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La Roche

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31

Samstag, 2. September 2017, 14:00

Lieber Chrissy,

heute morgen haben wir uns über das Lied "Unsere Heimat" unterhalten und ich finde es schön, daß es jetzt im Thread auftaucht. Es gehört zu unserer Kindheit, die trotz der Einordnung als sogenannter "Unrechtsstaat" eine sehr, sehr glückliche und fröhliche war. Das Lied hat uns Heimatverbundenheit gegeben, auch wenn es propagandistisch benutzt wurde. Ich finde die Erinnerung an das Lied schön, die Erinnerung an eine sorgenfreie Kindheit.

Lieber Rheingold,

danke für die "Cabaret" -Einstellung. Hat zwar nur am Rande mit dem Thread zu tun, wird mich aber veranlassen, ihn mir wieder einmal anzusehen. Nicht umsonst hat er die vielen Oscars bekommen, obwohl man mit der Beurteilung dieser Auszeichnung doch sehr zurückhaltend sein soll.

Deine eingestellten Studentenlieder haben auch ihre Tradition. Nicht alle sind stubenrein, manche andere haben fast Kunstliedcharakter (z.B. Auf dem Iselberge steh ich). Und wieder andere sind unter Studenten auch 50 Jahre danach noch aktuell. Wir treffen uns jedes Jahr im Mai (wir, das sind die Absolventen der TH Merseburg, die 1967 ihr Diplom gemacht haben) und bringen unser selbstangelegtes Gesangbuch mit. Und jedes Mal singen wir zu vorgerückter Stunde Lieder wie die "alten Germanen", "die Hobelbank", "von den Bergen rauscht ein Wasser", "ich wollte mal und konnte nicht" und immer zu Beginn "Gaudeamus igitur". Unser Liederbuch umfaßt rund 60 Lieder, darunter natürlich auch solche. die nicht jugendfrei sind. Aber der Alkohol beseitigt selbst bei uns alten Männern die Skrupel, und unsere Frauen haben sich auch daran gewöhnt, daß ihre Männer nicht nur Chemiebücher studiert haben.

Lieber Fiesco,
mir ist kein anderer Text bekannt, und ich möchte das Lied auch so in Erinnerung behalten, wie ich es kenne. Ich brauche auch für die Loreley keinen anderen Text.

Herzlichst La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer

La Roche

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32

Samstag, 2. September 2017, 14:11

ch sehe allerdings einen Unterschied zwischen Volksliedern und Volksmusik. Das, was uns heute als Volksmusik serviert wird, ist hauptsächlich eine heimattümelnde Variante des Schlagers.
Lieber Thomas,

allerdings. Und ich nenne noch die echte Volksmusik, die z.B. im BR bei "Wirtshausmusiker beim Hirzinger" zu sehen und hören ist. Da kann man das erleben, was früher als "Hausmusik" überall in Deutschland mehr oder weniger gepflegt wurde. Durch die fehlende musische Bildung der Kinder droht diese Tradition überall außer im Alpenraum auszusterben. Auch Michael Harleß pflegt in seinen niveauvollen "Wanderungen" diese Art der traditionellen Musik.

Echte Volksmusik hat weder mit Volksliedern a la "Im schönsten Wiesengrunde" noch mit der Schlagermusik zu tun, die man heute fälschlicherweise in vielen Unterhaltungssendungen als Volksmusik anbietet.
Sendungen mit Florian Silbereisen oder Stefan Mross uva. haben mit echter Volksmusik oder Volksliedpflege nichts zu tun, es sind rein auf Unterhaltung und Kommerz ausgerichtete Formate.

Herzlichst La Roche
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Thomas Pape

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33

Samstag, 2. September 2017, 14:14

Lieber Fiesco,
mir ist kein anderer Text bekannt, und ich möchte das Lied auch so in Erinnerung behalten, wie ich es kenne. Ich brauche auch für die Loreley keinen anderen Text.

Herzlichst La Roche
Der Text verunstaltet das Lied ja nicht; es wird zunächst im Original gesungen und Angelika Weitz hängt dann ein paar kritische gesungene Fragen hinten an. Da ihr die Antipathie der Regierung sicher war, brauchte sie auch keine grünen Elefanten einzubauen, um ihre Botschaft rüberzubringen (irgendwo habe ich auch eine Aufnahme von dieser Variante). Hier der nachgelegte Text:

Was ist denn von alledem geblieben,
Wo die schöne Heimat, die wir lieben,
Was soll denn geschehen,
Wenn uns die Träume vergehen, in dem Land der Paläste,
Wo wir jedes Jahr ein Stück von dem, was uns heilig war, verderben sehen,
Und was sollen wir unseren Kindern sagen,
Wenn sie uns nach ihrer Heimat fragen,
Ein jedes Volk schützt seine Welt,
Die ihm gehört, bis sie in Scherben fällt.

