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musikwanderer

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Registrierungsdatum: 20. Januar 2010

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Dienstag, 29. Mai 2018, 00:22

ZILLIG, Winfried: DIE WINDSBRAUT

Winfried Zillig (1905-1963):
DIE WINDSBRAUT
Oper in drei Bildern - Libretto von Richard Billinger

Uraufführung 1941 in Leipzig


DIE PERSONEN DER HANDLUNG

Hans, der Bauer (Tenor)
Die Bäuerin, seine Mutter (Alt
Zenta, die Magd (Sopran)
Die Windsbraut (Koloratur-Sopran)
Der Sturm, ihr Vater (Bass-Bariton)
Ein junger Waldschrat (Tenor)
Die Waldhexe (Sopran)
Die Waldelfen, Schwestern der Windsbraut (Frauenchor und Tänzerinnen)
Das Wilde Heer (Tanzensemble)
Knechte und Mägde (Gemischter Chor)
Kinderchor hinter der Bühne

Märchenland und Märchenzeit.


INHALTSANGABE

Erstes Bild: Bauernstube.
Karge Einrichtung mit einem massigen Tisch und Bänken darum; mehrere kleine Fenster und je einer Türe links (in den Flur) und rechts (in die Küche).

Während die Kinder dem seit langem abwesenden Sohn der Bäuerin das ‚Windlied‘ singen:
Wind, Wind, laufe geschwind!
Ohne Rad, ohne Achsen - der Wind braucht keine Brücken,
kein Unglück kann glücken, kein Unkraut muss wachsen!
Wind, Wind, laufe geschwind!
wartet die Bäuerin, ungeduldig aus dem Fenster schauend, auf ihren Sohn. Auch die Magd Zenta, die sich in den Herrn verliebt hat und ihn für sich zu gewinnen trachtet, ist angespannt. Beide Frauen sind danach mit Putzarbeiten beschäftigt, und Zenta beklagt sich dabei über die harte Arbeit in Haus und Hof. Das lässt die Bäuerin ihr nicht durchgehen und kontert mit einem Satz, der als Sprichwort bekannt ist: Du hast die Arbeit nicht erfunden. Das passt wiederum Zenta nicht und so gibt zunächst ein Wort das andere - ehe es jedoch zum handfesten Streit kommt, besinnen sich beide wieder auf ihre Arbeit: Die Stube für den Heimkehrenden herzurichten.

Plötzlich lässt ein gewaltiger Windstoß das Fenster aufspringen und die Scheiben bersten. Zenta schreit erschrocken auf, die Bäuerin aber spricht von der geheimnisvollen ‚Windsbraut‘, die mit dem Bauern kommen wird. Ehe Zenta mit Rückfragen reagieren kann, verlangt die Bäuerin von ihrer Magd, dass sie verschwinden soll, denn der Bauer will sie bestimmt nicht sehen - also solle sie die Scherben aufkehren und gehen. Zenta widerspricht und behauptet, dass der Bauer sie mag, was die Herrin hysterisch lachen lässt, und dann Zenta mit dem Besen drohend hinausjagt.

Die Bäuerin muss nicht lange warten, da tritt ihr Sohn in die Stube und wird freudig begrüßt, während er lautstark über den Windstoß, der seinen Hut davongetragen hat, schimpft, ansonsten wenig Freude zeigt: „Bin halt wieder da“ ist seine belanglose Begrüßung - um sofort nach Speise und Trank zu fragen. Während die Mutter das Essen aufträgt und sich dann zu ihm setzt, berichtet sie ihm von den Ereignissen der letzten Zeit in Haus und Hof.

Als in diesem Moment die Tür aufspringt, sagt die Bäuerin, dass die Windsbraut im Hause ist und erklärt Hans, dass der Geheimnisvollen „oben unterm Dach“ schon das Bett bereitet sei. Allerdings muss er wissen, dass sich die Windsbraut mit keinem Mann einlassen darf, weil sie dadurch selbst zu einem Menschenkind und von ihrem Vater, dem Sturm, verstoßen wird. Der Menschenmann aber, der die Windsbraut tatsächlich für sich gewinnen kann, wird glücklich.

Für diesen Aberglauben hat Hans nur Spott übrig; er wird sich sein Glück, so sagt er, selber schaffen. Als er unvermittelt nach Zenta fragt, bringt er seine Mutter gegen sich auf, was ihn jedoch kalt lässt. Er geht sogar noch weiter und kündigt an, Haus und Hof verkaufen zu wollen. Das erschüttert die Bäuerin so sehr, dass sie zu weinen beginnt, worauf er sie anherrscht:
Mach du kein Gesicht, lass dein Augentröpfel im Herzbeutel, ‘s Weinen schenkst der Dachrinn!
In diesem Augenblick ist - fern, aber deutlich - der Gesang der Windsbraut zu hören und Hans reagiert zunächst erschrocken, gib aber dann an, sich „wohl zu fühlen“ und „süßen Frieden“ zu verspüren.

Da tritt die Windsbraut lachend und jauchzend in die Stube, umgarnt Hans mit Lobeshymnen auf seinen „schönen Leib“, den sie zu sehen begehrt. Er aber darf sie nicht anfassen, dann kann sie ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen. Hans bittet sie inständig, bei ihm zu bleiben, sich an dem Essen und den Getränken zu laben, mit ihm Haus, Hof und Äcker und das Vieh zu teilen. Doch sie weist ihn ab, und entschwebt in den Wald. Hans bleibt einen Moment fassungslos stehen und rennt dann hinter ihr her…


Zweites Bild: Eichwald.
Eine Waldlichtung mit fernem Gebirge. Vor einer gewaltigen Eiche der Waldschrat, die Syrinx blasend.

Der Waldschrat ruft liebessehnsüchtig nach der Windsbraut. Waldelfen, die Schwestern der Windsbraut, schweben tanzend herbei und verspotten ihn, doch er überhört stoisch Spott und Hohn, klagt weiter, dass seine große Liebe ihn verschmäht.

Plötzlich tritt die Waldhexe auf und berichtet den Waldelfen, dass Vater Sturm erwacht sei und kommen werde. Er ist nicht erfreut, weil er durch sie erfahren hat, dass seine schöne Tochter Windsbraut in einem Menschenhaus war und den Menschenmann in den Wald gelockt habe. Vater Sturm wird folglich über seine Tochter ein Donnerwetter loslassen und ihr die harten Konsequenzen vor Augen führen. Die Waldhexe empfiehlt den Elfen, die Lichtung zu verlassen, um dem zornigen Vater aus dem Wege zu gehen.

Der Waldschrat hat den Tanz der Elfen und den Bericht der Waldhexe mit trauriger Miene verfolgt und klagt erneut über die ihn verschmähende Windsbraut. Die Elfen kommen zurück und verspotten erneut den Verliebten. Doch der lässt wiederum alles an sich abprallen. Die Waldhexe herrscht ihn an, er solle mit seinem ‚Tiergestank“ nicht weiter die „Luft verwesen“ und verschwinden, denn Sturmvater soll hier reine Luft atmen können. Sie hat tatsächlich Erfolg - der Waldschrat entflieht…

Es beginnt zu dämmern; zunächst zieht ein Gewitter mit Sturm auf. Bei völliger Dunkelheit kommt mit dem mächtigsten Sturm das wilde Heer gezogen. Musikalisch wird das in einem über 200 Takte langen Zwischenspiel mit häufigen Taktwechseln, wechselnder Dynamik vom Pianissimo bis zum Fortissimo geschildert. Mit dem stärksten Sturmstoß verschwindet der Spuk des wilden Heeres. Während einer Generalpause tritt unter Blitz und Donner der Sturmvater aus der gewaltigen Eiche.

Die Windsbraut wirft sich ihrem Vater zu Füßen und kündigt ihm den Menschenmann an, in den sie sich verliebt hat. Sturmvater verlangt von ihr, den Menschenmann zu vergessen und sich wie bisher der Natur hinzugeben. Er rät ihr, zu verschwinden, um den Menschen nicht noch einmal zu begegnen. Doch hier will die Windsbraut dem Vater nicht folgen - selbst seine Drohungen auf schwere Strafen, seine Ankündigung, dem Bauern das Wasser zu vergiften, das Brot, ja, alle Lebensmittel zu verderben, kann sie nicht umstimmen. Aber diese Drohungen lassen sie in Tränen ausbrechen, die wiederum Sturmvater anrühren und er der Tochter Bitten letztlich nachgeben lässt:
Tochter, trage du der Menschen Freude und Pein!
Dein Vater jetzt Abschied nimmt, dem Bauer nimmer das Werben grimmt.
Er nimmt die Windsbraut zärtlich in seinen Arm und tritt dann in die Eiche zurück, die sich hinter ihm schließt.

Ein kurzes Zwischenspiel, das den herbeieilenden Bauern schildert, tritt Hans auf die Lichtung, wendet sich liebevoll der Windsbraut zu, wird von ihr aber zurückgewiesen. So schnell gibt der Bauer aber nicht auf; er bittet sie, mit ihm aus dem finsteren Wald nach Hause in die „helle Stuben“ zu kommen und gesteht ihr seine Liebe. Es ist nur ein kurzes Zögern der geheimnisvollen Windsbraut, dann aber wendet sie sich ihm zu und ein gemeiner Liebesgesang zeigt, dass Hans sie gewonnen hat. Dieses Liebesduett endet mit den Worten
Bei dir ich für alle Zeit bleib!
und beendet auch das zweite Bild.


Drittes Bild: Vor dem Bauernhaus.
Hinten die Frontseite des Bauernhauses; auf einer Seite ein rauschender Brunnen. Morgendämmerung.

Die Bäuerin steht wartend und in die Nacht lauschend auf der Szene. Leise, aber mit Bestimmtheit äußert sie ihre Überzeugung, dass Hans wiederkommen wird und „lauft nimmer dann fort“! Unbemerkt von der Bäuerin ist Zenta hinzugetreten und sagt unverhohlen ihre Meinung:
Den hat die Windsbraut gefangt, hat nach ihm schon gelangt, ihn in die Schlucht wo gestoßen.
Die Bauersfrau nennt Zenta ein Lästermaul, das zur Arbeit zu faul, im Reden jedoch groß ist. Sie befiehlt der Magd, das übrige Gesinde zu wecken, denn alle sollen den heimkehrenden Sohn begrüßen und „auf den Stuhl“ heben. Sie aber wird derweil Hans entgegengehen.

Zenta gehorcht der Bäuerin aber nur zum Schein, bleibt lauernd stehen, bis die Herrin nicht mehr zu sehen ist und weckt dann die übrigen Mägde und Knechte. Sie hetzt das noch schlaftrunkene Gesinde mit der Aufforderung auf, man solle die ‚Hexe‘ (die Windsbraut) gebührend empfangen, denn mit ihr komme das Verderben auf den Hof und das Unglück ins Haus. Zenta hat mit den Leuten ein leichtes Spiel, indem sie ein Horrorszenario mit Teufel, Hölle und Untergang in den dämmernden Himmel malt, das alle glauben und chorisch in Hassrufe auf die Hexe ausbrechen lässt.

Niemand hat bemerkt, dass die Bäuerin zurückgekehrt ist und abseits dem Geschrei zugehört hat. Als sie aber plötzlich hervortritt weichen alle, bis auf Zenta, ängstlich vor ihr zurück. Sie fordert ihrem Gesinde Gehorsam ab, nennt Zenta einen „ausgetrockneten Wassereimer“ und macht mit ihr kurzen Prozess, indem sie sie vom Hof jagt. Und alle, fügt sie hinzu, denen es auf dem Hof nicht gefällt, die mit Zenta einig sind, können mit ihr gehen. Einige wenden sich tatsächlich der Rebellin zu, die meisten aber stellen sich, wenn auch zögernd, hinter die Bäuerin. Zenta will jedoch diesen Rauswurf nicht so einfach hinnehmen und droht der Herrin mit dem Gang zum Richter, weil der Bauernsohn ihr angeblich die Ehe versprochen, dieses Versprechen aber offensichtlich zu brechen gedenke. Die Bäuerin nennt sie eine Lügnerin, eine Liederliche, gefräßig und faul, greift dann zum Besen und geht damit auf die Magd los. Das bei Zenta stehende Gesinde weicht zurück, verweigert ihr die Gefolgschaft und stellt sich zu den anderen Knechten und Mägden. Zenta rennt wütend davon.

Die Bäuerin lobt das Gesinde für die kluge Entscheidung, auf dem Hof zu bleiben, hält aber plötzlich, wie erschrocken, inne und sagt, dass sie ein Ross wiehern gehört habe - Hans kommt mit seiner Braut heim! Die Knechte und Mägde begeben sich erwartungsvoll in den Hintergrund, lauschen und bestätigen dann (chorisch im Ländlertakt) die Vermutung der Herrin, dass der Sohn mit seiner Braut komme:
Der Bauer und die er mag! Sie kommen, sind schon da!
Er hat die Windsbraut gefangt. Nimmer vorm Mann sie bangt!
Schmiegt sich in seinen Arm, hält‘s Herz zum Herzen warm.
Alle vereinigen sich zum Tanz, brechen dann in lauten Jubel aus, als Hans mit seiner Windsbraut die Szene betreten. Beide begrüßen die Bäuerin und der Sohn gesteht der Mutter, dass er endlich die richtige Frau gefunden hat - eine, die ihn „am Hause hält“ und das Reisen „vor der laufenden Welt“ unnötig macht. Die Windsbraut gesteht der Bäuerin, dass sie ihren Sohn von Herzen liebt und ihm „treu und hilfreich“ sein werde. Aber nicht nur die Hilfe im Haus hält sie für wichtig, sondern will auch für den Fortbestand der Familie sorgen. Der Bäuerin gefällt, was sie hört; sie heißt Hans‘ Braut willkommen und wünscht dem Paar Glück und ein Leben mit Liebesfreuden und segnet es.

Auch das Gesinde freut sich, heißt das Paar willkommen und will als „das Unten“ ihnen als „das Oben“ treu seine Pflichten erfüllen. Der gemeinsame Schlussgesang ist ein Loblied auf die Liebe, die den Menschen den Himmlischen gleichmacht, versprechen zuletzt aber auch, immer des Ewigen lobend zu gedenken, der alles geschaffen hat…


INFORMATIONEN ZU DEN AUTOREN

Richard Billinger wurde am 20. Juli 1890 in St. Marienkirchen bei Schärding geboren. Kennzeichnend für sein literarisches Werk ist die Darstellung der im Wandel befindlichen bäuerlichen Welt seiner Heimat.

Seine Kindheit bestand in der Hilfe auf den väterlichen Feldern und im mütterlichen Krämerladen. Der Bub sollte nach Wunsch der Eltern Priester werden, doch hielt es ihn nicht lange im Linzer Petrinum. Er absolvierte in Ried das Gymnasium, ging zum Germanistik- und Philosophie-Studium nach Innsbruck, Kiel und Wien, machte aber keinen Abschluss in diesen Fächern. Stattdessen wollte er nun Zirkusathlet und Boxer werden, aber seine Leidenschaft für die Literatur war stärker und sein Drama „Perchtenspiel“ machte ihn 1928 durch die Salzburger Festspielen berühmt.

In Wien entdeckte ihn 1922 die Tänzerin Grete Wiesenthal, als er im Café Museum eigene Verse rezitierte. Sie brachte ihn mit Hugo von Hofmannsthal zusammen, auf dessen Schlösschen in Rodaun er seine Gedichte vortrug.

Seine „Bauernlieder“ gefielen den Nationalsozialisten, die „brünstigen Hymnen“ auf Faune und schöne Klosterbrüder irritierten sie jedoch. Richard Billinger, der Zwei-Meter-Hüne, war homosexuell und wurde kurzzeitig arretiert, entging aber 1935 in München nur knapp einer Verurteilung, angeblich durch Himmlers Intervention. Trotz seiner in der NS-Zeit nicht akzeptierten Veranlagung war er in der NS-Zeit literarischer Spitzenverdiener. Das brachte Carl Zuckmayer, der als Exilant für die Regierung der Vereinigten Staaten Portraits von in Deutschland gebliebenen Kollegen verfasste, auf die Palme: Er nannte Billinger einen „degenerierten Bauern, parfümierten Landmann, dörflich Dekadenten“, doch rückte er das Bild 30 Jahre später zurecht, bezeichnete ihn als einen zu Unrecht Vergessenen.

Richard Billinger wurde mit Dramen wie „Rosse“, „Rauhnacht“ (beide 1931) oder (1935) „Die Hexe von Passau“ bekannt. „Der Gigant“ gilt als Vorlage für den Prag-Film „Die Goldene Stadt“. Es waren die Theaterstücke mit ihrer Mischung aus dämonischer Sinnenfreude und Gläubigkeit, die ihn neben Zuckmayer zum meistgespielten Bühnenautor machten. Auch als Romancier hatte Billinger Erfolg: So wurden „Leben aus Gottes Hand“ (1935) und „Das verschenkte Leben“ (1937) viel gelesen. Erwähnt seien auch Drehbücher für Filme von Luis Trenker und Leni Riefenstahl.

Nach dem Krieg ließ er sich mit seinem Lebensgefährten in Niederpöcking am Starnberger See nieder. Den Lebensabend verbrachte er in Linz. Der oberösterreichische Landtag unterstützte ihn auf Lebenszeit mit einer monatlichen Ehrengabe von 2000 Schilling. Richard Billinger erlag am 7. Juni 1965 in Linz einem Herzinfarkt.

Winfried Petrus Ignatius Zillig, geboren 1905 in Würzburg, gestorben 1963 in Hamburg, war der Sohn eines Lehrers, studierte nach dem Besuch des Gymnasiums Jura und Musik in seiner Geburtsstadt, wo Hermann Zilcher einer seiner Lehrer war. Später in Wien wurde er Privatschüler von Arnold Schönberg, dem er, nochmals später, nach Berlin folgte. In dieser Zeit entstanden seine ersten Kompositionen.

Zillig wurde 1927 Assistent von Erich Kleiber an der Berliner Staatsoper, ging aber nach kurzer Zeit als Solorepetitor an das Oldenburgische Staatstheater. Von 1932 bis 1937 war er als Solorepetitor und Kapellmeister am Opernhaus in Düsseldorf tätig. Nach einer nur kurzen Tätigkeit als Kapellmeister in Essen war er von 1939 bis 1943 Erster Kapellmeister an der Oper in Posen. Danach arbeitete Zillig im Rahmen der Truppenbetreuung in Berlin. 1940 trug man ihm die Fachschaft I des Gaues Wartheland innerhalb der Reichsmusikkammer an. In der NS-Zeit war er Mitglied in der Reichsmusikkammer und konnte sich als Komponist hauptsächlich für Filmmusik Anerkennung verschaffen. 1934 komponierte er die Musik zu dem Historienfilm „Schwarzer Jäger Johanna“, der nach dem Krieg durch die Alliierten verboten wurde. Bemerkenswert auch die Musik zum „Schimmelreiter“ von 1934 (mit Mathias Wiemann und Marianne Hoppe).

Sein „Concerto grosso“ wurde 1935 zwar zwiespältig aufgenommen, trotzdem schrieb Zillig für die NS-Kulturgemeinde mehrere Auftragswerke, so z.B. die Musik zum Schauspiel „Europa brennt“, die Filmmusik zu „Rheinsymphonie“ und die „Romantische Sinfonie“. Die ablehnende Kritik in der NS-Presse über die Oper „Das Opfer“ (wegen zu scharfer Dissonanzen als „Irrweg“ bezeichnet) führte im Jahre 1937 nach nur vier Aufführungen in Hamburg zur Absetzung der Oper.

Weil Mendelssohns Musik zum „Sommernachtstraum“ nicht mehr aufgeführt werden durfte, schrieb Zillig, wie verschiedene andere Komponisten, 1939 eine eigene Schauspielmusik zu Shakespeares Komödie. Seine 1941 in Leipzig uraufgeführte Oper „Die Windsbraut“ ist stilistisch Zwölftonmusik, aber der Komponist verkaufte sie dem Regime in einem Artikel in den „Leipziger Neuesten Nachrichten“ als ein „Gestaltungsprinzip“, das es „heute möglich macht, ein großes Opus ganz streng aus einem einzigen Grundgedanken zu entwickeln, so streng, dass man jede Note, jede Melodie, irgendwie darauf beziehen oder davon ableiten kann“. 1943 entstand die Musik zum Propagandafilm „Posen, Stadt im Aufbau“ und zu „Kopernikus“; für den letztgenannten erhielt er den Sonderpreis des Propagandaministeriums.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam Zillig als Erster Kapellmeister an die Düsseldorfer Oper zurück. In den Jahren 1947 bis 1951 war er Dirigent beim SO des Hessischen Rundfunks, wo er sich vor allem um die Aufführung von Werken der „Neuen Musik“ verdient machte. Von 1958 bis 1963 leitete er die Musikabteilung beim NDR. In seinem Todesjahr 1963 erhielt er den Kulturpreis der Stadt Nürnberg.

Zilligs kompositorisches Schaffen ist umfangreich: Opern, Oratorien, Passionen, Choräle, Serenaden, Kammermusik in unterschiedlichen Besetzungen, sowie Lieder und Suiten. Er hat die Partitur zu Schönbergs unvollendetem Oratorium „Die Jakobsleiter“ (auf ausdrücklichen Wunsch der Witwe Schönbergs) komplettiert und Klavierauszüge von „Moses und Aron“ sowie „Von heute auf Morgen“ erstellt. Außerdem stammt die Musik zu den beiden Dokumentarfilmen „Traumstraßen der Welt“ von ihm. Daneben sind Schriften zur Musiktheorie mit dem Schwerpunkt Zwölftontechnik erwähnenswert.

Näheres zur Entstehung der hier vorgestellten Oper, Einzelheiten zur Uraufführung und den weiteren Aufführungen konnten bedauerlicherweise nicht eruiert werden.
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