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Rheingold1876

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1

Freitag, 24. März 2017, 23:32

Memoiren, Biographien, Sachliteratur - Musiker und Bücher

Sänger, Dirigenten, Virtuosen, Komponisten und Musiker ganz allgemein - Bücher zu diesen Themen gehören zum festen Bestandteil vieler Verlagsprogramme. Das können klassische Memoiren, Biographien oder Sachbücher sein. In der Vergangenheit mögen zwar mehr einschlägige Titel erschienen sein als heute. Verschwunden ist dieses Segment aber keineswegs. Niemand hat die Titel gezählt. Wer nach solchen Büchern sucht, wird am ehesten im Internet, in Antiquariten oder auf Flohmärkten fündig. Lest und sammelt ihr diese Bücher? Welche sind euch wichtig gewesen und einer Empfehlung wert? Sind euch auch Bücher untergekommen, die es nicht wert sind, aufgehoben und angepriesen zu werden. Vielleicht findet das Thema ja Interesse.



Als erstes Buch möchte ich die Autobiographie "Mein Weg" von Lilli Lehmann (1848-1929) nennen. Es ist zuerst 1913 im Verlag von S. Hirzel, Leipzig, erschienen und hat 297 Seiten, zahlreiche Abbildungen und eine ausklappbare Tafel mit dem Opern-Repertoire der Sängerin. Gedruckt wurde es bei Breitkopf & Härtel auf büttenartigem Papier, wodurch es stattliche und prachtvolle Ausmaße gewinnt. Dieses Buch ist eines der wenigen, die ich in identischer Ausgabe zweifach besitze - ein Exemplar um lesen, eines zum schonen. Der Rücken ist aus dunkelgrünem Leder. Es gab über die Jahre immer wieder neue Auflagen, zuletzt bei Hofenberg.


Für mich hat dieses Buch nichts von seiner Faszination verloren. Die Lehmann war nicht nur eine der bedeutendsten Sängerinnen, die durch Tonaufnahmen überliefert ist. Sie besaß auch die Fähigkeit, plausibel über Musik, Stimme und Interpretationsansätze zu schreiben. Ihre große schriftstellerische Darstellungskraft ermöglichte es ihr auch, das musikalische Leben ihrer Zeit spannend und geistreich darzustellen. Sie ist mit zahlreichen Komponisten gut bekannt gewesen und war im Haus Wahnfried bei Familie Wagner ein gern gesehener Gast. Ihre Laufbahn hat Freund hart beim Besuch an ihrerGrabstätte in Berlin ausführlich dargelegt. Einen eigenen Thread über die Sängerin habe ich allerdings nicht gefunden.

Gruß Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

WoKa

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2

Samstag, 25. März 2017, 00:24

Hallo!

Eine Biografie, die ich sehr gerne gelesen habe, war die Lebens- und Schaffensgeschichte von Carlos Kleiber:



Alexander Werner kommt der Mischung aus Genie, Launigkeit und Komplexen sehr nahe, ohne Kleiber als Person zu sehr zu huldigen.

Stellenweise beinahe zu detailliert in der Schilderung der einzelnen Etappen seines Lebens.

Gruß WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

Rheingold1876

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3

Samstag, 25. März 2017, 09:15

Jonas Kaufmann - schon das zweite Buch



Jonas Kaufmann kann nicht nur gut singen, er hat auch etwas zu sagen – wenn ihm denn die richtigen Fragen gestellt werden. Thomas Voigt, Stimmenexperte, Musikjournalist und Reisender in Sachen Oper, stellt solche Fragen. Er kennt Kaufmann gut – und immer besser, seit er "peu a peu" dessen Presse- und Medienarbeit übernahm. Da fällt schon mal ein "neues" Buch ab, das sich bei näherem Hinsehen als aktualisierte Neuauflage des Titels "Jonas Kaufmann – Meinen die wirklich mich?" von 2010 erweist. Seither hat sich einiges getan, die Neuerscheinung reagiert drauf mit einem inhaltlichen Update und etwa fünfzig zusätzlichen Seiten. Schon das Titelbild ist das glatte Gegenteil von einst. Es ist nicht mehr so fröhlich bunt, sondern gibt sich ganz als hohe Kunst in Schwarz-Weiß. Das neue Buch ist - wie sein Vorgänger - bei Henschel herausgekommen, hat 240 Seiten und zahlreiche Abbildungen. Enthalten ist eine Diskographie auf dem Stand der Erscheinungsjahres 2015. Zu Wort kommen auch Sängerkolleginnen und -kollegen wie Anja Harteros, Christa Ludwig und Placido Domingo, der das Vorwort schrieb. Eine unterhaltsame Lektüre vor allem für jene Opernfreunde, die den Tenor zu schätzen wissen.

Gruß Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

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Stimmenliebhaber

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4

Samstag, 25. März 2017, 09:32

Im Vorfeld seines 60. Geburtstages erschien vor dreieinhalb Jahren dieses Buch:




Ich habe dieses Buch mit großem Interesse gelesen und war teilweise schlicht überrascht und verblüfft, obwohl ich schon eine ganze Menge über die Karriere von Kowalski wusste und ihn ja auch ca. 100x in Berlin live erlebt habe.

Hochspannend war für mich zum Beispiel:
- wie sehr er sich selbst als Opern- und Sängerfan outet, mit wie viel Bewunderung der von damaligen Staatsopernsängern wie Martin Ritzmann und Gisela Schröter spricht, die ihn begeisterten, als er damals als 18-Jähriger für drei Jahre als Requisiteur an der Staatsoper Berli anheuerte.
-die Ambivalenz seiner DDR-Sicht, dass er weder die Errungenschaften sozialer und kultureller Art noch die Grausamkeiten und politischen und wirtschaftlichen Unmöglichkeiten leugnet und diesen Widerspruch auch aushält
- die schonungslose Ehrlichkeit, mit der er rückwirkend über seine Stimmkrise (die ich damals sehr wohl registriert und irgendwann weitere Aufführungen mit ihm gemieden habe) Ende der 1990er Jahre und über die harte Arbeit zu deren Überwindung schreibt - eine so schonungslose Selbstabrechnung habe ich so bislang nur selten oder gar nicht von anderen gelesen

Im Gegensatz zu vielen anderen Sängerbiografien, die vielfach geschönt, geglättet und stilisiert sind (Extrembeispiel: Birgit Nilsson, das ist wirklich nur herrliches Futter für eingefleischte Karajan-Hasser, aber über Frau Nilsson erfährt man nicht wirklich was aus ihrer idealisierten Selbstsicht), ist dies wirklich ein spannendes, lesenswertes Buch!

P.S.: Warum die versuchte Verlinkung zu jpc mittels Button und Bestellnummer zwei Mal gescheitert ist, weiß ich nicht. Hier die Links zur jpc-Seite:

https://www.jpc.de/jpcng/books/detail/-/…ki/hnum/1007319
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

Rheingold1876

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5

Samstag, 25. März 2017, 19:13

Max Lorenz - "Keiner wie er"



Für dieses Buch musste der Berliner Musikschriftsteller Einhard Luther nicht in die Archive steigen, Zeitzeugen befragen und alle möglichen anderen Quellen anzapfen. Er schöpft aus seiner ganz persönlichen Erinnerung, seinen Aufzeichnungen, seinem fotographischen Gedächtnis – kurz, aus dem unversiegbaren Funds seiner langjährigen Freundschaft mit dem Heldentenor Max Lorenz. Der steht im Mittelpunkt des Buches "Keiner wie er". Luther arbeitet sehr deutlich heraus, dass Lorenz seinen künstlerischen Weg mit einer Entschlossenheit und Unnachgiebigkeit ging wie sie nur den wirklich großen Talenten gegeben ist, weil die Entschlossenheit Teil des Talents ist. Lorenz hat in dunkler Zeit Aufrichtigkeit und Zivilcourage gezeigt, fest zu seiner jüdischen Frau gehalten und sich wegen seiner Homosexualität nicht erpressen lassen. Dass er im Dritten Reich dennoch die unangefochtene Nummer Eins in seinem Fach war, ist – und daran besteht nicht der geringste Zweifel – einzig seiner Leistung als Sänger geschuldet. Wagner-Aufführungen wären ohne ihn völlig unmöglich gewesen, so sehr verkörperte er stimmlich wie darstellerisch die tragischen Helden Wagners. Keiner wie er! Einem durchaus ersten Unterfangen wie es die Biographie über einen Heldentenor darstellt, werden auch sehr vergnügliche Seiten abgewonnen. Das machte für mich das Buch gut lesbar.

Keiner wie er! Wie die Überschriften der einzelnen Kapitel, ist auch der Titel des Buches dem Werk Richard Wagners entlehnt. "Keiner wie er so hold zu werben weiß!" Mit diesen Worten reagiert der Chor auf der Festwiese der "Meistersinger" beglückt auf Stolzings Preislied. Genau darauf bezieht sich der Buchtitel. "Keiner wie er" kommt im Werk Wagners aber noch an einer anderen Stelle vor, nämlich im Schlussgesang der Brünnhilde, als sie Siegfrieds Treulosigkeit beklagt: "Die treueste Liebe trog keiner wie er!" Zufall? Das Buch erschien bei Pro Business GmbH und hat 191 Seiten. Das Papier und die vielen Fotos sind allerdings nicht vom Feinsten.

Passend dazu hat das Label Preiser eine CD mit gleichem Titel herausgebracht, auf der Lorenz in seltenen Live-Aufnahmen zu hören ist:



Gruß Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

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Rheingold1876

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6

Montag, 27. März 2017, 22:40

Lisa Della Casa - Eine Sängerin, zwei Bücher



"Von der Arabella zur Arabellissima": Die Biographie von Lisa Della Casa kommt ohne ausschweifende Zitate aus dem sehr lesenswerten Buch des Mannes der Sängerin, Dragan Debeljevic ("Ein Leben mit Lisa Della Casa" oder "In dem Schatten ihrer Locken") nicht aus. Da der Buchtitel (sehr gelungen und völlig zu Recht!) auf Arabella fixiert ist, werden zweieinhalb Seiten auf eine Inhaltangabe der Oper verwendet. Als ob jemand, der ein Buch über die Della Casa kauft, nicht Bescheid wüsste, worum es in dem Stück geht. Mehr Sinn hätte eine genaue Deutung der Rolle – vielleicht auch an Hand von Tondokumenten - gemacht. Zitate aus Zeitungen – und sind sie noch so gut, reichen nicht. Spannend wird es erst, wenn sich die Kolleginnen Renée Fleming und Anneliese Rothenberger äußern. Die kommen wenigstens inhaltlich auf den Punkt, lassen erahnen, warum Lisa Della Casa einzigartig ist, worin die große Wirkung ihrer Stimme liegt, damals wie heute, warum sie das eine so und das andere überhaupt nicht sang. Es gibt, zwei, drei Hinweise auf die Schallplatten, und das auch nur ganz beiläufig. Wer ist es nicht weiß, müsste annehmen, es sei so gut wie nichts überliefert. Dabei ist die Della Casa sehr gut dokumentiert, auch durch Mitschnitte. Warum also keine Analyse und keine Diskographie? Gewiss, es gibt auch gut erzählte und bewegende Abschnitte in diesem Della-Casa-Buch - über ihr Schloss am Bodensee, ihren Alltag, die Familie, Krankheiten. Aber eine Sängerin von diesem Rang überdauert nun mal nicht als treu sorgende Mutter oder als Schlossherrin, sie überdauert durch das akustische Erbe, das in ihrem Falle mächtig und unverwüstlich ist. So gesehen bleibt das Buch, das noch zu ihren Lebzeiten herazusgekommen ist, zu vieles schuldig. Die Sängerin ist 10. Dezember 2012 gestorben. Verlag Huber / Frauenfeld Stuttgart Wien, 182 Seiten

Und dies ist das ebenfalls noch erhältliche Buch des Mannes der Künstlerin, Dragan Debeljevic, erschienen bei Atlantis Musikbuch:


Gruß Rheingold
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William B.A.

Erleuchteter

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7

Dienstag, 28. März 2017, 10:20

Da ich weiter oben die Biografie von Carlos Kleiber gesehen habe und die ich auch vor einiger Zeit mit Genuss gelesen habe, dachte ich, dann könnte dies ja auch nciht fehlen:



Zitat

Amazon: Als Treuhänder der Komponisten verwirklichte Günter Wand seine Vision von musikalischer Vollkommenheit. Musikern wie Zuhörern vermittelte er, vor allem in seinem Altersschaffen, das Gefühl: „So und nicht anders muss es sein!“ Die autorisierte Biografie dieses großen Dirigenten stützt sich neben gründlichen Archivrecherchen auf Wands eigene Gedanken und Erinnerungen. Im Musikleben unserer Zeit war Günter Wand (1912–2002) eine einzigartige Gestalt. Buchstäblich aus Trümmern baute er nach dem Krieg Kölns Opern- und Konzertleben neu auf. Als Siebzigjähriger übernahm er das Chefdirigat beim NDR-Sinfonieorchester Hamburg, als dessen Ehrendirigent er bis zu seinem Tod aktiv war. Günter Wand verkörperte den Gegentyp des auf Publikumswirkung zielenden Pultstars und Jetset-Dirigenten. Den Strukturwandel unserer Gesellschaft und unseres Musiklebens hat er fast sieben Berufsjahrzehnte miterlebt und mitgeprägt. Die Schilderung seines Lebens gerät dadurch zu einem Stück Musik- und Zeitgeschichte. „Ich würde hundert Abbados, Mutis und Maazels für einen Günter Wand geben.“ Hugh Canning, Sunday Times * Nur im Taschenbuch: die aktualisierte Biografie des großen Dirigenten * Basiert auf Wands eigenen Gedanken und Erinnerungen * Ein Stück Musik- und Zeitgeschichte


Es handelt sich hier um eine erweiterte Biografie des ursprünglichen Originals:



Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

William B.A.

Erleuchteter

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8

Dienstag, 28. März 2017, 10:45

Sehr lesenswert isit auch dieses Buch, das ich bei Erwerb vor Jahren innerhalb weniger Tage gelesen habe und das ich auch jetzt bei meiner Arbeit mit den Beethoven-Sonaten immer mal wieder zur Hand nehme:



Zitat

Amazon: Alfred Brendels Buch ist ein brillantes Kompendium der Klaviermusik und zeigt, dass der weltberühmte Pianist auch ein glänzender Stilist und Analytiker ist. Es enthält alle seine viel gerühmten Texte zur Musik in einer überarbeiteten und erweiterten Ausgabe. Ob sich der große Pianist als Mozart-Spieler selbst ermahnt, über lustige Musik sinniert und Werke von Bach, Beethoven, Schubert, Schumann, Liszt, Busoni oder Schönberg beleuchtet – Brendel tut das, worüber er schreibt: Er denkt über Musik nach.


Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
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Bertarido

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9

Dienstag, 28. März 2017, 10:50

Biographien lese ich wenig, und wenn, dann eher von historischen Persönlichkeiten aus meinem Interesse für Geschichte heraus. Die eine oder andere Künstler-Biographie habe ich dann aber doch mit Interesse und Gewinn gelesen. Dazu gehört an erster Stelle die fast 1000 Seiten umfassende Biographie meines Lieblingskomponisten Gustav Mahler von Jens Malte Fischer. Die kennt zwar wahrscheinlich sowieso jeder Mahler-Freund (bei Amazon ist sie sogar als Bestseller markiert), aber trotzdem will ich sie hier nennen:



Ein Muss für jeden, der Mahlers Musik liebt und sich ihrem Verständnis über die Person des Komponisten nähern möchte.

Reinhard

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10

Dienstag, 28. März 2017, 18:07

Die kennt zwar wahrscheinlich sowieso jeder Mahler-Freund

Ich kenne sie nicht. Gut, ich würde mich nun auch nicht gerade in die Kategorie der bekennenden Mahlerfreunde einordnen. Aber ein paar wertende Sätze, so als Leseanreiz, wären schon schön. Amazon-Bestseller würde mich da eher abschrecken. :untertauch:


 
Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
(Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

Bertarido

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11

Dienstag, 28. März 2017, 18:37

Die kennt zwar wahrscheinlich sowieso jeder Mahler-Freund

Ich kenne sie nicht. Gut, ich würde mich nun auch nicht gerade in die Kategorie der bekennenden Mahlerfreunde einordnen. Aber ein paar wertende Sätze, so als Leseanreiz, wären schon schön. Amazon-Bestseller würde mich da eher abschrecken. :untertauch:

Abschrecken wollte ich damit nun keinen. Ich fand es nur bemerkenswert und erfreulich, dass sich die Biographie eines Komponisten offenbar so gut verkauft.

Was kann ich zu dem Buch sagen? Es ist eine umfassende Biographie dieser schillernden Persönlichkeit, die auch den Zeitumständen detailliert Rechnung trägt, in denen Mahler gelebt hat und die seine Werke beeinflusst haben. Manchen Rezensenten war dies sogar zu ausführlich, aber die Zeit und Umgebung, in der Mahler lebte, ist an sich so interessant, das ich diese Kritik überhaupt nicht teile. Fischer hat alle zugänglichen Quellen aufgearbeitet, so dass diese Biographie die aktuellste und fundierteste ist, die man derzeit bekommen kann. Man findet natürlich auch ausführliche Informationen zur Entstehung von Mahlers Symphonien und Liedern sowie Beschreibungen derselben, allerdings keine vertieften musikwissenschaftlichen Analysen. Das würde nach meinem Verständnis auch den Rahmen einer Biographie sprengen. Der Autor macht kein Hehl daraus, wie sehr er Mahler als Musiker bewundert. Es ist aber trotzdem keine Hagiographie geworden, sondern auch negative Charakterzüge werden nicht ausgespart. Und last but not least ist das Buch gut geschrieben, es zu lesen war ein Vergnügen und keine Arbeit. Ich kann es nur jedem aufs wärmste empfehlen, der sich für Gustav Mahler interessiert - es gibt zur Zeit nichts Besseres.

Helmut Hofmann

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12

Dienstag, 28. März 2017, 19:13

Da ich zu allen Komponisten, deren Lieder ich hier bespreche, grundsätzlich alles lese, was ich mir an biographischen und musikwissenschaftlichen Schriften beschaffen kann, habe ich natürlich anlässlich meines Mahler-Lied-Threads auch diese Mahler-Biographie von Jens Malte Fischer durchgearbeitet.
Ich kann Bertarido in allem nur zustimmen, was er dazu hier ausführt. Für mich war dieses Buch ein großer Gewinn, - gerade weil Fischer das subjektive Urteil über Mahlers Musik nicht scheut. Aber er tut dieses ja auf dem Hintergrund des Wissens um das ganze Spektrum der anderen Urteile, die zur Lebenszeit Mahlers und danach über seine Musik geäußert und gefällt wurden.
Im übrigen: Auch wenn das Buch auf irgendeiner Liste zum Bestseller avancierte. Es handelt sich um ein Werk, das allen musikwissenschaftlichen Ansprüchen und Standards ohne Einschränkung gerecht wird, - und gleichwohl gut zu lesen ist.
Man braucht freilich Geduld und viel Liebe zu Mahler, denn es fehlen nur zehn Seiten, und die tausend wären voll.

Reinhard

Moderator

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13

Dienstag, 28. März 2017, 20:15

die auch den Zeitumständen detailliert Rechnung trägt, in denen Mahler gelebt hat und die seine Werke beeinflusst haben. Manchen Rezensenten war dies sogar zu ausführlich, aber die Zeit und Umgebung, in der Mahler lebte, ist an sich so interessant, das ich diese Kritik überhaupt nicht teile.


Ich bin ja froh, daß meine kleine Provokation das bewirkt hat, was sie sollte. ;)
Danke, lieber Bertarido, aber dieser Satz macht das Buch für mich so interessant, daß es auf die Leseliste kommt - geliehen oder gekauft, mal sehen.
Auch Dir, Helmut vielen Dank, Du bestärkst mich in meinem Wunsch. Dicke Bücker schrecken mich nicht und Geduld übe ich gerade mit Sir Gardiners Bach-Biografie. Dazu aber (viel) später hier mehr.

Dank an Euch beide.


PS: Soeben aus der Stadtbibliothek zur Abholung in der Zweigstelle meiner Wahl bestellt. :thumbsup: Ich werde berichten.
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Rheingold1876

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14

Dienstag, 28. März 2017, 21:41

Als Orpheus wieder sang ...



Feiert der Staat Geburtstag wird allerorten und bei jeder sich bietenden Gelegenheiten Rückschau gehalten. Ein Thema wird dabei gern ausgespart – das Theater und namentlich die Oper. Dabei waren es die Musiktheater, die gleich nach Ende des verheerenden Krieges noch zwischen Trümmern den Vorhang wieder aufzogen und den verstörten Menschen Trost spendeten und Kraft gaben, den Neuanfang zu wagen. Musik und Kunst im weitesten Sinne halfen in entscheidendem Maße, gesellschaftliche Depression zu überwinden. Diesen ziemlich weisen Fleck in der deutschen Erinnerungslandschaft hat Ferdinand Kösters mit seinem umfangreichen Buch "Als Orpheus wieder sang… Der Wiederbeginn des Opernlebens in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg" beseitigt. Das kann gar nicht hoch genug gewürdigt werden. Insofern ist dieses Buch ein Standartwerk, auf das immer wieder zurückgegriffen werden dürfte. Obwohl es sich flott hintereinander lesen lässt, wird es auf Dauer ein Nachschlagewerk bleiben. Kösters hat außerordentlich gründlich recherchiert und eine Fülle von Material aufgetürmt, die einem regelrecht den Atem verschlägt. Wenn es um die großen Festspiele und Häuser geht, ist manches auch aus anderen Quellen bekannt, die auch zitiert werden. Folglich ist das Quellenverzeichnis ziemlich umfangreich. Der Autor sattelt aber immer noch drauf, überrascht mit neuen Details und Einsichten. Kleinere Bühnen wie beispielsweise Regensburg ober Coburg bekommen ebenfalls den ihnen gebührenden Platz, was ein großer Vorzug des Buches ist. Der Osten wird nicht ausgespart, weil das Buch einen gesamtdeutschen Ansatz hat. Ausführlich wird der Neubeginn in Dresden, Magdeburg, Halle oder Dessau, wo es Richard-Wagner-Festwochen gab, geschildert. Kein Archiv, kein Theater, kein Sender waren vor der Hartnäckigkeit des Autors im Zusammentragen von Fakten sicher. Dieser Fleiß zahlt sich für die Leser aus.

Kösters wartet mit einer endlos scheinenden Liste von Sängerinnen und Sängern deutscher Zunge auf, die für eine Vielfalt stehen, die heute undenkbar ist. In vielen Fällen werden gleich Fotos mitgeliefert wie aus der ersten Düsseldorfer Neuinszenierung mit Mozarts "Cosi fan tutte", bei der Martha Mödl die Dorabella sang. Zum Wiederbeginn des Opernlebens rechnet der Autor zu Recht die Pionierarbeit, die vom Rundfunk geleistet wurde, und zwar hüben wie drüben. Es entstanden Opernproduktionen mit traumhaften Besetzungen, die später oft auch als Schallplatten an die Öffentlichkeit gelangten, anderes ist in den Schallarchiven der Vergessenheit anheim gefallen oder gar gelöscht worden. Kösters nennt Beispiele ohne Ende, gute wie schlechte. - Verlag Edition Octopus, 631 Seiten, 111 Abbildungen, ISBN 978-3-86582-832-3

Gruß Rheingold
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Alfred_Schmidt

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15

Dienstag, 28. März 2017, 22:58


Das Buch erschien erstmals Ende der 60er Jahre im MOLDEN Verlag. Ich besitze die 2. erweiterte Auflage von 1974 (gebundene Ausgabe 240 Seiten -13.-18. Tausend)
Karl Böhm ist zwar als Autor genannt hat das Buch aber nicht geschrieben sondern sich eines berühmten österreichischen Autors und Theaterkritikers als "Ghostwriter" bedient: Hans Weigel (1908-1991)
Trotzdem ist das Buch eher "unschriftstellerisch" laienhaft erzählt. Denn so entstand es , Böhm redete und Weigl machte sich Notizen.
Eine gewisse unterschwellige Selbstgefälligkeit ist imo nicht zu übersehen, aber Böhm konnte sich das leisten, denn er war ja, als das Buch erschin schon weltberühmt. Der Karl Böhm, den viele noch in Erinnerung haben, war ein charmant grantelnder, raunziger alter Herr mit einer gewissen Altersmilde, aber das wir nunr EINE Epoche in seinem Leben. Er war eitel, und beschreibt gern seine Verbindungen mit anderen großen Musikern und Musikmanagern, An sich war er ein analytisch denkender Intellektueller, von einer gewissen Strenge und Unbarmherzigkeit, sein Sohn, Karlheinz Böhm sagte, er vertrug nicht mal in der Familie, daß ihm jemand widersprach. Ich kann mir das gut vorstellen, denn nur durch dieses unerbittliche Ringen nach musikalischer Wahrheit konnte er diese Ausnahmestellung erreichen, die er zu Lebzeiten innehatte.
Dennoch war er ja nicht immer der große Dirigent, und in seiner Jugend musste er sich doch durchkämpfen und den Wichtigen seiner Zeit Kritik an ihm zugestehen. Was er ebenfalls dokumentiert hat.
Interessant ist, wie er seinen Abgang von der Wiener Staatoper als Direktor schildert - und er lässt an jenen die daran aus seiner Sicht schuld waren kein gutes Haar. Viele hätte gegen ihn intrigiert - lediglich die Wiener Philharmoniker und einige Journalisten wären auf seiner Seit gestanden. Er hatte im Zorn alles hingeworfen (und dabei viel Geld verloren), seine Frau habe darüber einen Herzinfarkt erlitten. Die Presse versuchte ihn zu übereden sich seine Entscheidung nochmals zu überlegen und mit dem damaligen Chef der Bundestheaterverwaltung ein klärendes Gespräch zu führen. Dort war man aber garnicht mehr daran interessiert. Sein Nachfolger sei bereits ausgewählt.
Das ganze hätte übel ausgehen können, aber da kam ein Angebot aus New York, Sir Rudolf Bing lud ihn ein, im kommenden Jahr an der Met zu dirigieren.
Alle diese und mehr Details finden sich in dem Buch, das sozusagen ein Dokument der musikalischen Zeitgeschichte ist. Wenn Böhm darüber klagt, daß man in quasi anspuckt, dann erinnert er sich und seine Leser daran, daß man einst einen Fackelzug für ihn veranstaltet hat.......

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Rheingold1876

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16

Sonntag, 2. April 2017, 00:42

Wieland Wagner – Wegbereiter und Weltwirkung


Das Buch der österreichischen Musikwissenschaftlerin Ingfrid Kapsamer aus dem Styria-Verlag ist nicht so rasch mal eben durchgelesen. Es beruht auf einer Dissertation, ist also ein akademischer Text. Wer sich auf die Lektüre einlässt, sollte das bedenken. Die Autorin hat sehr gründlich gearbeitet, die Fülle der Fakten und Erkenntnisse ist enorm. Und da Wieland-Tochter Nike Wagner bereits auf dem Buchdeckel als Verfasserin des Vorwortes in Erscheinung tritt, ist eine kritische Auseinandersetzung mit der Bewahrung des Erbens von Wieland Wagner in Bayreuth sozusagen vorgegeben. So genau Leben und Werk des Enkels von Richard Wagner auch recherchiert und dargestellt sind, das Buch muss den sinnlichen und überwältigenden Eindruck des Theaterschaffens dieses Mannes schuldig bleiben. An den einstigen Wirkungsstätten Wielands – allem voran die Bayreuther Festspiele - ist nichts geblieben von ihm. Die Traditionslinie ist durchtrennt. Was immer auf dem Grünen Hügel oder in Stuttgart, wo er ebenfalls oft arbeitete, über die Bühne geht, lässt nicht ahnen, dass es Wieland Wagner überhaupt gegeben hat. Seine Spuren sind verweht. Die schönen Fotos aus seinen Inszenierungen, die sich in dem Buch finden, sind historisch wie kaum etwas anderes obwohl sie bei näherer Betrachtung überhaupt nicht historisch wirken. So könnte ich mir Oper auch heute noch vorstellen.

Die wenigen filmischen Dokumente von Wieland-Wagner-Inszenierungen ("Tristan", "Walküre", "Lulu") werden seiner Bedeutung nicht gerecht, zumal sie mit Ausnahme der "Lulu" extrem grau und fad sind. Im Buch wird das deutlich herausgearbeitet. Daraus folgt einmal mehr, dass Theater nur bedingt zu konservieren ist. Insofern ist das Buch wie ein erzähltes Mittagessen. Der mögliche Hunger nach einem zeitlosen Theater mit Archetypen, wie sie Wieland Wagner geschaffen hat, bleibt ungestillt.

Gruß Rheingold
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  • »Joachim Schneider« ist männlich

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17

Montag, 3. April 2017, 12:39

Ich möchte noch eine Anmerkung zu der oben erwähnten Mahlerbiographie von Jens Malte Fischer machen.
Man sollte den Untertitel des Buches "der fremde Vertraute" als Leitmotiv verstehen.

Mahler ist uns natürlich insofern zunächst einmal fremd, als seine Musik extrem komplex in Form und Aussage ist und eine -ohne Übertreibung- lebenslange Beschäftigung erfordert. Dies teilt er natürlich mit allen anderen musikalischen Genies.
Ferner sind uns die Lebensumstände des Europa vor dem ersten Weltkrieg fremd, auch wenn sie schon mit vielen technischen Innovtionen gesegnet waren, die auch heute noch Gültigkeit haben (Automobil, Beginn der Fliegerei, explosionsartiger Fortschritt in Technik und Naturwissenschaften etc.). Eigentlich müsste uns also Mahlers Zeitalter sehr viel "vertrauter" sein, als z.B. die Zeit Mozarts, aber dies scheint nur auf den ersten Blick so. In Wirklichkeit trennen uns von der Politik und Gesellschaft des Mahlerschen Zeitalters große Abgründe (im wörtlichen Sinne), nicht im Gegensatzpaar "gute alte Zeit" (damals) gegen hypernervöses, stets durch Krieg, Terrorismus und Gefahr des Besitzverlustes herausgefordertes heutiges Zeitalter, sondern die Lebens- und Regierungsformen des durch den Konstitutionalismus gleichsam erstickten aufgeklärten Neo-Absolotismus der damaligen Ära sind zu den uns gewohnten diametral entgegengesetzt und in der Regel, betrachtet man es streng historisch, schlechter gewesen.

Auf der anderen Seite ist Mahler aber auch vertraut, da er eine enorme Modernität (im positiven Sinne) ausstrahlt, nicht nur in seinem Schaffen, sondern auch in der Organisation seines Lebens und Wirkens (erster "Reisedirigent" seiner Zeit, intensive Pressekontakte, hocheffiziente Organisation der von ihm geleiteten Opernhäuser u.a.); betrachtet man Fotografien aus dieser Zeit, so erscheint Mahler immer irgendwie aus der Zeit gefallen im Vergleich zu den anderen abgebildeten Personen, als ob er gerade aus einer Zeitmaschine getsiegen wäre.

Fischers Busch ist m.E. nicht nur interessant für Freunde des Mahlerschen Schaffens, sondern auch für historisch Interessierte.

