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teleton

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Registrierungsdatum: 10. Dezember 2004

1

Samstag, 27. Oktober 2018, 13:04

Khatchaturian - Violinkonzert D-Moll (1940)

Unser Khatchaturian-Thread hat mittlerweile 92 Beiträge …
da wir in letzter Zeit bei Tamino dazu übergehen solchen Meisterwerken eigene Threads zu bescheren wird es auch Zeit für Khatchaturians Violinkonzert.

Violinkonzert d-Moll (1940)
3 Sätze - Spieldauer mit Oistrach = ~ 37 Minuten
1. Allegro con fermmazza
2. Andante sostenuto
3. Allegro vivace

Das VC ist David Oistrach gewidmet und wurde von ihm und dem Komponisten am Pult in Moskau im gleiche Jahr 1940 uraufgeführt. Das Konzert ist nicht nur Oistrach auf dem Leib geschrieben, sondern er hat zusammen mit dem Komponisten bezüglich des Soloparts auch Einfluss auf Technik und Inhalt genommen (ähnlich wie später auch des im gewidtmeten VC von Schostakowitsch). Die auskomponierte Kadenz wird bei Oistrach al "Ad-libitum-Kadenz" abgewandelt um bei Rückführung in die Orchesterreprise eine strengere Anbindung an das Hauptthema zu erreichen.

Virtuos sind nicht nur Kadenz und Solopart gestaltet, sondern auch der Orchesterpart zeigt sich hochvirtuos und und brillant. Der farbige Klangteppich wird durch 3fach besetzte Holzbläser, 3 -4faches Blech, harfe und reichlich bestückts Schklagzeug erreicht und sorgt für eine Menge toller Klangeffekte.

Gleich vorab - die beste Aufnahme bleibt für mich (der mind. 10Aufnahmen hat) die Oistrach-Aufnahme von 1963 mit dem Komponisten und dem glänzend disponierten Grossen RSO der UDSSR Moskau.
Hier wird die richtige Dimension von Tempo und rhythmischem Feeling mit einem angemessenen Schuss Dramatik geliefert, die bei manchen Aufnahmen zu eindimensional gerät.

Spieldauer Khatchaturian - VC = 14:50 - 12.16 - 9:50

- meine Melodiya/Eurodisc-CD (mit Glasunow und Janacek) scheint nicht mehr verfügbar zu sein - aber Melodiya hat die CD auch im Programm -


Melodiya, 1963, ADD


So sieht meine alte Eurodisc-LP aus:

Melodiya/Eurodisc, 1963



Bei mir hat der Thread auch einen aktuellen Anlass, da ich mir die folgend in Beitrag 3 abgebildete Monteux-CD-Box (RCA) gekauft habe in der das VC mit dem grossen Leonid Kogan enthalten ist.
Dazu gleich ein Vergleich mit Kogans Aufnahme mit dem Komponisten am Pult.
Gruß aus Bonn, Wolfgang

nemorino

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Registrierungsdatum: 31. Dezember 2017

2

Samstag, 27. Oktober 2018, 13:31

Lieber Wolfgang,

das Violinkonzert von Aram Khachaturian gehört nicht unbedingt zu meinen liebsten, aber es ist ein Werk, das dem Geiger alles abverlangt und seiner Virtuosität von kaum einem anderen übertroffen werden kann. In meiner Sammlung ist es nur einmal vertreten, mit dieser Aufnahme:

mit Leonid Kogan (Violine) und dem Boston Symphony Orchestra, Dirigent: Pierre Monteux (Aufnahme: 1958, Boston).

Leonid Kogan war ein sowjetischer Geigenvirtuose, der vor allem in den 1950/60er Jahren bei uns sehr bekannt wurde. Ich erinnere mich an eine sehr schöne Aufnahme des Beethoven-Konzerts, der Dirigent war, wenn ich es recht erinnere, Constantin Silvestri (EMI). In seinen letzten Lebensjahren trat er nur noch selten auf, Kogan war als publikumsscheu bekannt. Inzwischen ist es, vielleicht auch deswegen, recht still um ihn geworden. Der Künstler starb, nur 58 Jahre alt, 1982 während einer Eisenbahnreise in der Nähe von Moskau. Kogan arbeitete auch als Lehrer, zu seinen Schülern zählt u.a. auch Victoria Mullova.

