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AMATEURVIDEO-FILMFORUM-WIEN

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Joseph II.

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Registrierungsdatum: 29. März 2005

1

Samstag, 11. Oktober 2014, 18:44

Berlin prüft höhere Eintrittspreise für Oper und Theater — Gefahr für die Kulturlandschaft in Deutschland?

Zitat

FRANKFURTER ALLGEMEINE

Die Stadt Berlin bezuschusst jede Opernkarte mit 257 Euro. Das soll weniger werden. Der Berliner Kultur-Staatssekretär spricht sich für höhere Preise aus.

Derzeit kosten an der Berliner Staatsoper die teuersten Karten für eine Repertoirevorstellung an einem Wochentag 84 Euro, an der Bayerischen Staatsoper sind es 132 Euro. Die öffentliche Hand schließt in Berlin 257 Euro pro Karte zu, in München sind es wegen höherer Kartenpreise und größerer Sitzkapazität nur 110 Euro.
Quelle: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wi…r-13203018.html

Was soll man davon halten? Eine gefährliche Tendenz, die Schule machen und letztlich der deutschen Kulturlandschaft schaden könnte?

Ich kann aus Wiener Studenten-Perspektive sagen, dass die Eintrittspreise hier m. E. zu hoch sind. Die niedrigsten Kategorien in Staatsoper, Musikverein und Konzerthaus mögen ja noch im Rahmen sein, aber bereits die zweitgünstigste ist schon recht deftig. Ich weiß nicht, woran es liegt, vermutlich weil es Wien sich erlauben kann. In Nürnberg und Dresden gab es jedenfalls eine deutlich studentenfreundlichere Preispolitik, wenn ich so zurückdenke. Die Tage schaute ich mir die Preise in London an. Auch dort deutlich gemäßigter. Nur weil man in Wien wegen der Touristen so oder so "volles Haus" hat, rechtfertigt das m. M. n. keineswegs, nicht auch deutlich vergünstigte Karten an gewissen Gruppen (Schüler, Studenten, Rentner usw.) herauszugeben. Ich rede nicht von Abendkasse, das ist keine echte Alternative für mich, da zu unsicher.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

rodolfo39

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2

Samstag, 11. Oktober 2014, 18:52

Das mit den höheren Eintrittsgeldern hat man in Duisburg auch schon versucht. Mit dem Erfolg das viele Abonnenten gekündigt hatten und ein Großteil der Vorstellungen vor fast leeren Haus stattgefunden haben. Die Preiserhöhung betraf zwar nur die Wochendvorstellungen, aber es waren 2 Euro pro Karte mehr. Und am Wochenende gehen halt die meisten in die Oper und nach einer Spielzeit hat man die Eintrittspreise wieder runtergesetzt.

lutgra

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Registrierungsdatum: 9. April 2013

3

Samstag, 11. Oktober 2014, 18:59

Was soll man davon halten? Eine gefährliche Tendenz, die Schule machen und letztlich der deutschen Kulturlandschaft schaden könnte?
Warum sollte eine hochverschuldete Stadt weiterhin das Hobby weniger - meist relativ gut gestellter Bürger - subventionieren, wenn - wie wir hier täglich erfahren - die Mehrheit der Bürger das Angebotene eh nicht mehr sehen will. Dann machen wir es doch wie in New York, da bezahlen die betuchten Bürger die Oper komplett und wenn dann noch eine spendable Dame 1,5 Mio $ herausrückt, gibt es dafür auch die Turandot von Zeffirelli. ;)

Mme. Cortese

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Beiträge: 1 321

Registrierungsdatum: 12. Januar 2010

4

Samstag, 11. Oktober 2014, 19:14

Warum sollte eine hochverschuldete Stadt weiterhin das Hobby weniger - meist relativ gut gestellter Bürger - subventionieren, wenn - wie wir hier täglich erfahren - die Mehrheit der Bürger das Angebotene eh nicht mehr sehen will.
Vielleicht sollte man das Angebotene ändern und schauen ob man so mehr Zuschauer kriegt. Dann würde sich vielleicht auch eine Preiserhöhung erübrigen.
Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

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5

Samstag, 11. Oktober 2014, 19:38

Ich halte das für einen guten Weg, denn damit trifft man vermutlich das RT-Publikum. Man zerstört auf diese Weise die Istitution Oper gleich von zwei Seiten her - einerseits von der RT-Seite - welche die alteingesessenen Famlien aus den Abonnements vertrieb - und die Neu-Gierigen (im Sinne des Wortes) welch sich die Oper dann nicht mehr leisten wollen (Ich rede hier bewusst von WOLLEN, denn Disco- Eintritte und sogenannte "Designer-Klamotten" (das zweite Wort ist gut gewählt, denn es beschreibt einen Teil dieser Art von Kleidung recht gut) sind ja auch nicht grade billig.
Es wird dann eine Zäsur geben - und das passieren, was lutgra (allerdings spöttisch) als mögliche Entwicklung beschreibt. Die "Reichen werden die Oper finanzieren - und die Rahmenbedingungen bestimmen. Ich bin davon überzeugt, daß dies einen Umdenkprozess in Gang setzen wird. Und man kann den "Reichen" vielerlei vorwerfen - kaum aber, daß sie nicht das "Normalvolk" an der Kultur teilnehmen liessen. Allerdings zu ihren Bedingungen. Bekleidungs- und Benimmregeln und "gepflegtes Theater " ohne Hässlichkeit. Da das bis ca 1980 sehr gut funktioniert hat, sehe ich keinen Grund, warum es nicht auch in Zukunft funktionieren sollte....

Beste Grüße aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Rheingold1876

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6

Samstag, 11. Oktober 2014, 19:41

Drei große Opernhäuser in Berlin haben in den vergangenen Jahren sehr viel Schrott produziert. Das heißt aber nicht, dass die Häuser sehr schlecht ausgelastet sind. Mehr Kartenverkäufe ändern aber nicht viel, können die Defiziten nicht annähernd ausgleichen. Selbst die Komische Oper hat ihre extremes Tief überwunden und wieder viel mehr Zuschauer. Das so genannte Regietheater hat in Berlin offenbar großen Zulauf. Mit Schrott meine ich, dass unglaublich teuere Inszenierungen nach kürzester Zeit wieder von der Bildfläche verschwanden und vernichtet wurden. Dabei war die Deutsche Oper Vorreiter mit Aida, Arabella, Freischütz usw. Aber auch an der Staatsoper wurde zum Beispiel ein sagenhaft teurer Tristan nach zwei oder waren es drei Vorstellungen in die Tonne verfügt. Das haut rein. Die Häuser gönnen sich sehr teures Personal. Namen möchte ich keine nennen. Der Staatsoper droht ein finanzielles Fiasko, weil bei der Sanierung offenbar geschlampt wird. Niemand kann einen Eröffnungstermin nennen - wie beim Flughafen, der die ohnehin bettelarme Stadt in den Milliarden-Ruin reißt, dessen Folgen noch gar nicht absehbar sind. Den Berliner Luxus müssen durch den Länderfinanzausgleich zu einem Großteil andere bezahlen, die sparsamer sind. Der Druck von außen wird stärker. Und das ist so gut wie notwendig. Ich sage das aus Verbundenheit zu meiner Stadt.

Zu den Opernhäusern, die eigene Sinfoniekonzerte veranstalten, kommen noch drei weitere große Orchester hinzu. Ich bin sehr für Kultur, aber sie muss halt auch finanziert werden - indirekt über Steuern von uns allen. Berlin ist wirklich - meist selbstverschuldet - übel dran. Stark sind noch immer die Nachwirkungen der Teilung, weshalb es manches auch nach 25 Jahren noch doppelt und dreifach gibt - wie einen Zoo und einen Tierpark, unzählige Galerien und Museen. Nun auch noch das Schloss, für das ich persönlich bin. Die Stadt muss ja auch ein Bild abgeben, damit man sich wohlfühlen kann. Es droht eine neue Wohnungsnot, weil mehr als 100 000 Wohnungen vor zehn Jahren auf Betreiben der Immobilienlobby abgerissen wurden. Jetzt müssen für das Zigfache neue gebaut werden. Gleichzeitig wurden mindestens 100 000 Wohnungen als Ferienwohnungen umgewidmet, weil sich die Landesregierung davon noch mehr Touristen verspricht. Damit soll aber endlich bald Schluss sein. In Berlin leben unglaublich viele bettelarme Leute. Durch den Flüchtlingszustrom, der Berlin verhältnismäßig stärker betritt als andere Kommunen, wird dieses Problem nicht geringer. Die Infrastruktur liegt am Boden. Parks und öffentliche Plätze verrotten. Wenn jetzt über höhere Eintrittspreise laut nachgedacht wird, weist das schon auf die Zeit nach Wowereit, der zum Jahresende abtritt. Dann dürfte sich einiges ändern, und es dürfte schmerzhaft sein.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Bertarido

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7

Samstag, 11. Oktober 2014, 20:06

Als jemand, der von Berlin (über den Um- und Irrweg Hamburg) nach München gezogen ist, kann ich nur sagen, dass es den Berliner Operngänger preislich bisher sehr gut geht. Selbst bei einer moderaten Preiserhöhung wären die Berliner Häuser immer noch deutlich günstiger als die Bayerische Staatsoper, und die Besucher würden es sicherlich verkraften.

Solange die günstigeren Plätze auch für Normalverdiener erschwinglich sind und es für sozial schwächer Gestellte ermäßigte Karten gibt, habe ich kein Problem damit, dass Opernkarten teuer sind. Opernproduktionen kosten nun mal mehr als beispielsweise Produktionen im Sprechtheater, das muss sich auch irgendwie im Preis niederschlagen. Dass der Staat einen Anteil an den Kosten trägt, halte ich für selbstverständlich, denn Kultur ist eine genuine Aufgabe des Staates (weswegen die Rede von Kultursubventionen schon semantisch in die Irre führt). Aber die Bezuschussung sollte in einem angemessenen Rahmen bleiben.

Eine andere Frage ist, ob Berlin drei Opernhäuser braucht, von denen zwei - nämlich Staatsoper und Deutsche Oper - kein unterscheidbares Profil haben. Wenn man sparen muss, dann wäre die Schließung eines der Opernhäuser m.E. der richtige Weg, und das könnte nur die Deutsche Oper sein, weil die Staatsoper schon als Magnet für die Touristen (wenn sie wieder im alten Haus Unter den Linden ist) gebraucht wird.

