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AH.

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Beiträge: 248

Registrierungsdatum: 10. Juli 2006

1

Montag, 11. August 2014, 18:56

Eugène Ysaye: Sonaten für Violine solo zum ersten Mal vollkommen bewältigt

Hallo,

die Sonaten für Violine solo von Eugène Ysaye, komponiert 1923, scheinen erstaunlicherweise in diesem Forum noch gar nicht besprochen worden zu sein. Das ist verwunderlich, da es sich nach meiner Ansicht neben den Sonaten und Partiten für Violine solo von Johann Sebastian Bach um die beste Musik für Violine solo handelt, Bach mindestens ebenbürtig, vor mir vielleicht sogar noch besser! Olga Guy ist die erste Geigerin, die diese Werke überhaupt sinnvoll spielt. Sie spielt die Sätze der Sonaten wirklich durch, während alle anderen Geiger diese Werke vollkommen zerstückeln und zerreißen. Außerdem phrasiert Olga Guy sinnvoll, das heißt, sie bindet die richtigen Noten zu langen Phrasen zusammen, so dass die Musik insgesamt atmet und Sinn und Emotion ergibt. Bei jpc kann man in die Sonaten hineinhören: Ich empfehle für das erste Hören die zweite Sonate, die Jaques Thibeaud gewidmet ist. Es handelt sich um die Titel 5 bis 8, welche die Titel Obsession (Pré‚lude), Malinconia, Danse des ombres und Les furies tragen. Durch alle Sätze dieser Sonate zieht sich der mittelalterliche Hymnus "Dies irae", der ja auch u.a. von Hector Berlioz in der "Symphonie Phantastique", von Sergej Rachmaninov in den Variationen über ein Thema von Paganini oder von Franz Liszt im Totentanz verwendet wurde.

.

Dies irae dies illa,
Solvet saeclum in favilla:
Teste David cum Sibylla.

Tag der Rache, Tag der Sünden,
Wird das Weltall sich entzünden,
wie Sibyll und David künden.

Sehr gelungen finde ich auch das Cover der CD, das das 1898 entstandene Gemälde "Lady Godiva" von John Collier zeigt. Godiva ist Gegenstand einer Legende, die seit dem 13. Jahrhundert belegt ist: Das Volk litt unter der Steuerlast, für die ihr Ehemann verantwortlich war. Lady Godiva ertrug es nicht, die Menschen leiden zu sehen. Sie bemühte sich, ihren Mann dazu zu überreden, die Steuerlast zu senken. Er erwiderte, er würde die Steuern erst senken, wenn sie nackt durch die Stadt reitet. Denn Leofric rechnete nicht damit, dass seine Frau tatsächlich den Mut aufbringen würde, ohne Bekleidung durch die Stadt zu reiten, damit es dem Volk besser geht. Leofric, vom Mut seiner Frau beeindruckt, habe daraufhin alle Steuern erlassen, außer jene auf Pferde.

Auch das Klangbild der CD ist sehr gelungen, die Violine klingt natürlich, die Aufnahme erfolgte in der "la Bibliotheque Solvay" in Bruxelles, die mir für diese Werke weder zu trocken noch zu hallig erscheint. Künstlichen Nachhall oder Dynamikkompression findet man nach meiner Einschätzung bei dieser Aufnahme nicht.

Die Website der Geigerin Olga Guy findet man hier: http://www.olgaguy.com/

Liebe Grüße und Gottes reichen Segen

Andreas
De gustibus non est disputandum (über Geschmäcker kann man nicht streiten)

lutgra

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Beiträge: 4 840

Registrierungsdatum: 9. April 2013

2

Montag, 11. August 2014, 20:45

Olga Guy ist die erste Geigerin, die diese Werke überhaupt sinnvoll spielt.
Das ist natürlich Anbetracht der geigerischen Kompetenz, die sich mit diesem Werk auseinander gesetzt hat, ein starkes Statement. Ich muß aber zugeben, diese Stücke nicht sehr gut zu kennen, ich habe auch nur eine Gesamtaufnahme mit Thomas Zehetmair.

Ich warte allerdings auf die hier, kennst Du die schon?

„Alles klingt wunderbar klar, gerundet und nie aggressiv. Die neue Ysaÿe-Referenzaufnahme, sie wirkt fast wie eine Droge und fasziniert von A bis Z !“ (Fono Forum, August 2014)