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William B.A.

Erleuchteter

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  • »William B.A.« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 15 872

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

1

Donnerstag, 3. Mai 2018, 18:18

Berühmte Stimmen - Große Oper - analysiert und kommentiert -

Liebe Taminos,

ich bin von Operus gebeten worden, den folgenden Thread in seinem Namen zu eröffnen. Ich hoffe, dass das so geht und werde aus Gründen der Urheberschaft Operus' ganzen Text in ein Zitat setzen:

Zitat

Operus:
Berühmte Stimmen -Große Oper - analysiert und kommentiert -
Angeregt durch die erreichte Übereinstimmung unserer beiden im Forum nahezu unentbehrlichen Stimmexperten, Caruso und Stimmenliebhaber, kam mir die Idee, folgenden Thread zu starten: Eingestellt werden sollen Aufnahmen berühmter Sängerinnen und Sänger mit ihren maßstabsetzenden Aufnahmen. Der Autor soll dann bitte begründen, warum er die Stimme des Sängers und die Interpretation der von ihm gewählten Arie hervorragend beurteilt. Die Aufnahme soll dann eingestellt werden, damit sie von allen gehört werden kann. Danach sind alle Taminos aufgerufen, ihrerseits die Stimme der Sängerin oder des Sängers aus ihrer Sicht zu beurteilen und zu kommentieren. Es soll zunächst nur eine Aufnahme von jedem Künstler eingestellt werden. Im weiteren Verlauf der Diskussion können weitere Aufnahmen eines Opernlieblings eingestellt werden. Um keine Erwartungen zu enttäuschen, fange ich selbstverständlich an mit:
Gottlob Frick in der Kavatine des Kardinal Brogni "Wenn ew'ger Hass" aus der "Jüdin" von Halévy:

In diesem eher selten gehörten Stück kann Gottlob Frick seine ganzen stimmlichen Stärken glanzvoll demonstrieren: Fricks Stimme strömt mit profunder Schwärze, mühelos durchschreitet er in dieser Aufnahme weitgehend den Umfang des Bassfaches, von den voll ausgesungenen Tiefen bis hinauf zu den Höhen der Baritonlage. Bewundernswert ist die Balance von plastischer Diktion und eleganter Kantilene. In der gewählten Kavatine aus der "Jüdin" präsentiert Frick seine machtvolle Stimme wie ein fein gestimmtes, tieftönendes Cello, gespielt mit perfektem Legato. Gefühl wird hier nicht allein durch die Worte übermittelt, sondern weit mehr durch die natürliche Ausdrucksfülle innerhalb des gesungenen Tons. Und dieser Ton hat die Eigenheit eines sehr leichten, aber wahrnehmbaren Vibratos, das für Fricks Singen typisch ist. Im Zusammenwirken mit der Stimmfarbe, dem Timbre, der Wäme, in Kombination mit balsamischer Schönheit und fließendem Melos des Gesangs ergibt sich die Unverwechselbarkeit des Gesangs von Gottlob Frick. Die anspruchsvolle Kavatine "Wenn e'wger Hass" -eine Herausforderung für jeden Bassisten - erfordert jedoch mehr als Stimmschönheit und perfekte Gesangstechnik. Dem Sänger muss es gelingen, ohne Theatralik erschütternde Ausdruckskraft zu vermitteln. Frick gelingt es, weil Herz, Seele und Gemüt in seiner Stimme mitschwingen. Das Herz und die Seele sind es, die Gottlob Frick befähigen, neben der großen Opernszene auch das einfache Volkslied vollendet zu gestalten.

Herzlichst

Operus



Ich werde später noch einmal in diesen Thread zurückkehren, denn jetzt muss ich mich vorbreiten für unsere 1. Hauptrpobe zu unserem Konzert auf dem Deutschen Katholikentag an Christi Himmelfahrt in Münster.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

  • »operus« ist männlich

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2

Donnerstag, 3. Mai 2018, 18:54

Lieber Caruso,

...


Das brachte mich auf die Idee als Pendant dazu, einen Thread zu versuchen: Berühmte Stimmen -Große Oper. Dort sollen große Sänger mit den Lieblingsaufnahmen der Taminos vorgestellt werden und die Wahl muss begründet werden. Weitere Taminos können dann ebenfalls kommentieren. Vielleicht bekommen wir einen zweiten Bereich hin, der sich qualifiziert mit Sängern und Stimmen auseinandersetzt. Selbstverständlich hoffe ich, dass Stimmenliebhaber und Du dort ebenfalls bald wieder die Meinungsführershaft übernehmen. :hello: :hello: :hello:
Herzlichst
Operus


Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

  • »operus« ist männlich

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Registrierungsdatum: 14. Mai 2008

3

Donnerstag, 3. Mai 2018, 19:04

ich bin von Operus gebeten worden, den folgenden Thread in seinem Namen zu eröffnen. Ich hoffe, dass das so geht und werde aus Gründen der Urheberschaft Operus' ganzen Text in ein Zitat setzen:
Lieber Willi,
neben Deiner äußerst umfangreichen Arbeit, die Du schon für uns und das Forum leistet, hast Du umgehend zusätzlich einem Internet-Alphabeten, der keine Tonbeispiele eintellen kann, geholfen, in dem Du Text und Tonaufnahme für mich eingestellt hast. Das ist kollegiale Unterstützung der Extaraklasse und das Tamino-Format, das wir uns wünschen und das irgenwann
Standard wird, wenn es mehr Wiilis unter uns gibt.
Herzlichst
Dein Hans
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Caruso41

Prägender Forenuser

  • »Caruso41« ist männlich

Beiträge: 3 927

Registrierungsdatum: 19. November 2010

4

Donnerstag, 3. Mai 2018, 19:30

Lieber Operus!

...

Das brachte mich auf die Idee als Pendant dazu, einen Thread zu versuchen: Berühmte Stimmen -Große Oper. Dort sollen große Sänger mit den Lieblingsaufnahmen der Taminos vorgestellt werden und die Wahl muss begründet werden.


Sicher werde ich mich daran von Zeit zu Zeit auch beteiligen. Das Problem aber mag die Zeit sein - gerade jetzt im Sommer!

Auch habe ich ehrlich gesagt, nicht so sehr viel Motivation, über die großen Sänger und ihre bedeutenden Aufnahmen wieder und wieder zu schreiben. Ist nicht zu Fricks Arie des Kardinal Brogni schon alles geschrieben und gesagt? Oder zu Welitsch mit Salomes Schlußgesang. Oder zu Wunderlich mit der Bildnisarie? Oder zu Flagstadts Isolde und Melchiors Siegmund? ......
Es kommt noch etwas hinzu: wenn die Aufnahmen als "Lieblingsaufnahmen" vorgestellt werden, habe ich einfach Hemmungen, kritische Einwände zu machen. Ich bleibe bei Deinem Beispiel: Alles von dem, was Du über Fricks Interpretation schreibst, ist richtig und ich könnte auch zu jeder Bemerkung voll zustimmen. Aber wenn ich mir klar mache, dass dies eine Arie in einer französischen Oper ist und noch dazu in einer Grand Opera, dann gäbe es Einwände, die für mich ziemlich schwer wiegen, und andere Sänger, die ich entschieden bevorzugen würde. Das sage ich jetzt vor dem Thread! In dem Thread würde ich es vermutlich nicht schreiben.

Deshalb lass uns mal überlegen, wie wir den Thread so ausschreiben könnten, dass Dein Anliegen gewahrt und meinen Bedenken Rechnung getragen wird.

So, jetzt ist aber erst mal Schluß für heute. Ich will noch eine abendliche Radtour machen!

Liebe Grüße

Caruso41
;) - ;) - ;)

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

  • »operus« ist männlich

Beiträge: 5 159

Registrierungsdatum: 14. Mai 2008

5

Donnerstag, 3. Mai 2018, 20:39

Alles von dem, was Du über Fricks Interpretation schreibst, ist richtig und ich könnte auch zu jeder Bemerkung voll zustimmen. Aber wenn ich mir klar mache, dass dies eine Arie in einer französischen Oper ist und noch dazu in einer Grand Opera, dann gäbe es Einwände, die für mich ziemlich schwer wiegen, und andere Sänger, die ich entschieden bevorzugen würde. Das sage ich jetzt vor dem Thread! In dem Thread würde ich es vermutlich nicht schreiben.

Deshalb lass uns mal überlegen, wie wir den Thread so ausschreiben könnten, dass Dein Anliegen gewahrt und meinen Bedenken Rechnung getragen wird.
0ein lieber Caruso,

bitte lege Dir keinerlei Beschränkung auf, in einem Thread "Wie berühmte Stimmen-Große Oper", der ja zu Vergleichen geradezu herausfordert, auch kritisch zu schreiben, das gehört doch einfach dazu. Selbstverständlich wirkt diese Kavantine in der Originalsprache noch authentischer. Es kann auch der Einwand gebracht werden, dass es eine "Rachearie" ist und sie von Frick zu väterlich gesungen wird. Das ist wie bei seinem Boris: Wo ein Boris Christoff oder Nicolai Ghiaurov dramatisch, pathetisch sterben, verlöscht Gottlob Frick im verklingendem Piano. Eine Auffassung, die von berufenen Fachleuten, wie z. B. von Karl Schumann als exemplarisch bezeichnet wird, Mark Reizen verfolgte einen ähnlichen Ansatz. Nur eines ist kaum zu diskutieren, dass diese Aufnahme eine vorbildliche Demostration perfekter Gesangskunst - von einem deutschen Bassisten - außerhalb seiner Muttersprache ist und die generellen Einwände, die von Fachleuten immer wieder gegen die deutschen "Raspelbässe" vorgebracht werden, weit gehend widerlegt. :jubel:

Alles was, diesen von mir gestarteten Thread populärer,wirkungsvoller, animierender machen kann ist hoch willkommen. Hauptsache es wird überhaupt über Sänger und Gesangskunst diskutiert und die jeweiligen Aussagen werden begründet. Also ich warte mit Neugier auf verbessernde Vorschläge!
Herzlichst
Operus
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Melomane

Schüler

  • »Melomane« ist männlich

Beiträge: 186

Registrierungsdatum: 8. November 2017

6

Donnerstag, 3. Mai 2018, 21:15

Selbstverständlich wirkt diese Kavantine in der Originalsprache noch authentischer. Es kann auch der Einwand gebracht werden, dass es eine "Rachearie" ist und sie von Frick zu väterlich gesungen wird.


Es handelt sich ganz und gar nicht um eine Rachearie, viel mehr wird in dieser Arie für Vergebung geworben. Es gelingt ja Brogni - wenn auch nur kurzzeitig - durch seine Intervention die Pogromstimmung im Volk gegnüber Eléazar und Rachel zu besänftigen.

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

  • »operus« ist männlich

Beiträge: 5 159

Registrierungsdatum: 14. Mai 2008

7

Donnerstag, 3. Mai 2018, 21:32

Es handelt sich ganz und gar nicht um eine Rachearie, viel mehr wird in dieser Arie für Vergebung geworben.
Lieber Melomane,
Genau deshalb setzte ich die Bezeichnung "Rachearie" zwischen Anführungszeichen. Dies hat die nicht ganz treffende Bezeichnung jedoch auch nicht geügend verdeutlicht. Dein Hinweis brachte Klarheit. Danke.

Herzlichst
Operus
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William B.A.

Erleuchteter

  • »William B.A.« ist männlich
  • »William B.A.« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 15 872

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

8

Donnerstag, 3. Mai 2018, 22:45

Ich bin vor einer Weile von der Hauptprobe zurückgekommen und habe erst mal zu Abend gegessen. Lieber Hans, ich bin mehr als überzeugt davon, dass du das Gleiche für mich getan hättest, wenn ich in deiner Situation wäre. Und wie liebevoll ich am Wochenende bei euch aufgenommen worden bin und umhegt und bestens versorgt worden bin, das ist auch längst nicht selbstverständlich. Und ich habe viele neue Eindrücke gewonnen, eine herrliche Landschaft und neue Menschen kennengelernt, zuvorderst Gerhard Oppitz, was sonst nicht der Fall gewesen wäre.
An dieser Stelle möchte ich nochmal Dank sagen, und ich weiß gar nicht, wie ich mich revanchieren kann.

Zu allerst bestelle bitte Ingrid meinen ausgesprochenen Dank und grüße sie herzlich von mir. Grüße soll ich auch (unbekannterweise) von meiner Frau ausrichten.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Caruso41

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  • »Caruso41« ist männlich

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Registrierungsdatum: 19. November 2010

9

Freitag, 4. Mai 2018, 10:22

Es handelt sich ganz und gar nicht um eine Rachearie, viel mehr wird in dieser Arie für Vergebung geworben. Es gelingt ja Brogni - wenn auch nur kurzzeitig - durch seine Intervention die Pogromstimmung im Volk gegnüber Eléazar und Rachel zu besänftigen.


Lieber Melomane, lieber Operus,

das sehe ich auch so, wenn ich auch nicht sagen würde, dass für Vergebung „geworben“ wird.

Trotzdem bin ich überzeugt, dass man die Arie auch anders singen kann als „väterlich“, gutmütig, honorig, balsamisch.

Wenn ich mir die einzelnen dramaturgischen Fäden der Handlung ansehe und mich mit den Charakteren des Éléazar und Brogni beschäftige, kann ich doch sagen, dass beide die traumatischen Ereignisse von Rom nicht verarbeitet haben. Sie bestimmen auf sehr unterschiedliche Art ihre Haltungen und ihr ganzes Leben. Das kann ich hier nicht im Detail entfalten, da ja eigentlich auch der Gegensatz von christlichem und jüdischem Glauben und die unterschiedlichen Schuldverständnisse für Interpretation der Oper zentral wären – ebenso wie natürlich die gesamte Emanzipationsgeschichte.

Aber soviel wird man doch sagen können:
Éléazar ist zerrissen zwischen der Liebe zu Rachel und dem ganz unversöhnlichen Verlangen nach Rache.
Brogni hat sich den „Mantel der Gerechtigkeit“ übergeworfen und ist in der Kirche zum Kardinal aufgestiegen. Er ist höchster Richter in Fragen des Dogma und damit Hüter der Wahrheitsansprüche. Und die verkündet er mit der Cavatine „Si la rigueur et la vengeance“.
Es ist erkennbar, wie stark diese Cavatine, die bemerkenswerterweise in ein Ensemble weiterer Stimmen eingebaut ist, in Form, Linienführung und Sinn der Sarastro-Arie aus Mozarts Zauberflöte nachgebaut ist. Brogni benutzt also eine geprägte und eingeführte Vorlage für seinen Appell! Dass er auch private Motive dafür hat, den einstmaligen Gegner vor einem Pogrom zu schützen, mag evident sein, in der Arie klingt es nicht an. Ich glaube nicht, dass die Moll-Eintrübungen im Mittelteil daraufhin gedeutet werden können.