Stimmenliebhaber

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8

Samstag, 11. Oktober 2014, 22:39

Ich halte das für einen guten Weg, denn damit trifft man vermutlich das RT-Publikum. Man zerstört auf diese Weise die Istitution Oper gleich von zwei Seiten her - einerseits von der RT-Seite - welche die alteingesessenen Famlien aus den Abonnements vertrieb - und die Neu-Gierigen (im Sinne des Wortes) welch sich die Oper dann nicht mehr leisten wollen
Was soll daran gut sein, die "Institution Oper" zu zerstören??? Was einmal abgewickelt ist, kommt nicht wieder. Und gerade in der Deutschen Oper Berlin laufen seit Jahrzehnten einige Uraltinszenierungen, bei denen die Freunde konservativer Operninszenierungen voll auf ihre Kosten kommen. Und dass dort die Abonnenten vertreiben wurden, stimmt auch nicht.


Als jemand, der von Berlin (über den Um- und Irrweg Hamburg) nach München gezogen ist, kann ich nur sagen, dass es den Berliner Operngänger preislich bisher sehr gut geht.
Als Berliner Operngänger kann ich nur sagen: Es ist ja nicht so, dass es in den letzten Jahren keine Preiserhöhungen gegeben hätte. Am krassesten durch den Umzug der Staatsoper ins Schiller-Theater, wodurch die günstigen Preiskategorien im 3. Rang Seite (sichtbehindert) entfielen, die mit Stehplatzpreisen vergleichbar waren. Den "Tristan", der heute unter Herrn Barenboim im Schiller-Theater läuft, kann man nicht unter 60 Euro besuchen. Das finde ich viel problematischer! (Die im Artikel genannten Preise sind mit Vorsicht zu genießen, da es auch "wochentags" unterschiedliche Preise (C-Preise, D-Preise, E-Preise etc.) gibt.

Aber wenn man der Oper die Basis entziehen will und immer weniger Vorstellungen für immer weniger Reiche spielen will, dann nur zu! Mit meinem Opernideal hat das allerdings nichts zu tun...
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

MSchenk

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Registrierungsdatum: 5. März 2011

9

Samstag, 11. Oktober 2014, 23:04

Aber wenn man der Oper die Basis entziehen will und immer weniger Vorstellungen für immer weniger Reiche spielen will, dan nur zu! Mit meinem Opernideal hat das alerdings nichts zu tun...

Regietheater hin oder her - hier sind wir vollkommen einer Meinung!
mfG Michael

Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

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10

Sonntag, 12. Oktober 2014, 10:16

Ich bin über 50 Jahre in der Leitung des Heilbronner Sinfonie Orchesters (HSO) tätig, davon 45 Jahre als 1. Vorsitzender und heute als Ehrenvorsitzender. Die Frage der richtigen Preisgestaltung für die jeweilige Region und das Publikum im Einzugsgebiet des Orchesters verfolgt mich quasi lebenslang. Zunächst muss ein Konzertveranstalter seine Ziele und seine Möglichkeiten herausarbeiten, danach muss er das gesamte Kulturangebot in seiner Region analysieren und dann festlegen, wo er stehen will: exklusiv- ganz oben, in der Mitte, oder im preisgünstigen Bereich. Dann spielt selbstverständlich die Kostenstruktur des Anbieters und die Kalkulation der Veranstaltungen eine Rolle. Nun sollte ein gestaffeltes Preisangebot erarbeitet werden.
Beim HSO liegen die Preise für Erwachsene von € 29 erster Platz bis € 13 letzter Platz - Für Schüler und Studenten von € 21 - € 8. Aus dieser Preisgestaltung ergibt sich, dass das HSO möglichst breiten Bevölkerungsschichten und vor allem auch der Jugend die Gelegenheit zum Besuch von Sinfoniekonzerten geben will, das heißt, dass in der Preisgestaltung auch ein kulturpolitischer Auftrag zum Tragen kommt. Für mich war es immer eine Hauptmotivation, Aufgaben im Kulturbereich zu übernehmen, dass ich mitwirken konnte, dass es in Heilbronn ein eigenständiges Angebot von klassischer Musik gibt und mögliichst vielen Musikfreunden in Region und Stadt die Gelegenheit geboten wird, Konzerte zu für den Normalbürger erschwinglichen Preisen besuchen zu können . Das hat seit der Gründung des Orchesters im Jahr 1948 hervorragend geklappt; das HSO dürfte mit über 1.400 Abonnenten die stärkste Mietereihe in Baden-Württemberg haben. Selbstredend spielt das Programmangebot und die musikalische Qualität für die Besucherfrequenz eine ganz entscheidende Rolle. Um jetzt zu Preiserhöhungen zu kommen: Das ist ein ganz zweischneidiges Schwert. Bei uns waren selbst sehr moderate Preiserhöhungen zum großen Teil ein Nullsummenspiel. Wir haben oft mehr Abonennten verloren, die mühsam wieder gewonnen werden mussten und der finanzielle Mehrbetrag wurde durch Kündigungen aufgefressen. Ich sehe für unser Orchester und unser Publikum eine Preisbarriere bei € 30. Die können und sollten wir zur Zeit nicht überschreiten. Ich setze mich dafür ein, dass die vom Publikum akzeptierte Preisgestaltung weiterhin bestehen bleibt.
Ich wollte sicherlich noch verkürzt aufzeigen, wie viele Einflussfaktoren die richtige Preisfindung und Preisgestaltung eines Musikanbieters beeinflussen und wie schwierig und gefährlich Preiserhöhungen sind.

