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  • »Uwe Aisenpreis« ist männlich
  • »Uwe Aisenpreis« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 455

Registrierungsdatum: 8. Januar 2010

1

Dienstag, 12. Juni 2018, 17:17

Dmitri Schostakowitsch "Moskau-Tscherjomuschki"

Aus aktuellem Anlass – zwei Produktionen an deutschen Bühnen in diesem Jahr und eine angekündigte für Hamburg – habe ich mich entschlossen, auch diese Operette (wie schon Candide) aus dem Thread „Komponisten, von denen man keine Operetten erwarten würde“ auszukoppeln in einen eigenen Beitrag.

Über Leben und Werk des Komponisten, den ich bisher noch nicht kannte und dessen Werke ich auch weiterhin noch nicht kenne, gibt es eine sehr ausführliche und interessante Beschreibung in Wikipedia. Hier nur so viel: Schostakowitsch war unter Stalin wegen mangelndem Konformismus sehr in Misskredit geraden. Nach Stalins Tod gab es in der Chruschtschow-Arä Tauwetter auch im Kulturbereich. In dieser Zeit entstand Schostakowitschs satirische Operette „Moskau, Tscherjomuschki“, die 1959 im Moskauer Operettentheater uraufgeführt wurde. Thematisiert wurde die Kampagne Chruschtschows, die überbevölkerten und maroden älteren Stadtteile Moskaus abzureißen und die Bewohner in neue, schnell erstellte Plattenbauten am Stadtrand umzusiedeln.

Zitat

Tscherjomuschki ist eine solche damals entstandene Hochhaussiedlung im südlichen Moskau. Die Geschichte handelt von einer Gruppe sehr unterschiedlicher Moskowiter, die – meist kurz vor der Obdachlosigkeit stehend – sich glücklich schätzen, dort neue Wohnungen zugewiesen bekommen zu haben. Der Einzug wird jedoch durch den korrupten Beamten Drebednjow und seinen Kumpanen Barabaschkin, den Hausmeister der Anlage, mutwillig behindert und verzögert. Zum positiven Schluss überwinden die Einwohner deren Machenschaften mit Hilfe eines märchenhaften Zaubergartens, in dem eine Wolke alle zum Aussprechen der Wahrheit zwingt, der die Paare zusammenführt und die Bewohner von Tscherjomuschki schließlich in ihre neuen Wohnungen gelangen lässt. (Quelle: Der Opernfreund (Auszug))

Auf deutschen Bühnen laufen derzeit, wie eingangs erwähnt, zwei aktuelle Inszenierungen, eine in Braunschweig und eine in Gelsenkirchen. Die Gelsenkirchener Inszenierung wurde vom Opernfreund stark kritisiert:

Zitat

Mit dem ursprüngliche Libretto, in dem durch einen Hauseinsturz sowohl „Sascha“ und Mascha Bubenzow als auch Semjon Baburow und seine Tochter Lidotschka plötzlich Anspruch auf Wohnungen in den soeben errichteten Neubauten im Vorort Tscherjomuschki haben… braucht sich an dieser Stelle niemand zu „belasten“, denn „das will heute niemand mehr sehen“, so Regisseur Dominique Horwitz. Stattdessen macht er Anleihen bei dem 1932 erschienenen dystopischen Roman „Brave New World… Damit werden Oberstufenschüler im Englischunterricht „traktiert“, stellt sich also die Frage, ob das jemand sehen möchte. Mangel an bezahlbarem Wohnraum gibt es in Deutschland übrigens aktuell zur Genüge […] Das Thema als antiquiert abzutun könnte Betroffenen wie Hohn erscheinen… (Quelle: Der Opernfreund- Aufführung Gelsenkirchen)

Die Braunschweiger Aufführung fand dagegen Anerkennung beim Opernfreund. Ich selbst habe die Operette auf youtube in einer Aufführung aus Lyon aus dem Jahre 2009 angesehen. Ich muss sagen, diese Inszenierung im Slapstick Stil gefiel mir nicht besonders. Durch die theatralische Überzeichnung der Figuren und vor allem auch durch das Bühnenbild im 2 Akt, wo die einzelnen Personen auf unterschiedlichsten Etagen und Wohnungen eines großen Wohnblocks, weit entfernt vom Zuschauerraum, wie auf kleinen Guckkastenbühnen agieren, konnten bei mir keinerlei Empathie für die handelnden Personen erzeugen.

