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  • »Dritte Dame« ist weiblich

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271

Samstag, 14. Oktober 2017, 00:18

Meinte im letzten Satz natürlich "märchenhaft", nicht "märchenhaft"! Meine Rechtschreibkorrektur führt manchmal ein Eigenleben...

  • »Dritte Dame« ist weiblich

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272

Samstag, 14. Oktober 2017, 00:22

MÄDCHENHAFT!!! Die Technik hasst mich echt!!!
Cherubino Marina Comperato nutzt die Anweisung "Die Augen senken!" dazu, Susanna den Rock hochzuheben und schnell mal darunterzulinsen, wofür er auch einen Klaps auf die Finger kassiert... ;)

Hosenrolle1

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273

Samstag, 14. Oktober 2017, 00:29

Deine Analyse der Szene habe ich mit Interesse gelesen, weil ich auch diese Dinge nicht so gesehen habe. Vor allem die besagte Schoß-Sitz-Szene hat mich auch verwundert, weil ich das ebenfalls als eher weibliche Bewegung eingeordnet hätte.


Und endlich gehst du noch einmal auf Octavian ein, ist dir da wirklich nicht mehr an Weiblichkeit aufgefallen, als dieser angedeutete Hüftschwung?

Und dieser leichte Hüftschwung, den du erwähnst, als Octavian durch den Raum schlendert, ist sicher kein Zufall... So irgendwo zwischen jugendlich lässig, aber eben auch mädchenhaft, stimmt's ?

Ich habe mir das Video jetzt nochmal angesehen, finde aber keine Szene, wo Octavian einen Hüftschwung macht. Oder verstehe ich da etwas falsch?

Was mir nur bei den Laufszenen auffiel war, dass "er" doch nicht wirklich "männlich" lief, man merkte, dass es "leichtfüßiger" war, wenn man so möchte. Was durchaus ein interessanter Kontrast zu den männlichen Gesten, die du auch aufgezählt hast, ist, wie ich finde.

EDIT: ich habe das "märchenhaft" in meinem Zitat durch "mädchenhaft" ersetzt, wenn das in Ordnung ist.




LG,
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„Begreifen wir endlich, dass der emotionale Kult der Tradition nur eine Form unserer geistigen Faulheit ist.“ (Stanislaw Brzozowski)

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274

Samstag, 14. Oktober 2017, 00:47

Habe deine letzten Texte noch einmal überflogen- wegen dieser Sache mit dem "Hüftschwung" . Hast du so nicht ausgedrückt, hatte ich irgendwie so im Kopf!
Du meinst aber diese Szene, in der er vom Bett springt und durch den Raum schlendert, um sich dann auf dieses kleine Tischchen zu setzen, oder? Das ist schon ein Schlendern, das auf mich etwas weiblich wirkt. Ich wollte damit auch nicht sagen, dass er hier wie eine Diva aufreizend durch den Raum stolziert. Deswegen sagte ich ja "angedeutet"! ;)

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275

Samstag, 14. Oktober 2017, 00:55

Bei dem Begriff Hüftschwung muss ich bei Männern immer an Elvis Presley denken, bei Frauen etwa an Shakira, deswegen war ich etwas verwirrt, weil ich dachte, dass Octavian irgendwo steht und sowas macht, aber offenbar meintest du damit, dass er das beim Gehen tut, wenn ich das richtig verstanden habe.

Ja, das ist schwer zu beschreiben, aber er läuft auf jeden Fall öfter herum, einmal auf jeden Fall in den Hintergrund, und einmal nach links, und da hatte ich das Gefühl, dass er doch eher "weiblich" läuft, wobei ich damit jetzt nicht klischeehaft-weiblich meine (also etwa mit abgewinkeltem Arm oder eben so übertrieben divenhaft), sondern irgendwie so, wie wenn sie versucht jugendlich zu wirken, aber diese Bewegungsweise nicht ganz ablegen kann. Oder umgekehrt gesagt, Octavian bewegt sich, wenn er geht oder läuft, nicht wirklich männlich, weil da immer noch etwas weibliches drin ist. Ich weiß nicht ob du das auch siehst? Es ist gar nicht so sehr der Hüftschwung, eher die Art und Weise, wie etwa die Beine sich bewegen, also eher stampfend, oder leichtfüßig, eher "grob" oder elegant und weicher.



LG,
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276

Samstag, 14. Oktober 2017, 01:22

Diese eine Szene, eben Octavian vom Bett springt und durch den Raum schlendert, ist die einzige, wo ich in "seinem" Gang schon etwas Weibliches sehe. Ansonsten bewegt er sich schon recht überzeugend jungenhaft durch den Raum, finde ich. Bei ihr kann ich zum Beispiel auch völlig ausblenden, das es sich um eine Frau handelt...

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Samstag, 14. Oktober 2017, 01:26

Alles klar, danke :)

Das führt mich gleich zu einer anderen Frage, bzw. zwei Fragen: stört es dich generell, wenn man an den Bewegungen einer Hosenrolle doch mehr oder weniger merkt, dass da etwas weibliches dabei ist (egal in welcher Form), und falls ja, gibt es Rollen, wo es dich mehr, und andere, wo es dich weniger stören würde? Oder gibt es bestimmte Hosenrollen, wo etwas feminines mitschwingen darf, ja sogar sollte, und andere, wo das überhaupt nicht angemessen ist?



LG,
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278

Samstag, 14. Oktober 2017, 01:45

Es geht dir jetzt rein um die Bewegungen, wenn ich das richtig verstehe. Da finde ich es überhaupt nicht störend, wenn zwischendurch etwas Weibliches "durch schimmert", im Gegenteil. Ich finde da eher übertrieben männliches Gehabe störend!
Die zweite Frage ist ja echt interessant! Schwer zu sagen ... Spontan würde ich sagen, dass tatsächlich beim Jüngsten, der mir hier einfällt, also Hänsel zuviel Weiblichkeit etwas deplatziert wirken könnte. Er soll ja schon irgendwie einen Kontrast zu seiner Schwester bilden, eben so ein "echter" und auch frecher Junge sein!

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Samstag, 14. Oktober 2017, 01:53

Es geht dir jetzt rein um die Bewegungen, wenn ich das richtig verstehe.

Genau, also nicht nur bestimmte Szenen, sondern generell die Art sich zu bewegen.

Da finde ich es überhaupt nicht störend, wenn zwischendurch etwas Weibliches "durch schimmert", im Gegenteil. Ich finde da eher übertrieben männliches Gehabe störend!

Wobei das Gehabe vielleicht wiederum vom Regisseur so gewollt sein könnte. Oder meinst du jetzt, dass man zu krampfhaft versucht "männlich" zu wirken, indem man übertrieben fest aufstampft und "plump" herumgeht, oder übertrieben "lässig"?

Hmm, das heißt, für dich kommt es eher auf´s Alter an: kindliche Figuren sollten nicht weiblich sein, ältere können schon?




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Samstag, 14. Oktober 2017, 02:09

Letztendlich kann ich ja nicht beurteilen, was vom Regisseur so gewollt ist und was von der Darstellerin selber ausgeht! Übertrieben männliches Gehabe wirkt bei Frauen generell peinlich auf mich, nicht nur auf der Opernbühne!
Mit dem Alter hatte meine Aussage, was Hänsel angeht gar nichts zu tun. Aber er hat einen "direkten" weiblichen Gegenpart, von daher denke ich, dass der Kontrast da deutlicher sein muss. Ist aber nur hypothetisch, ich erinnere mich nicht, je einen Hänsel gesehen zu haben, bei dem ich dachte : "Mensch, nun benimmt dich nicht so mädchenmäßig!"
Aber deine eigene Meinung zu deinen Fragen interessiert mich auch! Und?

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281

Samstag, 14. Oktober 2017, 02:35

Mir fällt da gerade noch etwas ein: Speziell bei Cherubino und Octavian wäre ein Touch von Weiblichkeit sogar wünschenswert, da sie ja beide auch in der Mädchenrolle überzeugen! Octavian ja sogar so sehr, dass er irgendwann gar nicht mehr weiß, wie er die Avancen des "sympathischen" Baron von Lerchenau abwehren soll, der ihn einfach nicht in Ruhe lassen will!

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Samstag, 14. Oktober 2017, 02:37

Letztendlich kann ich ja nicht beurteilen, was vom Regisseur so gewollt ist und was von der Darstellerin selber ausgeht!

Das stimmt schon, ich glaube nur etwa bei bestimmten Gesten oder Posen, dass es sich dabei um Regieanweisungen handelt. Ich habe ja auch den Octavian von Sophie Koch gesehen, und da sitzt er mit Zigarette und raucht die in einer, wie ich finde, recht seltsamen Pose, die auf mich nicht spontan, sondern unnatürlich wirkt. Ich weiß allerdings nicht, ob diese Pose besonders männlich wirken soll.



Mit dem Alter hatte meine Aussage, was Hänsel angeht gar nichts zu tun. Aber er hat einen "direkten" weiblichen Gegenpart, von daher denke ich, dass der Kontrast da deutlicher sein muss.

Stimmt, der Vergleich macht schon was aus. Wobei, bei HUG fällt mir das eher weniger auf, weil auch die Gretel zwar von einer weiblichen Sängerin dargestellt wird, jedoch von einer Erwachsenen, was sicher auch ein bisschen ein Unterschied ist.
Extremer finde ich es, wenn echte männliche Sänger neben der Hosenrolle zu sehen sind, dann fällt der Unterschied für mich noch stärker auf.

Ist aber nur hypothetisch, ich erinnere mich nicht, je einen Hänsel gesehen zu haben, bei dem ich dachte : "Mensch, nun benimmt dich nicht so mädchenmäßig!"

Ich ehrlich gesagt auch nicht, nur manchmal habe ich gemerkt, dass ein herumlaufender Hänsel nicht so wirklich jungenhaft läuft, sondern eben auch was anderes dabei ist.

Aber deine eigene Meinung zu deinen Fragen interessiert mich auch! Und?

Ich kenne ehrlich gesagt kaum echte Hosenrollen, ein paar vielleicht noch vom Namen, aber das war´s auch schon. Hänsel, Cherubino, Octavian, der Page in der Salome fallen mir spontan ein, bei den Operetten noch der Prinz Orlovsky (oder wie der heißt) aus der Fledermaus, bei anderen weiß ich schon nicht mehr, ob die Partie ursprünglich für ein anderes Stimmfach gedacht war, und mich persönlich interessiert die Hosenrolle vor allem als Konzept, einschließlich der künstlerischen Intentionen dahinter, und nicht moderne Alternativlösungen für Zwangsverstümmelte Kastraten.

Für mich hängt es doch ein bisschen von der Rolle ab, wie feminin (vielleicht ist "feminin" für diesen Zweck ein besseres Wort als "weiblich") sich die Figur bewegen kann. Bei einem Hänsel oder einem Prinz Orlovsky fände ich es eher unpassend, bei ersterem allerdings wäre es auch unpassend, übertrieben kindisch herumzutollen, das wirkt unecht und gezwungen.
Bei Cherubino hätte ich am wenigsten Probleme damit, weil er für mich von Haus aus schon feminin aussieht (was Susanna ja mehrmals bestätigt), und wenn er nicht nur optisch, sondern auch in seinen Bewegungen beides zeigt, dann fände ich das nicht verkehrt. Nur wenn er sich zu erwachsen-divenhaft bewegen würde, als sei er eine eitle Schauspielerin oder so, dann würde mich das ebenfalls stören.
Ein gutes Beispiel ist für mich der Figaro, den ich dir da gezeigt habe, wo die Hose ausgezogen wird und Cherubino dann nur herumsteht. Da fand ich die Bewegung in Ordnung, nicht übertrieben, leichtfüßig, aber trotzdem auch jungenhaft. Manche Regisseure lassen den Pagen da quasi im Stechschritt über den Bühnenrand stampfen oder ähnliches, das wirkt mir auch viel zu forciert, so nach dem Motto "So männlich wie möglich muss es sein". Da fand ich die Mischung aus dem vorigen Beispiel doch interessanter.

Um es kurz zu sagen: wirklich stören tut es mich nicht, wenn man etwas feminines in der Bewegung erkennt, es kommt halt darauf an, wie stark es ist, und ob es einer Figur schadet oder nicht.





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283

Samstag, 14. Oktober 2017, 07:21

Genau mit dieser Szene, in der Sophie Koch gleich beim Öffnen des Vorhangs in lasziver Pose breitbeinig (!) auf dem Sessel lümmelt und eine Zigarette raucht, wollte ich auch noch aufwarten. Manche Dinge, über die wir hier gesprochen haben, scheinen offenbar doch sehr unterschiedlich wahrgenommen zu werden, je nachdem, ob man selber ein Mann oder eine Frau ist... So kommt es mir zumindest gerade vor! Als wir darüber gesprochen haben, ob Octavians Art, zu laufen, etwas Weibliches an sich hätte, warst du der Meinung, dass dies schon der Fall gewesen sei, während ich sie durchweg- bis auf das "Schlendern" zum Tisch als "jungenmäßig" empfunden habe.
Dieses laszive- und in meinen Augen auch etwas vulgäre- Lümmeln auf dem Sessel habe ich deutlich als männliche Pose empfunden, bzw. als den Versuch, des Regisseurs, Octavian hier besonders "männlich" zu zeigen. Nun ist Sophie Koch ja eine Frau, aber eben eine, die, wie ich finde, von ihren Gesichtszügen her, erst einmal nicht auffällig weiblich wirkt ( daher finde ich sie als Cherubino nicht so geeignet...). Meine fünfjährige Tochter drückte das vor kurzem sehr herzlos aus, indem sie mit mitleidiger Miene erklärte: "Die ist halt kein hübsches Mädchen, darum kann sie gut einen Jungen spielen." Nun ist Sophie Koch ja beileibe nicht hässlich ( finde ich zumindest nicht, aber das ist natürlich subjektiv...), aber ihr Gesicht wirkt durch die markante Nase und die leicht abstehenden Ohren eben nicht so typisch weiblich.
Ich denke, dadurch wirkt dieses Lümmeln auch nicht völlig daneben, sondern besitzt nur diesen leicht "unanständigen" Touch.
Stell dir mal die Frau Marschallin in der gleichen Pose vor... Oder auch eine Sängerin, die optisch weiblicher herüberkommt als Sophie Koch!

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Samstag, 14. Oktober 2017, 07:31

Übrigens wollte ich diese Szene als Beispiel dafür anführen, dass manche Regisseure eher Wert darauf legen, Octavian von seiner "männlichen" Seite zu zeigen als umgekehrt. Ich habe diese Szene leider nicht einzeln im Internet gefunden, aber sie unterscheidet sich ganz immens on der, über die wir zuvor gesprochen haben. Hier war es dem Regisseur offenbar wichtig, ih eher zwischen "Mann" und "Kind" schwanken zu lassen und das Weibliche auszublenden.
Übrigens zeigt er sich auch in der Szene, in der er, als Zofe verkleidet, vom Baron angebaggert wird an einer Stelle leider zu männlich- mit fatalen Folgen für ihn... Da quittiert er den Klaps auf den Hintern, den er da verpasst bekommt sofort mit einem derben Schlag auf den Allerwertesten des Barons- was diesen natürlich nur noch mehr anheizt...

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Samstag, 14. Oktober 2017, 19:59

Manche Dinge, über die wir hier gesprochen haben, scheinen offenbar doch sehr unterschiedlich wahrgenommen zu werden, je nachdem, ob man selber ein Mann oder eine Frau ist...

Ich finde sowas immer spannend, denn ich möchte ja andere Sichtweisen hören - es wäre ja langweilig, wenn man ständig die gleiche Meinung hat.

Dieses laszive- und in meinen Augen auch etwas vulgäre- Lümmeln auf dem Sessel habe ich deutlich als männliche Pose empfunden, bzw. als den Versuch, des Regisseurs, Octavian hier besonders "männlich" zu zeigen.

Hmm, einerseits sagst du "lasziv", andererseits "männliche Pose" - würdest du diese Pose auch bei einem echten Mann als lasziv bezeichnen? (Bitte nichit als Kritik missverstehen, mich interessiert es nur)

Davon abgesehen bin ich mir gerade bei solchen Posen immer unsicher, was der Hintergedanke war. Wollte der Regisseur tatsächlich nur die Sängerin möglichst männlich wirken lassen? Oder dachte er gar nicht an solche Dinge, sondern nur an die Figur und wie sie sich verhält, unabhängig vom Geschlecht des Interpreten? Oder aber ging es mehr darum, einerseits die Figur zu charakterisieren, andererseits um den "Spaß" oder auch den Reiz, dass eine Frau so eine Pose einnimmt?


Ich habe mir jetzt einen neuen Rosenkavalier angesehen, das heißt, die Anfangsszene, diesmal eine Produktion von 1985:



Da ich dich nicht beeinflussen möchte, sage ich noch nichts dazu, und frage, wie du diesen Octavian hier findest.



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Samstag, 14. Oktober 2017, 22:50

Das Wort "lasziv" definiere ich als "sexuell aufreizend", und es ist für mich nicht geschlechtsspezifisch. Die Pose, die Octavian da einnimmt, hätte ich auch bei einem "echten" Mann als "lasziv" bezeichnet!
Aber wo liegt deiner Meinung nach der Unterschied zwischen den Wörtern "weiblich" und "feminin"?

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287

Samstag, 14. Oktober 2017, 23:14

Danke für den weiteren "Rosenkavalier", den kannte ich auch noch nicht! Ich konnte nicht widerstehen, mir gleich noch die erste Begegnung zwischen Baron von Lerchenau und dem als Zofe verkleideten Octavian anzusehen sowie das verhängnisvolle Gespräch zwischen Marschallin und Octavian am Ende des ersten Aktes.
Ich war neugierig, wie dieser doch recht wenig selbstbewusst wirkende Octavian sich schlagen würde- und er hat's ja wirklich von allen Seiten bekommen... Als nächstes nehme ich mir dann die Duellszene vor...
Wollte mich nur zwischendurch zu Wort melden!
Ist nicht so wirklich ein Octavian nach meinem Geschmack... Die Stimme ist zu hell, klingt mir zu sehr nach Frau und bildet so einfach keinen Kontrast zur Stimme der Marschallin. Auch vom Aussehen her zu weiblich.
Allerdings war die Darstellung interessant, weil sie anders war, als ich Octavian bisher erlebt habe. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob er eher noch sehr kindlich oder insgesamt wenig selbstbewusst gezeigt werden sollte...

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Samstag, 14. Oktober 2017, 23:20

Der Unterschied ist für mich eher ein gefühlter, denn ein klar definierbarer.

Wenn wir das Aussehen hernehmen: ein Mann, der feminin aussieht, wäre für mich etwas anders als einer, der weiblich aussieht. Das "feminin" bedeutet für mich hier, dass er schon wie ein Mann aussieht, nur mit femininen Zügen.

Würde ich sagen, dass er weiblich aussieht, dann klingt das so, als ob da überhaupt nichts männliches mehr wäre. "Feminin" ist für mich von der Begrifflichkeit her etwas subtiler, nicht so klar zuordenbar, während "weiblich" schon ausschließlicher klingt.

Wie gesagt, es ist für mich nur ein gefühlter Unterschied, und ich erwarte mir von niemandem, dass er diese Begriffe übernimmt, ich wende sie nur für mich selbst an in meinen Beschreibungen.




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Samstag, 14. Oktober 2017, 23:41

Ist für mich eine nachvollziehbare Definition, danke dir!
Habe mir gerade noch die Duellszene angesehen. Habe so ein bißchen erwartet, dass Octavian da eventuell über sich hinauswachsen würde- immerhin hat Sophie in ja gebeten, ihr beizustehen.
War irgendwie etwas schräg: Sophie wirkt sich um Längen selbstbewusster als Octavian! Wenn ich den Werdegang nicht gekannt hätte, hätte ich erwartet, dass sie ihm irgendwann den Degen aus der Hand nimmt und lieber eigenhändig auf den Baron losgeht- damit der Job auch ordentlich erledigt wird! ;)
Und auch hier wieder: Es gibt vom Klang her kaum einen Unterschied zwischen Sohie und Octavian!

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Samstag, 14. Oktober 2017, 23:43

Meine Meinung zu dem Octavian: irgendwie kam es mir hier umgekehrt vor. Wenn er herumging, wirkte er eher männlich auf mich, also kein leichtfüßiges Daheingleiten. Dafür kam er mir in den Szenen, wo er auf dem Bett kniet oder liegt sehr weiblich vor, da waren die Gesten irgendwie die einer erwachsenen Frau; teilweise wirkte es auf mich als sei der Octavian die Frau, die da einen Mann besingt.

Für den weiter entfernt sitzenden Opernzuschauer wird es weniger störend sein, aber die Kamera ist da gnadenlos und enthüllt, dass die Sängerin wenig burschikos oder jung aussieht. Ich habe nachgesehen, sie war 44 zum Zeitpunkt der Aufnahme, und wenn man da einen 17 jährigen darstellen soll, wird es schwerer. (Bevor sich jemand künstlich aufregt: mich stört es auch umgekehrt, wenn eine Knusperhexe erst um die 30 ist, da möchte ich schon ältere Sängerinnen haben).



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Sonntag, 15. Oktober 2017, 00:17

... aber Kiri te Kanawa ist halt eine zwar nicht mehr ganz junge, aber trotzdem wunderschöne Frau, von daher wirkten die beiden unfreiwillig wie ein verliebtes Frauenpärchen...
Nebenbei: Kennst Du denn den gesamten Rosenkavalier mit Sophie Koch und Renée Fleming? Du hattest irgendwann erwähnt, dass du den Rosenkavalier einmal gesehen hättest, diese Oper aber generell ablehnen würdest...
War das diese Aufzeichnung? Ich frage, weil gerade die Anfangsszene dort wiederum ganz anders dargestellt wird- mit relativ wenig Körperkontakt zwischen den beiden. Was trotzdem irgendwie reizvoll ist!
Und wer bitte sollte sich denn hier künstlich aufregen?!? Habe aber eben auch rasch noch einmal sichergestellt, dass ich den Namen von Kiri te Kanawa korrekt geschrieben habe... ;)

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Sonntag, 15. Oktober 2017, 00:27

Übrigens war Cherubino Liliana Nikiteanu zum Zeitpunkt des Harnoncourt- Figaro im Züricher Opernhaus tatsächlich auch schon 34! Kaum zu glauben, oder? Manche haben da wohl einfach Glück...

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Sonntag, 15. Oktober 2017, 00:36

Nebenbei: Kennst Du denn den gesamten Rosenkavalier mit Sophie Koch und Renée Fleming? Du hattest irgendwann erwähnt, dass du den Rosenkavalier einmal gesehen hättest, diese Oper aber generell ablehnen würdest...

Ich weiß nur, dass ich den ganzen Kavalier sah, bevor ich die Salome kennengelernt habe. Leider weiß ich nicht mehr welche Produktion es war, aber die mit S. Koch definitiv nicht. Aber ich habe danach in viele Versionen kurz reingeschaut.

Und wer bitte sollte sich denn hier künstlich aufregen?!?

Es gibt immer ein paar Berufsempörte, die irgendwas suchen, um sich aufregen zu können, und behaupten, ich hätte etwas gegen "alte" Leute, oder dass man mit 44 nicht zu alt ist, oder was weiß ich. Was natürlich Unsinn ist.

Ich habe vor einiger Zeit einen Cherubino gesehen, den ich zwar rein optisch sehr hübsch, aber für diese Rolle unpassend finde, weil er überhaupt nichts burschikoses hat, nicht mal ansatzweise.



Wenn du hier auf 11:00 gehst, da beginnt die Arie "Venite, inginocchiatevi".



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Sonntag, 15. Oktober 2017, 01:08

Ach, Elisabeth Steiner! Das ist ein ganz süßer, eben noch sehr kleiner Cherubino mit einer Menge "Kindchenschema", wie es sein soll! Jedenfalls, wenn's nach mir geht...
Gut, ein sehr schönes, auch weibliches Gesicht- würde aber auch als hübscher
Junge durchgehen!
Das mit den "Berufsempörten" ( klasse Wort übrigens, wird gleich übernommen!) habe ich auch schon festgestellt, und meine Bemerkung war dementsprechend ein klitzekleines bißchen ironisch zu verstehen gewesen...

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Sonntag, 15. Oktober 2017, 01:23

Ich muss wieder einmal zu Steinzeit- Methoden greifen: Wenn du bei Google"sophie koch cherubino bilder" eingibst, erscheint da ganz zu Anfang ein Bild, das sie als Cherubino zeigt. Aber ich sehe hier keinen Cherubino, das ist einfach Octavian!

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Sonntag, 15. Oktober 2017, 01:45

Der Cherubino im langen braunen Mantel, gell? Stimmt, das ist für mich auch überhaupt kein junger Bursche, viel zu groß, und die Gesichtszüge sind für mein Empfinden auch zu hart für einen 13 jährigen.

Noch eine Anmerkung zu E. Steiner als Cherubino: was ich hier auch irgendwie komisch finde (nicht im Sinne von lustig) ist, dass sie von der Schminke und der Frisur her auf mich so wirkt, als könnte sie gegenüber von Robert Lembke im Rateteam sitzen - 60er Jahre total! :D

Vor längerer Zeit habe ich auch ein Bild einer Hosenrollen-Darstellerin aus dem 19. Jahrhundert gefunden, Vesta Tilley hieß sie und war damals offenbar recht bekannt:





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Sonntag, 15. Oktober 2017, 08:01

Stimmt, du hast recht, vor allem die Frisur!!! Die typische 60 er Jahre Hausfrau aus dem damaligen Werbefernsehen- strahlend vor Glückseligkeit, weil das Oberhemd ihres Mannes fleckenlos und in perfektem Weiß aus der Waschmaschine gekommenen ist!!! ^^
Genau das Bild von ihr im braunen Mantel meinte ich! Sophie Koch sieht ja wirklich wie ein junger, hübscher Mann aus- aber für Cherubino wirken die Gesichtszüge einfach nicht mehr kindlich genug, finde ich. Sie ist eben, und das nicht nur optisch, ein perfekter Octavian! Die Rolle hat sie inzwischen ja auch so oft gespielt, dass sie zwischendurch wahrscheinlich selber mal überlegen muss, ob sie Männlein oder Weiblein ist :P
In jedem Fall lohnt es sich immer, sie in der Rolle des Octavian zu sehen, ich habe zwei Dvd- Aufnahmen mit ihr in dieser Rolle, einmal die genannte mit Renée Flemming als Marschallin- perfektes Team die beiden, auch stimmlich und optisch- und eine, in der die Handlung in die Entstehungszeit der Oper verlegt wurde, also um 1910. Die Darstellung ist da eine komplett andere. Zwar auch so schwankend zwischen männlich selbstbewusst und kindlich impulsiv, gerade in der Anfangsszene. Die Marschallin ist schon wirklich "alt", bestimmt um die fünfzig... Da ist der Altersunterschied dann wirklich augenfällig und das ganze bekommt so einen Touch von Mutter- Sohn- Beziehung...

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Sonntag, 15. Oktober 2017, 08:07

Übrigens konnte ich mir nicht verkneifen, auch das Alter von Sophie Koch einmal zu recherchieren... Ich musste die Angaben auf der DVD- Hülle mehrmals überprüfen, weil ich's einfach nicht glauben konnte!!! Aber wenn die da nicht überall Druckfehler gemacht haben, so war sie zu dem Zeitpunkt, als sie sich da mit "Zigarette danach" auf dem Sessel lümmelte tatsächlich auch schon vierzig!!! Unglaulich, oder?!

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Sonntag, 15. Oktober 2017, 08:13

Und die Dame auf dem Schwarz- Weiß- Bild, Vesta Tilly, hatte eine wahnsinnig interessante Lebensgeschichte! Sie stand mit fünf Jahren schon in Jungen Kleidern auf der Bühne und war im Alter von elf Jahren praktisch schon berühmt! Mehr dazu nachher, muss jetzt Schluss machen...

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Sonntag, 15. Oktober 2017, 14:03

Habe gerade nachgesehen, der Uraufführungs-Octavian war bei der UA 29 Jahre alt.

(Auch witzig: Sophie Koch spielt da einen Burschen, der sich in eine Sophie verliebt - und heißt eigentlich selber so :D)



LG,
Hosenrolle1
„Begreifen wir endlich, dass der emotionale Kult der Tradition nur eine Form unserer geistigen Faulheit ist.“ (Stanislaw Brzozowski)