Herzlichst
Operus
Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

Gerhard Wischniewski

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Registrierungsdatum: 7. April 2011

11

Sonntag, 12. Oktober 2014, 10:39

Ich selbst würde eine angemessene Preiserhöhung durchaus in Kauf nehmen, auch wenn es mir nicht unbedingt leicht fällt, wenn dafür auch etwas Gescheites geboten wird. Ich würde sogar wieder ein Abonnement aufnehmen. Aber das wurde in den letzten Jahren immer mehr zum Risiko, weil die verunstalteten Inszenierungen immer größeres Ausmaß annahmen. Und dafür bin ich nicht einmal bereit, sie geschenkt anzusehen. Und ich glaube, dass viele, die der Oper inzwischen den Rücken gekehrt haben, das nicht allein wegen Preiserhöhungen getan haben.

Liebe Grüße
Gerhard
Ich mache dringend darauf aufmerksam, dass die szenischen Vorschriften, wie sie in der Partitur mit großer Genauigkeit angegeben sind, mit skrupulöser Treue befolgt werden.
(Wagner in einem Brief zu seinem "Tannhäuser" an Stocks 1841)

timmiju

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12

Sonntag, 12. Oktober 2014, 11:20

Zitat

Der Berliner Kultur-Staatssekretär spricht sich für höhere Preise aus. Derzeit kosten an der Berliner Staatsoper die teuersten Karten für eine Repertoirevorstellung an einem Wochentag 84 Euro.
Ja, da ist sie wieder diese unleidige Diskussion. Wenn der unbedeutende Berliner Kultur-Staatssekretär sich für höhere Opernpreise ausspricht, ist das für mich so, als ob in China ein Sack Reis umfällt. Im übrigen kosten die teuersten Karten für die Staatsoper im unattraktiven Schiller-Theater 66 bis 220 Euro. Herr Renner kommt aus der freien Szene und hat zur Oper null Bezug.


Als jemand, der von Berlin (über den Um- und Irrweg Hamburg) nach München gezogen ist, kann ich nur sagen, dass es den Berliner Operngänger preislich bisher sehr gut geht. Selbst bei einer moderaten Preiserhöhung wären die Berliner Häuser immer noch deutlich günstiger als die Bayerische Staatsoper, und die Besucher würden es sicherlich verkraften.
Eine andere Frage ist, ob Berlin drei Opernhäuser braucht, von denen zwei - nämlich Staatsoper und Deutsche Oper - kein unterscheidbares Profil haben. Wenn man sparen muss, dann wäre die Schließung eines der Opernhäuser m.E. der richtige Weg, und das könnte nur die Deutsche Oper sein, weil die Staatsoper schon als Magnet für die Touristen (wenn sie wieder im alten Haus Unter den Linden ist) gebraucht wird.
Berlin ist Hauptstadt und hat als solche auch eine Hauptstadt-Funktion, anders als das kleine München. Für die Kultur wird viel ausgegeben, aber auch durch die Anziehungskraft für Touristen wieder viel eingenommen. Ich weiß auch nicht, ob die Eintrittspreise wirklich so moderat sind. In Berlin ist die Kaufkraft gegenüber München erheblich niedriger. Und so gesehen geht es dem Berliner Operngänger weiss Gott nicht besser als dem in München. Die Preise sind schon deutlich gestiegen. Für den Tannhäuser habe ich an der DOB 1992 35 DM bezahlt. Heute kostet die gleiche Karte 50 EUR (Preisgruppe 3). Der Kultur-Etat der Hauptstadt beträgt ganze 1,8 Prozent des Gesamtetats, das ist doch nicht viel. Die verteilen sich auf alle kulturellen Bereiche bis zur bildenden Kunst. Ich gehe in Berlin in alle Opernhäuser und sehe überall die Touristen in nicht geringer Zahl. Sie gibt es etwa gleichermaßen in allen drei Opern. Die Deutsche Oper Berlin hat 1859 Sitzplätze. Damit ist sie mit Abstand das größte Opernhaus Berlins, sie hat übrigens auch die größte Bühne, auf der zurzeit die Obermaschinerie erneuert wird. Insofern hat das Haus die meisten Besucher, selbst wenn prozentual die Staatsoper besser vertreten ist, die aber im Schiller-Theater nur auf rund 1000 Plätze kommt. Bei meinen letzten Besuchen in der Deutschen Oper war der Saal stets sehr gut besetzt. Eine Schließung der Deutschen Oper, die ernsthaft auch keiner will, wäre ein ungeheurer niemals wieder gut zu machender kultureller Kahlschlag. Man kann auf dieses Haus nicht verzichten.
:hello:
Wenn schon nicht HIP, dann wenigstens TOP

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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Registrierungsdatum: 12. August 2005

13

Sonntag, 12. Oktober 2014, 11:39

Die Unterschiede der "Zuschüsse" zwischen Pleite-Berlin und BMW/Siemens/etc. München sind nicht groß (ein Faktor 2 ist hier nicht viel). In jedem Fall liegt die Höhe des Zuschusses etwa in der Größenordnung der teuersten Karten. D.h. auch mit den höchsten Preisen ist klar, dass sich die Häuser niemals selbst tragen würden, da es sicher viele Leute gibt, die 100-120 EUR zu zahlen bereit sind, nicht aber 250-300. Von denen würden dann eben auch viele zu Hause bleiben bzw. würde die Oper geschlossen, wenn es insgesamt nicht genügend Besucher gäbe. Meinem Eindruck nach sind die typischen Opernfreunde nämlich nicht so komfortabel gestellt, dass für regelmäßige Opernbesuche pro Karte 150-200 EUR mehr "egal" sind, selbst wenn, anders als beim Studenten, 20 oder 50 EUR mehr problemlos gezahlt werden könnten. Insofern profitiert jeder, je häufiger er Oper/Konzert besucht, also gerade auch die, "die es nicht nötig hätten", keineswegs bloß derjenige, der nicht die teuersten Karten kauft, in besonderem Maße.
Dass die Auslastung sehr wenig mit "Regietheater" oder nicht zu tun hat, wurde ja schon ausreichend belegt, das bringt überhaupt nicht weiter. Viele "Feinde des Regietheaters" würden ein sehr böses Erwachen erleben, wenn Oper usw. nicht mehr hauptsächlich öffentlich finanziert würden.
(Und zum hundertsten Male: Es ist ebenfalls eine Subvention, wenn man Millionenspenden von der Steuer absetzen kann wie in den USA)