Die Musik empfinde ich als sehr konservativ, etwa im Stil westlicher U-Musik der 1950er Jahre oder Musicalmusik aus dieser Zeit. Es ist eine auf Anhieb gefällige Melodik, mehr oder weniger originell und leicht eingängig aber auch häufig eine sehr leichte, wenig gehaltvolle Musik.

In der bereits genannten Wikipedia Beschreibung ist über Schostakowitschs Musik (im Allgemeinen) zu lesen:

Zitat

Seine Musik ist eine Mischung aus Konvention und Revolution, die sich auf ein fundiertes kompositorisches Handwerk gründet und durch fantasievolle Instrumentierungen und moderne Melodik und Harmonik besticht. Inspiriert wurde er durch die Werke zeitgenössischer Komponisten wie Igor Strawinski und Sergei Prokofjew, und ab 1930 zunehmend durch die Werke Gustav Mahlers.

Davon ist in dieser Operette leider nichts zu hören. Und so schreibt denn auch, wiederum der Opernfreund:

Zitat

Um ehrlich zu sein: auch Schostakowitschs Musik zeigt nicht die oft erlebte tonsprachliche Pranke des Komponisten, wirkt dem Genre Operette vielfach nur angepasst, beliebig und manchmal auch unangenehm bombastisch orchestriert…

Und eine weitere Kritik aus er Braunschweiger Inszenierung:

Zitat

Die Musik der Operette, eigentlich fast schon ein Musical, zeichnet sich aus durch schlichte, eingängige Melodien, vielfach im Walzer-Rhythmus und angelehnt an russische Volkslieder. Außerdem huldigt Schostakowitsch hörbar den Operetten-Größen Johann Strauß und Jacques Offenbach, Franz Lehár und Emmerich Kálmán. Das Stück enthält auch parodistische Zitate russischer Komponisten wie Michael Glinka („Ein Leben für den Zaren“), Alexander Borodin („Polowetzer Tänze“) oder Peter Tschaikowski („Schwanensee“ und „Dornröschen“).

Eine Werksbeschreibung aus Wikipedia ergänzt letzteres noch:

Zitat

…verarbeitet Schostakowitsch ausgiebig musikalische Zitate […] In seiner Operette verarbeitet Schostakowitsch beliebte russische Klassiker (von Glinka, Borodin, Tschaikowski), damals aktuelle Estrada-Schlager wie z. B. das auch im Westen sehr beliebte "Moskauer Nächte" und Zitate aus eigenen Werken, etwa aus den Balletten "Der Bolzen" Op. 27 und "Der helle Bach" Op. 39 und aus seinen Filmmusiken. Die Titelmelodie "Tscherjomuschk"i basiert auf dem Lied "Es waren glückliche Tage" aus Schostakowitschs Filmmusik "Goldene Berge" Op. 30. Das bekannteste Lied, das er je geschrieben hat, "Dem kühlen Morgen entgegen" aus der Musik zum Film "Der Gegenplan" verarbeitet er in der Operette zu Lidotschkas Lied. Dieser 1932 komponierte Ohrwurm hat in der Sowjetunion und auch weit darüber hinaus eine enorme Verbreitung erfahren, so dass es jeder Besucher der Operette Ende der 1950er Jahre sofort erkannt haben dürfte.


?( Uwe

2

Dienstag, 12. Juni 2018, 23:06

Черёмушки

Eine Verfilmung von Lenfilm gab es einmal bei Decca auf DVD, mittlerweile offenbar vergriffen.

<-

Aber youtube hilft


  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 477

Registrierungsdatum: 12. August 2005

3

Mittwoch, 13. Juni 2018, 08:53

Es gab einen Querschnitt? in einer englischen Fassung als CD des "BBC Music Magazines"; ist meiner Erinnerung nach ganz witzig, müsste ich aber wieder mal anhören. Und die instrumentale Suite oft als Füller.
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