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Uwe Schoof

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1

Freitag, 16. Dezember 2005, 23:06

Liebe zur Kammermusik?

Liebe Musikfreunde,

als Neuling in diesem Forum versuche ich, mir einen Überblick der Themen und Stimmungen zu verschaffen. Ich habe, vorsichtig ausgedrückt, den Eindruck, dass die Kammermusik sehr im Schatten der Orchestermusik steht. Dies hat bestimmt auch seine Gründe, schließlich hört ja jeder meist das, was ihm gefällt oder was ihn interessiert.

Da ich selber im Gegensatz dazu sehr der Kammermusik zugeneigt bin, mir aber auch generell Inspiration erhoffe, möchte ich fragen: Was sind die Gründe für das präferieren der Orchestermusik? Was fehlt der Kammermusik, um Interesse zu wecken oder: warum wird die Kammermusik nicht als so schön bzw. angenehm empfunden? ODER:
Was ist so unnachahmlich an der Orchestermusik?

Ich hoffe, mit dem Aufgreifen dieses fundamentalen Themas als Neuling nicht die Regeln der Höflichkeit in diesem Forum zu verletzen.

Gruß, Uwe
Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

Ulli

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2

Freitag, 16. Dezember 2005, 23:17

RE: Liebe zur Kammermusik?

Salut,

erstmal herzlich Willkomen im Forum! Dieses Thema ist fundamental und natürlich bei TAMINO nicht gänzlich unbekannt:

Stellenwert von Kammermusik heute - Begeisterung und Ablehnung

Vielleicht findest Du hier bereits einie Antworten auf Deine Fragen. Dann empfehle ich noch den Moderatoren, diesen Thread entsprechend zu verschieben.

:hello:

Trés cordialement
Ulli

Da offenbar der alte Thread schon seehr alt ist, und das Forum sehr gewachsen, die Fragestellung ähnlich - aber nicht gleich - wird die Moderation die beiden Threads parallel zulassen
Alfred, Moderation
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

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3

Freitag, 16. Dezember 2005, 23:41

RE: Liebe zur Kammermusik?

Zitat

Original von Uwe Schoof
Da ich selber im Gegensatz dazu sehr der Kammermusik zugeneigt bin, mir aber auch generell Inspiration erhoffe, möchte ich fragen: Was sind die Gründe für das präferieren der Orchestermusik? Was fehlt der Kammermusik, um Interesse zu wecken oder: warum wird die Kammermusik nicht als so schön bzw. angenehm empfunden?


Viele, nicht nur Neulinge sind von den Klangfarben eines Orchesters begeistert, die sie in der Kammermusik vermissen (obwohl ein Quartett keineswegs monochrom klingt, aber eben ein eingeschränktes Spektrum besitzt), HIFI-Demonstrationen gehen auch besser usw.

Dazu kommt, dass (jedenfalls von der Wiener Klassik bis ca. Ende des 19. Jhds.) Kammermusik sehr häufig unabhängig vom Klang weniger eingängig, in gewissem Sinne schwieriger als öffentliche Orchestermusik ist, und hier meist Quartette oder Quintette sperriger als z.B. Violinsonaten oder Bläserquintette. Selbst bei in der Sinfonik experimentierfreudigen Komponisten wie Haydn oder Beethoven, fällt es schwer, dort Stücke von so kompromissloser Expressivität und Dichte zu finden, wie es sie häufig in den Quartetten gibt. Beethovens erstes Quartett ist schon ein Hammer, ein sehr dichter, fast monomotivischer Kopfsatz, ein opernhaft-expressionistisches affetuoso, ein fahl-grimmiges Scherzo und ein zwar leichteres Finale, das dennoch mit skurrilem Humor und Kontrapunkt gespickt ist.
Seinerzeit richtete sich diese Musik zunächst an die Spieler (wenn auch Beethovens Quartette bald zu schwierig für Liebhaber wurden), dann erst an ein Publikum. Und eben auch an andere Komponisten, als Musterbeispiele kompositorischer Kunst und Ausdruckskraft (IMO kann man Mozarts Haydn-Q. so auffassen).

