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Glockenton

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61

Montag, 1. Juni 2015, 11:59

....und Alfred Brendel unter Sir Neville Mariner oder Mackerras. Brendel klingt immer etwas auf der Suche nach dem "Dazwischen". Ich würde hier schon den Begriff der Klangrede gelten lassen, auch wenn Glockenton ihn für diesen Ansatz eher ablehnt. Ich finde den Ansatz allerdings bei den späteren Brendel/Mackerras Aufnahmen deutlicher.
Lieber JLang,

ich sehe das so ziemlich wie Du: Den Ansatz der Klangrede höre ich bei den Aufnahmen mit Mackerras eher als bei den älteren Marriner-Einspielungen.
Brendel ist ja mit seiner ganzen Musizierhaltung (nicht nur bei Mozart) für mich einer der ganz großen Vorbilder.

Ansonsten habe ich mich sehr über Deinen schön zu lesenden Beitrag gefreut :)
Viele Abschnitte kann ich sofort sehr gut nachvollziehen (natürlich insbesondere die Passagen mit Kreizberg und Uchida).


Insofern würde ich meine Geschmacksverschiebung in Sachen Mozart immer als ein "dazu" beschreiben wollen. Mein Geschmack hat sich erweitert, neue Ansätze haben mir immer mehr Schichten erschlossen. Ich bin gespannt, wie das in den kommenden Jahren weitergeht.
Das ist ein sehr interessantes Statement. Mir geht es momentan ähnlich, ahne aber, dass mit zunehmenden Hören eine Phase beginnt, bei der ich immer mehr dem Ansatz Uchidas erlegen sein könnte.

Gerade gestern abend hörte ich die Sonate für Violine und Klavier Nr. 21 e-moll KV 304, zurückgelehnt im Stressless-Sessel und den HD 800 auf dem Kopf. Gerade im "Tempo di minuetto" (aber auch im ersten Satz) hatte ich jene kostbaren Momente, bei denen man sich ein Anhalten der Zeit wünscht und sich freut, weil man weiß, dass es ja Wiederholungen gibt und das Stück noch weitergehen wird. Man freut sich für einzelnen Takt, der noch kommt. Das Zitat aus dem Schubert-Lied "....hast mich in eine bessre Welt entrückt" .
Dieser weiche und vollkommen beherrschte Anschlag, dieser runde Klavierton.....tja, das bedeutet im Verbund mit ihrer Mozartauffassung einen echten Genuss für mich, eine Zunahme der Lebensqualität. Ich beobachtete mich selbst, wie übervorsichtig ich die CD anschließend aus dem Player nahm. Das Ganze bekommt dann schon fast liturgische Züge, was sicherlich auch dadurch nicht gerade gedämpft wird, dass ich neulich einen englischen Artikel über Uchida als "High Priestess of Mozart" las....

Gruß
Glockenton

Dr. Holger Kaletha

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Beiträge: 7 175

Registrierungsdatum: 2. Februar 2008

62

Mittwoch, 3. Juni 2015, 17:17

Dank Glockentons Emphase :D (und den Hörschnipseln, die auch mich sehr beeindruckt haben), habe ich gerade erstanden:


Ich komme aber erst nächste Woche dazu, diese Aufnahme in Ruhe zu genießen und zu studieren! :hello:

Schöne Grüße
Holger

Glockenton

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Beiträge: 2 015

Registrierungsdatum: 27. Juli 2006

63

Mittwoch, 3. Juni 2015, 19:42

Bin sehr gespannt, lieber Holger!

Ruhe ist ohnehin das richtige Stichwort - die braucht man auch, um sich innerlich für dieses Musizieren zu öffnen, bei der man zu den Dingen geführt werden kann, die zwischen den Zeilen stehen. Und das ist es doch eigentlich, worauf es in der Kunst ankommt: Die schöne Oberfläche ist dazu da, den Menschen innerlich zum Kern der "Geschichten" zu führen, die uns da musikalisch erzählt werden.

Mir steht ein sehr dichtes musikalisches Arbeitswochende bevor, weswegen ich mich entweder nur kurz, oder ansonsten wieder ab nächsten Montag melden kann :)

LG
Glockenton

JLang

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Beiträge: 1 926

Registrierungsdatum: 4. August 2013

64

Freitag, 5. Juni 2015, 22:31

Zitat von »Glockenton«

Das ist ein sehr interessantes Statement. Mir geht es momentan ähnlich, ahne aber, dass mit zunehmenden Hören eine Phase beginnt, bei der ich immer mehr dem Ansatz Uchidas erlegen sein könnte.

Zitat

Gerade gestern abend hörte ich die Sonate für Violine und Klavier Nr. 21 e-moll KV 304, zurückgelehnt im Stressless-Sessel und den HD 800 auf dem Kopf. Gerade im "Tempo di minuetto" (aber auch im ersten Satz) hatte ich jene kostbaren Momente, bei denen man sich ein Anhalten der Zeit wünscht und sich freut, weil man weiß, dass es ja Wiederholungen gibt und das Stück noch weitergehen wird. Man freut sich für einzelnen Takt, der noch kommt. Das Zitat aus dem Schubert-Lied "....hast mich in eine bessre Welt entrückt" .

Lieber Glockenton,

das kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich hatte eigentlich gedacht, das mir meine aktuellen Mozartinterpretationen reichen, bin aber auf die fehlenden Uchida-Einspielungen doch neugierig geworden. Auch wenn meine Bemerkung jetzt etwas wegführt, hat sie vielleicht doch mit dem Thema zu tun. Ich habe mir die CD’s mit Mozart nämlich erst zu dem Zeitpunkt gekauft als Uchida sie das erste mal im Konzert erlebt habe. Seltsamerweise nicht mit Mozart, sondern Beethoven, von dem sie richtig überzeugende Diabelli-Variationen spielte. Da war ich schon neugierig. Daraufhin habe ich meiner Schwester, die sich Mozart Sonaten wünschte, die Uchida Einspielung geschenkt, sie aber zugleich hören können. Bereits die ersten Töne haben mich getroffen. Das war dann der Auslöser zum Kauf der Klavierkonzerte, die seither mein Repertoire sehr bereichern und erfüllte Stunden bescheren. Keine Geschmacksverschiebung aber schon ein Fall von "Geschmackserweiterung". Ob mich mein Weg so strikt auf Uchida hinführt, wie Du das beschrieben hast, weiß ich noch nicht, bin aber gespannt.

Herzliche Grüße zu Deinem dicht gefüllten Musikwochenende
JLang
Gute Opern zu hören, versäume nie
(R. Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln)

Glockenton

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Registrierungsdatum: 27. Juli 2006

65

Montag, 8. Juni 2015, 11:14

Herzliche Grüße zu Deinem dicht gefüllten Musikwochenende

Vielen Dank - zum Glück ist nun alles überstanden und auch richtig gut gegangen. Ein junges Paar habe ich in den heiligen Bund der Ehe georgelt und einen Gottesdienst mit vielen Konfirmanten, einem Trompeter und einer Gesangssolistin an der Orgel und am Klavier gestaltet. So gut wie alles erforderte viel Notenschreiberei und Übung im Vorfeld. Heute, am Montag ist nun also mein "Sonntag" (andere haben ihren Montagmorgen-Blues...) , und das Gefühl nur deshalb zu leben, um Anderen schöne Dinge zu ermöglichen, weicht gerade von mir..... :pfeif:

Jetzt kann ich mich wieder mit der privaten Seite der klassischen Musik beschäftigen, und während ich hier schreibe, spult mein neuer Kopfhörer seine Einspielstunden herunter....

Doch zurück zum Thema. Ich kannte Uchida früher nur von den Covern des Philips Classic-Katalogs. Mein erster Eindruck von ihr war dann ebenfalls mit Beethoven:
Eine geliehene Beethoven-DVD, die ein Klavierkonzert beinhaltet, bei dem sie mit einem Orchester unter der Leitung Zubin Mehtas musiziert. Obwohl die Orchesteranteile mich nicht wirklich begeistern konnten, war ich von ihrem Musizieren von Anfang an sehr beeindruckt, auch eingenommen und überzeugt.

Auf Grund dessen bestellte ich mir damals -ausnahmsweise einmal "blind" - diese DVD,
auf der Mozart-Klavierkonzerte enthalten sind. Die Pianistin dirigiert hier die Camerata Salzburg vom Klavier aus. Das konnte mich damals sehr ansprechen, nicht nur in pianistischer Hinsicht. Als ich sah, dass es einige Decca- Neuaufnahmen mit ihr als Pianistin und Dirigentin gibt, wurde ich sehr neugierig, und nach etlichen Vergleichen mit vielversprechenden Hörschnipseln und den danach erfolgten Bestellungen, bin ich bis heute sehr froh, diese Aufnahmen im Bestand zu haben. Das Cleveland Orchestra klingt vielleicht etwas größer und "runder" als die Camerata Salzburg. Beides hat seinen Reiz - vielleicht korrespondiert der Cleveland-Klang etwas mehr mit Uchidas pianistischen Klangidealen.

Ich hoffe jedenfalls, dass da noch mehr nachkommt.

Gruß
Glockenton

Dr. Holger Kaletha

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Registrierungsdatum: 2. Februar 2008

66

Freitag, 26. Juni 2015, 13:38

KV 459

Ein gelassen heiterer Mozart, mit perfekt ausbalancierter Empfindsamkeit, eine nie aufdringliche aber eindrückliche Rührung und Intensität, welche die Grundstimmung gelassener Heiterkeit nie stört. Pianistisch ist das Jeux perlé, ohne jemals übertrieben brilliant zu wirken. Das Orchester spielt ebenso perfekt ausbalanciert, engagiert und sprechend, einfühlsam. Die Aufnahmetechnik ist exquisit. Eine rundum beglückende Aufnahme – ein „schöner“ und zugleich warmer und intensiver Mozart. Erstaunlich, wie Uchida es schafft, in dieser Live-Aufnahme am Klavier dermaßen konzentriert und differenziert zu agieren und zugleich zu dirigieren.

Zum Vergleich Clara Haskil mit Friscay und den Berliner Philharmonikern von 1956. Das kann man kaum vergleichen! Das Orchester spielt mehr „legato“, weniger rhythmisch-federnd. Insgesamt wirkt dieser Mozart weniger konzertant, dafür aber symphonischer, auch „monumentaler“, tragischer. Das unvergleichliche Spiel der Haskil kann man mit Worten kaum beschreiben. Das ist auch ein klassisch-gelassener, aber kein heiterer Mozart. Er hat etwas von Bachscher Strenge, ohne jemals angestrengt zu wirken. Der langsame Satz wirkt gewichtiger, „dramatischer“ – das Finale dafür quirliger, irdischer als bei Ushida. Eigentlich kann man das wie gesagt schwer vergleichen – eine ganz andere Mozart-Weltanschauung.

:hello:

Schöne Grüße
Holger

Glockenton

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Registrierungsdatum: 27. Juli 2006

67

Donnerstag, 2. Juli 2015, 16:55

Lieber Holger,

erst gestern abend sah ich Deinen Beitrag - vielen Dank dafür!

Ich belasse es dabei, wenn ich sage: Besser und konzentrierter kann man es nicht formulieren.
Es freut mich, dass Du den Kauf dieser CD offensichtlich nicht bereust....
Uchidas Mozart hat mir die Augen für eine andere, "schönere" Mozartwelt eröffnet, die mich zunehmend für sich einnehmen kann.

Gruß ins tropische Deutschland ;) :hello:
Glockenton

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