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Joseph II.

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Beiträge: 11 889

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1

Dienstag, 23. Oktober 2018, 17:09

FIBICH Zdeněk - Symphonische Dichtungen und sonstige Orchesterwerke

Zdeněk Fibich (1850-1900) steht heutzutage im Schatten von Smetana und Dvořák, dabei war er seinerzeit als der dritte große böhmische Komponist in diesem Trio anerkannt. Leider schlägt sich diese Zurücksetzung bis heute durch, gibt es doch nur eine sehr überschaubare Anzahl an Aufnahmen seiner Orchesterwerke. Ich schreibe hier bewusst nicht nur Symphonische Dichtungen, da es schade wäre, fielen weitere hörenswerte Orchesterwerke durch diese Definition durchs Raster.

Folgende Orchesterwerke (neben den drei Symphonien) von Fibich wurden m. W. eingespielt:

- Der Prager Jude, Ouvertüre zum Theaterstück von Josef Jiří Kolár, WoO (1871)
- Othello, Symphonische Dichtung nach dem Theaterstück von William Shakespeare, op. 6 (1873)
- Záboj, Slavoj und Luděk, Symphonische Dichtung nach der Königinhofer Handschrift, op. 37 (1873)
- Toman und die Waldnymphe, Symphonische Dichtung nach der Ballade von František Ladislav Čelakovský, op. 49 (1875)
- Die Frühlingsromanze, Kantate für Soli, Chor und Orchester, op. 23 (1880)
- Der Sturm, Symphonische Dichtung nach dem Theaterstück von William Shakespeare, op. 46 (1880)
- Der Lenz, Symphonische Dichtung, op. 13 (1881)
- Die Nacht auf Karlstein, Ouvertüre zur Komödie von Jaroslav Vrchlický, op. 26 (1886)
- Komenský (Comenius), Festouvertüre, op. 34 (1892)
- Am Abend, Idyll für Orchester, op. 39 (1893)
- Impressionen vom Lande, Suite für Orchester, op. 54 (1897/98)
- Der Fall Arkonas, Ouvertüre zur gleichnamigen Oper, op. 60 (1898)

Die maßgeblichen Einspielungen entstanden für Supraphon unter den Dirigenten František Vajnar (mit dem Prager Rundfunk-Symphonieorchester, 1983) und Vladimír Válek (mit dem Prager Symphonikern, 1984). Erfreulicherweise ist Naxos dazu übergegangen, diverse Lücken durch Neueinspielungen unter Marek Štilec zu füllen. Daneben widmeten sich Gerd Albrecht und Douglas Bostock diesen Werken.








Ich will zwei der Werke herausgreifen, die mir besonders gefielen: Zum einen "Toman und die Waldnymphe". Die Geschichte von der mysteriösen Waldnymphe wurde so ähnlich zwei Jahrzehnte später auch von Jean Sibelius behandelt. Es geht um einen jungen Mann, der von seiner Geliebten betrogen wird, die einen anderen heiratete, und der in der Walpurgisnacht Trost in den Armen der verführerischen Waldnymphe sucht, was zugleich sein Ende ist.



Außerordentlich effektvoll ist die Opernouvertüre "Der Fall Arkonas", die indes problemlos als eigenständiges Orchesterwerk durchgeht. Es handelt darin um den Sieg des Christentums über das Heidentum der baltischen Slawen im Jahre 1168. Hier bedient sich Fibich am eindeutigsten des wagnerischen Prinzips der Leitmotive, der ausgedehnten Handlungsbreite und der orchestralen Flächen. Es handelt sich beim "Fall Arkonas" sogar um zwei Opern, "Helga" und "Darun", die schon aufgrund des immensen Aufwandes praktisch nicht mehr aufgeführt werden. Der christliche Sieg wird durch eine gewaltige Apotheose mit Orgelbegleitung symbolisiert. Eine gewisse Vorbildwirkung dürfte wohl auch Liszts "Hunnenschlacht" gehabt haben, in der der Widerstreit zwischen Christentum und Heidentum ebenfalls eine wichtige Rolle spielt.

