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Figarooo

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1

Mittwoch, 22. November 2017, 17:57

Turandot an der..... MET, 16.11.2017

Liebe Freunde,

wenn man sich mal eine Woche Ferien in New York gönnt, kommt man nicht umhin, auch die Met zu besuchen. Und wenn es dann ein Abend wird, wie ich im Folgenden beschreiben werde, kann man einfach nur zutiefst dankbar sein!


Wie heißt das Hassobjekt Nummer eins der Regietheater-Mafia? Richtig, Maestro Franco Zeffirelli! Und warum wird dieser Regisseur aller Regisseure von den RTlern so verachtet und gar lächerlich gemacht? Weil er ihnen gefährlich wird. Weil sie wissen, dass sie niemals so erfolgreich sein werden, wie seine Inszenierungen, welche sich zum Teil Jahrzehnte oder sogar ein halbes Jahrhundert im Repertoire verschiedene Opernhäuser gehalten haben und sich immer noch größter Beliebtheit beim Publikum erfreuen, wie am ersten Tag. Und das ist für die mafiösen Strukturen die das Regietheater in Europa etabliert hat, eben gefährlich. Man will, das was einem gefährlich wird, auslöschen, es vergessen machen, das Publikum soll sich an den Schmutz gewöhnen, den es von den Machern des RTs vorgesetzt bekommt. Deswegen versucht die Regie-Mafia überall dort, wo sie das Sagen hat, die Inszenierungen von Franco Zeffirelli abzusetzen, denn sie fürchtet, dass die übermächtige Erinnerung an diese Meisterwerke der Regie ihr eigenes Nicht-Können in den Schatten stellen wird und in Bedeutungslosigkeit verkommen lassen wird. Die Jugend soll diese richtige Form der Oper niemals kennenlernen und stramm linientreu im Sinne des Regietheaters erzogen werden. Wenn man jedoch einmal eine so großartige Inszenierung, wie die von Turandot durch Franco Zeffirelli an der Metropolitan Opera erlebt hat, oder gar das Glück hatte, so wie ich, mehrere seiner Inszenierungen an verschiedenen Spielorten live mitzuerleben, wird man gegen die Indoktrinierungen des Regietheaters immun, und erkennt darin des Kaisers neue Kleider.

Ich hatte Mitte November das Glück Franco Zeffirellis Turandot live auf der Bühne der Metropolitan Opera in New York miterleben zu dürfen, und muss nun für mich sagen, dass es nun schwierig wird, eine andere Inszenierung dieser Oper jemals zu akzeptieren, da die an der Met so mustergültig war, dass ich diese Erinnerung nur ungern überschreiben würde. Schon beim Betreten des Opernhauses viel einem die festliche Atmosphäre auf, zu der das internationale Publikum pilgerte. Alles schien in der frohen Erwartung, dass an diesem Abend etwas ganz Besonderes stattfinden würde. Freudig nahm man in dem grosszügigen Zuschauerraum Platz und bestaunte als Einstimmung den prunkvollen goldenen Vorhang der noch die Bühne bedeckte. Als es kurz nach 8 Uhr im Saal dunkel wurde und der Dirigent unter Applaus ans Pult trat hielt man in gespannter Erwartung den Atem an. Majestätisch dirigierte Carlo Rizzi die einleitenden Akkorde, während denen der goldene Vorhang kunstvoll nach seitlich und oben gezogen wurde. Die Bühne war eine wahre Augenweide. Man sah einen klassisch gemalten Prospekt im Hintergrund, während sich an den Seiten die Hütten der Armen chinesischen Bevölkerung befanden. Der Chor befand sich als düstere gesichtslose Masse auf der Bühne, blieb jedoch dank der ausgezeichneten Chor-Regie Zeffirellis immer in Bewegung. So wurden ganz im Einklang mit der Musik immer wieder zahlreiche kleine individuelle Geschichten erzählt. Ein wahres Heer aus Statisten und Akrobaten brachte immer wieder Farbe in die dunkle, monumentale Szenerie und setzte so immer wieder optische Akzente und Überraschungen. Die Protagonisten waren auf beeindruckende Weise immer von den Chor-Massen und Statisten abgrenzbar und für den Zuschauer klar im Fokus. Zeffirelli tat nichts anderes als das auf die Bühne zu bringen wozu ihn Partitur und Libretto verpflichtet haben, wenn er eingewilligt hat, diese Oper zu inszenieren. Er hat nämlich im Gegensatz zu manch pseudointellektueller Pappnase begriffen, dass die Regieanweisungen genauso Teil der Partitur sind, wie auch die Noten. Schade dass man eine Selbstverständlichkeit wie diese, hier extra erwähnen muss. Die Personenregie war immer ganz genau im Einklang der Musik und äußerst sensibel gezeichnet. Es war beeindruckend mit anzusehen, wie beim stummen Auftritt des Prinzen von Persien der Palast der Turandot plötzlich im Bühnenhintergrund aus dem Nebel quasi aus dem Nichts auftauchte und man darin die eiskalte Prinzessin umgeben von ihren Dienerinnen auf einem Diwan liegen sah, von wo aus sie das Zeichen zur Hinrichtung gab. Wenn Calaf am Ende des ersten Aktes den Gong schlägt, um die Rätsel der Prinzessin zu lösen, wird der in der Zwischenzeit wieder dunkel gewordene Palast plötzlich wieder strahlend hell, während der alte Timur sich verzweifelt an die Sklavin Liu klammert, während der Vorhang fällt. Timur und Liu stehen dabei genau an der Stelle welche zuletzt vom Vorhang bedeckt wird. Was für ein Akt-Ende!

Nach einer längeren Pause begann der zweite Akt: das Bühnenbild stellte nun Libretto gemäß einen Pavillon dar, welche dreigeteilt war und in jedem Teil des Pavillons befanden sich die drei Minister Ping, Pang und Pong. Jeder Teil des Pavillons war dabei in einer anderen Farbe gehalten, das Dach war durch Bambus angedeutet, durch das man den Himmel sah. Auf kostbaren Polstern saßen die drei Minister und philosophierten über die jüngsten Geschehnisse in China. Die Kostüme waren bunt und vermittelten eine chinesisch angehauchte Form der Commedia dell’arte, was sich auch in der durchaus augenzwinkernd gehaltenen Personenregie dieser Szene niederschlug. Am Ende der Szene schloss sich der Pavillon mittels gemalter Stofftransparente, als Diener verkleidete Statisten räumten die Requisiten zur Seite, das Bühnenlicht wurde für einen Augenblick dunkel, während der gesamte Pavillon in einer Sekunde in den Bühnenhimmel gehoben wurde. Dahinter da man nun den Kaiserpalast in strahlendem Gold und von goldenen gemalten Prospekten umgeben. Zahlreiche Statuen und chinesisch anmutende Säulen säumten diese Szenerie. Das Bild dieser Szene ist wohl vielen aus den Plakaten der Metropolitan Opera wohlbekannt. Regie Theater-Jünger haben an ihr immer wieder ausgesetzt, dass Zeffirelli ja in dieser Szene den Vorgaben des Librettos nicht gefolgt sei, da die dort verlangte Treppe, welche Turandot herab steigt ja so nicht vorkomme. Aber: Liebe Regietheater - Pappnasen, Ellerbätsch! Wer Augen in der Birne hat, ist klar im Vorteil, denn die Treppe gibt es - genauso wie im Libretto gefordert. Der Kaiserpalast steht nämlich gegenüber dem Bühnenboden stark erhöht auf einem Sockel und die Treppe führt von hinten oben schräg nach vorne unten. Und Prinzessin Turandot darf sie bei ihren Fragen genauso hinunter schreiten, wie es sein soll. Also, haltet doch die Klappe und akzeptiert, dass es andere besser können als ihr. Kommt Kunst nicht vom Können? Muss man noch erwähnen, wie begeisterter Applaus spontan aufbrandete als diese wunderbare goldene Szenerie zum ersten Mal auf der Bühne sichtbar wurde? Chorsänger und Statisten waren in prächtiger fantasievolle märchenhafte und historische Kostüme gekleidet, dass man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskam. Zeffirellis langjährige Kostümbildnerin, die 2011 verstorbene Anna Anni hatte gemeinsam mit Dada Saligeri wirklich ganze Arbeit geleistet. In dieser Rätselszene war der Chor des einfachen Volkes vorne an der Bühne positioniert und man konnte mitansehen, wie das einfache Volk mit der Rätsel Szene regelrecht mitlitt und den siegreichen Calaf am Ende frenetisch bejubelte.

Nach einer weiteren Pause begann der dritte Akt. Wie im Libretto gefordert befand man sich nun in einem nächtlichen chinesischen Garten. In diesem sang Calaf die berühmteste Arie des Stücks „Nessun dorma“. Abermals ergänzten sich traditionell gemalte Prospekte und gebaute Elemente des Bühnenbildes perfekt, auch die Ausleuchtung der Szene war optimal gelungen. In diesem wunderschönen Rahmen kam es dann zur schicksalhaften Begegnung von Liu und Turandot. Hierin ereignete sich der tragische und berührend umgesetzte Suizid der Liu. Und in diesem wunderschönen Bühnenbild gelang es Calaf dann auch während des Alfano Schlusses Turandot zu küssen und ihr seinen Namen zu offenbaren, um sein Schicksal in ihre Hand zu legen. Anschließend verwandelte sich die Szenerie erneut binnen Sekunden in den Kaiserpalast, mit dem über allen thronenden Kaiser Altoum. Als die Prinzessin bekannt gab, dass der Name des Fremden Liebe sei, brach das umstehende Volk in Jubel aus, Glitter viel von oben herab und der Vorhang fiel unter dem überwältigenden Jubel des Publikums. Wann hat man in Regietheater-kontaminierten Zeiten so etwas zuletzt gesehen?

Kommen wir nun zu den wunderbaren Sängern, die dieser wunderbaren Inszenierung erst zur vollen Wirkung verhalfen.
In der kurzen, aber ungemein anspruchsvollen Titelrolle bewies die Ukrainerin Oksana Dyka vom ersten Ton an ganz großes Format. Auch optisch entsprach sie genau dem, was man sich unter der Turandot vorstellt. So schleuderte sie mit ihrer riesigen Stimme und scheinbar grenzenlosem Tonumfang die gefürchtete Auftrittsarie „In questa reggia“ mit eisiger Kälte ins Auditorium. Man folgte ihrem Vortrag mit angehaltenem Atem. Im Verlauf des Abends bewies Dyka jedoch auch, dass sie zu wärmeren Farben und wunderschön im Piano ausgesungenen Phrasen wie in dem von Franco Alfanos komplettierten Finale fähig war. So gelang die Wandlung der Prinzessin aus Eis zu liebenden Frau musikalisch bestens. Mit dem lettischen Tenor Aleksandrs Antonenko hatte ich bisher keine guten Erfahrungen gemacht. Ich habe ihn des öfteren in München und Zürich erlebt und erinnerte mich an eine belegte, angestrengte Stimme. Entsprechend skeptisch, war ich als ich seinen Name in der Besetzungsliste sah. Aber wie man sich täuschen kann! Als Calaf wirkte dieser Tenor wie verwandelt und begeisterte fast uneingeschränkt. Hatte ihn die grandiose Inszenierung zu dieser Höchstleistung animiert und inspiriert? Die Stimme Antonenkos war voller Strahlkraft mit ihrem metallischen Timbre, die fast alle hohen Anforderungen seiner schwierigen Rolle mühelos meisterte. Auch die leiseren, lyrischen Passagen seiner Rolle wie das „Non piangere Liu“ waren gefühlvoll und sensibel interpretiert; das berühmte „Nessun Dorma“ klang strahlend heldisch und mühelos. Dankenswerterweise hatte man an der Met nicht die Unsitte übernommen, für diese Arie den Konzertschluss zu verwenden, um dem Publikum die Möglichkeit für störenden Applaus zu geben. Wir sind ja schliesslich an der Met und nicht bei Paul Potts! Dass man den Calaf insgesamt vielleicht etwas kultivierter singen könnte, bleibt bei einer so mitreissenden Interpretation Kritik auf sehr hohem Niveau. Sehr zart und berührend gestalte Hei-Kyung Hong, Urgestein an der Metropolitan Opera, die treue Sklavin Liu. Ihre Arie im ersten Akt, sowie ihre Todesszene „Tu, che di gel sei cinta“ wurden wahrlich herzergreifend mit warmem lyrisch strömendem Sopran gesungen. Luxuriös besetzt war auch Calafs Vater, der blinde Tataren-König Timur mit Giorgi Kirof, der mit balsamischem warmem Bass auf bewegende Weise um Liu trauerte. Stimmlich ausgezeichnet und spielfreudig-komödiantisch präsentierte sich das Minister-Trio aus Ping, Pang und Pong mit Alexey Lavrov, Toni Stevenson und Eduardo Valdes. In ihren kurzen Rollen als düsterer Mandarin und Imperatore Altoum, konnten Jeongcheol Cha und Ronald Naldi nachhaltig auf sich aufmerksam machen. Der Chor der Metropolitan Opera war phantastisch von Donald Palumbo einstudiert, ich habe den Chorpart dieser Oper selten so textverständlich gehört. Als er am Ende des Trauermarsches „Oblia! Liù...Poesia!“, den letzten von Puccini komponierten Worten, hauchte, war das ein absoluter Gänsehautmoment, die von Carlo Rizzi lange ausgekostete Generalpause danach, ein wahrer Moment des Innehaltens. Am Pult des Orchesters der Metropolitan Opera sorgte Rizzi für eine spannende, vorwärtsdrängende Interpretation, das einem schier der Atem stockte. Am Ende stehende Ovationen und viele Blumensträusse für ebenfalls berührten und glücklichen Sänger. Was für ein Abend! Leider waren meine Ferien bereits am Tag darauf beendet und ich musste die Heimreise nach Europa antreten.

PS: Ich habe im Sommer 2012 bereits Franco Zeffirellis Inszenierung von Turandot in Verona gesehen. Auch diese Version war inszenatorisch toll, aber aufgrund der dortigen Einschränkungen der Bühnentechnik in gewisser Weise abgespeckt. Über die damaligen Sänger hülle ich besser den Mantel des Schweigens, denn diese haben mir damals den Abend gehörig verdorben...

http://tamino-klassikforum.at/index.php?…&threadID=14865
Liebe Grüße,
Figarooo

rodolfo39

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2

Mittwoch, 22. November 2017, 18:15

Lieber Figarooo,
vielen Dank für deinen Bericht.Die Turandot habe ich Ende der 80 Jahre an der MET gesehen mit Pavarotti und Eva Marton. James Levine hat dirigiert. Damals wurde nach Nessun Dorma einfach reingeklatscht und Levine müßte unterbrechen. Gab es auch Szenenapplaus, als sich der Vorhang zum ersten Akt geöffnet hat und beim Kaiser Palast?

La Roche

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3

Mittwoch, 22. November 2017, 19:19

Ich habe mir vorgenommen, keine Wertungen zu Operninszenierungen mehr abzugeben.

Deshalb nur: Danke, lieber Figaroooo für diesen Beitrag. Um eine solche Inszenierung sehen zu können, würde ich sicher einen hohen dreistelligen Betrag zahlen. Schließlich habe ich genügend Geld gespart durch Verzicht auf mir nicht zusagende Inszenierungen.

Herzlichst La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer
Nihil fit sine causa

m.joho

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  • »m.joho« ist männlich

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4

Mittwoch, 22. November 2017, 19:27

Auch ich, lieber Figarooo, beglückwünsche Dich ganz herzlich zu Deinem Erlebnis, bzw. zur herrlichen Zeffirelli-Inszenierung. In Zürich haben wir auf absehbare Zeit nur die Pseudooper "Mahagonny", bzw. eine modernisierte Kinderoper. Glückliches New-York!

Gerhard Wischniewski

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5

Mittwoch, 22. November 2017, 19:28

Lieber Figaro,

einen besonders herzlichen Dank für die großartige plastische Schilderung, die ich mit sehr viel Freude gelesen habe. Zwar werde ich im Leben wohl nicht mehr nach New York kommen aber ich hoffe, dass diese Inszenierung noch einmal in die Übertragungen aus der Met im Kino kommt. Vielleicht gibt es sie auch auf DVD. Ich habe im Oktober die großartige und packende Übertragung der "Norma" aus der Met gesehen, bei der das Publikum bereits begeistert klatschte, als die Hütte der Norma herauf gezogen wurde. Fesselnd war vor allem auch die Szene am Schluss mit dem brennenden Schafott im Hintergrund. Die Inszenierungen aus der MET, mit Ausnahme vereinzelter, die nach Regisseurstheater riechen (ganz ist die MET von dieser Krankheit leider auch nicht verschont geblieben), sind bei uns - trotz Übertragung in zwei großen Säalen - schon früh ausverkauft, so dass man sich schon möglichst am ersten Vorverkaufstag darum bemühen muss. In dieser Saison habe ich noch einige erwischen können, leider nicht mehr die "Bohéme", die ich aber auf DVD besitze.
Du hast recht: Was Zefirelli fertig gebracht hat, daran reichen heutige Regisseure - zumindest in Deutschland und teilweise in angrenzenden Ländern - auch entfernt nicht mehr heran, wenn sich einige welt- und praxisferne Theoretiker auch noch so sehr die Finger wund schreiben. Ich stimme dir in allem zu, was du hier im Vergleich zu echten Künstlern, die dem Werk zu dienen wissen, über die Regisseurstheater-Mafia gesagt hast. Und dich als noch sehr jungen Mann, der mitten im Leben steht, wird man wohl kaum als altmodisch bezeichnen können.
Ich wünsche dir noch viele solche beglückenden Erlebnisse.

Liebe Grüße
Gerhard
Ich bin einverstanden, und ohne Bedauern, wenn meine Opern nicht aufgeführt werden; aber wenn sie aufgeführt werden, verlange ich, dass es so sei, wie ich sie mir vorgestellt habe.
(Verdi an Giulio Ricordi, Juni 1894)

chrissy

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  • »chrissy« ist männlich

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Registrierungsdatum: 20. Oktober 2010

6

Mittwoch, 22. November 2017, 20:19

Lieber Figaro,
einen besonders herzlichen Dank für die großartige plastische Schilderung, die ich mit sehr viel Freude gelesen habe.
Hallo, lieber Figarooo

Dem Dank und den Worten von Gerhard möchte ich mich von ganzem Herzen anschließen. Lange habe ich nicht mehr solch einen tollen und nachvollziehbaren Bericht gelesen.
Der Funke Deiner Begeisterung und Freude über das beglückende Theatererlebnis springt förmlich über und ich freue mich für Dich und mit Dir.
Auch wenn unter uns eine Handvoll anderer Meinung sind und nicht begreifen wollen oder können, daß ein Theaterabend, wenn alles rundum stimmt, nichts anderes ist,
als ein emotionaler kultureller Höhepunkt, ein beglückendes Erlebnis, der zur persönlichen Freude und zum absoluten Genuß wird.
Deshalb mein besonderer Dank auch für Deine Einleitung zu Deinem Bericht - Du triffst es punktgenau!!!
Liebe Freunde,
wenn man sich mal eine Woche Ferien in New York gönnt, kommt man nicht umhin, auch die Met zu besuchen. Und wenn es dann ein Abend wird, wie ich im Folgenden beschreiben werde, kann man einfach nur zutiefst dankbar sein!

Wie heißt das Hassobjekt Nummer eins der Regietheater-Mafia? Richtig, Maestro Franco Zeffirelli! Und warum wird dieser Regisseur aller Regisseure von den RTlern so verachtet und gar lächerlich gemacht? Weil er ihnen gefährlich wird. Weil sie wissen, dass sie niemals so erfolgreich sein werden, wie seine Inszenierungen, welche sich zum Teil Jahrzehnte oder sogar ein halbes Jahrhundert im Repertoire verschiedene Opernhäuser gehalten haben und sich immer noch größter Beliebtheit beim Publikum erfreuen, wie am ersten Tag. Und das ist für die mafiösen Strukturen die das Regietheater in Europa etabliert hat, eben gefährlich. Man will, das was einem gefährlich wird, auslöschen, es vergessen machen, das Publikum soll sich an den Schmutz gewöhnen, den es von den Machern des RTs vorgesetzt bekommt. Deswegen versucht die Regie-Mafia überall dort, wo sie das Sagen hat, die Inszenierungen von Franco Zeffirelli abzusetzen, denn sie fürchtet, dass die übermächtige Erinnerung an diese Meisterwerke der Regie ihr eigenes Nicht-Können in den Schatten stellen wird und in Bedeutungslosigkeit verkommen lassen wird. Die Jugend soll diese richtige Form der Oper niemals kennenlernen und stramm linientreu im Sinne des Regietheaters erzogen werden. Wenn man jedoch einmal eine so großartige Inszenierung, wie die von Turandot durch Franco Zeffirelli an der Metropolitan Opera erlebt hat, oder gar das Glück hatte, so wie ich, mehrere seiner Inszenierungen an verschiedenen Spielorten live mitzuerleben, wird man gegen die Indoktrinierungen des Regietheaters immun, und erkennt darin des Kaisers neue Kleider.
Ein paar Dinge, die mich noch interessieren würden:
Hattest Du einen guten Platz? Was kostet eine Eintrittskarte, war das Haus ausverkauft, bzw. sehr gut besucht?
Du kennst bestimmt den Pavarotti - Film "Yes, Giorgio". In dem Film kommen ja auch Szenen aus der "Turandot" in der MET vor.
Sind diese Ausschnitte adäquat, so wie Du jetzt die Inszenierung erlebt hast, mit den Kulissen, den Kostümen?

Nochmals vielen Dank und herzliche Grüße
CHRISSY
Jegliches hat seine Zeit...

Bertarido

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  • »Bertarido« ist männlich

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7

Mittwoch, 22. November 2017, 20:57

Diese Zefirelli-Inszenierung kenne ich von Videos. Ich bekomme immer Kopfschmerzen davon, so knallbunt ist die. Kitsch pur, aber wer es mag...

m.joho

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  • »m.joho« ist männlich

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8

Mittwoch, 22. November 2017, 20:59

Sorry, ich mag es!

Gerhard Wischniewski

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  • »Gerhard Wischniewski« ist männlich

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9

Mittwoch, 22. November 2017, 21:11

Zitat

Zitat von M.Joho: Sorry, ich mag es!
Lieber M.Joho,

ich auch, viele hier im Forum und die überwiegende Mehrheit der Opernbesucher ebenfalls. Das lassen wir uns von niemandem vermiesen.

Liebe Grüße
Gerhard
Ich bin einverstanden, und ohne Bedauern, wenn meine Opern nicht aufgeführt werden; aber wenn sie aufgeführt werden, verlange ich, dass es so sei, wie ich sie mir vorgestellt habe.
(Verdi an Giulio Ricordi, Juni 1894)

9079wolfgang

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  • »9079wolfgang« ist männlich

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10

Mittwoch, 22. November 2017, 21:39

Zitat

Ich habe mir vorgenommen, keine Wertungen zu Operninszenierungen mehr abzugeben.


Lieber Uli!

Mir geht es genauso! Ich habe weder Zeit noch Lust, mir das hochgeistige Gesabbere aus dem Wolkenkuckucksheim zu diesen Themen von einigen wenigen Herrschaften noch länger zuzumuten. Da habe ich Besseres zu tun.

Gruß Wolfgang
W.S.

Mme. Cortese

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  • »Mme. Cortese« ist weiblich

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11

Mittwoch, 22. November 2017, 21:53

Diese Zefirelli-Inszenierung kenne ich von Videos. Ich bekomme immer Kopfschmerzen davon, so knallbunt ist die. Kitsch pur, aber wer es mag...

Die Inszenierung ist mir stellenweise auch etwas zu überladen, aber lieber ein bisschen Kitsch als so etwas:



Da kriege ich zwar keine Kopfschmerzen, aber höchstwahrscheinlich Augenkrebs.
Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

9079wolfgang

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12

Mittwoch, 22. November 2017, 22:46

Hallo, Imke!

Du verstehst das scheinbar nicht. Offensichtlich ging es im alten China wirklich so zu! ?( :no:

Gruß Wolfgang
W.S.

Mme. Cortese

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  • »Mme. Cortese« ist weiblich

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13

Mittwoch, 22. November 2017, 23:39

Du verstehst das scheinbar nicht. Offensichtlich ging es im alten China wirklich so zu!


Tja, offensichtlich habe ich vom alten China völlig falsche Vorstellungen....
Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

Figarooo

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14

Freitag, 24. November 2017, 12:40

@Rodolfo: Szenenapplaus gab es wirklich nur in der offenen Verwandlung im zweiten Akt, aber ein deutliches Raunen ging jedes Mal durch das Publikum wenn sich der Vorhang öffnet.

@Chrissy: ich habe mir für diese Aufführung einen Parkettplatz (etwas seitlich) für knapp 100 Dollar gegönnt. Man ist ja nicht jeden Tag in NY. Es gibt aber auch durchaus günstigere Plätze (ab 20 Dollar), mit guter Sicht auf die Bühne, wobei die höheren Ränge einfach vom Geschehen sehr weit entfernt sind und die Sänger da von oben sehr klein aussehen. Das Haus war mit seinen fast 4000 Plätzen sehr gut besucht aber nicht ausverkauft. Man hört, dass moderne Inszenierungen an der Met im Verkauf regelrecht eingebrochen sind, deswegen werden die Tosca und die Traviata bereits nach wenigen Jahren wieder ersetzt, während man das geplante Engagement von Bieito glücklicherweise ganz gecancelt hat. Nein, es ist nicht die Inszenierung aus dem von dir erwähnten Film.

@Bertarido: Man kann ja viel über diese Inszenierung sagen, aber besonders bunt ist sie wirklich nicht. Der erste Akt ist sehr düster mit nur wenig Farbe, das erste Bild des dritten Aktes ebenfalls. Im Kaiserpalast dominiert die Farbe gold und die Kostümfarben sind farblich dazu sehr gut abgestimmt, lediglich der Pavillon von Ping-Pang-Pong hat etwas mehr Farben.
Liebe Grüße,
Figarooo

La Roche

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15

Freitag, 24. November 2017, 14:27

Bertarido hat die Vorstellung sicherlich auch gesehen. Er schreibt ja nur darüber, wovon er sich persönlich ein Bild machen konnte.

Herzlichst La Roche
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Nihil fit sine causa

Bertarido

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16

Freitag, 24. November 2017, 14:45

Bertarido hat die Vorstellung sicherlich auch gesehen. Er schreibt ja nur darüber, wovon er sich persönlich ein Bild machen konnte.

Herzlichst La Roche

Wenn Du meinen Beitrag gelesen hättest, dann wüsstest Du, woher ich diese Inszenierung kenne. Ich glaube, das mehrfache Anschauen einer kompletten Video-Aufzeichnung reicht aus, um sich ein Bild machen zu können.

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