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Knusperhexe

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1

Freitag, 2. Dezember 2016, 10:17

Unsägliche Rezensionen

Mit Schaudern erinnere ich mich immer noch an den WDR-Bericht zur Samson-Inszenierung von Herrn Knabe an der Kölner Oper. Eine Lobeshymne! Da ich bei der Premiere war, konnte ich genau beobachten, wie die blondierte Redakteuerin kritischen Besucherstimmen direkt das Wort abschnitt. Wen wundert es, dass im Endbericht dann nur von einem "Ach, so tollen Opernabend" geschwärmt wurde und die Solisten und Chorsänger, die im Vorfeld die Zusammenarbeit mit dem Regisseur boykottiert hatten, der Lächerlichkeit preisgegeben wurden. Ist das freier Journalismus oder ist es PR? Von einem Rezensenten, der es wagte die Fledermaus der Salzburger Festspiele in einer deutschen Zeitung zu kritisieren, weiß ich, dass er fortan keine Auftrag mehr von diesem Medium erhielt. Andere berichten mir, dass sie angehalten seien, positiv zu berichten. Hier können wir jetzt mal solchen Journalismus zur Diskussion stellen. Den Anfang macht diese Rezension, die ich persönlich unerträglich finde:

http://www.weser-kurier.de/bremen/bremen…html#nfy-reload
Regietheater? Nein, danke!

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

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2

Freitag, 2. Dezember 2016, 11:49

Lieber Knuspi,

nach dem Bericht von der Bremer Aufführung von "Hänsel und Gretel" würde ich resümmieren. Ungewöhnlich mit neuen Ansätzen, aber es scheint doch die Handlung wiederzugeben. Damit Aufführung und Rezension für mich zu tolerieren.
Ich schreibe seit langem Kritiken. Heute nur noch wenige. Ich bin in all den Jahren von der Redaktionsleitung niemals beeinflusst worden, in einer gewünschten Richtung zu schreiben. Eher kam dies in Leserbriefen vor, wo Opernfreunde mit der Rezension halt nicht einverstanden waren. Am meisten bekam man Widerspruch, wenn man einen Laienchor nach einer Aufführung etwas hart anfasste. Da gab es dann schon manchmal einen Sturm der Entrüstung. Auch der Schreiber muss lernen, dass er bei solchen Aufführungen keinen professionellen Maßstab heranziehen darf. Die Mühe, die viele Arbeit und der Idealismus, der von den Laiensängern in ein großes Werk investiert wurde, sollte entsprechend in der Kritik gewürdigt werden. Um ein Bespiel zu geben: Wenn sich ein Amateurchor z. B. an das Brahms-Requiem wagt und das Werk nur mit Mühe bewältigt wurde, dann darf der Rezensent schon den Hinweis geben, ob Beethovens Chorfantasie nicht leichter zu stemmen gewesen wäre. Kritiken für mageres Zeilengeld zu schreiben ist, schon ein hartes Brot. Der Kritiker trägt dabei immer seine Haut zu Markt. Also auch ein wenig Verständnis für uns Schreiberlinge, wir sind auch nur Menschen mit unseren Erfahrungen, Empfindungen und Ansichten und durchaus fehlerhaft.

Herzlichst
Operus

H
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dr.pingel

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3

Freitag, 2. Dezember 2016, 11:53

Ich möchte das Thema nicht konterkarieren, sondern von Anfang an auch positive Beispiele bringen. Lars von der Gönna schreibt für die WAZ/NRZ die Opernkritiken (nebenbei ist er auch Gastrokritiker, und er schreibt vor allem sehr witzig). Er macht das bei RT, indem er die Macher verspottet. Ein Beispiel haben ich und musikwanderer unter dem Thema "Horch, die Ente singt im Hain..." hier veröffentlicht. Es geht um eine Comic-Zauberflöte in Dortmund.
(Weisheit der Brahmanen)
Die Tage sehen wir, die teuren, gerne schwinden,/um etwas Teureres herangereift zu finden:/ ein seltenes Gewächs, das wir im Garten treiben,/ ein Kind, das wir erziehn, ein Büchlein, das wir schreiben.
(Friedrich Rückert)