Auch ich habe heute ein paar mal "Unsere Heimat gehört". Und auf Fiescos Anregung den Text von Angelika Weitz nachgelesen. Wenn man beide Texte zusammenliest stelle ich fest, dass sie auf eine erschütternde Weise aktuell sind.

Liebe Grüße vom Thomas :hello:
Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

La Roche

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34

Samstag, 2. September 2017, 14:31

Nun wird es Zeit, wieder etwas Musik einzustellen. Wie findet ihr diese Interpretation, die nicht dem Schubertschen Lied entspricht, sondern die Volksliedvariante darstellt:




Nana Mouskouri beweist, daß sie mehr kann als "weiße Rosen aus Athen"


Oder das:



Fritz Wunderlich gehört auch zu den "Alten", die sich dem deutschen Liedgut nicht versagt haben. Und vor Allem - er konnte diese Lieder singen""

Herzlichst La Roche
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La Roche

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35

Samstag, 2. September 2017, 14:45

'S is Feieroamd, 's is Feieroamd
Das Tagwerk ist vollbracht
'S geht alles seiner Heimat zu
Ganz sachte schleicht die Nacht"
Lieber Thomas,

dieses wunderschöne erzgebirgische Heimatlied hat eigentlich einen doppelten Sinn erlangt. Ursprünglich ein Lied der Bergleute nach überstandener Arbeit, jetzt wird es auch oft zum letzten Gang des Lebens gespielt. Hier der komplette, direkt poetische Text:

's ist Feierabend

Die Sonn steigt hinterm Wald dort ein
Und säumt die Wolken rot
Ein jeder legt sein Werkzeug hin
Und schwenkt zum Gruß den Hut

'S is Feieroamd, 's is Feieroamd
Das Tagwerk ist vollbracht
'S geht alles seiner Heimat zu
Ganz sachte schleicht die Nacht

Und überm Wald ein Vögelein
Fliegt seinem Neste zu
Vom Dorf die Abendglocke klingt
Und mahnt: Legt euch zur Ruh!

'S is Feieroamd, 's is Feieroamd
Das Tagwerk ist vollbracht
'S geht alles seiner Heimat zu
Ganz sachte schleicht die Nacht

Gar manches Herz hat ausgeschlagen
Vorbei sind Sorg und Müh
Und übern Wald ganz leise zieht
Ein Rauschen drüber hin

'S is Feieroamd, 's is Feieroamd
Das Tagwerk ist vollbracht
'S geht alles seiner Heimat zu
Ganz sachte schleicht die Nacht


Herzlichst La Roche
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Thomas Pape

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36

Samstag, 2. September 2017, 14:51

Lieber LaRoche,
hab' herzlichen Dank für Deine Antworten. Der Hintergrund des Feieroamd-Liedes war mir nicht bekannt. Ich höre es gerne von Monika Hauff und K.D. Henkler gesungen (zu DDR-Zeiten haben die ja nur eine Volksliedplatte gemacht, in die Volksmusikanten-Ecke hat man die ja erst nach der Wende geschubst).

Von den beiden nun die Adaption eine afrikanischen Kinderliedes. Aus "Tula Mama Tula". wird "Leben"



Ich mache mich nun auf den Weg nach Osnabrück zu einem Chorkonzert von ChorWer Ruhr und freue mich auf weitere Volksliedeinträge hier.

Sehr herzlich, der Thomas :hello:
Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
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Fiesco

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37

Samstag, 2. September 2017, 15:19



Lieber Fiesco,
mir ist kein anderer Text bekannt, und ich möchte das Lied auch so in Erinnerung behalten, wie ich es kenne. Ich brauche auch für die Loreley keinen anderen Text.

Herzlichst La Roche


Warum so eine fmB ziemlich unwirsche Antwort, du hättest ja nicht antworten müssen, aber na ja der Ton macht die Musik!

LG Fiesco
Die Tonkunst begrub hier einen reichen Besitz, aber noch viel schönere Hoffnungen.

Grillparzers Worte auf der Reliefplatte Schuberts.

La Roche

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38

Samstag, 2. September 2017, 15:51

Und hier ist der Jugendchor Wernigerode mit der Volksliedvariante des Heidenrösleins:




Und damit - wie schon weiter oben erwähnt:




Gottlob Frick, wie er leibt und lebt. Übrigens gehört das Lied zu den Studentenliedern der Innsbrucker Vereinigung der "Rhenania". Ein Studentenlied, aber kein Sauflied!!

Herzlichst La Roche
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chrissy

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39

Samstag, 2. September 2017, 15:59

Betr.: Am Brunnen vor dem Tore /Der Lindenbaum

Lieber La Roche
Du bist mir mit dem Reinstellen dieses schönen Liedes zuvorgekommen.
Noch lange bevor ich wußte, daß dieses Lied eigentlich ein "Kunstlied" aus Müller /Schubert´s Winterreise ist, war es mir schon als Kind eigentlich als "Volkslied" bekannt
(unser verehrter und hochgeschätzter Liedexperte Helmut möge mir verzeihen) und wurde auch zu Hause bei uns oft gesungen.
Bei uns zu Hause wurde überhaupt viel gesungen - und zwar alles mögliche. Ich erinnere mich auch an ein Lied, was dann in weiteren Strophen
einen sehr traurigen Text hatte und was ich immer ein wenig seelisch belastend empfand "Es zogen drei Burschen wohl über den Rhein...".
So richtig gern mochte ich dieses Lied nicht hören, es war schon sehr traurig beeindruckend.
Wahrscheinlich gehört es auch nicht in die Rubrik "Volkslied", sondern ist wohl eher eine Moritat.

Herzliche Grüße
CHRISSY
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40

Samstag, 2. September 2017, 16:42

Opa musikwanderer hat da auch noch ein Volkslied, das seit Kindergartenzeit zu seinen Lieblingsliedern gehört und das ihm immer noch geläufig ist. Hier von Peter Schreier und Konrad Ragossnig interpretiert:


Wer übrigens die Geduld des Weiterhörens aufbringt, bekommt in dem Clip noch etliche "Lieder des Volkes" geboten...

:hello:
.

MUSIKWANDERER

chrissy

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41

Samstag, 2. September 2017, 17:04

Ich hoffe, ich sprenge hier nicht den Rahmen, aber da es ja um Volkslieder allgemein geht, möchte ich hier zwei wunderschöne russische Volkslieder reinstellen.
Beide Lieder werden die meisten wohl auch ganz sicher kennen, da sie auch mit deutschem Text bei uns bekannt geworden sind.

Hier von "Nicolai Gedda" hervorragend und einmalig schön dargeboten.
Viel Freude wünscht
CHRISSY

https://www.youtube.com/watch?v=oASM2UsCXXE

https://www.youtube.com/watch?v=s5Kk1LUqly0
Jegliches hat seine Zeit...

Helmut Hofmann

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42

Samstag, 2. September 2017, 17:24

Das Volkslied ist tot, - leider!

Was, lieber chrissy, soll ich Dir denn da „verzeihen“? Du kannst nicht ahnen, wieviel wir gemeinsam haben. Auch ich lernte als in früher Jugend „Am Brunnen vor dem Tore“ als „Volkslied“ kennen, nicht ahnen könnend, wohin dieses Lied in seiner vollinhaltlichen Fassung eigentlich gehört.

Ich bin hier wahrscheinlich einer der wenigen, die mit dem Volkslied regelrecht aufgewachsen sind. In meinem Elternhaus wusste man nichts von „klassischer Musik“. Sie existierte begrifflich nur als „ernste Musik“ und man hatte, außer dass man die Namen „Beethoven“ und „Mozart“ damit verband, keinerlei Kenntnis davon. Musik, - das war das Volkslied. Und zu unserem familiären Leben gehörte das regelmäßige gemeinsame Singen von Volksliedern und sogenannten „Fahrtenliedern“ (und übrigens auch das Vorlesen von Balladen).
Und so verbinde ich denn mit vielen dieser Lieder Erinnerungen an Kindheit und Jugend. Ich erzähle das, obwohl ich mich eigentlich scheue, so etwas hier in der Öffentlichkeit des Forums zu tun, weil ich etwas zur Frage sagen möchte, was uns das „Volkslied“ heute noch zu sagen haben könnte. Ich fürchte nämlich, dass das auf wenig bis nichts hinausläuft, - laufen muss. Das Volkslied ist tot. Es lebt nicht mehr, existiert nur noch als museales Gebilde, weil es die Welt nicht mehr gibt, in der es gepflegt wird und verstanden werden kann.

Ich erkläre an einem Beispiel, warum ich zu dieser Auffassung komme. Es gibt ein Volkslied, das mir heute noch sehr nahe geht. Es ist das Lied „Es dunkelt schon in der Heide“. Warum? Ich lebte im Krieg als Kind auf dem Bauernhof meiner Verwandten mütterlicherseits. „Leben“, das hieß: Voll in das bäuerliche Leben auch in Gestalt von Mitarbeit einbezogen zu sein. Und so sagen mir denn die Worte „Wir haben das Korn geschnitten“ und „ich hörte die Sichel rauschen“ sehr viel. Diese Bilder waren wesentlicher Teil meiner Welt, zu der gehörte, dass ich mit draußen auf den Getreidefeldern war, bei der Ernte helfen musste und voller Stolz dann oben auf dem „Heuwagen“ saß, wenn sie mit einem Pferd vornedran in den Hof eingefahren wurde. Ich habe sogar mit einem Dreschflegel eigenhändig Hirse gedroschen.
Und da sangen wir dann am Abend nach der Ernte gemeinsam in der großen Küche des Hauses dieses Lied. Ich empfand es wie einen wunderbaren musikalischen Ausdruck des Wesens der Welt, in der ich lebte.

Hier ist es (es ist ein altes, schon in der Rostocker Liederhandschrift von 1478 erstmals dokumentiertes, also wirkliches „Volkslied“):

Es dunkelt schon in der Heide,
nach Hause laß uns gehn.
Wir haben das Korn geschnitten
mit unserm blanken Schwert.

Ich hörte die Sichel rauschen,
wohl rauschen durch das Korn.
Ich hört mein Feinslieb klagen,
sie hätte ihr Lieb verloren.

Hast du dein Lieb verloren,
so hab ich noch das mein,
So wollen wir beide miteinander
uns winden ein Kränzelein.

Ein Kränzelein von Rosen,
ein Sträußelein von Klee.
Zu Frankfurt auf der Brücke
da liegt ein tiefer Schnee.

Der Schnee, der ist zerschmolzen,
das Wasser läuft dahin.
Kommst du mir aus den Augen,
kommst mir nicht aus dem Sinn.

In meines Vaters Garten,
da stehn zwei Bäumelein.
Das eine trägt Muskaten,
das andere Braunnägelein.

Muskaten, die sind süße,
Braunnägelein sind schön.
Wir beide, wir müssen uns scheiden,
ja scheiden, das tut weh.

So also meine, diesen Thread unmittelbar betreffende These:

Ich glaube nicht, dass solche Lieder wie dieses – und damit alle tatsächlichen Volkslieder – einem der heutigen modernen, allumfassend globalisierten Welt zugehörigen und in sie in seiner Lebens-, Denk- und Verhaltensweise voll integrierten Menschen noch etwas sagen können. Er kann die Bilder und Aussagen ja gar nicht mehr wirklich verstehen und in der Rezeption kognitiv und emotional nachvollziehen, weil sie einer Lebenswelt angehören, die es nicht mehr gibt, die längst untergegangen ist.
Wie die, in der ich als Kind aufwuchs.


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Samstag, 2. September 2017, 17:49

In gewisser Weise hast Du, lieber Helmut, natürlich recht: Die besungene, hier natürlich auch als "gesungene" Welt anzusehen, ist untergegangen (Oma- und Opalieder nannte es weiter vorn Bertarido). Und das, was Du als Kind erlebt hast, mit dem Bauernhof, der Kinderarbeit, und auch mit den geselligen Stunden (oft alkoholisch begleitet), ist auch mir nicht fremd. Nicht, dass ich hier Kriegserinnerungen beisteuern könnte (Führerkind noch, aber vier Monate nach meinem Eintritt in die Welt war's dann vorbei mit dem Gröfaz), aber wenn die Großtante bei einer ihrer Schulfreundinnen, jetzt Bäuerin eines Großbauern, auf dem Hof aushalf, durfte ich oft mit. Und es war spannend (besonders wenn die Bullen zum Besamen kamen), aber es gab an den Abenden noch die Gemeinschaftsrunden der Mägde und Knechte in der Gesindestube mit gemeinsamem Gesang (oder was man dafür hielt). Viele der Volkslieder habe ich noch in Kindergarten-Zeiten (später aber auch im Schulchor) gelernt und gesungen, einiges kenne ich aber auch aus der "Gesindestube". Verklärung aber will ich nicht betreiben, denn das Leben jener Menschen auf dem Hof war hart - für mich war es einfach nur spannend...
:hello:
.

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La Roche

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44

Samstag, 2. September 2017, 17:51

Warum so eine fmB ziemlich unwirsche Antwort, du hättest ja nicht antworten müssen, aber na ja der Ton macht die Musik!
Lieber Fiesco,

bitte entschuldige, aber Du bist gar nicht gemeint. Ich freue mich, daß Du Dich an der Diskussion beteiligst, und Thomas Pape hat Dir ja auch geantwortet. Damit hat der Thread doch eigentlich seinen Zweck erfüllt, Du hast Deinen Text bekommen.

Für mich sind mit dem Original nur angenehme Erinnerungen verbunden, und ich kann mich mit dem Text der mir unbekannten Neutexterin oder -sängerin nicht identifizieren. Aber das hat doch nichts mit Dir zu tun. Also nochmals. Solltest Du Dich auf den Schlips getreten fühlen, dann war das nicht meine Absicht.

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45

Samstag, 2. September 2017, 18:00

Das Volkslied ist tot. Es lebt nicht mehr, existiert nur noch als museales Gebilde, weil es die Welt nicht mehr gibt, in der es gepflegt wird und verstanden werden kann.
Lieber Helmut,

damit hast Du sicher recht. Das Volkslied ist ein genauso museales Gebilde wie die Oper, denn wer versteht denn heute noch die Handlung des Rosenkavalier, wer läßt einen Brautwerber los und eine silberne Rose übergeben? Wer glaubt heute noch an Märchen oder Geschichte wie die von Keukobad, der seine Gesandtschaft (Götterbote, Amme, ja sogar seine Tochter) auf die Erde schickt und Menschen in Stein verwandelt, wenn sie seinen Anweisungen nicht folgen? Und und und...

Lassen wir es doch einfach als Erinnerung gelten, Erinnerung an unsere Vergangenheit, oft verbunden mit persönlichen Erlebnissen und hoffen wir, daß es wieder jemanden gibt, der dafür sorgt, daß man auch in 50 Jahren noch weiß, warum es am Rhein so schön ist und daß vor meinem Vaterhaus eine Linde stand. Damit komme ich gleich zu einer neuen Frage.

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46

Samstag, 2. September 2017, 18:07

Und nun zu meiner Frage.

Ist ein Volkslied auch dann ein Volkslied, wenn es regionale Besonderheiten beschreibt, aber im ganzen Land bekannt wurde?

Was ist mit Berliner Liedern, Lieder vom Rhein?
Was ist mit den nicht nur dank Robert Stolz so hochrangigen Liedern wie den Wiener Liedern?

Sind das Volkslieder:







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47

Samstag, 2. September 2017, 19:09

Ich möchte Deinen Thread nicht stören, lieber La Roche, und deshalb beschränke ich mich auf die Bemerkung, dass Du mit deiner Feststellung "Das Volkslied ist ein genauso museales Gebilde wie die Oper" zwei musikalische Gattungen in einen Topf wirfst, die da nicht hingehören.

Die Oper - wie auch das Kunstlied übrigens - weist im Unterschied zum Volkslied ein musikalisches Potential auf, das sie der Bindung an eine historische Zeit und Lebenswelt enthebt und im Akt der das Werk interpretierenden Realisierung in die Gegenwart geholt werden kann. Beim Volkslied besteht diese Möglichkeit nicht.
Aber das gehört nicht hierher, und ich bitte um Entschuldigung für diesen Einwurf.

chrissy

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48

Samstag, 2. September 2017, 19:19

Lieber Helmut
Ich bedanke mich ganz herzlich für Deine ausführliche und überaus interessante Antwort. Nicht nur, daß Du vieles richtig und punktgenau ansprichst,
Deine Aussage stimmt auch nachdenklich und berührt stellenweise. Besonders gefreut habe ich mich aber, daß Du auch einen kleinen vertraulichen,
persönlich privaten Einblick gewährt hast. Das bringt die "Person Helmut Hofmann" näher und trägt auch generell zum gegenseitigen Verständnis bei.
Dafür danke ich Dir besonders.

Herzliche Grüße
CHRISSY
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Samstag, 2. September 2017, 20:50

Im Fernsehen gab es vor Jahren eine kleine Sendung, in der ein echtes bayrisches Ensemble (ich glaube, die ganze Familie der Biermösl-Blosn, einschließlich Oma, Uroma und einiger Kinder, alle mit jeder Menge Instrumente), die nach ihrem eigenen kleinen Konzert (eine bayrische Weihnachtsgeschichte-wunderbarer Text und richtig echte Volksmusik) sich eine Einspielung der sog. Volksmusik mit den Hellwigs angesehen haben: sie kamen aus dem Lachen überhaupt nicht mehr heraus. Wunderbar fand ich immer bei "Switch Reloaded" die Parodie auf Florian Silbereisen.
Der Mensch hat drei Wege, klug zu handeln. Erstens durch Nachdenken, das ist der edelste. Zweitens durch Nachahmen, das ist der leichteste. Drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste (M.Brzoska, dt. Aphoristiker)

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50

Samstag, 2. September 2017, 20:58

Wer viel mit Kindern, besonders Grundschulkindern, zu tun hat, der wird ein Phänomen bei Volksliteratur, ob gesungen oder nicht, gut kennen: der Hang der Kinder zur drastischen Parodie. Das fängt an mit "Dunkel war´s, der Mond schien helle", da konnte ein Mädchen in der Grundschulklasse, die ich ehrenamtlich betreue, alle 11 Strophen. Sehr beliebt sind Parodien auf "O Tannenbaum, o Tannenbaum" und natürlich das berühmte "Freut euch des Lebens"! ("Freut euch des Lebens, Großmutter wird mit der Sense rasiert; alles vergebens, sie war nicht eingeschmiert!" Das ist der Refrain, von den Strophen habe ich nur diese behalten: "Zwei Jungen gaben sich einen Kuss, der eine, der hieß Julius, der andre, der hieß Gretchen. Ich glaube, es war ein Mädchen!"
Der Mensch hat drei Wege, klug zu handeln. Erstens durch Nachdenken, das ist der edelste. Zweitens durch Nachahmen, das ist der leichteste. Drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste (M.Brzoska, dt. Aphoristiker)

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51

Samstag, 2. September 2017, 21:04

Ich sehe allerdings einen Unterschied zwischen Volksliedern und Volksmusik. Das, was uns heute als Volksmusik serviert wird, ist hauptsächlich eine heimattümelnde Variante des Schlagers

...als Volksmusik serviert... wird m.E. korrekt als "volkstümliche Musik" bezeichnet und hat, wie erwähnt, mit Volksmusik nicht das Geringste zu tun.

Unterschieden werden sollte zwischen Volks- und Kunstlied - dazu habe ich schon gepostet.
Also - Volkslied : Kunstlied - Volksmusik : volkstümlicher Musik.

Es gibt eine gewisse (kleine) Überschneidungsmenge zwischen Volksmusik und Volkslied.

Viele Grüße
zweiterbass

Nachsatz: Was hier in div. Threads über Volkslieder, -musik gepostet wird ist z. T. haarsträubend.
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

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Samstag, 2. September 2017, 23:09

Ich glaube nicht, dass solche Lieder wie dieses – und damit alle tatsächlichen Volkslieder – einem der heutigen modernen, allumfassend globalisierten Welt zugehörigen und in sie in seiner Lebens-, Denk- und Verhaltensweise voll integrierten Menschen noch etwas sagen können. Er kann die Bilder und Aussagen ja gar nicht mehr wirklich verstehen und in der Rezeption kognitiv und emotional nachvollziehen, weil sie einer Lebenswelt angehören, die es nicht mehr gibt, die längst untergegangen ist.
Klüger kann man das nicht darstellen - genau das ist der Punkt!

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Sonntag, 3. September 2017, 09:24




Obwohl ich gelegentlich auch dem Kulturpessimismus zuneige, teile ich ich die Befürchtungen unseres Freundes Helmut nicht ganz. Ich glaube an die Kraft der Volkslieder, die diesen Namen verdienen und die das glatte Gegenteil dessen sind, was uns gewisse Fernsehsendungen und Schlagersänger weismachen wollen. Und doch! Kann es sein, dass die mich verstörende Beliebtheit solcher Programme letztlich doch auf das zurückgeht, was viele der Mitdiskutanten am Volkslied schätzen? Auch ein verhunztes oder angebliches Volkslied war vielleicht einmal ein "richtiges" Volkslied. ?(

Weiter oben habe ich mal zwei Volksliedersammlungen herausgesucht, die aktuell im Handel sind. Ich kann sie sehr empfehlen, zumal die Sony-Edition auch interessante schriftliche Erkenntnisse über diese Lieder liefert. Ich scheue mich nicht, von Großtaten der Musikindustrie zu sprechen. Unter den mitwirkenden Sängerinnen und Sänger ist alles, was gegenwärtig Rang und Namen hat: Michaela Kaune, Jonas Kaufmann, Anette Dasch, Christian Gerhaher, Günther Groisböck, Klaus Florian Vogt (ja, auch der ;) ), Christiane Karg usw. usf. Diese Produktionen bezeugen nach meiner Ansicht die ungebrochene Attraktivität von Volksliedern.

Helmut gebe ich insofern Recht, dass mit den Volkskliedern natürlich auch ein gewaltiger Anspruch auf einen niedersinkt, mit dem nicht immer leicht umzugehen ist. Sie stecken voller Symbole, Hintergründe, Anspielungen, historischer Zusammenhänge, die allein beim Zuhören nicht fassbar sind. Aber es ist immer etwas sehr Klares und Einfaches in ihnen, was auf Anhieb anspricht und eingeht.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

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Sonntag, 3. September 2017, 09:35

Ich möchte Deinen Thread nicht stören, lieber La Roche, und deshalb beschränke ich mich auf die Bemerkung, dass Du mit deiner Feststellung "Das Volkslied ist ein genauso museales Gebilde wie die Oper" zwei musikalische Gattungen in einen Topf wirfst, die da nicht hingehören.
Lieber Helmut,

das hat doch mit Streit oder Störung des Threads nichts zu tun, wenn man nicht der gleichen Meinung ist. Wie schlimm wäre die Welt, wenn alle die gleiche Meinung hätten. Langweilig, uniformiert. nicht mehr lebenswert.

Auch wenn ich der Meinung bin, daß zwei oder auch mehrere Gattungen der Kunst incl. Musik durchaus durch ihre Historie musealen Charakter haben und durchaus nicht jede Oper ins Heute transformiert werden kann und darf. Aber das gehört nicht hierher, und ich will auch hier nicht über dieses Thema schreiben und lesen.

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Sonntag, 3. September 2017, 09:57

Nachstehend habe ich nochh zwei Titel, von denen ich mir unsicher bin, ob man sie dem Volksliedgut zuordnen kann.

Der Rattenfänger wird unter www.volksliedsammlung.de als Volkslied geführt, die Musik hat Adolf Neuendorf geschrieben

I



Oder das Lied von Viktor Holländer von den Kirschen in Nachbars Garten (ich habe absichtlich Peter Alexander genommen, ich mag ihn. Es gibt aber auch gute Interpretationen von Hermann Prey und sogar Franz Völker):




Herzlichs La Roche
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56

Sonntag, 3. September 2017, 10:09

Zitat

Klüger kann man das nicht darstellen - genau das ist der Punkt!


Das sehe ich genauso! Ich besitze auch einige CD so ähnlich wie die von Rheingold aufgeführten Aufnahmen und höre sie sehr gerne. Gottseidank hört meine 11-jährige Tochter auch gerne mit.
W.S.

9079wolfgang

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  • »9079wolfgang« ist männlich

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57

Sonntag, 3. September 2017, 10:18

Wenn es um einzelne Solisten geht, dann gehören die "Heimliche Aufforderung" mit Peter Anders, "Der Nöck" mit Hermann Prey, "Meeresleuchten" mit Karl Ridderbusch, "Der Erlkönig" mit Fischer-Dieskau und "Die Loreley" mit Heinrich Schlusnus zu meinen meistgehörten Liedern.
W.S.

ipel

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58

Sonntag, 3. September 2017, 15:54

In Osten, zum Beispiel in Ungarn hat die Volksmusik (und Volktanz) einen sehr hohen Stellenwert.
Es gibt in Fernsehen Volksliedwettbewerbe, die sehr hohe Zuschauerzahlen haben.

https://youtu.be/1x5b1rF6pdM
Über Musik kann man am besten mit Bankdirektoren reden. Künstker reden ja nur übers Geld (Sibelius)

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

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59

Montag, 4. September 2017, 12:54

Zitat von »Rheingold1876«
Volksmusik wurde zur Oma- und Opamusik.


Das ist sie doch auch :untertauch:
Lieber Bertarido,

lange Zeit vermutete ich, dass Du ein relativ junger Mann bist. Nehme das bitte als Kompliment. In einem Beitrag waren jedoch Aussagen, die auf ein reiferes Lebensalter hindeuteten. Deshalb macht mich die zitierte Aussage von Rheingold und die dezidierte Bestätigung von Dir schon betroffen. Volkslieder sind in der Regel Volksgut und vermitteln in besonderem Maße Romantik, Sentimentalität, Herzenswärme, Emotion, Erfahrungen, Erinnerungen, ja selbst Sehnsüchte, Träume, Märchen und Mythen. Diese Werte sind aus meiner Sicht zeitlos. Ich gestehe, dass ich eine enge und innige Beziehung zum Volkslied habe. Besonders da ich bei der Zusammenstellung der Aufnahme "Gottlob Frick mit seinen schönsten Jagd- und Volksliedern" -die zeitweise sogar im Bestsellerrang rangierte - einer der Sparringspartner des Sängers war. Frick war bei der Auswahl der Lieder, die er aufnehmen wollte, sehr kritisch. Wir diskutierten im Freundeskreis lange und intensiv, ob eine Komposition für eine Auswahl von Jagd- und Volksliedern repräsentativ und wertvoll genug war. An der Herausgabe von Nachfolgeaufnahmen wirkte ich ebenfalls maßgeblich mit. Warum wird dieses Liedgut in Bausch und Bogen verdammt und die Gruppe von Omas und Opas -also offensichtlich die ewig Gestrigen - die sich solch olle Kamellen noch anhören, in einem Rundumschlag gleich mit abgewatscht und abgewertet? Ich bin als im 83. Lebensjahr stehender Mensch verletzt, zumal diese Äußerungen von zwei von mir durch den Forumskontakt verbundenen, ernst genommenen und geschätzten Taminokollegen kommen.
Herzlichst
Operus

La Roche

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Montag, 4. September 2017, 14:08

Wenn es um einzelne Solisten geht, dann gehören die "Heimliche Aufforderung" mit Peter Anders, "Der Nöck" mit Hermann Prey, "Meeresleuchten" mit Karl Ridderbusch, "Der Erlkönig" mit Fischer-Dieskau und "Die Loreley" mit Heinrich Schlusnus zu meinen meistgehörten Liedern.
Lieber Wolfgang,

auch bei mir gehören diese Lieder zu den Favoriten. Sie stehen hart an der Grenze dessen, was ich hier im Thread auuführen wollte. Zur Loreley dürfte es keine Differenzen geben, das steht in jeder Volksliedsammlung.

Die Loewe-Vertonungen des Nöck und die Meeresleuchten-Lieder op. 145 sind da schon grenzwertiger (in meinen Augen), auch wenn Sie jedem Rheinländer die Heimat näher bringen. Die Ridderbusch-Interpretation werde ich mir anhören, wenn ich sie finde. Loewe hat in seinen Liedern sowieso einen unheimlich tiefen Sinn. Wer "die Uhr" textlich verdauen will, kommt am tiefen Sinn, an der Wehmut nicht vorbei.

Die "heimliche Aufforderung" mit Peter Anders ist ein Leckerli der bsonderen Art. Anders hat auch viele Strauss-Vertonungen mit Orchesterbegleitung aufgenommen, diese bevorzuge ich.



Das Lied "Waldseligkeit" von Richard Strauss gehört in dieser Interpretation aus 1942 mit Peter Anders und den Berliner Philharmonikern unter Furtwägler zu meine am häufigsten gehörten Liedern, ihre Kenntnis habe ich einem Tamino zu verdanken. Schon der Text ist innig, voller Liebe, Zuneigung und Träumerei. Dazu die Orchesterbegleitung, wo man den Wald deutlich rauschen hört, leies im Wind, das verbreitet Atmosphäre und ist beruhigend und ob der herrlichen Interpretation auch gleichzeitig aufregend.
Ein Volkslied aber ist es nicht! Wie auch das folgende von mir ungeheuer gerne gehörte Lied:



Das Lied nach dem Text von Eichendorff ist von Hugo Wolf, heißt natürlich "Heimweh" wie das Gedicht. Die Aufnahme ist von 1944, das Orchester des deutschen Opernhauses Berlin spielt unter Hanns Steinhoff. Welcher deutschsprachige Sänger vermag heute noch so deutlich zu artikulieren und dazu mit jedem Ton zu glänzen, ohne aufdringlich zu wirken?

Herzlichst La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer