Sie sind nicht angemeldet.


JPC Amazon

AMATEURVIDEO-FILMFORUM-WIEN

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Tamino Klassikforum. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

WoKa

Prägender Forenuser

  • »WoKa« ist männlich
  • »WoKa« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 615

Registrierungsdatum: 12. Februar 2015

1

Dienstag, 5. Januar 2016, 01:50

Gedichte, die mir etwas bedeuten

Hallo!

Irgendwie habe ich heute Nacht einen Hang zur Poesie. Liegt vielleicht an den "Lyrischen Stücken" von Edvard Grieg (Gilels), die ich gerade höre.

Es wäre schön, wenn hin und wieder ein Gedicht hier eingestellt würde, das demjenigen, der den Beitrag einbringt, etwas (Positives) bedeutet. Das muss nicht groß erklärt werden, kann aber.

Auch Kommentare sind zugelassen - allerdings nur solche, die das Positive verstärken.

Achtung: Das ist ein Harmonie-Thread!

Ich mache den Anfang mit dem Gedicht "Stufen" von Hermann Hesse, das - zumindest auszugsweise - sicherlich jeder kennt. Hesse hat es im Mai 1941 nach langer Krankheit geschrieben. Ich kenne bislang kein Gedicht, das so positiv der Melancholie des Abschieds die Sinnhaftigkeit des Wandels und der Weiterentwicklung gegenüberstellt.

Stufen
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Gruß WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

Rheingold1876

Prägender Forenuser

  • »Rheingold1876« ist männlich

Beiträge: 4 688

Registrierungsdatum: 5. Mai 2011

2

Dienstag, 5. Januar 2016, 08:36



Vielleicht will es sich ja wer anhören - gelesen 1949 vom Autor.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Gerhard Wischniewski

Prägender Forenuser

  • »Gerhard Wischniewski« ist männlich

Beiträge: 4 537

Registrierungsdatum: 7. April 2011

3

Dienstag, 5. Januar 2016, 11:22

Lieber Wolfgang,

du hast ein Gedicht eingestellt, das auch mein Lieblingsgedicht ist. Ich habe schon in meiner Schulzeit gerne Hermann Hesse gelesen und auf diesem Gedicht habe ich meine Rede zum Abschied vom Gymnasium, in das ich sehr gerne gegangen bin, aufgebaut. Ich kann es - wie viele andere Gedichte aus dieser Zeit - noch heute vollständig auswendig zitieren und habe es auch häufiger getan. Ich möchte nun noch ein Gedicht aus dieser Zeit, das ich au sehr liebe, einstellen:

Hans Carossa
Der alte Brunnen
Lösch aus dein Licht und schlaf! Das immer wache
Geplätscher nur vom alten Brunnen tönt,
Wer aber Gast war unter meinem Dache,
Hat sich stets bald an diesen Ton gewöhnt.

Zwar kann es einmal sein, wenn du schon mitten
Im Traume bist, dass Unruh geht ums Haus,
Der Kies am Brunnen knirscht von harten Tritten,
Das helle Plätschern setzt auf einmal aus,

Und du erwachst, - dann musst du nicht erschrecken!
Die Sterne stehn vollzählig überm Land,
Und nur ein Wandrer trat ans Marmorbecken,
Der schöpft vom Brunnen mit der hohlen Hand.

Und geht gleich weiter. Und es rauscht wie immer.
O freue dich, du bleibst nicht einsam hier,
Viel Wandrer gehen fern im Sternenschimme,
Und mancher noch ist auf dem Weg zu dir.

Liebe Grüße
Gerhard
Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

dr.pingel

Prägender Forenuser

  • »dr.pingel« ist männlich

Beiträge: 4 252

Registrierungsdatum: 29. Juni 2009

4

Dienstag, 5. Januar 2016, 11:55

Mein allerschönstes Gedicht ist "Der Mond ist aufgegangen" von Matthias Claudius. Die Poesie dieses Gedichtes erschließt sich schon kleinen Kindern, wie ich sicher weiß, denn ich habe es oft genug beim Babysitten der Enkel meiner Freude aufgesagt. Man sollte übrigens alle 7 Strophen kennen. Eines Abends am Watt auf Sylt habe ich genau diese Bilder und diese Stimmung gehabt und habe dann leise das Gedicht gesprochen.
Danach folgt sogleich Mörikes "Denk es, o Seele". Hier gibt es eine wunderbare Vertonung von Hugo Distler, die unser zweiter bass bestimmt auswendig singen kann so wie ich auch.
Was ist ein Mensch, der Waffen träget? Der Schwert und Harnisch angeleget? Ein Zeugnis der verderbten Welt (Oratorium von Telemann)!

dr.pingel

Prägender Forenuser

  • »dr.pingel« ist männlich

Beiträge: 4 252

Registrierungsdatum: 29. Juni 2009

5

Dienstag, 5. Januar 2016, 12:11

Hier nun meine beiden Lieblingsgedichte auf Englisch. Sie umfassen die beiden Enden des Lebens. Die Dichterin des ersten Gedichtes, Jane Kenyon, starb früh an Leukämie.

Jane Kenyon
Coats

I saw him leaving the hospital
with a woman´s coat over his arm.
Clearly she would not need it.
The sunglasses he wore could not
conceal his wet face, his bafflement.

As if in mockery the day was fair,
and the air mild for December. All the same
he had zipped his own coat and tied
the hood under his chin, preparing
for irremediable cold.

E.B. White
The Conch

(Die Muschel)

Hold a baby to your ear
As you would a shell:
Sounds of centuries you hear
New centuries foretell.

Who can break a baby´s code?
And which is the older -
The listener or his small load?
The held or the holder?
Was ist ein Mensch, der Waffen träget? Der Schwert und Harnisch angeleget? Ein Zeugnis der verderbten Welt (Oratorium von Telemann)!

Gerhard Wischniewski

Prägender Forenuser

  • »Gerhard Wischniewski« ist männlich

Beiträge: 4 537

Registrierungsdatum: 7. April 2011

6

Dienstag, 5. Januar 2016, 14:41

Lieber Dr. Pingel,

da du hier englische Gedichte als Lieblingsgedichte eingestellt hast, möchte ich gerne auf französisch antworten. Ein Volkslied, das auf dem folgenden Gedicht eines unbekannten Dichters basiert, ist eines meiner Lieblingslieder. Ich finde es sprachlich sehr klangvoll, aber auch von der Melodie her sehr schön. Leider kann ich davon nur drei Strophen auswendig. Den Rest habe ich aufsuchen müssen.

À la claire fontaine
M’en allant promener
J’ai trouvé l’eau si belle
Que je m’y suis baigné.

Il y a longtemps que je t’aime
Jamais je ne t’oublierai.

Sous les feuilles d’un chêne
Je me suis fait sécher
Sur la plus haute branche
Un rossignol chantait.

Il y a longtemps que je t’aime
Jamais je ne t’oublierai.

Chante, rossignol, chante
Toi qui as le cœur gai
Tu as le cœur à rire
Moi, je l’ai à pleurer.

Il y a longtemps que je t’aime
Jamais je ne t’oublierai.

J’ai perdu mon amie
Sans l'avoir mérité
Pour un bouquet de roses
Que je lui refusai.

Il y a longtemps que je t’aime
Jamais je ne t’oublierai.

Je voudrais que la rose
Fût encore au rosier
Et que ma douce amie
Fût encore à m’aimer.

Il y a longtemps que je t’aime
Jamais je ne t’oublierai.


Liebe Grüße
Gerhard
Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

William B.A.

Erleuchteter

  • »William B.A.« ist männlich

Beiträge: 17 317

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

7

Dienstag, 5. Januar 2016, 15:01

Eines meiner Lieblingsgedichte, zu dem es jedoch erst wurde. als ich es in einer Interpretation in der Oberstufe fürchterlich verhauen habe, ist dieses:

Auf dem See


Und frische Nahrung, neues Blut
Saug' ich aus freier Welt;
Wie ist Natur so hold und gut,
Die mich am Busen hält!
Die Welle wieget unsern Kahn
Im Rudertakt hinauf,
Und Berge, wolkig, himmelan,
Begegnen unserm Lauf.

Aug', mein Aug', was sinkst du nieder?
Goldne Träume, kommt ihr wieder?
Weg, du Traum! so gold du bist;
Hier auch Lieb' und Leben ist.

Auf der Welle blinken
Tausend schwebende Sterne ;
Weiche Nebel trinken
Rings die türmende Ferne;
Morgenwind umflügelt
Die beschattete Bucht,
Und im See bespiegelt
Sich die reifende Frucht.

(Johann Wolfgang von Goethe)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

dr.pingel

Prägender Forenuser

  • »dr.pingel« ist männlich

Beiträge: 4 252

Registrierungsdatum: 29. Juni 2009

8

Dienstag, 5. Januar 2016, 16:18

Lieber Gerhard, lieber William, ich glaube, dieses Thema hier wird ein Renner; danke, WoKa! Ich habe bei mir eine besondere Schublade, in der die Gedichte einzeln liegen. Eure beiden habe ich mir sofort ausgedruckt. Eine Frage an Gerhard: wer hat das komponiert und finde ich es bei YouTube?
Ich denke, dass wir hier Gedichte auch in anderen Sprachen einstellen. Bei selteneren Sprachen als Englisch und Französisch dann mit Übersetzung.
Hier nun mein spanisches Lieblingsgedicht von Antonio Machado (ich habe hier auch zum ersten Mal das vollständige Gedicht gesehen, bisher kannte ich nur die 2. Zeile):

Caminante son tus huellas el camino y nada más
(Wanderer, der Weg sind die Spuren deiner Füße und sonst nichts)
Caminante no hay camino, se haace camino al andar
(Wanderer, es gibt keinen Weg, der Weg entsteht beim Gehen)
Al andar se hace camino, y al volver la vista atrás
(Beim Gehen entsteht der Weg, und wendest du den Blick zurück)
Se ve la senda que nunca se ha de volver a pisar
(so siehst du die Spur, die kaum jemals wieder begangen wird)
Caminante no hay camino, sino estelas en la mar
(Wanderer, es gibt keinen Weg so wie auch keine Abdrücke im Meer).
Was ist ein Mensch, der Waffen träget? Der Schwert und Harnisch angeleget? Ein Zeugnis der verderbten Welt (Oratorium von Telemann)!

Siegfried

Prägender Forenuser

  • »Siegfried« ist männlich

Beiträge: 4 708

Registrierungsdatum: 26. Oktober 2005

9

Dienstag, 5. Januar 2016, 16:32

Ein schöner Thread, fürwahr! :jubel:

Als bekennender Schwabe beginne ich mit einem Landsmann:

Die Liebe
Wenn ihr Freunde vergeßt, wenn ihr die Euern all
O ihr Dankbaren, sie, euere Dichter schmäht,
Gott vergeb' es, doch ehret
Nur die Seele der Liebenden.
Denn o saget, wo lebt menschliches Leben sonst
Da die knechtische jetzt alles, die Sorge zwingt?
Darum wandelt der Gott auch
Sorglos über dem Haupt uns längst.
Doch, wie immer das Jahr kalt und gesanglos ist
Zur beschiedenen Zeit, aber aus weißem Feld
Grüne Halme doch sprossen
Und ein einsamer Vogel singt,
Und sich mählich der Wald dehnet, der Strom sich regt,
Schon die mildere Luft leise von Mittag weht
Zur erlesenen Stunde,
So ein Zeichen der schönern Zeit,
Die wir glauben, erwächst einziggenügsam noch,
Einzig edel und fromm über dem ehernen,
Wilden Boden die Liebe,
Gottes Tochter, von ihm allein.
Sei gesegnet, o sei, himmlische Pflanze, mir
Mit Gesange gepflegt, wenn des ätherischen
Nektars Kräfte dich nähren,
Und der schöpfrische Strahl dich reift.
Wachs und werde zum Wald! eine beseeltere,
Vollentblühende Welt! Sprache der Liebenden
Sei die Sprache des Landes,
Ihre Seele der Laut des Volks!

Friedrich Hölderlin (1770-1843)
Freundliche Grüße Siegfried

Gerhard Wischniewski

Prägender Forenuser

  • »Gerhard Wischniewski« ist männlich

Beiträge: 4 537

Registrierungsdatum: 7. April 2011

10

Dienstag, 5. Januar 2016, 18:18

Lieber Dr. Pingel

auf youtube gibt es mehrere Versionen. Hier habe ich die Version eingestellt, unter der ich das Lied in der Schule kennegelernt habe.
Für diejenigen, die kein Französisch verstehen, will ich es hier übersetzen.


Am klaren Brunnen
als ich spazieren ging
fand ich das Wasser so schön
dass ich darin gebadet habe

Ich liebe dich schon lange
Ich werde dich nie vergessen

Unter den Blättern einer Eiche
habe ich mich abgetrocknet
Auf dem obersten Ast
sang eine Nachtigall

Ich liebe.....

Sing, Nachtigall, sing,
du, die ein fröhliches Herz hast
Du hast ein Her zum Lachen
Ich habe eins zum Weinen

Ich liebe.....

Ich habe meine Freundin verloren
Ohne es verdient zu haben
Wegen eines Blumenstraußes
den ich ihr verweiger habe

Ich liebe.....

Ich wünschte dass die Rose
noch am Rosenstrauch wäre
und dass meine süße Freundin
mich noch lieben würde


Ich liebe.....

Liebe Grüße
Gerhard
Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

dr.pingel

Prägender Forenuser

  • »dr.pingel« ist männlich

Beiträge: 4 252

Registrierungsdatum: 29. Juni 2009

11

Dienstag, 5. Januar 2016, 19:43

Lieber Gerhard, danke, welche Überraschung! Dieser Film, "The Painted Veil", ist gedreht nach einem meiner Lieblingsromane von Somerset Maugham (mit gleichem Titel). Das Video besitze ich auch; jetzt weiß ich, was ich demnächst sehe! Auch die schlichte Stimme der Sängerin und der kleine Kinderchor beim Refrain: einfach anrührend!
Was ist ein Mensch, der Waffen träget? Der Schwert und Harnisch angeleget? Ein Zeugnis der verderbten Welt (Oratorium von Telemann)!

William B.A.

Erleuchteter

  • »William B.A.« ist männlich

Beiträge: 17 317

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

12

Dienstag, 5. Januar 2016, 21:21

Zitat

dr. pingel: Eine Frage an Gerhard: wer hat das komponiert, und finde ich es bei youtube?


Mich hast du nicht gefragt, lieber dottore, weil du sicherlich wusstest, wer es an führender Stelle komponiert hat. Dennoch will ich dir eine Vertonung hier nennen, die ich besonders schön finde:


Übrigens hat auch Wilhelm Furtwängler dieses Gedicht verrtont, 1900 mit 14 Jahren! Auch das findet man hier:


Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

dr.pingel

Prägender Forenuser

  • »dr.pingel« ist männlich

Beiträge: 4 252

Registrierungsdatum: 29. Juni 2009

13

Dienstag, 5. Januar 2016, 22:05

Lieber William, mit deinem letzten Eintrag bin ich nicht klar gekommen; Peter Anders singt doch da ein ganz anderes Lied mit anderem Text. Der Link zu Furtwängler ist deaktiviert, und bei YouTube direkt konnte ich es nicht finden!
Was ist ein Mensch, der Waffen träget? Der Schwert und Harnisch angeleget? Ein Zeugnis der verderbten Welt (Oratorium von Telemann)!

Rheingold1876

Prägender Forenuser

  • »Rheingold1876« ist männlich

Beiträge: 4 688

Registrierungsdatum: 5. Mai 2011

14

Dienstag, 5. Januar 2016, 22:37

Peter Anders singt doch da ein ganz anderes Lied mit anderem Text.


Der singt doch Willis Lieblingslied "Auf dem See", komponiert von Schubert aus Beitrag 7.

Wenn Du unten rechts auf Vollbild-Modus klickst, dann kannst Du auch die Furtwängler-Vertonung hören, lieber dr. pingel. Dann erweitert sich die Ansicht, und die Play-Taste ist aktiv. Das kommt öfter mal vor. Allerdings finde ich die Interpretation etwas grenzwertig. Aber immerhin habe ich eine neue Bekanntschhaft machen dürfen. Danke!

P.S. Was nun? Plötzlich läuft auch im Vollbild-Modus das Filmchen nicht mehr. :( Probiere es trotzdem. Vielleicht geht es jeweils nur einmal.

Gruß Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

JLang

Prägender Forenuser

  • »JLang« ist männlich

Beiträge: 1 926

Registrierungsdatum: 4. August 2013

15

Dienstag, 5. Januar 2016, 23:31

Liebe Taminos,
von meiner Feiertagstour zurück und kurz vor den nächsten Dienstreisen entdeckte ich diesen schönen thread.

Gedichte, die mir etwas bedeuten: davon gibt es eine Reihe, viele stammen von Marie Luise Kaschnitz. Nicht jedoch das Folgende,
das der Feder einer Dichterin stammt, die - verfolgt - bereits mit 18 Jahren verstarb.

Selma Meerbaum-Eisinger
Lied

Nimm hin mein Lied -
Es ist nicht froh,
Der Regen weint und weint.
Und wer ihn sieht
Weiß sowieso,
Wie es das Glück gemeint.

Es ist vorbei
Die helle Zeit,
Die Lachen uns gelehrt.
Sie ging entzwei,
Zwiespalt gedeiht -
Wenn auch die Welt sich wehrt.

Kehrt sie zurück?
Ich weiß es nicht.
Vielleicht weiß es der Wind.
Er kennt das Glück,
Wenn's nicht zerbricht,
So sagt er's uns geschwind.

Doch sieh, der Wind
Verbirgt sich doch -
Er ist ja gar nicht da.
Ganz wie ein Kind,
So glaubt er noch:
Nur er weiß, was geschah.

Nimm hin mein Lied.
Vielleicht bringt es
das Lachen einst zurück.
Und wer es liest,
Der sagt: Ich seh's,
und meint damit das Glück.

Mit herzlichem Gruß
JLang
Gute Opern zu hören, versäume nie
(R. Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln)

dr.pingel

Prägender Forenuser

  • »dr.pingel« ist männlich

Beiträge: 4 252

Registrierungsdatum: 29. Juni 2009

16

Dienstag, 5. Januar 2016, 23:34

Peter Anders singt doch da ein ganz anderes Lied mit anderem Text.


Der singt doch Willis Lieblingslied "Auf dem See", komponiert von Schubert aus Beitrag 7.

Wenn Du unten rechts auf Vollbild-Modus klickst, dann kannst Du auch die Furtwängler-Vertonung hören, lieber dr. pingel. Dann erweitert sich die Ansicht, und die Play-Taste ist aktiv. Das kommt öfter mal vor. Allerdings finde ich die Interpretation etwas grenzwertig. Aber immerhin habe ich eine neue Bekanntschhaft machen dürfen. Danke!

P.S. Was nun? Plötzlich läuft auch im Vollbild-Modus das Filmchen nicht mehr. :( Probiere es trotzdem. Vielleicht geht es jeweils nur einmal.

Gruß Rheingold


Danke, jetzt habe ich es auch kapiert. Der Furtwängler klappt trotzdem nicht!
Was ist ein Mensch, der Waffen träget? Der Schwert und Harnisch angeleget? Ein Zeugnis der verderbten Welt (Oratorium von Telemann)!

William B.A.

Erleuchteter

  • »William B.A.« ist männlich

Beiträge: 17 317

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

17

Mittwoch, 6. Januar 2016, 02:53

Lieber dottore,

ich habe es eben, nach den "Lectures" mit Alfred Brendel auf Classica, noch einmal probiert. Wenn man aus Tamino auf Youtube geht und das Lied anklickt, gann geht es. Natürlich bekommt man nach Peter Anders' Vortrag der Schubert-Version von "Auf dem See"
eine art Kulturschock, wenn man die walkürenhafte Sopransitin (Ute Neumerkel) mit Furtwänglers Version hört. :D
Verzeih noch einmal das Missverständnis, ich wollte natürlich nicht nach Gerhards Beispiel gefragt werden, sondern nach meinem Goethe, und das auch nicht ernsthaft ;)

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

dr.pingel

Prägender Forenuser

  • »dr.pingel« ist männlich

Beiträge: 4 252

Registrierungsdatum: 29. Juni 2009

18

Mittwoch, 6. Januar 2016, 11:42

Lieber William!
Furtwängler klappt immer noch nicht, aber so kenne ich doch jetzt dein Lieblingsgedicht - und Peter Anders war auch ein Held meiner Jugend. Also ein fruchtbares (nicht furchtbares) Missverständnis!
Was ist ein Mensch, der Waffen träget? Der Schwert und Harnisch angeleget? Ein Zeugnis der verderbten Welt (Oratorium von Telemann)!

Dieter Stockert

Prägender Forenuser

  • »Dieter Stockert« ist männlich
  • »Dieter Stockert« wurde gesperrt

Beiträge: 962

Registrierungsdatum: 27. September 2014

19

Mittwoch, 6. Januar 2016, 11:55

Der Zufall, dass ich mich gerade an einem 27. September bei Tamino angemeldet habe, macht es möglich, dass ich eine Zeile aus einem meiner Lieblingsgedichte als Signatur verwenden kann (was natürlich paradox ist, denn die Signatur sieht man ja erst, wenn ich etwas geschrieben habe):


Der schöne 27. September
von Thomas Brasch

Ich habe keine Zeitung gelesen.
Ich habe keiner Frau nachgesehn.
Ich habe den Briefkasten nicht geöffnet.
Ich habe keinem einen Guten Tag gewünscht.
Ich habe nicht in den Spiegel gesehen.
Ich habe mit keinem über alte Zeiten gesprochen und mit keinem über neue Zeiten.
Ich habe nicht über mich nachgedacht.
Ich habe keine Zeile geschrieben.
Ich habe keinen Stein ins Rollen gebracht.
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)

William B.A.

Erleuchteter

  • »William B.A.« ist männlich

Beiträge: 17 317

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

20

Mittwoch, 6. Januar 2016, 12:36

Zitat

Lieber William!
Furtwängler klappt immer noch nicht,


Lieber dottore:

1. auf Youtube gehen,
2. in die Eingabezeile "Auf dem See, Furtwängler" eingeben;

dann erscheint ein schönes Bild, mit einem von mittleren Bergen umgebenen See. Als nächstes erscheint der Schriftzug "Wilhelm Furtwängler", dann der Titel des Liedes. So nach 10-11 Sekunden trompetet dann die Sopranistin los, und von rechts schwimmt majestätisch ein weißer Schwan in die Seemitte, allerdings ohne Lohengrin. :D
Du musst nur Geduld haben und nicht nach 2, Sekunden denken: kommt nix! Eigentlich müsste was kommen
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

William B.A.

Erleuchteter

  • »William B.A.« ist männlich

Beiträge: 17 317

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

21

Mittwoch, 6. Januar 2016, 13:05

Ich möchte heute ein weiteres Gedicht einstellen, dass mir erst durch die Musik Franz Schuberts sehr nahe gekommen ist.

Trockne Blumen

Ihr Blümlein alle,
Die sie mir gab,
Euch soll man legen
Mit mir ins Grab.
Wie seht ihr alle
Mich an so weh,
Als ob ihr wüßtet,
Wie mir gescheh?
Ihr Blümlein alle,
Wie welk, wie blaß?
Ihr Blümlein alle,
Wovon so naß?
Ach, Tränen machen
Nicht maiengrün,
Machen tote Liebe
Nicht wieder blühn.
Und Lenz wird kommen,
Und Winter wird gehn,
Und Blümlein werden
Im Grase stehn.
Und Blümlein liegen
In meinem Grab,
Die Blümlein alle,
Die sie mir gab.
Und wenn sie wandelt
Am Hügel vorbei
Und denkt im Herzen:
Der meint' es treu!
Dann, Blümlein alle,
Heraus, heraus!
Der Mai ist kommen,
Der Winter ist aus.

(Wilhelm Müller)

Diesen Text mag ich so gerne, weil am Ende eines so tieftraurigen Geschehens doch die Hoffnung steht.
Für mich hat am überzeugendstens Fritz Wunderlich dieses ebefanlls von Schubert vertonte Lied vorgetragen:



Liebe Grüße

Willi
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Dieter Stockert

Prägender Forenuser

  • »Dieter Stockert« ist männlich
  • »Dieter Stockert« wurde gesperrt

Beiträge: 962

Registrierungsdatum: 27. September 2014

22

Mittwoch, 6. Januar 2016, 13:43

Ich sehe gerade, dass mein Thomas-Brasch-Gedicht auch in dem Band »Gedichte, die glücklich machen« (Insel Taschenbuch 4297) enthalten ist, ebenso wie ein Gedicht von Peter Rühmkorf, das ich heute auch noch hier einstellen wollte. Das beruhigt mich nun ungemein, war ich doch nicht sicher, ob ich den richtigen Beurteilungsmaßstab habe für Gedichte, die in einen »Harmonie-Thread« passen sollen. Schließlich würde ich Harmoniebedürftigkeit nicht zu meinen hervorstechenden Eigenschaften zählen. Die Welt ist nicht gut und wenn es einen Schöpfer gäbe, der an meiner Meinung interessiert wäre, dem würde ich was erzählen …
Die beiden Gedichte von Brasch und Rühmkorf verzichten auf Natur oder Lebensweisheit. Es gibt keine großen Gesten, keine Glücksgefühle, sondern eher Momente innerer Gebrochenheit. Zufriedenheit entsteht dennoch, aber ganz ohne Überbau à la »Sinn des Lebens« – manchmal passiert das plötzlich, scheinbar ohne benennbaren Anlass, manchmal indem man einfach aufhört, etwas zu wollen.



Peter Rühmkorf

Auf was nur einmal ist

(Für Heinrich Maria Ledig-Rowohlt)


Manchmal fragt man sich: ist das das Leben?
Manchmal weiß man nicht: ist dies das Wesen?
Wenn du aufwachst, ist die Klappe zu.
Nichts eratmet, alles angelesen,
siehe, das bist du.

Und du denkst vielleicht: ich gehe unter,
bodenlos und fürchterlich –:
Einer aus dem großen Graupelhaufen,
nur um einen kleinen Flicken bunter,
siehe, das bin ich.

Aber dann, aufeinmalalso, beim Schlendern,
lockert sich die Dichtung, bricht die Schale,
fliegen Funken zwischen Hut und Schuh:
Dieser ganz bestimmte Schlenker aus der Richtung,
dieser Stich ins Unnormale,
was nur einmal ist und auch nicht umzuändern:
siehe, das bist du.
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)

Rheingold1876

Prägender Forenuser

  • »Rheingold1876« ist männlich

Beiträge: 4 688

Registrierungsdatum: 5. Mai 2011

23

Mittwoch, 6. Januar 2016, 13:46



Else Lasker-Schüler
Ein Lied

Hinter meinen Augen stehen Wasser,
Die muß ich alle weinen.

Immer möcht ich auffliegen,
Mit den Zugvögeln fort;

Buntatmen mit den Winden
In der großen Luft.

O ich bin so traurig - - - -
Das Gesicht im Mond weiß es.

Drum ist viel samtne Andacht
Und nahender Frühmorgen um mich.

Als an deinem steinernen Herzen
Meine Flügel brachen,

Fielen die Amseln wie Trauerrosen
Hoch vom blauen Gebüsch.

Alles verhaltene Gezwitscher
Will wieder jubeln,

Und ich möchte auffliegen
Mit den Zugvögeln fort.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

dr.pingel

Prägender Forenuser

  • »dr.pingel« ist männlich

Beiträge: 4 252

Registrierungsdatum: 29. Juni 2009

24

Mittwoch, 6. Januar 2016, 19:06

Den Furtwängler habe ich endlich gehört. Für 14 ist das schon nicht schlecht, und die Sängerin trompetet tatsächlich.
Wilhelm Müller ist ja als Dichter umstritten und eigentlich nur durch Schubert so bekannt geworden. Ich finde aber, dass seine Lyrik, am besten zusammen mit der Musik, doch ein treues Gefühl der Romantik abbildet. Überhaupt lassen sich manche Gedichte durch die Musik sehr viel besser behalten als ohne; manche Sentimentalitäten werden auch besser erträglich, die in einem reinen Gedicht nicht so gut zu ertragen wären. Zwei Beispiele werde ich dazu noch einstellen.
@Dieter Stockert: dem Gefühl, das du ansprichst, hat ja schon Schopenhauer beredt Ausdruck verliehen, etwa in dem Satz (ich zitiere sinngemäß), dass sich ja eigentlich beim Jüngsten Gericht der "liebe" Gott vor uns rechtfertigen müsse. Oder dass diese Welt die Hölle eines anderen Planeten sein muss, und wir Teufel und Opfer zugleich sind.
Schopenhauer reinsten Wassers findet sich übrigens in Pfitzners Palestrina, besonders in dem großen Monolog im ersten Akt ("Der letzte Freund...").
Was ist ein Mensch, der Waffen träget? Der Schwert und Harnisch angeleget? Ein Zeugnis der verderbten Welt (Oratorium von Telemann)!

WoKa

Prägender Forenuser

  • »WoKa« ist männlich
  • »WoKa« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 615

Registrierungsdatum: 12. Februar 2015

25

Donnerstag, 7. Januar 2016, 01:23

Hallo!

Ein Gedicht vom deutschen Poeten und Schriftsteller John Henry Mackay, das ich freilich erst durch die traumhafte Vertonung von Richard Strauss (mittlerweile kenne ich auch die Vertonung von Max Reger) kennengelernt habe, ist das Gedicht "Morgen". In Poesie geformte Zuversicht!

Morgen

Und morgen wird die Sonne wieder scheinen,
und auf dem Wege, den ich gehen werde,
wird uns, die Glücklichen, sie wieder einen
inmitten dieser sonnenatmenden Erde.

Und zu dem Strand, dem weiten, wogenblauen,
werden wir still und langsam niedersteigen,
stumm werden wir uns in die Augen schauen,
und auf uns sinkt des Glückes stummes Schweigen.


Kennt Ihr schon diese schöne Seite?

http://gedichte.xbib.de/zufalls_gedicht.html

Gruß WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

Siegfried

Prägender Forenuser

  • »Siegfried« ist männlich

Beiträge: 4 708

Registrierungsdatum: 26. Oktober 2005

26

Donnerstag, 7. Januar 2016, 16:44

Goethe hoch 3

Liebe Freunde der Lyrik,
drei Kleinodien aus der Feder Goethes dürfen hier nicht unerwähnt bleiben. Alle wurden vertont und dadurch sehr populär.

Das Veilchen (1774)
Es wurde 1783 von Johann Friedrich Reichardt vertont; eine weitere Vertonung von Wolfgang Amadeus Mozart entstand 1785 (KV 476).

Ein Veilchen auf der Wiese stand
Gebückt in sich und unbekannt;
Es war ein herzig's Veilchen.
Da kam eine junge Schäferin,
Mit leichtem Schritt und munterm Sinn,
Daher, daher,
Die Wiese her, und sang.

"Ach!" denkt das Veilchen, "wär' ich nur
Die schönste Blume der Natur,
Ach, nur ein kleines Weilchen,
Bis mich das Liebchen abgepflückt
Und an dem Busen matt gedrückt!
Ach nur, ach nur
Ein Viertelstündchen lang!"

Ach! aber ach! das Mädchen kam
Und nicht in acht das Veilchen nahm,
Ertrat das arme Veilchen.
Es sank und starb und freut' sich noch:
"Und sterb' ich denn, so sterb' ich doch
Durch sie, durch sie,
Zu ihren Füßen doch."

Gefunden (1813)
Dieses allegorische Liebesgedicht entstand am 26.8.1813 als Hommage Goethes an seine Frau Christiane, geb. Vulpius, (1765–1816). Anlass war der 25. Jahrestag der ersten Begegnung beider im Park an der Ilm in Weimar am 12.7.1788.

Ich ging im Walde
So vor mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn.

Im Schatten sah ich
Ein Blümlein stehn,
Wie Sterne blinkend, *
Wie Äuglein schön.

Ich wollt es brechen,
Da sagt' es fein:
Soll ich zum Welken
Gebrochen sein?

Mit allen Wurzeln **
Hob ich es aus,
Und trugs zum Garten
Am hübschen Haus.

Ich pflanzt es wieder ***
Am kühlen Ort;
Nun zweigt und blüht es
Mir immer fort.

Andere Versionen, meist als Liedtexte verwendet:
* Wie Sterne leuchtend

** Ich grub's mit allen Den Würzlein aus.
Zum Garten trug ich's
Am hübschen Haus.

***Und pflanzt es wieder
Am stillen Ort;
Nun zweigt es immer
Und blüht so fort.


Das Heidenröslein (Originaltitel) oder "Heideröslein" ist eines der bekanntesten und volkstümlichsten Gedichte von Johann Wolfgang von Goethe. Es wird auch als populäres Volkslied gesungen und wurde von vielen Komponisten, darunter Franz Schubert, vertont.

Liedtext (nach der Ausgabe letzter Hand 1827)
Sah ein Knab ein Röslein stehn,
Röslein auf der Heiden,
War so jung und morgenschön,
Lief er schnell, es nah zu sehn,
Sah's mit vielen Freuden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Knabe sprach: „Ich breche dich,
Röslein auf der Heiden!“
Röslein sprach: „Ich steche dich,
Dass du ewig denkst an mich,
Und ich will's nicht leiden.“
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Und der wilde Knabe brach
's Röslein auf der Heiden;
Röslein wehrte sich und stach,
Half ihm doch kein Weh und Ach,
Musst es eben leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.
Freundliche Grüße Siegfried

Siegfried

Prägender Forenuser

  • »Siegfried« ist männlich

Beiträge: 4 708

Registrierungsdatum: 26. Oktober 2005

27

Donnerstag, 7. Januar 2016, 18:12

Lichtmomente

Fange jeden Lichtmoment
als wäre alles schon vorbei
und glaube gleichzeitig daran:
Es sind Tausende noch frei.

Halte deinen Atem an,
lasse dem Zauber dich ergeben,
lächele und träume weiter
den süßen Traum - dein Leben.

Dieses Gedicht habe ich dem Lyrikband CREDO von Frederik Hartmann entnommen. Frederik Hartmann ist ein junger zeitgenössischer Lyriker, den ich vor gut 2 Jahren bei einer Lesung seiner Werke kennengelernt habe.
Freundliche Grüße Siegfried

dr.pingel

Prägender Forenuser

  • »dr.pingel« ist männlich

Beiträge: 4 252

Registrierungsdatum: 29. Juni 2009

28

Donnerstag, 7. Januar 2016, 18:32

Ich hatte angekündigt, zwei Gedichte einzustellen von Geibel; eins von Schumann, eins von Distler vertont. Ich stelle gerade fest, dass ich diese beiden Gedichte in meinem eigenen thread "Doctor Pingel´s hertzensergötzliche musicalische Brosamen" vorgestellt habe. Dieser thread ist eine Art Parallelthema zu diesem, allerdings werden dort nur vertonte Gedichte vorgestellt. Dort findet ihr eine reiche Auswahl von Liedern, die auch hierhin passen würden.
Was ist ein Mensch, der Waffen träget? Der Schwert und Harnisch angeleget? Ein Zeugnis der verderbten Welt (Oratorium von Telemann)!

Helmut Hofmann

Prägender Forenuser

  • »Helmut Hofmann« ist männlich

Beiträge: 5 852

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

29

Freitag, 8. Januar 2016, 19:51

Ich gestehe – und WoKa möge mir verzeihen – : Ich war skeptisch, was diesen Thread anbelangt. Ich dachte: Er wird – ähnlich wie jener im Liedforum mit dem Titel „Lieder, die mich beeindruckt haben“ - darauf hinauslaufen, dass man allerlei Lyrik präsentiert bekommt, ohne dabei allerdings, was ja nun das wirklich Interessante ist, zu erfahren, warum dieses ohne jenes lyrische Werk für den, der es präsentiert, so bedeutsam geworden ist.
Aber da lag ich schief, wie mir gestern bewusst wurde, als ich zum ersten Mal einen Blick hierein warf. Das erste, was mir auffiel war:
Es finden sich durchaus kurze Kommentare zu der Frage des „Warum“, - etwas mehr davon wäre freilich - für mich jedenfalls - wünschenswert.
Das zweite: Es werden sehr viele Gedichte präsentiert, die vertont wurden, - was den Liedfreund natürlich erfreut, zeigt sich doch darin, dass große Liedkomposition Lyrik zu interpretieren und sie auf diesem Wege in ihrer dichterischen Aussage zu erschließen vermag. Und noch mehr: Sie zu überhöhen und zu einer eindringlichen künstlerischen Erfahrung werden zu lassen.

Aber dann geschah etwas, was mich nun wirklich in meiner Meinung zu diesem Thread radikal gewandelt hat. Ich stieß auf dieses Gedicht von Marie Luise Kaschnitz, eingestellt von Rheingold:

Hinter meinen Augen stehen Wasser,
Die muß ich alle weinen.
Immer möcht ich auffliegen,
Mit den Zugvögeln fort;
Buntatmen mit den Winden
In der großen Luft.
O ich bin so traurig - - - -
Das Gesicht im Mond weiß es.
Drum ist viel samtne Andacht
Und nahender Frühmorgen um mich.
Als an deinem steinernen Herzen
Meine Flügel brachen,
Fielen die Amseln wie Trauerrosen
Hoch vom blauen Gebüsch.
Alles verhaltene Gezwitscher
Will wieder jubeln,
Und ich möchte auffliegen
Mit den Zugvögeln fort.

Und was ist geschehen?
Dieses: Die Erfahrung einer – zumindest subjektiv so empfundenen - Seelenverwandtschaft in Sachen Lyrik.
Will sagen: Wenn dieser Thread so etwas zu bewirken vermag, dann hat er, betrachtet unter dem Aspekt der Kommunikation in diesem Forum, einen tiefen und guten Sinn.
Dieses Gedicht von der Kaschnitz las ich, ich erinnere mich genau, vor unendlich langer Zeit zum ersten Mal, - als Schüler noch nämlich.
Und ich machte die Erfahrung: Es gibt lyrische Verse, die können einschlagen wie eine Bombe, - und bleiben ein Leben lang bei einem. Dieses Bild von den „Wassern“ hinter den Augen, die man weinen „muss“, - das ist ein solches, das haften bleibt. Ähnlich das unmittelbar nachfolgende von den „Zugvögeln“, mit denen man „auffliegen“ möchte, - „fort“.

Die Bedrängtheit von seelischem Leid, die wie zu einem drückenden Gefängnis wird, aus dem man ausbrechen möchte, erfährt in diesem Gedicht einen geradezu überwältigenden lyrischen Ausdruck. Und warum? Weil die lyrische Sprache so überwältigend direkt ist in ihrer gleichsam elementaren Einfachheit.
Das lyrische Ich sieht sich in einer seelischen Lage, in der ihm nicht einfach danach ist, weinend Tränen zu vergießen, - nein: Es leidet viel tiefer, viel gewaltiger, elementarer. Die lyrischen Bilder vermögen es zu sagen: „Wasser stehen“ hinter den Augen, - wie hinter einer Staumauer, aus der sie hervorbrechen möchten. Die expressive Kraft dieses Bildes gründet im Plural. Und so ist dem lyrischen denn auch: Es „möchte“ nicht, es „muss“ weinen, „alle“ Wasser. Und ähnlich expressiv – weil sprachlich elementar – ist das Bild von den „Zugvögeln“. Dem lyrischen Ich ist nach „Auffliegen“, zusammen mit den Zugvögeln, und es setzt in wie sprachlich ungelenk wirkender Weise das „fort“ hintendran: Lyrisch-sprachlich elementarer Ausdruck seelischer Befindlichkeit, und deshalb dichterisch so groß und überzeugend.
Wer vermag es schon, so wie die Kaschnitz hier, einen umgangssprachlich so banalen Ausruf wie „O ich bin so traurig“ in einen lyrischen Text einzubringen, in dem er mit einem Mal all seine sprachliche Banalität verliert und im Kontext der ihn umgebenden Verse zu dem wird, was er eigentlich ist: Ein elementarer, und darin zutiefst wahrer Ausbruch seelischen Leids in den Raum und das Medium von Sprache.

Dieter Stockert

Prägender Forenuser

  • »Dieter Stockert« ist männlich
  • »Dieter Stockert« wurde gesperrt

Beiträge: 962

Registrierungsdatum: 27. September 2014

30

Freitag, 8. Januar 2016, 21:44

Es werden sehr viele Gedichte präsentiert, die vertont wurden
Nicht das von mir zitierte, aber viele andere Gedichte von Peter Rühmkorf gibt es auch mit Musik: »Jazz & Lyrik«.

Gedicht von Marie Luise Kaschnitz
Ja, das ist wirklich groß und berührend.
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)