Gerhard Wischniewski

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4

Freitag, 2. Dezember 2016, 11:58

Lieber Knuspi,

das ist doch inzwischen eine bekannte Tatsache, dass Kritikern, die gegen den Zeitgeist schreiben, vielfach der Mund gestopft wird. Kritiker, die wie diese Dame, vom Zeitgeist besessen sind, versuchen natürlich jede andere Meinung abzuwürgen. Etwas Ähnliches tun ja auch hier Einzelne vom Zeitgeist Besessene. Noch haben wir das Glück, dass wir uns nicht dem Zeitgeist unterordnen müssen, sondern dass das nur von Einigen am liebsten gesehen würde. Aber man weiß ja nicht, ob das nicht wiederkommt, denn im Theater und der mit ihm verbandelten Presse herrscht ja ganz offensichtlich schon Diktatur.

Liebe Grüße
Gerhard
Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

hart

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5

Freitag, 2. Dezember 2016, 12:12

Mit Humperdinck und der Entstehung von »Hänsel und Gretel« hatte ich mich mal intensiv befasst. Adelheid, Engelberts Schwester, schreibt da ein Märchenspiel, das sie ihrem Mann von den Kindern zu seinem Geburtstag spielen lassen will, und sie schickt ihrem Bruder vier Lieder mit der Bitte um Vertonung. Dieser erfüllt die Bitte rasch und schickt die vertonten Texte retour.
Irgendwie entwickelt sich dann bei Humperdinck der Gedanke das Ganze zu einem Singspiel auszubauen.
Der Text wird erweitert, Musik dazu komponiert; inzwischen dichtet die ganze Familie an dem Text herum - zum Weihnachtsfest 1890 überreicht Humperdinck seiner Braut das fertige Particell, das die Grundlage zur weiteren Ausarbeitung bietet.

Nun stelle ich mir mal vor wie es wäre, wenn man alle, die damals an dem Werk »mitgestrickt« haben, wiederauferstehen ließe und zu einer Aufführung nach Bremen einladen würde ...
Warum schafft man kein neues Werk, das Situationen von Kindern aus unserer Zeit zum Thema hat? Man klaut einfach Humperdincks Musik und rührt dazu seine eigene Story an; an das einstige familiäre Gesamtkunstwerk erinnert hier kaum noch etwas ...

Architektur wird da als Kunst ernsthafter betrachtet, da würde das Amt für Denkmalpflege einschreiten und die Bauarbeiten einstellen lassen.

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

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6

Freitag, 2. Dezember 2016, 12:19

das ist doch inzwischen eine bekannte Tatsache, dass Kritikern, die gegen den Zeitgeist schreiben, vielfach der Mund gestopft wird.

Lieber Gerhard,

ich glaube nicht, dass es direkte Anweisungen an Journalisten gibt. Das würde einen Sturm der Entrüstung in jeder Redaktion auslösen. Selbstverständlich gibt es jedoch
meinungsbildende Zirkel und Kreise auch oder besonders im Kulturbetrieb. Deshalb kann es durchaus sein, dass ein freischaffender Redakteur häufiger beauftragt wird, wenn er auf der Linie des Ressortleiters Kultur liegt. Das ist menschlich und verständlich. Mehr Einflussnahme kann ich mir jedoch nicht vorstellen.

Herzlichst
Operus
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musikwanderer

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7

Freitag, 2. Dezember 2016, 12:46

Warum muss ich bei bestimmten Themen - so auch hier - immer wieder das Wort "Lügenpresse" aus meinem Kopf verscheuchen?

:untertauch:
.