Indes wird jeder Kammermusikfreund bestätigen, dass die geringfügig höherer Einstiegsschwelle um ein Vielfaches vergolten wird. Radagasts großartiges Rätsel wird hier gewiß vielen als Anregung dienen.

Mir fällt noch ein weiterer Punkt ein: Obwohl ich z.B. von Beethovens Quartetten auch schon unanständig viele alternative Aufnahmen besitze, son bin ich i.A. hier nicht so sehr an Interpretationsvergleichen interessiert wie anderswo. Da viele threads Nahrung von solchen vergleichenden Urteilen erhalten, mag das auch beitragen...

Zitat


Ich hoffe, mit dem Aufgreifen dieses fundamentalen Themas als Neuling nicht die Regeln der Höflichkeit in diesem Forum zu verletzen.


Wenn Du Alfred eine Kopie deines Meisterbriefs resp. Promotionsurkunde geschickt hast, darfst Du hier (fast) alles :D

@mods gibt es nicht schon so einen Meta-Thread im Kammermusikforum? Fusion?

viele Grüße

JR
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Ulli

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4

Freitag, 16. Dezember 2005, 23:42

RE: Liebe zur Kammermusik?

Zitat

Original von Alfred_Schmidti

Da offenbar der alte Thread schon seehr alt ist, und das Forum sehr gewachsen, die Fragestellung ähnlich - aber nicht gleich - wird die Moderation die beiden Threads parallel zulassen
Alfred, Moderation


O.K.

Also, dann nehme ich Stellung zu:

Zitat

Original von Uwe Schoof

Was ist so unnachahmlich an der Orchestermusik?


Grundsätzlich sind bei mir alle Genres der Klassischen Musik gleichwertig, jedoch setze ich von Zeit zu Zeit Akzente. Bei der Orchestermusik ist für mich das Reizvolle das Pompöse, der Glanz, die Menge an Musikern. Aus Komponistensicht ist das Erzeugen verschiedener Klangfarben resp. Stimmungen sehr viel einfacher [aber leider auch viel aufwendiger :kotz: ], als mit "nur" ein bis fünf Soloinstrumenten: Wenn der Komponist 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Clarinetten, 2 Fagotte, 2 Trompeten, 4 Hörner, 3 Posaunen, 2 Harfen, 4 Pauken, einen großen Streicherkorpus, vielleicht noch einen Chor und Solisten zur Verfügung hat, so sind die Möglichkeiten nahezu unbegrenzt und vor allem ist es wieder das Pompöse, was den Reiz ausmacht. Ganz einfach ist die Trennung nicht, denn auch ein leiser und filigraner Orchesterklag ist sehr wichtig und erstrebenswert.

Die Kammermusik ist in meinen Ohren sehr viel filigraner, persönlicher, heimischer, eigentlich freundschaftlicher. Es handelt sich in der Regel einzig um Solisten, die alle [aus Komponistensicht] gleichwertig behandelt werden wollen [von frühen Triosonaten einmal abgesehen]. Die Erzeugung eines bestimmten Klang-Effektes ist hier sehr viel aufwendiger und auch begrenzt [manchem Hörer vielleicht zu eintönig?], da nur z.B. vier Instrumente zur Verfügung stehen. Aber auch hier ist es offenbar möglich, wie ich eben im Forum las, dass ein Streichquartett "wie eine Oper" klingt.

:hello:

LG
Ulli
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Maik

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5

Samstag, 17. Dezember 2005, 22:41

Hallo Uwe,

Zitat

Ich habe, vorsichtig ausgedrückt, den Eindruck, dass die Kammermusik sehr im Schatten der Orchestermusik steht. Dies hat bestimmt auch seine Gründe, schließlich hört ja jeder meist das, was ihm gefällt oder was ihn interessiert.


ich denke die Kammermusik steht in der Allgemeinheit im Schatten der Orchestermusik, weil sie nicht so populär gemacht wird und somit auch nicht so bekannt ist - das Genre schon, nur kaum einer kennt etwas.
Warum diese Tatsache (in meinen Augen!) so ist wie sie ist, kann ich dir nicht sagen.
Aber es liegt IMO nicht daran, dass orchestrale Werke ausdrucksstärker sind. Natürlich kann man viel mehr 'Gewalt' (im Sinne von Pomp) erzeugen und zur Schau stellen, wenn man ein riesiges Orchester hat. Aber hat diese Klangfülle auch etwas mit Ausdrucksstärke zu tun? Ich denke nein.
Auch ein Trio oder Quartett kann sehr intensiv sein!
Jedoch wird da auch ein Problem liegen, weil viele so etwas vielleicht nicht erwarten und deshalb eher auf Orchestermusik zurückgreifen.