Viele Grüße

Joachim
"Die Musik steht hinter den Noten" (Gustav Mahler)

Reinhard

Moderator

  • »Reinhard« ist männlich

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18

Montag, 3. April 2017, 16:37

Fischers Busch ist m.E. nicht nur interessant für Freunde des Mahlerschen Schaffens, sondern auch für historisch Interessierte.


Das weckt immer mehr Vorfreude. Morgen werde ich mir das Buch aus der Bibliothek holen.

Ich habe nur die Befürchtung, für viel mehr als ein gründliches Anlesen (Kaufentscheidung?) wird es im Moment nicht ausreichen.
Stehen doch diese reichlich 2000 Seiten erst einmal ganz oben auf der Prioritätenliste:

Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
(Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

  • »Joachim Schneider« ist männlich

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19

Montag, 3. April 2017, 17:24

Es gibt übrigens auch eine Monographie zu Mahlers Leipziger Zeit, bei Amazon noch erhältlich.

Viele Grüße

Joachim
"Die Musik steht hinter den Noten" (Gustav Mahler)

Rheingold1876

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Montag, 19. Juni 2017, 23:06

Handbuch der Oper

Ein gutes, erklärendes Handbuch kann sich für einen Opernbesuch mitunter als notwendiger erweisen als das schicke Abendkleid für die Dame oder der feiner Zwirn für den Herrn. Zumal heutzutage. Regisseure neigen dazu, Werke aus ihrem historischen Kontext zu reißen, Figuren des Mittelalters in Jeans zu stecken, statt eines Waldes eine gähnend leere Bühne zu präsentieren. Nicht immer wird auf Anhieb klar, wer denn nun wer ist, und warum jemand mit einer Maschinenpistole herumfuchtelt, statt das Schwer zu schwingen. Aktualisierungen der alten Stoffe erschließen sich nicht in dem Maße, in dem die Handlung voranschreitet. Und nicht immer passt es. Wer sich also vor einer Aufführung schlau machen beziehungsweise das eigenen Wissen überprüfen will, ist mit dem Handbuch der Oper gut bedient. Es ist in vierzehnter, grundlegend überarbeiteter Auflage als Gemeinschaftsproduktion der Verlage Bärenreiter (ISBN 978-3-7618-2323-1) und Metzler (ISBN 978-3-476-02586-9) erschienen. Mit der ISBN-Nummer 978-3-7618-7093-8 wird es auch als eBook angeboten. Für unterwegs ist das praktisch, denn das 950 Seiten umfassende Konvolut passt nicht in jede Handtasche. Es ist regaltauglich. Berücksichtigt sind nunmehr 340 Opern vom Frühbarock bis zur Gegenwart. Die frappierende Aktualität der neuen Ausgabe stellt sich bereits auf dem Einband dar. Gezeigt wird eine Szene aus Miroslav Srnkas Oper "South Pole", die 2016 an der Bayerischen Staatsoper München uraufgeführt wurde, von Hans Neuenfels in Szene gesetzt und von Kirill Petrenko dirigiert. Sie kam ins Fernsehen und fand bei Publikum und Presse begeisterte Aufnahme. Das Werk selbst wird auch gebührend behandelt. So breit gefächert, wie es dieser brandneue Titel erwarten lässt, ist das Repertoire des Handbuches allerdings nicht.

Allenthalben klaffen schmerzhafte Lücken. Während von Rameau sechs Werke Berücksichtigung fanden, wird Meyerbeer mal eben nur mit zweien, nämlich Hugenotten und Prophet, abgespeist. Dabei ist gerade dieser Komponist in letzter Zeit erfreulich oft auf den Spielplänen erschienen. Mit Vasco da Gama wurde die ursprüngliche Fassung seiner Africaine neu entdeckt. Die Deutsche Oper Berlin hat ihren Meyerbeer-Zyklus mit "Dinorah" begonnen und mit "Vasco da Gama" und "Les Huguenots" fortgeführt. Nürnberg, Kiel und Würzburg stehen Meyerbeer-mäßig nicht nach. Zudem kommen deutsche Opern viel zu kurz. "Zar und Zimmermann" und "Wildschütz" reichen für Lortzing eben so wenig wie der "Vampyr" für Marschner, dem wenigsten noch sein "Hans Heiling" zu gönnen gewesen wäre. Otto Nicolai muss sich mit seinen ewigen "Lustigen Weibern" bescheiden, obwohl mit Aufführungen von "Templario" und "Heimkehr des Verbannten" endlich seine in Italien gewonnene Belcanto-Meisterschaft Anerkennung findet. Vergeblich sucht man auch Johann Simon Mayr, der inzwischen nicht mehr nur als Lehrer von Donizetti wahrgenommen wird. Bei allem Respekt für Hans Werner Henze stellt sich die Frage, ob es denn gleich neun (!!!) seiner Opern sein müssen. Und Manfred Trojahn ist mit fünf (!!!) Titeln auch mehr als gut bedient, während Wagner-Regény, Siegfried Wagner, Otmar Gerster oder Siegfried Matthus leer ausgehen. Die Reihe solcher Beispiele ließe sich fortsetzen. Und mir fallen dazu auch die Diskussionen um den Opernkanon im Forum ein.

Jene Werke aber, die Eingang in das Handbuch gefunden habe, sind exzellent und erschöpfend abgehandelt. In diesen gut lesbaren Texten offenbart sich die hohe Qualität dieser überarbeiteten Auflage. Bei allen Werken wird weitgehend nach dem gleichen Muster verfahren, was den raschen Zugang erleichtert. Es finden sich alle Personen, Orte und Schauplätze, es gibt Hinweise auf die Gliederung, die Zusammensetzung des Orchesters und die Spieldauer. Handlung, stilistische Stellung, Textdichtung und Geschichtliches werden getrennt und ausführlich behandelt, Unterschiede in einzelnen Fassungen verständlich herausgearbeitet. Sogar bei Verdis Don Carlos, dem Prüfstein für die genaue Dokumentation der unterschiedlichen Bearbeitungen in Opernführern, bleiben keine Fragen offen. Das Problem des Handbuches sind nicht die Texte, sondern die Proportionen. Dabei haben es sich die Herausgeber nicht leicht gemacht. Wo sollen sie anfangen, wo enden? Was aufnehmen, was weglassen? Ein Buch von fast tausend Seiten kommt auch an Grenzen. Beiträge früherer Auflagen und verstorbener Autoren waren mit neuen Texten zu verbinden. Im Vorwort wird das genau erklärt. Gleich am Beginn macht der Musikschriftsteller Robert Maschka deutlich, dass Opernführer letztlich nur die "in den Opernhäusern stattfindenden Veränderungen" reflektieren. Das ist nachzuvollziehen, wird aber nicht konsequent genug durchgehalten, wie die Beispiele Nicolai, Meyerbeer oder Mayr zeigen. Eine Presse-Information zur Neuerscheinung versieht Bärenreiter mit der etwas altbackenen Überschrift "Oper zum Schmökern". Und es werden einige Fragen aufgeworfen, die sich im Handbuch beantwortet finden sollen. "Wie heißt Wotans Schwester?" Hm! Wer sollte das sein? Der hat ja gar keine. Freia, die am ehesten in Frage käme, kann es nicht sein. Die ist nämlich Frickas, der Gattin Wotans, Schwester und damit dessen Schwägerin. Fricka nennt sie denn auch im Rheingold ihr "holdes Geschwister" und Freia selbst fleht Wotan als "Schwäher" an. Er soll sie vor der Zudringlichkeit der Riesen schützen. Schwäher ist eine sprachlich veraltete Form für Schwager oder auch für Schwiegervater.

Und – so wird weiter gefragt – "Wer fordert seinen Herrn zum Tänzchen heraus?" Ja, wer denn wohl? Der gestandene Opernfreund hat natürlich diverse deutsche Übersetzungen von Mozarts "Figaro" im Kopf. Er weiß, dass sich die Frage aus Figaros Kavatine im ersten Akt herleitet, mit der er dem Grafen den Kampf ansagt, weil er nicht von Susanna lassen will. Mal ist von Tanz, mal von Tänzchen die Rede. Je nach Übersetzer. Aus dem Buch erfährt man die Antwort auf die Frage jedenfalls nicht, zumal das Stück heute stets im italienischen Original gegeben wird. Während die Oper in der Erstnennung des Titels im entsprechenden Kapitel des Handbuches sehr richtig als "Le nozze di Figaro" gelistet ist, nennt es im Widerspruch dazu bei etlichen fremdsprachigen Werken den alten deutschen Titel zuerst – "Iphigenie in Aulis", "Der Barbier von Sevilla", "Das Mädchen aus dem goldenen Westen", "Der Troubadour", "Die Macht des Schicksals". "Hugenotten" und "Prophet" waren schon genannt. Diese verwirrende Handhabung, die den Lesern nicht nützt, erklärt sich auch aus der langen Entstehungsgeschichte des umfangreichen Nachschlagewerks. Bei Monteverdi konnten sich die Autoren nicht für ein einheitliches Verfahren entscheiden. Beim "Ritorno di Ulisse" wurde der deutsche Titel (Die Heimkehr des Odysseus) bevorzugt, bei "L’incoronazione di Poppea" der italienische. So unterschiedlich tauchen beide Stücke auch im Register auf. Angleichungen wären sinnvoll gewesen. Dem Handbuch ist also eine 15. grundlegend überarbeitete Auflage zu wünschen.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Fiesco

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Dienstag, 19. Dezember 2017, 21:51

Jedem "Les Troyens" Freund würde ich gerne dieses Buch empfehlen ....



.....es lohnt in jeder Hinsicht, überhaupt mir als großem Berlioz Liebhaber, als ich Die Trojaner in der Inszenierung von Ruth Berghaus das erste mal sah, überhaupt das erstemal mit Berlioz in Berührung kam war es um mich geschehen!
Von Berlioz Anfängen sich mit dem Sujet zu beschäftigen bis zu Analysen zum Inhalt breitet hier Kohrs einen Teppich aus, den man gerne beschreitet!

LG Fiesco
Il divino Claudio
"Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

Rheingold1876

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Dienstag, 19. Dezember 2017, 22:03

Lieber Fiesco, das ist ein guter Tipp. Danke. Ich bin auch von Berlioz fasziniert. Erst am vergangenen Sonntag hörte ich "L'efance du Christ" in der Berliner Philharmonie unter dem neuen Chefdirigenten des Deutschen Symphonie Orchesters, Robin Ticciati. Betörend! Er scheint viel für Berlioz übrig zu haben.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Fiesco

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Dienstag, 19. Dezember 2017, 22:54

Lieber Rheingold1876, die Memoiren kennst du bestimmt, oder?

hier

Memoiren I/ II: Mit einer Beschreibung seiner Reisen in Italien, Deutschland, Rußland und England!
Darin lese ich immer und immer wieder! :love:

Aber eine dicke Empfehlung ist dieses Buch von Dömling ....

hier

Hector Berlioz. Die symphonisch-dramtischen Werke.Mit Beschreibungen der Werke, 15 Notenbeispielen sowie den Libretti und Programmem in französich und deutsch.
Symphonie fantastique
Lélio ou Le Retour à la Vie
Harold en Italie
Roméo et Juliette
Huit Scènes de Faust
La Damnation de Faust

LG Fiesco
Il divino Claudio
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Rheingold1876

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Mittwoch, 20. Dezember 2017, 07:58

Lieber Fiesco, die Memoiren von Berlioz habe ich vor Jahren gelesen. Ich sollte sie mir wieder vornehmen, weil ich inzwischen viel mehr Musik von ihm kenne als damals. Leider wird in dem Buch von Wolfgang Dömling, das ich auch habe, "L'efance du Christ" nicht behandelt. :( Im Programmheft der Berliner Aufführung, die ich besuchte, findet sich aber eine schöne Analyse, nicht aber der Text. Ich bin ganz hingerissen von dem Werk, das ich zunächst nicht sehr schätzte und bin erstaunt, wie viele Aufnahmen es gibt.

Die "Trojaner" in der Inszenierung der Berghaus hätte ich auch gern gesehen. Zumindest wird diese Produktion in diesem Buch - das Du vielleicht kennst - auch mit Fotos abgehandelt:

Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

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Stimmenliebhaber

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25

Mittwoch, 20. Dezember 2017, 08:47

Die "Trojaner" in der Inszenierung der Berghaus hätte ich auch gern gesehen. Zumindest wird diese Produktion in diesem Buch - das Du vielleicht kennst - auch mit Fotos abgehandelt
Bei Youtube findet sich sogar ein Video-Mitschnitt dieser Frankfurter Berghaus-"Trojaner", wenn auch wohl kein vollständiger und kein professioneller mit Fernsehbildqualität und Fernsehregie, aber ein größerer Eindruck als nur ein Fotos scheint es mir allemal zu sein, zumindest ein anderer Eindruck:



https://www.youtube.com/watch?v=EqyLiExBMR0&t=182s
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

Fiesco

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26

Mittwoch, 20. Dezember 2017, 09:31

Hallo Stimmenliebhaber danke fürs Einstellen .....es ist der zweite Teil " Les Troyens à Carthage" !

