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dr.pingel

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1

Samstag, 19. November 2016, 17:42

Dr. Pingel´s musikalische Perlen vor Bach

Dieses Thema hat viele Väter und Mütter. Ich habe immer wieder festgestellt, dass meine Freunde, so musikalisch sie auch sind, so gut wie nichts aus der Alten Musik kennen. Die Hürden sind ja manchmal sehr hoch, das merkt man auch hier.
Nach dem Verstummen von bachiania und gombert sind wir in der Alten Musik etwas schwach besetzt. Da ich kein großer Theoretiker bin, habe ich mir etwas Praktisches ausgedacht. Ich habe aus meinen Beständen ca. 50 Musikstücke aus der Alten Musik zusammengestellt und auf CD gebrannt. Das ist Musik, die man sofort versteht und genießt. Daher heißen sie auch "musikalische Perlen". Vor Bach heißt, dass Bach (und Händel) doch relativ bekannt sind; somit ist 1700 die Grenze.
Einen Teil dieser Werke habe ich schon im Thema bellezza vorgestellt (Beiträge 3, 10, 11, 12, 13, 14-16; also überwiegend Monteverdi und Cavalli.) Diese werden hier nicht mehr erscheinen. Wichtig zu wissen, dass sich das Thema bellezza nur noch mit Musik ab 1700 beschäftigt.
Auch dieses Thema ist offen. Bitte nur einen Beitrag und einen Link zu YouTube. Da es auch hier wie in bellezza mehr ums Genießen geht, sind Informationen willkommen, aber kein Muss.
Der Mensch hat drei Wege, klug zu handeln. Erstens durch Nachdenken, das ist der edelste. Zweitens durch Nachahmen, das ist der leichteste. Drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste (M.Brzoska, dt. Aphoristiker)

dr.pingel

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2

Samstag, 19. November 2016, 17:54

Ah Robin von William Cornysh



Der Liebhaber klagt seinem Rotkehlchen sein Leid über die Untreue seiner Liebsten. Geschrieben von William Cornysh jr. (1465-1523), hier ausgeführt von den Tallis Scholars.
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3

Samstag, 19. November 2016, 18:48

Chi passa per sta strada

Filippo Azzaiolo schrieb diese neapolitanische villanelle (in Spanien waren das die villancicos, also populäre Lieder für den Dorfplatz) um 1550. Es ist ein Lied über Liebesglück, das in Leid umschlägt. Auf YouTube gibt es viele schreckliche Aufnahmen davon, auch die hier mit den King´s Singers und Tragicomödia ist viel zu langsam, um nicht zu sagen "lahm". Aber es ist noch die beste.


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4

Samstag, 19. November 2016, 21:27

Tomàs Luis de Victoria - Salve Regina zu 8 Stimmen

Dieses Stück ist polyphon, aber doch immer gut durchhörbar. Es ist eins meiner absoluten Lieblingsstücke aller Epochen und ich habe es bestimmt mehr als 200 x gehört. Es ist wirklich auf dem Niveau von Bach und Schütz, nur halt in anderer Zeit. Es gibt auch nur zwei gute Aufnahmen. (Ich staune immer wieder, mit welcher Chuzpe sich schreckliche Ensembles mit anspruchsvollen Werken im Internet blamieren müssen). Die eine präsentiere ich hier: Hesperion XX (Instrumente) und die Capilla Real de Catalunya, beide unter der Leitung von Jordi Savall. Die andere muss ich hier suchen, es ist eine Aufnahme von Pro cantione Antiqua aus London, unter der Leitung von Bruno Turner (ein nicht mehr existierendes Ensemble). Savall setzt auch Frauenstimmen ein, daher ist seine Aufnahme "gefälliger", Bruno Turner hat nur Männer, etwa die Counter Robin Blaze und James Bowman. Diese Aufnahme ist "asketischer", so wie Mönche singen, und kommt dem Original wahrscheinlich näher.



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5

Samstag, 19. November 2016, 23:53

Ich habe jetzt die Aufnahme des Salve Regina a 8 mit Pro Cantione Antiqua unter Bruno Turner ausfindig gemacht. Auch diese Aufnahme habe ich mehr als 200x (heute 201) gehört, und sie ist noch besser als Hesperion XX, was eigentlich gar nicht geht.



Einzeln war das Salve Regina nicht zu bekommen, es ist aber das erste Stück, sodass man nicht lange suchen muss.
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6

Sonntag, 20. November 2016, 11:01

Ach weh des Leiden

Eine unendlich schwermütige, noch besser schwermüthige Liebesklage von Hans Leo Hassler (1601); gesungen von den King´s Singers.

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Alfred_Schmidt

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7

Sonntag, 20. November 2016, 13:12

Sehr eingängig ist die Vertonung des Textes von Shakespeares "Es war ein Liebhaber und sein Mädchen" durch Thomas Morley (1557 oder 58 - 1602).
Einer der bedeutendsten Interpreten des 20. Jahrhunderts war zweifellos Alfred Deller.



It was a lover and his lass,
With a hey, and a ho, and a hey nonino,
That o'er the green corn-field did pass,
In the spring time, the only pretty ring time,
When birds do sing, hey ding a ding, ding;
Sweet lovers love the spring.

Between the acres of the rye,
With a hey, and a ho, and a hey nonino,

These pretty country folks would lie,
In the spring time, the only pretty ring time,
When birds do sing, hey ding a ding, ding;
Sweet lovers love the spring.

This carol they began that hour,
With a hey, and a ho, and a hey nonino,
How that life was but a flower
In the spring time, the only pretty ring time,
When birds do sing, hey ding a ding, ding;
Sweet lovers love the spring.

And, therefore, take the present time
With a hey, and a ho, and a hey nonino,
For love is crown`d with the prime
In the spring time, the only pretty ring time,
When birds do sing, hey ding a ding, ding;
Sweet lovers love the spring.

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

dr.pingel

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8

Sonntag, 20. November 2016, 16:58

Danke für den Morley; da gibt es sicher noch mehr. Ich kenne einiges von Morley und auch von Deller, aber beides zusammen war mir neu.
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9

Montag, 21. November 2016, 15:20



Juan del Encina (1468-1529) ist der Komponist des hier vorgestellten Liedes:

Heut lasst uns essen und trinken
Und singen und fröhlich sein,
Weil es vielleicht morgen schon zu spät ist.

Zu Ehren des heiligen Antruejo
Wollen wir heute dick und rund werden.
Wir wollen unsere Bäuche füllen
Und uns den Ranzen vollschlagen.
Einschöner Brauch und Beschluss,
Dass wir uns heute alle satt essen,
Weil es vielleicht morgen schon zu spät ist.

Wir wollen einen so guten Heiligen ehren
Weil er uns Hungrigen zu Hilfe kommt;
Wir wollen essen, was das Zeug hält,
Vielleicht gibt es morgen nichts mehr.
Also lasst uns essen und trinken,
Bis wir nicht mehr können,
Weil es morgen vielleicht schon zu spät ist.

Trink, Hans, du noch mehr Benedikt;
Trinkt, Peter und Lorenz,
Trink du zuallererst,
Wir wollen diesen Durst los werden.
Am Trinken habe ich meine Freude.
Los jetzt, lasst uns trinken,
Weil es morgen vielleicht schon zu spät ist.

:hello:
.

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10

Montag, 21. November 2016, 17:13

Juan del Encina gehört auch zu meinen Lieblingsspaniern. Das von dir vorgestellte Stück ist formal ein "villancico", also ein Stück das man am Dorfbrunnen singen und spielen kann. Die Aufnahme ist von Hesperion XX unter Jordi Savall, das erkenne ich am Stil und an der Stimme des führenden Soprans. Das ist Montserrat Figueras, Savalls Frau, die vor zwei Jahren an Krebs starb.
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11

Dienstag, 22. November 2016, 08:39

Du hast natürlich Recht, lieber Doktor, es ist Savall. Ich selber besitze eine Aufnahme dieses Liedes mit der Capella de la Torre und ihren Solisten, die mir viel, viel besser gefällt, die aber zu meinem Leidwesen bei Youtube nicht erscheint.

:hello:
.

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William B.A.

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12

Dienstag, 22. November 2016, 12:55

Sehr berührend finde ich aus der "Mass for Vive Voices" von William Byrd (1543 (?) - 1623) das Agnus Dei, in seiner schwebenden glockenreinen Melodik und seiner teilweisen introvertierten Tongebung. Ich kann allerdings nicht sagen, welche Formation dieses Tonbeispiel singt:



Aus der Anzahl der Aufrufe entnehme ich allerdings, dass es wohl sehr beliebt sein muss. Ich habe es daher schon mal auf meine Einkaufsliste gesetzt, und zwar in dieser Einspielung, bei der es sich möglicherweise um das verlinkte Tonbeispiel handelt:



Gerade das Agnus Dei ist mir nach unserem erfüllenden Konzert am Christköngisfest noch als Letztes im Ohr, allerdings in einer hochromantischen Version (Dvorak).

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
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Dienstag, 22. November 2016, 13:31

Noch ein weiteres Kleinod ist mir eingefallen, sogar aus dem eigenen langjährigen Repertoire. Wir haben es zuletzt zu Gehör gebracht in unserer Partnergemeinde Plerguer während unserer Chorfahrt in die Bretagne während der Herbstferien.
Es handelt sich um den schwungvollen weltlichen Satz "Wir lieben sehr im Herzen" aus den "Servia musicalis prima" von Daniel Friderici (1584 bis 1634), hier in einer Aufnahme der "Voce Substantiale":



Ich persönlich neige aber mehr der Lesart des Berliner Motettenchors unter Günther Arndt zu, in deren Richtung auch unser Chor mehr geht, wie ich finde:



Liebe Grüße

Willi :)
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dr.pingel

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14

Dienstag, 22. November 2016, 20:59

Lieber William, das ist ja der Klassiker, den alle Chöre auswendig drauf haben und singen, wann immer etwas zu feiern gibt. Du hast 2 Aufnahmen eingestellt, die 2. kann man leider nicht hören. Die 1. ist ein Beispiel, wie man diese Musik nicht singen kann: martialisch, gestampft. Hier sind bellezza und allegrezza angesagt.
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Mittwoch, 23. November 2016, 09:51

Wem die bekannteren (meist) fünfstimmigen Motetten der Spätrenaissance bzw. des Frühbarock (Monteverdi, Gesualdo etc.) zu "schwer" sind, der sollte vielleicht mit Monteverdis "Scherzi musicali" beginnen. Typischerweise kürzeren, "leichteren" Stücken, manchmal von volkstümlicher Eingängigkeit. (Ich nehme aus Zeitgründen meistens die ersten besten yt-clips ohne länger reinzuhören, es wird sicher oft bessere geben.)




und natürlich das Duett "Zefiro, torna" über den oft verwendeten "Ciacona"-Bass (NB es gibt noch ein mehrstimmiges Madrigal unter dem gleichen Titel, ich glaube im 5. Buch)



(Eine weitere Sammlung mit oft recht eingängigen Liedern, eine der ersten und wichtigsten des beginnenden Barock, ist auch Caccinis "Nuove Musiche", davon vielleicht später noch ein Beispiel).

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16

Mittwoch, 23. November 2016, 11:21

Monteverdi: Beatus vir (Psalm 112) aus "Selva morale..." Ein eingängiges Stück im "modernen", weniger polyphonen Stil:


dr.pingel

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Mittwoch, 23. November 2016, 12:17

Danke für eure Beispiele. Ich bin immer wieder erstaunt, welche Klangpracht auch kleine Ensembles aufbieten können. Leider habe ich die Erfahrung bei YouTube gemacht, dass man nicht erfährt, wer die Interpreten sind!
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18

Mittwoch, 23. November 2016, 20:24

Judas, mercator pessimus



Ergreifende Musik von Victoria: Tenebrae responsories, die Musik zur Karfreitagsliturgie. Mein Lieblingsensemble Pro cantione antiqua unter Bruno Turner (existiert leider nicht mehr) kommt mit seiner reinen Männerbesetzung dem Original sehr nahe. Großartig die Counter (ich glaube Robin Blaze und James Bowman). Alle Stücke dauern zusammen etwa 18 Minuten. Mindestens die beiden ersten Motetten sollte man hören. Für mich seit 40 Jahren eine Musik mit Suchtfaktor.
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19

Mittwoch, 23. November 2016, 22:49

Ich finde auch die Missa paschalis von Heinrich Isaac (ca. 1450 bis 1517) faszinierend, vor allem, weil ich immer wieder Anklänge an die von uns im Jahreskreis in den Choralscholen aufgeführten Choralmessen finden, z. B. von "Lux et Origo" und "Adventus et Quadragesmae", die ja momentan wieder anliegt. Am dritten Advent, wenn ich aus meinem Teneriffaurlaub wieder zurück sein werde, werden wir sie mit den entsprechenden gregroianischen Chorälen wieder aufführen und spätnachmittags dann noch das Weihnachtsoratorium von Camille Saint Saens folgen lassen. Doch hier eine Aufnahme der Messe von Isaac:



unf hier von Youtube das Gloria daraus mit der "Stuttgart Schola Cantorum":


Liebe Grüße

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20

Mittwoch, 23. November 2016, 23:48

Michael Praetorius: Es ist ein Ros entsprungen
Dieses jahrhundertealte Advent-, Weihnachts- und Kirchenlied von Michaele Praetorius (1571-1621), der eigentlich Michael Schultheiß hieß, bei einem Flashmob in Köln? Warum nicht....
Die Bedingungen erscheinen alle erfüllt zu sein....



mfg aus Wien
Alfred

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21

Donnerstag, 24. November 2016, 10:18

Michael Praetorius - der Name hat mich an des Komponisten Sammlung "Terpsichore" erinnert und ich stelle hier einen der berühmtesten Tänze aus besagter Sammlung ein:



:hello:
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22

Donnerstag, 24. November 2016, 11:15

Heinrich Ignaz Franz von Biber

Aufnahme von 2007 der Missa Salisburgensis
mit Tibicines, La Stagione Armonica unter Sergio Balestracci:



YT Suche: "Missa Salisburgensis La Stagione Armonica"

Aufnahme von 1994 mit New London Consort unter Philipp Pickett.
Das Requiem in f moll ist ausdrucksstark und beeindruckend:



YT Suche: "Heinrich Biber Requiem in F minor Pickett"

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23

Donnerstag, 24. November 2016, 13:02

Sehr, sehr schön, die Idee des Rundfunkchores des WDR diesen weihnächtlichen Gruss zu senden. Auch wenn dieser Flashmob aus dem Jahr 2012 stammt: Ich bin echt gerührt.

moderato
.
Um ein guter Zuhörer zu sein, muss man eine musikalische Kultur erwerben...man muss vertraut sein mit der Geschichte und Entwicklung der Musik, man muss zuhören...Um die Musik zu empfangen, muss man seine Ohren öffnen und auf die Musik warten, man muss glauben, dass man sie braucht...Zuhören ist anstrengend, und blosses Hören ist keine Leistung. Auch eine Ente kann hören.
Igor Strawinsky

.

dr.pingel

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24

Donnerstag, 24. November 2016, 21:01

Nisi Dominus - ein Klangrausch (leider nicht immer)

Nisi Dominus ist die Nr. 8 der Marienvesper, und gemäß dem Pingelschen Rasiermesser höre ich bei einer Aufnahme dieses Werk zuerst. Es gibt einige brillante Aufnahmen davon, mein Favorit ist Ralf Otto, aber auch die Japaner unter Suzuki sind großartig. Leider habe ich die nicht bei YouTube gefunden; daher kommt hier John Eliot Gardiner zum Einsatz mit seinem stark verjüngten Monteverdi-Chor. Er legt nicht so sehr Wert auf die Pracht, sondern auf das Tänzerische. Den Schluss pp singen zu lassen, finde ich maniriert. Sehr witzig ist, dass der Organist (links) erst erscheint, als das Stück schon ein paar Takte alt ist.



Mit diesem Thema habe ich ja angefangen, Links zu YouTube zu setzen. Gerade hier klickt man sich durch fast 8 Seiten, und ein Chor ist schlimmer als der andere: entweder keine Pracht, dann ein langweiliges Tempo, dann wieder Reduzierung auf wenige Stimmen, dann zu wenige Instrumente.

Zu einem kann aber dieser Ausschnitt dienen: sich die ganze Vesper anzuhören. Da empfehle ich die Frankfurter Aufnahme unter Ralf Otto oder die japanische; auch Harnoncourt hörte sich gut an.
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25

Donnerstag, 24. November 2016, 21:14

Klangrausch bei den Proms - Nisi Dominus

Ich sehe gerade, dass Gardiner dieses Stück auch bei den Proms gespielt hat (natürlich wie immer bei YouTube alles mit dürftigen Informationen). Hier in der Royal Albert Hall ist die Wucht tatsächlich größer. Bewunderswert auch, dass alle Chorstimmen wie ein Mann oder eine Frau singen. Die Frische der Stimmen ist bei Gardiner ja immer das große Plus. Diesmal ist der Organist an seinem Platz, dafür schleicht sich nach einigen Takten ein verspäteter Bass an seinen Platz.

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26

Freitag, 25. November 2016, 17:46

Es ist ja noch etwas früh für Weihnachtsmusik, aber ich bekam vorhin eine alte CD in die Hand, auf der ein bis zu 20stimmiges "In dulci jubilo" von Michael Preatorius zu hören ist. Ich habe genau dieses Stück unerwarteterweise bei Youtube gefunden und stelle es hier ein:



Man beachte auch hier den Klangrausch durch Pauken und Trompeten...

:hello:
.

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Freitag, 25. November 2016, 18:08

Im Beitrag 6 hat dr. pingel ein trauriges Lied (ach weh des Leidens) von Hans Leo Haßler vorgestellt. Sozusagen als Gegenstück bringe ich hier das Tanzlied "Tanzen und Springen".

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Sonntag, 27. November 2016, 18:15

Mille regretz von Josquin

Diese Chanson (das ist richtig so, denn es ist kein Chanson; das Chanson heißt es, wenn Brel eines singt)). Dieses Lied enstand um 1500 (Josquin 1450 - 1521) und war in ganz Europa populär. Das ist auch heute noch so, wie man aus den vielen Einträgen bei YouTube ersehen kann. Leider ist es hier wie immer, dass sich auch Interpreten an dieses Stück wagen, die ihm nicht gewachsen sind. Grundsätzlich gilt, dass hier nicht die Masse die Klasse macht, sondern eine Kammerversion, bei der auch Instrumente verwendet werden können. Und da gibt es doch auch sehr gelungene Beispiele wie das hier vorgestellte.



Der Text ist altfranzösisch.

Mille regretz de vous abandonner
Bittere Reue empfinde ich, denn ich muss euch verlassen
Et d´eslonger vostre fache amoureuse
und bin entfernt von Eurem liebreizenden Antlitz
Jay si grand dueil et paine douloureuse
Ich habe Kummer und großen Schmerz
Quon me verra brief mes jours definer
dass man es bald sehen kann, wie ich sterbe
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29

Sonntag, 27. November 2016, 18:30

Kontrollierter Klangrausch

Jeder Chorsänger und jeder Chorleiter sollte sich Monteverdis "Nisi Dominus" (Beitrag 25, Gardiner mit seinem Chor) ansehen. Zunächst einmal die unglaublichen Soprane, fast ein Mädchenchor. Alles ist wie eine Stimme, die Sänger reagieren auf die geringsten dynamischen Schattierungen. Dabei kann man an der Haltung der Noten sehen, wie perfekt die Proben waren. Genauso muss man die Noten halten, um mit ihnen auch den Dirigenten im Blick zu haben. Dazu insgesamt die absolut gespannte Aufmerksamkeit, die gepaart ist mit absoluter Leichtigkeit. Man beachte etwa bei Minute 1, nachdem die erste Sequenz mit Wiederholung abgeschlossen ist und das neue Thema in einem anderen Rhythmus erklingt, mit welcher gespannten Aufmerksam diese 4 jungen Mädchen da singen. Insgesamt ist der Chor perfekt vorbereitet, alle können sich von den Noten lösen, die Wucht und Pracht dieses Stückes ergibt nicht durch Forcieren, sondern wie von selbst.
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30

Sonntag, 27. November 2016, 21:14

Missa "Atemlos"

In der Renaissance war es üblich, auf bekannte Melodien eine Messe zu schreiben. Die drei bekanntesten Lieder waren wohl "La Follia", "L´homme armé" und unser "Mille Regretz". Das bedeutete, dass die Melodie in jedem der Messsätze vorkam und natürlich auch variiert wurde. Jeder Komponist der Polyphonie hat "L´homme armé" verwendet, "mille regretz" nicht so viele. Die beste stammt vom Spanier Cristobal de Morales, dessen Kyrie wir hier an den Noten verfolgen können. Das Hilliard-Ensemble, damals noch frisch, singt.
Die Praxis der Messkompositionen auf heute übertragen, würde tatsächlich dazu führen, dass ein katholischer Komponist eine Messe über Helene Fischers "Atemlos" schreibt, oder, noch besser, "Marmor, Stein und Eisen bricht". Warum das nie einer macht, verstehe ich nicht. Man könnte doch im Anschluss an den ESC einen katholischen Komponisten beauftragen, das Siegerlied in einer Messkomposition zu vertonen. Die Erstaufführung wäre im Petersdom...

Der Mensch hat drei Wege, klug zu handeln. Erstens durch Nachdenken, das ist der edelste. Zweitens durch Nachahmen, das ist der leichteste. Drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste (M.Brzoska, dt. Aphoristiker)