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Alfred_Schmidt

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1

Sonntag, 28. August 2016, 18:53

Liedtexte des Mittelalters und der Renaissance

Dieser Thread ist eher allgemein zu verstehen, im Gegensatz zu den Komponistenthreads. Es stellt sich die frage ob dieser Thread für dieses oder das Kunstliedforum geeignet ist, Vorläufig lasse ich ihn hier.
Man könnte der Meinung sein, Texte des Mittelalters und der Renaissance seien vorwiegend religiösen Inhalts. Überraschenderweise stoßen wir hier aber immer wieder auf allzu weltliche Texte.
Liebeslieder wären ja nahliegend, aber wir finden noch viel mehr. Trinklieder ja, sie werfen ein freundliches Bild auf das düstere Mittelalter. Verwunderlicher sind da schon "politische " und weltanschauliche Lieder, die Kritik üben am Lauf der Zeit. Manches davon ist geradezu zeitlos - oder noch schärfer formuliert: Erschreckend aktuell. Aber am wenigsten würde man erotische und anzügliche Texte erwarten - es sei denn man hat Boccaccio oder Chaucer gelesen. Dass die sonst so prüde katholische Kirche hier nicht einschritt grenzt geradezu an ein Wunder.......

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

William B.A.

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2

Sonntag, 28. August 2016, 20:00

Da wäre doch vielleicht für den Anfang dieses Textbuch nicht schlecht:



Hier ein Text aus diesem Buch mit Tonbeispiel:


Rabenballade

Auf einen Baum drei Raben stolz
Die waren so schwarz wie Ebenholz
So schwarz wie eben deine Seel
Und davon ich euch jetzt erzähl
So schwarz wie eben deine Seel
Und davon ich euch jetzt erzähl

Der eine sprach Gefährten mein
Was soll die nächste Mahlzeit sein
In jenem Grund auf grünem Feld
Da liegt in seinem Blut ein Held
In jenem Grund auf grünem Feld
Da liegt in seinem Blut ein Held

Die Hunde liegen auch nicht fern
Sie halten Wacht bei ihrem Herrn
Drei Falken kreisen auf dem Plan
Kein Vogel wagt es ihm zu nahen
Drei Falken kreisen auf den Plan
Kein Vogel wagt es ihm zu nahen

Da kommt zu ihm ein zartes Reh
Ach dass ich meinen Liebsten seh
Sie hebt sein Haupt von Blut so rot
Der Liebste den sie küsst war tot
Sie hebt sein Haupt von Blut so rot
Der Liebste den sie küsst war tot

Ein Rabe spricht doch gebet acht
Es folgt ein Morgen auf die Nacht
Die Falken sind nicht mehr zu sehen
Mun lasst uns fürstlich speisen gehen
Die Falken sind nicht mehr zu sehen
Nun lasst uns fürstlich speisen gehen

Und auch die Hunde im Verein
Die nagen Fleisch ihm vom Gebein
Und auch sein treues Mägdlein
Schläft schon am Abend nicht allein
Und auch sein treues Mägdlein
Schläft schon am Abend nicht allein

Liebe Grüße

Willi
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Alfred_Schmidt

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Beiträge: 18 445

Registrierungsdatum: 9. August 2004

3

Sonntag, 28. August 2016, 21:39

Wenn man die Rabenballade in der hier gebotenen Fassung hört, dann stellen sich jedem Klassikfreund vermutlich die Haare auf. (So er welche hat)Ich selbst hatte meine Zweifel, daß es sich hier um eine alte Textvorlage handelt. Und dennoch ist es so. Es handelt sich hier um eine Übersetzung aus dem Altenglischen. 1611 wurde der Text erstmals im Druck festgehalten, er ist aber sicherlich älter. Der Autor ist indes unbekannt. Es gibt auch eine schottische Version mit leicht divergierendem Text.
Der Inhalt der "Ballade" legt indes Zeugnis davon ab, dass der, der sie einst schrieb, die Welt offenbar gut kannte......

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix