Gymnasium und meldet mich dort sofort im Schulchor an. Das Singen machte mir sofort große Freude. Die ersten Jahre sang ich noch im Sopran, und nach dem Stimmbruch sang ich für kurze Zeit im Bass, bis ich bemerkte, dass der Tenor eigentlich meine Stimmlage war. Unser erster außerschulischer Auftritt fand dann zum Festakt des 50jährigen Bestehens unserer Schule statt, wo wir den Chor "die Himmel erzählen" aus Haydns "Schöpfung" vortrugen. Ich durfte dort auch im Engelstrio "Dem kommenden Tage sagt es der Tag" den Uriel singen".

Wenige Wochen später trat ich in den o. a. Kirchenchor ein und sang fortan Chorsätze und Messtexte im Rahmen der Liturgie. Ich erinnere mich nur an wenige Einzeltitel, einen vierstimmigen Satz des "Stille Nacht", das "Ave Maria" von Bruckner, das "Halleluja" von Händel, das "Wenn Christus der Herr zum Menschen sich neigt", ebenfalls von Händel und einen berührenden Satz, den wir immer zum "Weißen Sonntag" aufführten: "Lasset die Kindlein zu mir kommen". Darin hatte der Tenor einen herrlichen Legatobogen auf "zu". Weiter erinnere ich mich an eine längere Probenphase der "Missa Papae Marcelli". Aber leider war es uns nicht vergönnt, Aufführungsreife zu erlangen. Noch an einen jährlich wiederkehrenden Auftritt erinnere ich mich. Wir nahmen jährlich am "Dekanatssingen teil und führten mit dem Männerchor den Eingangsmarsch aus dem Zigeunerbaron von J. Strauß Sohn auf: "Vorbei die siegreiche Schlacht".

Mit Beginn meines Studiums 1968 habe ich leider den größten Fehler meines Lebens begangen und eine Pause gemacht, die bis Anfang 1989 währte.
Dann bin ich, nachdem ich gut fünf Jahre vorher mit dem Rauchen aufgehört hatte, in meinen heutigen Stammchor eingetreten, mit dem wir ein Jahr später 100-jähriges Jubiläum feierten mit der D-dur-Messe op. 86 von Antonin Dvorak.
Zwei Jahre später bekamen wir einen neuen Chorleiter, Ansgar Kreutz aus Dortmund, Gründer der "Capella Tremoniensis", die du vielleicht kennst. Kreutz war damals im Endstadium seines Studiums an der Musikhochschule in Utrecht und übte mit uns anlässlich seines Examenskonzertes einige Sätze aus Bachs Kantate Nr. 147 und Mendelssohns Psalmkantate, Psalm 42 "Wie der Hirsch schreit" ein. Dazu kam ein von ihm selbst komponiertes Stück zum Einzug und ein à capella-Satz, den er mit der Capella Tremoniensis vortrug. Die Capella verstärkte unseren Chor auch bei Bach und Mendelssohn. Dieses Konzert kam ebenso wie die Dvorak-Messe einige Jahre vorher beim Publikum gut an.

Mit unserem nächsten Chorleiter, mit dem wir seit nunmehr 20 Jahren zusammenarbeiten, haben wir dann regelmäßig Chorkonzerte aufgeführt, doch davon mehr in einem späteren Bericht.

Liebe Grüße

Willi :)
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Bachiania

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7

Donnerstag, 27. März 2014, 21:20

Lieber Willi, danke für deine ausführlichen Erzählungen. Ich hätte sehr gerne in meinem Leben so viele wunderbare Chor-Erfahrungen gemacht, aber das Leben wollte es anders... Dennoch singe ich selbst mit ungebrochener Begeisterung und freue mich täglich über diese großartige Möglichkeit, mich musikalisch auszudrücken.

Würdest du uns nach so viel Berichten die Namen (und Stammkirchen?) der Chöre verraten, in denen du aktuell singst?

Viele Grüße Bachiania (die auf der Suche ist).
Man sagt, wenn die Engel für Gott spielen, so spielen sie Bach, füreinander aber spielen sie Mozart.
(Sir Isaiah Berlin)

William B.A.

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8

Donnerstag, 27. März 2014, 22:42

Liebe Bachiania,

Ich singe zur Zeit in folgenden Chören:

1. Kirchenchor St. Johannes Baptist Lette
seit 1. 02. 1989

2. Männerchor St. Johannes Baptist Lette
seit 1. 02. 1989

3. Choralschola St. Johannes Baptist Lette
mit kleiner Pause seit etwa 15 Jahren

4. Kirchenchor St. Lamberti Coesfeld
(aktiv seit 3 Jahren, Gastprojekte seit 6 Jahren

5. Choralschola St. Lamberti Coesfeld seit 2 Jahren;
(die Namen der beiden Pfarreien sind dick gedruckt).

Lette ist ein Ortsteil von Coesfeld, Westfalen und liegt im praktisch katastrophenfreien Münsterland. Unsere nächsten Projekte sind Mozart, Krönungsmesse, 26. 4. 2014, Lette, Fauré, Requiem, 2015 Coesfeld, Schubert B-dur-Messe(?), Lette 2015.
Wir feiern in Lette in diesem Jahr das 100-jährige Bestehen der Pfarrkirche St. Johannes Baptist und im nächsten Jahr das 125-jähtge Bestehen unseres Kirchenchores.
Unsere beiden Chöre haben zur Zeit jeweils ca. 75 aktive Mitglieder, und beide Chöre sind zur Zeit untermauert von jeweils ca. 50-köpfigen Jugendchören. Mittelfristig haben wir in beiden Chören gemeinsame Projekte wie die Oratorien "Elias" von Mendeslssohn und "Die Schöpfung" von Haydn auf der Agenda. Unsere letztes sehr erfolgreiches gemeinsames Projekt war am 15. Dezember das "Weihnachtsoratorium" BWV 248.

Liebe Grüße

Willi :)
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Bachiania

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9

Donnerstag, 27. März 2014, 22:57

:) :) :) wer suchet, der findet...
Man sagt, wenn die Engel für Gott spielen, so spielen sie Bach, füreinander aber spielen sie Mozart.
(Sir Isaiah Berlin)

Siegfried

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10

Freitag, 28. März 2014, 11:30

Liebe Bachiania,

wer immer sich hinter diesem Pseudonym versteckt halten mag, der möchte ich heute sagen:

Dein Epilog-Satz von Sir Isaiah Berlin "Man sagt, wenn die Engel für Gott spielen, so spielen sie Bach, füreinander aber spielen sie Mozart" regt jedes Mal beim Lesen meine Phantasie an. Heute stelle ich mir vor, wie die Engerl wieder mal geschäftig in ihren Notenstapeln gruschteln, um die für den aktuellen Anlass adäquaten Noten herauszusuchen. Die tamino-ähnlichen kontroversen Debatten beendet der für die Musik zuständige Erzengel "Alfredopher", indem er auf den Tisch haut und bestimmt: "Wir spielen HÄNDEL!" X(

Na, dann hätten sie sich die Händel zuvor ersparen können, oder nicht? Wie im richtigen Leben auch...

:hello:
Freundliche Grüße Siegfried

dr.pingel

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Freitag, 28. März 2014, 14:59

:angel: :thumbsup:
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Die Tage sehen wir, die teuren, gerne schwinden,/um etwas Teureres herangereift zu finden:/ ein seltenes Gewächs, das wir im Garten treiben,/ ein Kind, das wir erziehn, ein Büchlein, das wir schreiben.
(Friedrich Rückert)

Bachiania

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12

Freitag, 28. März 2014, 15:34

Also meine Engelrn singen immer genau das, was gerade passt ! Die wissen schon, wer was braucht ! Ob jemand dann zuhören will, liegt beim Betreffenden ...
Man sagt, wenn die Engel für Gott spielen, so spielen sie Bach, füreinander aber spielen sie Mozart.
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William B.A.

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Freitag, 28. März 2014, 23:33

Ein Werk, das wir momentan proben und das sicher auch Gnade vor den strengen Augen von Dr. Pingel finden wird, ist dieses hier:

Alles, was ihr tut, mit Worten oder Werken

Einleitung:
Alles, was ihr tut mit Worten oder Werken,
das tut alles im Namen Jesu,
und danket Gott, dem Vater durch ihn.

1. Dir Höchster, dir alleine,
alles, Allerhöchster, dir,
Sinne, Kräfte und Begier,
ich nur aufzuopfern meine,
Alles sei nach alller Pflicht
nur zu deinem Preis gericht.

2. Helft mit spielen, jauchzen, singen,
hebt die Herzen huimmelan,
jubele, was jubeln kann;
laßt all' Instrumente klingen!
Alles sei nach aller Pflicht
nur zu seinem Preis gericht.

3. Vater, hilf um Jesu willen,
laß das Loben löblich sein
und zum Himmel dringen ein,
unser Wünschen zu erfüllen,
daß dein Herz nach Vaters Pflicht
sei zu unserm Heil gericht.

