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Hosenrolle1

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1

Sonntag, 26. November 2017, 14:27

Salome - Staatsoper Hannover, Spielzeit 2017/18

Dieser Tage sah ich auf YouTube einen Trailer für die neue Salome-Inszenierung in der Staatsoper Hannover, die am 18. November 2017 Premiere hatte.



Ich fand den Trailer recht interessant, was mir auch gefiel war die Beleuchtung und der schwarze Hintergrund. Annemarie Kremer, die ich selbst ein paar Mal in dieser Partie live in der Volksoper erleben konnte, singt auch hier die Salome; aus der Nähe sieht man doch, dass sie keine 20 mehr ist, aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sie von weiter weg immer noch jung aussieht, und ihr Schauspiel fand ich damals überzeugend. Auch in diesem Trailer spricht es mich wieder an.
Jedoch, damals habe ich gemerkt, dass sie stimmlich für mich überhaupt nicht für diese Rolle passt: wenn ich sie mal gehört habe, dann klang die Höhe sehr angestrengt, die Stimme ansonsten zu dunkel für mich, und auch andere Rezensenten meinten, dass sich die Sängerin mit dieser Partie die Stimme ruinieren wird. Und das war damals noch in der relativ kleinen Volksoper Wien, mit reduziertem Orchester.

Ein Wermutstropfen ist für mich auch, dass hier - wieder einmal - das Abgeschlagene Haupt herumgehalten und offen geküsst wird, wo dieser Moment eigentlich unsichtbar im Dunkeln an der richtigen Stelle stattfinden sollte, was umso schauriger ist.
Das wundert mich umso mehr, weil die Staatsoper Hannover in ihrer Werkbeschreibung sogar selbst sagt:

Zitat

Denn ungeachtet des üppigen Orchesterklangs ist Strauss’ »Salome« kein Werk oberflächlicher orientalischer Prachtentfaltung und bunter Exotismen. Der Komponist verwahrte sich gegen die »exotischen Tingeltangeleusen mit Schlangenbewegungen«, wie er sie zu Lebzeiten in vielen Inszenierungen sehen musste, und betonte stattdessen die Keuschheit und Würde der Hauptfigur.

Das Zitat von Strauss ist jedoch nicht vollständig wiedergegeben. Er schrieb:

Zitat

(...) denn was in späteren Aufführungen exotische Tingeltangeleusen mit Schlangenbewegungen, Jochanaans Kopf in der Luft herumschwenkend, sich geleistet haben, überstieg oft jedes Maß von Anstand und Geschmack!

Er redet hier also vom Herumschwenken des Kopfes, und genau das passiert in dieser Inszenierung. Genau dieser Teil wurde jedoch ausgespart ...

Dass das Werk kein oberflächlich-orientalischer Kitsch ist, da stimme ich auf jeden Fall zu, dennoch möchte ich auch hier wieder Strauss zitieren, der meint:

Zitat

Ich hatte schon lange an den Orient- und Judenopern auszusetzen, dass ihnen wirklich östliches Kolorit und glühende Sonne fehlt. Das Bedürfnis gab mir wirklich exotische Harmonik ein, die besonders in fremdartigen Kadenzen schillerte, wie Changeant-Seide.

Dafür schreiben sie am Ende ihrer Beschreibung doch wieder etwas Gutes:

Zitat

In einem der vielleicht am meisten missverstandenen Werke der Operngeschichte gilt es, das innere Drama der jungen Prinzessin, die aus einer deformierten Welt ausbrechen will, an die sie letztlich doch gekettet ist, neu zu entdecken.


Die nächsten Vorstellungen sind am

1. Dezember 2017
10. Dezember 2017
13. Dezember 2017
22. Dezember 2017

7. Jänner 2018
3. Februar 2018


Vielleicht schaut es sich jemand an und schlidert seine Eindrücke?



LG,
Hosenrolle1
Keine Sorge, ich bin Arzt. Ihre spektakulären Brüste interessieren mich nicht.
(Dr. Gregory House)

Caruso41

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2

Donnerstag, 21. Dezember 2017, 19:11

Lieber Hosenrolle1!

Das Ereignis dieser Aufführung von "Salome" an der Staatsoper in Hannover war eindeutig der Dirigent Ivan Repušić und die Leistung seines Orchesters.

Vom sinnlich laszive Beginn bis zum brutalen niederschmetternden Schluss blieben sie dem Werk nichts schuldig. Ihnen gelangen die leidenschaftliche Ausbrüche ebenso wie die plötzliche Stimmungswechsel, das Schwelgerische und die Farbenpracht der Partitur, die ruhigen, fast nazarenisch klingenden kontemplativen Passagen und die tief in den Mythos von Liebe und Tod tauchenden Momente in dem Schlußgesanges einfach umwerfend. Soetwas hat man in Hannover lange nicht gehört! Die Balance zwischen Bühne und Orchester war perfekt und die kammermusikalischen Passagen waren genau so fein durchgearbeitet wie die großen Ausbrüche sicher kontrolliert waren! Phantastisch! Ich habe die Produktion schon dreimal gehört und werde vielleicht noch mal reingehen!

Die Sänger waren durchweg gut. Herausragend aber war keiner.
Mich haben Brian Davis als Jocchanaan und Robert Künzli als als Herodes stärker beeindruckt als Annemarie Kramer, die eigentlich zu reif und zu wenig nuanciert klang, allerdings in den entscheidenden Momenten durch einen prächtigen, weit ausladenden Sopranklang imponierte. Als Darstellerin brachte sie alles, was der Regisseur wohl von ihr sehen wollte, ohne freilich die letzte Identifikation mit der Figur der Prinzessin von Judäa zu erreichen.

Zur Inszenierung äußere ich mich ja in diesem Forum grundsätzlich nicht.

Beste Grüße

Caruso41
;) - ;) - ;)

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

Hosenrolle1

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3

Donnerstag, 21. Dezember 2017, 19:48

Annemarie Kramer, die eigentlich zu reif und zu wenig nuanciert klang

Das kann ich nachvollziehen, ich habe Annemarie Kremer auch mehrmals an der Volksoper Wien live als Salome gehört, 2012 war das, und war auch nicht begeistert von ihrer Stimme. In der Presse gab es die unterschiedlichsten Meinungen zur selben(!) Vorstellung, so hieß es

"zu kleine Stimme" vs. "enorme Durchschlagskraft"

Gnadenlos ging sie in dem gewaltigen Orchesterapparat unter" vs. "hat auch für dieses Haus genug Volumen – passt daher genau"

Meist habe ich sie aber gar nicht gehört, weil das Orchester sehr laut war.

Wie wurde denn das "Problem" mit Jochanaan in der Zisterne gelöst? Hat er bei euch auch über Lautsprecher gesungen, oder unverstärkt?

Die Beschreibung der Musik klingt schon mal vielversprechend, wurde bei euch mit reduziertem Orchester gespielt wie in der Volksoper?


Zur Inszenierung äußere ich mich ja in diesem Forum grundsätzlich nicht.

Das ist schade, gerade das wäre interessant gewesen!



LG,
Hosenrolle1
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(Dr. Gregory House)

Caruso41

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4

Donnerstag, 21. Dezember 2017, 21:22

Lieber Hosenrolle 1!
Wie wurde denn das "Problem" mit Jochanaan in der Zisterne gelöst? Hat er bei euch auch über Lautsprecher gesungen, oder unverstärkt?


Es gab keine Lautsprecherverstärkung. Die hätte Brian Davis auch kam nötig gehabt. Aber er hatte auch keine Zisterne!

Die Beschreibung der Musik klingt schon mal vielversprechend, wurde bei euch mit reduziertem Orchester gespielt wie in der Volksoper?

Die musikalische Gestaltung war eigentlich Bemerkenswerte!
Das vorgeschriebene Salome-Orchester würde in den Graben des Staatstheaters wohl nicht passen. Es gab Reduzierungen bei den Streichern: z. B. 12 Erste Geigen statt 16 und 6 Kontrabässe statt 8. Die Holzbläser waren aber alle vollständig. Auch beim Blech wurde nicht gespart: 6 Hörner, 4 Trompeten, 4 Posaunen, 1 Tuba! Das ist schon was in einem vergleichsweise nicht wirklich großen Haus!


Zitat von »Caruso41«

Zitat

Zur Inszenierung äußere ich mich ja in diesem Forum grundsätzlich nicht.

Das ist schade, gerade das wäre interessant gewesen!

Da musst Du Dich bei denen beschweren, die jeden Bericht über Inszenierungen sofort zu einer Grundsatzdiskussion über das, was sie Regietheater nennen und mit allen Mitteln bekämpfen, nutzen.

Die Termine hast Du ja genannt. Es lohnt sich ein Besuch in Hannover!
Ich bin gespannt, ob Zubin Mehta in der Berliner Staatsoper eine so fabelhafte Interpretation gelingen wird wie Ivan Repušić in Hannover. Seine CD-Aufnahme jedenfalls stimmt nicht unbedingt hoffnungsvoll! Dafür wird man in Berlin mit Aušrinė Stundytė die wesentlich interessantere Salome haben. In dem Thread NEUE STIMMEN habe ich sie schon vorgestellt!

Beste Grüße

Caruso41
;) - ;) - ;)

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Hosenrolle1

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5

Donnerstag, 21. Dezember 2017, 21:36

6 Kontrabässe statt 8. Die Holzbläser waren aber alle vollständig

Wir hatten auch 6 statt 8 Kontrabässe, dafür, glaube ich, nur 4 Hörner statt 6, und bei den Posaunen bin ich mir auch nicht mehr sicher. Wir hatten auf jeden Fall das Kontrafagott (ihr auch?), aber leider kein Heckelphon.


Da musst Du Dich bei denen beschweren, die jeden Bericht über Inszenierungen sofort zu einer Grundsatzdiskussion über das, was sie Regietheater nennen und mit allen Mitteln bekämpfen, nutzen.

Sehr schade :(
Aber ich glaube, das wird hier nicht passieren, dafür gibt es ja eigene Threads, und wir sind ja offenbar doch aufgeschlossen gegenüber neuen Ideen. Wie war denn der Schleiertanz, wie wurde der umgesetzt?



LG,
Hosenrolle1
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Stimmenliebhaber

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6

Donnerstag, 21. Dezember 2017, 23:54

Ich bin gespannt, ob Zubin Mehta in der Berliner Staatsoper eine so fabelhafte Interpretation gelingen wird wie Ivan Repušić in Hannover.
Die Frage ist, ob Mehta überhaupt eine "Salome"-Interpretation gelingen wird. Da er im betreffenden Zeitraum mehrere Konzerte bei den Berliner Philharmonikern abgesagt hat, munkeln viele, dass er die "Salome" vielleicht auch noch absagt. Er hat das Stück in Berlin ja schon mehrfach dirigiert, 1990 konzertant in der Philharmonie, 1995 eine Serie in der Staatsoper Unter den Linden und 2014 die Neueinstudierung (und nun zugleich leider die letzten vier Aufführungen der Kupfer-Inszenierung) im Schiller-Theater. Nun ist er 81 und merkt womöglich langsam aber sicher seine Kräfte schwinden.

EDIT: Gerade noch gemutmaßt und nun schon offiziell:

Zitat

SALOME
Alle Vorstellungen
Christoph von Dohnányi übernimmt für den erkrankten Zubin Mehta die musikalische Leitung an folgenden Terminen:
04. | 08. | 10. | 14. März 2018
Die letzte Vorstellung am 17.03.2018 übernimmt Thomas Guggeis.
https://www.staatsoper-berlin.de/de/spielplan/aktuelle-aenderungen/

Wichtig war, dass der Einspringer noch älter ist als der Ausgefallene und Barenboim einer der jüngsten Mitglieder der Leitungsteam der Neuproduktionen dieser Spielzeit bleibt! :thumbsup:
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

Caruso41

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7

Freitag, 22. Dezember 2017, 09:52

Lieber Stimmenliebhaber,

hoffen wir, dass Zubin Mehta bald wieder gesund wird. Ich wünsche ihm zumindest von ganzem Herzen gute Besserung!

Dass Christoph von Dohnanyi eine glänzende Salome dirigiert, habe ich schon öfter gehört! Das ist nicht sehr sinnlich und auch nicht besonders leidenschaftlich aber überlegen disponiert und fein ausgehört! Vor allem werden die Sänger mit Sicherheit nicht zugedeckt sondern eher getragen!

Vedremo!

Beste Grüße
Caruso41
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La Roche

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8

Freitag, 22. Dezember 2017, 09:52

Zur Inszenierung äußere ich mich ja in diesem Forum grundsätzlich nicht.
Lieber caruso41,

das machst Du völlig richtig. Warum sollst Du Zündstoff ins Feuer gießen? Die Standpunkte sind im Prinzip feststehend und unverrückbar. Wer sich über eine Inszenierung informieren will, selbst um danach über den Besuch einer Vorstellung zu entscheiden, der hat heute genügend andere Möglichkeiten.

Herzlichst La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer


Caruso41

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  • »Caruso41« ist männlich

Beiträge: 4 322

Registrierungsdatum: 19. November 2010

9

Freitag, 22. Dezember 2017, 10:24

Wie war denn der Schleiertanz, wie wurde der umgesetzt?

Lieber Hosenrolle I,
dazu kann man schwer etwas sagen, wenn man die ganze Inszenierung nicht thematisiert.
Nur soviel: einen Schleiertanz der Salome gibt es nicht, oder allenfalls im Ansatz. Salome beginnt zu tanzen, dann animiert sie den ganzen Hofstaat zu einer Tanzorgie (mit Schleiern und anderen Stoffen "verkleidet"), in die auch Herodes mit hineingezogen wird. In dem Maße in dem Herodes und der Hofstaat sich in einen geradezu orgiastischen Sinnestaumel hineinsteigern, zieht Salome sich raus und betrachtet kühl den maßlosen Exzess, den sie selbst inszeniert hat. Am Ende ist Herodes ganz im Delirium. Robert Künzli macht das grandios! Das "Ah! Herrlich! Wundervoll, wundervoll!" des Herodes klingt bei ihm zugleich nach Exstase und Ermattung.

Aber nun werde ich nichts mehr zu der Inszenierung schreiben. Ich habe den Schleiertanz nur deshalb kurz skizziert, weil ich weiss, dass Du dafür ein spezielles Interesse hast. Aber eigentlich müßte man die Anlage der ganzen Figur der Salome beschreiben, um ihn verständlich zu machen. Das werde ich aber nicht tun!

Beste Grüße

Caruso41
;) - ;) - ;)

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yagura

Anfänger

  • »yagura« ist männlich

Beiträge: 86

Registrierungsdatum: 27. Mai 2013

10

Freitag, 22. Dezember 2017, 10:31

E
Zur Inszenierung äußere ich mich ja in diesem Forum grundsätzlich nicht.
Lieber caruso41,

das machst Du völlig richtig. Warum sollst Du Zündstoff ins Feuer gießen? Die Standpunkte sind im Prinzip feststehend und unverrückbar. Wer sich über eine Inszenierung informieren will, selbst um danach über den Besuch einer Vorstellung zu entscheiden, der hat heute genügend andere Möglichkeiten.

Herzlichst La Roche


Das finde ich, ehrlich gesagt, nicht so gut. Wenn ich etaws über eine Inszenierung wissen möchte, ist ein Klassikforum genau der richtige Ort. Schliesslich bekomme ich hier unterschiedliche, interessante Standpunkte von Gleichgesinnten (Klassikliebhabern).
Es würde ja genügen, die Inszenierung zu beschreiben.

LG,
Thomas
"Lassen Sie sich ruhig fallen, bei Bruckner fallen Sie immer nach oben"
Günter Wand

rodolfo39

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11

Freitag, 22. Dezember 2017, 11:03

Lieber Thomas,
und genau darin scheitert die Diskussion. Weil sich auch dann Taminos zu Wort melden die die Aufführung nicht gesehen haben und die ganze RT Diskussion geht von vorne los.

Gerhard Wischniewski

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Beiträge: 4 531

Registrierungsdatum: 7. April 2011

12

Freitag, 22. Dezember 2017, 12:46

Lieber Rodolfo,

warum willst du das ablehnen. Ich denke, dass man auch weiterhin zu den Scheußlichkeiten des Regisseurstheaters seine Meinung sagen darf, wenn man anhand von Szenen, Bildern und Beschreibungen erkennt, dass hier wieder einmal eine Oper entstellt wurde. Die Diskussion um solche Fälschungen kann und darf nicht einschlafen. Deswegen bin ich durchaus für die Schilderung der Inszenierung, damit wenigstens die Leser dieses Forums erkennen, auf was sie sich da einlassen oder besser nicht einlassen.

Liebe Grüße
Gerhard
Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

La Roche

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13

Freitag, 22. Dezember 2017, 13:08

Nur soviel: einen Schleiertanz der Salome gibt es nicht, oder allenfalls im Ansatz.
Vorangestellt: Ich will hier keine Regietheaterdiskussion, sie hängt mir genauso zum Halse heraus wie den TR-Befürwortern.

Eine Frage möchte ich dennoch stellen. In meinen Augen ist der Schleiertanz nicht einfach nur irgendeine Nummer. Salome hat als pubertierende, verwöhnte, kindliche Prinzessin ihren Willen nicht bekommen, dem Propheten sind ihre "plumben Annäherungsversuche" über Haut, Haar bis zum Mund zuwider. Offensichtlich ist ihm die verwöhnte Göre oder das ganze weibliche Geschlecht gegen den Strich.

Salome dagegen bekommt jeden Wunsch erfüllt, aber auf einmal nicht. Sie ist zwar fast noch ein Kind, aber sie weiß, daß ihr Stiefvater weiblichen Reizen gegenüber sehr aufgeschlossen ist. Gegenüber Salome empfindet er mehr als nur Vatergefühle, und sei es auch nur, um seine Frau zu ärgern. Das weiß Salome, und sie weiß, wie sie ihre Reize einsetzen kann. Der Schleiertanz wird das Mittel zum Zweck. Sie will es dem Propheten zeigen und benutzt dazu den angeheirateten Papa. Sie will zum Schein gar nicht tanzen, aber sie hat einen Plan. Sie will es Jochanaan zeigen, wer das Sagen hat, und sie bringt Herodes so weit, daß er ihr alles verspricht, was sie haben will. Und deshalb tanzt sie. Und sie bekommt ja, was sie freiwillig nicht kriegen konnte, eben weil Herodes Gefühle bekommt.

Wenn es dann den Schleiertanz nicht gibt, mit welchem Mittel bekommt sie dann ihren Willen? Fehlt da nicht ein entscheidendes Element der Wilde´schen Fabel? Oder haben das Tausende Regisseure bisher nur falsch gesehen??

Herzlichst La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer


Caruso41

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Registrierungsdatum: 19. November 2010

14

Freitag, 22. Dezember 2017, 14:54

.....Der Schleiertanz wird das Mittel zum Zweck. Sie will es dem Propheten zeigen und benutzt dazu den angeheirateten Papa. Sie will zum Schein gar nicht tanzen, aber sie hat einen Plan. Sie will es Jochanaan zeigen, wer das Sagen hat, und sie bringt Herodes so weit, daß er ihr alles verspricht, was sie haben will. Und deshalb tanzt sie. Und sie bekommt ja, was sie freiwillig nicht kriegen konnte, eben weil Herodes Gefühle bekommt....


Völlig d'accord, lieber LaRoche, mit Deiner Beschreibung der Geschichte.
Aber ist nicht die Lösung, die Kerkhof findet, ungemein plausibel, weil sie genau dieses Berechnende der Salome noch sinnfälliger macht. Sie tanzt ja nur zum Schein. Spannt andere ein, um Herodes in einen erotischen Rauschzustand zu bringen! Ausserdem ist die Szene virtuos choreografiert! Kerkhof kommt ohne alle Peinlichkeit aus. Himmel, was habe ich peinliche Tänze gesehen, wenn die Sopranistin selber tanzte (Von Eurythmie-Gymnastik bis zu ungelenkem Hausfrauenstriptease) und wie peinlich war es, wenn sie durch eine Balleteuse sie substituierte!

Wenn Du noch andere Stimmen hören möchtest, schau in die HAZ oder höre den Bericht im Deutschlandfunk :
http://www.haz.de/Nachrichten/Kultur/Ueb…tsoper-Hannover
http://www.deutschlandfunk.de/salome-an-…ticle_id=401138

So, jetzt ist aber Weihnachtsruhe!
Da müssen wir andere biblische Geschichten hören und erzählen!
Da ich über die Feiertage zu meinen Kindern nach Hamburg fahre, werde ich sowieso erst mal ein paar Tage nicht mehr im Forum sein.

Gesegnete Festtage!

Caruso41
;) - ;) - ;)

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