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Gerhard Wischniewski

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1

Sonntag, 26. März 2017, 19:02

Regisseurstheater-Flüchtlinge

Für meine Frau und mich waren die 5 bis 6 Opernveranstaltungen, die wir uns früher jährlich leisten konnten, jedes Mal ein besonderes Erlebnis, bis dass das immer stärker grassierende Regisseurstheater mit seinen irren Verfälschungen der Meisterwerke uns auch diese Freude nahm. Wir kündigten schließlich nach einer Reihe von Enttäuschungen unser Abonnement und beschränkten uns auf das, was das öffentliche Fernsehen übertrug. aber auch hier nahm die Übertragung entstellter Werke immer mehr zu. Glücklicherweise hatte ich eine Reihe älterer Sendungen aufgenommen (damals gab es noch den Theaterkanal) und konnte mit Freunden, die in anderen Kanälen Sendungen mitgeschnitten hatten, DVDs austauschen. Schließlich wurde auch die Kauf-DVDs teilweise günstiger als eine Theaterkarte (wir benötigen immerhin zwei, denn wir sind nur im Doppelpack zu haben). So konnte ich mir eine stattliche Anzahl von über 200 verschiedenen Opern auf DVD zulegen.
Gestern hatten wir nun wieder mal einen Feiertag: Im Kino sahen wir die prachtvolle Inszenierung von Mozarts "Idomeneo" von Jean-Pierre Ponelle (einem der früheren Regisseure, die ihr Handwerk noch verstanden) aus der MET. Zwar kann auch das - zumindest auf das musikalische Empfinden (immerhin Musik aus Lautsprechern, die ich aber in unserem KIno nicht als zu laut empfand) bezogen - den Besuch einer vernünftig inszenierten Oper nicht voll ersetzen, aber es ist zumindest für Opernfreunde eine hochwertige Alternative und immerhin weit besser, als wenn einem die Musik durch irre, nicht zum Werk passende optische Darbietungen vergällt wird.
Nun hatte ich erst vor etwa einem Jahr zufällig erfahren, dass auch im Leverkusener Kinopalast Übertragungen aus der MET stattfinden (aufmerksam geworden war ich durch Berichte hier im Forum). Leider lagen die ersten Termine in dieser Saison für uns aus verschiedenen Gründen ungünstig. Erst zu der Übertragung der "Rusalka" am 25. Februar, die prachtvoll gewesen sein soll, hätten wir gehen können, aber - obwohl ich mich frühzeitig darum bemüht hatte, waren nur noch wenige Plätze in der untersten Reihe direkt vor der Leinwand verfügbar. Hätte ich nur später noch einmal recherchiert! Wegen der hohen Nachfrage, wurde - und wird - inzwischen ein zweiter großer Kinosaal freigegeben, in dem ich dann noch gute Plätze hätte erhalten können. Für "Idomeneo" gelang es, zwei gute Plätze zu erhalten. Auch hier waren zwei Saäle belegt.
Es kam aber noch ein weiteres Erlebnis hinzu. Hier trafen wir zu unserer Freude viele alte Bekannte aus früheren Veranstaltungen in unserem Theater wieder, die inzwischen ebenfalls Regisseurstheater-Flüchtlinge - wie ich - sind (In unserem Theater wurden in dieser Saison keine Opern mehr angeboten - wahrscheinlich wegen zu geringer Nachfrage und vieler gekündigter Abonnements):
Ich habe mich mit vielen unterhalten, die das Regisseurstheater - ähnlich wie ich - als verabscheuungswürdig ansehen und nun Zuflucht zu den überwiegend noch guten Inszenierungen aus der MET gesucht haben. Einer sprach mir mit seiner Meinung, die ich hier im Forum schon ähnlich geäußert habe, besonders aus der Seele: "Ich könnte auch hingehen und einen Rembrandt mit modernen Gestalten übermalen, weil mir dessen Gestalten nicht mehr passen. Aber dann wäre es kein Rembrandt mehr."
Im übrigen bestand das Publikum nicht nur aus älteren Leuten, sondern es waren auch eine Reihe jüngere und Jugendlicher dabei.

Liebe Grüße

Gerhard
Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

m-mueller

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2

Sonntag, 26. März 2017, 20:37

Ist doch wunderbar, daß der Markt funktioniert.

Es gibt einen Bedarf, der nicht mehr gedeckt wird, weil es keine nachfrageadäquaten Produkte mehr gibt. Ein findiges Kino erkennt die Chance und macht ein Angebot. Die Bedarfsträger halten das zwar nicht für optimal, aber besser als nix, und entfalten Nachfrage. So kann man der ideologie-diktierten Mangelverwaltung entkommen. Und die Ideologen können sich dann gegenseitig in ihren kaum noch nachgefragten Produktionen besuchen.

rodolfo39

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  • »rodolfo39« ist männlich

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3

Sonntag, 26. März 2017, 20:54

Ich habe mir die Vorstellung auch im Kino angesehen und mir hat die Inszenierung auch gefallen, weil sie handwerklich gut gemacht war. Was mir weniger gefallen hat war die Länge und die zwei Pausen. Was aber noch gar nicht erwähnt worden ist, war das perfekte Mozart Dirigat von James Levine, der diese Inszenierung schon bei der Premiere in den 80 Jahren dirigeirt hat, und die hervorragenden Sänger, wo es keinerlei Ausfälle gab.

Bertarido

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4

Sonntag, 26. März 2017, 21:16

Und die Ideologen können sich dann gegenseitig in ihren kaum noch nachgefragten Produktionen besuchen.

Achtung, Fake-News! Dass zeitgemäße Operninszenierungen kein Publikum finden, wird auch durch ständiges Wiederholen nicht wahrer. Ich besuche ja ausschließlich die von Euch so gehassten "Regisseurstheater"-Aufführungen, weil mich Theater aus der Mottenkiste langweilt. Und ich habe noch kein einziges Mal erlebt, dass das Opernhaus zu weniger als 80% gefüllt war. Im Gegenteil, meistens sind die Vorstellungen ausverkauft. :thumbup:

rodolfo39

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5

Sonntag, 26. März 2017, 22:21

Die Aussage von Bertarido kann ich zumundesten für die Rheinoper nur bestätigen. Auch viele ältere Leute schauen sich RT Inszenierungen an, wenn sie gut gemacht sind. Einer meiner Sitznachbarn in Düsseldorf ist 79 und sagt immer , wenn wir über Inszenierungen diskutieren, daß früher auch nicht immer alles besser war . Aber ab und an genieße ich auch eine traditionelle Inszenierung, wie gestern Abend.

JumpUp

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6

Sonntag, 26. März 2017, 23:02

Die Qualität von Theater wird doch nicht daran gemessen, dass man einen gewissen Stil zeigt oder Themen besonders konservativ und klassisch auf der Bühne darstellt.
Es geht doch primär darum, den Stoff dem Publikum zu vermitteln und damit zu arbeiten. Eine traditionelle, bzw. werktreue Darstellung ist eben nur eine von vielen. Dies gilt im Sprechtheater wie auch in der Oper.

Ich bin der Meinung, dass es generell mehr zeitgenössische bzw. traditionelle Produktionen geben sollte! Nicht überwiegend, aber zumindest jede 4. oder 5. Premiere darf gerne (eben um ein gewisses Publikum zu bedienen) im klassischen Stil erfolgen.

Ob Regietheater die Häuser leer spielt? Ich glaube nicht!
Nehmen wir beispielsweise die Salome in der letzten Spielzeit der Oper Stuttgart. M. E eine der besten Produktionen die es überhaupt gibt von einem bislang recht unbekannten Regisseur. Musikalisch (insb. dank Simone Schneider) hervorragend.

Ich habe in der Premierenserie fünf Vorstellungen dieser Salome besucht. Während die ersten Vorstellungen nur fast ausverkauft gewesen sind (ca. 90 % Auslastung) waren die letzten drei der Serie schon im Vorverkauf komplett verkauft. Dies lag u. A. daran, dass sich die Qualität der Inszenierung herumgesprochen hat und viele Zuschauer ein zweites oder drittes Mal diese Produktion sehen wollten. Und hierbei nicht trotz Regietheater sondern gerade WEGEN des Regietheaters.
Dies ist kein subjektiver Eindruck von mir. Ich habe mit zahlreichen Personen vor und nach der Vorstellung (Sitznachbarn etc.) darüber gesprochen die Ähnliches berichten.

Ich habe aber auch schon viele, viele misslungene Regietheaterproduktionen gesehen. Es gibt einige Regisseure, bei denen setze ich keinen Fuß mehr in das Opernhaus (Nemirova, Lauffenberg). Aber es geht auch genauso andersherum. Meister wie Konwitschny oder Ruth Berghaus (leider schon lange verstorben) schaffen es den Blick auf ganz bestimme Punkte der Werke zu lenken und somit dem Publikum eine neue Sichtweise zu schaffen. In Hamburg spielt der Tristan eben im Weltall - passt hervorragend!

Ebenso gibt es ja in zahlreichen Konzerthäusern Oper ganz ohne Bühnenbild oder Regisseure: Konzertante Produktione! Diese arbeiten wieder auf ganz andere Weise mit dem Stoff und eröffnen einen sehr musikalischen Blick auf das Werk.
Regietheatergegner müssten in dieser Argumentation ja genauso konzertante Produktionen verabscheuen wie sie es mit modernen tun? Ist ja auch nicht werktreu...

Und wenn man so weiterspinnt müsste man sich noch die Frage stellen: Sind moderne Instrumente nicht auch eine Verfälschung? Wäre Werktreue nicht das Spielen auf ausschließlich historischen Instrumenten?
Es wird absurd...

Insgesamt ist das Statement "das steht so aber nicht im Libretto" für mich leider keine Diskussionsgrundlage um die Qualität eines Regisseurs zu bewerten.

Bertarido

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  • »Bertarido« ist männlich

Beiträge: 2 966

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7

Sonntag, 26. März 2017, 23:25

Insgesamt ist das Statement "das steht so aber nicht im Libretto" für mich leider keine Diskussionsgrundlage um die Qualität eines Regisseurs zu bewerten.

Dem stimme ich uneingeschränkt zu.

