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Knusperhexe

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1

Samstag, 13. Mai 2017, 16:09

Die schönsten - und leider nicht mehr vorhandenen Opernhäuser

Liebe Taminos,

angeregt vom Zeitmaschinenthread, frage ich euch: Habt Ihr auch Lieblingstheater, von denen Ihr wünscht, sie stünden noch?

Mir ist es nach wie vor unbegreiflich, wie man ein so traditionsreiches Haus, wie die alte MET einfach abreißen konnte in den 1970er Jahren!



Ebenso unverständlich wird es mir immer bleiben, wieso die Düsseldorfer Oper nach dem Krieg Ihrer komplett erhaltenen Historismusfassade beraubt wurde:



Auch der Abriss der Leipziger Oper erfolgte aus ideologischen Gründen:


Und wirklich bitter ist auch die Umegstaltung des Essener Grillo-Theaters:


Doch am schlimmsten finde ich den Abriss der nur beschädigten Kölner Oper im Jahre 1958 (!). Es war der größte Theaterbau Deutschlands, mit hervorragender Akustik und erlesenem neobarocken Jugendstildekor, dessen Reste heute in den Depots unzugänglich verrotten:





Hoffnung besteht dagegen noch für das alte Frankfurter Schauspielhaus, das nach dem Krieg zum Opernhaus umfunktioniert wurde und 1962 eine grässliche Schuhkartonfassade übergestülpt bekam. Die ist jetzt so marode, dass sich eine Bürgerbewegung organisiert hat, die den Vorkriegszustand zurückfordert. Die Debatte verläuft ähnlich heiß wie beim Regietheater. Mal sehen, wer gewinnt. immerhin, die Rekonstruktion ihrer Altstadt haben die Frankfurter schon erreicht:







https://www.frankfurtdeinestadt.de/frank…le/proposal/234
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La Roche

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2

Sonntag, 14. Mai 2017, 10:05

Liebe Knusperhexe,

danke für die herrlichen Bilder. So ein schönes Opernhaus wie es Köln wohl hatte abzureißen, das war wohl damals "zeitgemäß". Schön, daß Du es eingestellt hast.

auch das neue Aalto-Theater in Essen ist Geschmackssache. Viele loben es, ich kenne weder das alte noch das neue Theater.

Positiv finde ich den Neubau der Chemnitzer Oper, sehr praktisch, mit Tiefgarage unter dem Haus, direkter Zugang zur Garderobe usw. Es hat äußerlich Würde. Innen modern, aber nicht abstoßend, mit einer guten Akustik. Wir fahren da gerne hin, in das "sächsische Bayreuth"! Leider finde ich kein einstellbares Bild der alten Oper, die im Krieg total zerbombt wurde. Der Neubau (siehe unten) soll aber äußerlich der alten Oper nachempfunden sein.





Herzlichst La Roche
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Nihil fit sine causa

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

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3

Sonntag, 14. Mai 2017, 10:33

Danke, lieber Knusperhexe, ein schönes, verbindendes Thema.

Herzlichst
Operus
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Rheingold1876

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4

Sonntag, 14. Mai 2017, 10:42

Auch der Abriss der Leipziger Oper erfolgte aus ideologischen Gründen:

Lieber Knuspi,

herzlichen Dank für die konkrete Information und das Thema selbst. Ich ging immer davon aus, dass das alte Leipziger Opernhaus am Augustusplatz bei einem der schwersten Bombenangriffe auf die Stadt in den Morgenstunden des 4. Dezember 1943 zerstört worden ist. Als letzte Vorstellung soll es am Abend zuvor Wagners "Walküre" unter der Leitung von Paul Schmitz gegeben haben, der später auch im neuen Haus wirkte. Bilder für diese Fakten habe ich allerdings noch nie gesehen. Muss ich daraus schließen, dass das Opernhaus doch erst nach Kriegsende "aus ideologischen Gründen" durch die Abrissbirne zerstört wurde? Für weitergehende Ausführungen wäre ich Dir sehr dankbar, zumal ich den Neubau gar nicht mal schlecht finde. Innen gefällt er mir noch besser als außen. Sehr würdig und erhaben. Und neuerdings gut renoviert.

Was nun die alte Met anbetrifft, soll dieses Haus zuletzt eine regelrechte "Bruchbude" gewesen sein. Ich erinnere mich, das so auch in Erinnerungen von Sängern dargestellt gefunden zu haben. Der Brandschutz soll nicht mehr gewährleistet gewesen sein. Es habe kaum Garderoben, Übungsräume und Platz fürs Publikum in den Pausen gegeben. Diese bekannten Fotos vom Zuschauerraum aus der Weitwinkelperspektive dürften nicht das wirklichkeitsgetreueste Abbild sein. Ein Abriss sei wohl unumgänglich gewesen, weil auch das Grundstück keinen Platz für eine Erweiterung bot. An der Stelle steht heute ein Kaufhaus. Guck Dir mal die Lage bei einem Besuch in New York genau an. Du wirst erstaunt sein, wie bescheiden die Ausmaße des Fleckens sind, auf dem die alte Met einst stand. Ich bin es jedenfalls gewesen. Hinzu kommt, dass die Amerikaner lange keinerlei Bewusstsein für so etwas wie Denkmalschutz hatten. Sogar die intakte und legendäre Carnegie Hall wäre für einem Büro- und Hotelneubau geopfert worden, wenn nicht Isaac Stern und seine Freunde so energisch für den Erhalt gekämpft hätten. Das war wohl auch Anlass für einen Paradigmenwechsel in der Frage.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Reinhard

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5

Sonntag, 14. Mai 2017, 11:09

Zitat von »Knusperhexe«
Auch der Abriss der Leipziger Oper erfolgte aus ideologischen Gründen:

Das wäre mir auch neu, denn nach dem Angriff war das Haus definitiv nicht mehr bespielbar und das Opernensemble zog in die Interimsspielstätte in Leipzig Lindenau um (Operettentheater - Musikalische Komödie).
Ich werde mich mal umhören.
Leiste guten Menschen Gesellschaft, und du wirst einer von ihnen werden. Miguel de Cervantes

Reinhard

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6

Sonntag, 14. Mai 2017, 11:29

Nach dem mir bewußt wurde, daß das alte Opernhaus Leipzig "Neues Theater" hieß, bin ich auch bezüglich eines Bildes des zerstörten Gebäudes fündig geworden.
Hier, auf einer Seite der HTWK
findet man auch noch einige andere Bilder.
Ob es nun technisch möglich und finanziell vertretbar gewesen wäre, die Ruine zu erhalten, weiß ich nicht. Ideologische Gründe kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, es war ja weder ein kirchliches noch ein nationalsozialistisch belastetes Gebäude.


 
Leiste guten Menschen Gesellschaft, und du wirst einer von ihnen werden. Miguel de Cervantes

Knusperhexe

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7

Sonntag, 14. Mai 2017, 13:42

Guten Morgen liebe Taminos, hätte gar nicht gedacht, dass es so viele Rückmeldungen auf diesen Thread geben würde. Wo fange ich an? Am besten der Reihe nach.

Lieber La Roche,

ist die Chemnitzer Oper ein kompletter Neubau? Oder wurde in die Ruine ein modernes Theater gebaut? Ich finde, das ist ein sehr schöner Bau. Vielen Dank für das Foto.

Die Geschichte der Kölner Oper ist so etwas wie ein Hobby für mich, seit Kindertagen. Ich habe schon damals nicht verstehen können, wie man so ein Gebäude hat abreißen können. Leider habe ich auch nicht mehr die Ruine erlebt, erinnere mich aber noch gut wie ältere Kölner immer kopfschüttelnd an der Stelle, wo die alte Oper sich erhob, auf diesen Fehlentscheidung der Stadt hinwiesen. Damals fuhr die Ringbahn noch oberirdisch und beinahe jedes Mal, sagte irgendwer, dass es eine Frechheit gewesen sei, die Oper für dieses blöde Hochhaus abzureißen. Vor kurzem fand man die Wandgemälde von Sascha Schneider, die das Foyer zierten, wieder. Sie waren von den Nazis abgerissen worden, weil Jugendstil als entartet galt und Sascha Schneider homosexuell war. So entgingen sie dann jedoch dem Feuersturm.

Leider fristen sie aber zusammengerollt ein trauriges Dasein in den Kölner Depots. Die Kölner Oper war nur ausgebrannt. Ich kenne Fotos, da hängen dort noch die Kronleuchter. Sie diente nach dem Krieg als Verwaltungsbau und vereinzelt gab es im Vestibül auch noch Aufführungen und Konzerte. Leider hielt man diesen Bau für ein typisches Relikt der Kaiserzeit, die man nach dem Krieg komplett ablehnte und somit hatte sie wenig Chancen für einen Wideraufbau. Genauso wie der Kölner Hauptbahnhof, das Hohenstaufen Bad, das Kunstgewerbemuseum und noch viele andere Bauten aus dem Historismus.

Lieber Rheingold,

Vielen Dank für die Hinweise zur alten Met. Diese Infos waren mir in der Tat nicht bewusst. Ich habe nur gelesen, dass mehrere Künstler sich dafür eingesetzt haben, das alte Gebäude zu erhalten. Doch es war eben auch die Zeit, wo man mit dem alten Plunder nicht mehr viel zu tun haben wollte. Auch in Deutschland gab es den Denkmalschutz damals nicht in der Art, wie wir ihn heute kennen. Insofern, sollten wir nicht mit dem Finger auf Amerika zeigen. Dennoch hätte ich es schön gefunden, wenn zumindest ein paar Elemente hätten erhalten und irgendwo anders hätten eingebaut werden können. Ein Bekannter von mir hatte ein Stück aus dem Bühnenboden der alten Met. ich kenne Farbaufnahmen kurz vor dem Abriss und während des Abrisses. So marode sah es darin nicht aus. Aber das täuscht vielleicht.

Lieber Reinhard,

Vielen Dank für die Fotos. Die wollte ich auch posten. Doch, ich habe gelesen, dass kurz überlegt wurde, die Leipziger Oper wieder aufzubauen. Doch ähnlich, wie es in Köln und eigentlich in vielen anderen deutschen Städten geläufige Meinung war, so lehnte man auch in Leipzig den Historismus ab. In irgendeiner Chronik dieses Theaters las ich, dass die Leipziger Oper ein Relikt überkommenen Bürgerempfindens und deshalb abzureißen sei. Die neue Oper ist ja dann auch im stalinistischen Baustil erbaut worden. Ich mag das Gebäude nicht sonderlich.
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La Roche

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8

Sonntag, 14. Mai 2017, 15:12

ist die Chemnitzer Oper ein kompletter Neubau? Oder wurde in die Ruine ein modernes Theater gebaut? Ich finde, das ist ein sehr schöner Bau. Vielen Dank für das Foto.

Lieber Knuspi,

wie überall zur Zeit des aufstrebenden Bürgertums wollten auch die reichen Chemnitzer ein Theater haben. In der Nähe des Bahnhofs fand man einen geeigneten Platz und errichtete ein Stadttheater, daneben einen ebenso prächtigen Museumsneubau. 1909 wurde das Stadtheater eröffnet. Chemnitz wuchs rasch, man baute ein neues Schauspielhaus, und das bisherige Stadttheater wurde ein reines Opernhaus. .

In den letzten Kriegstagen wurde das Opernhaus durch Bombenangriffe der Alliierten schwer zestört, der Neubau erfolgte auf dem gleichen Platz von 1947 bis 1951. Natürlich veraltete die Technik, so daß von 1988-1992 eine Generalsanierung erfolgte. Die Außenhülle und das tolle Ensemble des Opernplatzes blieb erhalten, innen wurde die modernste Technik eingebaut und natürlich die Bedingungen für Orchester, Sänger/Tänzer und Publkum spürbar verbessert. So viel zur Kulturpolitik der DDR. Im Begleiheft zur Sanierung ist zu lesen, daß es ein Glück für das Opernhaus war, daß 1990 die Sanierung schon fast abgeschlossen war. Am 1.1.1993 wurde das sanierte Haus mit Parsifal eröffnet.

Übrigens spielt die Robert-Schumann-Philharmonie ihre Konzerte nicht im Opernhaus sondern in der mehr als doppelt so großen Stadthalle.




Opernplatz Chemnitz bei Nacht. Hier finden im Sommer Open-Air-Konzerte statt. Links das Museum.

Herzlichst La Roche
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Reinhard

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9

Sonntag, 14. Mai 2017, 17:12

In irgendeiner Chronik dieses Theaters las ich, dass die Leipziger Oper ein Relikt überkommenen Bürgerempfindens und deshalb abzureißen sei.

Gut, das würde mir als Begründung noch einleuchten. Wenn Du die Quelle noch mal irgendwo findest, das würde mich interessieren. :hello:
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  • »Joachim Schneider« ist männlich

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10

Sonntag, 14. Mai 2017, 17:15

Nehmt es mir nicht übel, aber die Begeisterung für die Opernhäuser der Vorkriegszeit kann ich nur in Bezug auf bauhistorisch besonders herausragende Gebäude (z.B. Semperoper, Wiener Staatsoper) teilen.

Nach den furchtbaren Zerstörungen des Krieges fand man es seitens der Stadtplaner für angemessen, bei den Wiederaufbauplänen auf die schlichten Bauformen der Moderne, in Anlehnung an die Bauhausästhetik, zurückzugreifen, was unter den obwaltenden Umständen auch sehr sinnvoll war.
Ich habe die Kölner Oper stets als besonders gelungenes Beispiel der Nachkriegsarchitektur empfunden und bin froh, daß sie restauriert wird (ungeachtet der üblichen kölnischen Malaise bei der Ausführung aller Bauvorhaben).
Bauten des Historismus, die auch heutzutage nach den Regeln des Denkmalschutzes gepflegt werden, haben wir in Deutschland wirklich genug, wobei auch Exemplare mit riesigen Summen wieder instandgesetzt werden, die es m.E. nicht wert sind (z.B. das unsägliche Schloß Drachenburg bei Königswinter), oder man absurde Kulissenbauten errichtet, um Bauten zu imitieren, die (in diesem Fall leider), in Schutt und Asche gesunken sind (das Berliner Schloß).

Viele Grüße

Joachim
"Die Musik steht hinter den Noten" (Gustav Mahler)

Bertarido

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11

Sonntag, 14. Mai 2017, 17:31

Bauten des Historismus, die auch heutzutage nach den Regeln des Denkmalschutzes gepflegt werden, haben wir in Deutschland wirklich genug, wobei auch Exemplare mit riesigen Summen wieder instandgesetzt werden, die es m.E. nicht wert sind (z.B. das unsägliche Schloß Drachenburg bei Königswinter), oder man absurde Kulissenbauten errichtet, um Bauten zu imitieren, die (in diesem Fall leider), in Schutt und Asche gesunken sind (das Berliner Schloß).

:jubel:
Lieber Joachim, ich bin da ganz Deiner Meinung, auch wenn lange nicht alle Bauten, die in der Nachkriegszeit entstanden sind, meinem ästhetischen Empfinden entsprechen. Aber die Verklärung gerade des Historismus des späten 19. Jahrhunderts habe ich nie verstanden. Das ist ein Baustil, der in den vielen Fällen weder irgendeinen künstlerischen Wert hat noch irgendwelche ästhetischen Qualitäten. Schloß Drachenburg ist ein gutes Beispiel, auf die Baustelle habe ich jahrelang geschaut, weil ich auf der anderen Rheinseite in Bad Godesberg wohnte.

Ich bin der Meinung, man sollte historische Bausubstanz erhalten, wo der Erhalt möglich ist. Ein Abreißen aus ideologischen Gründen lehne ich ab. Aber ebenso große Probleme habe ich mit solchen Wiederaufbau-Projekten wie dem Berliner Kulissenschloss oder - noch schlimmer - der Braunschweiger Shopping-Mall mit Schlossfassade. X(

Vorbildlich finde ich hingegen die Gestaltung des Neuen Museums in Berlin, wo David Chipperfield die Reste der alten Architektur mit neuen Ergänzungen zu einem harmonischen Ganzen verbunden hat.

Knusperhexe

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12

Sonntag, 14. Mai 2017, 18:51

Irgendwie passt es ins Bild, dass ihr Bauten des Historismus ablehnt. Naja, sei es drum. Aber zur Riphahn Oper sei nur soviel noch bemerkt, dass der Bau absolut nicht funktioniert. Die Akustik da drin ist grottenschlecht, der Architekt hatte den Souffleurkasten und die Kantine vergessen! Die Bühnentechnik war von Anfang an veraltet und die Wegeführung in dem Ding ist eine Katastrophe. Ich halte es da mit Elke Heidenreich, die den Kasten liebend gerne in die Luft gejagt hätte. Ganz zu schweigen von dem vielen Geld, was dieses Fass ohne Boden kostet. Dafür hätte man die Alte Oper rekonstruieren können. Aber das ist ein anderes Thema und wenn ihr mögt, dann macht dafür einen eigenen Thread auf. Hier geht es ja um etwas anderes, nämlich um die Sehnsucht nach diesem verschwundenen Bauten. Auch wenn sie euch nicht gefallen. Jetzt fehlt eigentlich nur noch der holde Doktor, der mal wieder schulmeisternd einen Beitrag zum Historismus zum Besten gibt und danach können wir hoffentlich weitere Fotos posten.
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Caruso41

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13

Sonntag, 14. Mai 2017, 19:04

Was nun die alte Met anbetrifft, soll dieses Haus zuletzt eine regelrechte "Bruchbude" gewesen sein. Ich erinnere mich, das so auch in Erinnerungen von Sängern dargestellt gefunden zu haben. Der Brandschutz soll nicht mehr gewährleistet gewesen sein. Es habe kaum Garderoben, Übungsräume und Platz fürs Publikum in den Pausen gegeben. Diese bekannten Fotos vom Zuschauerraum aus der Weitwinkelperspektive dürften nicht das wirklichkeitsgetreueste Abbild sein.

Das kann ich nur bestätigen. Das war wirklich eine Bruchbude!
Für das Publikum eine Zumutung. Man musste ganz aufrecht sitzen und hatte trotzdem keinen kein Platz für die Beine. Die Knie stießen an die Rückenlehne der vorigen Reihe!
Und in den Pausen gab es übles Gedränge und keinen Sauerstoff. Aber was soll's? Man hat all die Großen gehört, von denen man heute nur träumen kann - auch in New York!

Caruso41
;) - ;) - ;)

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

Dr. Holger Kaletha

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14

Sonntag, 14. Mai 2017, 19:30

Das ist ein Baustil, der in den vielen Fällen weder irgendeinen künstlerischen Wert hat noch irgendwelche ästhetischen Qualitäten.
Jetzt fehlt eigentlich nur noch der holte Doktor, der mal wieder schulmeisternd einen Beitrag zum Historismus zum Besten gibt und danach können wir hoffentlich weitere Fotos posten.

:D :D :D Schön, hier ist der "holde" (mit >d<) Schulmeister tatsächlich! Schloss Drachenburg ist als Stil reiner Eklektizismus, und der kann sich natürlich nicht mit den großen auch kunsthistorisch bedeutenden architektonischen Leistungen messen. Da denke ich genauso wie Bertarido. Aber: Auf diese Weise betrachten wir allerdings ein Bauwerk sozusagen "absolut" und bewerten nur seine ästhetische Qualität, ohne den kulturellen Kontext zu berücksichtigen. Solche Bauten sind aber letztlich auch Zeitzeugen einer bestimmten Epoche und insofern erhaltenswert, denn anderenfalls haben wir von dieser Epoche und ihrem Denken keine Zeugnisse. Dann gäbe es eine "Lücke" in der geschichtlichen Kontinuität, was die Erfahrbarkeit in Gestalt einer historisch gewachsenen Kultur- und Städtelandschaft angeht. Bei Schloss Drachenburg kommt sicher noch hinzu, dass dies glaube ich der touristisch meist besuchte Ort in Deutschland ist. Da wollen die Japaner "klick" machen mit ihren Kameras, um deutsche Romantik abzufotographieren - und solche Touristen sind letztlich auch ein nicht unbedeutender Wirtschaftsfaktor. :D Ich bin immer dafür, dass der lebensweltliche Kontext erhalten wird in historischer Hinsicht. Von daher darf ein Gebäude rein ästhetisch betrachtet auch mal nicht so ganz "wertvoll" sein. Die Bedeutung bekommt es dann durch die Verweisung auf einen historischen Kontext, wie es die Hermeneutik ausdrücken würde. Ich hoffe, das war "standesgemäß" gelehrsam genug ausgedrückt! ;) Für Opernhäuser im historistischen Stil gilt finde ich dasselbe. Auch sie sind "Zeitzeugen" ihrer Epoche und gehören insofern einfach zum Stadtbild. :D :hello:

Schöne Sonntagsgrüße
Holger

Knusperhexe

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15

Sonntag, 14. Mai 2017, 19:49

Caruso, Du warst noch in der alten Metropolitan Opera? Echt? Was hast du gesehen? Und wen hast du gesehen? Ich brauche wirklich eine Zeitmaschine.

Wow, Holger, das war ja diesmal gar nicht so von oben herab, was Du geschrieben hast.

Lieber Reinhard, das war ein Buch, was ich mir vor über 30 Jahren in der Bücherei ausgeliehen hatte. Darin ging es unter anderem auch um Wolfram Humperdinck, der ja Regisseur in Leipzig gewesen ist. Ich halte die Augen auf. Aber es lassen sich bestimmt auch noch Unterlagen im Leipziger stadtarchiv finden.

Pikanterweise wurde dieselbe Argumentation auch für den Abriss der Kölner Oper angeführt. Der Architekt Riphahn trat mit einer vehementen Arroganz auf und wollte unbedingt sein neues Opernhaus verwirklicht sehen, trotz aller Bedenken und Einsprüche aus der Bevölkerung. Leider zog damals aber auch sehr die Presse mit und drängte die Befürworter des Wiederaufbaus der Alten Oper in das Lager der reaktionären Kitschliebhaber. Ich habe Schriften ausgegraben, da gruselt es einen angesichts der Vokabeln, die verwendet werden. Da wird von überflüssiger Architektur gesprochen, die es auszumerzen gilt. Ganz gruselig. Nach der Eröffnung wurde die Riphahnoper sogar als schönstes Opernhaus Deutschlands hochgejubelt von den Medien. Lediglich eine Münchner Zeitung bemerkte, dass die Akustik sehr schlecht sei in dem Gebäude und das es bei den Premierengästen lange Gesichter gegeben hätte, weil doch sehr viele Kölner lieber ihr geschichtsträchtiges altes Haus wieder aufgebaut hätten.
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  • »Joachim Schneider« ist männlich

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16

Sonntag, 14. Mai 2017, 20:42

Ich war oft in der Kölner Oper und fand die Akustik keineswegs schlecht.

@ Holger:

ich habe Schloss Drachenburg besichtigt, bevor die sündteure Renovierung erfolgte. Was man dort zu sehen bekam, war so gräßlich, daß man sich wie vor den Kopf geschlagen fühlte.
Tourismus und knipsende Japaner in Ehren: solcher Mist gehört m.E. abgerissen (wurde sogar früher einmal überlegt).

Viele Grüße

Joachim
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Knusperhexe

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17

Sonntag, 14. Mai 2017, 23:45

Komisch Joachim, ich habe vorher noch nie etwas von dir hier gelesen. Bist du ein Fake Profil, um hier ein bisschen mehr Wirbel reinzubringen? Die Kölner Oper hat definitiv eine schlechte Akustik. Das sagen auch die Sänger. Setz dich mal ins zweite oder dritte Parkett. Da hast du regelrechte Akustilöcher.

Beleidigungen durch die Moderation entfernt -MOD 001 Alfred Ich habe keine Lust Mitglieder zu verlieren nur weil sich einige nicht benehmen können !!! :cursing:
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Christian Biskup

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18

Montag, 15. Mai 2017, 00:28

Auch wenn das arg Off-topic ist: Ich liebe Historismus und ganz besonders Schloss Drachenburg! Sie ist ein so mannigfältig interessantes Zeitzeugnis - sie offenbart den Kunstgeschmack um die Jahrhundertwende in all seinen Elementen, ist aber auch ein Zeugnis geistiger Inhalte, so die große Wagner-Begeisterung (die Nibelungen lassen grüßen) und die Rückbesinnung auf die Romantik (Rheinromantik pur). Natürlich ist alles ein Stilgemisch, englische und französische Neogotik, Ritterburg und mehr, aber warum nicht? Dem ganzen sein Dasein absprechen zu wollen, wie Joachim, halte ich für hanebüchen - offenbart es doch mehr über die Zeit als manch anderes Gebäude.
Und nebenbei - den Historismus des 20. Jhd. wie am Beispiel des Braunschweiger Schlosses lehne ich ab.
Und weil ich das Gebäude so toll finde, hier noch ein Bild der Drachenburg ;)
LG
Christian


Alfred_Schmidt

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19

Montag, 15. Mai 2017, 01:30

Zum Historismus:
Im Prinzip will er dasselbe, wie die Renaissance, nämlich die Wiedergeburt alter klassischer Baustile. Ich bekenne mich ausdrücklich zum Historismsus, habe ich doch lange in einem diesem Stil verpflichtetem Bauwerk gearbeitet, nämlich dem Kunsthistorischen Museum in Wien, erbaut im späten 19. Jahrhundert von Carl von Hasenauer und Gottfried Semper. Das Zwillings-Bauwerk, das Naturhistorische Museum steht vis-à-vis. beide sind Teile eines geplanten gigantischen Projekts, nämlich dem Kaiserforum, (auch der vollendete Flügel der Hofburg ist Teil desselben) das aber ein Torso blieb, nie vollendet wurde, weil das Kaiserreich zuvor zugrunde ging. Und jetzt sind wir wieder beim Thema:
Auch die Wiener Staatsoper ist ein Bauwerk des Historismus, nämlich ebenso wie viele - aber nicht alle - Bauten der Ringstraße im Stil der Neorenaissance. Die Neorenaissancae gehört zum Stil des STRENGEN Historismus, soll heissen, Abwandlungen - wie im ROMANTISCHEN Historismus - waren eher unerwünscht, man blieb so eng am historischen Vorbild, wie nur möglich.
Persönlich finde ich, daß der Historismus dem Zeitgeist des 19. Jahrhunderts entsprach und er zumindest ästhetische Ansprüche besser erfüllte als die Moderne und was danach kam. Historismus war ja nicht nur ein Baustil, er war in gewisser Weise ein Lebensgefühl. Der Wiener Maler Hans Makart veranstaltete sogar einen Festzug zum 25. Hochzeitstag des Kaiserpares (1879), wo 2000 Leute, vor allem die verschiedenen Gewerbe im von Makart nach Dürer nachempfundenen Renaissancekostümen durch die Statt marschierten, ein Event, dem gutes Wetter beschieden war, und das an die 10.000 Schaulustige anzog.

Beste Grüße aus Wien
Alfred

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Dr. Holger Kaletha

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20

Montag, 15. Mai 2017, 06:14

Auch wenn das arg Off-topic ist: Ich liebe Historismus und ganz besonders Schloss Drachenburg! Sie ist ein so mannigfältig interessantes Zeitzeugnis - sie offenbart den Kunstgeschmack um die Jahrhundertwende in all seinen Elementen, ist aber auch ein Zeugnis geistiger Inhalte, so die große Wagner-Begeisterung (die Nibelungen lassen grüßen) und die Rückbesinnung auf die Romantik (Rheinromantik pur). Natürlich ist alles ein Stilgemisch, englische und französische Neogotik, Ritterburg und mehr, aber warum nicht? Dem ganzen sein Dasein absprechen zu wollen, wie Joachim, halte ich für hanebüchen - offenbart es doch mehr über die Zeit als manch anderes Gebäude.

Lieber Christian,

da denke ich ganz ähnlich! Die Gründerzeit ist eine für die deutsche Geschichte prägende und (mit den bekannten katastrophalen Folgen) nicht zuletzt auch durch ihren Illusionismus entscheidende Epoche. Dieses Gebäude repräsentiert das nun alles exemplarisch, dazu noch in exemplarischer Umgebung. "Interessant" ist die richtige Bezeichnung - eine gewisse Geschmacklosigkeit gehört zur Epoche, also kommt die auch im Gebäude zum Vorschein. Sooo schrecklich finde ich die Ästhetik übrigens auch nicht - man kann sich allerdings wie Joachim sehr wohl darüber ärgern, das verstehe ich durchaus ebenfalls sehr gut. :D Bezeichnend ist das eine Industriellenvilla (Parallele: die Villa Hügel in Essen) - der Größenwahn des gründerzeitlichen Unternehmertums sinnenfällig demonstriert. Man hat dort ein Gründerzeitmuseum eingerichtet, das würde ich mir anschauen und finde das eine sehr gelungene Idee. Ich bin ja in Düsseldorf aufgewachsen und in meiner Kinder- und Jugendzeit waren wir natürlich öfters am Drachenfels. :hello:

Schöne Grüße
Holger

Knusperhexe

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21

Montag, 15. Mai 2017, 11:14

Also, ich bin wirklich mal wieder fassungslos. Die Überschrift in diesem Thread ist doch ziemlich eindeutig, oder? Operus lobte das Thema als sehr verbindend und RRRUMSSS! kurz danach ufert das Ganze wieder aus, weil einige Mitglieder ihre nicht gefragte Meinung zum Besten geben.

Und ich bedaure, Alfred, aber dieses unbegründete Fanal von Joachim ist dumm, oder meinetwegen "hanebüchen", wie es Christian nennt. Ich schrieb ja nicht, dass er dumm ist, sondern die Meinungen, die er da vertritt. Wenn du das als Beleidigung siehst und meinst löschen zu müssen, dann verstehe ich dich wirklich nicht mehr. Da habe ich wirklich schon weitaus schlimmere Sachen hier gelesen. Außerdem sollte die Moderation bitte auch ein wenig darauf achten, wie die Threads hier immer wieder zerschossen werden, weil Nebenschauplätze eröffnet werden, die dann schnell zu verbalen Kriegsschauplätzen werden.

Des Weiteren empfehle ich doch einen Thread zu eröffnen mit dem Thema "Historismus - für und wider". Viel Spaß dort. Ich hatte diesbezüglich schon mal eine Auseinandersetzung mit Holger und werde mich da raushalten. Mir missfallen schon wieder in seinem letzten Beitrag die Vokabeln "Größenwahn" und " Geschmacklosigkeit". Und ich könnte da jetzt eine ganze Abhandlung zu schreiben, da mir die Person des Erbauers, seine Beweggründe und die Architektur der Drachenburg bestens vertraut sind, aber das würde hier nicht zum Thema gehören und ich habe auch keine Lust dazu.
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22

Montag, 15. Mai 2017, 13:45

Hallo, Knusperhexe,

man soll ja in seinem Leben möglichst alles einmal erfahren haben und Du hast mir zu einer Erfahrung verholfen, die ich tatsächlich bisher nicht kannte: daß meine Meinung dumm sei! Alles mögliche andere hat man mir schon an den Kopf geworfen: ich wäre stets anderer Meinung als die Kollegen, bevorzuge aggressive Behandlungsmethoden, würde zu oft und zu schnell operieren etc. .

Ich bin Dir allerdings absolut nicht böse (wie könnte ein Fake-Account dies auch) und finde es amüsant, wenn auch etwas Don- Quichotte-ähnlich, als weißer Ritter ausgerechnet für die Drachenburg ins Feld zu ziehen.

Viele Grüße

Joachim
"Die Musik steht hinter den Noten" (Gustav Mahler)

Caruso41

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23

Montag, 15. Mai 2017, 19:13

Caruso, Du warst noch in der alten Metropolitan Opera? Echt? Was hast du gesehen? Und wen hast du gesehen? Ich brauche wirklich eine Zeitmaschine.


Lieber Knusperhexe!

Ja, während meines Studiums war ich mit einem Austauschprogramm vier Wochen in New York. Da habe ich immerhin viermal die Met besuchen können, weil meine Gasteltern vorher infomiert waren, dass ich mich für Oper interessiere und Karten besorgt hatten ("Forza" mit Tucci, Corelli, Paskalis und Siepi; "Simone Boccanegra" mit McNeill, Milanov, Tucker und Siepi; "Ernani" mit Corelli, Price, McNeill und Siepi und "Cosi" mit Price, Tucker, Elias, Peters, Gramm).

Beste Grüße

Caruso41
;) - ;) - ;)

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Knusperhexe

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24

Montag, 15. Mai 2017, 20:49

Lieber Caruso, ich könnte dir hunderte von Fragen stellen. Du bist jetzt wirklich der erste MET- Besucher, den ich kennenlerne. Das Theater wirkt so riesig auf den Fotos. Täuscht der Eindruck? War es überall so beengt oder nur auf den Galerie Plätzen? Wie waren die Foyers? Und wie waren die Aufführungen? Alles noch mit gemalten Kulissen? Hast du noch die Programmhefte?
Regietheater? Nein, danke!

Knusperhexe

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25

Montag, 15. Mai 2017, 20:53

Und und gerade lese ich noch in deinem Beitrag zum Opernkanon, dass du sogar Elfriede Trötschel noch live erleben durftest. Magst du darüber auch mal berichten? Vielleicht in einem gesonderten Thread zu Trötschel?
Regietheater? Nein, danke!

Caruso41

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26

Montag, 15. Mai 2017, 22:20

Und und gerade lese ich noch in deinem Beitrag zum Opernkanon, dass du sogar Elfriede Trötschel noch live erleben durftest. Magst du darüber auch mal berichten? Vielleicht in einem gesonderten Thread zu Trötschel?

Lieber Knusperhexe!

Elfriede Trötschel habe ich bei meinem ersten Abend in der Oper schon gehört: als Musette neben der Mimi von Elisabeth Grümmer und dem Rodolfo von Sandor Konya! Danach habe ich sie in vielen ihrer Partien gehört. Besonders eindrucksvoll waren ihre Jenufa und ihre Katja Kabanova. Auch in Menottis "Die Heilige von der Bleekerstreet" war sie ganz bewegend! Übrigens immer neben Sandor Konya.
Nicht so überzeugend war sie als Alice in "Falstaff"! Auch in Mozart-Partien fand ich sie nicht optimal; hat sie aber auch nicht so oft gesungen.
Als sie starb,war ich so traurig, dass mir meine Mutter eine 45cm-LP mit Neddas Vogellied schenkte, die ich heute noch besitze.
Wenn es sich ergibt, berichte ich gerne über diese wunderbare Sängerin ein wenig mehr!

Beste Grüße von
Caruso41
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Rheingold1876

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27

Montag, 15. Mai 2017, 22:25

Vom Erdboden verschwunden - die Krolloper in Berlin

Ein Opernhaus, um das es nach meinem Dafürhalten wirklich schade ist, ist die Krolloper in Berlin. Sie befand sich am Rande des Tiergarten, nicht weit weg vom Brandenburger Tor und direkt gegenüber dem Reichstagsgebäude, in dem heute der Deutsche Bundestag seinen Sitz hat. Der Komplex diente verschiedenen Zwecken, war Vergnügungsstatte, Ballhaus und verfügte über ein sehr elegantes Gartenlokal. Das berühmte Couplet "Künstlerball bei Kroll" aus der Operette "Die lockende Flamme" von Eduard Künneke, bezieht sich direkt auf diese legendäre Adresse. Seine glanzvollste Geschichte war die als Opernhaus. Sie begann Ende des 19. Jahrhunderts. Dafür wurden umfangreiche Umbauten vorgenommen. Der Einfachheit halber zitiere ich gleich mal eine gute Zusammenfassung von Wikipedia: "Kaiser Wilhelm II. wünschte sich allerdings an gleicher Stelle ein noch prunkvolleres und größeres Opernhaus mit mindestens 2500 Plätzen. Seit 1904 wurde das Projekt ... erörtert. Zunächst war beabsichtigt, die historische Staatsoper Unter den Linden dafür abzureißen. 1909 wurden die Pläne konkreter, nun wurde der Standort der Krolloper für den Neubau in Aussicht genommen. Der Berliner Stadtbaurat und Architekt Ludwig Hoffmann legte Ende 1913 Entwürfe vor, das Preußische Abgeordnetenhaus bewilligte die notwendigen Geldmittel. Im Sommer 1914 begannen Abrissarbeiten an der Krolloper, sie wurden aber bei Kriegsbeginn am 1. August 1914 sofort wieder eingestellt. Während des Ersten Weltkriegs wurden die Räume, soweit sie noch brauchbar waren, mit Wolle und Lumpen gefüllt, dem Material der Zentralsammelstelle der Reichswollwoche. Den Sommergarten nutzte man in der warmen Jahreszeit als Nachmittagsheim für verwundete Krieger." Nach dem Ersten Wektkrieg wurde das Opernhaus hergerichtet (siehe Foto unten) und zeitweise als zweite Spielstätte der Staatsoper Unter den Linden genutzt, was sich aber als schwierig erwies. Von 1927 an ging die Krolloper wieder eigenen Wege. Musikalischer Chef wurde Otto Klemperer.



Unter seiner Leitung wurden völlig neue Wege beschritten. Es gab neben klassischen Titeln auch zahlreiche Uraufführungen und zeitgenössische Werke. Der aus Ungarn stammende László Moholy-Nagy entwarf Bühnenbilder zu "Hoffmanns Erzählungen", die seinerzeit genau so umstritten waren wie heutzutage manche Lesarten des so genannten Regietheaters:



Nach der Errichtung des Nazidiktatur wurde solchen Experimenten, die das Haus weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannt gemacht hatten, sofort Einhalt geboten. Viele dort enagierte Künstler gingen ins Exil. Das Haus wurde nun vornehmlich für politische Veranstaltungen genutzt und für die letzten Sitzungen des Reichtages nachdem das Hauptgebäude in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933 abgebrannt war. Als die Staatsoper Opfer von Bombenangriffen geworden war, nutzte deren Ensemble nochmals kurzfristig die Krolloper als Ausweichspielstätte. Diese Schicksal ereilte im November 1943 auch die Krolloper. Den Rest bekam der Gebäudekomplex bei den Kämpfen um das Reichtsgsgebäude in der Endphase des Krieges.



Bald schon konnte das große Gartenlokal wieder genutzt werden. In den Sommermonaten fanden im Kroll-Garten Konzert- und Tanzveranstaltungen statt. 1951 wurde von den stattlichen Behörden im Westteil Berlins entschieden, die relativ gut erhaltene Ruine zu sprengen und abzutragen. Diese Arbeiten zogen sich bis 1957 hin. Heute ist von diesem Opernhaus nicht ein Stein mehr übrig
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Stimmenliebhaber

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28

Montag, 15. Mai 2017, 23:09

1951 wurde von den stattlichen Behörden im Westteil Berlins entschieden, die relativ gut erhaltene Ruine zu sprengen und abzutragen.
Wahrscheinlich "aus ideologischen Gründen" - ach, nein, kann ja gar nicht sein, das wäre nur dann so gewesen, wenn sich das Gleiche im anderen Teil des damaligen Deutschland ereignet hätte. :D
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

Knusperhexe

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29

Dienstag, 16. Mai 2017, 01:35

Diese ideologischen Gründe, lieber Stimmenliebhaber, hatten durchaus auch in Westdeutschland ihren Nährboden. Ihnen wäre z.B. auch beinahe das Schloss Drachenfels zum Opfer gefallen. Schade nur, dass du meine Zeilen gar nicht lesen kannst, wo du mich auf deiner Ignorierliste hast.

Ein weiteres Theater, dass durchaus wieder aufzubauen gewesen wäre, das war die Kasseler Oper:




Und hier fand ich noch ein Foto von der Chemnitzer Oper, wie sie sich vor dem Krieg präsentierte
Regietheater? Nein, danke!

Dr. Holger Kaletha

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30

Dienstag, 16. Mai 2017, 08:35

Ein Opernhaus, um das es nach meinem Dafürhalten wirklich schade ist, ist die Krolloper in Berlin.
Das finde ich auch, lieber Rheingold, wenn ich die Bilder sehe. Das Gebäude war insofern bemerkenswert, dass es mit seiner vom "barocken" Historismus abweichenden Schlichtheit doch gut zur Moderne passt - und es wurde ja auch drinnen modern inszeniert. :D

Schöne Grüße
Holger