Deshalb kann meiner Meinung nach dieses Stück doch durchaus als pastorale Verlautbarung gesungen werden, mit Empathie und humanem Impetus aber eben auch mit dem ganzen Wahrheitsanspruch des Amtes. So zumindest haben es die großen Bässe früherer Zeiten gesungen. Ich denke etwa an José Mardonés, Marcel Jounet, Edoard de Reszke aber auch Fjodor Schaljapin. Die Gemütlichkeit und väterliche Milde eines Frick ist ihnen ziemlich fremd. Wenn er so gesungen wird, kann man auch verstehen, dass Éléazars Hass- und Rachegefühle durch diesen Auftritt des Brogni nur verstärkt werden.

Es gäbe noch mehr zu Fricks Aufnahme der Cavatine zu sagen, aber das betrifft eher den unidiomatischen Gesangsstil. Der französische Gesangsstil hängt natürlich zentral mit der französischen Sprache zusammen und kann halt bei einer deutschen Übersetzung nicht adäquat realisiert werden! Also macht es keinen Sinn, darauf in aller Ausführlichkeit einzugehen!

Nochmal: ich kritisiere nicht die Aufnahme. Im Gegenteil: sie ist ausgezeichnet gesungen. Ich melde nur Zweifel an, ob diese Realisierung wirklich adäquat für dieses Stück ist.

Beste Grüße

Caruso41
;) - ;) - ;)

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

Stimmenliebhaber

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  • »Stimmenliebhaber« ist männlich

Beiträge: 7 701

Registrierungsdatum: 3. Dezember 2012

10

Freitag, 4. Mai 2018, 10:40

Warum wird die Diskussion um die Brogni-Arie von Gottlob Frick in dieser Rubrik geführt, obwohl eine andere zu diesem Zweck angelegt wurde?
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

  • »operus« ist männlich

Beiträge: 5 159

Registrierungsdatum: 14. Mai 2008

11

Freitag, 4. Mai 2018, 10:47

Es handelt sich ganz und gar nicht um eine Rachearie, viel mehr wird in dieser Arie für Vergebung geworben. Es gelingt ja Brogni - wenn auch nur kurzzeitig - durch seine Intervention die Pogromstimmung im Volk gegnüber Eléazar und Rachel zu besänftigen.


Lieber Melomane, lieber Operus,

das sehe ich auch so, wenn ich auch nicht sagen würde, dass für Vergebung „geworben“ wird.

Trotzdem bin ich überzeugt, dass man die Arie auch anders singen kann als „väterlich“, gutmütig, honorig, balsamisch.

Wenn ich mir die einzelnen dramaturgischen Fäden der Handlung ansehe und mich mit den Charakteren des Éléazar und Brogni beschäftige, kann ich doch sagen, dass beide die traumatischen Ereignisse von Rom nicht verarbeitet haben. Sie bestimmen auf sehr unterschiedliche Art ihre Haltungen und ihr ganzes Leben. Das kann ich hier nicht im Detail entfalten, da ja eigentlich auch der Gegensatz von christlichem und jüdischem Glauben und die unterschiedlichen Schuldverständnisse für Interpretation der Oper zentral wären – ebenso wie natürlich die gesamte Emanzipationsgeschichte.

Aber soviel wird man doch sagen können:
Éléazar ist zerrissen zwischen der Liebe zu Rachel und dem ganz unversöhnlichen Verlangen nach Rache.
Brogni hat sich den „Mantel der Gerechtigkeit“ übergeworfen und ist in der Kirche zum Kardinal aufgestiegen. Er ist höchster Richter in Fragen des Dogma und damit Hüter der Wahrheitsansprüche. Und die verkündet er mit der Cavatine „Si la rigueur et la vengeance“.
Es ist erkennbar, wie stark diese Cavatine, die bemerkenswerterweise in ein Ensemble weiterer Stimmen eingebaut ist, in Form, Linienführung und Sinn der Sarastro-Arie aus Mozarts Zauberflöte nachgebaut ist. Brogni benutzt also eine geprägte und eingeführte Vorlage für seinen Appell! Dass er auch private Motive dafür hat, den einstmaligen Gegner vor einem Pogrom zu schützen, mag evident sein, in der Arie klingt es nicht an. Ich glaube nicht, dass die Moll-Eintrübungen im Mittelteil daraufhin gedeutet werden können.

Deshalb kann meiner Meinung nach dieses Stück doch durchaus als pastorale Verlautbarung gesungen werden, mit Empathie und humanem Impetus aber eben auch mit dem ganzen Wahrheitsanspruch des Amtes. So zumindest haben es die großen Bässe früherer Zeiten gesungen. Ich denke etwa an José Mardonés, Marcel Jounet, Edoard de Reszke aber auch Fjodor Schaljapin. Die Gemütlichkeit und väterliche Milde eines Frick ist ihnen ziemlich fremd. Wenn er so gesungen wird, kann man auch verstehen, dass Éléazars Hass- und Rachegefühle durch diesen Auftritt des Brogni nur verstärkt werden.

Es gäbe noch mehr zu Fricks Aufnahme der Cavatine zu sagen, aber das betrifft eher den Gesangsstil. Der hängt natürlich zentral mit der französischen Sprache zusammen und kann halt bei einer deutschen Übersetzung nicht adäquat realisiert werden! Also macht es keinen Sinn, darauf in aller Ausführlichkeit einzugehen!

Nochmal: ich kritisiere nicht die Aufnahme. Im Gegenteil: sie ist ausgezeichnet gesungen. Ich melde nur Zweifel an, ob diese Realisierung wirklich adäquat für dieses Stück ist.

Beste Grüße

Caruso41
Lieber Caruso,

bei der Wahl der Arie wußte ich es, dass die Einstellung dieser Aufnahme ein Wagnis ist. Mit Fricks Hagen, Marke, König Heinrich, Landgraf, Sarastro, seinem Osmin, seinem Rocco, also dem deutschen Fach, wäre ich auf sichererem Gelände gewesen. Ich wollte jedoch bei Start des Threads genau das vermeiden, was Du angesprochen hast: Die obengenannten Partien zu wählen, denn da ist in der Tat fast alles gesagt und Gott sei Dank für uns und unser Wirken meist positiv. Bei der Kavantine des Brogni aus der "Jüdin" kenne ich kaum Besprechungen. Lediglich John Steane erwähnt in seinem Listing der 100 bedeutendsten Opernsänger in Opera Now, wie eindrucksvoll Frick diese Arie in einer für ihn fremden Sprache singt. Zudem ist es eine meiner Lieblingsaufnahmen von Frick.
Nun habe ich noch eine herzliche Bitte an Dich und alle Taminos: Ich bin ein ganz normales Mitglied im Tamino-Klassik- Forum und das möchte ich auch bleiben. Obwohl es sicherlich positiv gemeint ist. Ich will keine besonderen Titulierungen, wie Ehrenpräsident, Vizepräsident oder Aussenminister, weil solche Hervorhebungen nur differenzieren, polarisieren statt zu harmonisieren, was immer mein erklärtes Ziel ist. Ich habe allerdings immer den Ehrgeiz, dass Vereine, Gemeinschaften, Institutionen, in denen ich aktives Mitglied bin, Spitzenklasse sind. Beim Tamino-Klassik-Forum sah ich das Potential, dass dieses Forum auf Grund seiner Führung, seiner Mitglieder und der Qualität der Beiträge die unangefochten führende Position unter den Klassik-Diskussionsforen erreichen könnte. Als Marketing- und Vertriebsspezialist kurbelte ich nun Werbemaßnahmen an, die auch trotz hemmender Faktoren, Erfolg brachten, weil wir eine ganze Reihe neuer Mitglieder gewinnen konnten. Ich träume immer noch davon, das Ziel der Markt- und Meinungsführerschaft zu erreichen, obwohl es im Moment nicht danach aussieht. Tröstlich: Rom ist auch nicht an einem Tag gebaut worden - wahre Qualität, wie wir sie bieten - setzt sich auf Sicht meistens durch und es bleibt mir hoffentlich noch einige Zeit, mit Euch daran zu arbeiten, dass Tamino-Klassik-Forum a.t. den Rang erreicht, den es eigentlich längst haben müsste - die Hoffnung stirbt zuletzt.
Herzlichst
Operus
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operus

Ehrenpäsident und Außenminister

  • »operus« ist männlich

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12

Freitag, 4. Mai 2018, 11:39

Warum wird die Diskussion um die Brogni-Arie von Gottlob Frick in dieser Rubrik geführt, obwohl eine andere zu diesem Zweck angelegt wurde?
Stimmenliebhaber hat recht. Die Diskussion um die Kavantine des Brogni aus der "Jüdin" wäre im neu gestarteten Thread: "Berühmte Stimmen- Große Oper" weit besser aufgehoben. Es besteht sogar Gefahr, dass der Erfolgsthread "Entdeckungen: Neue Stimmen" gestört oder zerschossen wird. Also bitte ab Beitrag 696 wenn möglich in den neuen Thread verschieben. Es macht auch Sinn, dass wir auf der einen Seite über die neuen Jungstars und auf der anderen Seite über die großen Alten diskutieren und durch die eingestellten Aufnahmen beste Vergleichmöglichkeiten erhalten.

Lieber Stimmenliebhaber, Du hast es sicherlich gelesen, dass das von Dir mit gestaltete Programm beim HSO ein voller Erfolg war. Die 8. Beethoven, war trotz der Klasse von Oppitz, das Sahnehäubchen nach der "Burleske" von Strauss. Nochmals danke für die kollegiale Hilfe und genieße Deinen Erfolg.

Herzlichst
Operus
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Caruso41

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  • »Caruso41« ist männlich

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13

Freitag, 4. Mai 2018, 13:58

Warum wird die Diskussion um die Brogni-Arie von Gottlob Frick in dieser Rubrik geführt, obwohl eine andere zu diesem Zweck angelegt wurde?


Die Frage habe ich eigentlich auch, lieber Stimmenliebhaber!

Aber so geht das manchmal: einer macht einen Vorschlag für einen neuen Thread. Ein anderer erklärt, welche Probleme er mit der Themenstellung dieses Threads hat. Das geht nicht ohne ein konkretes Beispiel. Da knüpfen dann andere an. Mit inhaltlichen Beiträgen. Und schon ist eine Diskussion in Gang. Am falschen Ort vielleicht. Aber eine inhaltliche Diskussion ist doch eigentlich erfreulich?

Operus Vorschlag, diese ganze Diskussion über Frick und Brogni in einen geeigneten Thread zu verschieben, halte ich für sinnvoll. Da kann dann gleich weiter diskutiert werden. Hier stört die Diskussion wirklich.

Beste Grüße

Caruso41
;) - ;) - ;)

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operus

Ehrenpäsident und Außenminister

  • »operus« ist männlich

Beiträge: 5 159

Registrierungsdatum: 14. Mai 2008

14

Freitag, 4. Mai 2018, 15:57

Operus Vorschlag, diese ganze Diskussion über Frick und Brogni in einen geeigneten Thread zu verschieben, halte ich für sinnvoll. Da kann dann gleich weiter diskutiert werden. Hier stört die Diskussion wirklich.
Lieber Caruso,

völlig d'accord. Beide Sängerthreads sollten getrennt werden. Ausserdem war Brogni mit Frick nur der Auftakt. Es sollen ja weitere Berühmte Stimmen mit Lieblingsaufnahmen eingestellt werden. Richtig spannend würde es werden, wenn zum Bespiel ein Sarastro von Kurt Moll mit einer Interpretation von einem Deiner hochbetagten Entdeckungen verglichen werden könnte. Also beide Threads können sich gegenseitig befruchten, aber nur wenn sie eigenständig bestehen und genutzt werden.

erzlichst
Operus
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