Sie sind nicht angemeldet.


JPC Amazon

Free counters!

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Tamino Klassikforum. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

dr.pingel

Prägender Forenuser

  • »dr.pingel« ist männlich
  • »dr.pingel« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 3 855

Registrierungsdatum: 29. Juni 2009

1

Sonntag, 20. August 2017, 20:58

Perfektion

Die Marienvesper von Monteverdi begleitet mich schon 45 Jahre. Noch nie habe ich sie satt gehabt, wie das bei manch anderen Klassikwerken durchaus der Fall war. Ich habe eine Reihe von Aufnahmen, 3x habe ich sie live gehört (z.B. unter Ralf Otto im Werdener Dom in Essen, angekündigt als "Marinevesper").
Heute Nachmittag war sie zu hören unter Philippe Herreweghe und seinen Ensembles, und zwar in der Maschinenhalle der Zeche Zollern. Ein wunderbares Ambiente mit toller Akustik; jetzt weiß ich, was eine Kathedrale der Industrie ist. Die Karten waren ganz schön teuer (50 Zechinen), aber letzten Endes stimmte das Preis-Leistungsverhältnis doch. Herreweghe hatte für jeden Satz eine besondere Sitz- und Stellordnung ausgetüftelt, was dafür sorgte, dass die Stücke trotz der Wucht immer durchhörbar blieben. Herreweghes Prinzip, die Solisten den Chor mitsingen zu lassen und den Choristen kleinere Solos zu geben, zahlte sich wieder aus. Die Messe war nicht die einzige großartige, die ich kenne (Gardiner, Suzuki, Ralf Otto), aber nie war eine besser.
Noch drei Nachträge:
1. Morgen 1930 ist die zweite Aufführung.
2. Bertarido hatte mich auf diese Aufführung hingewiesen, aber wir haben beide verpasst, uns zu treffen.
3. Nach der Vorstellung traf ich auf einen netten sympathischen Künstler, der mir auch seine Signatur (auch wenn unleserlich) in mein Programmheft schrieb: Herrweghe himself. Ich gratulierte ihm noch zur Kölner Matthäuspassion von 2010, die er auch sehr schön fand. Durch seine Unterschrift auf meinem Programm stieg die Liste meiner Autogramme um 33% (1. Hiroshi Wakasugi, 2. Hilary Hahn, 3. Philippe Herreweghe).
Was auch diesmal wieder auffiel: Das Publikum, das die alte Musik besucht, ist vom Feinsten: kein Tuscheln, kein Husten, kein Handy, dafür am Schluss rauschender Beifall
Der Mensch hat drei Wege, klug zu handeln. Erstens durch Nachdenken, das ist der edelste. Zweitens durch Nachahmen, das ist der leichteste. Drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste (M.Brzoska, dt. Aphoristiker)

Bertarido

Prägender Forenuser

  • »Bertarido« ist männlich

Beiträge: 2 627

Registrierungsdatum: 24. April 2014

2

Sonntag, 20. August 2017, 22:28

Lieber dottore, schade dass wir uns verpasst haben - das nächste Mal klappt es hoffentlich.

Danke für den Bericht, dessen Bewertung ich mich voll und ganz anschließen kann - ein wundervolles Konzert. Monteverdi kann ich nicht genug hören, es ist wirklich perfekte Musik, una grande bellezza.

Mit Herreweghes Aufnahme habe ich die Marienvesper kennengelernt, und sie ist immer noch eine meiner liebsten:


dr.pingel

Prägender Forenuser

  • »dr.pingel« ist männlich
  • »dr.pingel« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 3 855

Registrierungsdatum: 29. Juni 2009

3

Donnerstag, 24. August 2017, 19:39

Die von Bertarido genannte CD von Herreweghe habe ich auch und ich habe sie sofort gehört. Dabei kam Erstaunliches zutage: es handelt sich um eine komplett andere Produktion. Kein Mitglied der damaligen Aufnahme, ob Solisten, Chor oder Musiker ist noch dabei. Das geschieht ja bei diesen Ensembles regelmäßig. Das Große an unseren großen Dirigenten wie Herreweghe, Gardiner, Minkowski, Ralf Otto, William Christie, ist ja, dass die besten Nachwuchssänger Europa sich darum reißen, dort mitsingen zu dürfen.
Die Aufführung, die ich gehört und oben besprochen habe, ist von der Interpretation eine, die die Kraft und die Klangpracht Monteverdis betont. Die CD ist vollkommen anders, sie ist sozusagen die Kammer-Version des Stückes. Sehr zurückgenommen, die lyrischen Stellen sind natürlich besonders schön. Entscheiden kann ich mich für keine von beiden.
Übrigens, Gardiner hat eine ähnliche Entwicklung gemacht. Er hat das Werk in San Marco aufgenommen und sehr geschickt den Raum genutzt für immer neue Konstellationen. Alle Solisten und alle Chormitglieder singen das ganze Stück auswendig! Die Musiker dürften im Alter so bei 40 Jahren liegen. Vollkommen anders ist die Aufführung, die bei den BBC-Proms gemacht wurde. Lauter junge Leute mit frischen Stimmen.
Hier eine Kostprobe (mein Lieblingschor, Nr. 7, "Nisi Dominus")



Die jungen Mädchen: eine Augen- und Ohrenweide!
Der Mensch hat drei Wege, klug zu handeln. Erstens durch Nachdenken, das ist der edelste. Zweitens durch Nachahmen, das ist der leichteste. Drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste (M.Brzoska, dt. Aphoristiker)