MUSIKWANDERER

rodolfo39

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8

Freitag, 2. Dezember 2016, 13:03

An der Rheinoper bekam das Team vom Opernfreund ein Jahr keine Pressekarten, nachdem ich der zuständigen Dame im Pressebüro darauf aufmerksam gemacht habe, daß diese Kritiken teilweise gar nichts mit den besuchten Aufführungen zu tun haben und sogar Publikum und Sänger vom Kritiker beleidigt worden sind. Seitdem wird komischerweise nur noch positiv beim Opernfreund über die Rheinoper berichtet.

Sixtus

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9

Freitag, 2. Dezember 2016, 13:04

Hofberichterstattung oder Kritik?

Zwei kleine selbst erlebte Geschichten zur Illustration:
Ich hatte den Fehler begangen, in meinem Wohnort meine musikhaltige Vergangenheit nicht zu verbergen. Das verführte einen Bekannten dazu, mich als Rezensenten für die Auftritte der örtlichen (Kirchen-)Chöre zu empfehlen. Ich verrenkte mich nach Kräften, um niemandem zu nahe zu treten, ließ mich aber auch nicht zu Gefälligkeitskritik herab. Ein Balance-Akt, der meistens gelang.
Nach zwei Jahren kam der Knall. Ich erlaubte ich mir, darauf hinzuweisen, dass der Chor im "Messias" besser beraten gewesen wäre, statt des englichen Originaltexts die vertraute deutsche Übersetzung zu singen, bei der sie die Köpfe nicht so tief in die Noten hätten versenken müssen, um den richtigen Text zu singen. Am nächsten Tag rief mich der Chorleiter empört an, das sei berufsschädigend. Ich beendete sofort diesen Job, habe auch nie mehr einen ähnlichen angenommen. Die Chorsänger gingen mir von da an aus dem Wege.

Ganz anders mein ehrenamtliches "Engagement" beim Wiener Merker. Da habe ich nie ein Blatt vor den Mund genommen, und die Redaktion hat nie ein Wort verändert. Unter meinen Rezensionen gab es alles: vom Verriss bis zur Hymne - meistens gemischt. Außer in Saarbrücken, wo eine ahnungslose Operndirektorin residierte, die mich bei unliebsamen Urteilen in unprofessioneller Weise anpflaumte, bekam ich nie Schwierigkeiten. Bei Forderungen nach Hofberichtertattung hätte ich sofort den Job beendet. Das machen leider nicht alle, am wenigsten die, die selber kaum Fachkenntnisse haben, sondern Posten innnehaben...

Herzliche Grüße vom kritischen Sixtus

Knusperhexe

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10

Freitag, 2. Dezember 2016, 13:45

das ist doch inzwischen eine bekannte Tatsache, dass Kritikern, die gegen den Zeitgeist schreiben, vielfach der Mund gestopft wird.

Lieber Gerhard,
ich glaube nicht, dass es direkte Anweisungen an Journalisten gibt. Das würde einen Sturm der Entrüstung in jeder Redaktion auslösen. Selbstverständlich gibt es jedoch
meinungsbildende Zirkel und Kreise auch oder besonders im Kulturbetrieb. Deshalb kann es durchaus sein, dass ein freischaffender Redakteur häufiger beauftragt wird, wenn er auf der Linie des Ressortleiters Kultur liegt. Das ist menschlich und verständlich. Mehr Einflussnahme kann ich mir jedoch nicht vorstellen.

Herzlichst
Operus

Leider scheint das Gegenteil der Fall zu sein, lieber Operus. Unabhängig voneinander berichteten mir mehrere Journalisten davon. (Übrigens kenne ich auch einen Regisseur, dem der Intendant wortwörtlich gesagt hat: "Machen Sie den Don Giovanni wie sie wollen, nur nicht historisch. Meinetwegen lassen sie ihn in einem Supermarkt spielen." Doch das ist wieder ein anderes Thema!) Und wenn ich mir die Rezensionen zu Aufführungen der Bonner Oper vor und nach der finanziellen Krise durchlese, dann fällt jedem Blinden auf, wie seitdem jede Premiere als sehenswert bewertet wird. Die grauenhafte Rusalka wurde zum Fest für die ganze Familie, Lucia, Hoffmann, Bohème - selbst die verquastesten Regiekonzepte werden so dargestellt als seien sie für jedermann eine Bereicherung. Lachhaft!
Regietheater? Nein, danke!

Knusperhexe

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11

Freitag, 2. Dezember 2016, 15:32

Regietheater? Nein, danke!

Figarooo

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Registrierungsdatum: 19. März 2010

12

Freitag, 2. Dezember 2016, 15:49

Kürzlich habe ich einen Opernrezensenten, der für diverse internationale Opernmagazine rezensiert, persönlich kennen lernen dürfen, unter anderem schreibt er für Bachtrack und Opera Now. Der Herr in der ersten Hälfte dreissig, war sehr nett und an Oper interessiert, leider war jedoch schnell klar, dass er von davon keine Ahnung hatte. Auf Nachfrage gestand er dann ein, seine erste Oper erst 2011 besucht zu haben. Namen wie Nicolai Ghiaurov, Ettore Bastianini oder Alfredo Kraus hatte Herr P. noch nie gehört.... Nun, wen wundert es, dass viele Rezensionen einfach unsäglich sind?
Liebe Grüße,
Figarooo

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

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13

Freitag, 2. Dezember 2016, 15:58

Zitat

Die Mühe, die viele Arbeit und der Idealismus, der von den Laiensängern in ein großes Werk investiert wurde, sollte entsprechend in der Kritik gewürdigt werden.

Hier bin ich anderer Meinung. Man sollte nur das machen, was man wirklich kann. Ich kann nicht dilettantisch agieren und dann Bewunderung verlangen. Dem Publikum ist es egal wie schwierig oder einfach eine Arbeit war - allein das Ergebnis zählt.
Es ist eine Unsitte, daß man heute Mittelmäßiges lobt. Letztlich ist es eine Beleidigung des Exorbitanten. Ich halte es hier mit Walter Legge, der da einst sinngemäß sagte: "Weder Freundschaft noch Abneigung, nichts, absolut nichts kann mich in meinem Urteil beeinflussen".

Dieser Ansatz gefällt mir, weil ich dadurch der Wahrheit näher komme, wenngleich Fehler des Rezensenten (siehe dabei die Anmerkungen von Joachim Kaiser im Vorwort seines berühmten Buches) niemals auszuschliessen sind.

Was aber bringt jemanden dazu, etwas offensichtlich hässliches als schön darzustellen, schön zu reden?
Dafür gibt es einige Gründe, allerdings keine, die ich akzeptieren kann.

Mitlaufen im Trend der Zeit: Wir sind zwar mittelmäßig oder schlecht, haben aber derzeit das Sagen.
Ahnungslosigkeit bis Dummheit: Viele Anfragen kommen dann ans Tamino Forum (bzw an mich) in der Form: "Bitte ich brauche die Antwort auf meine Frage schnell, ich studiere Musik (oder ähnliches) und morgen ist Prüfung..."
Meine Antwort in diesen Fällen ist immer. Man sollte nur etwas studieren, was einen interessiert und dem man intellektuell gewachsen ist. Ich habe kein Interesse daran, Faulenzer, Untalente oder Dummköpfe zu unterstützen, einen akademischen Grad zu erlangen, die mir dann in ein paar Jahren die musikalische Welt erklären wollen...."
Dazu stehe ich.
Ich erinnere mich übrigens, daß vor einigen Jahren jemand ein Computerprogramm geschrieben hat, welches Reden oder Kritiken quasi aus lauter Plattitüden und Worthülsen, sowie aussagelosen Satzteilen per Zufallsgenerator zusammenstellte.
Es kamen durchaus lesbare, allerdings völlig dümmliche Texte heraus.

"Gefälligkeitskritiker" und "Zeitgeistrezensenten" sind allerdings noch schlimmer. Sie sind aber insofern harmlos, weil sie sich allmählich selbst entwerten und unglaubwürdig bis lächerlich wirken.

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Alfred_Schmidt

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14

Freitag, 2. Dezember 2016, 16:08

Zitat

Der Herr in der ersten Hälfte dreissig, war sehr nett und an Oper interessiert, leider war jedoch schnell klar, dass er von davon keine Ahnung hatte

Das ist heute Standard - die Unfähigkeit einer Generation, die das macht was man ihr vorschreibt (natürlich gibt es Ausnahmen) - und von Zusammenhängen keine Ahnung hat. Diese Leute verfügen über Scheinwissen, das man ihnen im Schnellverfahren eingetrichtert hat und sie werden schnell pampig, wenn man sie dabei erwischt. Als klassischer Sadist genieße ich es, solche Leute zuckersüß fertig zu machen.

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Dr. Holger Kaletha

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15

Freitag, 2. Dezember 2016, 17:05

Ich bin ratlos. In der Rezension steht:

Alexander Riemenschneider nimmt den Text und den naiv-humorvollen Esprit von Humperdincks Musik ernst. Und er bekommt den Spagat hin, sowohl Erwachsene als auch Kinder damit zu erfreuen – bei der Premiere am Freitag wurde heftig geklatscht.

Das hört sich alles andere als nach einer Skandalinszenierung an und das Publikum - Erwachsene wie Kinder - hat geklatscht. Hat das Publikum also nichts mehr zu sagen wenn es nicht bitter böse sondern wohlwollend auf RT-Theater reagiert?

Und die Rezension finde ich auch nicht irgendwie auffällig lobhudlerisch, sondern eher sachlich und plausibel. Die Rezensentin mag offenbar keine effekthascherischen Klamauk-Inszenierungen. So jedenfalls lese ich das. Wird hier also etwas skandalisiert?

Ich freue mich jedenfalls - die Karten habe ich heute abgeholt - über die "Zauberflöte" und Gounods "Faust" in Münster hier demnächst berichten zu können und bereite mich wie immer auf die Aufführung sorgfältig vor. Das finde ich ist die eigentlich produktive Art, mit dem Thema Oper umzugehen und nicht unproduktives Schimpfen auf wen auch immer.

Schöne Grüße
Holger

rodolfo39

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16

Freitag, 2. Dezember 2016, 17:17

Ich freue mich auch auf das Wochende da sehe ich in Düsseldorf die Premiere der Operette der Graf von Luxemburg und am Sonntag sehe ich in Essen die Premiere von Wagner's Lohengrin.

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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17

Freitag, 2. Dezember 2016, 22:04

"Unsäglich" = "ich bin anderer Meinung als der Rezensent"?

Knusperhexe

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18

Dienstag, 6. Dezember 2016, 12:09

Mit "unsäglich" sind solche Rezensionen gemeint, die sich mehr oder weniger versteckter Werbesprache bedienen und nichts mehr mit objektiver Berichterstattung zu tun haben.
Regietheater? Nein, danke!

rodolfo39

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19

Dienstag, 6. Dezember 2016, 12:23

Frau Gondorf vom WDR fand die Neuinszenierung des Essener Lohengrin so spannend, daß sie gar nicht in die Pausen gehen wollte. Ich hab mich eher auf die Pausen gefreut.

Thomas Pape

Moderator

  • »Thomas Pape« ist männlich

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20

Dienstag, 6. Dezember 2016, 12:39

Mit "unsäglich" sind solche Rezensionen gemeint, die sich mehr oder weniger versteckter Werbesprache bedienen und nichts mehr mit objektiver Berichterstattung zu tun haben.

Dennoch gibt es eine subjektive Wahrnehmung des Gebotenen. An die von Dir eingangs erwähnte Inszenierung von "Samson und Dalila" kann ich mich gut erinnern. Ich fand sie seinerzeit vorzüglich, wenngleich auch notwendig verstörend. Nun bin ich kein Rezensent, aber bin ich aufgrund der Meinungsabweichung unsäglich? Eigentlich müsste der Threadtitel lauten "Rezensionen, die nicht nachvollziehbar sind".

