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Damiro

Schüler

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  • »Damiro« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 189

Registrierungsdatum: 13. Dezember 2017

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Donnerstag, 29. März 2018, 15:40

Bartok, Bela: Divertimento für Streicher Sz 113

Das Div. wurde im Sommer 1939 im Sommerhaus des damaligen Leiters des Baseler Kammerorchesters, Paul Sacher, komponiert, im hochgebirglichen Saanen im westlichen Berner Oberland. B. hat es zumindest in seinen wesentlichen Teilen in ca. zwei Wochen skizziert und teilweise niedergeschrieben. Dort sind auch wesentliche Teile des 6. Streichquartetts entstanden. In zeitlichem Zusammenhang mit diesen Kompositionen lag die Entstehung weiterer Werke für das Baseler Orchester. 1940 emigrierte B. schliesslich in die USA, wo vor seinem relativ frühen Tod an grossen Werken noch das Konzert für Orchester (1943) und das Bratschenkonzert (1945) entstanden sind.

Von Bartok gibt es mehrere Dutzend Violinduos, welche ausdrücklich für Violinschüler gemacht worden sind, sowie ein ganzer Strauss weiterer Kammermusik.

Die Besetzung sind:

mind. 6 erste Geigen
mind. 6 zweite G.,
4 Celli
2 Kontrabässe

Die Spieldauer sind 26 Min., die Satzdauer und die Satzbezeichnungen ergeben sich aus dem Cover Link:




Der erste Satz beginnt mit einem eingängigen Thema, in dem die Geigen vom gefühlten Grundton herab und halb wieder hin und zurück hüpfen. Einen kurzen Moment scheint hier Jazz oder Blues angesagt, doch gleich ist der Eindruck wieder weg und das Thema verliert sich allmählich irgendwo zwischen den Instrumenten. Im ersten Satz sind die musikalischen Linien rhythmusdominiert, kommen aber immer wieder zur Ruhe. Bartok schreibt zur Struktur des Div.:
"I. Satz (...) Sonatenform, II. (...) A B A, III. (hier stehen drei Tempobezeichnungen) rondoartig"
In ihrem Gesamteindruck sind erster und dritter Satz recht ähnlich, sie wirken ziemlich geschlossen und sind von ähnlicher Länge, unterscheiden sich dann - wie zu erwarten - im Melodiös- Harmonischen sowie auch in den Rhythmen. In manchen Texten steht, dass dieses Werk der neoklassizistischen (späten) Periode in Bartoks Schaffensphasen zugerechnet wird. Und wir hören wiederum keinerlei folkloristische Motive oder Zitate, sondern eben durch Bartoks geistig- emotionales Filtersystem gelaufenes und dabei neu synthetisiertes und meist ziemlich streng geordnetes, musikalisches Material.

Der Höreindruck in meinem Wohnzimmer war besonders bei den lauteren Stellen unglaublich satt und rund und von reichhaltigem Nachhall, welcher natürlich kurz ist. Es war nichts verschwommen, alles wunderschön transparent (aufg. 1988/ 89). Das habe ich auf meiner früheren Anlage überhaupt nicht gehört !

Zum Schluss noch eine Bemerkung zum zweiten, langsamen Satz, dessen ruhige, teils sehr leise Stellen von den Ecksätzen eingerahmt werden. Hier treten die Gruppenführer des Orchesters mit ihren jeweiligen Instrumenten solistisch auf. Um mir einen Vergleich zu denken, kam mir ein langsamer Prozess aus der Medizin oder Biologie in den Sinn, kein Klagen und keine Traurigkeit, noch nicht einmal eine elegische Beeinflussung. Deshalb verwende ich auch nicht den Begriff Trauermarsch als Bezeichnung für den B- Teil des zweiten Satzes. Auch hier werden gerne Kriegs- und Untergangsahnungen unterlegt. Ich habe keinen Text gesehen, wo Bartok von der bevorstehenden Emigration spricht.

(Je älter ich werde, desto lieber höre ich leise und leiseste Musik. Hoffentlich höre ich noch lange nicht zu schlecht. :rolleyes: )

MlG
D.