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  • »Ralf Reck« ist männlich
  • »Ralf Reck« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 189

Registrierungsdatum: 23. November 2013

1

Mittwoch, 25. Oktober 2017, 00:55

Alcina (Händel), Neue Bühne des Bolschoi Theaters, Moskau, 24.10.2017

Im Rahmen eines einwöchigen Moskaubesuchs besuchten wir auch verschiedene Ballett- und Opernaufführungen. Gestern Abend gab es Alcina (Händel) auf der Neuen (kleineren) Bühne des Bolschoi-Theaters. Die Regie (Katie Mitchel) hatte sich für die Produktion junge Sängerinnen und Sänger ausgesucht, u.a. Heather Engebretson als Alcina, die auch unter optischen Aspekten in die Inszenierung passten. Doch dazu später. Alle sangen gut, allerdings fehlte es mir an Wärme und auch an Fülle des Klangs, der sonst einen Opernsaal bei gutem Gesang füllt und bis zum Herzen dringt. Da dieser gesangliche Eindruck bei allen Solisten vorherrschend war, wäre ggf. auch an ein Problem mit der Akustik in diesem Theater zu denken.

Wovon handelt diese Oper. Ohne den recht komplexen Inhalt im Detail zu referieren, geht es wohl, so hatte ich diese Oper von einer Hamburger Aufführung (mit Inga Kalna als Alcina) in Erinnerung, um Liebesleid verschiedener Personen, vor allem um die unglückliche Liebe der Zauberin Alcina zu dem Ritter Ruggiero (hier gesungen von dem 36jährigen australischen Countertenor David Hansen). Katie Mitchel verlegte die Handlung in ein Horrorhaus, in dem sich zwei mörderische Schwestern (Alcina und Anna Aglatova als Morgana) mittels Tötung (bzw. Verwandlung in Tiere) junger Männer ihr jugendliches Aussehen erhalten.

Die Idee der Vergänglichkeit der Schönheit hier Raum zu geben, ist an sich nicht schlecht, sie wird auch durch Doppelbesetzung der Schwestern mit jungen hübschen Sängerinnen und ähnlich aussehenden, aber deutlich älteren Statistinnen interessant in Szene gesetzt: In der Mitte der Bühne befindet sich ein neoklassizistisch anmutender Raum, in dem die „Verführungen“ (durch die jugendlichen Schwestern) stattfinden, rechts und links daneben die privaten dunklen Gemächer der gealterten Schwestern. Deren Räume sind mit dem Mittelzimmer durch Türen verbunden. Wenn die Statistinnen jeweils durch die Tür in das Mittelzimmer treten, erscheinen sie dort sichtlich verjüngt und beginnen zu singen (Rollentausch in der breiten Wand).

Was dann allerdings im Mittelzimmer und auf dem Dachboden stattfindet, ist nicht mehr jugendfrei (die Alcina-Aufführung war nur für Personen ab 18 Jahren zugelassen). In der Mitte des Raumes befindet sich ein breites Bett, auf dem sich Morgana sadomasochistischen Spielen hingibt und Alcina (angedeutet) kopuliert, während dessen sich ihre Koloraturen wie vokale Orgasmen anhören. U. a. wird der ehemalige Liebhaber Alcinas namens Astolfo bewusstlos gespritzt, wie in einer Leichenhalle aufgebahrt, über ein Laufband in eine Maschine verfrachtet, aus der er als ausgestopfte Löwin herausgefahren wird.

Das war alles schon sehr krass und ließ einen hoffen, dass der zaudernde Ruggiero zusammen mit der ihn liebenden Bradamante (Katarina Bradic) und dem treu ergebenen Melisso (mit angenehmen Bass Grigory Shkarupa) den mordenden Schwestern bald den Garaus macht. Da die Oper allerdings fast drei Stunden lang ist, bleibt dieser Wunsch lange unerfüllt. Am Ende gelingt es dem vorgenannten Trio allerdings, das Lebenselixier der Schwestern zu zerstören und diese, dem Vermodern anheim gegeben, in die Tiervitrinen zu sperren. Um nicht völlig gegen das Libretto zu verstoßen, wird Astolfo schließlich wieder zurückverwandelt.

Wenn man so will, ist diese szenische Darstellung unter tiefenpsychologischen Aspekten durchaus nachvollziehbar (wie eine neben mir sitzende Zuseherin meinte). Passt das aber noch zu dem, was Händels Musik sagt? Jedenfalls hielt sich mein Mitleid mit der sich stimmlich und darstellerisch verzehrenden Alcina in Grenzen.
Oper lebt von den Stimmen, Stimmenbeurteilung bleibt subjektiv

Dr. Holger Kaletha

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  • »Dr. Holger Kaletha« ist männlich

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2

Mittwoch, 25. Oktober 2017, 08:04

Passt das aber noch zu dem, was Händels Musik sagt? Jedenfalls hielt sich mein Mitleid mit der sich stimmlich und darstellerisch verzehrenden Alcina in Grenzen.
Hochinteressant, lieber Ralf. Ich habe "Alcina" ja in Münster gesehen (und Bertarido auch). Mitleid mit Alcina hatte ich auch nicht - ich glaube, dass diese "romantische" Empfindung ("Tristan") eher weniger zu Händel passt. Aber dazu vielleicht später mehr! :hello:

Schöne Grüße
Holger

Dr. Holger Kaletha

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3

Mittwoch, 25. Oktober 2017, 10:25

Viel Spaß jedenfalls in Moskau, lieber Ralf :) Ich finde, diese "psychoanalytische" Inszenierung passt durchaus ins Milieu dort. Es gibt, was auch außerhalb Russlands nicht unbekannt ist, eine reiche, sich selbst feiernde ziemlich dekadente Schicht dort, wo es solche Phänomene ausschweifenden Lebenswandels reichlich zu beobachten gibt: Jugendlichkeitswahn, Sexismus und moralische Skrupellosigkeit. Historisch neu ist das Phänomen auch nicht. Insofern gibt es da durchaus eine Brücke zum Barockzeitalter, wo solche Dinge in mythologisch verklausulierter Form dargeboten wurden. Ich hätte mir diese Inszenierung auch angeschaut, wäre ich in Moskau - witzig, Regietheater außerhalb Deutschlands ausgerechnet in Putins Russland! :D :hello:

Schöne Grüße
Holger

musikwanderer

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  • »musikwanderer« ist männlich

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4

Mittwoch, 25. Oktober 2017, 10:53

Eine Geburt aus krankem Gehirn in einer gehirnkranken Zeit - man kann sich nur noch an den A.... fassen, denn der Kopf ist zu schade dafür!
:no:
.

MUSIKWANDERER

Bertarido

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  • »Bertarido« ist männlich

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5

Mittwoch, 25. Oktober 2017, 13:31

Danke, lieber Ralf, für den Bericht. Da ich die "Alcina" gut kenne, kann ich den Ansatz des Regisseurs durchaus nachvollziehen und finde ihn sehr interessant. Wäre Moskau nicht so weit, würde ich mir die Produktion sicher anschauen.

Gerhard Wischniewski

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  • »Gerhard Wischniewski« ist männlich

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6

Mittwoch, 25. Oktober 2017, 13:48

Zitat

Zitat von Musikwanderer: Eine Geburt aus krankem Gehirn in einer gehirnkranken Zeit - man kann sich nur noch an den A.... fassen, denn der Kopf ist zu schade dafür!
Lieber Musikwanderer,

als ich den Bericht von Ralf Reck gelesen habe, habe ich dasselbe gedacht. Dich als besonderen Kenner der Händelschen Opern muss es besonders tief getroffen haben. Aber diese Hirnkrankheit greift immer mehr um sich und - wie du siehst - es gibt immer noch Leute, die sich davon anstecken lassen.

Liebe Grüße
Gerhard
Ich bin einverstanden, und ohne Bedauern, wenn meine Opern nicht aufgeführt werden; aber wenn sie aufgeführt werden, verlange ich, dass es so sei, wie ich sie mir vorgestellt habe.
(Verdi an Giulio Ricordi, Juni 1894)

Bertarido

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7

Mittwoch, 25. Oktober 2017, 14:24

Aber diese Hirnkrankheit greift immer mehr um sich und - wie du siehst - es gibt immer noch Leute, die sich davon anstecken lassen.

Lieber hirnkrank als senil. :D

Reinhard

Moderator

  • »Reinhard« ist männlich

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8

Mittwoch, 25. Oktober 2017, 16:57

Wen die Inszenierung interessiert: Offenbar ist das eine Übernahme aus Aix-en-Provence von 2015. Eine Aufnahme mit Philippe Jaroussky, Patricia Petibon und Anna Prohaska wurde bei arte gezeigt und es gibt sie auch auf DVD / blu ray.





 
Leiste guten Menschen Gesellschaft, und du wirst einer von ihnen werden. Miguel de Cervantes

La Roche

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  • »La Roche« ist männlich

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9

Mittwoch, 25. Oktober 2017, 17:24

Lieber hirnkrank als senil. :D

Während Gerhard und Musikwanderer ihre Äußerungen auf das "hirnkranke" Regieteam bezogen haben, greifst Du hier zwei Mitglieder des Forums öffentlich persönlich an und bezeichnest deren Unverständnis für hirnkranke Inszenierungen als "senil". Ich glaubs nicht, so etwas von einem Tamino zu hören. Das ist schon keine Beleidigung mehr. Ich habe für diese Ausdrucksweise kein Verständnis. Ich verkneife mir weitere Bemerkungen, obwohl alle Finger jucken.
ch finde, diese "psychoanalytische" Inszenierung passt durchaus ins Milieu dort. Es gibt, was auch außerhalb Russlands nicht unbekannt ist, eine reiche, sich selbst feiernde ziemlich dekadente Schicht dort, wo es solche Phänomene ausschweifenden Lebenswandels reichlich zu beobachten gibt: Jugendlichkeitswahn, Sexismus und moralische Skrupellosigkeit. Historisch neu ist das Phänomen auch nicht. Insofern gibt es da durchaus eine Brücke zum Barockzeitalter, wo solche Dinge in mythologisch verklausulierter Form dargeboten wurden. Ich hätte mir diese Inszenierung auch angeschaut, wäre ich in Moskau - witzig, Regietheater außerhalb Deutschlands ausgerechnet in Putins Russland!
Da Inszenierungen dieser Art auch in Deutschland nicht fremd sind und ich weiß, daß derartige Beiträge von Dir wohlüberlegt und keine "Ausrutscher" sind, muß ich davon ausgehen, daß der Vergleich mit dem "Milieu" in Putins Rußland auch gewollt eine Beziehung zu Deutschland herstellen will. Eine in Teilen sich selbst feiernde, dekadente, jugendlichkeitsaffine und moralische Skrupellosigkeit vorlebende Gesellschaft haben wir auch. Gegen diese Gesellschaft richten sich heute politische Gruppierungen in ganz Europa. Ein Grund für den Siegeszug rechter Parteien. Du hast nichts begriffen.

La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer
Nihil fit sine causa

Dr. Holger Kaletha

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  • »Dr. Holger Kaletha« ist männlich

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10

Mittwoch, 25. Oktober 2017, 17:49

Während Gerhard und Musikwanderer ihre Äußerungen auf das "hirnkranke" Regieteam bezogen haben, greifst Du hier zwei Mitglieder des Forums öffentlich persönlich an und bezeichnest deren Unverständnis für hirnkranke Inszenierungen als "senil". Ich glaubs nicht, so etwas von einem Tamino zu hören. Das ist schon keine Beleidigung mehr. Ich habe für diese Ausdrucksweise kein Verständnis. Ich verkneife mir weitere Bemerkungen, obwohl alle Finger jucken.
Wobei Deine moralisierende Betrachtung mal wieder tendentiös ist. Wenn Bertarido oder ich so eine Inszenierung "interessant" finden, dass wir sie uns deshalb anschauen würden (wobei ja noch gar nicht gesagt ist, dass wir sie dann tatsächlich auch gelungen finden), Ihr das aber (natürlich ohne die Inszenierung gesehen zu haben) a priori für "hirnkrank" haltet, dann unterstellt Ihr damit implizit uns beiden, dass wir auch an dieser Hirnkrankheit leiden. Denn an etwas Krankem Gefallen finden können nur Kranke. Diese Art von diskursiver, apologetischer Selbstgerechtigkeit von RT-Gegnern geht mir ehrlich gesagt ganz schön auf den Wecker.

Des weiteren sind solche Polemiken weder klug noch besonders geistreich. In der psychoanalytischen Betrachtung wird eben das Pathologische im vermeintlich Gesunden und Normalen aufgespürt. Dem Analytiker und Therapeuten deshalb zu unterstellen, er habe ein krankes Hirn, weil sein Untersuchungsgegenstand die Krankheit ist, ist vornehm ausgedrückt einfach nur blind.

Schöne Grüße
Holger

Dr. Holger Kaletha

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  • »Dr. Holger Kaletha« ist männlich

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Registrierungsdatum: 2. Februar 2008

11

Mittwoch, 25. Oktober 2017, 17:57

Da Inszenierungen dieser Art auch in Deutschland nicht fremd sind und ich weiß, daß derartige Beiträge von Dir wohlüberlegt und keine "Ausrutscher" sind, muß ich davon ausgehen, daß der Vergleich mit dem "Milieu" in Putins Rußland auch gewollt eine Beziehung zu Deutschland herstellen will. Eine in Teilen sich selbst feiernde, dekadente, jugendlichkeitsaffine und moralische Skrupellosigkeit vorlebende Gesellschaft haben wir auch. Gegen diese Gesellschaft richten sich heute politische Gruppierungen in ganz Europa. Ein Grund für den Siegeszug rechter Parteien. Du hast nichts begriffen.
Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Welche Anhaltspunkte hast Du für eine solche Unterstellung? Die Regisseurin ist doch gar keine Deutsche! Und die Vorstellung, dass sich ausgerechnet die rechten Parteien gegen moralische Skrupellosigkeit als die selbsterklärenden Saubermänner richten sollen, ist ziemlich schräg. Da wird von Herrn Höcke vom "Mahnmal der Schande" ganz moralisch skrupellos geredet und perfide die Doppeldeutigkeit des Genitivs ausgenutzt, wodurch er sich der Strafverfolgung wegen Volksverhetzung entzieht. Der Siegeszug der rechten Parteien beruht auf populistisch geschürter Fremdenfeindlichkeit und nichts anderem.

Schöne Grüße
Holger

Rheingold1876

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  • »Rheingold1876« ist männlich

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12

Mittwoch, 25. Oktober 2017, 18:25

Ich hätte mir diese Inszenierung auch angeschaut, wäre ich in Moskau - witzig, Regietheater außerhalb Deutschlands ausgerechnet in Putins Russland!


Lieber Holger, mich verlangt es zwar im Moment nicht nach Moskau-Reisen, wo ich immer gern gewesen bin. Bemerkenswert finde ich allerdings, was im Reich Putins neuerdings alles möglich zu sein scheint. Wenn ich alles erwartet hätte, so eine Inszenierung im neuen Ableger des Bolschoi nicht. Können wir uns neue Hoffnungen machen? Mich dünkt, da ist ein Update der Sichten nötig. Erst dieser Tage hatte ich nämlich in meinem bevorzugten Radiosender einen vernichtenden Bericht über die Zustände in Russland gehört, wo alles verfolgt werde, was nicht auf der offiziellen Linie liege. ?( Das soll genügend, denn ich will nicht auf Felder geraten, die vermint sind. Und politisch angehauchte Debatten sind hier ja gemäß der Hausordnung ohnehin nicht gestattet.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Gerhard Wischniewski

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  • »Gerhard Wischniewski« ist männlich

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13

Mittwoch, 25. Oktober 2017, 18:35

Zitat

Zitat von La Roche: Während Gerhard und Musikwanderer ihre Äußerungen auf das "hirnkranke" Regieteam bezogen haben, greifst Du hier zwei Mitglieder des Forums öffentlich persönlich an und bezeichnest deren Unverständnis für hirnkranke Inszenierungen als "senil".
Lieber La Roche,

Und wenn die Herren 100mal solche Äußerungen von sich geben würden, weder ich und ich glaube auch Musikwanderer beziehen so etwas auf sich. Sollen sie ruhig, uns juckt's nicht. Wir sind durchaus noch auf der Höhe der Zeit und stehen mit beiden Beinen im Leben. Dass jemand "senil" ist, der hirnverbrannten Schund ablehnt, das - denke ich - glauben hier nur ein paar einsame Herren. Nach ihnen wäre also weit mehr als die halbe Welt, also auch weit jüngere Leute, "senil", nur die Befürworter solchen Unsinns nicht. :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: Lass ihnen also ruhig ihre leeren Verlegenheitsphrasen!

Liebe Grüße
Gerhard
Ich bin einverstanden, und ohne Bedauern, wenn meine Opern nicht aufgeführt werden; aber wenn sie aufgeführt werden, verlange ich, dass es so sei, wie ich sie mir vorgestellt habe.
(Verdi an Giulio Ricordi, Juni 1894)

Dr. Holger Kaletha

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  • »Dr. Holger Kaletha« ist männlich

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Registrierungsdatum: 2. Februar 2008

14

Mittwoch, 25. Oktober 2017, 19:50

Ich hätte mir diese Inszenierung auch angeschaut, wäre ich in Moskau - witzig, Regietheater außerhalb Deutschlands ausgerechnet in Putins Russland!


Lieber Holger, mich verlangt es zwar im Moment nicht nach Moskau-Reisen, wo ich immer gern gewesen bin. Bemerkenswert finde ich allerdings, was im Reich Putins neuerdings alles möglich zu sein scheint. Wenn ich alles erwartet hätte, so eine Inszenierung im neuen Ableger des Bolschoi nicht. Können wir uns neue Hoffnungen machen? Mich dünkt, da ist ein Update der Sichten nötig. Erst dieser Tage hatte ich nämlich in meinem bevorzugten Radiosender einen vernichtenden Bericht über die Zustände in Russland gehört, wo alles verfolgt werde, was nicht auf der offiziellen Linie liege. ?( Das soll genügend, denn ich will nicht auf Felder geraten, die vermint sind. Und politisch angehauchte Debatten sind hier ja gemäß der Hausordnung ohnehin nicht gestattet.
Ja, lieber Rüdiger. Da wurde leider im Fernsehen kürzlich berichtet, dass einem homosexuellen Regisseur eine langjährige Haftstrafe droht, der eigentlich in Deutschland eine Oper inszenieren sollte. Pure Diskriminierung und übelste Unterdrückung ist das. Und ein deutscher Schauspieler traut sich nicht wegen Hetze gegen einen Film, den Nationalisten für "hirnkrank" halten, zur Premiere in Moskau zu erscheinen. Er wird bedroht. Und ausgerechnet in einem "westlichen" Forum muss man in diesem politischen Klima gegen eine Inszenierung hetzen mit solchen Vokabeln, mit denen Künstler dort verfolgt werden. Ignoranter, instinktloser und geschmackloser geht es wirklich nicht. :hello:

Schöne Grüße
Holger

MSchenk

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  • »MSchenk« ist männlich

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15

Mittwoch, 25. Oktober 2017, 21:24

Während Gerhard und Musikwanderer ihre Äußerungen auf das "hirnkranke" Regieteam bezogen haben,

Mit Verlaub, dass lese ich anders:

Aber diese Hirnkrankheit greift immer mehr um sich und - wie du siehst - es gibt immer noch Leute [das dürfte sich mindestens auf Holger und Bertarido beziehen], die sich davon anstecken lassen.
mfG Michael

Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

Bertarido

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  • »Bertarido« ist männlich

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16

Mittwoch, 25. Oktober 2017, 21:53

Während Gerhard und Musikwanderer ihre Äußerungen auf das "hirnkranke" Regieteam bezogen haben,

Mit Verlaub, dass lese ich anders:

Aber diese Hirnkrankheit greift immer mehr um sich und - wie du siehst - es gibt immer noch Leute [das dürfte sich mindestens auf Holger und Bertarido beziehen], die sich davon anstecken lassen.

Klar, genau so war es gemeint: das "hirnkrank" zielte auf Holger und mich. Nicht, dass mich das in irgendeiner Weise affizieren würde, Gerhard Wischniewski nehme ich schon lange nicht mehr ernst.

Wen die Inszenierung interessiert: Offenbar ist das eine Übernahme aus Aix-en-Provence von 2015. Eine Aufnahme mit Philippe Jaroussky, Patricia Petibon und Anna Prohaska wurde bei arte gezeigt und es gibt sie auch auf DVD / blu ray.







Die habe ich sogar, die liegt im Stapel der ungehörten DVDs. Werde ich mir bei nächster Gelegenheit anschauen. :hello:

Reinhard

Moderator

  • »Reinhard« ist männlich

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Registrierungsdatum: 11. August 2004

17

Mittwoch, 25. Oktober 2017, 21:59

Die habe ich sogar, die liegt im Stapel der ungehörten DVDs. Werde ich mir bei nächster Gelegenheit anschauen.


Hätte ich mir ja denken können. ;-)
Schreib bitte mal was drüber, wenn Du sie gesehen hast. Hab sie mir damals aufgezeichnet, aber noch nicht zu Gemüte geführt.
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La Roche

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18

Donnerstag, 26. Oktober 2017, 09:20

Bedeutungsübersicht
  1. (bildungssprachlich,
    oft abwertend) durch Alter körperlich und geistig nicht mehr voll
    leistungsfähig; greisenhaft und in seinen Äußerungen und Handlungen mehr
    oder weniger kindisch
  2. (Medizin) das Greisenalter betreffend; im hohen Lebensalter auftretend

Synonyme zu senil
So viel zur Bedeutung des Wortes "senil". Danke, Herr Bertarido für diese Einschätzung, auch ich fühle mich angesprochen, mit 75 zähle ich mich selbst nicht mehr zur Jugend. Und danke auch allen, die für ihn Partei ergriffen haben. Das hindert mich nicht, euch meine guten Wünsche nach geistiger Gesundheit zu überbringen.

La Roche
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La Roche

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19

Donnerstag, 26. Oktober 2017, 09:27

Es macht wieder Spaß im Forum, endlich ist wieder was los. Nur schade, daß der interessante Bericht von Ralf Reck hier so abdriftet, das hätte er nicht verdient.

(natürlich ohne die Inszenierung gesehen zu haben
Hat Dr. Kaletha sie gesehen?

Trotzdem: es macht immer wieder Freude zu sehen, wie leicht und schnell Herr Dr. Kaletha aus der Reserve zu locken ist, dabei seine Antworten aus dem Zusammenhang reißt und nur den Teil aufs Korn nimmt, den er verdrehen und verformen kann. Gerne wieder, Du kannst jetzt weitermachen.

La Roche
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Fiesco

Fortgeschrittener

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20

Donnerstag, 26. Oktober 2017, 10:54

Es macht wieder Spaß im Forum, endlich ist wieder was los. Nur schade, daß der interessante Bericht von Ralf Reck hier so abdriftet, das hätte er nicht verdient.

Das ist doch eher euer Verdienst!
(natürlich ohne die Inszenierung gesehen zu haben

Zitat

Hat Dr. Kaletha sie gesehen?

Auch hier ward ihr die ersten die sich darüber aufgeregt haben, ohne sie gesehen zu haben!

Zitat

Trotzdem: es macht immer wieder Freude zu sehen, wie leicht und schnell Herr Dr. Kaletha aus der Reserve zu locken ist, dabei seine Antworten aus dem Zusammenhang reißt und nur den Teil aufs Korn nimmt, den er verdrehen und verformen kann. Gerne wieder, Du kannst jetzt weitermachen.

Der kann es wnigstens, da könnt ihr euch mal ne Scheibe abschneiden, aber euch fällt nichts neues ein, als immer wieder die selbe Leier!
Ich pers.finde es sehr traurig das es hier im Forum immer und immer wieder nur um das Regietheater geht, akzeptiert doch mal das es da draußen viele um nicht zu sagen sehr viele Liebhaber desgleichen gibt, mich eingeschlossen, denn ich setze mich damit auseinander. Mir gefällt auch nicht alles, aber ich akzeptiere es, und unterhalten mich gerne mit Menschen denen es gefallen hat, nur so geht es weiter.
Ich glaube manchesmal ihr lebt noch im vergangenen Jahrhundert, HALLO, wir haben inzwischen 2017!

LG Fiesco
Die Tonkunst begrub hier einen reichen Besitz, aber noch viel schönere Hoffnungen.

Grillparzers Worte auf der Reliefplatte Schuberts.

La Roche

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21

Donnerstag, 26. Oktober 2017, 13:49

Die Anzahl der orthographischen Fehler in Beitrag 20 ist überdurchschnittlich hoch!

Ich lasse mir auch von einem Fiesco nicht vorschreiben, was ich gut oder schlecht zu finden habe. Dazu habe ich wohl ein Recht. Aber deswegen lasse ich mich noch lange nicht als "senil" bezeichnen. Ich weiß, daß Bertarido mich nicht persönlich angesprochen hat, aber ich gehöre in die Altersgruppe, in der bestimmte Krankheitsbilder laut Definition möglich und die eindeutig abwertend gemeint sind. Glücklicherweise wurde ich bisher von diesen Krankheitsbildern verschont.
HALLO, wir haben inzwischen 2017!

Ja, und wo die Welt hinläuft, das siehst Du nicht?? Wenn es Dich beruhigt: Ja, die Welt war vor 20-30 Jahren sicherer, aufgeschlossener, friedlicher und ehrlicher. Ich mache mir sicher mehr Gedanken um die Zukunft als Du, auch wenn meine Zukunft nur noch kurz ist. Solche Sorgen, die nichts mit dem Alter oder der Gesundheit zu tun haben, hatte ich vor 20-30 Jahren nicht!

La Roche
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Bertarido

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22

Donnerstag, 26. Oktober 2017, 13:58

Nur schade, daß der interessante Bericht von Ralf Reck hier so abdriftet, das hätte er nicht verdient.

Ja, das ist allerdings schade. Aber warum ist das so? Weil "musikwanderer" meinte, ohne irgendwie inhaltlich auf den Bericht einzugehen die Aufführung als "Geburt aus krankem Gehirn" bezeichnen zu müssen, und weil der Herr Wischniewski dann noch eins drauflegen musste, indem er diejenigen, die dieser Aufführung etwas abzugewinnen vermögen, als von der "Hirnkankheit" infiziert bezeichnete (wozu dann übrigens auch Ralf Reck gehören würde). Offenbar ist es ihnen unmöglich zu akzeptieren, dass etwas von ihnen nicht Gemochtes etwas anderes als "krank" sein kann und diejenigen, die das anders sehen, gleich mit. Und dann regst Du Dich darüber auf, dass ich in einer Reaktion darauf das Wort "senil" gebraucht habe? Gemeint war hier übrigens die erste der von Dir genannten Bedeutungen.

La Roche

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23

Donnerstag, 26. Oktober 2017, 14:15

Trotz aller gegensätzlicher Auffassungen und Meinungen haben wir bisher einen doch recht sachlichen Dialog geführt, immer davon ausgehend, daß der andere auch recht haben könnte. Ich habe nichts dagegen, wenn das so bleiben würde. Allerdings bist Du mit der unglücklichen Bezeichnung "senil" über diese Grenze gegangen, denn damit bezeichnest Du eine ganze Gruppe Taminos als geistig grenzwertig, mich einbezogen. Die Definition habe ich ja eingestellt.

Lassen wir es gut sein. Trotzdem würde mir diese Alcina nicht gefallen. Übrigens war ich mindestens 25 mal in Moskau, und ich liebe diese Stadt und das ganze Land, auch jetzt noch. Drei Jahre Arbeit im Ural mit fast nur guten Erfahrungen kann man nicht wegwischen.

La Roche
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Bertarido

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24

Donnerstag, 26. Oktober 2017, 14:34

Trotz aller gegensätzlicher Auffassungen und Meinungen haben wir bisher einen doch recht sachlichen Dialog geführt, immer davon ausgehend, daß der andere auch recht haben könnte. Ich habe nichts dagegen, wenn das so bleiben würde. Allerdings bist Du mit der unglücklichen Bezeichnung "senil" über diese Grenze gegangen, denn damit bezeichnest Du eine ganze Gruppe Taminos als geistig grenzwertig, mich einbezogen. Die Definition habe ich ja eingestellt.

Lieber La Roche, nicht jeder, der alt ist, ist auch senil (im ersten Sinne des Wortes). Das hat aber nun wirklich nichts mehr mit "Alcina" zu tun.

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25

Donnerstag, 26. Oktober 2017, 16:45

Zurück zum Wesentlichen

Liebe Mitleser(innen), um zum Wesentlichen zurückzukommen, bei der besuchten Moskauer Alcina handelt es sich nach dem Programmzettel tatsächlich um eine Übernahme aus Aix en Provence. Ich bin weder Händelkenner noch liegt mir die Barockmusik ganz am Herzen. Mich würde interessieren, was diese spezielle Oper den Liebhabern der Barockmusik bedeutet, ist es nur die Musik, ist es der Ziergesang oder verdeutlicht die Komposition den narrativen/ethisch-moralischen/seelischen Inhalt des Textes? Also, warum sollte man jemandem diese Oper empfehlen und was hätte er idealerweise zu erwarten?
Herzliche Grüße aus Moskau (gestern tanzte hier übrigens das Hamburg Ballett ganz großartig Bachs Matthäus Passion, auch ein Werk des Barocks)
Oper lebt von den Stimmen, Stimmenbeurteilung bleibt subjektiv

Dr. Holger Kaletha

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26

Donnerstag, 26. Oktober 2017, 17:01

Allerdings bist Du mit der unglücklichen Bezeichnung "senil" über diese Grenze gegangen, denn damit bezeichnest Du eine ganze Gruppe Taminos als geistig grenzwertig, mich einbezogen. Die Definition habe ich ja eingestellt.
Ach so, aber uns zu unterstellen, wir seien hirnkrank, geht über keine Grenze? Darauf gibt es nur eine Antwort: Pöbeln betrachtet Ihr als Euer Privileg und exklusives "Recht". Ich sehe es genauso wie Bertarido. Euch kann und soll man einfach nicht Ernst nehmen. Geht doch zu einem Therapeuten, vielleicht hilft es ja! Ein Forum ist jedenfalls nicht der rechte Ort, um therapiert zu werden.

Schöne Grüße
Holger

Dr. Holger Kaletha

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27

Donnerstag, 26. Oktober 2017, 19:03

Mich würde interessieren, was diese spezielle Oper den Liebhabern der Barockmusik bedeutet, ist es nur die Musik, ist es der Ziergesang oder verdeutlicht die Komposition den narrativen/ethisch-moralischen/seelischen Inhalt des Textes?
Ich glaube, lieber Ralf, darauf kann man grundsätzlich antworten: Barockmusik ist von "musikalischer Rhertorik" beherrscht, d.h. die Musik hat den Sinn der Verdeutlichung des Wortsinnes durch das Evozieren von ganz bestimmten Affekten. ich finde Händels Arien hier wirklich eindrucksvoll, die haben eine elementare Kraft, die an eine antike Tragödie erinnert. Das schrieb ich in meiner Rezension der Münsteraner Inszenierung. Ansonsten sollte man sich, bevor man einfach nur drauflos polemisiert, etwas mit dem Stoff auseinandersetzen. Da geht es um das Verhältnis von Erotik und Macht. Schon in der antiken Mythologie haben die Götter das Privileg, bei der Sexualität jegliche Moral außer Kraft zu setzen. Und es war sicher schon zu Händels Zeiten so, dass sich der Adel Privilegien in dieser Hinsicht vorbehielt, die nur für Nicht-Normalsterbliche gelten gerade auch in Sachen Sexualität. Im Zeitalter sexueller Freizügigkeit leben unsere Gesellschaften vielleicht das aus, was einst den Göttern und dem Adel vorbehalten war. Das barocke Publikum war zudem Meister darin, Allegorien zu deuten, also verschlüsselte Botschaften auf die Realität zu entschlüsseln. Man darf also davon ausgehen, dass man genau einordnen konnte, was da an gesellschaftlicher "Realität" auf der Bühne dargestellt wurde. Wenn eine Inszenierung von heute diese Botschaften entschlüsselt, dann ist daran also erst einmal gar nichts auszusetzen. An die Stelle allegorischer Verschlüsselung ist in unserer Moderne das unmittelbare "Erlebnis" getreten. Bevor man also etwas für "Schund" erklärt, sollte man erst einmal aufhören, Schund zu schreiben. Sonst wird so ein hochaktueller und hochinteressanter Opernstoff schlicht undiskutierbar.

Viel Spaß noch in Moskau jedenfalls! (Ich als Klavier-Enthusiast würde natürlich das Scriabin-Haus besuchen! :) ) :hello:

Schöne Grüße
Holger

Hosenrolle1

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Donnerstag, 26. Oktober 2017, 19:09

Barockmusik ist von "musikalischer Rhertorik" beherrscht, d.h. die Musik hat den Sinn der Verdeutlichung des Wortsinnes durch das Evozieren von ganz bestimmten Affekten.

Ach was, das sind doch uralte Dinge die heute keiner mehr braucht. Sowas gehört auf modernen und modern gestimmten Instrumenten gespielt, nicht auf dem billigen Schrott, den man damals "Instrumente" nannte. Musikalische Rhetorik gibt es gar nicht, das ist einfach nur Musik die schön klingt und auf das Gefühl wirken soll.



LG,
Hosenrolle1
„Begreifen wir endlich, dass der emotionale Kult der Tradition nur eine Form unserer geistigen Faulheit ist.“ (Stanislaw Brzozowski)

Dr. Holger Kaletha

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Donnerstag, 26. Oktober 2017, 19:42

Barockmusik ist von "musikalischer Rhertorik" beherrscht, d.h. die Musik hat den Sinn der Verdeutlichung des Wortsinnes durch das Evozieren von ganz bestimmten Affekten.

Ach was, das sind doch uralte Dinge die heute keiner mehr braucht. Sowas gehört auf modernen und modern gestimmten Instrumenten gespielt, nicht auf dem billigen Schrott, den man damals "Instrumente" nannte. Musikalische Rhetorik gibt es gar nicht, das ist einfach nur Musik die schön klingt und auf das Gefühl wirken soll.


Von Münster kann ich nur sagen, dass die Alcina-Premiere im Rahmen einer Barockwoche stattfand. Da waren Ensembles und ein Dirigent am Werk, die alle Barockspezialisten waren. Wie das in Moskau war, ist eine andere Frage. Das kann wenn überhaupt nur Ralf beurteilen, der dort war. ;)

Schöne Grüße
Holger

Gerhard Wischniewski

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Donnerstag, 26. Oktober 2017, 21:40

Zitat

Zitat von Fiesco: Ich pers.finde es sehr traurig das es hier im Forum immer und immer wieder nur um das Regietheater geht, akzeptiert doch mal das es da draußen viele um nicht zu sagen sehr viele Liebhaber desgleichen gibt, mich eingeschlossen, denn ich setze mich damit auseinander.
Lieber Fiesco,

du siehst die Sache falsch. Keiner hat etwas dagegen, dass auch ihr eure Inszenierungen in der euch zustehenden Anzahl bekommt, wenn ihr keinen Wert darauf legt, die Originalwerke zu sehen und die völlig entstellenden Inszenierungen und zum Teil das Stück brutalisierenden bzw veralbernden Darstellungen in Kauf nehmt, ja sogar noch begrüßt. Dass ich sie euch gönne, habe ich schon ein paarmal hier ausgedrückt.
Wir haben aber etwas dagegen, dass alles nur noch in diese Richtung abdriftet und diejenigen, die die Originalwerke sehen möchten, heute keine Chance mehr haben (Da kann man sich wohl nicht auf das Jahr 2017 berufen!). Nach meinen Erfahrungen (und ich komme viel mit Opernfreunden zusammen, auch kürzlich wieder in Ölbronn) ist das auch im Jahr 2017 immer noch die entscheidende Mehrheit, die - nur als Beispiel - den Lohengrin von Wagner und nicht den von Konwitschny zur (missbrauchten) Musik von Wagner, oder einen Rattengrin, einen Häuslebauergrin, einen Klassengrin oder einen Epilepsiegrin oder einen Lodengrün sehen wollen. Und unter diesen sind nicht nur die hier so bezeichneten "senilen" Zuschauer, sondern überwiegend auch die jüngeren Leute, die heute noch eine Oper besuchen.
Du wirst also weiterhin in Kauf nehmen müssen, dass wir uns hier gegen das verunstaltende Regisseurstheater wehren und die Forderung stellen, dass wieder mehr die echten Werke mit ihrer echten Handlung an den Originalorten und in der Originalzeit
aufgeführt werden
Hier können wir unsere Meinung sagen und es wird uns auch niemand den Mund verbieten können, aufzuzeigen, was heute - leider fast nur noch - an unsinnigen Dingen mit unseren Steuergeldern geschieht. Deswegen wird für Opernfreunde, denen die Oper ein Herzensanliegen ist, weiterhin das Anprangern des Regisseurstheaters solange ein Hauptthema bleiben, bis endlich wieder Vernunft einkehrt.
Für mich ist das Überschmieren eines Originalwerks (sei es ein Gemälde, eine Skulptur, ein literarisches Werk oder ein Werk der Musikliteratur) nicht als "Kunst" zu bezeichnen; sondern strafbar.

Liebe Grüße
Gerhard
Ich bin einverstanden, und ohne Bedauern, wenn meine Opern nicht aufgeführt werden; aber wenn sie aufgeführt werden, verlange ich, dass es so sei, wie ich sie mir vorgestellt habe.
(Verdi an Giulio Ricordi, Juni 1894)