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Alfred_Schmidt

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1

Montag, 9. Mai 2016, 22:55

Codex Manesse - die Musik


Diese wunderbare Sammlung mittelalterlicher Lieder wird gelegentlich als das schönste Buch des Mittelalters bezeichnet. Eigentlich ist die ein Torso, ein Werk das nie vollendet wurde. Bewundert werden die 138 Miniaturen von Minnesängern. Der um 1300 entstandene Codex zeichnet zahlreiche Texte von Liedern etlicher Minnesängern auf - allerdings ist keine einzige Note aufgezeichnet. Es entsprach nicht der Zeit, denn Lieder wurden damals eigentlich nur mündlich überliefert.
Eigentlich muss man darum die Musik als verloren bezeichnen. Allerdings gibt es von einigen Liedern Parallelaufzeichnungen in anderen Sammlungen. Deshalb ist es möglich einen (verschwindend kleinen) Teil der in mittelhochdeutsch verfassten Texte wieder mit den dazu passenden Melodien vereinen. Die hier im Bild gezeigte CD ist das Ergebnis eines solchen Experiments - Inwieweit das alles im Mittelalter tatsächlich so geklungen hat ist eine Frage, die wahrscheinlich nie mit absoluter Sicherheit beantwortet werden kann. Wie dem auch sei, es begegnen uns (wenn auch nur wenige) bekannte Namen, beispielsweise der am Plattencover symbolisch abgebildete Walther von der Vogelweide.

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

William B.A.

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2

Dienstag, 10. Mai 2016, 01:19

Es ist schön, lieber Alfred, dass du in diesem neuen Thread das Gewicht aus dem Sammelthread "Eichhörnchen in der Musik" etwas verlagerst und diesen von mir dort schon angesprochenen Codex Manesse in den Mittelpunkt stellst.

Die "Ciarlatani" sind in der Tat eine wunderbare Gruppe, und ein Lied des auf diesem Cover abgebildeten Walther möchte ich hier kurz vorstellen:

"Nu Alrerst lebe ich mir werde", auch bekannt als das "Palestinalied", spricht über die Teilnahme an einem Kreuzzug, wodurch auch die Bedeutung des Heiligen Landes aus christlicher Sicht dargestellt wird.
Es sind 13 Strophen in mittelhochdeutsch überliefert, die sicher nicht alle von Walther stammen, nur sieben davon werden ihm mit Sicherheit zugesprochen.

Das Palestinalied ist das einzige Werk Walthers, das vollständig in einer Melodie überliefert wurde.

Hier habe ich mal die erste Strophe mit der hochdeutschen Entsprechung:

1. Nû lebe ich mir alrêrst werde,
sît mîn sündic ouge sihet
daz hêre lant und ouch die erde,
der man vil der êren gihet.
Nû ist geschehen, des ich ie bat:
ich bin komen an die stat,
dâ got mennischlîchen trat.

Nun erst lebe ich mir würdig,
seit mein sündiges Auge
das hehre Land und auch die Erde sieht,
die man so vieler Ehren rühmt.
Nun ist geschehen, worum ich immer bat:
ich bin an den Ort gekommen,
den Gott als Mensch betrat.

https://de.wikipedia.org/wiki/Pal%C3%A4stinalied

Man könnte das so oder so angehen, ich wollte einfach nur mal beginnen und habe hier noch das entsprechende Ton- und Bildbeispiel:



Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

dr.pingel

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3

Dienstag, 10. Mai 2016, 10:48

Das oben abgebildete Bild von Walther von der Vogelweide erweckt in mir sentimentale Erinnerungen. Wenn mich nicht alles täuscht, ist es nach seinem Gedicht "Ich saz uf einem steine/und dachte bein mit beine/ daruf sazt ich den Ellenbogen/ ich het in mine Hand gesmogen usw..." gemalt (ich bitte die fehlenden Akzente zu entschuldigen). Dies habe ich hier auswendig hingeschrieben, weil ich es noch immer auswendig kann. In meiner Abiturprüfung in Deutsch wurde ich über Walther geprüft und habe dieses Gedicht dort aufgesagt, wahrscheinlich war ich der einzige im Raum, der es konnte. Dass hier jetzt auch etwas Mittelhochdeutsch ins Forum kommt, begrüße ich ausdrücklich. Letzte Frage: haben wir schon was über Oswald von Wolkenstein?
Der Mensch hat drei Wege, klug zu handeln. Erstens durch Nachdenken, das ist der edelste. Zweitens durch Nachahmen, das ist der leichteste. Drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste (M.Brzoska, dt. Aphoristiker)

William B.A.

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4

Dienstag, 10. Mai 2016, 18:15

Gerade läuft diese Scheibe in meiner Musikbibliothek, da ich sie vorhin gekauft habe und eine mp3-Datei automatisch in meiner Musikbibliothek abgelegt wird:


Welch eine herzerfrischende Musik, meisterlich dargeboten!

Liebe Grüße

Wiilli :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Alfred_Schmidt

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5

Samstag, 16. Juli 2016, 22:25

Ich komme an dieser Stelle nochmals auf das Palästinalied von Walther von der Vogelweide zurück, das WilliamBA in Beitrag 2 vorgestellt und einen Link auf die Interpretation von "I Ciarlatani" versehen hat. Ich verlinke nun - wieder um den Spielraum an Interpretationsmöglichkeiten zu zeigen - auf eine andere Lesart, dargeboten von der Gruppe Tandaradey....



mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

musikwanderer

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6

Sonntag, 17. Juli 2016, 07:48

Auszug aus Beitrag 3: Dass hier jetzt auch etwas Mittelhochdeutsch ins Forum kommt, begrüße ich ausdrücklich. Letzte Frage: haben wir schon was über Oswald von Wolkenstein?

Bitte, lieber Dottore, guckst Du einfach hier:
http://tamino-klassikforum.at/index.php?…tein#post579285

:hello:
.

MUSIKWANDERER

Alfred_Schmidt

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7

Samstag, 24. Dezember 2016, 02:42

Der Name Tannhäuser ist wohl jedem Bewunderer der Opern Richard Wagners ein Begriff. Imdes gab es schon lange vorher die Tannhäuser-Sage, des Ritters der vom Venusberg zu Papst Urban IV pilgerte um Vergebung für sein sündiges Leben mit Frau Venus zu erhalten und der vom Papst mit den Worten abgewiesen wird, daß ebensowenig, wie der Bischofsstab in den Händen des Papstes zu grünen imstande wäre, er Vergebung für seine unsittlichen Taten erlangen könne. Tannhäuser kehrt um - zurück in den Venusberg und wird von den Boten des Papstes, der ihm mitteilen wollte, daß sein Stab zu grünen begonnen habe nicht mehr eingeholt. Diese Sage stammt angeblich aus dem 13. Jahrhundert. Richard Wagner hat sie in seiner Oper "Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg" teilweise in abgewandelter Form verwendet umd mit einer zweiten Sage verknüpft wurde.
Dann gibt es noch die reale Person des Minnesängers Tannhäuser, von dem nicht einemal die genauen Lebensdaten bekannt sind. Er dürfte etwa 1265 oder später gestorben sein, einige seiner Lieder enthalten Hinweise auf Geschehnisse, welche zwischen 1245 und 1266 stattgefunden haben
Für heute habe ich ein Tonbeispiel aus dem Codex Manesse mit Namen " Ich lobe ein wib" ausgesucht...



https://www.hs-augsburg.de/~harsch/germa…r/tan_ge04.html

mfg aus Wien
Alfred

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