Liebe Grüße vom Thomas :hello:
Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

Karl

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21

Dienstag, 6. Dezember 2016, 13:10

Es ist gar nicht so selten, daß ich mich bei einer Fußballübertragung frage, ob der Kommentator dasselbe Spiel sieht wie ich.

Da habe ich es eigentlich mit einem recht einfachen Sachverhalt zu tun und trotzdem weichen die Meinungen zum Geschehen schon stark voneinander ab.

Der Kunst sind polarisierende Meinungen immanent und auch geboten.

Wichtig für mich ist nur eines, ich möchte ein nachvollziehbare Begründung haben.

Caruso41

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22

Dienstag, 6. Dezember 2016, 18:05

Der Kunst sind polarisierende Meinungen immanent und auch geboten.
Wichtig für mich ist nur eines, ich möchte ein nachvollziehbare Begründung haben.

Ja, lieber Karl,

ohne Begründungen ist unter zivilisierten Mernschen ein - wonötig und womöglich kontroverser - Diskurs nicht durchführbar. Und die Begründungen sollten dann auch noch vernünftig sein.
Schön, dass Du daran erinnerst!!!



Leider ist das hier im Forum nicht Gemeingut - aber das wirst Du schon bemerkt haben. Da können erwachsene Menschen wochenlang über eine Inszenierung streiten ohne sie gesehen zu haben. Das Hörensagen, die Vermutung / der Verdacht / die Unterstellung und zwei Fotos reichen, um Seiten zu füllen! Man glaubt es nicht!


Beste Grüße
Caruso41
;) - ;) - ;)

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

Knusperhexe

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23

Mittwoch, 7. Dezember 2016, 11:08

Mit "unsäglich" sind solche Rezensionen gemeint, die sich mehr oder weniger versteckter Werbesprache bedienen und nichts mehr mit objektiver Berichterstattung zu tun haben.

Dennoch gibt es eine subjektive Wahrnehmung des Gebotenen. An die von Dir eingangs erwähnte Inszenierung von "Samson und Dalila" kann ich mich gut erinnern. Ich fand sie seinerzeit vorzüglich, wenngleich auch notwendig verstörend. Nun bin ich kein Rezensent, aber bin ich aufgrund der Meinungsabweichung unsäglich? Eigentlich müsste der Threadtitel lauten "Rezensionen, die nicht nachvollziehbar sind".

Liebe Grüße vom Thomas :hello:

Das wärest Du, wenn Dir der Samson nicht gefallen hätte. Denn, wie ich es oben bereits beschrieb, hat die berichterstattende Redakteurin alle negativen Stimmen in ihrem Beitrag getilgt und immer wieder betont, wie "beglückend" diese Inszenierung sei. Und dass die ganze Aufregung im Vorfeld sich als nicht nachvollziehbar herausgestellt habe.

Insofern ist der Threadtitel absolut richtig.
Regietheater? Nein, danke!

Dr. Holger Kaletha

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24

Mittwoch, 7. Dezember 2016, 12:25

Denn, wie ich es oben bereits beschrieb, hat die berichterstattende Redakteurin alle negativen Stimmen in ihrem Beitrag getilgt und immer wieder betont, wie "beglückend" diese Inszenierung sei. Und dass die ganze Aufregung im Vorfeld sich als nicht nachvollziehbar herausgestellt habe.

Davon lese ich allerdings in der Rezension nichts. Die Rezensentin hat allein ihren Eindruck wiedergegeben und auf eine Kommentierung des ganzen Drumherum verzichtet. Genau so würde ich es auch machen, gerade, wenn es ein solches turbulentes Drumherum gibt. Meine Rezension ist meine Rezension und ich bin nicht Sprachrohr für irgend eine Publikumsmeinung oder Auffassung von wem auch immer. Denn der mündige Leser kann wenn er will noch eine andere Rezensionen hinzuziehen - die gibt es fast immer - und sich so ein kompletteres Bild machen. Ich finde das was sie schreibt sehr ausgewogen und sachlich. Ich habe auch mal eine Rezension über eine Aufnahme geschrieben, die sogar den Echo-Klassik bekommen hat und da war dann von mir zu lesen, dass diese Interpretation so fade und unausgegoren sei, dass ich Mühe hätte mein Bedürfnis zu unterdrücken, auf die Stop-Taste des CD-Players zu drücken. Mich interessiert in diesem Fall die Frage der "Beachtung" der Preiswürdigkeit der Aufnahme schlicht nicht.

Schöne Grüße
Holger

Knusperhexe

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25

Mittwoch, 7. Dezember 2016, 14:15

Es geht um den Samson. Und das war ein TV-Beitrag.

Offensichtlich haben wir unterschiedliche Auffassungen darüber, was eine Rezension zu leisten hat. Macht ja nix.
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Thomas Pape

Moderator

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26

Mittwoch, 7. Dezember 2016, 14:29

Ich erinnere diese Geschichte so: während der Proben zur Inszenierung Knabes kam es zu mehreren Kündigungen von verpflichteten Sängern, Chormitglieder und Statisten meldeten sich krank, so daß die Premiere auf dem Spiel stand. Letztlich fanden sich Einspringer und die Aufführung fand statt. Ganz ohne Zweifel: die Inszenierung war eine Zumutung. Am heftigtsen waren wohl die Reaktionen auf das Bacchanale, in dem Knabe eine Parallele zum Rechnitz-Massaker gezogen hatte. Es floß enorm viel Bühnenblut, nackte geschunden Frauen wurden von Betrunkenen Männer vergewaltigt und erschossen. Es waren wohl vor allem Ältere mit Kriegserfahrung, die während der Aufführung "Aufhören" und "Buh" riefen. Die haben gar nicht bis zum Schluss gewartet, es war sehr verstörend. Da schon damals die Bedrohung durch islamistische Attentäter durch die Medien ging, war Samson Vertreter einer solchen Hisbolla-Milz, der am Ender der Oper sein Umfeld als Selbstmordattentäter in die Luft jagt.

Im Vorfeld der Aufführung war die Presse durchweg negativ, und der rätselhafte Fall von Absagen und Krankmeldungen ging auch über die Kölner Presse hinaus. Spätere Kommentare waren dann wohlwollend, einen Totalverriss habe ich nicht gelesen. Ich gebe Knuspi in dem Zusammenhang insofern recht, dass Opernrezensionen oftmals etwas Selbstdarstellerisches haben. Aus den guten Besprechungen konnte man jedenfalls tatsächlich nicht auf die Aufführung schließen. Wahrscheinlich aber wäre das beim Verriss ähnlich gewesen.

Liebe Grüße vom Thomas :hello:
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Thomas Pape

Moderator

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27

Mittwoch, 7. Dezember 2016, 17:34

Neu in der Dortmunder Oper: die Zauberflöte. Gesehen habe ich die Aufführung noch nicht, habe aber diesen youtube-Schnipsel gefunden. Immerhin kommt die Königin der Nacht nicht aus dem Kühlschrank und Papageno hat tasächlich was von einem Federmenschen. Gegenstand für eine unsägliche Rezension?



Liebe Grüße vom Thomas :hello:
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operus

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28

Mittwoch, 7. Dezember 2016, 17:40

Schön, lieber Thomas, dass Du wieder verstärkt zur Sachen schreibst. :hello:

Herzlichst
Operus
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Thomas Pape

Moderator

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29

Mittwoch, 7. Dezember 2016, 17:44

Ich bin begeistert: Hänsel und Gretel nicht auf dem Drogenstrich sondern im Märchenwald: ab in die Oper nach Dortmund:



Liebe Grüße vom Thomas :hello:
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Gerhard Wischniewski

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30

Mittwoch, 7. Dezember 2016, 18:29

Zitat

Zitat von Thomas Pape: Ich bin begeistert: Hänsel und Gretel nicht auf dem Drogenstrich sondern im Märchenwald
:jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:
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