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La Roche

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  • »La Roche« ist männlich

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91

Montag, 5. März 2018, 15:12

Wow. Inzwischen ein 2. User, der die Gelegenheit beim Schopf nahm, um diese Salome zu besuchen. Und das trotz Widerwillen gegen Neuenfels.
Inzwischen habe ich mind 4 Kritiken gelesen. Kann ich Dir auch empfehlen. Jetzt kannst Du mir ruhig sagen, daß ich nachplappere, was unbedeutende und tiefsinniger als ich denkende Journalisten schreiben. Das würde mich an keiner Stelle jucken, ich weiß ja, von wem es kommt.

Zur Beurteilung dieser Inszenierung reichen mir wieder die Bilder und jetzt auch geschriebene und gesprochene Worte, um festzustellen, daß das nicht in mein Beuteschema paßt. Selbst wenn ich in Berlin wohnen würde und neugierig auf die Staatsoper wäre (was ich tatsächlich bin!), da würde ich nicht reingehen wollen, nicht mal aus Neugier. Gerade weil Salome eine meiner Lieblingsopern ist.

Aber sag mal, wenn Hosenrolle meint, daß alle, die in die Salome (oder in eine andere Oper) gehen und sich vorher nicht mit dem Inhalt vertraut gemacht haben, ihr Hirn an der Garderobe abzugeben haben, darüber verlierst Du kein Wort ? Kann es sein, daß Du Feindbilder hier im Forum hast, auf deren Beiträge Du nur wartest, um dann in Westernmanier Deine Revolver zu ziehen?

La Roche
Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


Joseph II.

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  • »Joseph II.« ist männlich

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92

Montag, 5. März 2018, 15:25

Muß ich Hundkot erst gekostet haben, um zu wissen daß er mit nicht schmeckt ?

Es soll ja Leute geben, die auf sowas stehen. Früher hätten sie es aber lieber für sich behalten, anstatt es laut herauszuposaunen.

Immer wieder dieselbe Leier
Es gibt zahlreiche Dinge die durch keine Paragraphen im Strafgesetzbuch geregelt sind
(besipielsweise das Schneuzen ins Tischtuch an der Tafel, im Mittelalter war das in den Benimmregeln schriftlich fixiert - heute nicht mehr)
aber denoch verpönt sind

Eben, es muss doch nicht immer explizit durch das Strafgesetz geregelt sein. Wäre dem so, würde man sich ja auch wieder darüber mokieren. Das Stichwort Knigge wird mittlerweile aber wohl nur mehr wenigen überhaupt etwas sagen.

Das heutige Regietheater hängt doch noch immer der 50 Jahre alten 68er Philosophie an, dass dem elitären Publikum in einem Musentempel völlig deplaciert Unrat kredenzt werden soll, um es letztlich zu verhöhnen. Das ist nun aber wahrlich mittlerweile so vorgestrig und in keiner Weise mehr revoluzzerhaft, dass man nur mehr schmunzeln kann. Verkrustet und in sich selbst erstarrt ist doch gerade das Regietheater selbst. Dass sich Hans Neuenfels, der seinerzeit als Regisseur in dieser Atmosphäre sozialisiert wurde, auf seine alten Tage nicht mehr umgewöhnen kann, ist einerseits verständlich. Andererseits sterben diese letzten Dinosaurier der Bewegung auch langsam aus.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

Joseph II.

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  • »Joseph II.« ist männlich

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93

Montag, 5. März 2018, 19:24

"Ein szenisch wie musikalisch enttäuschender Abend"

Kritiker Peter Jungblut vom BR konnte sich für diese Neuproduktion jedenfalls nicht erwärmen. Seine Kritik findet man hier.

Um mal von der belanglosen Regie weg zu kommen: Sängerisch war es anscheinend auch nicht berauschend, da ausgerechnet die Titelpartie unzureichend besetzt gewesen sei, so Jungblut. Und der arme Einspringer-Dirigent habe "hörbar nervös" agiert. Diese "Salome" kann man sich also wohl getrost schenken.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

Amfortas08

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94

Montag, 5. März 2018, 19:47

Zur Beurteilung dieser Inszenierung reichen mir wieder die Bilder und jetzt auch geschriebene und gesprochene Worte, um festzustellen, daß das nicht in mein Beuteschema paßt. Selbst wenn ich in Berlin wohnen würde und neugierig auf die Staatsoper wäre (was ich tatsächlich bin!), da würde ich nicht reingehen wollen, nicht mal aus Neugier
Das mit dem Beuteschema ist okay. Jeder entscheidet es selbst, was er sich antut.
Sobald du aber was von „zugunsten langweiliger und entstellender Neudeutungen Beurteilung“ schreibst, verlässt du deine individuelle Geschmack-Sphäre und dein Feedback erhebt Anspruch auf allgemeine Gültigkeit von einer Aufführung, die du selbst nicht kennst, was absurd rüberkommt.
Aber sag mal, wenn Hosenrolle meint, daß alle, die in die Salome (oder in eine andere Oper) gehen und sich vorher nicht mit dem Inhalt vertraut gemacht haben, ihr Hirn an der Garderobe abzugeben haben, darüber verlierst Du kein Wort ? Kann es sein, daß Du Feindbilder hier im Forum hast, auf deren Beiträge Du nur wartest, um dann in Westernmanier Deine Revolver zu ziehen?
Wenn wir (also ich mit Famile, Freunden) uns regelmäßig im Dezember uns eine alte H+G-Inszenierung reinziehn oder uns durch eine visuell opulente Pelleas-DVD unter Boulez und Regie Peter Steins oder einen TV-Mitschnitt eines „konservativen“ Eutiner Freischützes einlullen lassen, dann geben wir dabei auch unser Hirn zeitweise „an der Garderobe ab“. Ja, und selbst wenn das in diesem Thread gepostet wird, bildet das überhaupt keinen Grund beleidigt zu sein.. Ein Anti-RT-User hat vor Jahren in Tamino mal das Publikum, dass sich RT gönnt, als Abschaum tituliert. Na und ? Das ist zwar unsinnig, aber reicht ebenfalls nicht hin, beleidigt zu sein; ebenso wenig beleidigend ist deine unschöne und ganz unzutreffende Metapher vom „Revolver ziehen“; selbst wenn sie mir überhaupt nicht gefällt , weil ich friedliebend und freundlich wie eine Taube.

Das heutige Regietheater hängt doch noch immer der 50 Jahre alten 68er Philosophie an, dass dem elitären Publikum in einem Musentempel völlig deplaciert Unrat kredenzt werden soll, um es letztlich zu verhöhnen.
Schwer zu entscheiden, ob der Beitrag ernst gemeint oder Satire.
Weder sind in den Regiearbeiten (von z.B. Bieito, Konwitschny, Kosky, Kusej) Intentionen von Verhöhnung der Besucher erkennbar, noch betrachte ich mich – enbenso dem bürgerlichen Opern-Publikums zugehörig - vom RT verhöhnt. …
... die klischeebeladene Vermengung von RT mit 68 entbehrt sachlicher Basis.

MSchenk

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  • »MSchenk« ist männlich

Beiträge: 2 771

Registrierungsdatum: 5. März 2011

95

Montag, 5. März 2018, 20:29

Um mal von der belanglosen Regie weg zu kommen: Sängerisch war es anscheinend auch nicht berauschend, da ausgerechnet die Titelpartie unzureichend besetzt gewesen sei, so Jungblut. Und der arme Einspringer-Dirigent habe "hörbar nervös" agiert. Diese "Salome" kann man sich also wohl getrost schenken.
Hier wäre ich als Optimist aber etwas zuversichtlicher: Bekanntlich ist die musikalische Leistung durchaus auch abhängig von der Tagesform und so manche verratzte Premiere hat in Folgeaufführungen noch musikalische Höhen erklommen; ich erinnere beispielsweise an den hamburger Fidelio (siehe hier), der dann lange nicht so katastrophal war, wie er zur Premiere kritisiert wurde.
mfG Michael

Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

lohengrins

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  • »lohengrins« ist männlich

Beiträge: 763

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96

Montag, 5. März 2018, 21:07

Mal von den üblichen, und ehrlich gesagt gelinde enervierenden Diskussionen zu den ach so entstellenden Inszenierungen abgesehen, steht hinter dem "Hinschmeißen" von Dohnanyi vielleicht doch etwas anderes. Laut "Tagesspiegel" (s. hier) geht es wohl darum, dass es kein Vertrauen mehr in den einspringenden Dirigenten gab; es sich mithin um ein "Hingeschmissen-werden" handelte.

rodolfo39

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  • »rodolfo39« ist männlich

Beiträge: 3 245

Registrierungsdatum: 7. Oktober 2010

97

Montag, 5. März 2018, 22:22

Da ist die Reinopern Salome mit der Blutorgie spannender.

thdeck

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  • »thdeck« ist männlich

Beiträge: 329

Registrierungsdatum: 7. Oktober 2010

98

Montag, 5. März 2018, 22:44

Auch ich gehe nicht in Tosca, um über den Freiheitskampf der Italiener von der napoleonischen Unterdrückung belehrt zu werden oder in den Ring, um den Kapitalismus als sterbende und faulende Gesellschftsordnung zu erfahren. Wer behauptet - wie in Deinem Zitat Hosenrolle 1 - daß man dann sein Gehirn an der Garderobe abgeben würde, der hat nicht nur mich beleidigt, sondern Millionen Opernfreunde, die tagtäglich auf der ganzen Welt ins Theater gehen, um ihnen zusagende wunderbare Musik mit guten Sängern, Orchestern und in passenden Bühnenbildern zu erleben.

Unabhängig von Hosenrolle 1 bzw. dessen Aussage bzw. dessen Formulierung:

Was du hier bzgl. des Musiktheaters schreibst, geht einfach gar nicht. Das ist schlichtweg Missbrauch von Kunst. Woanders habe ich in diesem Zusammenhang mal das Wort "Kunstschändung" benutzt. Das war übertrieben.

Aber eines ist sicher: Musiktheater ist nicht dazu da, "wunderbare Musik mit guten Sängern, Orchestern und in passenden Bühnenbildern zu erleben". Das ist häufig ein angenehmer Nebeneffekt. Der ist sogar anzustreben, falls die Musik wirklich "wunderbar" ist. Aber der Kern des Musiktheaters besteht darin, auf der Bühne ein neues(!), singuläres(!) Werk zu schaffen. Das ist Theater. Genau das und nichts anderes. Und das ist keine Behauptung oder gar Forderung meinerseits. Das ist schlichtweg der Kern des Begriffs "Theater". Ich habe es nicht erfunden. Ich bin unschuldig.

Für das, was du offensichtlich(?) suchst, gibt es CDs, DVDs und Konzertabende aller Art. Auf der Bühne wird jedoch Theater gespielt. Es wird also ein Werk geschaffen, welches sich "Theater" nennt. Es existiert nur während der Zeit der Aufführung. Hinterher ist es vorbei, d.h. die Existenz ist beendet. Am nächsten Tag wird wieder ein neues Werk geschaffen, ebenfalls mit begrenzter Lebensdauer.

Und da es sich hier um Kunst handelt (oder handeln sollte), muss das Werk immer neu sein. Immer. Sonst wäre es keine Kunst. Reproduktion ist Handwerk. Kann auch schön sein. Aber Theater ist Kunst. Also neu. Immer.

Auf dieser Basis kannst du das Werk immer noch kritisieren. Genauer: Du sollst es sogar bewerten. Nur eben als das, was es ist: Theater. Im Gegensatz zu einer CD- oder DVD-Einspielung.


Thomas

MSchenk

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Registrierungsdatum: 5. März 2011

99

Montag, 5. März 2018, 22:53

Aber eines ist sicher: Musiktheater ist nicht dazu da, "wunderbare Musik mit guten Sängern, Orchestern und in passenden Bühnenbildern zu erleben". Das ist häufig ein angenehmer Nebeneffekt. Der ist sogar anzustreben, falls die Musik wirklich "wunderbar" ist. Aber der Kern des Musiktheaters besteht darin, auf der Bühne ein neues(!), singuläres(!) Werk zu schaffen. Das ist Theater. Genau das und nichts anderes. Und das ist keine Behauptung oder gar Forderung meinerseits. Das ist schlichtweg der Kern des Begriffs "Theater". Ich habe es nicht erfunden. Ich bin unschuldig.
Lieber Thomas, die "Werk"-Diskussion - ich bin da inhaltlich übrigens ganz auf Deiner Seite :hello: - hatten wir schon häufiger und ich sage Dir, Du wirst damit leider keinen Blumentopf der Erkenntnis gewinnen können! - So sad, true Story ...
mfG Michael

Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

Mme. Cortese

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100

Montag, 5. März 2018, 23:31

Musiktheater ist nicht dazu da, "wunderbare Musik mit guten Sängern, Orchestern und in passenden Bühnenbildern zu erleben".


Wieso nicht? Das ist ein völlig legitimer Wunsch!!

Aber der Kern des Musiktheaters besteht darin, auf der Bühne ein neues(!), singuläres(!) Werk zu schaffen. Das ist Theater. Genau das und nichts anderes


Dann setzt euch hin und schreibt es. Seit Beginn der Oper und des Theaters sind viele Themen von Komponisten und Autoren immer wieder neu aufgegriffen worden und neu konzipiert worden. Ich denke da an die vielen Versionen von beispielsweise Orpheus, Medea, der Orestie und vielen anderen Werken. Aber immer - oder besser bis ungefähr zur Mitte des vorigen Jahrhunderts - haben die Komponisten bzw. Autoren ein neues Werk geschaffen und sind nicht auf die Idee gekommen, ihre neuen Sichtweisen bereits vorhandenen Werken überzustülpen. Hat es nicht erst vor einigen Jahren eine neue Medea gegeben? Von daher gesehen scheint es mir eher ein Zeichen künstlerischer Unfähigkeit zu sein, schon bestehende Werke zu missbrauchen und das ganze dann als große "Kunst" zu verkaufen.
Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

thdeck

Profi

  • »thdeck« ist männlich

Beiträge: 329

Registrierungsdatum: 7. Oktober 2010

101

Dienstag, 6. März 2018, 00:44


Aber der Kern des Musiktheaters besteht darin, auf der Bühne ein neues(!), singuläres(!) Werk zu schaffen. Das ist Theater. Genau das und nichts anderes

Dann setzt euch hin und schreibt es. Seit Beginn der Oper und des Theaters sind viele Themen von Komponisten und Autoren immer wieder neu aufgegriffen worden und neu konzipiert worden. Ich denke da an die vielen Versionen von beispielsweise Orpheus, Medea, der Orestie und vielen anderen Werken. Aber immer - oder besser bis ungefähr zur Mitte des vorigen Jahrhunderts - haben die Komponisten bzw. Autoren ein neues Werk geschaffen und sind nicht auf die Idee gekommen, ihre neuen Sichtweisen bereits vorhandenen Werken überzustülpen. Hat es nicht erst vor einigen Jahren eine neue Medea gegeben? Von daher gesehen scheint es mir eher ein Zeichen künstlerischer Unfähigkeit zu sein, schon bestehende Werke zu missbrauchen und das ganze dann als große "Kunst" zu verkaufen.

Verstehst du mich absichtlich falsch???

Es ist nicht die Aufgabe des Regisseurs, ein Stück zu schreiben. Der Regisseur hat die Aufgabe, Theater zu machen. Wenn er etwas schreibt, dann allenfalls Szenenanweisungen oder dergleichen. Aber im Prinzip muss er nichts schreiben. Er muss nur etwas auf die Bühne bringen.

Das ist wie beim Kochen. Der Erfinder eines Rezeptes muss dies niederschreiben. Er muss es nicht kochen. Der Koch dagegen muss nichts schreiben. Er muss sich Gedanken machen, in der Regel auf Basis von bekannten Rezepten, und diese dann umsetzen.

Oder nehmen wir den Maler. Er muss nichts erfinden. Es gibt bereits tausende Themen. Z.B. Jesus am Kreuz. Der Maler - falls er Künstler ist - beschäftigt sich mit dem Thema und erschafft dann eine neue Interpretation desselben. Ein anderer Maler wird, falls er Künstler ist - dasselbe Thema anders interpretieren. Das fertige Gemälde entspricht dann der DVD einer Opernaufführung. Beides kann noch so gut sein: Das nächste Gemälde zum selben Thema wird anders aussehen.

Selbstverständlich kannst du einen Maler dazu engagieren, ein Bild gemäß deinen Wünschen zu malen. Da werden sich aber keine Künstler melden, sondern nur Handwerker. So ähnlich wird es laufen, wenn du ein Opernhaus gründest, in dem nur ältere Inszenierungen reproduziert werden, und seien sie noch gut.

Letzteres ist zugegebenermaßen eine Spekulation meinerseits. Anders kann ich mir aber nicht erklären, warum es solche Opernhäuser nicht gibt. Die Produktionen wären ja deutlich günstiger als Neuinszenierungen. Ich vermute halt, dass sich da nur handwerklich begabte Musiker und Sänger melden würden. Falls dem nicht so ist: Einfach machen!


Thomas

Accuphan

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102

Dienstag, 6. März 2018, 08:17

Rezension aus der FAZ

http://plus.faz.net/feuilleton/2018-03-0…f420f13?GEPC=s9
DIENSTAG, 06.03.2018
F.A.Z. - FEUILLETON

Dein schöner Leib, Jochanaan!
Krach an der Berliner Staatsoper: Christoph von Dohnányi schmeißt das Dirigat der „Salome“Premiere hin. Thomas Guggeis erlebt dadurch seinen Durchbruch.

Volltext wegen eventueller Copyrightverstöße entfernt. Über den obigen Link ist der Text lesbar.

Norbert als Moderator
"mit Bravour"

La Roche

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103

Dienstag, 6. März 2018, 10:29

ebenso wenig beleidigend ist deine unschöne und ganz unzutreffende Metapher vom „Revolver ziehen“; selbst wenn sie mir überhaupt nicht gefällt , weil ich friedliebend und freundlich wie eine Taube.
gut, nehme ich das mit dem Revolver zurück. Du hast sowieso nicht getroffen, der Schuß ging in die Wolken. John Wayne ist einfach besser.

Sobald du aber was von „zugunsten langweiliger und entstellender Neudeutungen Beurteilung“ schreibst, verlässt du deine individuelle Geschmack-Sphäre und dein Feedback erhebt Anspruch auf allgemeine Gültigkeit von einer Aufführung, die du selbst nicht kennst, was absurd rüberkommt.
Da kommt aber zaghafter Einspruch von mir. Etliche der hier zitierten Kritiker scheinen in der Beurteilung dieser Inszenierung meiner Meinung doch nahe zu sein, und sich darauf zu beziehen kann doch nicht absurd sein?


Übrigens fällt mir noch ein, daß Picasso Taubenliebhaber war. Seine weiße Taube (und auch der Amfortas ) sind ebenfalls friedliebender Art, so wie Du. Wir sind uns sehr ähnlich, aber Papier ist ja geduldig!

Herzlichst La Roche
Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


La Roche

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104

Dienstag, 6. März 2018, 10:50

Was du hier bzgl. des Musiktheaters schreibst, geht einfach gar nicht. Das ist schlichtweg Missbrauch von Kunst. Woanders habe ich in diesem Zusammenhang mal das Wort "Kunstschändung" benutzt
Völlig Deiner Meinung. Das ist Mißbrauch von Kunst!!!!:

Matt-metallisch schimmert auch die Dildo-Rakete, das schlimme Streitobjekt, mit Prophet als Besatzung, die zunächst über der Bühne schwebt, später heruntergelassen wird und aufrecht prangend zu stehen kommt.
m Ende kommt deshalb gleich eine ganze Palette von abgeschlagenen Köpfen auf die Bühne gefahren, aus Keramik sind sie. Ein eher plattes Bild, durch das diese Aufführung auch dramaturgisch schwach endet. Denn warum muss wegen dieser billigen Keramikköpfe Salome noch als blutrünstiges Weib getötet werden?
Wilde – silberne Hodensäcke hängen ihm aus der Hose – betritt zur großen Auftrittsmusik des Jochanaan die Bühne und bleibt dem Geschehen von da an als stumme Figur, eine Art Regisseur, erhalten.
Wir sind einer Meinung!!!!

Aber eines ist sicher: Musiktheater ist nicht dazu da, "wunderbare Musik mit guten Sängern, Orchestern und in passenden Bühnenbildern zu erleben". Das ist häufig ein angenehmer Nebeneffekt. Der ist sogar anzustreben, falls die Musik wirklich "wunderbar" ist. Aber der Kern des Musiktheaters besteht darin, auf der Bühne ein neues(!), singuläres(!) Werk zu schaffen. Das ist Theater.
Hier sind wir teilweise konform. Ein neues Werk für die Bühne zu erschaffen, das ist Sinn und Zweck des Theaters. Diese Aufgabe haben u.a. Shakespeare, Goethe und Schiller, Wagner, Verdi/Piave, Strauss/Hofmannsthal übernommen. Sie sind die produzierenden Künstler. Sie haben das Kunstwerk geschaffen. Es mit Leben zu erfüllen, auf die Bühne zu bringen, das ist die Pflicht der reproduzierenden Künstler, der Regisseure, Bühnenbildner, Orchester, Chöre, Solisten und Dirigenten. Niemals schafft ein Regisseur ein neues Werk, er kann nur ein bestehendes Werk interpretieren. Wenn er dabei beachtet, was der Autor vorgibt, dann erfüllt sich der bei Dir so genannte "Nebeneffekt", nämlich "wunderbare Musik mit guten Sängern, Orchestern und in passenden Bühnenbildern" zu reproduzieren. Für mich ist das kein Nebeneffekt, für mich ist das Sinn und Zweck einer Theateraufführung. Dein Beitrag 101 ist daher völlig irrational. Nicht Mme. Cortese hat Dich falsch verstanden, Du verstehst nicht oder willst nicht verstehen, daß es auch andere Ansichten gibt als Deine.

Herzlichst La Roche
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Melomane

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105

Dienstag, 6. März 2018, 11:02

Etliche der hier zitierten Kritiker scheinen in der Beurteilung dieser Inszenierung meiner Meinung doch nahe zu sein, und sich darauf zu beziehen kann doch nicht absurd sein?


Absurd ist einzig und allein die Tatsache, dass du ernsthaft der Meinung zu sein scheinst, eine Inszenierung beurteilen zu können, die du nicht gesehen hast. Du hast Bilder gesehen und weißt wahrscheinlich auch in etwa, wie Hans Neuenfels so inszeniert. Da dir die Bilder und die paar durchgesickerten Details und die Art, wie Hans Neuenfels normalerweise inszeniert nicht gefallen, hast du dir die Meinung gebildet, dass du diese Inszenierung nicht sehen möchtest. So weit, so gut, so nachvollziehbar.
Mit den Kritikern verhält es sich etwas anders: Sie haben die Inszenierung gesehen und beurteilen die Inszenierung, weil sie sie kennen und weil sie die in ihr stattfindenden, oder auch nicht stattfindenen theatralen Aktionen auf ihre Wirkung und ihre Konsequenz überprüfen können. Sie haben eine Meinung zur Aufführung und äußern diese, du hingegen kennst die Aufführung nicht.
Du kannst natürlich die negativen Bewertungen einiger Kritiker als Bestätigung deiner Entscheidung sehen, dir das ganze nicht ansehen zu wollen, aber du bist leider nicht auf dem gleichen Level wie die Kritiker, um eine Meinung zu dieser Inszenierung haben zu können. Der Grund? Sie kennen die Inszenierung und du nicht.

La Roche

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106

Dienstag, 6. März 2018, 12:56

Für wen, sehr geehrter Melomane, schreiben denn die Kritiker ihre Kritiken? Zur Selbstbefriedigung? Nein, sie teilen ihre Auffassung über positive oder negative Umsetzungen eines Werkes der Allgemeinheit mit. Damit kann sich jeder, der das liest, ein Bild machen, von dem, was er nicht gesehen hat. Unterstützt durch die neuen Medien kann daraus schon abgeleitet werden, ob ich das Angebotene mit Gewinn selbst sehen möchte oder nicht. Ein Kritiker hat immer Einfluß auf seine Leser hinsichtlich der Beurteilung des rezensierten Werkes. Das war schon bei Hanslick so und ist auch heute noch nicht anders.

Ich bin schon froh und glücklich darüber, daß eine Anzahl Kritiker diese Salome nicht als Nonplusultra einer neuen Sichtweise anpreisen, den Dildo salonfähig machen und die ganze Inszenierung zur Pflichtvorführung erklären. Mein Gott, wenn silberne Hodensäcke jetzt Mode würden!! Ich wüßte nicht, was ich täte!!!

Herzlichst La Roche
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Joseph II.

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107

Dienstag, 6. März 2018, 13:06

Wilde – silberne Hodensäcke hängen ihm aus der Hose – betritt zur großen Auftrittsmusik des Jochanaan die Bühne und bleibt dem Geschehen von da an als stumme Figur, eine Art Regisseur, erhalten.

Was für ein plakativer Unfug, ausgerechnet den kultivierten Dandy und Hauptvertreter des Ästhetizismus Oscar Wilde derart grobschlächtig als hypersexuellen Primitivling darzustellen. :no:
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Gerhard Wischniewski

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108

Dienstag, 6. März 2018, 15:04

Stellt euch vor, es gibt Theater und niemand geht hin. Theater ist also kein Selbstzweck, sondern auch und in erster Linie für Zuschauer gedacht.
Ich gebe thdeck vollkommen Recht. Theater ist dazu da, neue, singuläre Werke zu schaffen, aber das heißt doch nicht, dass ich ein neues Werk schaffe, indem ich ein vorhandenes Werk willkürlich (oft sogar bis zur Unkenntlichkeit) verunstalte oder in der Oper die Musik und den nicht passenden Text eines anderen für eine eigene, erfundene Handlung missbrauche. Also tut das, was ich hier schon mehrmals gesagt habe und MmeCortese jetzt auch wieder betont hat: Schafft ein vollkommen neues Werk, bei der Oper auch mit neuem, dazu passenden Text und ohne Missbrauch fremder Musik.
Aber was nützt es einem Autor, wenn er ein neues Werk schafft und der Regisseur daraus eine ganz andere Handlung macht? Auch das wäre offensichtliche Kunstschändung. Wird sich das wohl ein neuer Autor gefallen lassen?
Ich finde übrigens auch thdecks Vergleich mit dem Kochen gut, aber in anderem Sinne. An einem einfachen Beispiel erläutert:
Wenn ich eine Erbsensuppe bestelle und mir wird statt dessen eine Bohnen-oder Linsensuppe geliefert oder ich bestelle ein Schnitzel, erhalte statt dessen gebratene Leber, dann nehme ich das auch nicht an. Oder wenn ich eine Erbsensuppe bestelle und erhalte eine Gulaschsuppe, in der drei einsame Erbsen schwimmen, die man mir dann auch noch als Ersensuppe aufschwatzen will.
Der Koch kann ein Gericht mit Gewürzen verfeinern, aber jedes Gericht, das einen Namen hat, hat eine Grundlage, die auch der Koch erhalten muss, wenn es noch das Gericht mit diesem Namen sein soll. Ich habe viele Opern in verschiedenen Inszenierungen gesehen. Keine war ein Abklatsch einer anderen (wie manche hier meinen, dass wir Liebhaber der echten Werke immer wieder nur einen Abklatsch verlangten), aber jede hatte die Grundlage gewahrt, die im Libretto vorgesehene Handlung. Wo also z.B. „Rigoletto“ drauf steht, da kann und muss ich erwarten, dass auch "Rigoletto" drin ist (und nicht ein paar Affen, ein Zirkus oder ein Irrenhaus)
Schließlich kann der Koch auch das Rezept durch zu viel Salz, Pfeffer oder Ähnliches penetrant überwürzen, so dass das Gericht ebenfalls ungenießbar wird.
Alles Gesagte lässt sich an zwei Beispielen verdeutlichen, die wir an diesem Wochenende im Fernsehen gesehen und auch besprochen haben.
Der „Figaro“ aus der Scala hat zwar das Grundrezept weitgehend erhalten, aber dieses war durch viele nicht vorgesehene und daher überflüssige Gewürze (siehe Besprechung unter „Opernaufführungen durch Übertragungen....) total verwässert und daher auch wenig genießbar gemacht und weil der Regisseur mit 4 Akten wohl überfordert war, griff er zum Abschluss wieder auf das einfache, aber anscheinend sehr beliebte Muster zurück: leere Bühne mit vielen - ebenfalls leeren und leer bleibenden - Stühlen, so dass die Suppe völlig fade wurde.
Der „Oberon“ enthielt nur noch winzige Spuren des eigentlichen Werks, er war also wie der als Erbsensuppe deklarierte Gulasch, in dem sich zwei oder drei Erbsen verirrt hatten. Alles andere hatte mit Oberon absolut nichts mehr zu tun.
Es ist doch wohl keine überzogene Forderung, dass ich als Gast (Zuschauer) erwarten kann, dass das Gericht, das auf dem Angebot steht, auch gekocht wird. Und es ist auch nicht zu erwarten, dass ich wieder in eine Gaststätte gehe, wenn mir (absichtlich) etwas anderes vorgesetzt wird als das, was ich laut Speisekarte zu erwarten habe.


Liebe Grüße
Gerhard
Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

Melomane

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Registrierungsdatum: 8. November 2017

109

Dienstag, 6. März 2018, 15:12

Stellt euch vor, es gibt Theater und niemand geht hin.


Ich weiß nicht ganz, was dieser Satz in diesem thread zu suchen hat, zumindest auf die "Salome"-Produktion an der Staatsoper Berlin trifft er nicht zu. Für alle weiteren Vorstellungen der Serie gibt es nur noch wenige Hörplätze, wie man hier sehen kann:

https://www.staatsoper-berlin.de/de/vera…e.96/#event-498

Amfortas08

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110

Dienstag, 6. März 2018, 16:37

Für wen, sehr geehrter Melomane, schreiben denn die Kritiker ihre Kritiken? Zur Selbstbefriedigung? Nein, sie teilen ihre Auffassung über positive oder negative Umsetzungen eines Werkes der Allgemeinheit mit.
Nicht allein das. Manche Kritiken verweisen dabei auf musikalische und szenische Zusammenhänge. Am fruchtbarsten sind Kritiken, die z.B. auf Details musikalischer und szenischer Art aufmerksam machen, die einen nach dem Besuch der Vorstellung nicht vergleichsweise deutlich waren.
Damit kann sich jeder, der das liest, ein Bild machen, von dem, was er nicht gesehen hat.
Keinesfalls kann das Erlebte mit 10 – 40 Zeilen darüber identisch sein.
Unterstützt durch die neuen Medien kann daraus schon abgeleitet werden, ob ich das Angebotene mit Gewinn selbst sehen möchte oder nicht.
Ja. Ob und mit welchem Gewinn wäre eine andere Frage..
Ein Kritiker hat immer Einfluß auf seine Leser hinsichtlich der Beurteilung des rezensierten Werkes. Das war schon bei Hanslick so und ist auch heute noch nicht anders.
Dass Kritiken Einfluss auf den Leser besitzen, ist nicht mit der falschen Behauptung gleichzusetzen, dass die Lektüre einer Kritik, eigene Erfahrung und daraus resultierende Beurteilung einer Aufführung ersetzt.
Theater ist dazu da, neue, singuläre Werke zu schaffen, aber das heißt doch nicht, dass ich ein neues Werk schaffe, indem ich ein vorhandenes Werk willkürlich (oft sogar bis zur Unkenntlichkeit) verunstalte oder in der Oper die Musik und den nicht passenden Text eines anderen für eine eigene, erfundene Handlung missbrauche. Also tut das, was ich hier schon mehrmals gesagt habe und MmeCortese jetzt auch wieder betont hat: Schafft ein vollkommen neues Werk, bei der Oper auch mit neuem, dazu passenden Text und ohne Missbrauch fremder Musik.
Wenn du dem Theater zubilligst, neue singuläre Werke zu schaffen, dann bist du sicherlich in der Lage zu erläutern, wie dieses Unterfangen ohne Willkür ablaufen soll. Sehr gespannt auf deine Antwort.
Aber was nützt es einem Autor, wenn er ein neues Werk schafft und der Regisseur daraus eine ganz andere Handlung macht?
Wird generell eine Oper aufgeführt, weil es dem Autor/Komponisten nützt oder geht es vielleicht um die Qualität eines Werkes ?
Na ja. Zu mindestens nützen ihm Tantiemen
Auch das wäre offensichtliche Kunstschändung.
Wieso wäre das Kulturschändung ? Sehr gespannt auf deine Antwort
Wird sich das wohl ein neuer Autor gefallen lassen?
Zu deinem großem Bedauern beklagte sich Aribert Reimann m.E. nicht über die „Verunstaltung“ seines Lears vom 15.01.12 durch "Opernzerstörerin" Karoline Gruber.


Ich weiß nicht ganz, was dieser Satz in diesem thread zu suchen hat, zumindest auf die "Salome"-Produktion an der Staatsoper Berlin trifft er nicht zu. Für alle weiteren Vorstellungen der Serie gibt es nur noch wenige Hörplätze, wie man hier sehen kann:
Zum Leidwesen von RT-Phoben sei auch auf den Don Giovanni in der KOB (= "Infektionsherd" - so Marie Louise Gilles - der Kulturschänder) hingewiesen. Der war bedauerlicherweise am 02.03.18 bis auf ganz wenige Plätze völlig ausverkauft.
https://www.komische-oper-berlin.de/prog…z/don-giovanni/
https://www.youtube.com/watch?v=CQhAudjZS7k

Mme. Cortese

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Dienstag, 6. März 2018, 16:43

Zu deinem großem Bedauern beklagte sich m.E. Aribert Reimann nicht über die „Verunstaltung“ seines Lears vom 15.01.12 durch Opernzerstörerin Karoline Gruber.


Nun, wenn Reimann damit einverstanden war, ist es ja o.k. Was aber ist mit Komponisten, die sich nicht mehr wehren können, da schon lange tot?
Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

Amfortas08

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Dienstag, 6. März 2018, 16:45

Nun, wenn Reimann damit einverstanden war, ist es ja o.k. Was aber mit Komponisten, die sich nicht mehr wehren können, da schon lange tot?
dann wäre eine besonders lange Reise erforderlich, um diese Komponisten zu fragen..

Mme. Cortese

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Dienstag, 6. März 2018, 17:51

Und weil man sie nicht mehr fragen kann und sie sich nicht wehren können, darf man also mit ihren Werken machen, was man will?
Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

Sixtus

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Dienstag, 6. März 2018, 18:05

Zwischenruf

Auch bei diesem Thread vollzieht sich das immergleiche Ritual der Pro- und Kontrafraktionen in Bezug auf RT.
Ich finde, es hat sich allmählich erschöpft. Es kann doch nicht sein, dass keiner der Beteiligten merkt, wie unfruchtbar und sinnlos solche Pseudodebatten sind. Eine Einigung ist unmöglich, weil die gegensätzlichen Standpunkte von verschiedenen Grundannahmen ausgehen, die unvereinbar sind, weil sie auf unvereinbaren Definitionen von Oper beruhen.
Dass dieses Gezänk trotzdem immer wieder aufkommt, kann ich mir nur so erklären, dass neuere Forumsteilnehmer noch nicht so viel davon aushalten mussten und meinen, sie könnten die "Schlacht" in ihrem Sinne entscheiden.
Es würde zu weit führen, wenn ich hier meine Haltung dazu näher erläutern würde. Deshalb werde ich mich darüber in meinem Thread "Frag nach bei Sixtus!", hier im Opernforum, auslassen. Wer mag, kann sich dort, unabhängig von einer konkreten Inszenierung, an der Diskussion beteiligen. Aber lasst mich erst mal meine Position in aller Ruhe darlegen. Wenn das geschehen ist, gebe ich Laut. Bis dahin
herzliche Grüße von Sixtus

Rheingold1876

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Dienstag, 6. März 2018, 18:56

Was aber ist mit Komponisten, die sich nicht mehr wehren können, da schon lange tot?


Liebe Mme. Cortese, im Falle von Strauss wäre es nach meinem Wissenstand durchaus möglich, dass die Erben einschreiteten. Bei Brecht war es so, dass die Familie strikt ablehnt, was nicht in ihrem und nach dieser Auslegung in des Autors Sinne war. Irgedwann trennt sich das Werk aber auch von seinen Schöpfern und beginnt, ein Eigenleben zu führen. Ich selbst sehe das sehr gelassen. Schließlich gibt es immer auch Alternativen. Nichts ist alternativlos. :no: Mir ist kein Fall bekannt, dass Regisseure damit begännen, die originalen Partituren zu "verunstalten".
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Amfortas08

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116

Dienstag, 6. März 2018, 19:01

Und weil man sie nicht mehr fragen kann und sie sich nicht wehren können, darf man also mit ihren Werken machen, was man will?
Art. 5 GG

Alle reingezogenen RT-Inszenierungen (gelungene, misslungene und irgendwo dazwischen) dockten an den Opern an… der scheinbar bloßen Willkür setzt die Gegebenheit des Werks Grenzen.

Der Rekurs auf Komponistenwillen ist wenig bis überhaupt nicht fruchtbar, weil z.B. m.E. es schon kaum bestimmbar ist, ob das fabrizierte Werk überhaupt den eigenen Intentionen, die im Komponisten sich entwickelten und beim Komponieren, Schreiben sich ebenso gut ändern können, gerecht wurde.

z.B. vielleicht ist Fidelio, der bereits umgearbeitetes Resultat bildet, für Beethoven selbst auch gleichzeitig eher unvollkommener Abglanz seiner Absichten, die eigentlich sein eigenes von ihm vollendete Werk übersteigen/überstiegen.
.. z.B. deckt sich der Sachs-Monolog am Ende der Meistersinger musikalisch, textlich und dramaturgisch tatsächlich mit den eigenen Intentionen Wagners oder fungiert genauso gut bloß als notgedrungener Abschluss seiner Oper ?

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117

Dienstag, 6. März 2018, 19:05

, im Falle von Strauss wäre es nach meinem Wissenstand durchaus möglich, dass die Erben einschreiteten. Bei Brecht war es so, dass die Familie strikt ablehnt, was nicht in ihrem und in des Autors Sinne war
dann stellt sich weiterhin die Frage, warum ausgerechnet die Erben in der Lage wären, einen imaginären Willen des Komponisten/Autors bzw. den Gehalt seines Stücks angemessener zu bestimmen..

timmiju

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Mittwoch, 7. März 2018, 11:29

Mal von den üblichen, und ehrlich gesagt gelinde enervierenden Diskussionen zu den ach so entstellenden Inszenierungen abgesehen, steht hinter dem "Hinschmeißen" von Dohnanyi vielleicht doch etwas anderes. Laut "Tagesspiegel" (s. hier) geht es wohl darum, dass es kein Vertrauen mehr in den einspringenden Dirigenten gab; es sich mithin um ein "Hingeschmissen-werden" handelte.
Ich habe die Kritik auch gelesen. Der Autor schreibt in der Soll-Form. Es kann so sein, es kann aber auch nicht so sein. Dohnanyi ist 88, verfügt über einen riesigen Erfahrungsschatz und soll nicht in der Lage sein, mit einem guten Orchester eine Oper einzustudieren? Dann war es das wohl und der Ruhestand wäre ihm vergönnt. Dorthin verschlägt es auf jeden Fall seinen Kontrahenten, Hans Neuenfels, dessen "Salome" seine letzte Berliner Inszenierung sein soll und der sich mit "Pique Dame" im Sommer in Salzburg als Regisseur verabschieden will. Das stand auch im Tagesspiegel. Das ist wenigstens eine gute Nachricht. Alles in allem, seine "Salome" ist sicher eigenwillig und muss nicht gefallen, aber es gab schon Schlimmeres von ihm. Und dem 24jährigen Non-Name-Einspringer Guggeis, der es offenbar gut gemacht hat, wünsche ich eine schöne Dirigentenkarriere.
:hello:
Wenn schon nicht HIP, dann wenigstens TOP

Stimmenliebhaber

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Mittwoch, 7. März 2018, 13:24

Das ist wenigstens eine gute Nachricht.
:thumbsup:
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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Joseph II.

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120

Mittwoch, 7. März 2018, 13:34

Dohnanyi ist 88, verfügt über einen riesigen Erfahrungsschatz und soll nicht in der Lage sein, mit einem guten Orchester eine Oper einzustudieren? Dann war es das wohl und der Ruhestand wäre ihm vergönnt.

Ich kenne einige Mitschnitte Dohnányis aus jüngster Zeit, da tut sich eigentlich eher der Eindruck auf: Wow, er hat es immer noch drauf! ;)
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid