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Caruso41

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1

Montag, 1. Januar 2018, 11:19

Sabine Devieilhe - eine französische Koloratursopranistin

Es ist wohl an der Zeit, einigen der Sänger, die im Thread NEUE STIMMEN vorgestellt wurden, einen eigenen Thread einzuräumen!
Die ersts Sängerin, die ich vorgestellt habe, war:

Sabine Devieilhe



Eine leichter Koloratursopran, rein und süß im Timbre, von virtuoser Beweglichkeit, herrlich in den akkuraten Staccati, berückend in den lyrischen Bögen, bewegend in den piani! Und sie hat eine reiche Palette herrlicher Farben um auch dramatischen Rezitativen ein ausdrucksvolles espressivo zu geben.

Eine ganz wunderbare CD mit Mozart-Arien hat sie schlagartig bekannt gemacht. Sie wurde vielfach ausgezeichnet.



Nicht weniger eindrucksvoll war eine schon vorher erschienene CD mit Rameau-Arien und Szenen, in der sie die Seelengemälde der Rameau-Figuren erstaunlich subtil nachzeichnete:



Zu ihrer Biografie teilt Warner Classic mit:

Zitat

1985 in der Normandie geboren, besuchte Sabine Devieilhe ab ihrem 12. Lebensjahr das Musikkonservatorium in Caen. 2008 begann sie ihr Gesangsstudium am Pariser Konservatorium und belegte außerdem die Fächer Musikwissenschaft und Cello. Ihr Gesangsstudium schloss sie 2011 mit dem „Premier Prix“ ab. Während ihres Studiums wurde sie u.a. von Jocelyne Chamonin, Martine Surais, Pierre Mervant, Malcolm Walker sowie Kenneth Weiss, Susan Manoff und Olivier Reboul unterrichtet.

Sabine Devieilhe ist Mitglied verschiedener Ensembles, so dem Ensemble Pygmalion unter der Leitung von Raphaël Pichon und dem Ensemble Les Cris de Paris unter Geoffroy Jourdain. Ihr Repertoire reicht von Alter Musik bis hin zur zeitgenössischen Musik. Partnerin ihrer Liederabende ist die Pianistin Anne Le Bozec.

Ihr Bühnendebüt gab sie während ihres Studiums in der Partie der Lucretia in Brittens The Rape of Lucretia am Pariser Konservatorium. Es folgten Auftritte in Puccinis Gianni Schicchi (Lauretta) und Debussys Pelléas et Mélisande (Yniold) beim Festival Messiaen.

Sie trat außerdem bereits als Amina in Bellinis La sonnambula, als Serpetta in Mozarts La finta giardiniera, als La Folia in Rameaus Platée, als Königin der Nacht in Mozarts Zauberflöte und als Lakmé in der gleichnamigen Oper von Léo Delibes auf. Sabine Devieilhe ist ebenfalls regelmäßig als Konzertsängerin zu erleben. Zu ihrem Repertoire gehören Händels Dixit Dominus und die Sopranpartien der großen Bach-Oratorien. Als Solistin gab sie außerdem eine Bernstein-Gala mit dem Orchestre de Paris und war mit Marc Minkowski und Les Musiciens du Louvre mit einem Offenbach-Programm auf Konzerttournee.

2013 wurde sie mit dem Victoire de la Musique in der Kategorie „Nachwuchskünstlerin des Jahres“ ausgezeichnet. Für ihr Debut-Album Le Grand Théâtre de l’Amour (Erato) gewann sie 2014 außerdem den Orphée Award der Académie du Disque Lyrique, sowie den ECHO Klassik als „Nachwuchskünstlerin des Jahres“. 2015 erhielt sie einen weiteren Victoire de la Musique als „Opernsängerin des Jahres“.


Ihre Karriere hat inzwischen Fahrt aufgenommen!
Einige der Termine an denen sie in den letzten Monaten zu hören war, können dies eindrücklich verdeutlichen:

Lakme in der Opéra Grand Avignon
La Sonnambula im Théâtre des Champs-Elysées
Bellazza in "Il trionfo del tempo e del disinganno" beim Festival d'Aix en Provence
Königin der Nacht in der Opéra National de Paris
La Fille du régiment in der Wiener Staatsoper

Und 2018 kommen
Sœur Constance in "Dialogues des Carmélites"
Mélisande in "Pelléas et Mélisande"
Zerbinetta in "Ariadne auf Naxos"

Am 28. Feb 2018 wird sie in der Berliner Philharmonie mit dem Deutsches Symphonie-Orchester Berlin unter Raphaël Pichon Ausschnitte aus Opern von Gluck und Rameau singen! Sicher spannend!

Alfred Schmidt schrieb in dem Thread NEUE STIMMEN über sie:

Zitat

Sabine Devieilhe hat mir in Teilbereichen ausserordentlich gut gefallen, Caruso41 beschrieb es mit den Worten : Süss im Timbre. Das Timbre spielt bei mir immer die grösste Rolle, wenn es mir nicht gefällt, dann mag die Technik und der intelligente Vortrag noch so überzeugend sein, es wird nichts nützen
Das Timbre von Sabine Devieilhe ist für meinen Geschmack einfach hinreissend. Allerdings kommt es vorzugsweise in den lyrischen Partien zum Tragen. Weniger beeindruckend fand ich die Arien der Königin der Nacht. Die Mozart-CD mit Arien für die "Weber-Schwestern" finde ich ausgezeichnet, auch vom Vortrag her (Sie ist bereits auf meiner September Bestelliste). Auch wenn es nicht direkt hierhergehört: Raphael Pichon und "Pygmylion" tragen auch zur Begeisterung, die ich für diese Aufnahme empfinden bei: Französische Elegance pur!


Inzwischen gibt es etliche CDs und DVDs, auf denen sie zu hören ist!

Vor wenigen Wochen erschien ein neues Album bei Erato!
Dieses Album finde deshalb besonders interessant - nicht zuletzt, weil ihr Partner Francois-Xavier Roth und sein Orchester Les Siecles sind! Sie spielen auf Instrumenten und in der Spielweise des späten 19. Jahrhunderts! Das macht den irrisierenden Reiz der Szenen lebendiger als ich das bisher je gehört habe. Wer zum Beispiel das Duett "Viens, Mallika" aus Lakmé mag, kann es hier beinahe neu entdecken! Die Partnerin der Devieilhe hier ist Marianne Crebassa - auch sie ist eine NEUEN STIMME, die hier vorgestellt wurde!

Interessant ist aber auch das Programm: Die CD präsentiert Opernpartien (Delibes‘ Lakmé, Massenets Thais, Debussys Mélisande, Thomas‘ Ophélie und Messagers Madame Chrysanthème) aber auch Konzertarien und Lieder!
Ein besonderes Highlight sind Delage's "Quatre Poèmes Hindous"! Der weit gereiste Komponist lässt hier ein westliches Kammerensemble wie Sarod, Sitar und indische Flöte klingen. Das ist schlicht betörend. Devieilhe ist hier in diesen Lieder hypnotisierend, klingt aber auch in allen anderen Stücken köstlich klar und strahlend! Sie singt mit einer Lust und einer Sinnlichkeit, die wirklich angeboren scheint. Sie hat aber auch eine schmerzliche lyrische Elegie, die wahrlich zu Herzen geht!



Wer denn gleich mal etwas hören will, findet in dem Thread NEUE STIMMEN ein paar Aufnahmen von Sabine Devieilhe.
Vielleicht noch eine aktuelle Empfehlung:

Lakme: Glöckchenarie
Das ist eine ganz andere Lakme als wir sie vielleicht von Callas oder Sutherland gewohnt sind. So mädchenhaft und federleicht, wie sie Sabine Devieilhe singt,könnte sie sich aber Leo Delibes wohl vorgestellt haben!
https://www.youtube.com/watch?v=gMO0KFL3E58




Beste Grüße
Caruso41
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Gregor

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2

Mittwoch, 3. Januar 2018, 15:46

Schön, dass du diese Sängerin nun in einem eigenen thread vorstellst, lieber Caruso.
Meine erste Begegnung mit Sabine Devieilhe hatte ich durch den Mitridate aus Paris im Jahr 2016, und sofort fielen mir ihre hervorragend geführte Stimme und die von dir beschriebenen Eigenschaften auf. Der Mitridate - mit Michael Spyres in der Titelrolle - ist inzwischen auch auf DVD erhältlich.



In wenigen Tagen gibt sie ihr Debüt an der Wiener Staatsoper als Marie in La fille du régiment. Darauf darf man gespannt sein. Und danach kann ich sicher mehr über die Stimme sagen. Leider hat Javier Camarena den Tonio abgesagt.

Gregor

Caruso41

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3

Donnerstag, 4. Januar 2018, 09:41

In wenigen Tagen gibt sie ihr Debüt an der Wiener Staatsoper als Marie in La fille du régiment. Darauf darf man gespannt sein. Und danach kann ich sicher mehr über die Stimme sagen.


Lieber Gregor!

Da bin ich ja schon sehr gespannt auf Deinen Bericht.
Gerade in der Partie hätte ich sie nicht unbedingt erwartet! Ob sie komisches Talent hat, weiss ich nicht. Aber das Derbe liegt ihr eher sicher nicht. Man kann die Marie natürlich auch zart und empfindsam anlegen.

Liebe Grüße

Caruso41
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Bertarido

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4

Sonntag, 7. Januar 2018, 17:06

Ich habe nun auch die Bekanntschaft mit der Stimme dieser jungen Sopranistin gemacht, und zwar zunächst in einer Aufnahme, die hier noch gar nicht erwähnt wurde: Sie sang in dieser Produktion aus Aix aus dem Jahr 2016 die Bellezza in Händels frühem Oratorium „Il Trionfo del Tempo e del Disinganno“:


Ich muss gestehen, dass mein Eindruck etwas zwiespältig war. Soweit ich es beurteilen kann, meistert sie technisch diese Partie einwandfrei, aber mir hat dann doch für eine „Bellezza“ bei ihrer Stimme ein wenig die strahlende Schönheit gefehlt. Ein Rezensent dieser Aufnahme hat ihr Timbre als platinfarben bezeichnet. Mir wäre hier Silber lieber gewesen als Platin, auch wenn der grauere Farbton durchaus zur Deutung dieser Figur durch den Regisseur Krzysztof Warlikowski passt, bei dem die Bellezza eine Jugendliche im Bann von Parties und Drogenkonsum ist, die sich den Einflüsterungen und Ermahnungen von Vergnügen, Zeit und Ernüchterung ausgesetzt sieht und sich am Ende die Pulsadern aufschneidet. Interessant fand ich, dass Alfred die Stimme von Sabine Devieilhe als süßlich bezeichnet hat, denn das habe ich überhaupt nicht so empfunden.

Gerade eben habe ich mir dann das Mirage-Album angehört, auf das ich durch Carusos Hinweis im Junge Stimmen-Thread aufmerksam wurde:


Eine wirklich wunderbare CD, der ich einige Entdeckungen verdanke, so die exotisch-betörenden "Quatre Poèmes Hindous" von Maurice Delage. Bei diesem französischen Repertoire finde ich die Stimme von Sabine Devieilhe dann nahezu perfekt, auch wenn ich sie hier wiederum zwar „köstlich klar und strahlend“ finde, wie Caruso geschrieben hat, mir eine erotische Sinnlichkeit aber manchmal etwas abgeht. Die Stücke aus „Lakmé“ intepretiert sie wirklich hinreißend, „mädchenhaft und federleicht“ hat es Caruso beschrieben, was ich genauso empfinde. Und ist das nicht der Figur der Lakmé wesentlich angemessener als etwa die Stimme einer Sutherland? Aber das ist wieder Geschmacksache. Auch als Melisande hat mir Sabine Devieilhe sehr gut gefallen, da würde ich gerne mehr von ihr hören.

Caruso41

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5

Sonntag, 7. Januar 2018, 18:59

Lieber Bertarido!

Hab herzlichen Dank für Deine beiden Berichte, die ich sehr interessant fand. Sie legen ein bißchen den Finger auf wunde Stellen, die mir so eigentlich gar nicht aufgefallen waren!

. Soweit ich es beurteilen kann, meistert sie technisch diese Partie einwandfrei, aber mir hat dann doch für eine „Bellezza“ bei ihrer Stimme ein wenig die strahlende Schönheit gefehlt. Ein Rezensent dieser Aufnahme hat ihr Timbre als platinfarben bezeichnet. Mir wäre hier Silber lieber gewesen als Platin,

Ich kenne zwar die Händel-Aufnahme nicht, aber ich ahne was Du meint. Eine "strahlende Schönheit", die man vielleicht bei Händels Bellezza erwartet, hat sie eigentlich nicht. Die findet man wohl eher bei Roberta Invernizzi. Vielleicht ist das Schönheitideal auch eher italienisch bestimmt als französisch, denn Natalie Dessay entspricht vermutlich auch nicht dem, was Du erwartest? Ich zumindest finde sie eher spröde und - bei allem Respekt - die Stimmme klingt mir zu spitz.

Eine wirklich wunderbare CD, der ich einige Entdeckungen verdanke, so die exotisch-betörenden "Quatre Poèmes Hindous" von Maurice Delage. Bei diesem französischen Repertoire finde ich die Stimme von Sabine Devieilhe dann nahezu perfekt, auch wenn ich sie hier wiederum zwar „köstlich klar und strahlend“ finde, wie Caruso geschrieben hat, mir eine erotische Sinnlichkeit aber manchmal etwas abgeht.

Auch dass Dir im französischen Fach die "erotische Sinnlichkeit" fehlt, kann ich nachvollziehen.
Ich würde aber dagegen halten, dass Stimme und vor allem Gesang von Sabine Devieilhe hoch erotisch sind. Aber das ist eine höchst sublime Erotik, die ich dort höre! Sie vermittelt sich eher in der Verbindung mit Anmut und Eleganz als direkt. Ich persönlich finde das ausgesprochen reizvoll! Vielleicht habe ich darum eine Schwäche für französische Soprane und französische Gesangskunst?

Liebe Grüße

Caruso41
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Bertarido

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6

Sonntag, 7. Januar 2018, 19:14

Auch dass Dir im französischen Fach die "erotische Sinnlichkeit" fehlt, kann ich nachvollziehen.
Ich würde aber dagegen halten, dass Stimme und vor allem Gesang von Sabine Devieilhe hoch erotisch sind. Aber das ist eine höchst sublime Erotik, die ich dort höre! Sie vermittelt sich eher in der Verbindung mit Anmut und Eleganz als direkt. Ich persönlich finde das ausgesprochen reizvoll! Vielleicht habe ich darum eine Schwäche für französische Soprane und französische Gesangskunst?

Lieber Caruso, Anmut und Eleganz sind Attribute, die ich in der Stimme von Sabine Devieilhe durchaus zu entdecken vermag! Was man als erotisch empfindet, ist dann sicher sehr persönlich geprägt, mir liegt - wie auch im richtigen Leben ;) - wahrscheinlich die italienische und spanische Sinnlichkeit mehr als die "sublime Erotik" der französischen Gesangskunst. Wobei ich mich gerne darauf einlasse, diese noch weiter zu erkunden. Und für französische Sängerinnen habe ich durchaus eine Schwäche, ich müsste da einmal Vergleiche anstellen, um herauszubekommen, warum mir manche Stimmen besonders gut gefallen. Die von Dir genannte Natalie Dessay schätze ich zum Beispiel durchaus, kenne sie aber nur in italienischem Repertoire. Vielleicht wäre es einmal ein lohnendes Thema, herausragende Protagonist(inn)en der französischen Gesangskunst vorzustellen, wozu hier im Forum aber wohl nur Du in der Lage wärst. :hello:

Gregor

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7

Sonntag, 7. Januar 2018, 23:56

Ich habe mir inzwischen einiges von Sabine Devieilhe angehört. Sie singt technisch einwandfrei, die Stimme ist agil und scheint nach oben hin keine Grenzen zu kennen. In der (französischen) Opernwelt wird sie bereits als "la nouvelle Dessay" bezeichnet. Gut, sie singt das gleiche Rollenrepertoire wie auch Natalie Dessay zu ihrer Anfangszeit, verfügt offenbar über die gleichen Koloraturfähigkeiten, aber Vergleiche dieser Art sind nicht nur typisch und wohl unvermeidlich, sondern eigentlich immer auch problematisch.
Bislang konzentriert sich ihr Repertoire auf Barockmusik und Mozart. Ihr Weg zeigt eindeutig in Richtung Belcanto, doch sie geht es vorsichtig an. Bislang singt sie hier nur die Amina in La Sonnambula und die Marie in La fille du régiment. Für Mozart ist ihre Stimme ideal und so singt sie Serpetta in La finta giardiniera oder Ismene in Mitridate. Sie ist inzwischen auch schon das Blondchen in Die Entführung aus dem Serail.
Ihre Königin der Nacht hingegen ist nicht so mein Fall. Da ist mir ihre Stimme viel zu leicht, ihr fehlt es deutlich an Dramatik. Mit der deutschen Aussprache hat sie noch so ihre Probleme.
Im Sommer wird sie ihr Debüt als Zerbinetta in Ariadne auf Naxos geben.
Devieilhe geht es nicht nur um den perfekten Ton, sie ist auch stark an Ausdruck interessiert. So bemüht sie sich sehr, dass man den Druck des Vaters auf Lakmé in der berühmten Glöckchen-Arie auch deutlich hört.

Besonders gefällt mir das Duett aus Lakmé, in dem neben Devieilhe auch die junge Mezzosopranistin Marianne Crebassa hervorragend ist.




Ihre Höhensicherheit stellt Devieilhe als Olympia in Hoffmann's Erzählungen unter Beweis.




Gerade in der Partie hätte ich sie nicht unbedingt erwartet! Ob sie komisches Talent hat, weiss ich nicht. Aber das Derbe liegt ihr eher sicher nicht. Man kann die Marie natürlich auch zart und empfindsam anlegen.

Du kannst zumindest akustisch via Radio dabei sein, lieber Caruso. OE1 überträgt am Samstag, 13. Januar 2018 um 19 Uhr die zweite Vorstellung LIVE aus der Wiener Staatsoper.

Gaetano Donizetti
LA FILLE DU RÉGIMENT

Sabine Devieilhe (Marie)
John Tessier (Tonio)
Carlos Álvarez (Sulpice)
Marjana Lipovsek (Duchesse de Crakentorp)
Chor und Orchester der Wiener Staatsoper
Dirigent: Evelino Pidò
Live-Übertragung aus der Wiener Staatsoper in Dolby Digital 5.1 Surround Sound


Gregor

Caruso41

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8

Montag, 8. Januar 2018, 13:42

Lieber Gregor,

hab' Dank für Deine Ausführungen zu Sabine Devieilhe, denen ich eigentlich wirklich nichts hinzuzufügen habe!

Besonders gefreut habe ich mich, dass Du nun auch noch das Duett aus Lakmé eingestellt hast. Von allen Aufnahmen, die die ich von diesem Duett kenne (und das sind nicht wenige), ist hier der parfümierte Exotismus Leo Delibes am verführerischsten eingefangen!
Die Stimme der jungen Mezzosopranistin Marianne Crebassa und Sabine Devieilhes Sopran harmonieren einfach köstlich!

Übrigens ist Marianne Crebassa auch eine der Stimmen, die ich im Thread Neue Stimmen vorgestellt habe. Auch sie macht inzwischen eine so erfogreiche Karriere, dass sie längst einen eigenen Thread verdient, damit Berichte über sie gesammelt und Höreindrücke ausgetauscht werden können. Originell ist, dass beide demnächst die Mélisande singen werden. Die Crebassa in der Staatsoper Berlin unter Daniel Barenboim. Sabine Devieilhe am Atelier Lyrique de Tourcoing unter Jean-Claude Malgoire.

Beste Grüße

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Caruso41

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9

Montag, 8. Januar 2018, 15:13

Was man als erotisch empfindet, ist dann sicher sehr persönlich geprägt, mir liegt - wie auch im richtigen Leben ;) - wahrscheinlich die italienische und spanische Sinnlichkeit....

Lieber Bertarido!

Nur eine Bemerkungen zu Deinem letzten Beitrag! (Sie gehört eigentlich nicht in diesen Thread. Es hat sich aber aus dem Gang des Austausches gerade so ergeben!)

Erotik und Sinnlichkeit sind nach meinem Verständnis etwas durchaus Verschiedenes. Unabhängig davon aber meine Frage: was genau zeichnet spanische Erotik aus?
Manch einer mag dabei an Carmen denken! Bizets Carmen aber ist die Schöpfung eines französischen Komponisten. Sie ist nun wirklich durch und durch französisch! Darum bringen mich auch alle Interpretinnen um, die sie als feurige Spanierin vorführen wollen. Originellerweise haben das Spanienierinnen gerade nicht getan: etwa Victoria de los Angeles oder Theresa Berganza.

Beste Grüße

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Bertarido

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10

Dienstag, 9. Januar 2018, 12:23

Erotik und Sinnlichkeit sind nach meinem Verständnis etwas durchaus Verschiedenes.

Lieber Caruso,

eine Diskussion über Erotik und Sinnlichkeit würde hier nun wirklich zu weit führen. Es dürfte aber klar sein, dass es sehr individuell ist, welche Eigenschaften als erotisch empfunden werden, ob es nun um Gesangstimmen geht oder um anderes. Die in Deinen Worten "sublime Erotik" in Sabine Devieilhes Stimme ist vielleicht zu sublim, um von mir wahrgenommen zu werden. Um das zu vertiefen, müsste man ein eigenes Thema zu Erotik im Gesang eröffnen, was ja durchaus interessant sein könnte.

Hier will ich noch auf zwei Auftritte von Sabine Devieilhe in Paris hinweisen:

Am 7. April ist sie am Theatre des Champs-Elysees gemeinsam mit Marianne Crebassa in einem Händel-Programm zu erleben:

http://www.theatrechampselysees.fr/en/se…nne-crebassa-en

Und im Dezember tritt sie an der Opéra Comique als Ophélie in Ambroise Thomas' "Hamlet" auf - die auf der Mirages-CD enthaltene Arie macht (mir) große Lust, sie in dieser Partie einmal auf der Bühne zu erleben:

https://www.opera-comique.com/en/seasons/2018-season/hamlet

Am meisten würde es mich aber reizen, sie einmal als Melisande zu hören!

Caruso41

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11

Dienstag, 9. Januar 2018, 17:13

....eine Diskussion über Erotik und Sinnlichkeit würde hier nun wirklich zu weit führen. Es dürfte aber klar sein, dass es sehr individuell ist, welche Eigenschaften als erotisch empfunden werden, ob es nun um Gesangstimmen geht oder um anderes....


LieberBertarido!
Da hast Du auch absolut Recht.
Ich hatte mit einem von mir ganz hochgeschätzen Freund aus Liga der Melomanen-Connaisseurs immer wieder meine Gefechte darüber, ob die Stimme von Christa Ludwig nun erotisch sei oder nicht. Er ist inzwischen leider verstorben. Einigen konnten wir uns in dieser Frage nicht!
Muss ja auch nicht über jede Frage Einvernehmen hergestellt werden. Über diese schon mal gar nicht!

Um das zu vertiefen, müsste man ein eigenes Thema zu Erotik im Gesang eröffnen, was ja durchaus interessant sein könnte.

Hoffentlich kommt niemand auf die Idee, dazu einen Thread einzurichten.
Da capo: Muss ja auch nicht über jede Frage Einvernehmen hergestellt werden. Schon gar nicht theoretisch und grundsätzlich!

Liebe Grüße

Caruso41
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