Ich kann mich noch bis in kleinste Kleinigkeiten daran erinnern, leider ist das vom 3.Rang aus gefilmt und man meint die Bühne wäre sehr schräg, war aber nicht so! Leider sieht man die Kostüme sehr schlecht, schade waren nämlich ganz fantastisch!
Es gab mal eine Raubkopie von der Musik, die ich mal als Schallplatten hatte, leider ist dem nicht mehr so und ich habe immer mal gehofft es erscheint auf CD. Denn ich meine der HR hätte es übertragen, aber da liegen noch ungemein viele Schätze und verstauben! ?(

Hallo lieber Rheingold1876, ja das Buch ist wirklich toll, und da kann man sehen was die Berghaus alles in Frankfurt gemacht hat, z.B. auch diesen grandiosen Ring! Was bei mir jetzt alles für Erinnerungen hochkommen ...... :hail: !

Habe die Berghaus auch pers.kennengelernt (von Berufs wegen), eine sehr bescheidene, liebenswerte Frau ohne Starallüren

LG Fiesco
Il divino Claudio
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27

Freitag, 22. Dezember 2017, 10:28

Ein weiteres Buch über Berlioz von Klaus Heinrich Kohrs "Und alles wandelt sich ins Gegenteil: Hector Berlioz’ kontrafaktische Szenen"

Zitat

Klappentext
Und alles wandelt sich ins Gegenteil', so lautet das Fazit des alten Capulet in Shakespeares Romeo and Juliet, wenn nach Julias Scheintod die Hochzeit mit Paris abgesagt werden muß. Die Zurüstungen, das Personal und die Requisiten dienen auf einen Schlag nicht mehr dem Leben, sondern dem Tod, unter dessen Auspizien alle Zwecke neu bestimmt werden müssen.
Das hieraus ableitbare Strukturmodell eines Wendepunkts, von dem aus alles Gewesene und Geplante nur noch verwandelt, in einer Gegenwelt, wiederkehren
kann, wird in diesem Buch als ein Leitmodell von Hector Berlioz’ künstlerischem Handeln verstanden. Mit der Konzeption seiner 'Symphonie dramatique' Roméo et Juliette hat er es paradigmatisch realisiert.
Die verwandelte, kontrafaktische Wiederkehr kann viele Erscheinungsweisen und Formen haben: Karikatur, Satire, Groteske, Fiebertraum oder dämonisches Nachtstück.
Und ihre Modi können die karnevaleske Volte, Ironie, Schock, Grausamkeit oder 'Vernichtungswuth' sein (wovon Robert Schumann im Kontext der Symphonie
fantastique gesprochen hat). Inszeniert wird sie als Produkt fundamentaler Krisen einer Einbildungskraft, die sich auf der Grenze der Selbstüberforderung
und des Absturzes bewegt. Ein weites Feld destruktiver Fantasien, die mehr oder weniger deutlich immer auch autodestruktive sind, eröffnet sich – gleichermaßen in der literarischen wie in der musikalischen Produktion.
Von 'Szenen, die gleichzeitig eine die andere parodieren', hat der Berlioz-Freund Heinrich Heine in seinen Bädern von Lukka gesprochen. Das Buch präsentiert in einem seiner Kapitel umfassend den über lange Jahre währenden Dialog der beiden Künstler (die sich kennenlernten, als die Symphonie fantastique schon geschrieben war) als ein intellektuelles Spiel, in dem Strukturhomologien und -differenzen der Positionen plastisch hervortreten.
Auch wenn hier zum Teil grenzwertige Texte behandelt werden, um deren genaue Lektüre die Berlioz-Forschung bislang immer einen Bogen gemacht hat,
ist das Ziel dieses Buches eine vertiefte Rekonstruktion der Logik von Berlioz’ künstlerischem Handeln, keine Pathographie.
Mit diesem Buch fügen sich die Untersuchungen des Autors zur Berlioz-Trilogie. Es antwortet auf den Versuch der Rekonstruktion autobiographischer Strategien im ersten Buch mit deren radikal gesehener Nachtseite, die jedoch durch utopische Versöhnungsszenarien immer wieder aufgehellt wird: Der Sperling, der seiner Vernichtung dadurch entging, daß er sich in den Schlund einer Riesenkanone rettete, ist dafür die schönste Metapher – das Kleinste, Verletzlichste im Größten, Gefährlichsten.


Jetzt habe ich alle drei Teile von Kohrs zusammen, dieses kam Gestern an (für €2,85 mit Porto unglaublich, wenn man das Porto abrechnet hat das Buch mal gerade €1,20 gekostet und war noch Original eingeschweißt) und ist schon etwas schwieriger zu lesen, aber hochinteressant! Zumindest für mich als großer Berlioz Liebhaber!

LG Fiesco
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Timo

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Dienstag, 26. Dezember 2017, 09:02

Ich habe mir

von Gardiner bestellt, aber noch nicht gelesen. Laut dem Bach-Magazin soll es gut sein, auch wenn er mehr auf die Vokal- als die Instrumentalmusik eingeht. Es ist wohl mehr eine Beschreibung der Musik als des Lebens, was ich auch interessanter finde.

Fiesco

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29

Montag, 1. Januar 2018, 21:05

Heute wiedermal drin rumgeblättert .....und immer noch lesenswert bzw. ein Augenschmeichler .....mit vielen tollen Bildern ....

hier

....leider nur noch gebraucht, dafür Preiswert!

LG Fiesco
Il divino Claudio
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Fiesco

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30

Donnerstag, 16. August 2018, 17:23

Hier möchte ich euch die zwei Bände meines lieben Freundes Bernd Stremmel vorstellen.....



.....beruhend auf *Jahrelangem* hören und vergleichen sind diese Bände entstanden und für Beethoven Liebhaber ein willkommenes, ergiebiges und informatives Nachschlagewerk!

LG Fiesco
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