Bei mir persönlich ist die Kammermusik auf dem Vormarsch. Ich erwischte mich manchmal, dass ich 2-3 Tage ausschließlich Kammermusik gehört habe...Und das obwohlich eigentlich recht ausgeglichen zwischen orchestraler Musik und eben Kammermusik wählen kann.
Auch bei Dvorák wächst mir die Kammermusik immer mehr ans Herz...
Und durch ihn habe ich erst so richtig das Interesse für diese Richtung bekommen!
Wie du schon sagtest, man hört das was einem gefällt. Unter anderem Dank Pius bin ich bei Dvorák zur Kammermusik gekommen (wenn mich nicht alles täuscht durch die Slawischen Tänze in der Klavierfassung). Danach wollte ich mehr kennenlernen. Vorher gab es eigentlich nur Orchestermusik. Das war toll und ich vermisste nichts, bis man Neues entdeckte.


Deine gestellten Fragen kann ich dir nicht beantworten.
Aber aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass ich anfangs irgendwie Angst vor dieser Musik hatte...eben aufgrund des kleineren Kreises. Ich dachte da fehlt mir dann etwas.
Dem ist aber nicht so und somit hat sich mein Interessengebiet weiter vergrößert.


Kammermusik bietet ebenso Spannung, Dramatik - Action, aber auch gefühlvolles und sensibles Spiel.
Letztlich finde ich auch das was ich bei Orchestermusik habe, nur in einem anderen Ausmaß oder besser gesagt, auf einem anderen Weg!


Gruß, Maik
Wie ein Rubin auf einem Goldring leuchtet, so ziert die Musik das Festmahl.

Sirach 32, 7

Martin

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6

Sonntag, 18. Dezember 2005, 04:39

Hallo Uwe, hallo Maik,

also bei mir ist die Kammermusik auch eindeutig "auf dem Vormarsch". Ich muß zugeben, als junger Mensch hatte ich die Kammermusik noch überhaupt nicht "auf der Rechnung", das ändert sich aber mit der Zeit und das ist gut so.

Du ( Uwe) bevorzugst nun die Kammermusik. Ist das eigentlich immer schon so gewesen? Ich habe eigentlich immer wieder gehört, daß Menschen, die in jungen Jahren orchestrale Musik gehört haben, dann später sich der Kammermusik zugeneigt haben. Ist die Kammermusik denn von vornerherein Deine erste Liebe gewesen?

Daß die Orchestermusik mehr Möglichkeiten hat, ist natürlich richtig. Andererseits ist es wieder falsch, weil niemand ein 120 Mann starkes Orchester einsetzt, um dann nur vier Leute davon spielen zu lassen, was natürlich immer möglich wäre, aber doch nie passiert. Also hat das Orchester die kammermusikalischen Möglichkeiten nur in der Theorie. Die Kammermusik mag dann zwar in der Tat weniger, aber in jedem Fall andere Möglichkeiten haben. Vor allem aber wird gute Kammermusik in der Regel immer einen "intimeren Tonfall" anstreben und auch treffen, der in der orchestralen Musik deplaziert wäre.

Im übrigen noch ein Gedanke: Wir leben sehr im Zeitalter der Tonkonserve. In einem Zeitalter jedoch, wo nicht alles unbegrenzt verfügbar war, hat die Kammermusik mit Sicherheit einen noch viel größeren Stellenwert gehabt als heute. Bei den Schuberts etwa stand kein CD Player im Regal. Man machte aber Hausmusik - Streichquartette -und setzte sich darüber mit Musik auseinander.

Insofern glaube ich, daß die Kammermusik im 18. und 19. Jahrhundert mit Sicherheit schon praktischerweise einen sehr großen Stellenwert gehabt hat, den man sich immer wieder vergegenwärtigen muß.

Gruß Martin

Uwe Schoof

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7

Sonntag, 18. Dezember 2005, 16:04

Hallo ,

es ist für mich stets interessant, persönliche Meinungen sowohl von Profis als auch von Anfängern zu erfahren, WARUM sie dies oder jenes in der Musik mögen bzw. nicht. Danke für die Antworten.

Ich selbst begann in meiner Jugend mit sinfonischer Musik einschl. Opern. Kammermusik habe ich erst im Laufe der Zeit kennen und in der Folge daraus lieben und schätzen gelernt. Seit mehreren Jahren höre ich hauptsächlich Kammermusik. Warum?

Ich bin mir da nicht sicher, glaube aber, dass dies ein Teil der generellen Entwicklung ist, ich meine den gewollten und ungewollten Hang, in die Tiefe zu gehen. Dies tut die Kammermusik (zumindest der großen Meister) für mich häufig. Ich habe dabei den Eindruck, dass ich die Komponisten in ihren musikalisch intimsten Momenten beobachte, in denen sie sich die größte erdenkliche Mühe geben.

Das gilt natürlich auch für einige Orchesterwerke; diese genieße ich besonders in Momenten, in denen ich eher oberflächlich genießen möchte (auch sehr wichtige Momente). Dann habe ich gerne das Kribbeln in den Füßen, wenn die volle Besetzung incl. Blechbläser spielt.

Bis später,

Uwe
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Ulli

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8

Sonntag, 18. Dezember 2005, 19:32

Zitat

Original von Martin_2
Daß die Orchestermusik mehr Möglichkeiten hat, ist natürlich richtig. Andererseits ist es wieder falsch, weil niemand ein 120 Mann starkes Orchester einsetzt, um dann nur vier Leute davon spielen zu lassen, was natürlich immer möglich wäre, aber doch nie passiert.


Salut,

selbstverständlich kommt es vor - erinnere Dich an den Beginn des B-Dur-Klavierkonzertes KV 450 vom W. A. Mozart oder an die vielen Bläsersoli in der Prager-Sinfonie oder die Arie "Martern aller Arten" ...

:hello:

LG
Ulli
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9

Sonntag, 18. Dezember 2005, 19:46

Zitat

Original von Ulli

Zitat

Original von Martin_2
Daß die Orchestermusik mehr Möglichkeiten hat, ist natürlich richtig. Andererseits ist es wieder falsch, weil niemand ein 120 Mann starkes Orchester einsetzt, um dann nur vier Leute davon spielen zu lassen, was natürlich immer möglich wäre, aber doch nie passiert.


selbstverständlich kommt es vor - erinnere Dich an den Beginn des B-Dur-Klavierkonzertes KV 450 vom W. A. Mozart oder an die vielen Bläsersoli in der Prager-Sinfonie oder die Arie "Martern aller Arten" ...


gibt es sogar noch bei späterer, massiver besetzter Musik, z.B. Brahms 2. Sinfonie Flöte und Horn im Kopfsatz, Oboe im 3. Satz oder auch Mahler, Beginn des Finales der 5. usw., selbst Strauss, im Till z.B. (wobei man sich gewiß streiten kann, ob man Charakter dieser Soli dennoch als wirklich kammermusikalisch bezeichnen sollte)

viele Grüße

JR
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Ulli

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10

Sonntag, 18. Dezember 2005, 20:37

Hallo Johannes,

Danke für die Beispiele. Ich sehe den "solistischen Einsatz" stets als eine Art Intimitat - nicht unbedingt des Komponisten, aber für das Werk. Und Intimität steht für mich mit Kammermusik fast gleich.

:hello:

Ulli
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Martin

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11

Sonntag, 18. Dezember 2005, 22:59

Hallo Ulli, hallo Johannes,

Ja, man soll ja auch nie nie sagen. Also selten meinte ich selbstverständlicherweise. Gibt es nicht auch in Verdis Otello glaube ich sogar ein ganzes Stück, was scheinbar nur mit Streichquartett besetzt ist? Jedenfalls klang es so.

Ansonsten ist ja Kammermusik schon mal vom Namen her doch Musik für die "Kammer" ( kann auch vielleicht eine etwas größere Kammer sein und sicher eher nicht für die Besenkammer). Orchestermusik dann doch eher für den Konzertsaal. Und wenn dann die Instrumente auch noch im 3. Rang gehört werden sollen, kann Intimität dann wohl doch nicht aufkommen, selbst wenn die Besetzung dann tatsächlich mal ( doch wohl eher selten) eine Kammermusikalische sein soll.

Den Einsatz von Solobläsern im Orchester, auch wenn sie mal alleine stehen sollten, empfinde ich als eher nicht kammermusikalisch ( und das Blech etwa kann sich sehr gut "durchsetzen" und paßt von daher schon viel besser in den Konzertsaal, in der (eigenen) Kammer quälst Du damit die Nachbarn).

Ein sehr großer Teil der Kammermusik, der weit überwiegende denke ich, ist für die Besetzung Streichquartett, Violine und Klavier usw., also Streicher mit oder ohne Klavier. Diese Besetzung kenne ich aus dem Orchestersatz nun wirklich gar nicht ( womit ich nicht sagen will, daß es sie nie gäbe, wiegesagt dieses eine Stück bei Verdi vielleicht).

Ja, natürlich gibt es auch Kammermusik für Bläser ( ein sehr schönes und sicher auch erstrangiges Bläserquintett von Carl Nielsen etwa). Ein gewisser Reicha hat glaube ich viele Werke für diese Besetzung geschrieben. Aber kennt ihr soviel Kammermusik für Bläser, insbesondere auch für Bläser ohne Klavier- oder Streicherbegleitung, die wirklich ersten Ranges ist? Ich frage ja nur und gebe auch zu, in dieser Hinsicht wirklich wenig zu kennen.

Gruß Martin

Ulli

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12

Sonntag, 18. Dezember 2005, 23:19

Salut,

oh, allein bei Mozart findest Du ein sehr reichhaltiges Angebot an Kammermusik mit/für Bläser:

Die Flötenquartette
Oboenquartett KV 370 [Oboe, Vl., Vla., Vc.]
Hornquintett KV 407 [Horn, Vl., 2 Vle., Vc.]
Klarinettenquintette KV 581 [Klar., 2 Vl., Vla., Vc.]

sowie die Divertimenti, Serenaden, Partiten für Bläser allein

KV 186, 166, 213, 240, 252, 188, 253, 270, 289, 361, 375, 388

Davon ohne Streicher und erstrangig: 361, 375, 388 :jubel:

Zudem natürlich jede Menge Zeugs in ähnlichen Besetzungen von Antonio Rosetti und vielen anderen Zeitgenossen.

LG
Ulli
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Uwe Schoof

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13

Mittwoch, 4. Januar 2006, 17:18

Liebe Musikfreunde,

einige Eindrücke wurden hier bereits beschrieben, so auch der Hang zur Kammermusik bzw. Orchestermusik bekundet und erläutert.

Ein Anliegen habe ich vielleicht noch an die "Sinfoniker" unter Euch (natürlich nicht nur an die, sondern an alle). So würde ich gerne durch Eure spontane und persönliche Äußerung erfahren: was ist das, was durch das Hören von sinfonischer Musik befriedigt wird, und das durch das Hören von Kammermusik nicht oder weniger befriedigt würde?

Um welche Gefühle, Erwartungen und Emotionen handelt es sich? Ist es hauptsächlich die Klangfarbe - und wenn ja - was bewirkt diese? Wirkt Kammermusik eher langweilig, nüchtern, emotionsarm? - Warum?
Gibt es Ausnahmen? Gibt es Paradebeispiele?

Ist meine Fragestellung hier überhaupt berechtigt und angemessen?

Es grüßt mit Neugier,

Uwe
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Pius

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14

Mittwoch, 4. Januar 2006, 21:26

Hallo, Uwe!

Berechtigt oder angemessen? Auf jeden Fall schwer! Und interessant (für mich zumindest)!
Ich kann tatsächlich erstmal keine ordentliche Antwort geben...
Ich werde noch mal in mich gehen und darüber nachdenken.
So lange verweise ich auf Maiks schönen Beitrag oben. Irgendwie hat er auch mir aus dem Herzen gesprochen...

Viele Grüße,
Pius.

Uwe Schoof

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15

Mittwoch, 4. Januar 2006, 22:07

...das finde ich auch,

..wenngleich ich glaube, dass die Klangfülle (eises riesigen Orchesters) viel mit Ausdrucksstärke zu tun hat. Aber es gibt wohl eine Menge Aspekte des Ausdrucks (vielleicht so viele wie Musikhörer).
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Pius

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16

Samstag, 28. Oktober 2006, 17:13

Hallo!

Ich warte von dem einen oder anderen Kammermusik-Aversen noch auf eine Antwort auf Uwes Frage:

Zitat

Ein Anliegen habe ich vielleicht noch an die "Sinfoniker" unter Euch (natürlich nicht nur an die, sondern an alle). So würde ich gerne durch Eure spontane und persönliche Äußerung erfahren: was ist das, was durch das Hören von sinfonischer Musik befriedigt wird, und das durch das Hören von Kammermusik nicht oder weniger befriedigt würde?


Ansonsten schreibe ich mal, was mir neulich bei der Beschäftigung mit Mozarts Streichquartetten durch den Kopf ging:
Bei den Haydn-Quartetten mußte Mozart keinerlei Zugeständnisse machen und konnte seinem musikalischem Ideal folgen. Hier hören wir vielleicht den "reinsten" Mozart, den es gibt (sofern eine solche Bezeichnung überhaupt Sinn macht). Mir scheint sich hier die Essenz einer Ästhetik der Klassizität zu offenbaren, die wohl nur den Liebhabern solcher filigraner, intimer Musik vorbehalten zu sein scheint.
Wenn das jetzt komisch klang, dann liegt es an mir. ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll.
Wie auch immer, viele Komponisten habe ihre intimsten musikalischen Gedanken in Kammermusikwerken umgesetzt. Oder sie haben hier experimentiert, ihren Stil gebildet und vollendet.

Ich bin inzwischen zu dem Schluß gekommen, daß es bei vielen Komponisten (für mich) sinnvoll ist, sie über die Kammermusik kennenzulernen. Das ist manchmal, als wenn man einen anderen Menschen im Gespräch unter vier Augen kennenlernt anstatt in einer größeren Gruppe.

Viele Grüße,
Pius.

Uwe Schoof

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17

Montag, 18. August 2008, 23:22

Hallo,

Zitat

Pius schreibt: Ich bin inzwischen zu dem Schluß gekommen, daß es bei vielen Komponisten (für mich) sinnvoll ist, sie über die Kammermusik kennenzulernen. Das ist manchmal, als wenn man einen anderen Menschen im Gespräch unter vier Augen kennenlernt anstatt in einer größeren Gruppe.


So ist es, oder auch vielleicht so: Die Einen hören gerne zu, wenn jemand mit Mikrofonen und großen Gesten zu der Menge spricht und seine Meinung kundtut, die anderen lauschen lieber den leisen Gesprächen eines Fremden mit seiner Gefährtin oder Putzfrau.

Es ist eigenartig, zu beobachten (hier im Forum, aber auch sonst), dass sich im Allgemeinen (und theoretisch) ziemlich positiv über die Bedeutung der Kammermusik im Allgemeinen sowie für den Betreffenden selber geäußert wird. Gehört wird sie dagegen, wie mir scheint, verhältnismäßig selten.

Der Streichquartettabend: Der Saal ist natürlich nicht voll. Vier Geiger treten auf die Bühne, nicken kurz - und erzählen. Wie sie sich fühlen. Wie sie mit den kleinen Problemen umgehen, und auch über ihre dummen Späße. Wie kompliziert die Dinge manchmal sind - und wie sehr uns die Kompliziertheit amüsieren kann, wenn wir sie mit Klarheit darstellen und erkennen können. Und das leichte Lächeln, mit dem wir in diesen kleinen Momenten die großen Dinge des Lebens umspannen,...

...das nährt meine Liebe zur Kammermusik.

Liebe Grüße,

Uwe
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rappy

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18

Montag, 18. August 2008, 23:57

Hallo,

ich höre Kammermusik und sinfonische Musik in etwa gleich gerne, wobei ich aber zugeben muss, dass letztere mir etwas bieten kann, was kein Kammermusikwerk in einer solchen Weise vermitteln kann: Ausstrahlung.
Mendelssohn hat sehr schöne Kammermusik geschrieben, die Streichquartette z. B., neben dem späten f-Moll etwa auch das D-Dur Op. 44 mit seiner Leichtigkeit und Eleganz. Fast wie in der Italienischen Sinfonie. Und doch höre ich die Italienische weitaus häufiger. Warum? Es ist die strahlende Pracht des Orchesters, die mich überwältigt. Der Glanz des Holzes, die Energie der hohen Streicher und die Wucht der Kontrabässe.
Oder nehmen wir Mahler. Wie wunderschön klingt doch nach dem riesigen Tumult der Mittelsätze der 9. der Streichapparat zu Beginn des letzten Satzes. Dieser dichte, intensive, paradiesische Klang wäre mit einer Quartettbesetzung selbstverständlich auf diese Weise nicht zu erreichen.
Überhaupt, klangliche Pracht kann eine solch intensive Wirkung haben. Was wäre denn die Gipfelszene der Alpensinfonie in einer Quintettbesetzung? Fast schon lächerlich der Gedanke.
Ich liebe den Klang fast aller (häufig verwendeten) Orchesterinstrumente, angefangen vom Horn, dessen Soli nicht selten Gänsehaut erregen, bis zu den Streichern und Holzbläsern, die sowohl solistisch als auch als Gruppe ernorme Wirkungen erzielen können.
Wenn man sich das einmal alles durch den Kopf gehen lässt, klingt die Frage, was denn Leute dazu veranlässt, lieber Orchestermusik zu hören, fast schon ironisch.

Dabei möchte ich aber ausdrücklich nochmal darauf hinweisen, dass ich Kammermusik mindestens genauso schätze. Genauso wie die Orchestermusik kann natürlich auch Kammermusik Dinge bieten, die man in der anderen Gattung nicht findet. Aber danach ist ja nicht gefragt gewesen ;)
"Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

Ulli

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19

Dienstag, 19. August 2008, 00:01

Zitat

Original von rappy
Oder nehmen wir Mahler. Wie wunderschön klingt doch nach dem riesigen Tumult der Mittelsätze der 9. der Streichapparat zu Beginn des letzten Satzes. Dieser dichte, intensive, paradiesische Klang wäre mit einer Quartettbesetzung selbstverständlich auf diese Weise nicht zu erreichen.


Warten wir mal ab, was Herr Schoonderwoerd zu diesem Thema zu bieten hat.


Zitat

Überhaupt, klangliche Pracht kann eine solch intensive Wirkung haben. Was wäre denn die Gipfelszene der Alpensinfonie in einer Quintettbesetzung? Fast schon lächerlich der Gedanke.


Ja, genauso lächerlich wie Beethovens opp. 36a / 92a oder die Kammerversion des Erdenliedes oder sämtliche Quartett- oder Harmoniebearbeitungen von Opern und Oratorien...

Lächerlich!

:wacky:

Nein, ironisch natürlich. :P

Ulli
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20

Dienstag, 19. August 2008, 12:17

Ich teile zwar die Faszination für kammermusikalische Bearbeitungen (oder Klavierfassungen) von größer besetzten Werken eher nicht. Jedenfalls nicht generell, gewiß können manche Arrangements ziemlich interessant sein, aber grundsätzlich sehe ich im Zeitalter von Schallplatten den Sinn nicht recht ein.

Aber ich verstehe dennoch nicht so ganz, was die Beispiele sollen. Wenn es ein "Alpenquintett" gäbe, klar. Aber die meisten halbwegs intelligenten Komponisten differenzieren schon in der Klassik recht deutlich zwischen kammermusikalischer und "sinfonischer" Schreibweise. Ein Effekt wie etwa im "Heiligen Dankgesang" aus op.132 ist eben auch nicht mit einem großen Orchester zu erzielen. Man kann sich anhand der sogar ziemlich faszinierenden Einspielung einer Streichorchesterfassung von op.131 unter Bernstein schnell verdeutlichen, daß hier etwas gegenüber der Originalversion verloren geht. Ebenso wäre eine Quartettfassung des adagios aus der 9. Beethovens ziemlich seltsam.

