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Rheingold1876

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91

Sonntag, 10. September 2017, 20:15

Ich weiß ja nichts von Erich Hannighofer, aber wenn er mit Agnes Miegel und Ernst Wiechert befreundet war, kann man eigentlich vermuten, dass er eine solche Vereinnahmung wirklich entsetzt zurückgewiesen hätte!


Lieber Caruso, angesichts des Hinweises auf Agnes Miegel wäre ich mir da nicht so sicher wie Du.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Caruso41

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92

Sonntag, 10. September 2017, 22:19

Ich weiß ja nichts von Erich Hannighofer, aber wenn er mit Agnes Miegel und Ernst Wiechert befreundet war, kann man eigentlich vermuten, dass er eine solche Vereinnahmung wirklich entsetzt zurückgewiesen hätte!


Lieber Caruso, bei Agnes Miegel wäre ich mir da nicht so sicher wie Du.


Lieber Rheingold, da hast du absolut recht. In dem von dir zitierten Satz hat der Name von Agnes Miegel nun wirklich nichts zu suchen. Sie hatte ich zuvor als Freundin von Hannighofer genannt, um den Bezug zur ostpreußischen Heimatdichtung herzustellen. Ich weiß nichts über ihr Tun und Lassen in der Bundesrepublik, vermute aber, dass die revanchistische Instrumentalisierung des Liedes ihre Zustimmung gefunden hätte. Immerhin haben ja die Vertriebenenverbände ihr literarisches Werk ziemlich offen gepflegt und ich habe nicht gehört, dass sie sich dagegen verwahrt hätte.

Beste Grüße
Caruso41
;) - ;) - ;)

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Rheingold1876

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93

Sonntag, 10. September 2017, 22:38

Ja, lieber Caruso, die Miegel war eine stramme Nationalsozialistin. :(

Das von Dir ausgesuchte "Ostpreußen-Lied" höre ich auch gern. Meine Großmutter stammte von dort. Ich habe sie aber nie über die verlorene Heimat klagen hören. Heute weiß ich das noch mehr zu schätzen, als zu ihren Lebzeiten.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

zweiterbass

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94

Sonntag, 10. September 2017, 23:46

Bei der Suche von Volksliedern, die ich hier einstellen könnte, hatte ich eine nicht so gute Erfahrung! Ich wollte "Land der dunklen Wälder und kristallenen Seen" einstellen, das ich in meiner Jugendgruppe so gerne gesungen hatte.


Hallo Caruso41,

ich habe das Lied vor rd. 60 Jahren bei den christl. Pfadfindern (inzwischen von mir als christl. ziemlich konservativ/rechtslastig erkannt) auch mit Freude gesungen.

Den Text sehe ich nun kritisch - besonders die "Starken Bauern" - sehr erd- und ...verbunden.

Viele Grüße
zweiterbass
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

William B.A.

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95

Montag, 11. September 2017, 00:25

Da fällt mir noch ein Lied ein, dass, wie ich glaube, in dieser Hinsicht unverfänglich ist und auch wohl als Volkslied gelten kann. Es ist als das "Pommernlied" bekannt, und der Text von Gustav Adolf Pompe aus dem Jahre 1851 wird noch heute zu der 1818 entstandenen Melodie "Freiheit, die ich meine" von Karl August Groos (1789 bis 1861) gesungen. Wir haben es damals im Kollegium mit großer Freude einstudiert und aufgeführt, als unser aus Pommern stammender Rektor uns verließ und Schulrat wurde:

Pommernlied

1. Wenn in stiller Stunde Träume mich umwehn,
bringen frohe Kunde Geister ungesehn,
reden von dem Lande meiner Heimat mir,
hellem Meeresstrande, düsterm Waldrevier.

2. Weiße Segel fliegen auf der blauen See,
weiße Möwen wiegen sich in blauer Höh’,
blaue Wälder krönen weißer Dünen Sand;
Pommerland, mein Sehnen ist dir zugewandt!

3. Aus der Ferne wendet sich zu dir mein Sinn,
aus der Ferne sendet trauten Gruß er hin;
traget, laue Winde, meinen Gruß und Sang,
wehet leis und linde treuer Liebe Klang!

4. Bist ja doch das eine auf der ganzen Welt,
bist ja mein, ich deine, treu dir zugesellt;
kannst ja doch von allen, die ich je gesehn,
mir allein gefallen, Pommerland, so schön!

5. Jetzt bin ich im Wandern, bin bald hier, bald dort,
doch aus allen andern treibt’s mich immer fort:
Bis in dir ich wieder finde meine Ruh,
send ich meine Lieder dir, o Heimat, zu!

Hier eine Version, die Hermann Prey mit Chor singt. Mir ist aufgefallen, dass in den Aufnahmen die 3. und 4. Strophe ausgelassen werden:


Liebe Grüße

Willi

vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Pommernlied
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

La Roche

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96

Montag, 11. September 2017, 09:17

Es fand schnell große Verbreitung, wurde in Ostpeußen und darüber hinaus populär und dann allgemein das "Ostpreußen-Lied" genannt.
Lieber Caruso,

danke für Deinen Beitrag. Da wir etwa dem gleichen Jahrgang zu entstammen scheinen, verwundert es nicht, daß auch ich dieses Lied kenne, obwohl ich waschechter Thüringer bin. Aber unsere Eltern kannten das NS-Liedgut oder das, was dazu gemacht wurde auch. Dein Beitrag hat mich daran erinnert, aus dem Gedächtnis war es weg. Kein Wunder, wenn man es rund 60 Jahre nicht gehört hat.

Herzlichst La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer

La Roche

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97

Montag, 11. September 2017, 09:20

Da fällt mir noch ein Lied ein, dass, wie ich glaube, in dieser Hinsicht unverfänglich ist und auch wohl als Volkslied gelten kann.
Lieber Willi,

ein wunderschönes Lied. Ich kannte es bisher nicht, und die Interpretation durch Hermann Prey ist einfach hervorragend. Danke für Deinen Beitrag.

Herzlichst La Roche
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Caruso41

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98

Montag, 11. September 2017, 10:03

Den Text sehe ich nun kritisch - besonders die "Starken Bauern" - sehr erd- und ...verbunden.

Da fällt mir noch ein Lied ein, dass, wie ich glaube, in dieser Hinsicht unverfänglich ist und auch wohl als Volkslied gelten kann. Es ist als das "Pommernlied" bekannt,.....


Mit dem Text des Ostpreussenliedes hatte ich eigentlich keine Probleme. Von "starken Bauern" ist auch in anderen Texten der Zeit die Rede. Man muss die sich ja nicht gleich als Breker-Monumente vorstellen! Aber sensibel muß man schon mit sprachlichen Bildern umgehen.

Mir ging es um etwas anderes: Im Internet werden viele Videos mit der Aufnahme dieses Liedes mit Bilder, Karten, Fahnen und Emblemen präsentiert, die ganz offen revanchistische Botschaften transportieren. Das ist meiner Meinung nach der Skandal.
Die Gefahr, dass "Volkslieder" oder die Lieder, die man allgemein dafür hält, vor falsche Karren gespannt werden, ist für mich ganz offenkundig. Diese Gefahr sollte man mitreflektieren, wenn man sich mit Volksliedern beschäftigt.
Sicher gilt das auch für andere als das Ostpreussenlied! Ganz krass ist das Problem bei dem sogenannten Brandenburger-Lied "Märkische Heide, märkischer Sand". Aber das hat ja auch eine schlimme direkte Verbindung mit dem Nationalsozielismus und war deswegen übrigens in der DDR auch verboten!

Caruso41
;) - ;) - ;)

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Thomas Pape

Moderator

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99

Montag, 11. September 2017, 10:44

Lieber Helmut Hofmann,
aus Moderatorensicht sehe ich keinen Anlass, Deine Texte in diesem Thread zu löschen. Nicht nur ich habe sie mit Gewinn und Freude gelesen. Zwischenzeitlich war ich versucht, einen anderen Beitrag von Dir auseinem anderen Thread (er betraf die Volkslieder Brahms' und die Herausgabe einer Volksliedsammlung) hierher zu kopieren.

Ich bin mir im Moment nicht ganz sicher, ob wir uns sklavisch an den Threadtext halten und nur Lieder einstellen sollen, oder nicht auch gleichzeitig eine Annäherung an deas Wesen des Volksliedes versuchen.

Bei den letzten vorgstellten Liedern kam es mir vor, als wolle man sich seiner Heimat im Liede versichern. Diesen Charakter können Lieder auch dann bekommen, wenn sie relativ jung sind. Ich denke da z.B. an Willi Ostermanns "Heimweh nach Köln", das mich immer zutiefst berührt (obwohl ich da nicht geboren bin und heute auch nicht mehr in Köln wohne). Heimat war in den vergangenen 100 Jahren immer wieder verwerfungen und Veränderungen unterworfen; letztlcih leben in Deutschland heute auf der einen Seite viele Menschen, die durch Krieg und Nachkriegszeit Wurzeln, Tradition und Heimat verloren haben neben einer jungen Generation, die global denkt und mit der Verwurzelung nicht viel anfangen kann. Man muss wohl bekümmert zu Kenntnis nehmen, dass dann Lieder wie das "Ostprußenlied" vereinnahmt werden können. Das umso leichter, als man das alte Liedgut gerne in eine rechte Ecke schiebt und nur wenige Künstler davon Aufnahmen machen.

Um zu den Liedern zurückzukommen: um die Herkunft dess Liedes, das ich jetzt einstelle, streiten man sich in Schlesien und im Ruhrgebiet. Im Ruhrgebiet in Dortmund bin ich aufgewachsen, zwischen zwei Stahlwerken in Dortmund, und die Stadt ist unterwühlt von Schächten, in dennen nicht nur Kohle abgebaut wurde, auch Erz und Schwefel. 2018 ist im Ruhrpott mit dem Bergbau vorbei, dann schließt auch die Zeche Prosper in Bottrop. Aber jeder hier kennt dieses Lied:



In Hoyerswerda war das Lied bei dem Liedermacher Gerhard "Gundi" Gundermann nicht unbekannt. Der arbeitete tagsüber im Tagebau "Schwarze Pumpe" und stand abens auf den Bühnen. Als nach der Wende die "Schwarze Pumpe" schloß, tauchte das Zitat des Steigerliedes auf seiner Platte "Engel über dem Revier" auf.



Liebe Grüße vom Thomas :hello:
Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

Helmut Hofmann

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100

Montag, 11. September 2017, 11:35

Ja, lieber Thomas Pape, vielleicht ist es besser so. Ich hatte um das Löschen meiner Beiträge gebeten, weil ich sie als eine Störung des Konzepts empfand, das diesem Thread zugrunde liegt und einer davon, zumindest was den anhängten Kursiv-Teil betrifft, eine regelrechte Dummheit darstellt, für die ich mich schäme und auf die dr.pingel zu Recht kritisch reagiert hat. Und eben deshalb sollte das besser nicht gelöscht werden.

Was das Volkslied bei Brahms anbelangt:
Dieser Thread hat mich dazu animiert, den Brahms-Thread fortzusetzen, indem ich einige Lieder aus seiner Publikation „Deutsche Volkslieder“ von 1894 vorstelle und bespreche. Da kann ich dann auch – ich kann´s halt nicht lassen – ein wenig über das Wesen des Volksliedes nachdenken.
Es wird aber ein bisschen dauern, denn der Hindemith-Thread nimmt mich arg in Anspruch. Und ich möchte ihn nicht abbrechen, auch wenn er – was ich angesichts der vom Volksliedton meilenweit entfernten Komplexität und der geringen Eingängigkeit dieser Liedmusik gut verstehen kann – auf wenig Resonanz trifft.

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

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101

Montag, 11. September 2017, 13:42

Dieser Thread hat mich dazu animiert, den Brahms-Thread fortzusetzen, indem ich einige Lieder aus seiner Publikation „Deutsche Volkslieder“ von 1894 vorstelle und bespreche. Da kann ich dann auch – ich kann´s halt nicht lassen – ein wenig über das Wesen des Volksliedes nachdenken.
Lieber Helmut,
das sind die positiven Inspirationen, die wir alle aus den Diskussionen ziehen. Es wäre fördernd, wenn Du Deine Volksliederbesprechungen in diesem Thread einstellst. Da passen Deine Erarbeitungen hin und sicherlich wird dieses Thema auch von Unsen frequentiert, die nicht zu den Stammlesern Deiner Liedbetrachtungen gehören.

Herzlichst
Operus

La Roche

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102

Montag, 11. September 2017, 13:55

Aber jeder hier kennt dieses Lied:
Lieber Thomas,

dieses Lied singt man wohl überall, wo Bergleute arbeiten, besonders im Erzgebirge, dem Harz, im Saarland und natürlich im Ruhrgebiet. Man wünschte sich nach der gefährlichen Arbeit unter Tage ein glückliches Wiedersehen mit der Familie. In meiner Heimatstadt Gera war seit den 1950-er Jahren bis 1990 der Uranbergbau heimisch geworden, und damit wurde das Lied auch hier stark verbreitet. Es dürfte wohl zu den am häufigsten noch heute gesungenen und gespielten Volksliedern gehören. Schön, daß Du es eingestellt hast. Eigentlich hätte es mir einfallen sollen.

Meines Wissens stammt die erste Fassung des Liedes aus dem Erzgebirge. Da ist es auch heute noch mehr als ein Volkslied. Alljährlich finden in Schneeberg Bergparaden statt, und das Steigerlied ist so etwas wie eine Hymne. Der FC Erzgebirge Aue hat das Lied als "Vereinshymne" deklariert und spielt es vor jedem Spiel (ich glaube, auf Schalke geht das auch).

Ich kenne aus der wechselvollen Geschichte des Saarlandes auch eine Textvariante "Deutsch ist die Saar". Auch als Studentenlied mit parodistischen Texten auf verschiedene Berufe singen wir es heute noch bei unseren alljährlichen Absolvententreffen z.B. "Chemiker seins, seins kreuzbrave Leut, denn wir machen aus der Kohle Schnaps und andre Alkohole..."

Herzlichst La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer

La Roche

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103

Montag, 11. September 2017, 14:01

Dieser Thread hat mich dazu animiert, den Brahms-Thread fortzusetzen, indem ich einige Lieder aus seiner Publikation „Deutsche Volkslieder“ von 1894 vorstelle und bespreche. Da kann ich dann auch – ich kann´s halt nicht lassen – ein wenig über das Wesen des Volksliedes nachdenken.
Lieber Helmut,

ich möchte mich den Worten von Operus anschließen. Es wäre schön, wenn Du Deine Beiträge zum Volksliedschaffen von Brahms, aber auch von anderen Komponisten hier einstellen könntest.

ich muß gestehen, daß ich auch mit dem Brahmsschen Wiegenlied "Guten Abend, gut Nacht" geliebäugelt hatte. Aber ich glaube einfach, daß Du bei der Liedbeschreibung, bei der Deutung usw einfach um Klassen kompetener bist, als ich das jemals sein könnte.

Herzlichst La Roche
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William B.A.

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104

Montag, 11. September 2017, 15:32

Vor vielen Jahren habe ich anlässlich eines Skiurlaubs in Österreich dieses Lied kennengelernt, das wohl aus dem Böhmischen oder Tirolerischen stammt und das mich seitdem immer anrührt, wenn ich es höre. Selten kommt es auch mal vor, dass man es in geselliger Runde gemeinsam singt. Ich liebe Lieder mit solch einem melancholischen Überzug, die uns ja auf einem anderen, gleichsam höheren Niveau z. B. auch in den Kindertotenliedern wiederbegegnen. Hier sei die Rede hiervon:



Aber heidschi bumbeidschi

Aber heidschi bumbeidschi, schlaf lange,
es is ja dein Muatter ausganga;
sie is ja ausganga und kimmt neamer hoam
und laßt das kloan Biabele ganz alloan!
Aber heidschi bumbeidschi bum bum,
aber heidschi bumbeidschi bum bum.

Aber heidschi bumbeidschi, schlaf siaße,
die Engelen lassn di griaßn!
Sie lassn di griaßn und lassn di fragn,
ob du in' Himml spaziern willst fahrn.
Aber heidschi bumbeidschi bum bum,
aber heidschi bumbeidschi bum bum.

Aber heidschi bumbeidschi, in' Himmel,
da fahrt di a schneeweißer Schimml,
drauf sitzt a kloans Engei mit oaner Latern,
drein leicht' von' Himml der allerschenst Stern.
Aber heidschi bumbeidschi bum bum,
aber heidschi bumbeidschi bum bum.

Der Heidschi bumbeidschi is kumma
und hat ma mein Biable mitgnumma;
er hat ma's mitgnumma und hats neamer bracht,
drum winsch i mein' Biaberl a recht guate Nacht!
Aber heidschi bumbeidschi bum bum,
aber heidschi bumbeidschi bum bum.


Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Helmut Hofmann

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105

Montag, 11. September 2017, 17:02

Von wegen "melancholischer Überzug".
Dieses Lied, lieber Willi, ist nicht so ganz geheuer. Es geht im Kern um den Kindstod, und Leute, die sich darüber Gedanken gemacht haben, vermuten, dass es die hohe Kindersterblichkeit in früheren Zeiten reflektiert. Seltsam ist daran, dass erst von einer Mutter die Rede ist, die ihr Kind verlassen hat, dann davon, dass ein Kind in den Himmel kommt, und schließlich ist „Heidschi Bumbeidschi“ der Tod, der das Kind holt.
Es gehörte übrigens zum Bestand der Lieder, die zu meiner Kindheit im Kreis der Familie regelmäßig gemeinsam gesungen wurden, so, wie oben schon erwähnt, „Es dunkelt schon in der Heide“. Während ich dieses Lied sehr liebte und gerne sang, habe ich mich vor „Heidschi Bumbeidschi“ gefürchtet. Ich mochte das Lied nicht.

Aber es ist tatsächlich ein altes Volkslied, das wahrscheinlich aus dem Raum Böhmens kommt. Es findet sich sowohl in der Sammlung von Zuccalmaglio von 1840, wie auch in der von Franz Magnus Böhme (1897), beide stufen das Lied als „Wiegenlied“ ein, und Böhme meint, die seltsame Anrede gehe auf das „Eia Bubbeia“ zurück, mit dem Kinder in den Schlaf gewiegt worden sind.

Rheingold1876

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106

Montag, 11. September 2017, 17:23

Lieber Helmut,
das sind die positiven Inspirationen, die wir alle aus den Diskussionen ziehen. Es wäre fördernd, wenn Du Deine Volksliederbesprechungen in diesem Thread einstellst. Da passen Deine Erarbeitungen hin und sicherlich wird dieses Thema auch von Unsen frequentiert, die nicht zu den Stammlesern Deiner Liedbetrachtungen gehören.

Herzlichst


Ob das so eine gute Idee ist, weiß ich nicht. ?(

Volksliedbearbeitungen wie von Brahms - um bei diesem Beispiel zu bleiben - wollen mir nicht in einen Thread passen, in dem es um "Meine liebsten Volkslieder und ihre Interpreten geht".
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Helmut Hofmann

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107

Montag, 11. September 2017, 18:45

Hast mir etwas abgenommen, lieber Rheingold. Die Äußerung von Bedenken nämlich, die mir auch durch den Kopf gingen, als ich die an mich gerichtete Bitte von operus und La Roche las. Ich habe allerdings gezögert, sie vorzubringen und wollte erst noch einmal darüber nachdenken.
Nun meine ich aber, dass die Besprechungen der Volkslied-Bearbeitungen von Brahms hier tatsächlich am falschen Platz wären, weil es hier ja doch um etwas ganz anderes geht als die deskriptive und reflexive Beschäftigung mit dem Volkslied anhand der von Brahms besonders geschätzten und deshalb von ihm mit einem eigenen Klaviersatz versehenen Lieder.

Was ich an diesem Thread so schön finde, das ist, dass nicht über Volkslied-Musik nachgedacht werden, sondern sie vielmehr, versehen mit einem ganz persönlichen Bekenntnis zu ihr, ganz einfach nur präsentiert werden soll, und dies auch noch unter dem interessanten Aspekt ihrer gesanglichen Interpretation. Das ist eine ganz andere Intention, was das Thread-Konzept anbelangt, als die, die dem Brahms-Lied-Thread zugrunde liegt.
Und ich hoffe, dass Ihr Beide, lieber operus und lieber La Roche, diese meine Bedenken verstehen werdet.

William B.A.

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108

Montag, 11. September 2017, 23:40

Zitat

Helmut Hofmann: Von wegen "melancholischer Überzug".
Dieses Lied, lieber Willi, ist nicht so ganz geheuer.

Das ist mir schon klar, lieber Helmut, und trotzdem mag ich das Lied sehr. Vielleicht war es auch ein Vorteil, dass ich es erst als Erwchsener kennengelernt habe, und da ich auch Mahlers Lieder sehr liebe, auch und gerade diejenigen, die "nicht ganz geheuer sind", fiel mir die Ähnlichkleit im Gehalt auf, der ja hier so ganz im Gegensatz zur Gestalt steht, wenn ich einmal Termini aus meinem Literaturunterricht benutzen darf.
Wenn ich darüber nachdenke, mag ich gerade diese Musik, die sich mit Vergänglichkeit und Tod beschäftigt, und deswegen liebe ich Schubert und Mahler. Vielleicht lege ich gleich nochmal Schuberts A-dur-Sonate auf und anschließend die Kindertotenlieder in der legendären Aufnahme von 1967 mit Dame Janet Baker und dem Hallé Orchestra unter Sir John Barbirolli:

Sehr anrührend wird im Begleitheft von Michael Kennedy das Verhältnis der beiden J. B.'s zueinander beschrieben:

Zitat

Michael Kennedy: In den drei hier zu hörenden Liederzyklen spürt man das enge, fast telepathischer Verhältnis zwischen den beiden großen Künstlern. Wie eng es war, schilderte mir Dame Janet, als ich meine Biographie über Sir John schrieb. Am 27. Juli 1970 begann er drei Tage lang mit dem New Philharmonia im Bishopsgate Institute in der City of London für eine bevorstehende Japantorunee zu proben, dabei befasste er sich mit Mahlers Erster Symphonie und den Liederzyklen Lieder eines fahrenden Gesellen und Kindertotenlieder. "Die ganze dreistündige Probe wurde zu etwas ganz Besonderem, sobald J. B. zu mir hinüber schlenderte,", schrieb Baker. Sie probten die Lieder, "wie ich sie noch nie proben gehört habe. Mit slch absoluter Sorgfalt. Einmal beugte er sich über seinem Pult und flüsterte: "Jeden Ihrer Atemzüge habe ich mir notiert!" Er rief mich mehrmals zu sich, um mir seine neueste Gewschichte zu erzählen und war überhaupt in allerbester Form ... Es war eine der besten Proben meines Lebens gewesen." Zwei Tage später starb er an einem Herzinfarkt.


Liebe Grüße

Willi :)
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Dienstag, 12. September 2017, 13:56

Aber heidschi bumbeidschi
Was bleibt, ist eine tolle Interpretation durch Ester Ofarim. Uns wurde das Lied oft als Weihnachtslied verkauft, zumal die Interpretation von Heintje. Aber wenn man den Text verfolgt und den Beitrag von Helmut:
Dieses Lied, lieber Willi, ist nicht so ganz geheuer. Es geht im Kern um den Kindstod, und Leute, die sich darüber Gedanken gemacht haben, vermuten, dass es die hohe Kindersterblichkeit in früheren Zeiten reflektiert. Seltsam ist daran, dass erst von einer Mutter die Rede ist, die ihr Kind verlassen hat, dann davon, dass ein Kind in den Himmel kommt, und schließlich ist „Heidschi Bumbeidschi“ der Tod, der das Kind holt.
dann kommt man nicht umhin, hinter der schönen Melodie einen sehr ernsthaften Hintergrund zu sehen.

Ist schon jemand aufgefallen, daß in Mahlers 3. Satz der 3. Sinfonie im Posthornsolo einige Takte auftauchen, die direkt aus dem Heidschi Bumbeidschi zu kommen scheinen? Spielt hier die von Helmut angeführte böhmische Herkunft des Liedes eine Rolle?

Mir geht es wie Willi, ich kann mich dem Reiz dieses Liedes vor allem interpretiert von Ester Ofarim nicht entziehen. Ich mag auch diese Frau (siehe Punkt 4 dieses Threads mit "Weißt Du wieviel Sternlein stehen..).

Herzlichst La Roche
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operus

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110

Dienstag, 12. September 2017, 14:34

Lieber Helmut,
das sind die positiven Inspirationen, die wir alle aus den Diskussionen ziehen. Es wäre fördernd, wenn Du Deine Volksliederbesprechungen in diesem Thread einstellst. Da passen Deine Erarbeitungen hin und sicherlich wird dieses Thema auch von Unsen frequentiert, die nicht zu den Stammlesern Deiner Liedbetrachtungen gehören.

Herzlichst


Ob das so eine gute Idee ist, weiß ich nicht. ?(

Volksliedbearbeitungen wie von Brahms - um bei diesem Beispiel zu bleiben - wollen mir nicht in einen Thread passen, in dem es um "Meine liebsten Volkslieder und ihre Interpreten geht".
Nun meine ich aber, dass die Besprechungen der Volkslied-Bearbeitungen von Brahms hier tatsächlich am falschen Platz wären, weil es hier ja doch um etwas ganz anderes geht als die deskriptive und reflexive Beschäftigung mit dem Volkslied anhand der von Brahms besonders geschätzten und deshalb von ihm mit einem eigenen Klaviersatz versehenen Lieder.
Hallo, Ihr beiden Lieben, sofort von Eurer Argumentaion überezugt und einverstanden. Während die Arbiten von Helmut Hofmann von Kopf ud Intelligenz gesteuert sind, ist e s schön, wenn man hier ganz aus dem Bauch heraus auswählen kann, welches Lied und welcher Interpret einem gefällt. Einfach nur gefallen und sonst nichts. Wie wohltuend, wie anregend.

herzlichst
Operus

Caruso41

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111

Dienstag, 12. September 2017, 16:02

ist e s schön, wenn man hier ganz aus dem Bauch heraus auswählen kann, welches Lied und welcher Interpret einem gefällt. Einfach nur gefallen und sonst nichts. Wie wohltuend, wie anregend.


Ja, lieber Operus, das will ich nicht bestreiten! Plaudern kann ganz schön und manchmal sogar anregend sein.
Es wäre aber gut, wenn wir auch wieder anspruchsvollere Diskussionen hätten! Da gibt es gegenwärtig eher Mangel. Smalltalk wird dem Forum keine Zukunft sichern. Wenn immer nur gesagt wird, was einem oder einer gerade so einfällt, ist das auf Dauer nicht mehr so spannend.

Beste Grüße

Caruso41
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Thomas Pape

Moderator

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112

Dienstag, 19. September 2017, 14:33

Damit dieser wunderbare Thread nicht in Vergessenheit gerät, hier ein weiteres Lied. "Klinge lieblich und sacht" heißt es. Vor gut vierzig Jahren habe ich dieses Lied während eines Urlaubes in Bad Harzburg aus dem Rundfunk mitgeschnitten, gesetzt für Bariton und Orchester. Das Lied gilt als Volkslied -soweit jedenfalls meine Recherche- und auch als Kirchenlied. In der Schweiz jedenfalls. In deutschen Gesangbüchern (Gotteslob alt und neu sowie im EKG) finde ich es nicht. In jedem Fall ein Gute-Nachtlied mit einer sehr schönen Melodie:

Klinge lieblich und sacht,
klinge leis durch die Nacht!
Klinge, mein Saitenspiel,
kling für mein Herzgespiel,
ob es schläft, ob's wacht.

Klinge lieblich und sacht,
klinge leis durch die Nacht!
Wacht es, so sing es fein
sanft in den Schlaf hinein,
leis in der Nacht.

Klinge lieblich und sacht,
klinge leis durch die Nacht!
Schläft es, so töne fein
zart in den Traum hinein,
leis in der Nacht.

Auf youtube gibt es nur eine Version, nämlich das Lied von einem Knabensopran vorgetragen



Liebe Grüße vom Thomas :hello:
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La Roche

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113

Dienstag, 19. September 2017, 14:46

Damit dieser wunderbare Thread nicht in Vergessenheit gerät, hier ein weiteres Lied. "Klinge lieblich und sacht" heißt es. Vor gut vierzig Jahren habe ich dieses Lied während eines Urlaubes in Bad Harzburg aus dem Rundfunk mitgeschnitten, gesetzt für Bariton und Orchester. Das Lied gilt als Volkslied -soweit jedenfalls meine Recherche- und auch als Kirchenlied. In der Schweiz jedenfalls. In deutschen Gesangbüchern (Gotteslob alt und neu sowie im EKG) finde ich es nicht. In jedem Fall ein Gute-Nachtlied mit einer sehr schönen Melodie:
Lieber Thomas,

danke für dieses Lied. Ich kannte weder Text noch Melodie, und mir gefällt es ausgesprochen gut. Knabensoprane haben etwas Reines, Unschuldiges. Und das paßt auch zu Deinem Lied.

Beim Lesen des Textes ist mir dann aufgefallen, daß es seinen Zweck erfüllen würde, wenn es ein Bariton (der Papa) singen würde. Leider waren Deine Versuche, eine solche Version zu finden umsonst. Eigentlich schade. Umso besser, daß Du wenigstens mit dieser Version fündig geworden bist.

Ich glaube, mich wieder mehr kümmern zu müssen, damit der Thread wieder wach wird. Es gibt noch unendlich viele Lieder und Interpretationen zu entdecken. Bis bald.

Herzlichst La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer

La Roche

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114

Dienstag, 19. September 2017, 15:07

Volksliedbearbeitungen wie von Brahms - um bei diesem Beispiel zu bleiben - wollen mir nicht in einen Thread passen, in dem es um "Meine liebsten Volkslieder und ihre Interpreten geht".
Lieber Rheingold,

gerade das sollten wir nicht in einen Ecke legen. Meine Mutter hat mir als Kind oft vorgesungen "Guten Abend, gut Nacht" oder "Schlafe mein Prinzchen schlaf ein". Sie hat mit Sicherheit nicht gewußt, welche Rolle Brahms oder Mozart dabei gespielt haben. Ist es nicht ein Ausdruck der Vereinnahmung von Kunstliedern durch das "Volk", wenn diese Lieder außerhalb der Konzertsäle in fast jedem Haushalt bekannt sind? Wo will man die Grenze ziehen? Ich hatte schon die (unbeantwortete) Frage gestellt, ob Wiener Lieder, die in Österreich jedes Kind kennt, nicht auch Volksliedstatus erlangen, auch wenn Franz Schubert sie komponiert hat, oder Franz Grothe?

Ich finde, diese Lieder gehören in diesen Thread, und da geht es mir besonders um die Interpretation. Das "Heidschi bumbeidschi" im Vortrag von Heintje hat nicht die Aussage oder Wehmut, die bei Esther Ofarim oder auch Nana Mouskouri zu hören sind (viele weitere Beispiele könnten folgen, auch zu anderen Liedern). Also hier ist viel Platz zur anspruchsvollen Diskussion, nicht nur zu Smalltalk.
Es wäre aber gut, wenn wir auch wieder anspruchsvollere Diskussionen hätten! Da gibt es gegenwärtig eher Mangel. Smalltalk wird dem Forum keine Zukunft sichern. Wenn immer nur gesagt wird, was einem oder einer gerade so einfällt, ist das auf Dauer nicht mehr so spannend.
Aber eines lieber Caruso, sei bemerkt: Warum soll und muß ich begründen, wenn es Musikstücke (auch im Volksliedbereich!) gibt, bei denen ich Gänsehaut bekomme und welche, bei denen der Knopf der Fernbedienung das wichtigste Instrument zur persönlichen Befindlichkeit ist?? Mir ist es einfach egal, ob eine Komposition oder Interpretation wissenschaftlich gut oder schlecht zu begründen sei, wenn sie mir einfach nur gefällt? Text oder Melodie, Interpretation oder Orchestrierung spielen da sehr oft eine Hauptrolle, aber genausooft eine Nebenrolle. Sollen Musik oder Text nicht einfach auch nur ansprechend sein können?

Herzlichst La Roche
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hart

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115

Dienstag, 19. September 2017, 19:12

Meine Mutter hat mir als Kind oft vorgesungen "Guten Abend, gut Nacht" oder "Schlafe mein Prinzchen schlaf ein". Sie hat mit Sicherheit nicht gewußt, welche Rolle Brahms oder Mozart dabei gespielt haben. Ist es nicht ein Ausdruck der Vereinnahmung von Kunstliedern durch das "Volk", wenn diese Lieder außerhalb der Konzertsäle in fast jedem Haushalt bekannt sind? Wo will man die Grenze ziehen?

Genau das ist der Punkt, der aufzeigt, dass der Versuch Grenzen zu ziehen eigentlich keinen großen Sinn macht. Die Grenzen werden ganz einfach in der täglichen Praxis gezogen; ich käme zum Beispiel nie auf die Idee, meinem Enkelkind zum Einschlafen den »Erlkönig« vorzusingen ...

Thomas Pape

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116

Dienstag, 19. September 2017, 19:44

Bei den Kinder- und Volksliedern meiner Kindheit habe ich nie gewusst, aus wessen Feder sie stammten. Im übrigen kannt ich auch den politischen Hintergrund nicht. Auf einer Weihnachtsplatte der 50er Jahre erklang Heiligabend das schöne Lied "Hohe Nacht der klaren Sterne". Höre ich heute noch gerne. Trotz seiner mir mittlerweile bekannten Geschichte. Da kann das Lie ja nichts für.

Andere Lieder wiederum haben es in den Kreis von Stimmungs- und Weinliedern geschafft, obwohl ihr Hintergrund eher ernst ist. Zumindest von Justinus Kerners "Wanderlied" meine ich gelesen zu haben, dass man es sang, wenn in den Krieg gezogen wurde. Die Erinnerung ist aber wackelig und die gewähnte Quelle mir derzeitz nicht im Zugriff.

Das "Wanderlied" oder "Wohlauf noch getrunken den funkelnden Wein" wurde mindestens zweimal vertont. Ich schätze die schmissige Fassung von Robert Schumann, hier von Matt Lehtinen gesungen:



Liebe Grüße vom Thomas :hello:
Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

Thomas Pape

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117

Dienstag, 19. September 2017, 19:50

Und dann noch ein Sehnsuchtslied. Auch so eins, was in der Luft rumschwirrt, was die Oma gepfiffen hat und auch meine Mutter kannte. Dass es aus einem Tonfilm stammt, auch das weiß ich noch nicht lange. Die Rede ist von "Irgendwo auf der Welt", das wohl zu den Zugnummern der Comedian Harmonists gehörte. Als Liebhaber von Marke Weber Platten, einem Geiger mit wunderbarem Orchester, für das auch Franz Lehar geschrieben hat, möchte ich natürlich diese Aufnahme hier vorstellen:



Von Rhythmus und Struktur erinnert es ein wenig an Robert Stolz "Jedes kleine Mädel hat eine kleine Lieblingsmelodie" aus der Operette "Himmelblaue Träume". Auch eines der Lieder, die vormals in Rundfunksendungen gespielt wurden, die eingeleitet wurden mit den Worten "Wie schön, dass morgen Sonntag ist. Eine bunte Melodienkette aus Tanz, Tonflim und Operette" (im Ernst, den Sendungsmitschnitt, den mein Vater wohl um 1966 gemacht hatte, habe ich noch).

Liebe Grüße vom Thomas
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Helmut Hofmann

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118

Dienstag, 19. September 2017, 19:56

Beitrag gelöscht!

hart

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119

Dienstag, 19. September 2017, 20:05

Ich schätze die schmissige Fassung von Robert Schumann, hier von Matt Lehtinen gesungen:

Nichts gegen die schmissige Fassung, ein wunderschönes Lied zum Thema Wandern, aber mit Sicherheit kein Volkslied!
Und das wird es wohl auch nie werden. Aus dem »Volk« heraus habe ich diese Töne in meinem langen Leben noch nie vernommen, immer nur im Konzertsaal kunstvoll vorgetragen.

zweiterbass

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120

Dienstag, 19. September 2017, 20:28

Hallo Thomas,

das Meiste was Du hier als Volkslieder präsentiert, sind alles Andere aber keine Volkslieder.
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler