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Caruso41

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181

Dienstag, 13. Dezember 2016, 19:12

Amartuvshin Enkhbat

Es fehlen mir in der Tat die Worte! Das ist effektiv ein Elementarereignis und ich kann all Deine Ausführungen nur unterstreichen. ........ Für mich jedoch steht fest, dass ich bei einer derartigen Leistung auf jeden Regisseur "pfeifen" kann...


Lieber m.joho!
Fürwahr!!!
In Kiel hat man sogar das Glück, ihn in einer höchst gelungenen Inszenierung zu erleben. Aber es würde einem auch völlig gleichgültig sein, wenn sie das nicht wäre.
Ich finde bemerkenswert, dass er in Cardiff - wie zuvor schon in St. Petersburg - den Publikumspreis gewonnen hat. Es gibt sie also doch die Opernfans, denen Stimme und Gesang das sind, worauf es ankommt in der Oper!
Nur in unserem Forum sind es leider nicht so viele. Da rezensiert man Rezensionen von Inszenierungen, die man noch nicht eimal gesehen hat. Wie besessen und fanatisch muss man sein, um auf die Idee zu kommen? Das ist ja der komplette Irrsinn.

Übrigens: Amartuvshin Enkhbat als Rigoletto:



Diese Stimme ist der helle Wahnsinn, ein Kaliber im Range von Ghiaurov. Ich könnte ihn mir (nein, nicht die Regimentstochter) gut als Komtur im Don Giovanni vorstellen.


Lieber Dottore Pingel!
Also Amartuvshin Enkhbat ist schon ein echter Bariton. Seine Stimme reicht mühelos bis zu A!!
Auch wenn sie so dunkel timbriert ist, würde ich ihn nicht in Basspartien einsetzen.
Gute Bässe für den Komtur gibt es ja auch zum Glück. Aber für den Luna, Renato, Simon Boccanegra oder Macbeth fehlen gute Besetzungsmöglichkeiten eigentlich ganz.

Es gibt übrigens auf Youtube noch etlich Aufnahmen von Amartuvshin Enkhbat. Es lohnt, nicht nur die hier eingestellten anzuhören.

Euch beiden Eine Gute Nacht.

Beste Grüße

Caruso41
;) - ;) - ;)

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dr.pingel

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182

Dienstag, 13. Dezember 2016, 19:31



Nur in unserem Forum sind es leider nicht so viele. Da rezensiert man Rezensionen von Inszenierungen, die man noch nicht eimal gesehen hat. Wie besessen und fanatisch muss man sein, um auf die Idee zu kommen? Das ist ja der komplette Irrsinn.

Caruso41


Lieber Caruso, ich bin ja dieser ewigen nutzlosen Debatten überdrüssig und habe jetzt das Rezept dagegen gefunden. Ich habe einfach (wenn auch nach längerer Vorbereitung) drei neue Themen in die Welt gesetzt: "Bellezza", "Giganten" und "Musikalische Perlen vor Bach". Alle drei haben zusammen inzwischen einen Zugriff von fast 7000. :rolleyes:
Eichendorff, In der Fremde.
Aus der Heimat hinter den Blitzen rot/ da kommen die Wolken her,/ aber Vater und Mutter sind lange tot,/ es kennt mich dort keiner mehr./ Wie bald, wie bald kommt die stille Zeit,/ da ruhe ich aus und über mir/ rauscht die schöne Waldeinsamkeit,/ und keiner kennt mich auch hier (vertont von Robert Schumann).

rodolfo39

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183

Dienstag, 13. Dezember 2016, 19:47

Ich bin ebenfalls begeistert. Was für ein Bariton.

Caruso41

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184

Dienstag, 13. Dezember 2016, 22:31

Ich bin ebenfalls begeistert. Was für ein Bariton.


Ja, lieber Rudolfo,
solche Entdeckungen kann man machen, wenn man in die Oper geht. Selbst in Kiel.
Ich wußte vorher noch gar nichts von dem Mann. Ich war in die Oper gegangen, weil ich am Nachmittag in der Uni zu tun hatte und erst am nächsten Morgen weiterrreisen konnte. Außerdem hatte ich gehört, dass die Inszenierung von Fabio Ceresa lohnend sei. Da war die Überraschung groß, als ich d i e s e Stimme hörte.
Die ungewöhnliche Biografie habe ich erst nach meiner Rückkehr nach Hause recherchiert.

Beste Grüße
Caruso41
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m.joho

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185

Dienstag, 13. Dezember 2016, 22:37

Tja, lieber Caruso, wenn ich bedenke, dass es von Zürich nach Kiel ca. 1000 km sind.,,,

rodolfo39

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186

Dienstag, 13. Dezember 2016, 22:40

Nur das Rigoletto Kostüm und das Make Up sind etwas gewöhnungsbedürftig :)

Jolanthe

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187

Dienstag, 13. Dezember 2016, 23:46

Die Stimme von Amartuvshin Enkhbat ist ja wirklich unglaublich. Ich habe vorher auch noch nie von ihm gehört.

:hello:

Jolanthe

Caruso41

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188

Mittwoch, 14. Dezember 2016, 09:17

dass es von Zürich nach Kiel ca. 1000 km sind.,,,


Lieber m.joho!

Das ist in der Tat weit!
Aber die Züricher Oper ist ja ziemlich rührig beim Aufspüren von guten jungen Sängern. Vielleicht bringt das Amartuvshin Enkhbat je mal an die Limmat?

Amartuvshin Enkhbat ist ja wirklich unglaublich


Ja, liebe Jolanthe,
man kann sich gar nicht satt hören an seinen Aufnahmen. Wir sind doch ziemlich entwöhnt, was dunkle und große Baritonstimmen angeht!

Euch beiden einen schönen sonnigen Herbsttag mitten im Dezember.

Beste Grüße

Caruso41
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Caruso41

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189

Montag, 19. Dezember 2016, 10:26

Anna Princeva

Erst jetzt erhielt ich den Mitschnitt einer Aufführung von Verdis Oberto von den Festspielen in Heidenheim.
Da ist Anna Princeva, die ja hier von Rudolfo vorgestellt worden war, einfach großartig.
Die Aufnahme kann man bei DeutschlandRadio Kultur bekommen.
Es soll wohl sogar eine Voröffentlichung als CD geplant sein.

Zitat

Giuseppe Verdi
Oberto, conte di San Bonifacio

Oberto, Graf von San Bonifacio - Woong-jo Choi, Bass
Leonora, seine Tochter - Anna Princeva, Sopran
Cunzina, Schwester des Ezzelino - Katerina Hebelkova, Sopran
Riccardo, Graf von Salinguerra - Adrian Dumitru, Tenor
Imelda, Cunzinas Vertraute - Daniela Banasova, Mezzosopran
Tschechischer Philharmonischer Chor Brünn
Cappella Aquileia
Leitung: Marcus Bosch
Opernfestspiele Heidenheim
Festspielhaus Congress Centrum
Aufzeichnung vom 4. August 2016


Caruso41
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dr.pingel

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190

Freitag, 23. Dezember 2016, 21:02

Britta Stallmeister

Ich habe neulich wieder eines meiner Liebslingsstücke von Schumann gehört, die Kantate "Der Rose Pilgerfahrt". Die Rose wird gesungen von Britta Stallmeister, die wohl in Frankfurt an der Oper beschäftigt ist. Sie hat ein Timbre, das dem von Helen Donath gleicht, die ja zusammen mit Hana Blazikova, Ruth Ziesak und Nuria Rial meine Soprangöttinen sind ( es gibt noch ein paar mehr).

Eichendorff, In der Fremde.
Aus der Heimat hinter den Blitzen rot/ da kommen die Wolken her,/ aber Vater und Mutter sind lange tot,/ es kennt mich dort keiner mehr./ Wie bald, wie bald kommt die stille Zeit,/ da ruhe ich aus und über mir/ rauscht die schöne Waldeinsamkeit,/ und keiner kennt mich auch hier (vertont von Robert Schumann).

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191

Samstag, 24. Dezember 2016, 11:02

Britta Stallmeister

Britta Stallmeister habe ich bisher nur in kleinen Partien gehört: Ortlinde, Nuri in Tiefland und Küchenjunge in Rusalka. Danach kann ich nichts über sie sagen.

Bei Youtube gibt es einige Liedaufnahmen.
Aber die werde ich mir wohl erst nach den Feiertagen anhören. Ein kurzer Check hat ergeben, das das nicht gerade easy-listening wird, da die Aufnahme wirklich nicht unter optimalen Bedingungen entstanden sind.
Aber vielleicht kennt ja jemand die Stimme von Live-Aufführungen?

Übrigens den junge Tenor Ioan Hotea, der in einem anderen Thread vorgestellt wurde, habe ich mal in Wiesbaden gehört. Danach hatte ich nicht den Eindruck, dass er gleich "Gold in der Kehle" hätte. Aber eine vielversprechende sehr lyrische Tenorstimme hat er schon. Ich werde mich gerne mal auch mit ihm beschäftigen.

Frohe Weihnachten

Caruso41
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Samstag, 24. Dezember 2016, 11:10

Britta Stallmeister habe ich 1997 in Rheinsberg als Undine von E.T.A. Hoffmann (unter Rolf Reuter) gehört, ein paar Monate später sprang sie im Konzerthaus Berlin als Klärchen bei der Aufführung von Beethovens Bühnenmusik zu Goethes "Egmont" ein.
Ich wusste nicht, dass das fast zwanzig Jahre später unter "Neue Stimmen" fällt...
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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dr.pingel

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193

Samstag, 24. Dezember 2016, 17:36

Wer ist Carsten Wittmoser?

In der Mülheimer Lokalausgabe der NRZ stand heute ein Interview mit Carsten Wittmoser, der aus Mülheim stammt und als Bass neulich in der MET als Kurwenal eingesprungen ist. Ich denke mal, dass man dort auch als Cover nicht jeden nimmt; Dirigent war immerhin Simon Rattle.
Eichendorff, In der Fremde.
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194

Sonntag, 25. Dezember 2016, 10:48

RE: Carsten Wittmoser

Es hilft ein Blick ins Web, um einige Details über den auch mir völlig unbekannten Sänger zu lesen:

https://www.ikz-online.de/kultur/muelhei…d209072631.html
:hello:
.

MUSIKWANDERER

Stimmenliebhaber

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195

Sonntag, 25. Dezember 2016, 10:55

Letztlich sang der auch schon vor zwanzig Jahren. Nach meiner Definition auch nicht wirklich eine "neue Stimme".
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196

Sonntag, 25. Dezember 2016, 12:22

Zitat

Ich wusste nicht, dass das fast zwanzig Jahre später unter "Neue Stimmen" fällt...

Zitat

Letztlich sang der auch schon vor zwanzig Jahren. Nach meiner Definition auch nicht wirklich eine "neue Stimme".


Es ist nicht jeder Tamino so mit neuen Stimmen vertraut wie du, der schon beruflich damit zu tun hat. Ich kannte viele der hier aufgeführten Stimmen auch kaum, oder nur dem Namen nach. Ich hätte hier fast schon Marcello Giordani aufgeführt, der mir als KALAF sehr gut gefällt, aber auch schon länger an großen Häusern singt.
W.S.

Stimmenliebhaber

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197

Sonntag, 25. Dezember 2016, 12:37

Ich hätte hier fast schon Marcello Giordani aufgeführt, der mir als KALAF sehr gut gefällt, aber auch schon länger an großen Häusern singt.
Oh ja, der ist nun wirklich nach JEDER Definition keine neue Stimme mehr! :D
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Caruso41

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Montag, 26. Dezember 2016, 12:55

Britta Stallmeister

Jetzt habe ich mich etwas mit Britta Stallmeister befasst.
Als "neue Stimme" würde ich sie nicht mehr bezeichnen! Da muss ich Stimmenliebhaber Recht geben. Aber Dottore Pingel hat sie für sich entdeckt. Deshalb soll auch was über sie gesagt werden.

Ich empfinde die Stimme als hell und klar. Sie ist technisch sicher beherrscht. Aber interessant oder aufregend empfand ich die Stimme nicht. Irgendwie ein bisschen jungfräulich. Darum war sie als Nuri im Tiefland ganz anrührend, aber für das lyrische Fach gibt die Stimme vielleicht doch zu wenig her. Sie soll ja auch inzwischen die Zdenka gesungen haben. In einer Kritik wurde gesagt, ihre Stimme sei sehr schön mit der von Anne Schwanewilms verschmolzen. Das kann ich mir vorstellen, aber den 3. Akt würde ich doch lieber von einem Sopran hören, der mehr Wärme und Farben hat.

Beste Grüße
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Caruso41

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199

Montag, 26. Dezember 2016, 13:06

Carsten Wittmoser

Carsten Wittmoser singt nun schon so lange "in der zweiten Reihe", dass ich ihn auch nicht mehr als "neue Stimme" sehen kann. Dass er nun nach seinem Kurvenal an der Met ein take off hat, glaube ich eher nicht.

Beste Grüße
Caruso41
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Caruso41

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200

Dienstag, 27. Dezember 2016, 13:42

Florian Sempey

Liebe Melomanen!
Nachdem zuletzt Sänger vorgestellt wurden, die vielleicht nicht mehr als "Neue Stimmen" bezeichnet werden können, möchte ich heute einen jungen französischen Bariton vorstellen, dessen Karriere wirklich j e t z t anfängt.
Er ist wohl gerade 30 Jahre alt und heißt

Florian Sempey



Ich habe ihn bisher zweimal live gehört:
als Alphonse XI (La favorite) in der Deutschen Oper Berlin (neben Elina Garanca)
und in der Laeiszhalle Hamburg mit Chaussons "Poème de l'amour et da la mer"!

Zwei Werke mit völlig unterschiedlichen Anforderungen. In beiden hat er mich nicht nur überzeugt sondern voll begeistert.
Den Donizetti sang er mit feiner Belcanto-Kultur, gab dem launischen König ein facettenreiches Profil. Mühelos konnte er sich neben der Garanca mit einer eindrucksvollen Gesangsleitung behaupten! Nicht nur seine prunkvollen Spitzentöne waren für mich einfach unvergesslich.
Bei Chausson zeigte er ganz andere Farben: Verträumtheit, Verzückung, Hingabe, Ekstase, Melancholie, Tristesse affreuse, Schmerz. Und den jugendstilhaften Wortbildern des Textes spürt er so feinsinnig nach wie den harmonischen Wendungen! Auch das: unvergesslich!

Ein paar Worte zu der Stimme:
Florian Sempey verfügt über ein ungemein schönes und reiches Timbre: kernig und prägnant im Forte, aber geschmeidig und weich im Piano. Er hat ein dunkel klingendes Fundament, eine samtige Mittellage und kann das Timbre wunderbar in der Höhe auflichten. Die Spitzentöne sind kräftig und rund.
Seine ganz aus der französischen Sprache entwickelten Gesangslinien haben eine ungemeine Plastizität und Eloquenz. Nach meinem Eindruck kann er wirklich einer schier unbegrenzten Palette von Gefühlen Ausdruck verleihen.

Obwohl er in Pesaro und Drottningholm, Rom und Orange gesungen hat, gibt es nicht so viele Aufnahmen, die es erlauben, sich einen Eindruck von dieser herrlichen Stimme zu verschaffen. Aber wenigstens drei will ich mal einstellen. Man kann im Internet ja leicht mehr finden - wenn die auch meist unter ungenügenden akustischen Bedingungen aufgezeichnet wurden.









Und nun noch biografischen Informationen, die ich von der Deutschen Oper Berlin übernehme:

Zitat

Nachdem der junge französische Bariton Florian Sempey in der Kategorie Révélations Artiste Lyrique des Victoires de la Musique 2013 nominiert war, entwickelte sich seine Karriere in der Saison 2014/2015 rasant: So interpretiert er die Titelpartie in DER BARBIER VON SEVILLA und die Partie des Marquis d’Obigny (LA TRAVIATA) an der Opéra de Paris; auf den Bühnen von Bordeaux und Versailles ist er als Anténor in DARDANUS mit dem Ensemble Pygmalion zu erleben und an der Opéra-Comique de Paris gibt er Dr. Falke (DIE FLEDERMAUS) in einer Inszenierung von Ivan Alexandre unter Leitung von Marc Minkowski. Unter Minkowski sang er bereits die „Lieder eines fahrenden Gesellen“ von Gustav Mahler.

Florian Sempey begann seine musikalische Ausbildung am Klavier, wechselte dann aber in die Gesangsklasse von Françoise Detchnenique am Conservatoire de Libourne, das er mit einem Diplom und als Finalist des Concours de Chant Lyrique des Amis du Grand Théâtre de Bordeaux verließ. 2007 wechselte er ans Conservatoire national de Bordeaux in die Klasse von Maryse Castets. Er nahm an verschiedensten Workshops und Meisterklassen teil, darunter die von François Leroux, Roland Mancini, Sophie Landy oder Michel Laplénie. 2008 wurde er mit dem Prix Opéra und dem Prix du public beim Concours de chant des amis du Grand Théâtre Opéra national de Bordeaux ausgezeichnet. Darüber hinaus war er Finalist beim Concours S’sentiels in Nantes 2009 und Demi-Finaliste beim Concours international de l’Opéra de Marseille unter dem Jury-Vorsitzenden Rolando Villazón.

Sein Bühnendebüt gab er in Bordeaux als Papageno (DIE ZAUBERFLÖTE), gefolgt von Moralès (CARMEN), Yamadori (MADAMA BUTTERFLY), Pollux (CASTOR ET POLLUX), Figaro ( DER BARBIER VON SEVILLA) sowie als Solist in CARMINA BURANA. Kurz darauf wechselte er als Mitglied des l'Atelier Lyrique an die Opéra de Paris und sang dort Hérault d'armes und Apollon (ALCESTE), Ramiro (L'HEURE ESPAGNOLE) und Nardo (LA FINTA GIARDINERA).

2014 gastierte er in Amsterdam in der Partie des Valentin in Gounods FAUST, als Figaro (DER BARBIER VON SEVILLA) im Rahmen des Rossini-Festivals in Pesaro und an der Opéra de Saint-Etienne, wo er auch in Jules Massenets LE MAGE sowie in Reynaldo Hahns CIBOULETTE zu erleben war. In Krakau sang er die Partie des Julien de Médicis in Józef Poniatowskis PIERRE DE MEDICIS, beim Festival des Nuits Lyriques de Sanxay sang er in CARMEN 2011, LA TRAVIATA 2012 und MADAMA BUTTERFLY 2013.

Derzeit arbeitet er regelmäßig mit Jean-Philippe Lafont und errang 2012 den Prix Carpeaux de l'Opéra Garnier.


Beste Grüße zum Jahresende

Caruso41
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operus

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201

Dienstag, 27. Dezember 2016, 18:44

Lieber Caruso,

allein die Fülle der eingestellten Beispiele mit überwiegend jungen, talentierten und zum bereits Teil überzeugenden Sängerinnen und Sängern lohnt diesen Thread. Allerdings kann man kaum jede Aufnahme analytisch kommentieren. Außerdem ist es ein riesiger Unterschied, ob jemand eine Arie gekonnt singt, oder eine größere Partie auf der Bühne durchsteht. Insofern kann ich Dir nur zusatimmen. Man muss in die Oper gehen und Musiktheater live erleben, wenn man auf aktuellem Stand mit diskutieren wil. Ein Beweis ist Dir allerdings gelungen: Nämlich, dass es genügend neue, gute Stimmen gibt, die es sich anzuhören lohnt. Das Urteil: Früher wurde besser gesungen stimmt pauschal und oberflächlich nicht. Bitte weiter so! :jubel:

Herzlichst
Operus
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Caruso41

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202

Mittwoch, 28. Dezember 2016, 10:08

Lieber Operus!

Außerdem ist es ein riesiger Unterschied, ob jemand eine Arie gekonnt singt, oder eine größere Partie auf der Bühne durchsteht.

Das ist richtig!
Darum stelle ich auch grundsätzlich - mit der einzigen Ausnahme Sabine Devieilhe - nur Sänger vor, die ich von Live-Auftritten kenne! Vor allem bekommt man einen anderen Eindruck vom Klang der Stimme und ihren Möglichkeiten.
Auch Rudolfo hat nur Sänger vorgestellt, die er auf der Bühne gehört hat.
Aber etliche Taminos haben keine Gelegenheit, Aufführungen zu besuchen, in denen man interessante Neue Stimmen kennen lernen kann. Da ist es dann schon legitim, sich auf CDs oder Youtube zu beziehen.

Allerdings kann man kaum jede Aufnahme analytisch kommentieren.

Das ist auch nicht nötig!
Es wäre je schon was, wenn du zu einer Stimme was sagst, weil die Dich vielleicht besonders begeistert oder weil Du der nicht so recht eine nachhaltige Karriere zutraust, oder....oder...oder....

Ein Beweis ist Dir allerdings gelungen: Nämlich, dass es genügend neue, gute Stimmen gibt, die es sich anzuhören lohnt. Das Urteil: Früher wurde besser gesungen stimmt pauschal und oberflächlich nicht.


Ja, das ist doch ein schöner Gewinn dieses Threads.
Wenn man bedenkt, wie viele herausragende junge Sängertalente hier noch nicht einmal erwähnt wurden, dann gibt es wirklich keinen Grund, zu sagen, dass wir keine Juwelen und keinen Glanz mehr auf unseren Opernbühnen und Konzertpodien hätten.
Nimm mal den gerade vorgestellten Florian Sempey. Wer war in früheren Tagen wirklich besser im französischen Fach? Da fallen mir eigentlich nur Gérard Souzay und Michel Dens ein!

Bei der Gelegenheit noch eine Information:
Freunde haben mich verwundert gefragt, ob denn ein Bariton das wagnersüchtige "Poème de l'amour et de la mer" von Chausson singen dürfe. Sie kennen es nur von Ferrier, Baker, Graham, von Stade, Norman, Caballé und so weiter. In der Tat wird es fast nur von Frauenstimmen gesungen. Es ist aber für Bariton geschrieben und erzählt die Geschichte von einem jungen Mann, der sich in einem herrlichen Sommer am Meer in eine junge Frau verliebt. Und als er ein Jahr später zurückkommt, muss er feststllen, dass sie ihn vergessen hat.
Es gibt einige wenige Aufnahmen mit Männerstimmen, gespielt werden aber meist die anderen.
Schade eigentlich! Florian Sempey hat gezeigt, dass es auch mit einem Bariton starken Eindruck macht!

Beste Grüße

Caruso41
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operus

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203

Mittwoch, 28. Dezember 2016, 11:01

Ja, das ist doch ein schöner Gewinn dieses Threads.
Wenn man bedenkt, wie viele herausragende junge Sängertalente hier noch nicht einmal erwähnt wurden, dann gibt es wirklich keinen Grund, zu sagen, dass wir keine Juwelen und keinen Glanz mehr auf unseren Opernbühnen und Konzertpodien hätten.
Nimm mal den gerade vorgestellten Florian Sempey. Wer war in früheren Tagen wirklich besser im französischen Fach? Da fallen mir eigentlich nur Gérard Souzay und Michel Dens ein!

Lieber Caruso,

Du warst am Anfang etwas skeptisch wegen der Akzeptanz und Breitenwirkung dieses Themas. Tatsache ist, dass dieser Thread gut läuft und viele interessante Sängerinnen und Sänger darin vorgestellt werden. Ich muss wie unser Freund 9079 Wolfgang bekennen, dass ich die meisten der Vorgestellten kaum oder nicht kannte. Insofern hat mein Mitlesen und Mithören bereits meinen Horizont erweitert. Außerdem glaube ich, dass wir unterschiedliche Opernhäuser besuchen: Bei mir sind es in der Regel Stuttgart, Mannheim, München und Wien und dann Bayreuth. Darauf führe ich es zurück, dass wir unterschiedliche neue Stimmen kennen. Darüber hinaus habe ich das Handycap. dass ich keine Klangbeispiele einstellen kann.
Sei es drum, ich werde , wenn es mich wirklich gepackt hat, kommentieren.
Neben den neuen Stimmen ist der Thread "Juwelen sind rar geworden - der Glanz ist verblasst" m. E. genau so berechtigt. Er schlägt ja die Brücke von Gestern zu Heute, von der Vergangenheit in die Zukunft. Ich meine, wir können nur überzeugend die Qualität der neuen Stimmen herausarbeiten und begründen, wenn wir diese mit den Großen der Vergangenheit vergleichen. Es sind zwei Seiten einer Medaille und die Anforderungen und die Voraussetzungen für die heutige Sängergeneration sind andere als sie z. B. die uns am meisten gegenwärtige Nachkriegszeit hatte. Vielleicht entwickelt sich aus beiden Themenbereichen eine weitere, vergleichende Betrachtung von Stimmen und Sängern von Gestern und Heute: Es könnte sehr interessant sein, z. B. Wolfgang Windgassen als Siegfried mit Robert Dean Smith, Birgit Nilsson mit aktuellen Darstellerinnen der Brünnhilde usw. zu vergleichen.
Im französischen Fach darf einer einfach nicht fehlen: Nicolai Gedda.

Herzlichst
Operus
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9079wolfgang

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Mittwoch, 28. Dezember 2016, 12:04

Zitat

Florian Sempey


Lieber Caruso!

Dies ist wirklich ein wundervoll klingender Bariton mit einem dunklen Timbre, welches ich bei einigen jüngeren Bariton-Stimmen kaum vernommen habe. Auf seine weitere Karriere bin ich sehr gespannt. Eine leider verklungene Stimme mit ähnlichem dunklen Timbre war Ludwig Baumann.

Liebe Grüße
Wolfgang
W.S.

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205

Mittwoch, 28. Dezember 2016, 14:38

Lieber Wolfgang!

Dies ist wirklich ein wundervoll klingender Bariton mit einem dunklen Timbre, welches ich bei einigen jüngeren Bariton-Stimmen kaum vernommen habe


Es freut mich, dass Dir Florian Sempeys Stimme gefällt. Er hat sogar schon mal in Köln gastiert. Ist das nicht in der Nähe Deiner Wohnortes?
Wenn ich mich recht erinnere hat er den Figaro (Rossini) gesungen.

Eine leider verklungene Stimme mit ähnlichem dunklen Timbre war Ludwig Baumann.


Ludwig Baumann kenne ich nur durch den Reiterhof Gut Immling im Chiemgau. Live gehört habe ich ihn nie! Hat er nach seinem Unfall überhaupt noch gesungen?

Beste Grüße

Caruso41
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206

Mittwoch, 28. Dezember 2016, 14:48

z. B. Wolfgang Windgassen als Siegfried mit Robert Dean Smith
Singt letzterer Sänger den Siegfried überhaupt?
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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Caruso41

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207

Mittwoch, 28. Dezember 2016, 15:05

Lieber Operus!
Außerdem glaube ich, dass wir unterschiedliche Opernhäuser besuchen: Bei mir sind es in der Regel Stuttgart, Mannheim, München und Wien und dann Bayreuth.


In Bayrueth, München und Wien gehe ich auch oft in die Oper. In Mannheim und Stuttgart eher nicht.
Aber unter unseren "Neuen Stimmen" waren ja etliche (!!!) die in Wien und München entdeckt wurden.

Darüber hinaus habe ich das Handycap. dass ich keine Klangbeispiele einstellen kann.


Das musst Du ja nicht unbedingt. Obwohl: es zu lernen, ist nicht wirklich schwer!
Einstweilen will ich das gerne machen, wenn Du einen interessante "Neue Stimme" vorstellst!


Neben den neuen Stimmen ist der Thread "Juwelen sind rar geworden - der Glanz ist verblasst" m. E. genau so berechtigt. Er schlägt ja die Brücke von Gestern zu Heute, von der Vergangenheit in die Zukunft. Ich meine, wir können nur überzeugend die Qualität der neuen Stimmen herausarbeiten und begründen, wenn wir diese mit den Großen der Vergangenheit vergleichen.


Ich denke, das ginge besser, wenn es nicht so eine voreingenommene und eigentlich schon parteiische Überschrift gäbe!
Es nimmt nicht Wunder, dass in diesem Thread bisher noch keine sorgfältigen Vergleiche zwischen den Sängern von ehedem und denen von heute angestellt wurden. Stattdessen gab es die pauschalen Klagen über Verfall und Verlust.
Das brauche ich nicht! Es ist nicht nur falsch sondern schlicht ärgerlich. Natürlich weiss ich: es gibt keine Grümmer mehr und es wird auch nie wieder eine geben. Aber ich weiss auch: es gibt eine Joyce di Donato, und es hat in der Zeit, in der ich in die Oper gehe, keine vergleichbare Sängerin gegeben.
Das ist aber nur mittelbar Thema dieses Threads. Immerhin ist es sinnvoll sich klar zu machen, dass die junge Sängergeneration nicht recht immer nur an den Alten gemessen werden darf. Sie ist - um mit Ranke zu sprechen - "unmittelbar zu Gott"!

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Caruso41
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Donnerstag, 5. Januar 2017, 16:38

Kristian Benedikt

Im Gespräch mit Melomanen über 'Neue Stimmen' wird eigentlich über kurz oder lang immer wieder die Frage aufgeworfen, ob es denn Tenöre für Partien wie Alvaro und Otello, Rienzi und Siegmund, Samson und Eleazar gebe. Da muss man meist passen. Man kann natürlich darauf verweisen, dass Stimmen sich entwickeln müssen und in solch schweren Partien erst eingesetzt würden, wenn sie schon einige Karrierejahre hinter sich haben.

Heute möchte ich einen Tenor vorstellen, der die Jahre in lyrischen Partien bereits hinter sich hat und gerade beginnt, das dramatische Fach zu erobern. Ich bin (erneut) auf ihn gestoßen, als ich mich mit dem bedeutenden litauischen Tenor Vergilijus Noreika beschäftigt habe. Er ist einer seiner Schüler:

Kristian Benedikt



Seine Karriere begann schon, als er noch nicht einmal die Diplomprüfung abgeschlossen hatte: mit lyrischen Partien wie Cassio, Alfredo und Lenski trat er an der litauischem Nationaloper auf. Bald schon kamen José und Carlos, Duca und Pinkerton hinzu.
Ein erster Ausflug in die internationale Opernwelt führte nach München. Marcello Viotti holte ihn für die Gesamtaufnahme von Ponchielli’s La Gioconda mit Placido Domingo und Violeta Urmana. Er sang die kleine Partie des Isepo. Bald aber wurde er auch in größeren Partien eingesetzt. In den verschiedenen Opernhäusern der baltischen Staaten und in Finnland sang er unter anderem Hoffmann in Les Contes d’Hoffmann, Cavaradossi in Tosca, Des Grieux in Manon Lescaut, Pinkerton in Madama Butterfly, Duca in Rigoletto, Manrico in Il Trovatore, Andrea Chenier, Des Grieux in Massenet’s Manon, Corrado in Ponchielli’s I Lituani und Turiddu in Cavalleria Rusticana sowie Calaf in Turandot.

2011 sang er seinen ersten Otello und damit nahm seine Karriere Fahrt auf: Er wurde nach Modena, Piacenza, Bergamo, Parma und andere kleine Opernhäuser Italiens eingeladen, sang in Graz und Basel, sogar schon in Amsterdam, St. Petersburg, Montreal und am ROH London (dort sang er allerdings Canio).

Also eigentlich keine "Neue Stimme", denn der Mann singt schon mehr als 10 Jahre - wenn auch zumeist nur in seinem Stammhaus in Vilnius und einigen anderen Opernhäuser in den Baltischen Staaten.
Aber als Heldentenor ist er doch eine Entdeckung, die ich wohl hier vorstellen darf.

Live habe ich ihn nur einmal gehört. Als Otello in der berühmten Bieito-Inszenierung in Basel. Da war ich bereits ausgesprochen begeistert. Allerdings hatte ich die Wirkung, die von ihm ausging, zu einem gutes Teil der genialen Personenführung Bieitos zugeschrieben. Immerhin: sein triumphales Esultate, seine prächtigen Spitzentöne, seine Argwohn, seine Verwundbarkeit, seine Leidenschaft und Wut - das alles war schon sehr eindrucksvoll.
Da ich aber nichts weiter von ihm gehört hatte, er an den Bühnen in Westeuropa nicht erneut und regelmäßig auftauchte, verlor ich ihn aus den Augen - oder besser: aus den Ohren. Erst jetzt wurde mein Interesse im Zuge der Beschäftigung mit Noreika neu geweckt. Da habe ich dann auch etliche der Aufnahmen gehört, die man in Internet von Kristian Benedikt gefunden habe.

Die Stimme hat eine schöne dunkle Farbe, verfügt über reichlich Metall, das allerdings nicht hell strahlt sondern eher bronzen glüht. Sie ist ausladend und in jeder Lage verschwenderisch, bleibt aber immer klar fokussiert. Probleme mit dem Volumen oder der Durchschlagkraft hat er nicht. Aber in Bezug auf Geschmeidigkeit und Beweglichkeit muss man ein paar Abstriche machen. Immerhin ist viel von der lyrischen Kultur, die er einst für Partien wie Rudolfo oder Alfredo brauchte, noch zu hören. Er verlässt sich nicht auf sein imponierendes Forte sondern bemüht sich weiter um Piano, Legato und klangliche Differenzierung, hat vielfältige Farben des Mißtrauens, der Angst, des Jammers, der Niedergeschlagenheit aber auch der Raserei und der Gewalt.

Was aber seine Auftritte zu etwas ganz besonderem macht, das sind die Dringlichkeit und Intensität, mit der er die Figuren verkörpert, und die Bedingungslosigkeit, mit der er sich auf ihre Emotionen und ihr Schicksal einlässt. Das habe ich bei seinem Otello erlebt und man muss ihn wohl live hören. Trotzdem eine Vorstellung davon vermitteln vielleicht auch die Ausschnitte, die man Youtube finden kann.


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Caruso41

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Samstag, 7. Januar 2017, 16:11

Schön, dass dieser Thread so gut ankommt und von Caruso nach vorne gebracht und fachlich betreut wird. Ich bin zur Zeit zu einer Kur in Ungarn - mit ca. 3 Besuchen wöchentlich in der Budapester Oper-. :baeh01: Wenn ich Mitte Dezember zurück bin werde ich gerne in dieses Thema mit einstelgen.

Herzlichst
Operus


Lieber Operus,
Wenn Du noch in Budapest wärst, könntest du gut von Live-Eindrücken berichten: Kristian Benedikt, den ich zuletzt vorgestellt habe, gastiert dort in der Klemperer-Festvorstellung. Als Herrmann in Pique Dame!
Aber vielleicht steigst Du auch so in die Diskussion über "Neue Stimmen" ein?
Beste Grüße
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dr.pingel

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Samstag, 7. Januar 2017, 17:39

Eine prachtvolle Opernstimme, wobei er sich mit Otello ja nicht gerade ein leichtes Stück ausgesucht hat. So hätte er auch die Regimentstochter nehmen können!
Eichendorff, In der Fremde.
Aus der Heimat hinter den Blitzen rot/ da kommen die Wolken her,/ aber Vater und Mutter sind lange tot,/ es kennt mich dort keiner mehr./ Wie bald, wie bald kommt die stille Zeit,/ da ruhe ich aus und über mir/ rauscht die schöne Waldeinsamkeit,/ und keiner kennt mich auch hier (vertont von Robert Schumann).