Es bringt m.E. auch nicht viel, verfehlte Lokalpolitik haftbar zu machen, obwohl der Ärger natürlich berechtigt ist. Aber das ist ja überhaupt kein Spezifikum von Opern- oder Konzerthäusern, im Gegenteil werden viel höhere Summen zB beim Flughafendesaster versenkt. (Und da Berlin mehr als doppelt so groß ist wie München und fünfmal so groß wie Frankfurt/Main (und drumherum ist außer Potsdam meilenweit NICHTS, während man von FFM schnell in Wiesbaden, Mainz usw. ist) finde ich es auch nicht krass überzogen, wenn es dort alles zweimal und einige Einrichtungen dreimal gibt. Jedenfalls ist das, wie gesagt, unabhängig von der grundsätzlichen Frage.)

Da die Auslastung insgesamt meines Wissens gar nicht so schlecht ist, trägt auch der Hinweis nicht, dass wenigen, eher wohlhabenden Leuten, hier ihr Hobby auf Kosten der Allgemeinheit finanziert würde. Auch eine 100% statt 70% Auslastung würde nichts an der öffentlichen Finanzierung ändern. Es werden auch zig andere Dinge hauptsächlich öffentlich finanziert, die nicht von allen (gleichermaßen) genutzt werden. Ich habe kein Auto, keine Kinder, gehe nicht ins Fußballstadion, fliege sehr selten usw., dennoch muss kann ich nicht verhindern, dass von "meinen" Steuern Kitas, Olympia-Bewerbungen, Skandalflughäfen, Bankenrettungen, aufgeblasene Bürokratien, Euro-Drohnen usw. bezahlt werden.


"The Remissness of our People in Paying Taxes is highly blameable; the Unwillingness to pay them is still more so. [...] All Property, indeed, except the Savage's temporary Cabin, his Bow, his Matchcoat, and other little Acquisitions, absolutely necessary for his Subsistence, seems to me to be the Creature of public Convention. Hence the Public has the Right of Regulating Descents, and all other Conveyances of Property, and even of limiting the Quantity and the Uses of it. All the Property that is necessary to a Man, for the Conservation of the Individual and the Propagation of the Species, is his natural Right, which none can justly deprive him of: But all Property superfluous to such purposes is the Property of the Publick, who, by their Laws, have created it, and who may therefore by other Laws dispose of it, whenever the Welfare of the Publick shall demand such Disposition. He that does not like civil Society on these Terms, let him retire and live among Savages. He can have no right to the benefits of Society, who will not pay his Club towards the Support of it." ZK der Nullten Kommunistischen Internationale Benjamin Franklin, 1783

MSchenk

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14

Sonntag, 12. Oktober 2014, 11:49

(über den Um- und Irrweg Hamburg)

Warum eigentlich "Irrweg"? - Wenn ich mir die Beiträge hier so durchlese, bin ich doch froh, in Hamburg noch gute Opernkarten für 35,- bis 45,- und akzeptable Karten sogar für unter 25,- zu bekommen. Ebenso zahle ich für Konzertkarten mit dem hevorragenden NDR-Sinfonieorchester zwischen 20,- und 35,- Euro, die Hamburger Symphoniker unter J.Tate sind sogar noch leicht günstiger. - Allerdings bleibt abzuwarten, wie sie die Preisgestaltung entwickelt, wenn die Elbphilharmonie endlich bespielt wird.
Was nun Berlin und München angeht, so bestünde eine Variante vielleicht darin, weniger auf "große Namen" zu setzen, sondern mehr Ensemble-Arbeit zu leisten!?
mfG Michael

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15

Sonntag, 12. Oktober 2014, 11:50

Ach so, es ist eher ein Kampf um Mittel zwischen der "freien Szene" und den "Etablierten" um öffentliche Mittel, wovon die Oper natürlich das prominenteste Beispiel ist.
So etwas finde ich sehr schwer, pauschal zu entscheiden. Natürlich soll man alle möglichen Kulturformen unterstützen. Bloß ist der Unterschied eben, dass ich für eine Kleinkunstbühne nicht annähernd die Fixkosten habe wie für eine Oper. Und traditionelle Oper braucht halt ein entsprechend ausgerüstetes Haus und eine Unzahl von relativ gut ausgebildeten Spezialisten.

Stimmenliebhaber

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16

Sonntag, 12. Oktober 2014, 12:09

Eine andere Frage ist, ob Berlin drei Opernhäuser braucht, von denen zwei - nämlich Staatsoper und Deutsche Oper - kein unterscheidbares Profil haben.
Diese Behauptung ist ja auch ein ganz großer Unsinn und kann nur von jemandem kommen, der die beiden Häusernicht kennt bzw. regelmäßig besucht. Natürlich haben beide Häuser ein deutlich unterscheidbares Profil. Zu dem der Deutschen Oper gehört u.a. ein großes Repertoire mit zahlreichen "traditionellen" Inszenieurngen.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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Stimmenliebhaber

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17

Sonntag, 12. Oktober 2014, 12:14

Wenn man sparen muss, dann wäre die Schließung eines der Opernhäuser m.E. der richtige Weg, und das könnte nur die Deutsche Oper sein, weil die Staatsoper schon als Magnet für die Touristen (wenn sie wieder im alten Haus Unter den Linden ist) gebraucht wird.

Bei der Schließungsforderung eines Opernhauses endet grundsätzlich meine Toleranz! Und mit deine Feststellung, dass die Staatsoper ein Touristenmagnet sei, unterscheidest du die Profile beider Häuser ja selbst. Die Deutsche Oper spielt in erste Linie für das einheimische Publiukum, dürfte eines der Opernhäuser mit den meisten Abonnenten sein. Soll man wirklich die kulturelle "Grundbefriedigung" der Bevölkerung aufgeben und nur noch für ein Touristen- und Eventpublikum spielen? :no:
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hami1799

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18

Sonntag, 12. Oktober 2014, 12:36

Was nun Berlin und München angeht, so bestünde eine Variante vielleicht darin, weniger auf "große Namen" zu setzen, sondern mehr Ensemble-Arbeit zu leisten!?

Ausgezeichnete Idee!

Stimmenliebhaber

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19

Sonntag, 12. Oktober 2014, 12:46

Was nun Berlin und München angeht, so bestünde eine Variante vielleicht darin, weniger auf "große Namen" zu setzen, sondern mehr Ensemble-Arbeit zu leisten!?

Ausgezeichnete Idee!
Nur leider nicht mehr so einfach umnzusetzen wie früher, da die einflussreichen Agenten in kürzester Zeit finanziell so viel wie möglich "Kapital" aus ihren "Schützlingen" herausschlagen wollen...
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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hami1799

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20

Sonntag, 12. Oktober 2014, 13:07

Eine andere Frage ist, ob Berlin drei Opernhäuser braucht,

Ich hoffe inständig, dass eine ähnliche Debatte niemals in Prag entsteht.
Welche der drei wunderschönen Gebäude würde man dann opfern?

Das ehemals deutsche, geschichtsträchtige (Urpremiere des Don Giovanni) Ständetheater, die Staatsoper mit ihrem herrlichen Innenraum oder das in Gold gleißende Symbol der tschechischen Unabhängigkeit, das Nationaltheater?

Noch behält das kulturelle Verständnis der Tschechen die Oberhand gegenüber dem Utilitarismus des Westens.
Doch wie lange noch?

Stimmenliebhaber

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21

Sonntag, 12. Oktober 2014, 13:12

Ich hoffe inständig, dass eine ähnliche Debatte niemals in Prag entsteht.
Welche der drei wunderschönen Gebäude würde man dann opfern?
Solche Debatten sollten am besten gar nicht angezettelt werden!
Wien hat ca. 1 Mio Einwohner und drei Opernhäuser, Berlin 3,5 Mio Einwohner und drei Opernhäuser.

In Prag habe ich in den letzte Jahren allerdings auch von viel Umgemach gehört. Da gab es Einsparungen und Fusionsabsichten. Das Ständetheater ist es nur eine vom Nationaltheater mitbespielte Spielstätte (zumindest war es vor einigen Jahren so) ohne eigenes Ensemble.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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lutgra

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22

Sonntag, 12. Oktober 2014, 13:33

trägt auch der Hinweis nicht, dass wenigen, eher wohlhabenden Leuten, hier ihr Hobby auf Kosten der Allgemeinheit finanziert würde.

Der Beitrag war auch als Satire ;) gekennzeichnet.

hami1799

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23

Sonntag, 12. Oktober 2014, 13:53

und wenn dann noch eine spendable Dame 1,5 Mio $ herausrückt, gibt es dafür auch die Turandot von Zeffirelli.

Ja leider. Die von Bieito wird man sich dann immer noch nicht leisten können.

Bertarido

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24

Sonntag, 12. Oktober 2014, 20:16

Ich bin der letzte, der ohne Not ein Opernhaus schließen möchte. Aber wenn es denn so ist, dass die öffentlichen Mittel eines Bundeslandes (und die sind in Deutschland nun mal Träger der Staatstheater, nicht der Bund) nicht mehr zur Finanzierung von drei Opernhäusern ausreichen, ohne andere staatliche Aufgaben zu vernachlässigen, dann darf die Schließung eines von dreien Opernhäusern nicht sakrosankt sein. Ich finde sie jedenfalls sinnvoller, als die Mittel für alle drei mit dem Rasenmäher zu kürzen oder die Eintrittspreise so weit zu erhöhen, dass nur noch Reiche sich den Eintritt leisten können. Wien wird immer gerne als Vergleich angeführt, aber warum nicht mal London, das noch viel mehr Einwohner als Berlin hat und trotzdem nur zwei Opernhäuser? Wie sieht es in New York aus, wie in Paris, Madrid, Rom, Lissabon, Brüssel etc.? Es ist ja nun nicht so, dass die Grundversorgung mit dem Kulturgut Oper mit zwei Häusern nicht zu leisten wäre. Hier wird doch auf hohem Niveau gejammert.


Diese Behauptung ist ja auch ein ganz großer Unsinn und kann nur von jemandem kommen, der die beiden Häusernicht kennt bzw. regelmäßig besucht. Natürlich haben beide Häuser ein deutlich unterscheidbares Profil. Zu dem der Deutschen Oper gehört u.a. ein großes Repertoire mit zahlreichen "traditionellen" Inszenieurngen.
Es stimmt, dass ich seit ca. 3 Jahren die Berliner Szene nicht mehr so genau verfolge. Vorher, als ich noch dort lebte, habe ich alle drei Häuser regelmäßig besucht und durchaus genug Befunde für mein Urteil gesammelt. Dass ein großes Repertoire mit traditionellen Inszenierungen Alleinstellungsmerkmal der Deutschen Oper sei, hätte ich dann gerne einmal belegt.


Bei der Schließungsforderung eines Opernhauses endet grundsätzlich meine Toleranz! Und mit deine rFeststellung, dass die Statsoper ein Touristenmagnet sei, unterscheidest du die Profile beider Häuser ja selbst. Die Deutsche Oper spielt in erste Linie für das einheimische Publiukum, dürfte eines der Opernhäuser mit den meisten Abonnenten sein. Soll man wirklich die kulturelle "Grundbefriedigung" der Bevölkerung aufgeben und nur noch für ein Touristen- und Eventpublikum spielen? :no:
Ich habe keine Zahlen über den Touristenanteil bei den Besuchern der Staatsoper, aber es stimmt sicherlich nicht, dass diese in erster Linie für Auswärtige spielt. Jeder Berliner hat die gleichen Chancen wie ein Tourist, Karten dafür zu bestellen.

timmiju

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Sonntag, 12. Oktober 2014, 23:38

Diese Behauptung ist ja auch ein ganz großer Unsinn und kann nur von jemandem kommen, der die beiden Häusernicht kennt bzw. regelmäßig besucht. Natürlich haben beide Häuser ein deutlich unterscheidbares Profil. Zu dem der Deutschen Oper gehört u.a. ein großes Repertoire mit zahlreichen "traditionellen" Inszenieurngen.
Dass ein großes Repertoire mit traditionellen Inszenierungen Alleinstellungsmerkmal der Deutschen Oper sei, hätte ich dann gerne einmal belegt.

Die DOB hat immerhin noch fünf Götz-Friedrich-Inszenierungen auf dem Programm, die wenigstens weit gehend noch traditionell sind, dazu die wunderbare Barlog-Tosca und auch die überarbeitete Carmen von 1979. Ich denke übrigens, kein Tamino sollte die Schließung eines Opernhauses oder eines Orchesters für gut heißen dürfen. Und was Berlin betrifft, auch in die großenteils verrückte Komische Oper geht ein großes Publikum, das sich auch an der Musik erfreuen kann und im Übrigen scheiden sich selbst hier im Forum beim Regietheater die Geister. Bitte lasst uns die kulturelle Vielfalt, um die wir weltweit zu Recht beneidet werden, erhalten!
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Sonntag, 12. Oktober 2014, 23:51

dann darf die Schließung eines von dreien Opernhäusern nicht sakrosankt sein.
Ich vermute hier einen Widerspruch, du wolltest sicher "nicht tabu" statt "nicht sakrosankt" schreiben. Aber umso heftiger muss ich dir widersprechen: Was einmal an kultureller Infrastruktur abgewickelt wird, kommt nicht wieder - und ein öffentliches Nachdenken darüber führt nur zum "Aha" und Beifall auf der falschen Seite, nämlich der Seite der Kultureinsparer und Kulturabwickler - und das ist doch nicht wirklich deine Seite, oder?

aber warum nicht mal London, das noch viel mehr Einwohner als Berlin hat und trotzdem nur zwei Opernhäuser?
London hat daneben ca. 30 Musical-Tempel...

Dass ein großes Repertoire mit traditionellen Inszenierungen Alleinstellungsmerkmal der Deutschen Oper sei, hätte ich dann gerne einmal belegt.
Einfach mal die Repertoireauflistung anschauen und auf die Premierendaten schauen. Die Staatsoper hat aktuell nach der Abwicklung der alten "Tosca" noch eine Inszenierung von vor 1990 im Repertoire, an der Deutschen Oper dürften es mehr als zehn sein. Und die Struktur beider großer Berliner Opernhäuser unterscheidet sich auch darin, dass in der kleineren Staatsoper auch das Vorbarock und auch mehr Moderne eine Heimat hat, während die Deutsche Oper das weit größere Repertoire für das 19. Jahrhundert und insbesondere auch für die italienische und französische Oper hat. Wann lief denn an der Staatsoper zum letzten Mal Berlioz? Vor dem Krieg? Ein Meyerbeer-Zyklus ist an der Deutschen Oper Berlin angekündigt, während Meyerbeer an der Nachfolgeinstitution der einst von ihm geleiteten Königlichen Hofoper schon seit Jahren nicht stattfindet.
Ich werde den Verdacht nicht los, dass hier ein Regietheaterbefürworter mit dem Haus das missliebige alte Repertoire in seinen traditionellen Inszenierungen gleich mitabwickeln will.
Solchen Schließungsvorschlägen werde ich jedenfalls IMMER mit Vehemenz widersprechen - egal, aus welcher Ecke sie kommen und gegen welches Opernhaus sie sich richte.

Nebenbemerkung: Der letzte Schließungsvorschlag bezüglich der Deutschen Oper aus Reihen der Politik kam vor ca. 2 Jahren von den Berliner PIRATEN. In einer Kulturausschusssitzung fragte ein Pirat, was denn die "freie Szene" sei, und erhielt freundliche Aufklärung. In der nächsten Sitzung forderte derselbe PIRAT dann, die Deutsche Oper zu schließen und die dadurch freiwerdenden Millionen der "freien Szene" zukommen zu lassen...
Noch Fragen?

Jeder Berliner hat die gleichen Chancen wie ein Tourist, Karten dafür zu bestellen.
Ja klar, "Trovatore" war ein schönes Beispiel dafür, wo trotz Limitierung auf zwei Karten pro Serie(!) nicht mal die Erstanstehenden befriedigt werden konnten, weil die meisten Karten an Reisebüros und Kulturreiseveranstalter gingen...
Und die "Berliner Festtage", die Herr Barenboim zu Ostern veranstaltet, richten sich ja auch weniger an das einheimische Publikum, schon allein die Kartenrpreise sorgen dafür.
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Sonntag, 12. Oktober 2014, 23:51

Die DOB hat immerhin noch fünf Götz-Friedrich-Inszenierungen auf dem Programm, die wenigstens weit gehend noch traditionell sind, dazu die wunderbare Barlog-Tosca und auch die überarbeitete Carmen von 1979. Ich denke übrigens, kein Tamino sollte die Schließung eines Opernhauses oder eines Orchesters für gut heißen dürfen. Und was Berlin betrifft, auch in die großenteils verrückte Komische Oper geht ein großes Publikum, das sich auch an der Musik erfreuen kann und im Übrigen scheiden sich selbst hier im Forum beim Regietheater die Geister. Bitte lasst uns die kulturelle Vielfalt, um die wir weltweit zu Recht beneidet werden, erhalten!
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P.S.: Und der legendäre "Ring" im Unendlichkeitstunnel kommt 2017 auch wieder!
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28

Montag, 13. Oktober 2014, 08:57

Bitte lasst uns die kulturelle Vielfalt, um die wir weltweit zu Recht beneidet werden, erhalten!

Nur für diesen Erhalt müssen die Opernfreunde zusammenstehen und kämpfen. Wir haben in den 60er Jahren, als ich mit 26 Jahren den Vorsitz des Heilbronner Sinfonie Orchesters übernommenen hatte - den Mut hätte ich heute nie mehr, damals war es jugendliche Unbekümmerheit und Unerfahrenheit - das Heilbronner Sinfonie Orchester, dem die städtischen Zuschüsse gestrichen wurden in einem mehrjährigen zähen unendlich schwierigen Kampf gerettet. Mit dem Ergebnis, dass es heute in Heilbronn das international renommierte Württembergische Kammerorchester und als Platzhirsch das Heilbronner Sinfonieorchester gibt. Laut einer Untersuchung ist Heilbronn beim Theater- und Konzertbesuch die Nummer 1 in der BRD bei Städten mit vergleichbarer Größe. Kämpfen lohnt sich also und wir Klassik-Freunde dürfen nicht erwarten, dass andere Kreise diese Aufgabe für uns erledigen. Wie müssen es selbst tun. Das Tamino-Klassik-Forum sollte immer eine Vorreiterrolle spielen, wenn es um den Erhalt von Kultur geht.

Herzlichst
Operus
Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

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29

Montag, 13. Oktober 2014, 09:38

Nur für diesen Erhalt müssen die Opernfreunde zusammenstehen und kämpfen.
Das Tamino-Klassik-Forum sollte immer eine Vorreiterrolle spielen, wenn es um den Erhalt von Kultur geht.
Recht haste! :yes: :jubel: :hello:
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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Gerhard Wischniewski

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30

Montag, 13. Oktober 2014, 10:57

Zitat

Zitat von Timmiju: Bitte lasst uns die kulturelle Vielfalt, um die wir weltweit zu Recht beneidet werden, erhalten!
Lieber Timmiju,

dafür kämpfen wir ja hier im Tamino-Klassikforum. Aber wenn man die Inszenierungen der letzten Jahre betrachtet, ist es um diese Vielfalt doch recht übel bestellt. Und die Befürworter des Verunstaltungstheater würden am liebsten die Opernhäuser (und das sind inzwischen ja die meisten) erhalten, die solchen Schwachsinn produzieren und die anderen, die noch vernünftige Inszenierungen im Repertoire haben, am liebsten einstampfen. Deshalb müssen wir hier auch die Einseitigkeit der kulturellen Szene bekämpfen.
Die (unbefriedigende) Ausweichmöglichkeit Fernsehen ist - trotz einer Unmenge von Sendern (und es kommen immer noch neue hinzu) - in kultureller Hinsicht bereits mehr als einseitig. Wenigstens die öffentlichen Sender (die sogar noch das Wort "Kultur" in Namen tragen) produzieren doch inzwischen weitgehend nur noch Schwachsinn. Wir wären froh, wenn wir mehr Ausweichmöglichkeiten hätten.
Von mir aus kann auch die Berliner Komische Oper für die, die solche Verunstaltungen haben müssen, bleiben. Aber die beiden anderen anderen dürfen in keinem Fall untergehen.

Liebe Grüße
Gerhard
Ich mache dringend darauf aufmerksam, dass die szenischen Vorschriften, wie sie in der Partitur mit großer Genauigkeit angegeben sind, mit skrupulöser Treue befolgt werden.
(Wagner in einem Brief zu seinem "Tannhäuser" an Stocks 1841)