Ich hoffe, dass ich die Textverteilung richtig wiedergegeben habe. Der einleitende Teil wird am Schluss noch einmal gesungen, ich weiß aber nicht, ob nach jeder Strophe, denn so weit sind wir in den Proben noch nicht fortgeschritten.

Liebe Grüße

Willi ^^
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dr.pingel

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14

Freitag, 28. März 2014, 23:53

Also, William, den Komponisten musst du uns schon verraten!
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William B.A.

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15

Samstag, 29. März 2014, 02:22

Pardon, lieber Dr. Pingel, es handelt sich um Dietrich Buxtehude.

Liebe Grüße

Willi :)
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16

Samstag, 29. März 2014, 02:24

Willi schläfst du auch mal? Buxtehude ist großartig, ich muss mir dieses Stück anhören!
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William B.A.

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17

Samstag, 29. März 2014, 18:05

Seit ich in Pension bin, liebe Bachiania, bleibe ich öfter mal länger auf, was ich früher schon gerne getan habe, aber jetzt kann ich es mir erlauben und schlafe dann schon mal in den Tag hinein.

Liebe Grüße

Willi :)
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18

Samstag, 29. März 2014, 18:09

Ja, lieber William, wir Pensionäre sind Zeitmillionäre! Und wir schätzen etwas, was Leute wie Napoleon und Fassbinder verachteten: den Schlaf. Aber ohne ihn gibt es keine Gesundheit.
Zu Buxtehude: klickt mal bei YouTube Buxtehudes "Will der Tod denn auch entbinden" mit Andreas Scholl an. Taschentuch bereithalten!!
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musikwanderer

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19

Sonntag, 30. März 2014, 08:17

Ich bin erstaunt, daß es Musikfreunde gibt, die den Komponisten der Kantate ALLES, WAS IHR TUT nicht kennen ;(
Und darunter sogare Chorsänger ?(
Mir persönlich wird der Dieterich viel zu sehr unterschätzt, ob in der Labelpolitik oder im richtigen Konzertleben :!:

:hello:
.

MUSIKWANDERER

Bachiania

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20

Sonntag, 30. März 2014, 17:13

Wie recht du hast, Musikwanderer !

Ich habe mir diese Stück gestern angehört. Ich habe kein Taschentuch benötigt, da es auf mich eher besinnlich und ruhig wirkte, denn traurig. Ich habe dann noch eins drauf gesetzt und mir das ganze "Membra Jesu Nostri" angehört. Die Musik von Buxtehunde scheint mir auf eine Art "abgeklärt" zu sein, nicht sehr emotionell oder dramatisch, aber ein wenig so als würde sie uns daran gemahnen, nachzudenken, was im Leben eigentlich wesentlich ist. Doch dies ist natürlich sehr sehr subjktiv. Sagt mir, wie ihr das empfindet !

:) Bachiania
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dr.pingel

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21

Sonntag, 30. März 2014, 17:31

Ich bin erstaunt, daß es Musikfreunde gibt, die den Komponisten der Kantate ALLES, WAS IHR TUT nicht kennen ;(
Und darunter sogare Chorsänger :!:

:hello:

Vorsicht, lieber Musikwanderer, sonst nenne ich dir 100 Chorstücke, die ich schon gesungen, die du aber nie gehört :baeh01: hast!
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22

Mittwoch, 9. April 2014, 15:57

Weil es gerade so lustig ist (siehe "Fiori musicali"), erlaube ich mir, hier ein kleines Rätsel an alle Chorsänger zu richten. Gestern traf ich eine Dame, die offenbar ihr (Kirchen)leben hindurch Soloaltistin war. Sie fragte mich: "Welches ist die einzige Messe, die mit einem Altsolo beginnt ?". Und sie war sehr erstaunt, dass ich es wusste. (Sie wusste natürlich nicht, dass seit meiner Kindheit die Kirchenmusik meine Passion ist). Wisst ihr es auch ???

;) Bachiania
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Gombert

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23

Mittwoch, 9. April 2014, 16:51

Liebe Bachiania,

ich erlaube mir zu prognostizieren: dr."alte musik"pingel wird feststellen, dass man besagte Dame unter gewissen Umständen durchaus ins Unrecht setzen könnte (zwecks Prognosenaufrechterhaltung darf ich mich jetzt nicht weiter äussern). ;)

dr.pingel

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24

Mittwoch, 9. April 2014, 16:56

Ich muss gestehen, dass ich keine Ahnung habe. Um polyphone Musik kann es sich nicht handeln, sondern eher um die Messen der klassischen Zeit, also Haydn, Mozart, Schubert und den ganzen Rest. Und - mit Verlaub - wenn ich etwas definitiv nicht höre, dann ist es diese Sparte der Musik, so schöne Werke auch darunter sind. Meine Kirchenmusik war immer protestantisch, die erste richtige Messe, die ich gehört habe, weil ich sie auch gesungen habe, war die "Missa Papae Marcelli" von Palestrina. Danach war ich der katholischen Kirchenmusik verfallen, aber nur bis in die Zeit der Renaissance (also Gabrieli und Monteverdi als die letzten Komponisten). Es ist auch seltsam, dass wir in meinen Vokalensembles diese "klassische" Zeit durchgängig gemieden haben, denn meist braucht man ein Orchester dazu, außerdem hat nur der Sopran was von der Chorpartie, die anderen brummen unterstützend nur drum rum. Eine Ausnahme muss ich machen: das Requiem von Mozart, wer immer es geschrieben hat. Brahms ist ja dann wieder von der richtigen Konfession.
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Gombert

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25

Mittwoch, 9. April 2014, 17:10

Da ich Bachianias Rätsel auch nicht direkt beantworten kann, werde ich mit der "Schummelantwort" noch warten - man darf den Begriff "Altsolo" nicht zu wörtlich nehmen. Und, lieber Docteur, selbstverständlich hätte ich niemals dr.pingel und die Sakramusik der Klassik zusammengebracht (zumal ich da nicht firm bin, allein diese ganzen frühen Mozartmessen... :untertauch: )!

Bachiania

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26

Donnerstag, 10. April 2014, 14:53

Lieber Dr. Pingel, ich dachte mir schon, dass du pingelig trennst, welcher Konfession jemand angehört... ;) Da kann ich mich glücklich schätzen, dass du mit mir konferierst!

Aber ganz im Ernst: ich liebe die Kirchenmusik der Klassik, aber ich halte es mit katholischen Messen wie Zweiterbass mit den Bach'schen Texten. Ich blende sie weitgehen aus und sehe sie als eine Art "Stimmungsgrundlage" der Komponisten. Freilich hat man sich nach vielen Konventionen gerichtet: manche Textstellen durften eben nur in dieser oder jener Art vertont werden.

Hört euch doch jedoch einmal nur diese paar Minuten des Agnus Dei aus Haydns Harmoniemesse an:



Ein wunderbares Stück Musik, voller inniglicher Gefühle und ruhiger Freude! Haydn hält es gänzlich homophon, durchgehend in den vier Solostimmen besetzt. Begleitend spielen die Bläser, allen voran Oboe und Fagott, eine obligate Rolle. Die Melodik ist ganz einfach, fast könnte sie ein Kirchenlied sein. Haydn bringt die emotionelle Färbung durch die Modulationen in den rein homophonen Satz. G-Dur – C-Dur – As-Dur, dann nach einem kurzen Orgelpunkt auf d Schrittweise hinauf, und weiter nach F-Dur. Alles ganz schlicht. Und doch: welche Größe!
Das anschließende "dona nobis pacem" übernimmt das Anfangsmotiv in den Chor, jedoch nun in ganz anderem Charakter: fröhlich strahlend, siegreich.
Ich kann in Dieser Musik mitnichten ein leidendes Opferlamm entdecken, das seinen Schutzbefohlenen ihre Sünden abnimmt, sich aber gleichzeitig um Erbarmen und Frieden anflehen lässt... (welcher liebende Gott würde so etwas tun?) Ich spüre hier Liebe, Frieden und Freude im Überfluss !

Aber eigentlich wollte ich ja nur jenen, die sich klassischen Kirchenmusik nichr so nahe fühlen, entlocken, sich mit mir (nur ganz kurz) dafür zu begeistern. Und damit dies jetzt nicht allzuweit vom Thema weg führt, gebe ich wahrheitsgemäß bekannt, dass ich sehr sehr gerne diese Messe einmal im Chor singen würde.

Doch vielleicht löst ja doch noch jemand mein Rätsel. Willi, rette mich ! ;)

Und Joachim, vielleicht verrätst du uns deine alternative Idee?

Herzliche Grüße
Bachiania
Man sagt, wenn die Engel für Gott spielen, so spielen sie Bach, füreinander aber spielen sie Mozart.
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Bachiania

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27

Donnerstag, 10. April 2014, 19:18

Entschuldigt bitte generell meine oftmaligen Tippfehler! Das geschieht eben, wenn man glaubt, man könne von unterwegs vom Smartphone aus posten. Aber anders geht es bei mir eben oft gar nicht.
Viele Grüße
Bachiania
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dr.pingel

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28

Donnerstag, 10. April 2014, 20:04

Lieber Dr. Pingel, ich dachte mir schon, dass du pingelig trennst, welcher Konfession jemand angehört... ;) Da kann ich mich glücklich schätzen, dass du mit mir konferierst!



Bachiania



So streng ist es mit den Konfessionen nicht, vor allem, da ich gerade in einem durchaus katholisch geprägten Chor singe, in dem es eine ganze Reihe sehr spiritueller Katholiken gibt.
Den Bock, den ich geschossen habe, hat zum Glück keiner bemerkt. Ich habe gemeint, dass ich eigentlich katholische Kirchenmusik nur bis 1600 schätze. Wenn man bedenkt, dass die Reformation erst 1517 begann, als Luther seine 95 (Pro)Thesen anschlug, hat das etwa Tautologisches.
(Weisheit der Brahmanen)
Die Tage sehen wir, die teuren, gerne schwinden,/um etwas Teureres herangereift zu finden:/ ein seltenes Gewächs, das wir im Garten treiben,/ ein Kind, das wir erziehn, ein Büchlein, das wir schreiben.
(Friedrich Rückert)

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Donnerstag, 10. April 2014, 20:17

Ich habe den letzten Satz der Harmoniemesse gehört, ein sehr schönes Stück mit guten Musikern (erkannt habe ich Mariss Jansons als Dirigenten).
Ich kenne die Musik als Schlussquartett aus Haydns Oper "L´isola dishabitata", bei der sich die verzweifelten beiden Liebespaare wieder zusammenfinden und wie aus dem Nichts auch irgendwoher ein Chor auftaucht.
:untertauch:
Nein, nein, das ist völlig gelogen; ich kenne die Musik gar nicht, aber sie könnte das Fake - Stück sein. An der Bildführung wird klar, welche Kirche die Komponisten der klassischen Epoche bei den Messen im Sinn hatten: man sieht die barocke Pracht der "Ecclesia triumphans". Und Ecclesia triumphans hieß immer Verachtung, Folter, Tod und Vertreibung, mindestens aber Denkverbote für die, die sich ihr nicht anschlossen. Das ist einer der Gründe, warum ich diese Musik nicht singen möchte.
Ich möchte übrigens sagen, dass ich ein großer Haydn - Verehrer bin, der alle Sinfonien nicht nur besitzt, sondern jede auch mindestens 10x gehört, meist aber noch mehr. Und die Streichquartette stehen mir noch bevor.
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Freitag, 11. April 2014, 06:54

Lieber Dr. Pingel, hierzu zwei Dinge :

1. Ich glaube zu verstehen, dass diese deine Abstinenz gegenüber der klassischen Kirchenmusik sozusagen aus "politischer Korrektheit" entspringt. Mit allem hast du recht. Doch man könnte hier noch viele andere Gedanken einbringen. Dies wäre ein schönes Thema für einen ganzen angenehmen Abend. Beispielsweise: was heute geschieht, übersteigt die Schrecken der Vergangenheit um ein Vielfaches.

Und meinst du, die protestantische Kirche sei niemals in ähnliche politische Verflechtungen involviert gewesen, wie die katholische? Dies ist schwer vorstellbar.

Und warum denkst du, die Kirche habe vor 1600 aus einer anderen Gesinnung gelebt?

Zudem: ich meine, dass die ABSICHT zählt. Gerade im Falle von Joseph Haydn bin ich mir sicher, er komponierte aus der tiefen und ehrlichen ÜBERZEUGUNG, etwas Gutes und Reines zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen zu schaffen. Er ließ sich hier nicht dreinreden. Als Maria Theresia meinte, das "qui tollis peccata mundi" seiner Schöpfungsmesse sei viel zu fröhlich, er solle es ändern, hielt er sich nicht daran und beließ das Stück, wie es war.

Seine Musik zu hören bereitet im Grunde immer wieder nur: reine Freude ! In diesem Sinne habe ich keine moralischen Bedenken. Im Gegenteil: immer wieder fühle ich eine gewisse Befriedigung, wenn eine im Grunde NICHT GUTE ABSICHT ohne es zu wollen ETWAS GUTES hervorbringt !

2. Ich freue mich, dass du Haydn so schätzt. Auch ich kenne alle außer drei oder vier seiner Symphonien. Und ich meine: die Qualität seiner Kompositionen steht jenen Mozarts um nichts nach.

Und bei alledem bin ich jetzt der Lösung meines Rätsels schon sehr nahe gerückt. Willi wo bist du?

Herzliche Grüße
Bachiania
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