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orsini

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1

Sonntag, 8. Oktober 2017, 23:37

Cosi fan tutte – Bayerische Staatsoper am 06. Oktober 2017

Am letzten Freitag besuchten wir eine Aufführung von „Cosi fan tutte“ an der Bayerischen Staatsoper in München.
Die Staatsoper kündigt auf ihrer Website die Inszenierung der Oper wie folgt an: „So machen's nicht alle. "Diese" Così ist ein Juwel des Mozart-Repertoires an der Bayerischen Staatsoper!„ Gezeigt wurde das Stück in der Inszenierung von Dieter Dorn, die bereits am 31.01.1993 Premiere im Alten Residenztheater (Cuvilliés-Theater) hatte. Inzwischen gibt man das Stück allerdings im ungleich größeren Nationaltheater. (Leider ist man inzwischen davon abgegangen, auf dem Besetzungszettel anzugeben, die wievielte Vorstellung nach der Premiere gespielt wird...)

Unter der musikalischen Leitung von Constantin Trinks war ein mehrheitlich junges Ensemble aufgeboten, dessen reales Alter mehr oder weniger auch dem Rollenalter entsprach und das mit großer Spielfreude agierte. Als Fiodiligi war kurzfristig Ruzan Mantashyan eingesprungen. Ausgebildet am Staatlichen Konservatorium Jerewan und an der CUBEC Modena Belcanto Academy bei Mirella Freni, debütierte sie 2012 als Susanna am Teatro Municipale in Piacenza. Sie verfügt über eine sehr ansprechende, höhensichere und vor allem tragfähige Stimme. Die Koloraturen von „Come scoglio“ lagen ihr gut und sicher in der der Kehle… einzig die tiefen Noten zeigen, dass die Stimme noch etwas Entwicklung braucht – aber alles in allem eine viel versprechende Sängerin. Angela Brower, ehemaliges Mitglied der Opernstudios und des Ensembles der Münchner Oper, sang die Dorabella mit runder, wohltönender Stimme, allerdings fehlte ihrer Stimme zuweilen etwas Kraft und Tragfähigkeit, um auch in den Ensembleszenen klar erkennbar zu bleiben. Den Ferrando gab Paolo Fanale. Seine Leistung an diesem Abend war ein wenig irritierend. Im ersten Akt klang die Stimme kehlig, wie nach hinten in den Hals gerutscht. Einige „a‘s“ und „e‘s“ gerade an Wortenden wurden unschön gedehnt, die Stimme klang in der Höhe nicht frei. „Un‘aura amorosa“ auf der anderen Seite gelang ihm berückend schon, fein phrasiert und mit perfektem mezza voce gesungen. Ingesamt löste er sich mit mit Fortschreiten der Oper und klang im 2. Akt viel freier. Derlei „Einsing-Probleme“ hatte der Sänger des Guglielmo, John Chest, nicht. Seine Stimme war von Anfang an sehr präsent, volltönend und raumfüllend. Auch für die Zukunft dieses Sängers läßt sich viel erwarten. Ein stimmliches und auch schauspielerisches Highlight war der Despina der jungen Hyesang Park. Der Schalk sprühte ihr nur so aus den Augen und auch ihre quecksilbrig helle und flinke Stimme ließ keine Wünsche über – ein optischer und akustischer Genuß; war sie auf der Bühne, so beherrschte sie diese auch.

Nicht zu überzeugen vermochte mich der Darsteller der Don Alfonso, Pietro Spagnoli. Sein Bariton war von der Stimmfarbe viel zu hell und viel zu dünnstimmig. In Ensembleszenen ging seine Stimme vielfach unter. Auch die Darstellung war bestenfalls routiniert. Das Dirigat von Constantin Trinks war aus meiner Sicht eine herbe Enttäuschung: bleierne Schwere und Langsamkeit breitete sich aus dem Orchestergaben aus. Da schlugen keine Funken aus der Partitur, ein zu massiver Streicherklang deckte alle Feinheiten der Partitur zu, Fiordiligis Arie „Per pieta, ben mio“ zerbröselte in einzelne Phrasen - von der dramatischen Aussage der Arie blieb wenig über...

Die Inszenierung von Dieter Dorn (Regie) und Jürgen Rose (Bühne und Kostüme) ist eher etwas minimalistisch angelegt, aber trotzdem sehr werkgetreu. Es gibt quasi ein Einheitsbühnenbild, dass ein wenig durch Vorhänge oder andere Requisiten variiert wird. Über einige Ungereimtheiten (warum z.B. stellenweise mehr als ein Dutzend verschiedene Stühle auf der Bühne stehen und ständig herum geschoben werden oder warum eine der Sängerinnen ein Stück ihrer Arie auf einem auf einen Tisch gestellten Stuhl singen muss), lässt sich leicht hinwegsehen. Die Kostüme sind größtenteils sehr ansprechend, lediglich die Uniformen und Verkleidungen von Ferrando/Guglielmo sind optisch wenig vorteilhaft (und wärmetechnisch für die Sänger wahrscheinlich eine Zumutung).

Nun, was ein Juwel ist, hängt wohl sehr stark davon ab, wo die Vergleichsmaßstäbe liegen… trotzdem, ein alles in allem sehr beglückender und unterhaltsamer Opernabend war es in jedem Falle.
Man soll nicht lügen. Es sei denn, daß man mit der Wahrheit noch schlechter führe.
Curt Goetz

Hosenrolle1

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2

Sonntag, 8. Oktober 2017, 23:48

Die Inszenierung von Dieter Dorn (Regie) und Jürgen Rose (Bühne und Kostüme) ist eher etwas minimalistisch angelegt, aber trotzdem sehr werkgetreu.

Werktreu bezüglich der Regieanweisungen?


LG,
Hosenrolle1
„Begreifen wir endlich, dass der emotionale Kult der Tradition nur eine Form unserer geistigen Faulheit ist.“ (Stanislaw Brzozowski)

orsini

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3

Sonntag, 8. Oktober 2017, 23:53

Damit meine ich, dass Handlung der Oper wie im Libretto angegeben, Darstellung, Kostüme und Übertitelung ein einem gewissen sinnvolllen Zusammenhang stehen und auf das gesehene Werke rückschließen lassen.
Man soll nicht lügen. Es sei denn, daß man mit der Wahrheit noch schlechter führe.
Curt Goetz

Hosenrolle1

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4

Montag, 9. Oktober 2017, 00:08

Alles klar, danke!

Ich frage immer nur gerne nach, wenn jemand "werktreu" sagt, weil ich wissen möchte, wie der Autor das für sich definiert.



LG,
Hosenrolle1
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