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Damiro

Fortgeschrittener

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Beiträge: 248

Registrierungsdatum: 13. Dezember 2017

1

Dienstag, 8. Mai 2018, 02:45

Vladimir Horowitz, Unveröffentlichte Life- Mitschnitte 1966 bis 1983, SONY Kassette (50 CDs)

Mir ist nichts bekannt über die Verkaufszahlen dieser Riesenkassette, jedenfalls scheint Sony mit diesen CDs bei einigen Hörern und Fans immer noch gut anzukommen. Eine ganze Reihe wichtiger Stücke sind mehrfach aufgenommen bzw. auf die CDs gebrannt.
Gerade das interessiert mich als Klavierspieler sehr !

Als ich zum ersten Male von dieser Kassette gehört hatte, war mein spontaner Gedanke: am besten du wartest noch, bevor du diese CDs mit allen möglichen Mängeln zulasten des Künstlers, des Flügels, der Aufnahmetechnik, der Archivierung und und und... in die eigene Tonträgersammlung aufnimmst. Das kann schockierend werden ! Ich habe mir dann klar gemacht, dass ich mehrere Dutzend LPs und CDs mit Horri (wie meine Frau zu sagen pflegt), alle öfter oder richtig oft gehört habe, darunter absolute Sternstunden der Klavierkunst, umgeben von vielen, vielen Beispielen toller Interpretationen..

Ich habe zwar sein Grab noch nicht besucht, aber Fan von ihm war ich, bin ich und werde ich immer sein... :yes:

Auf der Suche nach den passenden Versionen des Schumann`schen Carnavals op. 9 habe ich das Konzert vom 24.April 1983 (H. war damals 79 Jahre alt) in der Boston Symphony Hall 20:30 Uhr herausgesucht. Take 1 ist der Eröffnungsapplaus, Take 2 die Beethoven- Sonate A- Dur, op. 101 (meine liebste), Take 3 bis 26 der Carnaval. Abgesehen davon, dass ab Take 15 plötzlich der anfangs wirklich sehr gute Flügelklang nun ganz entfernt klingt (Ausfall Nahmikrofon ?) und klirrt bei höherer Lautstärke, was bis zum Schluss hin - oh Wunder - sich wieder bessert, ist die Qualität des H.`schen Spiels sowohl bei Beethoven als auch beim Carnaval ganz grauenvoll, leider ! Er greift sehr oft daneben, schlägt mit einem Finger zwei benachbarte Tasten gleichzeitig an, verschluckt und vergisst ganze (kleine) Abfolgen. Kaum ein Takt ist dann fehlerfrei. Plötzlich kommen sekundenlange rasende Sechzehntel- Passagen, die er wieder wie ein junger Gott spielt, bis zum nächsten kleinen (oder grösseren) Fiasko. Verrückt, dass das Zeitmass der Abfolgen insgesamt meistens trotzdem stimmt und die Pausen dazu. Auch stimmt die Gesamt- Range der Lautstärke. Rätselhaft, dass die musikalische Aussage, in Taktgruppen oderMelodielinien gemessen, ebenfalls "irgendwie" erhalten bleibt.
Die ohnehin lyrisch- abstrakt sich entwickelnde A- Dur- Sonate Beethovens weist so auf prä- atonale Werke der Postmoderne hin: wunderbar-grotesk - der Leser möchte mir die Bezeichnung einfach mal gönnen !
Beim Carnaval op. 9 empfindet man das Phantastische, Wilde, Märchen- und Spukhafte dieser Komposition noch mehr als bei völlig stimmiger Wiedergabe, was den Pianisten zu jedweden Kapriolen sowohl verleitet als auch auffordert (ein Teil unserer Gesellschaft und zwar der, der leider draussen bleibt, würde sagen belastbar und aussagekräftig ist diese Komposition :wacko: ).

Anfangs befürchtete ich, dass bei manchen Stellen alles zusammenbricht und gar nichts mehr weitergeht, dann konnte ich mich etwas entspannen, in der Gewissheit, dass es immer weitergehe.

Aber für meinen Beitrag zu den Carnaval- Interpretationen ist das noch längst nicht alles. Z.Zt. mach` ich mir Gedanken um die Rachmaninow- Interpretation des Carnavals..., dann weiter im Carnaval- Thread.

MlG
D.

Damiro

Fortgeschrittener

  • »Damiro« ist männlich
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Beiträge: 248

Registrierungsdatum: 13. Dezember 2017

2

Dienstag, 8. Mai 2018, 02:49

Bitte an den Mod, das Post evtl. passend zu verschieben.
Beim Weg über das "Themenverzeichnis" --> "Pianisten" --> gelang es mir nicht, in "Horowitz" hineinzukommen. Danke.

Christian B.

Prägender Forenuser

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Beiträge: 743

Registrierungsdatum: 1. Juni 2006

3

Dienstag, 8. Mai 2018, 08:58

Hallo Damiro,

ja, die Aufnahme ist extrem, im Positiven wie im Negativen. Keiner spielt ARLEQUIN sehr aufrührend, das allein entschädigt mich für alle Fehlgriffe.

Es gibt in der Box noch einen zweiten Mitschnitt aus NY (May 15, 1983, New York, Metropolitan Opera), der ist von der Anlage her ähnlich, aber Horowitz macht an diesem Tag weniger Fehler, ohne freilich auf dem Niveau zu spielen, das man sonst von ihm kennt.

Das Stück scheint er nicht besonders intensiv geübt zu haben - er nahm es dann auch wieder schnell runter von seinem Programm.

Viele Grüße
Christian

Dr. Holger Kaletha

Prägender Forenuser

  • »Dr. Holger Kaletha« ist männlich

Beiträge: 6 756

Registrierungsdatum: 2. Februar 2008

4

Dienstag, 8. Mai 2018, 12:56

Das Stück scheint er nicht besonders intensiv geübt zu haben - er nahm es dann auch wieder schnell runter von seinem Programm.
Genau, lieber Christian! :) Horowitz sagte mal scherzhaft: "Ich übe im Konzertsaal!" Nur das geht beim "Carnaval" eben nicht. Da muss selbst ein Horowitz "nachsitzen" und zuhause fleißig üben. Eine kleine Selbsttäuschung... :D

Schöne Grüße
Holger