:hello:

JR
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21

Dienstag, 19. August 2008, 12:34

Natürlich eignet sich nicht unbedingt jedes Orchesterwerk für eine kammermusikalische Version - aber erstaunlich viele: z.B. Haydns Schöpfung für Harmonie, die Zauberflöte als Streichquartett, die Eroica als Klavierquartett: erst- und letztgenannte gefallen mir persönlich in dieser Form sogar wesentlich besser.

Bei diesen Bearbeitungen gibt es zwei Vorgehensweisen:

a) Es wird so arrangiert, daß es dem Originalsound möglichst gleich kommt. Meistens gelingt dies nicht, wie z.B. die Bearbeitung von Beethovens 4. Klavierkonzert für Kammermusikalische Besetzung ohne Bläser, welche nicht von Beethoven selbst stammt.

b) Es wird so arrangiert, daß die Spezialitäten der [neuen] Instrumentengruppe ausgereizt werden und ein quasi ganz neuer Höreindruck dabei herauskommt. Insofern macht die Einspielung dieser Bearbeitungen auch heute noch Sinn: Wer z.B. gerne Oper hören möchte, aber keinen Gesang mag, greift zum Don Giovanni in der Harmoniefassung, zum Fidelio in der Streichquartettfassung oder zur Neunten [keine Oper] in der Klaviertranskription von Franz Liszt und wird bestens bedient.

Natürlich ergibt sich daraus eine ganz neuartige Erfahrung: Man hört auf einmal Stimmen, die man zunächst nur der Partitur entnehmen konnte - oder, sofern man dies nicht konnte, sie eben nicht hörte. Ihnen kommt plötzlich eine größere Bedeudung zu.

:hello:

Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

Theophilus

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22

Dienstag, 19. August 2008, 16:01

Zitat

Original von Johannes Roehl
... Man kann sich anhand der sogar ziemlich faszinierenden Einspielung einer Streichorchesterfassung von op.131 unter Bernstein schnell verdeutlichen, daß hier etwas gegenüber der Originalversion verloren geht. ...

Diese Aufnahme zeigt aber zugleich, dass eine exemplarische Realisierung durch ein Streichorchester (sehr sehr schwer!) klangliche Wirkungen erzielt, die dem Streichquartett allein verwehrt sind.

Es gibt übrigens von Mahler eine Kammerorchesterfassung von Schuberts Quartett D.810, die es wert ist, gehört zu werden.

:hello:

Ciao

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Davidoff

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23

Mittwoch, 20. August 2008, 10:47

Zitat

Original von Rappy

ich höre Kammermusik und sinfonische Musik in etwa gleich gerne, wobei ich aber zugeben muss, dass letztere mir etwas bieten kann, was kein Kammermusikwerk in einer solchen Weise vermitteln kann: Ausstrahlung.


Lieber Rappy,

entweder hast Du bisher "strahlungsarme" Kammermusik gehört oder, bitte nicht falsch verstehen, Du bist einfach zu jung um die "Ausstrahlung" dieser Werke zu spüren.

Mit gerade mal 20 Jahren faszinierte mich eine Tondichtung von Strauss auch mehr als ein Trio von Schubert. Gut, dass ich dazu gelernt habe und heute "vernünftiger" bin.

Ich werde Dir mal eine Liste mit Kammermusikwerken zukommen lassen, die so strahlen, das Tschernobyl ein Dreck dagegen ist. :yes:

Davidoff
Verachtet mir die Meister nicht

rappy

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24

Mittwoch, 20. August 2008, 13:03

Hi Davidoff,

ich befürchte aber, du hast mich falsch verstanden ;)
Zumindest das Es-Dur Trio höre ich genauso gerne wie eine Tondichtung von Strauss und lieber als die meisten Tondichtungen von anderen Komponisten.
Mit "Ausstrahlung" bezog ich mir eigentlich nur auf das Klangbild. Die Wucht, der Glanz eines Orchesters. Das ist allein durch die Instrumentierung der Kammermusik verhindert.
So strahlen wie Tschernobyl können sie höchstens innerlich :P

Aber ich bin trotzdem mal gespannt, welche Kammermusikwerke du als besonders strahlend empfindest ;)
"Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould