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farinelli

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Beiträge: 1 570

Registrierungsdatum: 12. Mai 2009

1

Montag, 19. Januar 2015, 17:17

Jules Massenet, Werther

Falls ich es nicht übersehen habe, gibt es in diesem Verzeichnis noch keinen Werther-Thread zur Pariser Aufführung.

Vorab - besser kann man die Oper kaum auf die Bühne bringen. Ich kannte sie gar nicht, hatte Massenets wegen so meine Vorbehalte und wollte eigentlich eine schöne Kaufmann-Blu-ray ansehen und -hören.

Plassons Orchester ist von A-Z unbeschreiblich differenziert und ausdrucksvoll, und die Sänger verkörpern ihre Figuren so lebensecht, wie man es kaum je erlebt hat. Ein wundervolles Libretto, das die mono-Perspektive von Goethes Briefroman zu einer psychologisch wohlmotivierten Dreicksgeschichte auserzählt und entfaltet. Allein der erste Akt mit der erst aufkeimenden und schließlich jäh ausbrechenden Liebe Werthers ist so überaus suggestiv, klischeeefrei und berührend, wie es der aufdringliche Tristan niemals sein wird. Die Musik ist von Beginn an durchzogen von einer tiefen Wärme und Zuneigung zu den Protagonisten, und die Darsteller halten stets Schritt mit der hohen Anforderung, romantische Figuren höchst menschlich und real zu beseelen, auf dem Boden einer historisch und situativ genau umrissenen Individualität. Hier lernt man wirklich Menschen kennen und lieben, keine händeringenden Opernfiguren. Ich war beim Anschaun über die Maßen bezaubert und ergriffen.

:hello:
Zerging in Dunst das heilge römsche Reich

- uns bliebe gleich die heilge deutsche Kunst!

hami1799

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Beiträge: 3 438

Registrierungsdatum: 6. Februar 2012

2

Montag, 19. Januar 2015, 19:13

Allein der erste Akt mit der erst aufkeimenden und schließlich jäh ausbrechenden Liebe Werthers ist so überaus suggestiv, klischeeefrei und berührend, wie es der aufdringliche Tristan niemals sein wird.

Nun ist ja der Tristan ein kampferprobter Recke und wenn er auch, wie Werther, ein potentieller Selbstmörder ist, hat er doch andere Gründe für sein Handeln.
Hier der Stolz, dort das Selbstmitleid.
Ich verlange vom Tristan auch nicht den gleichen Grad an Rührungseffekt, da ich ihn im Vergleich zum Werther doch eher im Bereich des Ideendramas sehe.
Aufdringlich oder nicht, der Tristan wäre neben dem Boris Godunov und dem Don Giovanni der Dritte im Bunde auf der Fahrt nach einer einsamen Insel.

P.S.
Ich habe nochmal nachgerechnet und komme da auf vier. Möglicherweise bleibe ich zu Hause.