Ich muss ehrlich bekunden, dass mir Fibichs Orchesterwerke mehr imponierten als die Symphonischen Dichtungen von Dvořák.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

dr.pingel

Prägender Forenuser

  • »dr.pingel« ist männlich

Beiträge: 4 294

Registrierungsdatum: 29. Juni 2009

2

Mittwoch, 24. Oktober 2018, 12:49

Lieber Joseph, ich differenziere gerne mit der Bezeichnung "Prägender Forenuser" zwischen den Taminos, die nur kommentieren, und denen, die neue Sichten und Themen kompetent einführen. Dieser Fibich-Thread zeigt natürlich deutlich, dass du zur kreativen Gruppe gehörst. Ich habe mir die Seite ausgedruckt und auch schon ein Stück gehört. Das scheint ja wirklich besser zu sein als die etwas langweiligen symphonischen Dichtungen von Dvorak. Also tausend Dank! :thumbsup:
Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

Beiträge: 19 199

Registrierungsdatum: 9. August 2004

3

Mittwoch, 24. Oktober 2018, 14:24


Fibich ist in der Tat - nicht nur in diesem Forum - WEIT UNTERSCHÄTZT. Und das in sowohl in quntitativer als auch in qualitativer Hinsicht,
Seinem Lebenslauf (in verschiedenen unterschioedlich genauen Versionen überliefert) ist zu entnehmen , daß er seit ca 1878/80 alle Ämter und Funktionen zurücklegte um sich völlig der Komposition zu widmen, diesem erfreulichen Umstand verdanken wir ca 600 überlieferte Werke, davon etwa 359 allein für Klavier solo.
Darunter müssen allerdings zahlreiche ohne Opuszahl sein, denn ich fand - bei flüchtiger Recherche - als höchste Opuszahl die Nr 53....
Während die beiden oft von mir zitierten Konzertführe keine Zeit für eine Erwähnung fanden, bezeichnen andere Nachschlagewerke Fibich als einen der drei bedeutendsten tschechischen Komponisten seiner Zeit.
Ich fand gelegentlich die Behauptung, daß seine Musik weniger national geprägt sei, als jene von Dvorak und Smetana, zumnderst beim gestrigen (und heutigem) Abhören seiner 1. Sinfonie war indes mein Eindruck ein anderer.
Die erste Sinfonie zeichnet sich durch Wohlklang, kombiniert mit Kraft und positiver Ausstrahlung aus, wobei ich den Eindruck hatte, daß Fiblich sehr publikumswirksam komponierte und instrumentierte (nämlich für das zeitgenössische Publikum)
Wenn heute immer wieder betont wird, er stehe im Schatten der beiden anderen großen tschechischen Komponisten, Smetana und Dvorak, dann stimmt das IMO nur bedingt, denn wenn ich es richtig sehe, so waren die in den letzten Jahren auch nur durch einige Werke im öffentlichen Bewusstsein verankert. Dvorak partizipierte von den Legenden um seine Amerikareise und der damit verbundenen 9. Sinfonie, bzw des "Amerikanischen" Quartetts, bei Smetana ist es die Oper "Die verkaufte Braut" und "Die Mokdau" - der Gesamzyklus "Mein Vaterland tritt im Vergleich dazu eher in den Hintergrund.
Bei Fibich ist mir indes kein Werk bekannt, das so in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten wäre
Fibichs Sinfonie Nr 1 in F-dur op 17 ist aus dem Jahre 1883, einer Zeit also in der er sich ausschließlich der Komposition widmete.
Sie besteht aus 4 Sätzen und hat eine Spieldauer von etwa 35-37 Minuten

1) Allegro moderato
2) Scherzo: Allegro assai
3) Adagio non troppo (alla romanza)
4) Finale - Allegro con fuoco e vivace

Persönlich bin ich im Besitz von zwei Einspielungen des Werks (beide von Naxos)

Die ältere Aufnahmer unter Andrew Mogrelia ist klangschön ausgewogen, vielleicht ein wenig pauschal und von mittelmäßiger Dynamik. Gefällig und angenehm zu hören und ohne Beanstandung - wenn man die Vergleichsaufnahme unter Marec Stilec nicht kennt.
Dabei sind wir bereits bei der Alternativaufnahme angelangt, die meiner Einschätzung nach (trotz eines 2 Minuten längerdauerenden Kopfsatzes) feuriger und plakativer klingt, was dem Werk mehr Charakter verleiht und IMO die Bedeutung des Komponisten unterstreichet

Auch wenn Fibich nicht nur an Dvorak und Smetana erinnert sondern auch an Robert Schumann und Carl Maria von Weber, so ist seine tschechische Herkunft schwer zu überhören; Besonders hervorheben möchte ich die traumhaft schönen Bläserpassagen....

Ich kannte das Werk schon von der älteren Naxos Einspielung her, hatte aber die Aufnahme unter Marak Stilec erst gestern ersmals aus der versiegelung gepackt und mit Begeisterung gehört. Das nehme ich zum Anlass, die weiteren Aufnahmen der Orchesterwerke Fibichs unter diesem Dirigenten (alle bei Naxos) nach und nach meiner Sammlung einzuverleiben

mfg aus Wien
Alfred

clck 91

MIT ARBEIT VERSAUT MAN SICH DIE GANZE FREIZEIT

Caruso41

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  • »Caruso41« ist männlich

Beiträge: 4 595

Registrierungsdatum: 19. November 2010

4

Mittwoch, 24. Oktober 2018, 14:55

….Fibichs Sinfonie Nr 1 in F-dur op 17 ist aus dem Jahre 1883, einer Zeit also in der er sich ausschließlich der Komposition widmete.
.......Persönlich bin ich im Besitz von zwei Einspielungen des Werks (beide von Naxos)


Lieber Alfred!
Du solltest unbedingt die Aufnahme von Karel Šejna hören!

Sie besticht durch einen wunderbar poetischen Tonfall und eine Vitalität, die keine andere Aufnahme hat!
Ihm gelingt es auch, die Musik nicht wie eine Aneinanderreihung schöner romantischer Einfälle klingen zu lassen, sondern in ihren fein durchgearbeiteten Strukturen zu durchleuchten.

Fibich ist in der Tat - nicht nur in diesem Forum - WEIT UNTERSCHÄTZT. Und das in sowohl in quntitativer als auch in qualitativer Hinsicht,

Für mich gilt das nicht! Ich habe viele Fibich-Werke in Aufnahmen, die heute leider nicht mehr auf dem Markt sind. Und ich höre sie regelmäßig und gern. Sie sind den Aufnahmen unter Järvi, Albrecht & Co entschieden vorzuziehen.

Beste Grüße

Caruso41
;) - ;) - ;)

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

Joseph II.

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  • »Joseph II.« ist männlich
  • »Joseph II.« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 11 889

Registrierungsdatum: 29. März 2005

5

Mittwoch, 24. Oktober 2018, 15:19

Ich danke für die ersten Rückmeldungen.

Bezüglich der Symphonien gilt die von Caruso genannte Einspielung von Karel Sejna als der absolute Klassiker. Leider ist einzig die Dritte in Stereo, so dass ich selbst auf der Suche nach adäquaten Stereoaufnahmen der 1. und 2. Symphonie bin. Neeme Järvi hat zwar alle drei eingespielt, aber er ist leider nicht die erste Adresse (wie so oft). Gerd Albrechts Aufnahme der 3. Symphonie finde ich auch nicht berauschend, was aber auch am für das Entstehungsjahr (1993) suboptimalen Klang liegt, gegen den selbst die alte Sejna-Aufnahme von 1961 deutlich besser ist. Gibt es also noch irgendwelche weitere (vielleicht sogar tschechische) Stereoeinspielungen der Ersten und Zweiten, die bisher noch nicht genannt wurden? Stilec scheint ja eine Empfehlung wert zu sein.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid