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Alfred_Schmidt

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1

Dienstag, 8. August 2017, 12:24

Solidarisierung mit dem jetzt - "Ich kaufe nur Aufnahmen ab 2000"

Diese Aussage (von mir verkürzt, damit sie "titeltauglich " wird) hat eines userer neu hinzugekommenen Mitglieder gemacht.* Das ist immerhin ein interessanter Denkansatz, wenngleich natürlich (schon altersbedingt) nicht meiner.
Prinzipiell ist dieser Denkansatz ja nicht neu: In meiner frühen Jugend wurde die Stereophonie eingeführt. Eingeführt wurde sie schon ftüher, aber es hat einige Jahre gedauert, bis sie von den Plattensammlern akzeptiert wurde.
Aber dann waren MONO- Aufnahmen so gut wie unverkäuflich, selbst Leute, die noch gar nicht über ein Stereo-Equpment verfügten, wollten für die Zukunft gerüstet sein. Daß bedeutete damals in etwa dasselbe, wie wenn heute jemand nur Aufnahmen ab 2000 - das sind 18 Jahre Schallplattengeschichte - hören will.
Es ist schwer, zu unterscheiden, ob man die alten Aufnahmen aus technischen oder anderen Gründen nicht hören wollte. Heute ist es ja so, daß viele Sammler der alten Schule keine Neuaufnahmen mehr hören wollen (Ich kaufe nur welche, des Nischenrepertoires wegen und im Falle alter Musik und Barockmusik)
Heute lebende Künstler können natürlich eine große Live-Karriere machen, aber im Falle von Tonaufnahmen haben sie - von Ausnahmefällen abgesehen - das Nachsehen. Das Angebot an Aufnahmen "großer. alter" Interpreten ist markbeherrschend, gelegentlich sogar erdrückend.
Allerdings gibt es auch Kritik an den einstigen Größen - wer hätte je gedacht, da Karajan dereinst nicht mehr "sakrosankt" sein würde.
Neue Interpreten haben oft einen ganz anderen Zugang zu den Werken und zum Leben überhaupt. Heute geht man in Studio (wenn überhaupt) und macht eine Aufnahme an ein bis zwei Tagen. FRÜHER hat man AUFNAHMEN FÜR DIE EWIGKEIT geancht, für die Nachwelt. Dementspreched wurde der Aufwand getrieben, ein ganzes Aufnahmeteam war oft wochenlang im Einsatz um eine Aufnahme technisch und künstlerisch "in den Kasten" zu bekommen (wie man damals flapsig sagte)
Da wurde aufgenommen - abgehört, wiederholt und geschnitten was das Zeug hielt und man erreichte oft eine Perfektion, die heute einfach nicht mehr machbar ist.
Andrerseits gibt eis eine Gruppe von Hörern, die darauf Wert legt, jene Künstler auf CD zu besitzen, die sie auch im Konzert gehört hat.

Man mag einwenden, das eine schließ das andere nicht aus. Das mag derzeit noch stimmen, aber da immer wieder Neuaufnahmen auf den Markt kommen. wird man sich immer entscheiden müssen....

mfg aus Wien
Alfred

*) Die erweiterte Titelphrase (Solidarisierung mit dem Jetzt) habe ich von AcomA2 "abgekupfert" - weil sie so ins Scheware trifft)

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Bertarido

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2

Dienstag, 8. August 2017, 13:38

Sich mit lebenden Künstlern befassen zu wollen finde ich sympathisch. Aber sich ausschließlich auf diese zu beschränken, kann ich dann wieder nicht nachvollziehen, ebensowenig wie die hier öfter anzutreffende umgekehrte Tendenz, fast nur alte Aufnahmen zu kaufen, weil die neuen Interpreten angeblich an diese nicht heranreichten. Zu jeder Zeit sind gute und herausragende Aufnahmen entstanden, und mein Ziel ist es, diese auch zu kennen und zu besitzen (wobei hier natürlich auch immer der persönliche Geschmack eine Rolle spielt). Die Klangqualität ist für mich ein limitierender Faktor, so dass alle Mono-, aber auch viele frühe Stereo-Aufnahmen ausscheiden. Aber seit einigen Jahrzehnten sind die Unterschiede in der Klangqualität nur noch marginal, die besten Aufnahmen aus den 80ern und 90ern sind (fast) ebenso gut wie die besten von heute.

La Roche

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3

Dienstag, 8. August 2017, 14:14

In meiner CD-Sammlung habe ich auch Uraltaufnahmen, z.B. Aufnahmen, bei denen Richard Strauss noch selbst dirigiert, natürlich vorwiegend seine eigenen Werke. Ohne digitale Aufarbeitung stört die Tonqualität doch gewaltig, ich höre diese nur noch zum Vergleichen.

Aufnahmen aus den 50-er und noch früheren Jahren liegen inzwischen fast komplett digitalisiert vor, und aus Gründen der Klangqualität bevorzuge ich diese eindeutig. Was nützt mir der beste Corelli oder ein toller Gobbi, wenn der Ton miserabel ist? Man hat sich an rauschfreie Tonwiedergabe gewöhnt, auch bei sinfonischer Musik, und darauf will ich nicht verzichten.

IM Youtube-Zeitalter kann man einunddieselbe Aufnahme oft im Original und danach bearbeitet hören. Der Unterschied ist erschreckend. Ich will und kannauf die alten Sängerstimmen und auch auf Karajan u.a. aus den 60-ern nicht verzichten. Aber die Qualität soll stimmen. Manchen mag das befremden, ich will es aber so.

Herzlichst La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer
Nihil fit sine causa

Caruso41

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4

Dienstag, 8. August 2017, 15:24

Diese Aussage (von mir verkürzt, damit sie "titeltauglich " wird) hat eines userer neu hinzugekommenen Mitglieder gemacht.* Das ist immerhin ein interessanter Denkansatz, wenngleich natürlich (schon altersbedingt) nicht meiner.


Wenn der neue Tamino dann erst mal Aufnahmen von Fritz Reiner oder Karel Ancerl, Wilhelm Furtwaegler oder Sir Thomas Beecham hört, wird er sicher seinen Denkansatz noch mal überdenken......

Caruso41
;) - ;) - ;)

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

Friese

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5

Dienstag, 8. August 2017, 17:26

Oha, da habe ich ja was angerichtet. ;) , aber als alter Friese versuche ich das jetzt mal aufzudröseln.

Teleton hat ja im Vorstellungsthread auch schon gesagt, das aus seiner Sicht viele Große Alte in den letzten 50 Jahren deutlich bessere Interpretationen geliefert haben, als man sie bei den Neuaufnahmen ab dem Jahr 2000 findet. Und das mir mit meiner selbst gewählten Beschränkung natürlich sehr viel entgeht.

Ich habe mir meine eigene Beschränkung :angel: heute noch mal durch den Kopf gehen lassen. Und habe dann gedacht, natürlich entgeht mir was, aber eigentlich auch wieder nicht.

Zitat

Zitat von Teleton:
Was ist mit den Aufnahmen der Brahms-Sinfonien unter Klemperer (EMI),
Solti (Decca), Szell (SONY), Karajan (DG und Decca) und Bernstein (SONY
und DG); auch um mal nur einige Wichtige zu nennen ??? Wenn Du die nicht
kennenlernen willst, dann hast Du verdammt viel verpasst. Die Neue aus
diesem Jhd mit Chailly aus Leipzig empfand ich gegen die Genannten eher
als schwach und wenig herausragend. JA, diese nach 2000 habe ich
bereits wieder entsorgt.
Die Aufnahmen von Klemperer, Solte, Szell und Bernstein, kenne ich tatsächlich nicht. Aber ich habe auch nicht das Gefühl, dass sie mir fehlen. :untertauch: Chailly aus Leizig höre ich sehr gerne. Bin aber gerade dabei mir die aktuellen Nelsons Aufnahmen mit dem BSO herunter zu laden, weil ich die irgendwie auch spannend finde und gerne hören möchte wie das klingt, wenn jemand Brahms dirigiert, der 11 Jahre jünger ist als ich. Ich finde das viel spannender als mir eine Klemperer Aufnahme zu holen, aus einer Zeit, als mein Vater noch jung war....

Es liegt nicht an der Klangqualität oder ähnlichen. Siamak hat das sehr schön zusammengefasst als er schrieb, Solidarisierung mit dem Jetzt.

Genau das ist es. Mir geht es darum zu hören, wie spielen die Musiker das heute. Ich lebe ja auch heute. Ich möchte Hörtechnisch in meinen Zeitalter bleiben, ohne dass das irgendeine Wertung für mich hat. Aber es ist mir beim Klassik hören, tatsächlich recht wichtig von hier in die Zukunft zu gucken, nicht von hier in die Vergangenheit. (Vielleicht trifft es das auch ganz gut)

Natürlich hat das aber den Nachteil, dass ich auf manche Aufnahmen warten muss, weil sie keiner in den letzten 17 Jahren eingespielt hat, aber dass ist dann halt so. Und ich freue mich, wenn es denn endlich mal eine gute Neuaufnahme gibt. :hail:

LG, Friese

Alfred_Schmidt

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6

Dienstag, 8. August 2017, 17:33

Denkansätze sind durchwegs positiv - sie werden üblichwerweise im Laufe eines Lebens mehrfach korrigiert - was ebenso positiv ist.
Die Grundidee, nur "zeitgenössische" Aufnahmen zu hören,ist gar nicht so selten, man findet (oder FAND ?) die sogar relativ oft bei Rezensenten, die relativ jung waren, sind. Es ist - wie so viles im Leben - eine Frage der Weltanschauung.
Als Beispiel möchte ich meine ursprüngliche Sichtweise hier bekannt machen. Zum einen hatte ich, als ich mit 15 begann, Schallplatten zu kaufen, nicht die Möglichkeit große Auswahl zu treffen. Ich kaufte Sampler von großen Pattenwirmen, die man heute als MIDPRICE Veröffentlichungen bezeichen würden, sie kossteten damals 99.-- statt 150-- öS. Budgetpice gabe es nicht - und von Firmen wie Melodia, Fonit Cetra und anderen Billigausgaben kauft ich nichts, die Pressungen waren oft katastrophal, oft gab es sogar gleichlaufschwankkungen, Dropouts bei Bändern, oder "elektronisches Stereo"
Ofanhmen mussten also in STEREO und mit vollem Frequenzumfang sein. Band und Plattenrauschen war indes nicht verhinderbar und wurde zähneknirschend skzeptiert. MONO war NO GO - mit Ausnahme von Stimmenaufnahmen.
Ich wollte vor allem Aufnahmen mit ALTEN oder (damals)kürzlich verstorbenen Interpreten, da man hier in die Vergangenheit sehen konnte - und das in Stereo-Qualität. Und natürlich die GRÖSSEN der damaligen Zeit: Karl Böhm und Herbert von Karajan, Ernest Ansermet, Rafael Kubelik, Fritz Wunderlich, Dietrich Fischer-Dieskau- Hermann Prey. Die Callas mochte ich nicht, sie hatte ein für mich unangenehme Stimme, ich war ein Bewunderer der Sutherland.
Wilhelm Kempff, Wilhelm Backhaus, Ferencz Fricsay, Klara Haskil, Stefan Askenase waren meine Klaviergrößen. Da fehlen große Namen, aber das lag und liegt an dem bei mir bevorzugten Repertoire, das sich hauptsächlich im Bereich der Wiener Klassik bewegte, bis hin zu Mendelssohn und einigen wenigen"Reissern" aus späteren Tagen. Das ergab für die ersten 10 Jahre meines Sammlerlebens genug Möglichkeiten Geld aus zugeben. Als ich ca 25 Jahre alt war, mochte meine Sammlung etwa 400 LPs und 40 Operngesamtaufnahme ausgemacht haben.
Der erste Schock kam dann 1983 als klar war, daß von nun ab digital aufgenommen würde und viele der geliebten Künstler nicht mehr mit dabei sein würden.
Karajan verkündete damals lauthals, daß es von ihm jedenfalls keine Umschnitte seiner Analogaufnahmen geben werde - DIGITAL sei die Parole - alles andere sei Gaslicht...(Dieser Satz wurde in späteren Jahren immer wieder zitiert)

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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7

Dienstag, 8. August 2017, 18:08

Die Gegenwart ist ja viel ausgedehnter. Wenn man einen noch aktiven Künstler wie Pollini oder Argerich schätzt, wird man sich kaum auf deren Aufnahmen der letzten 17 Jahre beschränken wollen.

Und viele von uns sind schon ein wenig länger dabei. Ich habe 1988 meine erste CD gekauft und etwa zwei Jahre vorher begonnen, Klassik zu hören. Damals waren zig Künstler noch aktiv, die inzwischen längst verstorben sind und die ihrerseits natürlich umfangreiche Diskographien hatten, die viele Jahrzehnte zurückreichten. Sicher wollte DG am liebsten die neuesten Digitalaufnahmen verkaufen, aber auch die älteren Sachen mit Kempff, Karajan usw. waren erhältlich und wurden als "Standardempfehlungen" beworden. Nachdem ich ein paar Monate auf die "DDD"-Manie hereingefallen war, stellte ich fest, dass viele analoge Stereoaufnahmen aus den 70ern und 60ern ebensogut klangen und oft deutlich günstiger waren. Ich hatte dabei aber nie den Eindruck, wenn ich eine 20 Jahre alte Aufnahme kaufte, bewusst, etwas Vergangenes hervorzuholen oder so. Das waren oft dieselben Künstler, die noch konzertierten (oder gerade erst verstorben waren, wie zB Bernstein) und die hoch angesehen, aggressiv beworben und v.a. leicht und vergleichsweise preiswert auf CD erhältlich waren. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass ich mehr oder besonderes Interesse an z.B. Kissin, der etwa in meinem Alter war oder Mutter, die nur etwa 10, nicht 40 oder 60 Jahre älter war, hatte, als an schon verstorbenen Künstlern.

Vor-Stereo-Aufnahmen klangen mir damals meistens auch noch nicht gut genug, aber der Rest war mir egal bzw. ging ich nach Empfehlungen aus Zeitschriften oder von Bekannten, sofern sie erhältlich waren.

Agon

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8

Dienstag, 8. August 2017, 18:16

Da ich persönlich mich auch sehr für die Aufnahme- und Interpretationsgeschichte interessiere, ist es für mich völlig unvorstellbar, mir nur Aufnahmen ab 2000 zuzulegen. Das finde ich eine ganz schreckliche Verkürzung und Beschneidung.
Ich kann mir auch nicht wirklich vorstellen, daß ein gebildeter und interessierter Klassikhörer sich nur auf solche Aufnahmen beschränken würde. Ich könnte solche Leute dann sowieso nicht ernst nehmen, geschweige denn mit Ihnen über Musik, Künstler und Aufnahmen diskutieren. Das funktioniert nicht.
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. (Theodor W. Adorno)

dr.pingel

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9

Dienstag, 8. August 2017, 19:04

Ich sage es mal mit einem Beispiel: die beiden besten Aufnahmen von Don Giovanni sind von Furtwängler und Otto Klemperer. Die beiden besten Sänger der Titelrolle sind Cesare Siepi und Nicolai Ghiaurov. Darauf würde ich doch niemals verzichten wollen. Allerdings: alte Aufnahmen wie z.B. mit Caruso befinden sich nicht in meinem Besitz.
"Früher war alles besser!" Sogar die Kommentare zu "Früher war alles besser!" waren früher besser (Dr. Pingel´s Brosamen, Band 1, Nr. 65).

Helmut Hofmann

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10

Dienstag, 8. August 2017, 19:52

Mir ist die in dem Entschluss "Ich kaufe nur Aufnahmen ab 2000" sich artikulierende Haltung völlig unbegreiflich und in keiner Weise nachvollziehbar.

Wem es um die Erfahrung und das Erfassen der Aussage von klassischer Musik geht, der wird doch nach der Aufnahme suchen, in der diese interpretatorisch am umfassendsten und in der werkgerechtesten Weise zum Ausdruck gebracht wird. Und dabei wird ihm, denke ich, das Datum ihrer Produktion und auch deren rein technische Aufnahmequalität letztendlich irrelevant sein und bleiben.

9079wolfgang

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11

Dienstag, 8. August 2017, 20:24

Zitat

Was nützt mir der beste Corelli oder ein toller Gobbi, wenn der Ton miserabel ist? Man hat sich an rauschfreie Tonwiedergabe gewöhnt, auch bei sinfonischer Musik, und darauf will ich nicht verzichten.


Aber Hallo!

Ich besitze viele LP´s von Corelli, Gobbi u. A.. Die klingen kaum schlechter als manche Neuaufnahmen und rauschen auch nicht. Es sei denn, es handelt sich um wirklich historische Aufnahmen. Da kann man aber nicht Corelli, Gobbi, Rysanek u. A. als Beispiel anführen. Da muß man schon in die 50er Jahre zurückgehen. Und selbst aus dieser Zeit habe ich respektabel klingende Mono-Aufnahmen. Diese bedeutet aber nicht, daß ich keine digitalen Neuaufnahmen kaufe, bzw. höre. Bei mir läuft momentan Elina Garanca, von der kann ich nicht genug kriegen. ^^
W.S.

Alfred_Schmidt

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12

Dienstag, 8. August 2017, 22:32

Zitat

Oha, da habe ich ja was angerichtet. ;) , aber als alter Friese versuche ich das jetzt mal aufzudröseln.


Du hast überhaupt nicht "angerichtet", sondern Stoff für einen sehr interessanten Thread geliefert.

Denn es spielt sich ja oft auch umgekehrt ab: Durch das große Angebot an alten Aufnahmen - oft noch dazu - zu extrem niedrigen Preisen - und in phantastischer Tonqualität werden Neuaufnahmen oft gemieden. Alte Aufnahmen kligen oft musikalischer als die neuen. Warum - und ob das so ist, darüber könnte man diskutieren.
Ich komme oft gar nicht zu neuen Aufnahemen, weil ich versuche, all das was ich einst auf Schallpaltte hatte - nachzukaufen - soweit verfügbar. Vieles wurde ja nich icht digitalisiert, und lange Zeit sah es so aus, als würde das nie geschehen. Aber die Bänder sind nun mal da, die Produktionskosten eingespielt - Als raus damit !!
Neuaufnahmen leiden darunter, daß sie ofr nur Konzertmitschnitte sind, wo der Klang nur eingeschränkt manipuliert werden kann. und ausserdem die neuen Interpreten von der "alten Garde" an Klassikhören nicht für vollwertig angesehen werden. Mir persönlich geht es oft so, daß da Namen auftauchen, von denen ich noch nie zuvor etwas gehört habe. Ich frage mich oft, obe den Hörern HEUTIGER Dirgenten, jemand noch so BEDEUTEND erscheint, wie beispielsweise meiner - und vor allem der vorhergehenden Generation Herbert von Karajan. Es ist ja (eigenartigerweise) bis heute keinem Tenor gelungen, den Nimbus von Enrico Caruso zu erreichen....
Im Prinzip macht jemand, der nur Aufnahmen ab 2000 hört nichts wesentlich anderes als meine Generation, die STEREO als Grundbedingung für den Erwerb einer CD setzte.....

mfg aus Wien
Alfred

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9079wolfgang

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13

Dienstag, 8. August 2017, 22:51

Wenn ich es recht verstanden habe, ging es in erster Linie um die Klangqualität (miserabel, rauschen) vor dem Jahre 2000. Ich habe mir zum Probehören eine Rigoletto-Gesamtaufnahme aus dem Jahre 1964 der Deutschen Grammophon unter der Ltg. von Rafael Kubelik aufgelegt. Die Interpreten sind Renata Scotto, Carlo Bergonzi, D. Fischer-Dieskau und Ivo Vinco. Von wegen miserable Tonqualität, rauschen! Diese Einspielung klingt astrein und kann mit vielen Aufnahmen nach 2000 mithalten.
W.S.

Alfred_Schmidt

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14

Dienstag, 8. August 2017, 22:56

Zitat

Ich besitze viele LP´s von Corelli, Gobbi u. A.. Die klingen kaum schlechter als manche Neuaufnahmen und rauschen auch nicht.


Da0 sie gut klingen, das glaube ich gern, daß sie nicht rauschen, indes nicht. Wie hörern es im fortgeschrittenen Alter einfach nicht mehr.
Alledings rauschen gut erhaltene Aufnahmen (wenn die Bänder nicht wesentlich gelitten haben) wesewntlich weniger als die seinerzeitigen Schallplatten.
Es sind ZWEI Gründe dafür zu nennen
Beim ANALOGEN Mastering werden die einzelnen Kanäle auf ZWEI umkopiert. Dabei erhöht sich das Bandrauschen und die Impulswiedergabe wird verschlechtert (Aufmagnetisierungsvorgänge in den Tonköpfen analoger Bandgeräte) Zusätzlich kommt noch das Nadelrauschen beim Schneiden der Lackfolie und auch dann bei der Wiedergabe. Es gibt Berzerrungen durch Spurfehlwinkel und Dynamikeinschränkung, weil man die Rille nicht über Gebühr breit schneiden kann (Spieldauer) Dazu kommt noch eventell ein "Übersprechen" zweischen den Kanälen UND ein Eche, von der letzten Rillenumdrehung, wenn ZU eng geschnitten wurde. Das ist so zu erklären, daß während des Schneidvorgangs trotz Kühlung die Lackfolie doch ziemlich erhitzt wirde. So kann es passieren, daß die zuletzt geschnittene umdrehung nich nicht abgekühlt ist, während die neue soeben geschitten wird. Dadurch wird diese vergangene Rillenumdrehune ein wenig mitmodelliert, also dunik NICHT der Fall war)rch die neue Toninfrmation kaum hörbar - aber doch beeinflußt.
Es gibt natürlich auch Verluste bei der Übertragung ins Digitale Signal, aber die sind - wenn die Technik richtig beherrscht wird (was zu Beginn nicht der Fall war) relativ gering. Allerdings komnmte es oft vor, daß die heutigen Tontechniker die Aufnahmen "verbessern" wollen und en schönen alten Klang ruinieren.
Das ist aber nichts neues. In den fünfziger und sechtiger Jahre wurden vilele Stimmaufnahmen der 30 Jahre gefiltert. Man reduzierte das Rauschen und bekam zur Strafe ein stumpfes, dumpfes und höhenschwaches Klangbild.

Diese "Verböserung" wurde dann als "Verbesserung" verkauft...

mfg aus Wien
Alfred

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Joseph II.

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15

Dienstag, 8. August 2017, 23:07

Ich verstehe den Threadtitel nicht ganz. Welchen Quantensprung soll die Tontechnik denn ab dem Jahr 2000 gemacht haben, dass man sämtliche (!) Aufnahmen, die davor gemacht wurden, ablehnen könnte? Bereits 1954 (!) gab es astreine Stereoaufnahmen, die eine unfassbar gute Klangqualität hatten (RCA Victor Living Stereo). (Es gab sogar noch ältere Experimentiereinspielungen in Stereo aus den 30er und 40er Jahren.) Manche nach 2000 gemachte Aufnahme kann tontechnisch nicht mal mit den besten 50er-Jahre-Aufnahmen konkurrieren, in die bereits damals ein unfassbarer Aufwand gesteckt wurde. Besonderer Vorreiter war neben RCA seinerzeit Decca (ebenfalls schon 1954). EMI zog 1955 nach, die Deutsche Grammophon Gesellschaft 1956 und Philips 1957. In den Handel kamen die ersten Stereo-LPs offenbar 1957/58. Selbst Mehrkanalaufnahmen gab es bereits lange vor 2000 (mir persönlich reicht gutes Stereo bereits völlig). Für mich gibt es jedenfalls keine nachvollziehbaren technischen Gründe (von künstlerischen ganz zu schweigen), keine Aufnahmen von vor 2000 zu hören.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

9079wolfgang

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16

Dienstag, 8. August 2017, 23:35

Hier bin ich voll mit Joseph II. solidarisch! Wahrscheinlich ist mein Gehör nicht mehr in der Verfassung wie zu meiner "Sturm- und Drangzeit". Aber meine zehnjährige Tochter wird mit diesem Alterungsprozess wohl noch keine Probleme haben. Sie fand den Klang sehr gut und hörte keinerlei rauschen. Ich habe mir extra einen "neutralen" Plattenspieler zum Vergleich ausgesucht (DUAL CS 5000 mit Ortophon Super und Nadel 40). Für meine Ohren kann ich keinen Unterschied zu vielen Neuaufnahmen erkennen.
W.S.

teleton

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17

Dienstag, 8. August 2017, 23:44

Es liegt nicht an der Klangqualität oder ähnlichen. Siamak hat das sehr schön zusammengefasst als er schrieb, Solidarisierung mit dem Jetzt.

Frise hat es ja bereits erwähnt. Sein "Fimmel" nur Aufnahmen nach 2000 hören zu wollen liegt nicht an einem Anspruch an Klangqualität.

:no: Es ist und bleibt unverständlich.
Ich kann nur noch einmal mein Zitat von heute morgen wiederholen und denke das diese Einsicht im Laufe der Zeit auch bei Friese eintreffen wird, ;) denn er will sich auf die Dauer ernsthaft mit klassischer Musik beschäftigen:

:!: Eines steht fest:
Bei TAMINO wirst Du noch ein Umdenken lernen müssen und dies dann auch als "Befreiung" empfinden, als nur ab 2000 zu kaufen !
Gruß aus Bonn, Wolfgang

m-mueller

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18

Dienstag, 8. August 2017, 23:47

Ich würde es nicht so apodiktisch sehen: "nichts vor 2000" erscheint mir sehr restriktiv. Aber im Prinzip sind mir neuere Aufnahmen auch tendentiell lieber als ältere. Natürlich gibt es ganz viel Unverzichtbares wie z.B. von Gould, aber das Rauschen kauft man dann eben auch mit ein.

Es gibt einen schönen Werkvergleich: die Firma Zenph hat eine Aufnahme der Gouldbergvariationen aus den 50ern durch einen modernen Flügel nachspielen lassen, der von einem Computer bedient wird, der anscheinend (scheinbar?) exakt die gleiche Performance wie Gould praktiziert.

http://www.nytimes.com/2007/03/12/arts/music/12conn.html

Klanglich liegen zwischen diesen beiden Aufnahmen so viele Welten, daß ich tatsächlich bereit wäre, auf die alte Originalaufnahme zu verzichten, wenn denn die Reperformance zur Verfügung steht. Aber wie es aussieht, hat sich diese Technik nicht durchgesetzt, möglicherweise ist sie zu früh gekommen und noch nicht perfekt genug, wie ja im Artikel angemerkt wird. Erste Versuche sind selten gleich perfekt. Aber mit all dem, was "künstliche Intelligenz" verspricht, könnte es noch authentischer gelingen.

Auch wenn die CD immer noch dasselbe Format aufweist wie bei der Einführung in den 80ern, hat sich doch bei anderen klangkritischen Elementen einiges getan: Mikrofone wurden besser, Mischpulte, Raumakustik? Instrumente?? etc - vielleicht ist es Einbildung, aber ich meine, neue CDs hören sich häufig besser an als alte (mehr Dynamik, irgendwie frischer - ohne daß der Brillanz-Bereich künstlich aufgehübscht wird) - bei Pop-Stücken ist das allerdings ausgeprägter als bei Klassik.

Alfred_Schmidt

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19

Mittwoch, 9. August 2017, 00:01

Zitat

Ich verstehe den Threadtitel nicht ganz. Welchen Quantensprung soll die Tontechnik denn ab dem Jahr 2000 gemacht haben, dass man sämtliche (!) Aufnahmen, die davor gemacht wurden, ablehnen könnte?

Das ist ein veritables Mißverständnis. Das Datum hat mit "Quantensprung der Tontechnik" absolut nichts zu tun, das ist lediglich in unseren Köpfen der Fall, daß Tontechnik dere entscheidende Faktor sei. Vielmehr wird (fälschlicherweise) das Jahr 2000 als erstes Jahr eines neuen Jahrtausends gesehen, einer Zäsur (in Wirklichkeit ist es erst das Jaher 2001 - aber 2000 klingt eben besser und wurde uns schon damals von den Medien als Jahrtausendssprung verkauft)
Und so gesehen ist es verständlich, daß man hier einen imaginären Trennstrich zieht. Das hat es immer schon gegeben ("Das sind ja Ansichten aus dem vergangenen Jahrhundert!!!")
Irgendwann - wenngleich nicht auf ein Jahr fixiert - habe ich meine gesamte Vinylsammlung entsorgt. Auch neue Gesetze sind oft an markante Jahreszahlen gebunden.
Beispielsweise - das Jahr 2025 böte sich hier an - wenn in Zukunft die Beleuchtung privater Haushalte nur noch mit Strom aus Muskelkraft (Stichwort; "Handgenerator") erfolgen darf. Oder - wenn Tonaufnahmen von klassischer Musik - zum Schutze gegenwärtig lebender Künstler - generell untersagt werden. Bereits bestehende Tonaufnahmen dürfen nicht mehr über Radio und Fernsehsender gesendet werden, in privaten Haushalten dürfen sie noch bis 2050 benutzt werden, danach müssen sie amtlich registriert und öffentlich vernichtet werden.
Man sieht, daß zeitliche Markierungen vonnöten sind.
Die werden übrigens einen weiteren Stellenwert bekommen, wenn sich als wahr herausstellen sollte, was im geheimen längs kolportiert wird, daß nämlich die in der Popszene derzeit so beliebten Vinylrecorde - die ja angeblich dank analoger Technik und biologisch natürlichen Rauschens wegen viel besser klingen - in Wahrheit digital aufgenommen werden, und dann auf analog überspielt werde (?)
Da wird es dann in Zukunft nur noch Vinyls geben, deren Masterbänder VOR 1980 gemacht wurden..... :hahahaha: :untertauch:
Man soll nicht spötteln - die meisten meiner virtuellen Kabarettnummern wurden von der Realität weit übertroffen....

mfg aus Wien
Alfred

PS: Wer möchte kann in bezug auf den Kurbelgenerator bei mir Kurse buchen oder das kleine aber feine Buch aus meiner Feder : "Wie mache ich richtigen guten Haushaltsstrom ?" erwerben. Wer jetzt lacht, dem wird es 2025 vergehen, denn das gleichmäßige Kurbeln ist eine Grundvoraussetzung dafür, daß mit solchem Strom betriebene Computer fehlerfei funktionieren...Besonders Windows 22 gilt als besonders pingeliges Betriebssysem in dieser Hinsicht......

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m-mueller

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20

Mittwoch, 9. August 2017, 00:11

Mir ist die in dem Entschluss "Ich kaufe nur Aufnahmen ab 2000" sich artikulierende Haltung völlig unbegreiflich und in keiner Weise nachvollziehbar.

Wem es um die Erfahrung und das Erfassen der Aussage von klassischer Musik geht, der wird doch nach der Aufnahme suchen, in der diese interpretatorisch am umfassendsten und in der werkgerechtesten Weise zum Ausdruck gebracht wird. Und dabei wird ihm, denke ich, das Datum ihrer Produktion und auch deren rein technische Aufnahmequalität letztendlich irrelevant sein und bleiben.


Lieber Helmut, da muß ich Dir doch einmal widersprechen - auch wenn sie bei weitem nicht das wichtigste Kriterium ist, Aufnahmequalität finde ich durchaus relevant.

9079wolfgang

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21

Mittwoch, 9. August 2017, 00:23

Zitat

Aufnahmequalität finde ich durchaus relevant.


Ja, natürlich! Aber um meine bestehenden Anlagen mit Reference-Plattenspielern zu übertreffen, müßte ich einige Tausender lockermachen! Aber da gibt es ja noch den Alterungsprozess der Ohren. Ob ich da wohl den harten Klang der CD nicht mehr empfinde und den warmen Klang der LP vermisse?
W.S.

Alfred_Schmidt

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22

Mittwoch, 9. August 2017, 00:41

Zitat

Ob ich da wohl den harten Klang der CD nicht mehr empfinde

Das Gegenteil ist der Fall. Die CD klingt im Alter weniger hart, und die Analogaufnahme ein wenig zu weich - Weil die Höhen fehlen - hängt aber auch von der Anlage ab....

Das ist vermutlich auch das Handycap der SACD

Die Jungen hat man jahrelang auf besch eidnen Klang hinerzogen, zuerst durch Walman und ähnliches, dann durch Datenreduzierte Formate - denne ist des letzt Quentche guter Klang egal, zudem waren die Anlagen zu teuer und auch mit den ersten SACds wollte man sich goldene Nasen verdienen.
Und die ältere Generation - die hört einfach den Unterschied nimmer..
Marktstrategisch voll daneben.

mfg aus Wien
Alfred

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Dr. Holger Kaletha

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23

Mittwoch, 9. August 2017, 06:58

Es gibt neuerdings ja auch die (barbarische) Entwicklung, dass Studenten nur Bücher lesen sollen, die nicht älter als 10 Jahre sind. :( Die "Audiophilen", die Aufnahmen wegen des "Sounds" kaufen, hat es immer gegeben. Heute kommt noch der Verfall der Hifi-Kultur dazu. Dann melden sich die Hörer, die nur noch die sehr mäßige Youtube-Qualität kennen und beschweren sich übers Rauschen und vor allem Mono. Wer eine sehr hochwertige Hifi-Anlage hat und eben bereit ist, das nötige Geld zu investieren, kann auch die ältesten Aufnahmen mit Vergnügen hören. Genau da zeigt sich nämlich die wirkliche "Hifi"-Qualität. Und natürlich sind die alten Referenz-Aufnahmen unverzichtbar. Klangqualität ist übrigens durchaus nicht danach zu bewerten: je neuer, desto besser. Mir ist das letztlich egal. Wer keinen Furtwängler, Gieseking oder frühen Horowitz hören will, nur weil es Mono ist, der ist es letztlich selber Schuld und dem ist nicht zu helfen. Da zeigt sich eine Oberflächlichkeit des Hörens, wonach letztlich vor allem der "Sound" zählt und die musikalische Qualität sekundär ist.

Schöne Grüße
Holger

Bertarido

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24

Mittwoch, 9. August 2017, 09:05

Wer keinen Furtwängler, Gieseking oder frühen Horowitz hören will, nur weil es Mono ist, der ist es letztlich selber Schuld und dem ist nicht zu helfen. Da zeigt sich eine Oberflächlichkeit des Hörens, wonach letztlich vor allem der "Sound" zählt und die musikalische Qualität sekundär ist.

Keineswegs, lieber Holger. Beides ist für mich notwendige Voraussetzung. Um die musikalische Qualität wertschätzen zu können, ist für mich eine bestimmte Klangqualität unverzichtbar. Ich kann auch ein Gemälde nicht wertschätzen, wenn ich es durch eine matte Scheibe betrachten muss. Ästhetische Erfahrungen haben nun mal eine sinnliche Basis. Wenn Du das oberflächlich findest, dann kann ich damit gut leben.

Allerdings weiß ich nicht, was die Diskussion um Klangqualität mit dem Thema zu tun hat. ?( Es ist doch klar, dass der Grund des "Friesen" für die Beschränkung auf neue Aufnahmen ein ganz anderer ist. Ihm geht es doch wohl darum, dass er nur Aufnahmen hören möchte, die in seiner Zeit entstanden sind und die auch noch irgendetwas mit dem aktuellen Musikleben zu tun haben. Das kann ich durchaus nachvollziehen, auch wenn ich selbst diese Haltung in dieser Ausschließlichkeit nicht teile.

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25

Mittwoch, 9. August 2017, 09:43

Vor nicht allzu langer Zeit galt, dass man an einer Universität nur Bücher liest, die mindestens 1000 Jahre alt sind, besser 2000 ;) Man kann es in beide Richtungen übertreiben.

Wer nicht von dreitausend Jahren
sich weiß Rechenschaft zu geben,
bleib im Dunkeln unerfahren,
mag von Tag zu Tage leben.
(Goethe)

Alfred_Schmidt

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26

Mittwoch, 9. August 2017, 10:59

Zitat

Allerdings weiß ich nicht, was die Diskussion um Klangqualität mit dem Thema zu tun hat. ?( Es ist doch klar, dass der Grund des "Friesen" für die Beschränkung auf neue Aufnahmen ein ganz anderer ist. Ihm geht es doch wohl darum, dass er nur Aufnahmen hören möchte, die in seiner Zeit entstanden sind und die auch noch irgendetwas mit dem aktuellen Musikleben zu tun haben. Das kann ich durchaus nachvollziehen, auch wenn ich selbst diese Haltung in dieser Ausschließlichkeit nicht teile.


Es wird selten Gelegenheit geben, daß ich mir Bertarindo einer Meinung bin, daher nutze ich die Gelegenheit die kundzutun.

In Wirklichkeit ist das was hier so konsaequent realisiert wird, ein Prozess der sich sowieso schleichend entwickelt. Alte Namen verschwinden aus den Katalogen.
Interpreten die einst als Maß aller Dinge gesehen wurden, gelten als "überholt" und wurden auch hier im Forum als "nicht mehr hörenswert" bezeichnet.
Ich nenne hier nur die Namen Karl Richter, Karl Böhm, Herbert von Karajan, etc etc, und fast alle Interpreten von Barockmusik vor ca 1980.

Ander hören nur mehr Popmusik und haben die Klassik als verstaubt abgeschrieben - etwas das von der Mehrheit der heutingen Menscheit so gesehen wird.

Also kein Ausnahmefall

Tamino könnte von dieser Einstellung uneses Mitglieds "Friese" dadurch profitieren, daß hier nun auch Aufnahmen vorgestellt werden, ü+ber die bislang der MAntel des Schweigens gehüllt war, weil sie einfach durch das Überangebot alter Aufnahmen erdrückt wurden.....

mfg aus Wien
Alfred

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9079wolfgang

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Mittwoch, 9. August 2017, 11:01

Zitat

Bertario: Allerdings weiß ich nicht, was die Diskussion um Klangqualität mit dem Thema zu tun hat. ?(

Zitat

La Roche: Was nützt mir der beste Corelli oder ein toller Gobbi, wenn der Ton miserabel ist? Man hat sich an rauschfreie Tonwiedergabe gewöhnt,

Zitat


Zitat

Bertario: Die Klangqualität ist für mich ein limitierender Faktor, so dass alle Mono-, aber auch viele frühe Stereo-Aufnahmen ausscheiden.
?(
W.S.

Bertarido

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Mittwoch, 9. August 2017, 11:46

@9079wolfgang: Das Thema lautet aber "Solidarisierung mit dem jetzt", und damit ist nicht die heutige Aufnahmetechnik gemeint ;)

Wenn ich es richtig überlege, habe ich in der Anfangszeit meiner Klassik-Liebe auch fast nur Aufnahmen aus dem "Jetzt" gekauft, was damals die 80er-Jahre waren. Das lag daran, dass der Beginn meiner Sammlungsaktivitäten fast mit der Markteinführung der CD zusammenfiel. Ich gehörte zu den ersten, die einen CD-Player hatten, einen Dual Frontlader:



Ich habe dann schnell meine zum Glück wenigen LPs (= Kratzware) entsorgt und nur noch CDs gekauft. Und das waren in den ersten Jahren fast (?) nur aktuelle Digital-Aufnahmen. Denn wenn ich mich recht erinnere, dauerte es etwas, bis die ersten älteren Aufnahmen auf CD erschienen und ich meine Sammlung vorsichtig auch in diese Richtung erweiterte. Außerdem standen damals aktuelle Künstler und deren Aufnahmen stärker in meinem Fokus, etwa durch Artikel und Besprechungen im "Fono Forum", das ich viele Jahre abonniert hatte. Bernstein, Abbado, Haitink, Ashkenazy, Solti, Marriner, Pinnock, das waren damals die aktuellen Dirigenten, von denen ich die meisten Aufnahmen erwarb.

Karl

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Mittwoch, 9. August 2017, 12:10

Vintage HiFi, da kommt man ins Schwelgen.

Der Dual CD 120 ist baugleich mit dem Nordmende Audio Digital System 2000, dessen Nachfolger Typ 2003



war mein 1.CD Player.

Agon

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30

Mittwoch, 9. August 2017, 12:19

Also, was mit "Solidarisierung mit dem Jetzt" gemeint ist, kann ich mir nicht erschliessen. Was ist denn das "Jetzt"? Und warum sollte man sich damit "solidarisieren"? Mir kommt das eher wie eine ziemlich hohle Phrase vor.
Was ist denn das Gegenteil von "Jetzt"? Das "Nicht-Jetzt"?
Warum ist das Jahr 1999 offensichtlich nicht mehr das "Jetzt", dafür aber das Jahr 2000?
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. (Theodor W. Adorno)