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Alfred_Schmidt

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1

Freitag, 16. Dezember 2005, 10:22

Schaden Budgetlabels dem Image ihrer Künstler ?

Die Frage, inwieweit es dem Image eines Künstlers schadet, für ein Billiglabel aufzunehmen hat mich schon gelegentlich beschäftigt.

ist es nicht so, daß ein Künstler, der für ein Budgetlabel aufnimmt, sein Image dauerhaft beschädigt - oder sehe nur ich das so ? Mir ist jedenfalls kaum ein Fall bekannt, wo es einem solchen Interpreten gelungen ist zu einem renommierten Hochpreislabel zu wechseln...

Aber auch, wenn "Lieblingspianisten", Lieblingssänger" oder "Lieblingsdirigenten" nominiert werden, haben sie zumeist (zu Unrecht) das Nachsehen.

Gelingt es den "großen" Schallplattenkonzernen tarsächlich durch PR eine "Aura" für "ihre" Künstler zu stricken, oder sind die wirklich einfach besser ?

Fragen über Fragen

Grüße aus Wien

Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Uranus

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2

Freitag, 16. Dezember 2005, 10:41

RE: Schaden Budgetlabels dem Image ihrer Künstler ?

Hallo,
eine interessante Frage, Alfred!
Ich glaube nicht, dass es dem Image der Künstler wirklich schadet, jedenfalls nicht beim kundigen Klassik-Liebhaber, der längst weiß, dass der Preis einer CD nichts über ihre Qualität sagt.
Ich glaube auch, dass Interpreten wie Korstick (Oehms) oder Kliegel (Naxos) bei den Mayors unterkommen würden, wenn sie wollten.
Allerdings ist es in der Tat so, dass beim weniger kundigen Publikum die Größe und Aufmachung eines Verkaufsstandes die Kaufentscheidu maßgeblich beeinflusst. Da orientiert man sich lieber an der Optik oder der Tasache, dass jemand den Echo gewonnen hat, als die Möglichkeiten zu nutzen, verschieden Aufnahmen anzuhören, bevor man seine Entschidung trifft. Ist mir erst letzte Woche bei Saturn in Köln passiert, wo sich z.B. ein älteres, offensichtlich gut situiertes Päärchen magisch vom sehr unübersehbar angeordneten ASM-Verkaufsstand angezogen fühlte und meinen gutgemeinten Tipp, es gäbe auch noch andere sehr hörenswerte Aufnahmen der Mozart-Violinkonzerte (die man ja bei Saturn auch anhören kann) mit der verständnislosen Gegenfrage abschmetterte: "Aber die hat doch den Echo gewonnen!?"
Daran sieht man, dass die Strategie der Mayors offensichtlich aufgeht; wenn man als Interpret "in" sein will und vielleicht höhere Verkaufszahlen anstrebt, muss man also wahrscheinlich dahin gehen. Ich glaube aber, dass z.B. eine Künstlerin wie Maria Kliegel dies gar nicht vorrangig anstrebt sondern zu schätzen weiß, dass man ihr bei Naxos die Möglichkeit gibt, ein sehr breites Spektrum aufzunehmen und dieses auch noch selbst zu bestimmen.
Herzliche Grüße
Uranus

pianoflo

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3

Freitag, 16. Dezember 2005, 11:42

Hallo,

eine sehr interessante Fragestellung. Ich denke, dass sicherlich die Künstler von Billiglabels, v.a. Naxos weniger Reputation genießen als die Kollegen von DG etc.

Gerade Solisten wie Maria Kliegel, Konstantin Scherbakov und Bernd Glemser bei Naxos brauchen keinen Vergleich zu scheuen, auch die Pianisten Jenö Jando und Idil Biret, die jeweils ein Riesenrepertoire aufgenommen haben, bekommen kaum die Anerkennung, die sie verdienen. Allerdings denke ich, dass auf Dauer die Verkaufszahlen bei Naxos eben auf Grund des Preises doch sehr hoch sind; ausserdem verdienen die Vertragskünstler bei Naxos wohl auch nicht schlecht und haben größere Repertoirefreiheit.

Bei Dirigenten/ Orchestern und Sängern ist mir bei Billigproduktionen doch öfter recht unwohl, ich würde wohl nie die Mahler-Sinfonien unter Antoni Wit bei Naxos kaufen oder unter Emil Tabakov bei Capriccio. Dann schon eher billige Zweitveröffentlichung wie mit Inbal bei Brilliant...

Gruß, flo
"Das Leben ist zu kurz für schlechte Musik"

Wise Guys 2000

Theophilus

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4

Freitag, 16. Dezember 2005, 12:48

Hallo pianoflo

Zitat

Bei Dirigenten/ Orchestern und Sängern ist mir bei Billigproduktionen doch öfter recht unwohl, ich würde wohl nie die Mahler-Sinfonien unter Antoni Wit bei Naxos kaufen oder unter Emil Tabakov bei Capriccio.

Ich glaube, man sollte auch bei diesem Repertoire Erkundigungen einziehen. Mit deiner Einstellung würde dir die ausgezeichnete Bruckner-Box von Georg Tintner bei Naxos entgehen, die als Gesamteinspielung (mit einigen seltenen Versionen) munter im Kreis der Prominenz mitspielt (ähnlich Skrowaczewsky bei Nova Arte/Öhms).

Und was spricht gegen Adam Fischers Gesamteinspielung der Haydn-Symphonien außer dem niedrigen Preis?

Sandor Veghs Mozart-Serenaden bei Cappriccio sind eine der Preisschlager dieses Jahres...

Ciao

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CRC

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5

Freitag, 16. Dezember 2005, 13:00

Vielleicht hätte man die Frage dieses Threads vor 20 oder 15 Jahren noch mit ja beantworten müssen. Heute aber wohl mit nein.

Die Tonträger-Branche allgemeinen und die Klassikszene darin im besonderen sind so vielfältigen Einflüssen und Stürmen ausgesetzt, dass kaum ein Stein auf dem anderen bleibt. Da wird so viel durcheinandergewirbelt, dass sich manche Berühmtheit plötzlich auf dem Abstellgleis wiederfindet. Auch die Hochpreislabels pushen zweifelhafte Jungstars und Eintagsfliegen in der Hoffnung, damit den Absatz ankurbeln zu können. Außerdem mischen sie mit eigenen low-Budget-Reihen im Niedrigpreis-Segment mit.

Zum Glück gibt es neue Labels, die nicht nur Nischen abdecken, sondern auch solche wie Naxos, die schlichtweg alles einspielen wollen, was es gibt. Das gibt vielen guten Künstlern die Möglichkeit, auf dem CD-Markt präsent zu sein.

Heute muss sich niemand mehr etwas darauf einbilden, z.B. beim "Gelbetikett" unter Vertrag zu stehen.
"Muss es sein? - Es muss sein!" Grave man non troppo tratto.

tom

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6

Freitag, 16. Dezember 2005, 13:19

Hi,

daß die "Vertragskünstler" bei NAXOS gut vergütet würden, ist wohl eine Fehlvorstellung, da die Produktionskosten, wozu ja auch die Honorare zählen, regelmäßig gedeckelt werden. Natürlich gibt es Ausnahmen wie Glemser, Biret, Kliegel, Jandö u.a.

Ich denke, daß auch die sog. Billiglabels als Plattformen für den Imageaufbau dienen können. Das mag früher bei Labels wie NAXOS und anderen anders gewesen sein, da die Künstler seinerzeit weitestgehend anonym geblieben sind, inzwischen werden jedoch Einspielungen personalisiert und Künstler gezielt aufgebaut, wie die Beispiele Kliegel, Glemser und Biret bestens zeigen. Mit dem Imageaufbau steigt nunmehr natürlich auch der Marktwert und auch der Bekanntheitsgrad von (ehemaligen) Naxoskünstlern, die dann auch mit Major-Orchestern auftreten.

Grüße

heinz.gelking

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7

Freitag, 16. Dezember 2005, 13:21

Hallo,

natürlich (?) unterscheiden sich die Künstler nicht "qualitativ", wie auch immer man das dann im Detail überhaupt definieren würde wollen. Aber sie unterscheiden sich in der Vermarktung. Ein Naxos-Künstler wird niemals bei "Wetten das?" auftreten, weil das Label die notwendigen Verbindungen gar nicht herstellen kann und seine Künstler nicht als Glamour-Ikonen installiert.

Das macht aber auch nichts. Auch die Künstler der so genannten "Billig"-Labels haben ihr Auskommen (als Hochschullehrer, durch Gagen für Konzerte,...). Insofern würde ich die Frage, ob "Billig"-Label oder Universal & Co ziemlich gelassen betrachten. Problematisch wird's nur dann, wenn sich öffentlich-rechtlich finanzierte Orchester sich an Label binden und deshalb anderswo gebundenen Dirigenten nicht für Aufnahmen zur Verfügung stehen. Das war aber in den 60er/70er Jahren ein größere Problem als heute.

Freundliche Grüße

Heinz Gelking

Theophilus

Administrator

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Registrierungsdatum: 1. Dezember 2004

8

Freitag, 16. Dezember 2005, 13:36

Hallo Heinz

Zitat

...natürlich (?) unterscheiden sich die Künstler nicht "qualitativ", wie auch immer man das dann im Detail überhaupt definieren würde wollen. Aber sie unterscheiden sich in der Vermarktung. Ein Naxos-Künstler wird niemals bei "Wetten das?" auftreten, weil das Label die notwendigen Verbindungen gar nicht herstellen kann und seine Künstler nicht als Glamour-Ikonen installiert.

Ich glaube nicht, dass irgendein Klassik-Label das Potential hat, Künstler zu "Wetten, dass?" zu bringen. Die suchen sich ihre Künstler schon selber aus.

Und besonders Anna Netrebko zeigt ja das Marketing-Desaster der DGG in schönstem Licht. Sie war drei Jahre lang Exklusiv-Künstlerin der DGG und schaffte es nach ihrem Durchbruch als Salzburger Donna Anna ihre internationale Anerkennung stetig zu steigern. Und in diesen drei Jahren schafft die DGG gerade einmal zwei Arien-CDs und eine Videoclip-Sammlung.
Als dann die April-Serie des Liebestranks an der WSO ein Sensationserfolg wurde und klar war, dass der ORF auch die Traviata in Salzburg aufnehmen und senden würde, sind die DGG-Herrschaften erst so richtig aufgewacht. Da sie selber aber nichts anzubieten und offensichtlich auch keine Produktionen vorbereitet haben, hören wir jetzt eine Live-Aufzeichnung aus Salzburg im gelben Etikett, und die Traviata und der Liebestrank aus der WSO sollen nächstes Jahr als Video kommen.

Tolles Marketing am derzeit zugkräftigsten Opernstar unserer Tage...

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

Norbert

Moderator

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9

Freitag, 16. Dezember 2005, 13:49

RE: Schaden Budgetlabels dem Image ihrer Künstler ?

Zitat

Original von Alfred_Schmidt


ist es nicht so, daß ein Künstler, der für ein Budgetlabel aufnimmt, sein Image dauerhaft beschädigt - oder sehe nur ich das so ? Mir ist jedenfalls kaum ein Fall bekannt, wo es einem solchen Interpreten gelungen ist zu einem renommierten Hochpreislabel zu wechseln...



Hm, Peter Seiffert hat seinen ersten Erik (fliegender Holländer) bei Naxos aufgenommen, der "Fidelio" wartet mit einer sehr namhaften Besetzung auf: Kurt Moll als Rocco, Alan Titus als Pizarro, Gösta Winbergh als Florestan.
David Zinman und Stanislaw Skrowaczewski waren bereits sehr etablierte Dirigenten bevor sie für Arte Nova bzw. Oehms CDs aufnahmen.

Diese Beispiele zeigen mir, daß inzwischen "Budget-Label" nichts anrüchiges mehr an sich haben, sondern sich etabliert haben.

Zu unterscheiden sind imo allerdings Budget-Label und "Ramschlabel". Letztere sind Billigstproduktionen mit Dirigenten bzw. Künstlern, die nicht existieren, also die mit Phantasienamen versehen wurden. Anton Nanut oder Martha Bergerich z.B. sind solche.
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

pianoflo

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10

Freitag, 16. Dezember 2005, 14:49

Hallo

@ theophilus:

Die Bruckner-Box unter Tintner besitze ich selbst, kann man als Ausnahme gelten lassen, auch wenn ich den Interpretationen teilweise nicht ganz so viel abgewinnen kann. Aber von den anderen Naxos-Boxen mit den Sinfonien Dvoraks, Schostakowitschs und Prokoffiefs hört man selten etwas gutes, außer Preis-Leistung. Beethoven ist auch umstritten.

Die Haydn-Sinfonien mit Fischer bei Brilliant (habe ich ebenfalls selbst und schätze sie durchaus) fallen im Endeffekt nicht unter unser Thema, weil sie keine Aufnahmen für ein Billiglabel sind, sondern ursprünglich für Nimbus Records aufgenommen wurden und jetzt mit Lizenz zweitverwertet werden, wie Brilliant das dankenswerterweise so oft macht.

Zu der Entlohnung der Naxos-Künstler habe ich mal ein Interview mit dem Naxos-Chef gelesen, der behauptet hat, dass sich für die Stars des Labels wie Glemser oder Kliegel ein Wechsel zur Universal Group oder ähnlichem nicht lohnen würde, in wie weit das stimmt, kann ich nicht beurteilen.

Gruß, flo
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rappy

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11

Freitag, 16. Dezember 2005, 15:14

Hi,

tatsächlich, die ganz großen Namen wie Pollini, Richter, Barenboim, Bernstein etc. sind bei Billiglabels nicht vertreten.

Zitat

natürlich (?) unterscheiden sich die Künstler nicht "qualitativ"


Da wäre ich mir nicht so sicher. Vor allem das "natürlich" muss weg. Meint ihr wirklich dass Idel Beret mit Sv. Richter mithalten kann und irgendein Naxos-Dirigent die Leistung Otto Klemperers vollbringt (nur zwei Beispiele)?
"Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

Ulli

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12

Freitag, 16. Dezember 2005, 16:46

Schaden?

Salut,

vermutlich stehe ich mit meiner folgenden Ansicht alleine da:

Ich bevorzuge eigentlich die unbekannteren Labels mit wenigen Ausnahmen [Einzigeinspielungen]. Nicht des Preises wegen, sondern aus dem Grunde - und dabei handelt es sich letztlich nur um eine Vermutung:

Ist eine Einspielung budgetiert, so betrifft dies m. E. auch die Mordsarbeit der Schnitte. Weniger Budget, weniger Schnitte: Die Aufnahme ist natürlicher und nicht so technisch-perfektionistisch und unreal! So ist jedenfalls mein Höreindruck.

Zu dem kommt noch, dass die "großen Stars" in aller Regel auch immer wieder "den selben Mist einspielen" :stumm: -> Die ewig gleichen Stücke/Komponisten!?! - Abweichung maximal in der Interpretation, für mich belanglos. Ich brauche Vielfalt an Werken und Komponisten und das finde ich bei anderen Labels.

:angel:

Liebe Grüße
Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

Theophilus

Administrator

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13

Freitag, 16. Dezember 2005, 17:22

Hallo Flo,

gut, die Fischer-CDs waren ursprünglich eher Mid-Price (dafür aber Kleinstlabel). Bei den angesprochenen Naxos-Zyklen muss man aber berücksichtigen, dass dies eben auch die ersten Zyklen für dieses Label waren. Damals - in Hochpreiszeiten auch bei Orchestern - musste Naxos zwangsläufig anfangs kleine Brötchen backen (boten aber fast immer ordentliche Ware fürs Geld). Aber es brauchte keine zehn Jahre Existenz des Labels, bis sie eine gewisse Anerkennung hatten. Schon früher hatten sie begonnen, immer wieder mit Aufnahmen den "Großen" ernsthafte Konkurrenz zu machen, und sie wurden auch bei Orchesterwerken besser (nicht zu vergessen auch einige sehr gute Opern!).

Aber gehen wir ein Häuserl weiter zu Arte Nova. David Zinman mit Beethoven genehm? Arte Nova verkaufte über 1 Million CDs von Zinman mit seinen Zürchern! Damit dürfte er in den letzten 20 Jahren ohne Konkurrenz sein (am ehesten noch Harnoncourt, dessen Zyklus weltweit prächtige Kritiken bekam).

Auch Zinmans Schumann-Symphonien bekamen sehr gute Kritiken.



PS: Eine kurze Recherche ergab, dass drei Beethoven-Symphonien unter Bela Drahos bei Naxos Höchstwertungen im Penguin Guide haben. Noch "schlimmer" ist es bei Dvorak! Und auch Prokofiev sowie Shostakowitsch gehen in dieser Beziehung nicht leer aus. Du siehst, die Stimmen sind zumindest geteilt, aber man wird auch in diesen Fällen im Allgemeinen nicht schlecht fahren, wenngleich es da auch schon sehr rennommierte Künstler im günstigen Bereich gibt.

Ciao

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pianoflo

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14

Freitag, 16. Dezember 2005, 17:45

Hallo,

es gibt ja mittlerweile zwei Beethoven-Zyklen bei Naxos, einer davon unter dem geteilten Dirigat von Michael Halasz und Richard Edlinger und einen unter Bela Drahos. Über letzteren habe ich auch schon gutes gehört, besitze davon allerdings keine Cd; die Edlinger-Aufnahmen mit der Philharmonie Zagreb sind IMO durch die Bank okay, aber nichts besonderes.

Zinman mit Beethoven, absolut genehm, hervorragende Aufnahmen, auch wenn man über die Tempi geteilter Meinung sein kann. Tipp auch Zinman mit den Orchesterwerken von Strauss. Ich weiß nicht, warum Zinman bei Arte Nova unter Vertrag ist, aber es soll uns ja nur recht sein, von der Aufnahmequalität her gibt es keine Probleme und billige Preise sollten auch nicht stören... :D

Übrigens: Zur Preisfrage fällt folgendes auf: Mein Naxos-Bruckner-Zyklus ist der teuerste in meiner Sammlung, Preis ca. 40 Euro, die Aufnahmen von den renommierteren Jochum (damals noch EMI, jetzt Brilliant, 25 Euro) und Barenboim (Warner) mit 27 Euro waren billiger. Ich meine, das Super-Billig-Label ist Naxos also nicht, und die Qualität nimmt auch durchaus zu, keine Frage.

Bei den Naxos-Opernaufnahmen gibt es wohl durchaus auch beachtliche Aufnahmen (Fidelio/ Zauberflöte), andererseits kenne ich ein paar, die nun wirklich nicht mit der Spitze mithalten können (Don Carlos, Barbier von Sevilla, Holländer).

Gruß, flo
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Maik

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15

Freitag, 16. Dezember 2005, 17:57

Hallo rappy,


Zitat

Hi,

tatsächlich, die ganz großen Namen wie Pollini, Richter, Barenboim, Bernstein etc. sind bei Billiglabels nicht vertreten.

Zitat

natürlich (?) unterscheiden sich die Künstler nicht "qualitativ"


Da wäre ich mir nicht so sicher. Vor allem das "natürlich" muss weg. Meint ihr wirklich dass Idel Beret mit Sv. Richter mithalten kann und irgendein Naxos-Dirigent die Leistung Otto Klemperers vollbringt (nur zwei Beispiele)?


ich möchte gerne auf zwei Dinge eingehen, vorher allerdings fragen, ob ihr 'nur' Naxos zu den Billiglabels zählt oder auch EMI. Die Nipper Collection ist auch billig, genauso Red Line. Vielleicht zählen andere Unterlabels (kann man das so sagen) von EMI auch dazu. Da gibt es ein paar die nur 10€ kosten, aber die sind wahrscheinlich wieder zu teuer.
Nehmen wir also nur einmal Nipper und Red Line.

Mir fällt sofort eine CD ein: Paul Tortellier und André Previn mit Dvoráks Cellokonzert (beim anderen Werk spielt Yehudi Menuhin die Violine) - EMI Nipper Collection. Es gibt mindestens noch einen hier, der diese Aufnahme zu eine der Besten des op.104 von Dvorák zählt...


Aber dieser Fall tritt sicherlich nicht sehr häufig auf, dass eben billige Labels mit den großen Namen posaunen.


Zu deinem letzten Punkt möchte ich sagen, dass ich zwar keinen Dirigenten kenne, der Klemperer ebenbürtig ist (ich habe noch gar nichts von ihm), aber ich besitze eine Naxos Aufnahme die Harnoncourt (sicherlich, wie bei jedem Künstler, nicht überall beliebt, aber dennoch ein Großer) in den Schatten stellt.
Und zwar handelt es sich um Dvoráks Sinfonische Dichtungen op.107-110.
Die Gesamtaufnahme Harnoncourts mit dem Concertgebouw Orchestra kann bei den drei (op.108-110) Werken unter Gunzenhauser nicht so recht mithalten. Da steckt bei Gunzenhauser mehr Spannung und Feuer drin...
Genauso Wit mit op.107 (gekoppelt mit op.33). Beide Naxos Dirigenten haben IMO mehr Aussagekraft in ihren Interpretationen.


Zitat

Original von Ulli
Die Aufnahme ist natürlicher[...]


Das trifft zwar IMO nicht immer zu, aber für manche Aufnahmen bin ich mit dir d'accord!


Gruß, Maik
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rappy

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16

Freitag, 16. Dezember 2005, 18:03

EMI und Billiglabel? Sind EMI nicht diejenigen, die immer die ganz Großen rausbringen? Dachte das wäre das Gegenteil von Billiglabel. Hab jetzt erst für meinen Vater zu Weihnachten ne CD von EMI mit den Vivaldi Vier Jahreszeiten unter Mutter/Karajan/BPO für 16,99€ gekauft.
"Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

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17

Freitag, 16. Dezember 2005, 18:09

EMI macht es genau wie alle anderen Großen und bringt eigene Midprice- und Billig-Reihen heraus.

Damit lässt sich trefflich im Revier der reinen Billiglabels wildern.
Außerdem haben die großen Konzerne einen riesigen eigenen Back-Katalog, den sie nach Belieben wieder und wieder ausschlachten können.
Die jüngeren Billig-Labels müssen sich diesen Vorrat an eigenen Aufnahmen erst noch erarbeiten - oder sie greifen auf Produktionen zurück, deren Urheberrechte auslaufen oder die ihnen von den Großen zum Ramschpreis angeboten werden (Brilliant)

All das hat absolut nichts mit der Qualität der Aufnahmen zu tun.
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18

Freitag, 16. Dezember 2005, 18:10

Hallo rappy,

das meinte ich ja. Es gibt innerhalb von EMI noch einige 'Unterlabels', die in die Preiskategorie billig fallen (Red Line 4,99€ und Nipper 6,99€).

Es gibt aber auch CDs bei EMI für 9,99€ (GRotC oder auch GAotC) oder eben auch für 21,99€ (z.Bsp. Rattle / Dvorák / Sinfonische Dichtungen).

Gruß, Maik
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Alfred_Schmidt

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19

Freitag, 16. Dezember 2005, 18:22

Hallo,

Hier möchte ich gerne etwas klarstellen:

Wenn ein Künstler einen Plattenvertrag mit Emi, RCA, Deutscher Grammophon, Decca oder Philips abschloß, dann tat er es mit einem Hochpreislabel - Dementsprechend war der Aufwand bei der Aufnahme, und der Imagegewinn des Künstlers.
Wenn EMI oder ein gleichwertige Mitbewerber nach etlichen Jahren eine Aufnahme "verramscht" (ist keine Abwertung, sondern ein Terminus technicus im Buch- und Musikalienhandel, so heißen der Preis wird runtergerissen oder freigegeben) so ist es trotzdem keine Billigaufnahme" Die Aufnahme ist in der Regel lediglich älter......

LG

Alfred

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Theophilus

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20

Freitag, 16. Dezember 2005, 18:43

Hallo,

du weist völlig richtig auf eine interessante Entwicklung hin. Als Naxos 1988 mit Billigstpreisen antrat, wurden sie von allen Seiten belächelt. Das gab sich aber sehr bald, als die Kunden draufkamen, dass man billig kaufen und dennoch gute Musik bekommen konnte. Heute ist Naxos sicherlich eines der potentesten Labels am Markt.

Sie haben aber ihr Preisniveau von 1988 bis heute ziemlich gehalten. Auch gibt es - von wenigen Ausnahmen abgesehen - keine Vergünstigungen: 1 CD kostet 6,90, eine Doppel-CD 12,80, usw.
Waren sie damals die mit Abstand billigsten, so hat sich das im Laufe der Jahre geändert. Nicht nur die "großen" Marken mit Billigreihen, sondern auch neue Billigst-Labels haben Naxos preislich unterlaufen, so dass sie schon Richtung Midprice unterwegs sind. Das scheint sie aber noch nicht zu stören, denn besonders im ausgefallenen Repertoire heimsen sie reihenweise Preise und Spitzenbewertungen ein, so dass Naxos heute eigentlich schon ein sicherer Kauf ist.


Zitat

Bei den Naxos-Opernaufnahmen gibt es wohl durchaus auch beachtliche Aufnahmen (Fidelio/ Zauberflöte), andererseits kenne ich ein paar, die nun wirklich nicht mit der Spitze mithalten können (Don Carlos, Barbier von Sevilla, Holländer).

Sehr interessant, deine Meinung. Ich würde den Barbier und den Holländer jederzeit wärmstens empfehlen. Beide Einspielungen kamen zu einer Zeit heraus, wo gute Aufnahmen der Majors zumindest das doppelte gekostet haben, und das teilweise bei veralteter Tontechnik. Sie boten ungemein viel für ihr Geld und müssen sich meiner Meinung nach vor keiner Konkurrenz der letzten zwanzig Jahre verstecken. Aber ganz sicher fehlt in der Liste der empfehlenswerten Naxos-Opern noch Rossinis Tancredi!

Ciao

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Maik

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21

Freitag, 16. Dezember 2005, 18:55

Hallo Theophilus,

der Preis der Naxos Aufnahmen beläuft sich nicht auf 6,90€ sondern nur 5,99€.
Das ist der Standardpreis für die Einzel CDs. Wenn ich mich nicht irre haben sie aber ein paar Ausnahmen für 4€.


Zitat

Bei den Naxos-Opernaufnahmen gibt es wohl durchaus auch beachtliche Aufnahmen (Fidelio/ Zauberflöte),...


Bei dem Fidelio kann ich mich nur anschließen. (Wenn ich es richtig im Kopf habe singt Kurt Moll mit. Wieder eine Größe.)

Was an Naxos genial ist, ist das breite Spektrum das sie anbieten. Das dürfte eben auch ein enormer Vorteil dieses Billiglabels sein, bei dem ich immer gerne Einkaufe...


Gruß, Maik
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22

Freitag, 16. Dezember 2005, 19:00

Hallo Maik

Zitat

der Preis der Naxos Aufnahmen beläuft sich nicht auf 6,90€ sondern nur 5,99€.

Vergiss bitte nicht, dass du für mich im Ausland sitzt (und umgekehrt)! Bei uns ist der empfohlene Verkaufspreis 6,90. Dennoch ist es möglich, auch in Österreich bei speziellen Anbietern etwas günstiger auszusteigen. Aber es gibt bei Naxos keine zwei verschiedenen Preisniveaus. Es gibt lediglich einige 3CD-Boxen zum Preis von 2 und einige Gesamtausgaben sind im Schuber etwas billiger als die Einzel-CDs (die es aber auch fast immer gibt; in dieser Kundenorientierung ist Naxos heute schon fast einzigartig). Relativ neu sind einige 5CD-Boxen mit speziellen Preisen.

Ciao

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23

Freitag, 16. Dezember 2005, 19:11

Hallo Theophilus,


Zitat

Zitat

der Preis der Naxos Aufnahmen beläuft sich nicht auf 6,90€ sondern nur 5,99€.


Vergiss bitte nicht, dass du für mich im Ausland sitzt (und umgekehrt)! Bei uns ist der empfohlene Verkaufspreis 6,90.


hatte ich nicht bedacht, entschuldige...



Zitat

Aber es gibt bei Naxos keine zwei verschiedenen Preisniveaus. Es gibt lediglich einige 3CD-Boxen zum Preis von 2 und einige Gesamtausgaben sind im Schuber etwas billiger als die Einzel-CDs (die es aber auch fast immer gibt; in dieser Kundenorientierung ist Naxos heute schon fast einzigartig). Relativ neu sind einige 5CD-Boxen mit speziellen Preisen.


Ich habe eben eine CD für 3,99€ gefunden und auch einige für 5,09€...Da wäre wieder (wenn auch ein geringer) der Preisunterschied.
Aber das soll ja hier gar keine Rolle spielen.

Fest steht das Naxos klasse Aufnahmen für wahrhafte Spottpreise anbietet. (Natürlich sind nicht alle Aufnahmen klasse - nur das keiner denkt ich möchte dies auf jede CD verallgemeinern...)

Ich denke es sollte dann wieder zum Thema zurückgekehrt werden.

@Alfred
Danke für den Hinweis mit EMI.
Das Beispiel mit Previn / Tortellier / Menuhin hat sich dann 'erledigt'.

Aber Gunzenhauser und Wit stehen :yes:

Gruß, Maik
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Sirach 32, 7

D.Minor

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24

Freitag, 16. Dezember 2005, 19:25

naxos zeitgenössisch

ich möchte nur auf die immense zahl an ersteinspielungen und erstveröffentlichungen auf dem naxos-label verweisen, da kann man wohl von einer wichtigen vorreiterrolle sprechen. die majors tun sich das nämlich nicht an
lg
d.
Es gibt kaum etwas Schöneres, als dem Schweigen eines Dummkopfes zuzuhören

tom

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25

Freitag, 16. Dezember 2005, 19:26

Vor einiger Zeit hat mich bei der Lektüre des NAXOS-Katalogs sehr in Erstaunen versetzt, daß Arnold Östman, der jedenfalls für meine Vorstellung das Opernwerk Mozarts genial für das Edellabel Decca/Oiseaux-Lyre eingespielt hat, der wohl als arriviert in der internationalen Opernszene gelten darf, nunmehr für das preisgünstige Label NAXOS die Gluckopern Alceste und Orpheus und Eurydike in Drottningholm eingespielt hat. Ich will hier keine Vermischung von Threads und auch keine Verwirrung herbeiführen aber gibt es Hörberichte zu diesen Einspielungen?

Offenkundig gibt es Künstler, die auch bei hoher Akzeptanz in der Szene sich nicht scheuen für NAXOS tätig zu werden, wobei man wahrscheinlich bedenken muß, das heutzutage auch rennomierte Künstler/Interpreten von den Multis ohne weiteres fallengelassen werden, diese dann entweder das Label wechseln (Harnoncourt zu BMG) oder eben selbst produzieren (Colin Davis).

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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26

Freitag, 16. Dezember 2005, 21:23

Ich glaube nicht, dass der Ruf eines Künstlers zentral vom Plattenlabel und der dortigen Vermarktung abhängt. Das mag für einige wenigen Künstler von ca. 1965-1990 eine gewisse Rolle gespielt haben, aber kaum ein wirklich berühmter Künstler des 20. Jhds wurde durch Platten berühmt (ein paar der Historisch Orientierten mögen hier eine Ausnahme sein). Denn in der ersten Jahrhunderthälfte wurden zum einen fast nur schon berühmte Künstler überhaupt zu Plattenaufnahmen herangezogen, zum anderen waren noch die ersten LPs so teuer, dass die Verbreitung über Konzert und Radio gewiß wichtiger war.

Heute müssen Künstler eh von Konzerten o.ä. leben, weil mit wenigen Ausnahmen die Platten nicht genug abwerfen. Viele nehmen dann sicher lieber für einen Pauschalbetrag für Naxos auf, als sich gar nicht zu verewigen. Außerdem wird man z.B. als Künstler für ein kleines Hochpreislabel wie BIS oder Hyperion nicht unbedingt bekannter als mit Naxos, Hochpreis vs. Tiefpreis ist also schlicht nicht der Punkt.

@Rappy: Welcher Dirigent, der momentan bei der DG unter Vertrag ist, wäre mit Klemperer vergleichbar...
Zwar wohl auch teilweise Zweitverwertungen von Naxos, aber etliche der Aufnahmen mit dem Stravinsky-Vertrauten Robert Craft (AFAIK hatte er sie zunächst teils auf eigene Kosten produziert!) gehören zweifellos zum besten, was es bei diesen Werken (Stravinsky, Schönberg) gibt
(Ähnliches gilt für die urspgl. wohl beim WDR produzierte Schostakowitsch-GA, die bei Brilliant erschienen ist.)

Zumindest einige der Naxos-Pianisten (etwa Scherbakow, Glemser, Frith) können ziemlich locker mit Pollini oder Schiff mithalten

Der postive Effekt vons Janze ist IMO, den Starrummel und die Überbewertung des Intepreten zu konterkarieren... :D

viele Grüße

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

Ulli

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27

Freitag, 16. Dezember 2005, 21:57

Zitat

Original von tom
Vor einiger Zeit hat mich bei der Lektüre des NAXOS-Katalogs sehr in Erstaunen versetzt, daß Arnold Östman, der jedenfalls für meine Vorstellung das Opernwerk Mozarts genial für das Edellabel Decca/Oiseaux-Lyre eingespielt hat, der wohl als arriviert in der internationalen Opernszene gelten darf, nunmehr für das preisgünstige Label NAXOS die Gluckopern Alceste und Orpheus und Eurydike in Drottningholm eingespielt hat. Ich will hier keine Vermischung von Threads und auch keine Verwirrung herbeiführen aber gibt es Hörberichte zu diesen Einspielungen?


Salut,

meinst Du das: Ulli: Unverzichtbare Klassikaufnahmen ?(

LG
Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

tom

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28

Samstag, 17. Dezember 2005, 11:57

Hallo,

ja genau, diesen Arnold Östman (bezogen auf Mozart) meinte ich. Den von Dir angezeigten Alceste von Schweitzer kenne ich nicht. Ich weiß nur, daß Gluck eine gleichnamige Oper geschrieben hat.

Beste Grüße und Dank für den Hinweis

pianoflo

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29

Samstag, 17. Dezember 2005, 12:27

Hallo,

verbessert mich, wenn ich mich irre, aber ich glaube kaum, dass Arnold Östman erst vor kurzem die Gluck-Opern für Naxos eingespielt hat, weil er meines Wissens vor drei Jahren gestorben ist.

Kann es sein, dass ich mich irre? (Schön wärs)

Gruß, flo
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Ulli

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30

Samstag, 17. Dezember 2005, 13:06

Salut,

pianoflo hat leider Recht. Östman starb leider, bevor ich ihn live erleben durfte. Mal wieder Pech gehabt...

;(
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