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  • »Ralf Reck« ist männlich
  • »Ralf Reck« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 222

Registrierungsdatum: 23. November 2013

1

Samstag, 29. September 2018, 01:00

Luisa Miller (Verdi) Hamburgische Staatsoper, 28.09.2018

Das Publikum war am Ende begeistert, es gab viel Jubel für alle Beteiligten. Beim Herausgehen hörte man: „Das war schön“. Im Großen und Ganzen fand ich die Aufführung auch gut, das Orchesterspeiel unter der Leitung von Alexander Joel aber eher routiniert, anders als noch im Jahr der Premiere vor 4 Jahren unter der engaierten Leitung von Simone Young. Damals begeisterte sie mit einem Verdiklang, der auch sämtlich Sängerinnen und Sänger auf der Bühne mitriss. Auch die darstellerische Seite litt heute, zum einen gehört Joseph Calleja, der den Rodolfo mit schön timbrierter Stimme, um deren Klangkern sich ein schnelles Vibrato windet (wenn er es nicht ganz in den Griff bekommt, könnte mancher es für ein feines Meckern halten), sang, nicht unbedingt zu den begnadeten Darstellern, zum anderen hatte Vitalij Kowaljow noch heute Vormittag krankheitsbedingt abgesagt, so dass der italienische Basse Carlo Colombara aus Bologna eingeflogen wurde, seine Rolle des Grafen Walter von der Seite aus sang und sich auf der Bühne durch den Spielleiter doubeln ließ. Dieser bekam den Mund zur Synchronsimualtion nicht auf, sondern markierte wie ein Oberschüler seine Rolle mit einigen Hand- und Armbewegungen (allerdings hat man bei ihm ja auch nicht erwarten können, dass er den Gesangstext auswendig kennt).

Der Blick des Publikums ging deswegen stets in Richtung Colombaras, der mit vollendeter Legatokultur, die den anderen weitgehend abging (vor allem Roberto Frontali als Miller), den Grafen mit sonorer Tiefe und glanzvoller Höhe darbot. Frontali sang nicht schlecht, aber für eine so wichtige Verdibaritonpartie fehlte ihm einfach der notwendige Samt und Glanz in der Stimme, außerdem fand ich seine Dynamikabstufungen zu abrupt. Nino Machaidze (Luise) ist die einzige Sängerin, die aus der Premierenproduktion übernommen worden ist. Sie ist eine glänzende Darstellerin, so dass man über manche stimmlichen Unreinheiten (Neigung zur Schärfe, auch ganz gelegentlich leichtes Klirren) hinwegzuhören vermag. Außerdem fehlte ihrer Stimme heute doch das unter die Haut gehende Aufblühen, wenngleich ihr manche Phrasen durchaus klangschön gelangen. Machaidze macht das, wie gesagt, mit ihrer Darstellungskraft durchaus wett, bräuchte aber einen schöner singenden Vater und einen weniger steifen Liebhaber, um letztlich auch von ihr begeistert zu sein. Nadezhda Karyazina war als Federica, die um Rodolfo werbende Rivalin, aufgeboten. Ihr Mezzosopran klingt in der Tiefe ganz großartig, wenngleich in den höheren Lagen auch nicht ganz frei von Schärfe. Ihr Mezzo und Colombaras Bass waren aber für mich die beiden besten stimmlichen Leistungen des Abends.

Nun gibt es noch des Bösewicht Wurm, der Luise wegen des angeblich bevorstehenden Todes ihres eingesperrten Vaters Miller einen Verzichtsbrief auf Rodolfo abpresst. Diese Briefszene war 2014 mit Oliver Zwarg und Nino Machaidze und ihrem körperlichen Zweikampf einer der absoluten Höhepunkte der Operndramatik auf der Bühne der Hamburgischen Staatsoper. Ramaz Chikviladze machte seine Sache gut, unter die Haut ging das Drama diesmal aber nicht. Die beiden kleineren Rollen Laura und Contadino wurden von den Mitgliedern des Internationalen Opernstudios Ruzana Grigorian und Sungho Kim gesungen. Insgesamt hat sich der Besuch aber gelohnt, zumal man diese Oper nicht häufig auf den Opernbühnen zu hören bekommt. Warum das Haus trotz des berühmten Sängernamens (Calleja) nicht voller besetzt war, blieb mir allerdings ein Rätsel.
Oper lebt von den Stimmen, Stimmenbeurteilung bleibt subjektiv

Caruso41

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2

Samstag, 29. September 2018, 09:11

Lieber Ralf Reck,

hab Dank für Deinen Bericht.
Ich habe die Aufführung am 22. September erlebt.
Darüber muss ich nicht ausführlicher berichten.
Allerdings wollte ich doch einwenden, dass ich die stimmliche und gesangliche Leistung von Joseph Calleja so herausragend fand, dass mir seine unbeholfene Darstellung völlig egal war. Das war Verdigesang vom aller feinsten! Wie er phrasiert, wie er jede Phrase sorgfältig ausformt und koloriert, wie er die Vielfalt der Emotionen des armer Rodolfo Klang werden lässt, das war schon ein Ereignis.

In meiner Vorstellung wurde das auch in einem - für Hamburger Verhältnisse ungewöhnlich - begeisterten Beifall gewürdigt.

Beste Grüße

Caruso41
;) - ;) - ;)

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MSchenk

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3

Samstag, 29. September 2018, 10:51

Nachdem ich Eure Berichte gelesen habe, werde ich mir Herrn Calleja wohl doch noch anschauen müssen - eventuell am kommenden Donnerstag zusammen mit meiner Tochter. Darf ich die Karten dann Euch in Rechnung stellen? :hello:
mfG Michael

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  • »Ralf Reck« ist männlich
  • »Ralf Reck« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 222

Registrierungsdatum: 23. November 2013

4

Samstag, 29. September 2018, 12:29

Joseph Calleja

Lieber Caruso41, meine Frau war auch von Calleja begeistert. Im Vergleich zu früher (ich habe ihn hier vor 10 Jahren als Herzog von Mantua gehört) fand ich seine Stimme nicht mehr ganz so einnehmend. Jedenfalls würde ich ihn nicht mit Pavarotti vergleichen wollen, der mit seiner Stimme die körperliche Ungelenkheit völlig verdrängen konnte, bei ihm war es klar, dass sich Adina oder Mimi (beide Male Freni) rettungslos in die Stimme und nicht die Optik verliebt hatten. Im Übrigen fiel mir bei der gestrigen Aufführung auf, dass alle Solisten sehr laut klangen, was mich zunächst wunderte, denn Colombara, der rechts am Bühnenrand und damit näher zum Zuschauerraum stand, war hörbar leiser zu vernehmen gewesen. Zum einen stand er natürlich oberhalb der lauten Blechbläser, zum anderen diente wohl auch das kastenartige Bühnenbild (drei in Reihe liegende, seitlich und nach oben abgedeckte Räume, die jeweils nach links oder rechts in die Seitenbühne verschoben werden konnten) akustisch verstärkend, während Colombara einen solchen Schallreflektor nicht hinter sich hatte. Ich warte gespannt auf den Eindruck von MSchenk; wegen der virtuellen Rechnung (bitte nur bei völligem Missgefallen ausstellen): Ich vermute übrigens, dass man wegen der für die Sänger guten akustischen Bedingungen auch auf den preiswerteren Plätzen gut hören kann (wir saßen im ersten Rang in der zweiten Loge rechts, 3. Reihe Plätze 3 und 4, mit Operncard zusammen nur 67 €). Eine schöne Aufführung wünscht Ralf Reck
Oper lebt von den Stimmen, Stimmenbeurteilung bleibt subjektiv

Caruso41

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5

Donnerstag, 4. Oktober 2018, 09:23

Ich vermute übrigens, dass man wegen der für die Sänger guten akustischen Bedingungen auch auf den preiswerteren Plätzen gut hören kann (wir saßen im ersten Rang in der zweiten Loge rechts, 3. Reihe Plätze 3 und 4, mit Operncard zusammen nur 67 €). Eine schöne Aufführung wünscht Ralf Reck

Lieber Ralf!

Ich gehe in der Hamburgischen Staatsoper eigentlich immer in dem 3. Rang und nehme Plätze in den Logen 3, 4 oder 5. Wenn man noch Plätze mit "eingeschränkter Sicht auf die Bühne" bekommt, zahlt man 12.-- Euro und hat zudem freie Hin- und Herfahrt mit dem Bus und der U-Bahn. Nach meiner Wahrnehmung sind das die akustisch besten Plätze im Haus. Und was man von der Bühne nicht einsehen kann, ist ein Viertel oder Fünftel der Bühne am Rand, auf den die Sicht durch einen vorderen Rang verdeckt ist. Solche minimalen Einschränkungen werden in München oder Wien nicht einmal erwähnt. Und man zahlt mindestens das Fünffache.
Übrigens habe ich den Eindruck, dass so weit am Rand meistens die Spielfläche gar nicht mehr genutzt wird. Manchmal bekommt man vielleicht einen Auftritt nicht mit, aber die kommen schon alle in den Bereich, den man bestens einsehen kann.
So preisgünstig wie in Hamburg kann man nirgends sonst in die Oper gehen!

Beste Grüße
Caruso41
;) - ;) - ;)

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MSchenk

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6

Donnerstag, 4. Oktober 2018, 10:15

So preisgünstig wie in Hamburg kann man nirgends sonst in die Oper gehen!
Doch! In Lübeck :jubel: Aber ernsthaft: Ich kann Caruso hier nur zustimmen. Wir sitzen für gewöhnlich einen Rang höher, zumeist 5te Loge links und zahlen für zwei Karten zusammen in normalen Repertoire-Vorstellungen gewöhnlich um die 30,- bis 35,- Euro. Von der Sichteinschränkung merkt man wenig; lediglich weit hinten und hoch oben auf der Bühne wird es schwierig. Vorteil im 4ten Rang zudem die Nähe zur Bar in der Stifter-Lounge mit der Außenterasse und der herrlichen Aussicht.

p.s. Ich werde nun tatsächlich die letzte Luisa Milller-Vorstellung am 11.10. "mitnehmen". Vorher, genauer übermorgen ist jedoch noch die Loy-Alcina u.a. mit Fagioli als Ruggiero und Menasi am Pult dran.
mfG Michael

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chrissy

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  • »chrissy« ist männlich

Beiträge: 3 749

Registrierungsdatum: 20. Oktober 2010

7

Freitag, 5. Oktober 2018, 14:14


Ich gehe in der Hamburgischen Staatsoper eigentlich immer in dem 3. Rang und nehme Plätze in den Logen 3, 4 oder 5. Wenn man noch Plätze mit "eingeschränkter Sicht auf die Bühne" bekommt, zahlt man 12.-- Euro
So preisgünstig wie in Hamburg kann man nirgends sonst in die Oper gehen!


Doch, doch - das kann man ganz sicher, sogar viel preisgünstiger! Zum Beispiel im, von außen und innen, wunderschönen Theater /Opernhaus Liberec /Reichenberg.
Und das mit einem hochkarätigen Ensemble und werkgetreuen Aufführungen.

Kartenpreise auf den besten Plätzen zwischen 10 und 12 Euronen. Und ganz oben in der "Lumpenloge", kostet der Platz nur um die 3 €.
Dort hat man zwar einigen Abstand und Entfernung zur Bühne, aber freie Sicht auf alles und eine hervorragende Akustik.
Haben wir auch schon ein paarmal gehabt. Einziger Nachteil, man muß 86 Stufen bis oben erklimmen.
Beispiel: Habe für den 24. Okt. vier Karten reservieren lassen - 1. Rang, 4. Reihe (beste Plätze!!!), 250 CZ Kronen = 10 Euro / Platz
CHRISSY
http://objednavka.evstupenka.cz:8080/fx/…npVuDJ00pjqZw__
Beweis: (Link anklicken, oben links auf Cenova pasma klicken - die angezeigten Kartenpreise durch 25 dividieren)
Jegliches hat seine Zeit...

Caruso41

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  • »Caruso41« ist männlich

Beiträge: 4 462

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8

Freitag, 5. Oktober 2018, 15:29

Lieber Chrissy,
Du hast natürlich Recht.

In Tschechien sind ja sogar die renommierten Opernhäuser in Prag sehr preisgünstig. In Bukarest und Sofia kann man sogar noch billiger in die Oper gehen, von Jerewan, Baku und Astana ganz zu schweigen. Da habe ich überall vorzügliche Aufführungen erlebt. In Liberec allerdings war ich noch nicht.

Beste Grüße

Caruso41
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MSchenk

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9

Samstag, 13. Oktober 2018, 12:02

11.10.2018 (Staatsoper Hamburg) Giuseppe Verdi "Luisa Miller" - Ein Abend, zwei Tenöre!

Luisa - Nino Machaidze
Frederica - Nadezhda Karyazina
Rodolfo - Josepch Calleja
Miller - Roberto Frontali
Walter - Vitalij Kowaljow
Wurm - Ramaz Chikviladze

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg unter der musikalischen Leitung von Alexander Joel;
Inszenierung Andreas Homoki, Bühnenbild Paul Zoller, Kostüme Gideon Davey.

(18.Vorstellung seit der Premiere am 16.November 2014)

Tja, lieber Ralph, lieber Caruso, mit dem in Rechnung stellen der Karten (inkl. Getränke und Laugenbrezel) wegen Nichtgefallen wird es wohl schwierig, wenngleich es ein durchaus zwiespältiger Abend mit Licht und durchaus auch Schatten gewesen ist. Auf der Haben-Seite zu nennen wären etwa Nino Machaidze mit großer Strahlkraft und herrlichen Spitzentönen. Ihr gebührten am Ende mit Recht die größten Ovationen. Sehr gelungen auch ihr Duett mit Roberto Frontali als Miller - zu Beginn noch etwas rauh und belegt - im dritten Aktes. Überhaupt die Ensemble-Szenen: Großes Stimmen-Theater im zweiten Akt zuerst in Szene und Duett Walter (Vitalij Kowaljow) und Wurm (Ramaz Chikviladze) und anschließend im a capella-Quartett gemeinsam mit Luisa und Nadezhda Karyazina als Frederica, wobei letztere hier stimmlich etwas in den Hintergrund rückte.

Und dann waren da noch die zwei Tenöre! - Zuerst Joseph Calleja in der Rolle des Rodolfo, der mit voluminöser Stimme vom ersten Auftritt an den Raum füllte. Sofort wurde klar, was so manche gute Tenorstimme von einer sehr ausgezeichneten Tenorstimme unterscheidet. Hier wurde genau Linie gesungen, Anstiege in die Höhe gelangen problemlos und auch das Zurücknehmen der Stimme erfolgte bruchlos. Ein Genuß z.B. die Arie "Quando le sere al placido", aber auch die Schlusszene zusammen mit Nino Machaidze.
Der andere Tenor Joseph Calleja hatte vor allem im Finale des ersten Aktes, sowie in der auf die Arie "Quando le sere al placido" folgende Cabaletta zum Finale des zweiten Aufzuges mit massiven Stimmproblemen zu kämpfen! Tatsächlich brach die Stimme am Ende des ersten Aktes dermaßen weg, dass Schlimmes zu befürchten war. Im zweiten Aufzug waren dann allerdings keinerlei Einschränkungen mehr zu bemerken bis zur erwähnten Cabaletta, bei welcher die Stimme erneut ihren Dienst versagte. Als Zuschauer war man geneigt, auf die Bühne zu springen und zumindest ein Glas Wasser zu reichen. Wieder fing sich die Stimme zum dritten Aufzug, aber auch hier im Terzetto finale lief nicht alles rund, wenngleich Calleja hier vermutlich mit Absicht nicht mehr voll Aussang und sich so "über die Runden" retten konnte. - Trotzdem, bei einer differenzierte Sicht ging der Schlussapplaus für beide Callejas für mich in Ordnung.
mfG Michael

Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

Beiträge: 73

Registrierungsdatum: 22. Februar 2007

10

Samstag, 13. Oktober 2018, 14:20

Ich war wie Caruso41 in der Aufführung am 22.09.. Ich war ähnlich begeistert von Calleja wie er. Allerdings hat er sich auch in der Vorstellung im Finale des 1. Aktes festgesungen. Gleiches passierte dann im Finale der Oper. Das schmälert aber nicht eine insgesamt großartige Leistung. Machaidze fand ich, wie schon in Zürich ebenfalls überragend.