Die Aufnahme aus der Frühzeit der Stereophonie ist klanglich ausgezeichnet, und Kogans Spiel von enormer Kraft und Virtuosität. Er stand damals im Zenit seines Könnens.

LG Nemorino
Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

teleton

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Beiträge: 5 345

Registrierungsdatum: 10. Dezember 2004

3

Samstag, 27. Oktober 2018, 13:45

Leonid Kogan

Leonid Kogan ist auch für das Khatchaturian -VC ein fabelhafter Virtuose, wie seine virtuose und äusserst feurige Aufnahme mit dem Staatlichen Radio und TV SO der UDSSR Moskau mit Aram Khatchaturian von 1959 beweist. Hier sind sich beide Künstler über das angemessen zügige Tempo absolut einig und kommen zu einem brillanten Ergebnis. Leider ist diese Supraphon-Aufnahme klangtechnisch historisch und aufgrund der damaligen Aufnahmetechniken in der UDSSR in Mono (ein Jammer !) - Manche Spitzen und hohen Frequenzen klingen leider verfärbt spitz.

Von der Int und Virtuosität steht Kogan dem Widmungsträger Oistrach tatsächlich nicht nach - sogar manchmal noch mit mehr Feuer.
Spielzeiten mit Kogan, auch hier mit dem Komponsten am Pult, sogar bes.im 1.Satz noch schneller als die Oistrach-Referenz = 12:03 - 12:01 - 9:23


Supraphon, 1959 (VC), Mono, AAD



Ein Jahr 01/1958 früher hat Kogan das VC mit Monteux und dem Boston SO aufgenommen --- aber hier in einer klangtechnisch ungleich besseren Aufnahme aus Boston in Stereo.
Von der solistischen Virtuosität eine sehr schöne Aufnahme, die auch ohne Vergleich unter Monteux spannend und mit "dem monteuxschen" Feuer dirigiert wird. Monteux gestaltet das VC schon sehr angemessen und lässt es auch an zupackendem Gestus nicht fehlen, doch die Effekte und Übergänge so perfekt ausspielend wie unter dem Komponisten, erreicht er nicht. Es klingt nicht russisch sondern wird bei Monteux zu einem klassischen Virtuosen-Konzert.

Bereits ungehört erkennt man an den beiden Kogan-Spielzeiten, dass hier die straffe Hand des Komponisten fehlte um dem Werk den ryhthmischen Drive (wie o.g.Aufnahmen mit Aram) zu verleihen -
Spieldauer = 13:21 - 12:00 - 9:15


RCA, 01/1958 (VC), ADD


Nebenbei:
Diese fabelhafte 8CD-Box hält eine ganze Menge ausgezeichneter Monteux-Aufnahmen bereit, von denen das Khatchaturian-VC, das Brahms-VC + die Franck-Sinfonie d-Moll (die Besten jemals gehörten Int), R.Strauss-Tod und Verklärung, Strawinsky - Petruschka und die Saint-Saens - Havanaise mit Kogan der herausragende Inhalt sind.




Lieber Nemorino,

Dein Beitrag 2 über die Kogan-Aufnahme mit Monteux hat sich (zeitgleich überlappend) zwischen Meinen geschoben. Deshalb noch ein paar Worte zu Deiner durchaus interssanten Kogan/Monteux-Aufnahme.
*** Zu Kogan, der von der Virtuosität an Oistrach ohne Weiteres anknüpfen kann, habe ich mich in den obigen Zeilen geäussert. Die Aufnahme ist schon Klasse, aber kommt doch nicht an den orchestralen Biss der beiden Khatchaturian - Aufnahmen am Pult mit Kogan (Supraphon) und Oistrach (MelodiYa) heran.
:hello: Du solltest beide Aufnahmen kennenlernen um diesen Unterschied zu der ohne Vrgleich guten Monteux-Aufnahme nachempfinden zu können.
Gruß aus Bonn, Wolfgang