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  • »Ralf Reck« ist männlich
  • »Ralf Reck« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 222

Registrierungsdatum: 23. November 2013

1

Donnerstag, 5. Februar 2015, 00:11

La Fanciulla del West (Puccini), Hamburgische Staatsoper, Premiere B, 04.02.2015

Premiere B steht auf dem Besetzungszettel, es ist aber nur die zweite Vorstellung in derselben Besetzung,
nur ohne Auftritt des Inszenierungsteams. Man könnte das Stück mit „Minnie aus dem Westen“ übersetzen,
das erinnert an ein ähnliches, in der Regel nicht in der Oper gespieltes Stück: „Annie get your gun“.
Manchmal erinnerte Puccinis Musik auch an ein Musical, manches, so der Schluss, gerät an den Rand des
Kitsches. Worum geht es: Eine Schankwirtin (Minnie) eines kalifornischen Goldgräbercamps verliebt
sich in einen Räuber (Dick Johnson) und schützt diesen vor dem üblen Sheriff (Jack Rance) und dem
Strick. Am Ende überzeugt sie die Goldschürfer von ihrer engelsgleichen Liebe zu Johnson, so dass diese
Minnie und Johnson ziehen lassen. Neben diesen Hautpersonen verzeichnet das Sängerverzeichnis noch
16 weitere Rollen, die, in dieser Aufführung hochrangig besetzt, aber allenfalls als Stichwortgeber
dienen. Das Orchester spielte unter der Leitung von Carlo Montanaro, soweit ich es beurteilen kann
(ich habe die Oper vorher nie gesehen), gut, auch das Bühnenbild (Vincent Lemaire) mit einer Art
Waschkaue für den ersten Akt, einem schräg gehängten Zimmer und einer angedeuteten freien
Landschaft war stimmig, die Inszenierung (Vincent Boussard) deutlich am Realismus orientiert.

Trotzdem war es langweilig, wegen der Komposition (Frage: Gibt es positive Meinungen zu dieser Oper?),
aber auch wegen der fehlenden Chemie zwischen den Sängern. Ich habe für die Rolle der Minnie keine
Vergleiche, vermute aber, dass man eine Brünnhildenstimme braucht, um über den Orchesterwogen
zu liegen. Puccini gönnt seinen Sängern keine Arien, kein zurückgenommenes Orchester. Und die Minnie
(heute Emily Magee) steht fast die ganze Zeit auf der Bühne. Ich hatte die Sängerin nicht in schlechter
Erinnerung. Sie sang vor 8 Jahren hier eine gute Kaiserin (Frau ohne Schatten). Heute reichte die an sich
wohlklingende, schärfenfreie Stimme nicht aus. Vieles ging in den Orchesterwogen unter, manchmal
drang der Klang durch (vielleicht ging Frau Magee auch nur sparsam mit ihren Mitteln um). Es ist aber
schon seltsam, wenn die Sopranistin im Forte neben dem Tenor (Johnson: Carlo Ventre) nicht besteht.
Andrzej Dobber
(Jack Rance) blieb mit seiner großen Baritonstimme immer gut hörbar, war aber letzten
Endes auch nichts anderes als ein Westentaschen-Scarpia. Ob Puccinis Komposition stimmliche Dynamik
zulässt, weiß ich nicht, wenn Piano gesungen worden sein sollte, habe ich es nicht gehört. Letztlich blieb
die gesamte sängerische Leistung aller drei Protagonisten undifferenziert. Wenn Minnie und Johnson von
der Liebe sangen, spürte, hörte man es nicht heraus, nur der Blick zur Obertitelanlage verriet, worum es
gerade ging. Zusammenfassen hat es wohl schon seinen Grund, warum dieses Stück so selten aufgeführt
wird. Der Schlussbeifall war herzlich, aber nicht lang.
Oper lebt von den Stimmen, Stimmenbeurteilung bleibt subjektiv

Stimmenliebhaber

Prägender Forenuser

  • »Stimmenliebhaber« ist männlich

Beiträge: 8 022

Registrierungsdatum: 3. Dezember 2012

2

Donnerstag, 5. Februar 2015, 00:45

(Frage: Gibt es positive Meinungen zu dieser Oper?)
Selbstverständlich!
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

Rheingold1876

Prägender Forenuser

  • »Rheingold1876« ist männlich

Beiträge: 4 706

Registrierungsdatum: 5. Mai 2011

3

Donnerstag, 5. Februar 2015, 08:47

Die FANCIULLA ist neben dem TABARRO das mir liebste und wichtigste Stück von Puccini. Nirgends war er realistischer und aus meiner Sicht auch moderner. Stärken und Besonderheiten der Oper hat Ralf Reck mehr unfreiwillig bereits heraus gestellt. Das fand ich interessant an seinem Bericht. Die Oper wird nach meiner Beobachtung deshalb seltener als TOSCA, BUTTERFLY oder BOHÈME gegeben, weil sie so schwierig und nicht leicht zu besetzen ist. Dazu gehört auch ein Dirigent, der ein Händchen dafür ist. Offenbar hatte es Carlo Montanaro in Hamburg nicht. Und noch etwas, das Werk ist auf eine gewisse Weise herb und störrisch und entzieht sich damit auch heutigen Regisseuren. Denn die Oper ist kein Wildwest-Film vom Fuße der Blauen Berge.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

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