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

Beiträge: 19 027

Registrierungsdatum: 9. August 2004

8

Sonntag, 26. März 2017, 23:38

Wenns mich persönlich auuch nicht wahnsinnig stört, so ist dieser Thread wieder umfunktioniert worden, in einen, wo Sige Regietheatergegner und -Befürworter befetzen und gegenseitig durchsichtige "Argumente" liefern warum Oper so oder so sein sollte,
Der Sinn des Threads - wenn ich ihn richtig verstnden habe .- war doch , zu zeigen, daß die vertriebenen RT.Gegner sich ein Exil gesucht und gefundenhaben . und dass ies die gleichen Plätze aufsuchen, ohne sich miteinander abgesprochen zu haben, und ferner sollte offensichtlich darauf hingewiesen werden, daß der Andrang zu diesen "Opernkinos" so groß ist, daß es oft sogar schwierig ist, dort Karten zu bekommen.
Ob man darauantworten kann, das ist eine schwierige Frage, weil rin Teil der RT-Gegner sitzt ausserhalb des Forums, der Rest möchte sich nicht in die Nesseln setzten.
Nun kommen die Befürworter und "beweisen", daß auch ältere Leute GERN in die Vorstellungen kommen und die Auslastung bei 80 % liegt. Offebar, weil das so ist, fusionieren in Deutschland zahlreiche Häuser miteinander.

Mir persönlich fält dazu ein, daß ich neulich ablehnendes über einen bekannten Technik-Supermarkt geäussert habe.
"Aber DU kauft ja AUCH dort ein" - Das ist richtig . Aber weder GERN, noch FREIWILLIG alle MEINE Händler haben wegen dieser M.... schliessen müssen (Ich übrigens 1997 auch) Ich möcht nichtr als Beispiel herangezogen werden, da0 ich dirt ein zufriedener Kunde bin, Denn die meisten elitären Artikel - solche die ich regelmäßig kaufte, sind aus den Regalen verrschwunden. So geht es mir auch regelmäßig mitdiversen Eissorten (Calippo Erdbeer, Calippo Cimone, Calippo Orange etc all diese fruchtigen Sorten wurden auf picksüsse Milch- Karamle - und Schokoladebreie umgestellt) und Brot, wo alle 3 oder 4 Jahre das Sortiment umgestellt wird "Sie wollen doch auch Abwechslung haben" - NEIN will ich nicht, Dinge des Täglichen Lebens, da prüfe ich bis zu 2 Jahren, welche Marken und Produkte die besten sind . und dann benutze ich sie lebenslang.
Beim Theater und der Oper bin ich an "Neudeutungen" ebenfalls nicht interessiert. Operntheater ist ein museales Genre, Es werden mir "Ideen" von Leuten aufgezwungen, die ich nicht mal grüßen würde. Es geht hier lediglich darum, an den Stücken zu basteln, weil dan jeder unbedeutende Handwerker sein Produkt als "Kunst" vermarkten kann. Das mit der Zustimmung zum Regietheater ist ähnlich wie mit der angeblichen ZÄustimmung der Österreicher zu EU, Weil man sich sicher ist daß wir dafür sind, lässt man uns gar nicht erst abstimmen...
Das Ergebnis wäre ähnlich wie in England, vielleicht noch dramatischer.
Im Falle des Theaters ist es schwer eine Front gegen das RT zu finden, einfach weil Theater der Mehrzahl der Bevölkerung einfach egal ist.....Daran wird sich nichts ändern solange noch Geld für Subventionen da ist - und das wird meiner Einschätzung nach nicht mehr lange der Fall sein.
Deshalb beteilige ich mich auch nur sehr selten an diesen RT.Threads, weil die Zeit ohnedies bereit für uns arbeitet. Man muß nur genau beobachten.......

Freundliche Grüße aus Wien
Alfred
Im Falle der Oper ist es leider schwer

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

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Registrierungsdatum: 9. August 2004

9

Sonntag, 26. März 2017, 23:51

Zitat

Insgesamt ist das Statement "das steht so aber nicht im Libretto" für mich leider keine Diskussionsgrundlage um die Qualität eines Regisseurs zu bewerten.
:hahahaha:

Ich übersetzte mal

Zitat

Insgesamt ist der Inhalt des Rezeptes einer Sachertorte wie sie immer schon zubereitet wurde leider keine Diskussionsgrundlage für die Qualität einer Sachertorte und ihrer kreativen Umgestalter


Zitat

für mich leider keine Diskussionsgrundlage um die Qualität eines Regisseurs zu bewerten


Darüber wwill ich auch gar nicht diskutiern, der Stab ist schon gebrochen. Es gibt Dinge, da gibt es keine Diskussionsgrundlage, sie sind ganz einfach TABU !!!!

Ich erinnere mich an eine Aussage eines Kardinals (ich glaube es war in einem Spielfilm, kann aber auch eine Reportage gewesen sein), Wo jemand sagte: Die Frage ob es Gott gibt werden sie mir wohl nichr schlüssig beantworten können,
Die Antwort darauf war (aus dem Gedächtnis zitiert) "Die Frage werde ich nicht beantworten, weil sie sich gar nicht erst stellt"

Damit ist meine Position zum Thema RT klargestellt und bedarf keiner weiteren Erörterung.

(Ich warte einfach den weiteren Verlauf der Dinge ab)

Dennoch - beste Grüße
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Bertarido

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  • »Bertarido« ist männlich

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Registrierungsdatum: 24. April 2014

10

Montag, 27. März 2017, 00:21

Es gibt Dinge, da gibt es keine Diskussionsgrundlage

Zumindest soweit sind wir uns einig: es macht keinen Sinn, mit Dir und anderen Fundamentalisten über Opern-Inszenierungen zu diskutieren. Es fehlt schlicht und einfach die Grundlage einer gemeinsamen Rationalität. Was man aber sehr wohl tun kann: Falsche Behauptungen und Scheinargumente als solche zu entlarven. Denn ebenso wie Dein Kardinal die Existenz Gottes nicht begründen kann, könnt Ihr nicht begründen, warum Opern nur so und nicht anders inszeniert werden dürfen.

JumpUp

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  • »JumpUp« ist männlich

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Registrierungsdatum: 4. Januar 2017

11

Montag, 27. März 2017, 00:29

Die Grundaussage dieses Themas hier ist auch falsch
Ich habe diverse Produktionen der MET, welche in Deutschland im Kino übertragen worden sind, verfolgt

Da sind zahlreiche Regietheaterproduktionen dabei
Insbesondere die Elektra (Chereau) sowie Tristan sind mir ein Begriff in den letzten Wochen

Vielleicht hat die MET zahlreiche älterer Produktionen, aber dass diese Inszenierungen die Leute ins Kino holen ist falsch, da eben auch die MET Regietheater im Angebot hat

JumpUp

Anfänger

  • »JumpUp« ist männlich

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Registrierungsdatum: 4. Januar 2017

12

Montag, 27. März 2017, 00:33

Oper im Kino ist für sich ja schon Regietheater!
Kein Komponist wollte, dass seine Werke im Kino übertragen werden.

Oper im Kino entspricht damit nicht der Intention des Komponisten!

Rheingold1876

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13

Montag, 27. März 2017, 07:35

Oper im Kino ist für sich ja schon Regietheater!
Kein Komponist wollte, dass seine Werke im Kino übertragen werden.


Nun dürften die wenigsten Komponisten, deren Opern aus der Met übertragen werden, geahnt haben, dass dies dereinst möglich sein würde. ;) Dennoch finde Deine These interessant. Selbst lehne ich solche Veranstaltungen für mich ab, habe noch nie eine besucht. Ich sehe darin die Verneinung von Theater. Andererseits kann ich aber jeden gut verstehen, der sich Vorstellungen auf diese Weise ansieht. Sie stellen eine Bereicherung dar. Momentan gehen ja wieder Gerüchte um, dass es der Met nicht besonders gut geht. Womöglich haben auch diese Kino-Übertragungen dazu beigetragen. Ein Teil des potenziellen Publikums begnügt sich damit, statt die horrenden Eintrittskarten zu bezahlen. Außerdem ist das Haus für meine Vorstellungen viel zu groß. Man sieht und hört nicht optimal. Die musikalische Qualität ist meistens so wie überall - vielleicht bis auf die Übertragungen. Da muss mehr geboten werden. Ich halte es für einen Trugschluss, in der Met den Garanten für den Fortbestand des gutbürgerlichen Inszenierungsstils zu sehen. Daraus wird wohl nichts. Die USA sind kein Fluchtpunkt mehr - auch nicht für verbitterte und genervte Operngänger. Abgesehen davon, dass mein Reiseinteresse an Amerika derzeit bei Null angelangt ist, würde ich so schnell nicht wieder in die Met zu bringen sein. Was immer ich dort gesehen habe - und es kommt einiges zusammen - hat mich enttäuscht. Allenfalls der Konfettiregen bei der Verabschiedung von Mirella Freni nach einer "Fedora"-Vorstellung hat mir so richtig gut gefallen. :)

Gruß Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

rodolfo39

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14

Montag, 27. März 2017, 10:12

Lieber Rhein gold,
zumindestems in Oberhausen, ist die Akustik und die Bildqualität sehr gut. Wo kann man so günstig für 30 Euro eine Vorstellungen aus der MET sehen ? Interessant sind auch immer die Interviews und die Umbauarbeiten in den Pausen. Und ich habe ja schon am Anfang geschrieben, daß ich es schade gefunden hab, daß überhaupt nichts zum Dirigenten und den Sänger geschrieben worden ist.,

Gerhard Wischniewski

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15

Montag, 27. März 2017, 11:57

Zitat

Zitat von Rodolfo: Und ich habe ja schon am Anfang geschrieben, daß ich es schade gefunden hab, daß überhaupt nichts zum Dirigenten und den Sänger geschrieben worden ist.,
Lieber Rodolfo,

die musikalische Seite war ohne jeden Zweifel hervorragend. Übrigens ist James Levine in Hinsicht auf die Oper mein Lieblingsdirigent, von dem ich eine ganze Reihe von Opernaufnahmen besitze. Im Übrigen habe ich hier schon des Öfteren betont, dass ich mich über Sänger nicht auslassen werde, weil ich mich dazu nicht kompetent genug fühle. also wirst du auch künftig von mir keine Kritiken zu Sängern hier finden.
Du hast aber trotz Alfreds eindeutiger Erläuterung den Sinn dieses Themas immer noch nicht richtig erkannt. Es ging mir hier darum, aufzuzeigen, wo für Regisseurstheater-Flüchtlinge ein hervorragendes Ausweichquartier entstanden ist. Und ich war erstaunt, dort viele Bekannte aus früheren Zeiten wiederzufinden.

Zitat

Zitat von Bertarido: Denn ebenso wie Dein Kardinal die Existenz Gottes nicht begründen kann, könnt Ihr nicht begründen, warum Opern nur so und nicht anders inszeniert werden dürfen.
Lieber Bertarido,

die Begründung findest du an vielen Stellen in diesem Forum. Es ist schon sehr häufig betont worden, dass das Kunstwerk nicht nur aus der Musik, sondern auch aus einer im Libretto festgelegten Handlung besteht, die ein wesentlicher Bestandteil
des Werkes ist. Dies ist für mich ein schlagender Beweis, dass bei einer Entstellung dieser Handlung ein wichtiger Teil des Werkes zerstört wird. Die von euch immer wieder proklamierte sogenannte "Freiheit der Kunst" kann im meinen Augen nicht darin bestehen, dass ich die Werke anderer (vergleiche Islamischer Staat) einfach zerstöre. Wie schon durch das Zitat im Eingangsbericht und auch hier öfter gesagt: Ich kann doch genau so wenig hingehen und einen Rembrandt (oder ein anderes Kunstwerk) überschmieren und und die Leute betrügen, indem ich es dann als das Originalwerk deklariere. Das Argument, dass es keine Beweise gäbe und alle abwegigen langatmigen philosophischen Erörterungen ziehen bei mir und vielen anderen eben nicht. Ihr könnt sie euch sparen.

Liebe Grüße
Gerhard
Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

dr.pingel

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16

Montag, 27. März 2017, 13:13

Oper im Kino ist für sich ja schon Regietheater!
Kein Komponist wollte, dass seine Werke im Kino übertragen werden.



Schon Monteverdi hat sich in einem seiner Briefe dagegen verwahrt, Heinrich Schütz verbrannte bekanntlich wegen dieser Befürchtung seine "Daphne"; Bach und Brahms haben deswegen erst keine Oper geschrieben. Nur Händel war der Meinung, dass seine Opern, wie er schrieb, "sich besonders für das Kino, wenn es erst einmal erfunden ist, eignen."
Eichendorff, In der Fremde.
Aus der Heimat hinter den Blitzen rot/ da kommen die Wolken her,/ aber Vater und Mutter sind lange tot,/ es kennt mich dort keiner mehr./ Wie bald, wie bald kommt die stille Zeit,/ da ruhe ich aus und über mir/ rauscht die schöne Waldeinsamkeit,/ und keiner kennt mich auch hier (vertont von Robert Schumann).

Bertarido

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17

Montag, 27. März 2017, 13:26

Lieber Bertarido,

die Begründung findest du an vielen Stellen in diesem Forum. Es ist schon sehr häufig betont worden, dass das Kunstwerk nicht nur aus der Musik, sondern auch aus einer im Libretto festgelegten Handlung besteht, die ein wesentlicher Bestandteil
des Werkes ist. Dies ist für mich ein schlagender Beweis,

Das ist eine ebenso gute "Begründung" wie die Behauptung, Gott existiere, weil es in der Bibel so stehe (um die von Alfred ins Spiel gebrachte Analogie noch einmal zu bemühen).

Wie schon durch das Zitat im Eingangsbericht und auch hier öfter gesagt: Ich kann doch genau so wenig hingehen und einen Rembrandt (oder ein anderes Kunstwerk) überschmieren und und die Leute betrügen, indem ich es dann als das Originalwerk deklariere.

Dass dies kein treffender Vergleich ist, wurde hier schon so oft nachgewiesen, dass ich die ständige Wiederholung nur als Zeichen von Starrsinn deuten kann.


Das Argument, dass es keine Beweise gäbe und alle abwegigen langatmigen philosophischen Erörterungen ziehen bei mir und vielen anderen eben nicht. Ihr könnt sie euch sparen.

Wie ich schon zu Alfred sagte: Es macht keinen Sinn, mit Leuten zu diskutieren, die sich weigern, Argumente auch nur zur Kenntnis zu nehmen. Seine eigene Position zur absoluten Wahrheit zu erklären, die keiner Begründung mehr bedarf, ist Dogmatismus. Und mit Dogmatikern kann man nicht diskutieren, man kann sie nur als solche entlarven und bekämpfen. Auch hier ist die Analogie zur katholischen Kirche durchaus zutreffend.

La Roche

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18

Montag, 27. März 2017, 13:36

In Hamburg spielt der Tristan eben im Weltall - passt hervorragend!

Ebenso gibt es ja in zahlreichen Konzerthäusern Oper ganz ohne Bühnenbild oder Regisseure: Konzertante Produktione! Diese arbeiten wieder auf ganz andere Weise mit dem Stoff und eröffnen einen sehr musikalischen Blick auf das Werk.
Regietheatergegner müssten in dieser Argumentation ja genauso konzertante Produktionen verabscheuen wie sie es mit modernen tun? Ist ja auch nicht werktreu...
Eben diesen Tristan möchte ich nicht sehen, aus Prinzip. Nenn mich verkalkt, nenn mich altmodisch oder sonst was, ich habe meine Vorstellungen von einer Oper, und Tristan im Weltall gehört da nicht rein, ebensowenig wie der Ring ins Ölgeschäft, der Rigoletto bei die Affen oder Lohengrin ins Klassenszimmer usw.....

Da würde ich mir es schon total vorziehen, Oper konzertant zu erleben, und das habe ich schon Dutzende mal getan. U.A. sogar einen Tristan, und er hat musikalisch ungeheuren Spaß gemacht. Das ist dann wie CD, nur live.

Ich stehe auf der Seite von Gerhard, der auch lieber im Kino Oper ansieht als im Theater verunstaltete Aufführungen. Aber in beiden Fällen will ich vorher wissen, was der Regisseur gemacht hat. Eine verunstaltete Oper im Kino geht genauso wenig wie im Theater, da gehe ich für die 30,- Euro pro Karte lieber mit meiner Frau fein essen. Und das Geld reicht dann sogar noch für 2-3 Biere.

Ich gönne es ja den Regietheaterfans, daß sie sich daran begeistern, was mich abstößt. Aber bitte dann auch andersrum. Und da sind wir von der traditionellen Fraktion im deutschsprachigem Raum leider sehr, sehr schlecht bedient.

Herzlichst La Roche
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Hüb'

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19

Montag, 27. März 2017, 13:43

Oh, endlich eröffnet mal jemand einen Regietheaterthread...äh, doch nicht, ist ja tatsächlich ein Regisseurstheaterthread... :baeh01:

La Roche

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20

Montag, 27. März 2017, 13:46

Es macht keinen Sinn, mit Leuten zu diskutieren, die sich weigern, Argumente auch nur zur Kenntnis zu nehmen.
Philosophie ist für Außenstehende kein Argument. Philosophie ist für mich ein theoretischer Aspekt, der auf eine praktische Sache wie eine Oper nicht angewendet werden sollte, auch nicht in der Auslegung. Sonst werden viele Menschen nicht erreicht. Ich zähle mich auch dazu.

Das Ärgerliche ist immer, daß sich Menschen bekämpfen, die jeder für sich Sympathieträger sein können. Beim Bestehen auf der eigenen Meinung können sie aber so unversöhnlich sein, daß die Sympathie umschlagen kann. So ist es in der Politik (z.B. Einstellung zu Putin, zu Trump, zu Orban oder zu Merkel), so ist es im Sport (RB Leipzig, Bayern, Dortmund usw). Wir müssen wieder lernen, die Meinung Andersdenkender zu akzeptieren, anstatt sie bekehren zu wollen. Das ist auch hier so. Ich laß Dir Deine Meinung, laß Du mir meine. Am meisten störend empfinde ich den erhobenen symbolischen Zeigefinger.

Herzlichst La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer


La Roche

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21

Montag, 27. März 2017, 13:47

Schon Monteverdi hat sich in einem seiner Briefe dagegen verwahrt, Heinrich Schütz verbrannte bekanntlich wegen dieser Befürchtung seine "Daphne"; Bach und Brahms haben deswegen erst keine Oper geschrieben. Nur Händel war der Meinung, dass seine Opern, wie er schrieb, "sich besonders für das Kino, wenn es erst einmal erfunden ist, eignen."
Köstlich!!!

Herzlichst La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer


Gerhard Wischniewski

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22

Montag, 27. März 2017, 14:00

Zitat

Zitat von Bertarido: Das ist eine ebenso gute "Begründung" wie die Behauptung, Gott existiere, weil es in der Bibel so stehe (um die von Alfred ins Spiel gebrachte Analogie noch einmal zu bemühen).
Lieber Bertarido,

dieser Vergleich hinkt so stark, wie er nur hinken kann. Gott können wir nicht nachweisen. Man kann daran glauben oder ihn leugnen. Das Libretto, zu dem der Komponist seine Oper geschrieben hat (Wagner z.B. hat sogar seine Libretti selbst geschrieben, weil er ein Gesamtkunstwerk schaffen wollte), ist aber eine Realität, und damit eine eindeutige Anweisung, wie das Werk inszeniert werden soll, die man nicht leugnen kann und die nur ihr zu leugnen versucht. Hier wurde auch oft - welch dämliches Argument! - ein Wagnerzitat herangezogen: "Schafft Neues, Kinder", womit er nur gemeint haben kann, dass wirklich Neues geschaffen werden und nicht das schon Vorhandene einfach überschmiert werden soll. Ganz im Gegenteil!! In seinem Brief an Heinrich Heine von 1852 schreibt Wagner:
Garnichts liegt mir daran, ob man meine Sachen gibt: mir liegt daran, dass man sie so gibt, wie ichs mir gedacht habe; wer das nicht will und kann, der soll's bleiben lassen. Das ist meine ganze Meinung.
Ich verstehe nicht, wie sich vernünftige Menschen zu solchen Vergleichen und Argumenten hinreißen lassen und die Realität zu leugnen versuchen.


Liebe Grüße
Gerhard
Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

Dieter Stockert

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Registrierungsdatum: 27. September 2014

23

Montag, 27. März 2017, 14:11

Es macht keinen Sinn, mit Leuten zu diskutieren, die sich weigern, Argumente auch nur zur Kenntnis zu nehmen.
Philosophie ist für Außenstehende kein Argument.
Wann das auf Holger bezogen ist: Nur weil er Philosoph ist, heißt das noch nicht, dass er nicht auch anders, zum Beispiel musik- und theaterwissenschaftlich argumentieren kann. (Mal ganz abgesehen davon: Ich habe gelernt, dass philosophisches Denken sehr scharfsinnig und genau sein kann – eine Eigenschaft, die nicht jedem Diskutanten hier gegeben ist.)
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)

chrissy

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Registrierungsdatum: 20. Oktober 2010

24

Montag, 27. März 2017, 14:30

Oper im Kino ist für sich ja schon Regietheater!
Kein Komponist wollte, dass seine Werke im Kino übertragen werden.
Gut zu wissen, daß Du das ganz sicher weißt. Es wäre interessant zu erfahren, welcher Komponist Dir das mitgeteilt hat.
Oper im Kino entspricht damit nicht der Intention des Komponisten!
Demzufolge glaube ich, Schauspiel im Kino entspricht ganz sicher auch nicht den Intentionen eines Autors /Dichters.
Es wäre also bestimmt auch nicht die Intention des Autors /Dichters Shakespeare, daß seine beiden Werke "Hamlet und Richard III." vor mehr als 60 Jahren mal in die Kinos kamen.
In Hamburg spielt der Tristan eben im Weltall - passt hervorragend!
Jawohl, das stimmt, das paßt hervorragend. Das entspricht garantiert Wagner´s Intention. Solch eine Inszenierung, die hätte er gewollt.
Vor Begeisterung und Freude über solch eine tolle Idee, hätte er ganz sicher Purzelbäume geschlagen.
CHRISSY
Jegliches hat seine Zeit...

La Roche

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25

Montag, 27. März 2017, 14:34

Warum, lieber Herr Stockert, mußt Du gleich zurückschießen?

Laß mir meine Meinung, ich laß Dir Deine ja auch. Als Naturwissenschaftler brauche ich die Philosophie nicht, um zu begreifen, "was die Welt im Innersten zusammenhält". Da reichen mir Naturgesetze. In dieser Region zu denken, das habe ich gelernt, sonst sind wir sehr schnell wieder beim Ei und der Henne. Und das hat hier nichts zu suchen.

Übrigens sind mir Eier zum Verzehr sehr angenehm. Ich hoffe nicht, daß mir das die von Dir zitierte Scharfsinnigkeit geraubt hat.

Herzlichst La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer


Bertarido

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26

Montag, 27. März 2017, 14:49

Philosophie ist für Außenstehende kein Argument.

Lieber La Roche, alle theoretischen Überlegungen als "Philosophie" abzuqualifizieren ist ja etwas, das zum Beispiel Gerhard gerne tut, ich habe ihn nur zitiert. Mir geht es darum, dass man bereit sein sollte, die eigene Position zu hinterfragen und anzuerkennen, dass diese auf Voraussetzungen beruht, die keineswegs selbstverständlich sind. Holger hat hier immer wieder mit historischen und ästhetischen Argumenten begründet, warum die Behauptung "es muss so aufgeführt werden wie es im Libretto steht" eben nicht so selbstverständlich ist, wie sie immer wieder hingestellt wird. Aber diese Argumente werden ganz bewusst nicht einmal zur Kenntnis genommen und als "irrelevante Philosophie" abqualifiziert. Stattdessen werden die eigenen Glaubenssätze (denn solche sind es dann nur) stets aufs neue mantraartig wiederholt. Und das ärgert mich.

Ich habe überhaupt nichts dagegen, dass andere einen Inszenierungsstil bevorzugen, der mir nicht gefällt, und dass Ihr Euch dafür einsetzt, wieder mehr in dieser Art aufzuführen. Und ich gönne Dir und jedem anderen die Begeisterung daran ebenso, wie Du mir die Freude an dem gönnst, was Dir nicht gefällt. Aber dann sollte man auch so ehrlich sein wie Du und sagen: Das ist eben mein Geschmack, so wünsche ich es mir, und alles andere interessiert mich nicht. Wenn sich aber jemand hinstellt und alle abweichenden Regiekonzepte als "Verunstaltung" beschimpft und Anhänger des sogenannten Regietheaters und die vielen daran beteiligten Kunstschaffenden auf übelste verunglimpft, wie hier leider schon oft geschehen, dann sind die Grenzen meiner Toleranz erreicht.


Wir müssen wieder lernen, die Meinung Andersdenkender zu akzeptieren, anstatt sie bekehren zu wollen. Das ist auch hier so. Ich laß Dir Deine Meinung, laß Du mir meine. Am meisten störend empfinde ich den erhobenen symbolischen Zeigefinger.

Das sehe ich ganz genauso. Leider habe ich da in Bezug auf dieses Thema wenig Hoffnung.

Dieter Stockert

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27

Montag, 27. März 2017, 20:46

Die von euch immer wieder proklamierte sogenannte "Freiheit der Kunst"
Dazu ein Zitat der Komponistin, Pianistin und Autorin Lera Auerbach: »Jedes Kunstwerk – sei es ein Gedicht, ein Gemälde, eine Symphonie, in bester Form – ist viel größer als sein Schöpfer; oder zumindest Mitschöpfer, derjenige, der den Stift festhält; derjenige, der, was auch immer geschieht, Anspruch auf den Titel des Autors erhebt.«
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)

JumpUp

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28

Montag, 27. März 2017, 20:50

Generell ist mir auch nicht verständlich, warum eine Opernaufführung unbedingt den Intentionen des Komponisten entsprechen muss? Es muss den Ansprüchen der Kunst, des Publikums und den Sängern genüge getan sein - aber doch nicht dem Komponisten?

Es gibt ja zahlreiche Opern die Schwachstellen aufweisen. Hier gilt es für den Regisseur entsprechend zu agieren um diese Schwachstellen zu erklären oder zu überspielen

Dr. Holger Kaletha

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29

Montag, 27. März 2017, 21:28

Die von euch immer wieder proklamierte sogenannte "Freiheit der Kunst" kann im meinen Augen nicht darin bestehen, dass ich die Werke anderer (vergleiche Islamischer Staat) einfach zerstöre.
Eduard Hanslick hat Richard Wagners Polemik gegen Meyerbeer mal kritisch vorgehalten, dass Künstler nicht wie Verbrecher zu behandeln sind. Hier kommt nun die nächste Eskalationsstufe, indem unliebsame Künstler mit IS-Terroristen gleichgesetzt werden. Geschmackloser und peinlicher geht es kaum noch. Oder etwa doch? RT-Hasser überraschen immer wieder damit, dass sie stets noch einen draufsetzen können, wenn es um die Verunglimpfung dessen geht, was sie verabscheuen.
Philosophie ist für Außenstehende kein Argument. Philosophie ist für mich ein theoretischer Aspekt, der auf eine praktische Sache wie eine Oper nicht angewendet werden sollte, auch nicht in der Auslegung. Sonst werden viele Menschen nicht erreicht. Ich zähle mich auch dazu.
Die Philosophie braucht auf eine Sache wie die Oper gar nicht angewandt zu werden, weil sie nämlich in der Oper ganz praktisch schon drinsteckt. Und das in vielerlei Hinsicht - sowohl was das Werk angeht als auch die Inszenierung. Ich hoffe, ich muss keine Eulen nach Athen tragen und dafür Beispiele bringen...
Das Libretto, zu dem der Komponist seine Oper geschrieben hat (Wagner z.B. hat sogar seine Libretti selbst geschrieben, weil er ein Gesamtkunstwerk schaffen wollte), ist aber eine Realität, und damit eine eindeutige Anweisung, wie das Werk inszeniert werden soll, die man nicht leugnen kann und die nur ihr zu leugnen versucht.
Schlichtweg falsch - sowohl sachlich als auch historisch, was die Aufführungspraxis angeht. Aber RT-Hasser sitzen halt in einer Filterblase und nehmen die Realität längst nicht mehr wahr. Komponisten (auch Wagner) und Librettisten haben eben nicht nur Libretti geschrieben, sondern immer wieder fleißig umgeschrieben.
Als Naturwissenschaftler brauche ich die Philosophie nicht, um zu begreifen, "was die Welt im Innersten zusammenhält". Da reichen mir Naturgesetze.
Und um zur Konzeption der "Weltformel" zu kommen und zum Begriff des Naturgesetzes, dazu brauchte es eine ganze Geschichte der Philosophie. Im übrigen haben nicht alle naturwissenschaftlichen Aussagen den Status von Naturgesetzen. Solche Aussagen werden klassifiziert - und auch das ist Philosophie. Wer theoretische Physik treibt, kommt ohne Philosophie nicht aus - siehe Planck, siehe Heisenberg, siehe Progogine etc. etc.

Schöne Grüße
Holger

Alfred_Schmidt

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30

Montag, 27. März 2017, 21:54

Zitat

RT-Hasser überraschen immer wieder damit, dass sie immer noch einen draufsetzen können, wenn es um die Verunglimpfung dessen geht, was sie verabscheuen.


Das ist aber keine spezifische Eigenart der RT-Hasser, sondern eine (un ?) "menschliche" Eigenschaft überhaupt.
Der türkische Präsident will seine Gegner umbringen - und er wird sich dazu die Zustimmung seine Volkes holen.
Wenn Bertarido schreibt, es stehe nirgends geschrieben, daß Theater "anders" interpretiert werden darf, dann stimmt das ganz einfach nicht - MAN HÄLT SICH NUR NICHT DARAN !
Es ist als ob man bei Rot über eine Ampel geht - Es ist verboten - aber solange es nicht geahndet wird werden die Leute machen was sie wollen. Ein Kaiser von China hat beispielsweise den Alkohol verboten und auf Trunkenheit die Todesstrafe gesetzt.
Das Verbot allein ist kein wirksames Mittel, erst die in Aussischt gestellte - und im Ernstfall angewandte Strafe - bringt die angestrebte Ordnung. Im Falle des RT könnte eine konservative Regierung - und das müsste nicht mal schriftlich fixiert sein - allen mißliebigen Intendanten nach Ende ihres Vertrages denselben nicht mehr verlängern und keine neuen mehr geben. Noch sanfter, aber ebenso wirksam ist es, wenn ich derartigen Häusern die Subventionen allmählich so kürze, dass ein weiterer Spielbetrieb nicht - oder nur unter schwierigsten Bedingungen möglich ist.

Aber nur eine Nebenfrage: Ist der Thread eigentlich noch dort wo er dem Titel nach sein sollte ???

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix