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AcomA

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1

Dienstag, 10. Januar 2006, 16:46

Wer hörte jemals von ihnen? - Unbekannte Tastengenies

Dieser thread ist jenen Pianisten gewidmet, welche es nicht zu ueberregionalem Ruhm brachten, aus welchen Gründen auch immer, und doch Großartiges auf dem Flügel zustande brachten oder bringen. Ich fange mal an.

methusalem mit unerschöpflichen kräften

vor vier jahren, während eines aufenthaltes in teheran, stellte mir ein freund einen von ihm mitgeschnittenen klavierabend des iranisch-armenischen pianisten emanuel melik-aslanian vor. der klavierabend fand in der österreichischen botschaft statt. ich hatte den namen dieses pianisten noch nie zuvor gehört, zudem war der pianist zum zeitpunkt des recitals 85 jahre alt !

das programm:

bach-liszt - präludium und fuge

beethoven - klaviersonate f-moll op. 57

beethoven - klaviersonate c-moll op. 111

pause

chopin - klaviersonate b-moll

schumann - fantasie c-dur

schumann - kreisleriana

liszt - consolation nr. 3 (zugabe)

e. melik-aslanian - parvaneh ('schmetterling', zugabe)


ich bin wahrlich vom hocker gefallen ! es war die präsentation der alten schule, wie wir es z.b. von a. rubinstein oder r. casadesus gehört haben. die technische beherrschung des instrumentes unbeachtet seines alters war auf champions-league-niveau. überragend auch das klangempfinden dieses mannes (man denkt an benedetti-michelangeli oder i. moravec). und schließlich sagte man sich, ob dieser mann den niemals ermüden würde.

e. melik-aslanian wurde 1915 in tabriz (iran) geboren und studierte von 1927-1937 an der brahms-akademie und am hamburger konservatorium klavier und komposition. kompositionslehrer war u.a. p. hindemith. melik-aslanian entwickelte eine eigene methode zur verfeinerung der pianistischen möglichkeiten und leitete eine musikschule in hamburg. 1952 kehrte er in den iran zurück und engagierte sich in der iranischen kunstmusik vor allem als komponist, wobei er regelmäßig mit dem teheraner sinfonie-orchester zusammenarbeitete. solo-auftritte wie oben dargestellt waren die ausnahme. er verstarb am 14.juli 2003 im alter von 88 jahren.



oben ein foto aus etwas jüngeren jahren (schah-zeit). hier nun ein biographischer link: www.parstimes.com/musicians/prof_melik_aslanian.html

gruss, siamak
Siamak

tom

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2

Donnerstag, 2. Februar 2006, 18:54

Gern zitiere ich, was "ipsa" zu dem verwandten Thema "Persönlich vernachlässigte Pianisten - Eine Beichte" am 21.01.2005 geschrieben hat.

Zitat

Hier muss auf jeden Fall noch Youra Guller (1895-1980) Erwähnung finden, von der es sowieso recht wenig Material gab, noch weniger inzwischen auf der üblichen Silberscheibe; die Original-LPs sind fast nicht mehr bezahlbar.
Guller fand schon in dem Klavierbüchlein von Walter Niemann 1921 Erwähnung, sie gehörte zwischen den beiden Weltkriegen zu den großen zeitgenössischen Pianistinnen; Verehrer wie Ravel, Strawinsky, Casals - aber auch Nichtmusiker wie Einstein und Gide lagen ihr regelrecht zu Füßen. Ihre berühmte Freundin Clara Haskil unterlag ihr sogar in einem Wettbewerb.

Sie hatte, Joachim Kaiser zufolge, immer wieder versucht, zu konzertieren, es jedoch nur noch selten gewagt. Ihr selbst lag nichts an einer Rolle als glänzendes Idol und umherreisende Legende - so ist sie dem großen Publikum verborgen geblieben und den "Legenden"-Status huldigten ihr nur unzählige Kollegen und die wenigen, die ihre seltenen, jedoch grandiosen Konzerte besuchen konnten.
J. Kaiser schwärmte von ihrer Beethoven Sonate op. 110 als großartig spirituelle Einspielung - eine Untertreibung par excellence.
Ihr entgeistigerter "Nachlass" im Nimbus Studio 1975 - da war sie immerhin schon 80 Jahre alt - zeigt deutlich, dass der Status als Mysterium oder Legende durchaus gerechtfertigt war. Was gäbe man darum, mehr Aufnahmen oder Mitschnitte von ihr aus früheren Zeiten zur Verfügung zu haben.
So bleibt zur Zeit nur, sich z.B. an den beiden Bach/Liszt Werken (Fantasie+Fuge g-moll, Präludium+ Fuge a-moll) zu ergötzen, die sie so trocken und kontrapunktisch darstellt und ohne große Virtuosität. Die 4. Chopin Ballade hätte ihr gewidmet werden müssen - da stockt dem Zuhörer gut 12 Minuten lang der Atem. Der "Orient" aus den Spanischen Tänzen von Granados läßt die Gänsehaut wachsen und die Augen mit Tränen füllen - was für eine Interpretin !


Ich schätze insbesondere ihren Beethoven, op. 110 und 111 (erschienen bei ERATO). Die beiden letzten Sonaten hat sie schlechthin grandios/unübertroffen eingespielt.

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3

Samstag, 4. Februar 2006, 11:34

Hallo Siamak,
Schöner thread!
Wenn man ein bisschen grübelt, fallen einem eigentlich eine ganze Menge Namen ein - ad hoc z.B. die Französin Marcelle Meyer (1897 - 1958 ).Sir war maßgeblich daran beteiligt, dass Rameau, Couperin und nicht zuletzt Scarlatti wieder im Konzertsaal heimisch wurden. Kürzlich wurde eine Doppel-CD mit den Inventionen & Sinfonien, der Chom. Fantasie & Fuge, 3 Partiten etc. wiederveröffentlicht - isehr elegantes, nonchalant dahinströmendes Klavierspiel - unbedingt anhören!
Dann fällt mir auf Anhieb noch William Kapell ein (1922 - 1953) bei einem Flugzeugabsturz. Es gab vor Jahren eine wundervolle Chopin-Scheibe, die aufnahmetechnisch allerdings unterste Schublade ist... Es gibt wohl nicht allzu viele Tondokumente dieses großen Künstlers, aber sein Repertoire soll ungemein breit gefächert gewesen sein.
Dann gab es zwei Moskauer Konservatoriumsprofessoren, die ich durch wenige, aber überaus delikate Chopin-Kostproben kenne: Alexander Goldenweiser (1875 - 1961) und Samuel Feinberg (1890 - 1962) - die hätten, etwas später geboren und unter anderen politischen Umständen, garantiert eine Karriere wie Richter oder Gilels gemacht. Von Goldenweiser habe ich früher, vielleicht mit 12 Jahren, drei Chopin-Mazurken aus dem DDR-Radio auf meinem schrebbeligen Cassettenrecorder mitgeschnitten - eine Kunstfertigkeit und Dezenz ohne Gleichen! Damals gab es täglich am frühen Abend eine Stunde lang Klaviermusik (ich meine die Sendung hieß auch "Klaviermusikstunde") - jedenfalls verdanke ich der DDR eine ganze Reihe pianistischer Erweckungserlebnisse...

:hello:Liebe grüße!
Daniel

AcomA

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4

Samstag, 11. Februar 2006, 01:01

hallo,

aus aktuellem anlass (chopins 1.sonate) stelle ich hier einen pianisten der absoluten weltklasse vor, den hier wohl kaum einer kennt:

abdel rahman el bacha

er wurde 1958 in beirut geboren. geige begann er mit 4 jahren und klavier mit 6 jahren zu spielen. er begann sein klavierstudium 1967 bei z. sarkissian, einer schülerin marguerite longs. als 10-jähriger gab er sein erstes konzert mit orchester. 1974 wurden ihm stipendien von der UDSSR, großbritannien und frankreich angeboten ! er entschied sich für letzteres. am pariser konservatorium gewann er preise für klavier, kammermusik, harmonie und kontrapunkt. schließlich gewann er den ersten preis beim königin-elisabeth-wettbewerb in brüssel 1978. mittlerweile hat er auch die französische staatsbürgerschaft.

seine debutplatte mit frühen klavierwerken prokofievs hatte ich auch. seine 'suggestions diaboliques' sind pianistisch reichhaltiger und rhythmisch gespannter als die mit a. gawrilov ! die platte gewann grand prix d'academie charles cross.

zwei großprojekte hat er abgeschlossen: die gesamtaufnahme der beethovenschen klaviersonaten und das gesamtsolowerk chopins in chronologischer reihenfolge nach enstehungsjahr der werke. ich habe die ersten beiden volumes der chopin-edition, um seine frühwerke zu besitzen (wunderschön sind seine frühen polonaisen, welche sehr selten gespielt werden). es ist ein grandioses spiel mit gesangskunst, rhythmischer finesse, transparenz und viel temperament. manualtechnisch top of the top. was ganz entscheidend ist, er hat einen persönlichen musizierstil, ohne exzentrisch zu wirken.

jetzt hat er auch noch die konzerte prokofievs eingespielt. die werde ich eingedenk seiner debutplatte mir zulegen !





gruß, siamak
Siamak

Michael Schlechtriem

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5

Montag, 13. Februar 2006, 21:10

Hallo,

mir wäre da der Pianist Abram Shatzkes ein Anliegen.

Alles, was ich über ihn mit googeln herausbekam war, daß er wohl eine Klavierklasse am Konservatorium in Moskau hatte.

Die einzige mir bekannte Aufnahme von ihm ist von 1959, und zwar das 2.Klavierkonzert von Nikolai Medtner unter Swetlanow.

Aber diese Klavierspiel ist sensationell.Es erinnert mich sehr stark an Glenn Gould wegen seines fast völligem Pedalverzichtes und der überaus sorgfältig herausgearbeiteten Polyphonie.

Auch sein eigenes Mitsingen kann mit dem kanadischen Pianisten durchaus mithalten :D

Obwohl er wesentlich langsamer spielt als Demidenko, Tozer oder auch Medtner selber erziehlt er eine solche Spannung und ist derart "eins"mit diesem unbekannteren Werk wie man es sehr selten(z.Bspl. Kapell-Khatschaturian)hören kann.

Beste Grüße,

Michael
"I should never have switched from Scotch to Martinis.“
Humphrey Bogarts letzte Worte.

AcomA

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6

Mittwoch, 15. Februar 2006, 23:55

hallo,

im alter von 36 jahren verstarb der russische pianist andrei nikolsky. er war einer der letzten schüler heinrich neuhaus' am moskauer konservatorium. außerdem war danach lev naumov sein lehrer, der unter anderem auch konstantin scherbakov unterrichtete. nikolsky wurde 1959 in moskau geboren. 1983, zwei jahre nach beendigung seines studiums in moskau, emigrierte er nach westeuropa. 1983 wurde er dritter beim ARD-wettbewerb in münchen. daraufhin besuchte er meisterkurse bei hans leygraf in salzburg. es folgten erste preise beim marguerite-long/jacques thibaud-wettbewerb in paris und beim königin-elisabeth-wettbewerb in brüssel (1987).

er bekam einen plattenvertrag bei arte nova, wo er drei cds produzierte:

chopin: preludes op.28, sonate nr.2, barcarolle

rachmaninov: preludes op.23 nr.1-10, corelli-variationen, sonate nr.2

prokofiev: 5., 7. und 8. sonate.

dieser pianist war ein ausgesprochen ehrlicher musiker mit hohem technischen rüstzeug. sein spiel lässt die stimmen durchhören mit natürlicher phrasierung und ausgeprägter gesangskunst. sein pedaleinsatz ist ausgefeilt. er gehört zu den wenigen russischen pianisten, welche chopins feinen linien gerecht werden. wenn ich nikolsky höre, dann ist es eine labsal. sehr überlegen, wie er z.b. dieses monstrum von rachmanino-sonate bändigt. ob es diese aufnahmen von arte nova noch gibt ? wenn ich bedenke, dass diese aufnahmen für jeweils knapp 5 DM fast geschenkt waren. unglaublich.



leider im netz kein foto des pianisten verfügbar.

gruß, siamak :angel:
Siamak

AcomA

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7

Samstag, 11. März 2006, 00:20

hallo,

heute möchte ich einen jungen pianisten vorstellen, den ich jetzt schon zu den bedeutendsten der letzten 50 jahre zählen möchte ! steven osborne. der 1971 in schottland geborene osborne gewann 1991 den renommierten "clara-haskil-wettbewerb" im schweizerischen vevey und 1997 die "international naumburg competition" in new york.



seine erste pianistische großtat war die einstudierung und (welterst-) aufnahme der klavierkonzerte von tovey und mckenzie mit dem BBC scottish SO bei hyperion records. es sind zwei tatsächlich sehr substanzielle konzerte, die IMO gewichtiger und kompositionstechnisch gar interessanter erscheinen als die liszt-konzerte. sie verfolgen mehr den typus des symphonischen konzertes.



die nächste platte war werken des russischen komponisten (jazz style) nicolai kapustin gewidmet. zentrales werk ist die 2. klaviersonate oder auch jazz-sonate genannt. ein motorisch-toccatenhaft anmutendes werk in den ecksätzen. hier verbinden sich russische virtuoso-traditionen mit dem jazz-stil. ich hörte die sonate mit hamelin im konzert live, osborne ist absolut gleichrangig in der interpretation !



leider ist die einspielung von liszts kompletten 'harmonies poetiques et religieuses' aufnahmetechnisch nicht so toll gelungen, schade denn pianistisch furios. dagegen sind messiaens 'vingt regards' auch aufnahmetechnisch top of the top. pianistisch, muss ich zugeben, ist osborne hier einem aimard überlegen !



über alkans esquisses op.63 schrieb ich im alkan-thread. ich erlebte steven osborne zweimal live und hatte dabei auch gelegenheit mit ihm kurz zu sprechen. er ist extrem bescheiden. eigentlich kommt er einem vor wie ein 'rucksack-tourist', der interessiert und doch ganz unbefangen sich auf abenteuerreise begibt. beim ersten mal spielte er: js bach - einiges aus dem WTK I, rachmaninov - preludes op.32, debussy - preludes 2.buch. beim letzten ruhr-festival: beethoven - bagatellen op.126, michael tippett - 4. sonate, eigene improvisationen, gershwin - preludes, oscar peterson - indiana u.a..

alles gehörte war referenzartig interpretiert. zum einen reißt die freude des pianisten am gelingen mit, da ist etwas altmodisch-virtuoses im spiel. seine klaviertechnischen möglichkeiten spielen sich auf einer ebene ab, wie wir es z.b. von hamelin oder pollini kennen. aber er formuliert dabei mit sonorer stimme und zauberhafter phrasierung. bei beethovens späten bagatellen trieb es quasi 'tränen in die augen'! der tippett war monumental (40 min.) und sehr komplex. seine improvisationen nutzen das gesamte erdenkliche klangspektrum des steinway oder bechstein aus. ich schwöre, es geht vom ppp bis zum fff wie kaum bei einem anderen ! oscar petersons 'indiana' war eine pianistische machtdemonstration sowie die kulmination des rhythmusgefühls.

ob rachmaninov oder debussy oder z.b. cis-moll aus dem WTK I, man bekommt sowohl pianistisch als auch musikalisch die referenz !

gruß, siamak :angel:
Siamak

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8

Samstag, 11. März 2006, 12:22

Hallo Siamak,

Ja, Streven Osborne ist ein ganz heißes Eisen - Famos ist auch sein mitreißende Kapustin-Scheibe. Sie steht der von Hamelin in nichts nach. Vielleicht zündet Osborne den Tasten-Turbo etwas dezenter als Hamelin, dafür ist sein Spiel fast ein wenig konturierter und kerniger. Hypérion scheint Osborne und Hamelin als "Konkurenzprodukte" zu vermarkten, als die vollblütigen Rennpferde aus dem eigenen Stall. Ich glaube aber, dass Osborne, dem technisch zweifellos alles zu Gebote stünde, reflektierter mit dem "Virtuositätsaspekt" umgeht, als Hamelin. Es würde mich nicht wundern, wenn Osborn ihn irgendwann musikalisch überflügelt.

LG! :hello:
Daniel

AcomA

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9

Samstag, 11. März 2006, 17:10

hallo Daniel,

das sehe ich auch so ! insgesamt fällt ja auch auf, dass osborne mit der veröffentlichung von aufnahmen nicht so inflationär umgeht wie hamelin. letztlich muss man sagen, dass hier das label hyperion zwei superlative aufbietet, die mal nicht der russischen klavierschule entsprangen und insgesamt auch abwechslung schon alleine deshalb versprechen.

gruß, siamak :hello:
Siamak

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10

Samstag, 11. März 2006, 17:47

Hallo Siamak,
ich bin so frei, dich zu zitieren:

Zitat

letztlich muss man sagen, dass hier das label hyperion zwei superlative aufbietet, die mal nicht der russischen klavierschule entsprangen und insgesamt auch abwechslung schon alleine deshalb versprechen


... allerdings kommt es mir so vor, als würde heute kaum noch jemand der russischen Klavierschule entspringen und die typischen Merkmale Krafteinsatz, fester (um nicht zu sagen: harter) Anschlag, orchestrale Klangfülle und Temperament kultivieren. Osborne und Hamelin empfinde ich als ziemlich moderne "kosmopolitische" Spieler - zweifellos hat dieser "internationale" Pianistentypus (natürlich nur in weniger markanten Ausprägungen als Hamelin und Osborne) neben Vielseitigkeit, Stilsicherheit und Brillanz nicht selten auch die herausragende Eigenschaft der Langweiligkeit...
Positiv gesagt: Als Russe muss man nicht mehr zwingend auf den Tasten rumhämmern bis der Flügel unter einem kolabiert.
Negativ gesprochen: Das Aussterben der sogennanten "Nationalen Schulen" (fürchterlicher Begriff!) führt zum Verschwinden vieler pianistsischer Eigenheiten, zum Verlust eines markanten Profils.
Die Globalisierung trifft eben auch die Musik in der ganzen Fülle ihrer Möglichkeiten und Gefahren...

LG! :hello:
Daniel

Daniel

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11

Samstag, 11. März 2006, 18:33

Hallo zusammen,

Vor einiger Zeit hatte ich das Glück, in einem Konzert Steve Osborne live zu erleben. U.A. im Programm: Brahms' h-moll Rhapsodie und Schubert's letzte B-Dur Sonate. Beeindruckend mit welcher Sensibilität und Innigkeit er zu musizieren versteht. Besonders beeidruckend ist sein so große Nuanchenreichtum im Piano-Bereich.

Viele Grüße,
Daniel :hello:

nala

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12

Samstag, 11. März 2006, 19:45

Florian Krumpöck

mein Lieblingspianist ist FLORIAN KRUMPÖCK, der Neffe eines sehr guten Freundes. Er wurde 1978 in Wien geboren und bereits im Alter von 14 Jahren wurde er in Rudolf Buchbinders Meisterklasse aufgenommen. Sein Debut fand in Zürich statt, 1995 mit dem 3. Klavierkonzert von Tschaikowski unter dem Dirigat seines Mentors Fedossejew. Salzburger Festspiele, Bregenzer Festspiele und zahlreiche Auftritte in Wien folgten. Auch sein Vater ist ein berühmter Musiker, Karl Krumpöck, Orchestervorstand der Wiener Symphoniker - Violoncello. Und dessen Vater war Kontrabass bei den Philharmonikern in der Vor- und Nachkriegszeit, Photos von Tourneen nach Ägypten und nach Amerika auf Ozeandampfern durfte ich im Original bewundern. Er war auch ein brillianter Klavierspieler, u. a. spielt er die Klaviersequenzen beim Film "Der Engel mit der Posaune". Dann gibts noch einen Cousin, Harald, zweite Violine bei den Phillis.
Eine wirklich tolle Familie.
WHEN MUSIC FAILS TO AGREE TO THE EAR;
TO SOOTHE THE EAR AND THE HEART AND SENSES;
THEN IT HAS MISSED ITS POINT
(Maria Callas)

Lohengrin

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13

Mittwoch, 10. Januar 2007, 12:22

Hallo,
ich hörte in den 60igern ein mich sehr beeindruckendes Konzert mit dem 1923 in Sofia/Bulgarien geborenen Juri Bukov, er spielte Griegs bekanntes Klavierkonzert.
1946 studierte er am Konservatorium in Paris, das er als bester seines Jahrganges absolvierte. Anschließend gab er Konzerte in Frankreich und in nahezu allen europäischen Ländern, in Nordafria, USA, Kanada, China. Bei Klavierwettbewerben in Paris (1949) und Brüssel (1952) hat er Peise errungen.
Sein Repertoire war sehr umfangreich: Von Bach bis Prokofjeff. Ob er noch lebt, weiss ich nicht.
Gruß
Lohengrin

Theophilus

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14

Mittwoch, 10. Januar 2007, 12:33

RE: Florian Krumpöck

Zitat

Und dessen Vater war Kontrabass bei den Philharmonikern in der Vor- und Nachkriegszeit,...

Ich versuche gerade, mir das bildlich vorzustellen....

:hello:

Ciao

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Lohengrin

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15

Mittwoch, 10. Januar 2007, 14:36

RE: Florian Krumpöck

Zitat

Original von Theophilus

Zitat

Und dessen Vater war Kontrabass bei den Philharmonikern in der Vor- und Nachkriegszeit,...

Ich versuche gerade, mir das bildlich vorzustellen....

:hello:

Hallo Theophilus,
welche Assoziationen erweckt denn der Hinweis auf den Großvater?
Gruß
Lohengrin

Theophilus

Administrator

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16

Mittwoch, 10. Januar 2007, 14:43

RE: Florian Krumpöck

Zitat

Original von Lohengrin

Zitat

Original von Theophilus

Zitat

Und dessen Vater war Kontrabass bei den Philharmonikern in der Vor- und Nachkriegszeit,...

Ich versuche gerade, mir das bildlich vorzustellen....

:hello:

Hallo Theophilus,
welche Assoziationen erweckt denn der Hinweis auf den Großvater?
Gruß
Lohengrin

Es ist nicht der Hinweis auf den Großvater... :D

Ciao

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Thomas Pape

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17

Mittwoch, 10. Januar 2007, 16:19

Zitat

Original von Daniel Behrendt
Hallo Siamak,
Schöner thread!
Wenn man ein bisschen grübelt, fallen einem eigentlich eine ganze Menge Namen ein - ad hoc z.B. die Französin Marcelle Meyer (1897 - 1958 ).Sir war maßgeblich daran beteiligt, dass Rameau, Couperin und nicht zuletzt Scarlatti wieder im Konzertsaal heimisch wurden. Kürzlich wurde eine Doppel-CD mit den Inventionen & Sinfonien, der Chom. Fantasie & Fuge, 3 Partiten etc. wiederveröffentlicht - isehr elegantes, nonchalant dahinströmendes Klavierspiel - unbedingt anhören!

:hello:Liebe grüße!
Daniel


Marcelle Meyer ist absolut eine Entdeckung. Nicht nur Scarlatti, Rameau und Couperin standen bei ihr auf der Agenda, sondern Strawinsky (eine Schellack-Patte mit einem von ihr gespielten Ragtime befindet sich in meiner Sammlung) und als unter Plattensammlern heiß begehrte Raritäten die beiden Platten mit Stücken von Debussy und Ravel. Das britische Edellabel Coup d'archet hat Rares von Marcelle Meyer ausgegraben und auf Vinyl (!) veröffentlicht. Ist mir aber zu teuer, von daher auch kein Kommentar dazu.

Zu den zu unrecht unbeachteten Künstlerinnen zählt Jaqueline Blancard. Villa-Lobos hat ihr eine Klavierkonzert gewidmet, das 1949 unter Ernest Ansermet für die Schallplatte eingespielt worden ist. Mit Ansermt zusammen entstandt auch eine Aufnahme der Nächte in spanischen Gärten, bei Odeon als Schellack-Set erschienen. Und ebenfalls mit Ansermet entstand eine Platte mit den beiden Klavierkonzerten Ravels.

Völlig ungewöhnlich ihr Zugang zu Schumanns Kinderszenen, einer bei Vanguard erschienenen Platte: die fremden Länder und Menschen werden in einem atemberaubenden und auch gewöhnungsbedürftigen Tempo gestreift (dies umso auffälliger, wenn kurz zuvor das selbe Stück von Rubinstein gespielt wurde). Wenn ich es recht im Kopfe habe, besitze ich noch eine weitere Schumann-Platte, die Jacqueline Blancard für DECCA aufgenommen hatte.

Das Vergessen, dem Blancard anheim gefallen ist, steht in keinem Verhältnis zu ihrer künstlerischen Leistung. Nicht einmal die Eckdaten ihres Lebens lassen sich auftreiben (wenn man das MGG nicht gerade greifbar hat, und das habe ich nicht). Von den genannten Aufnahmen ist gegenwärtig wohl nur die Ansermet/de Falla-Platte als CD zu bekommen. Vielleicht besinnt sicht die Plattenindustrie eines Besseren. Die Schumann-Aufnahmen gehören unbedingt auf den Mark.

Liebe Grüße vom Thomas :hello:
Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

18

Mittwoch, 10. Januar 2007, 18:39

Michael Gees

Der westfälische Pianist Michael Gees ist der großen Öffentlichkeit vor allem als Liedbegleiter von Christoph Prégardien und Ingeborg Danz bekannt. Er tritt jedoch zuweilen auch als Solist auf und hat auch Solo-CDs herausgebracht, teilweise mit sehr bekannten Stücken wie Schumanns Kreisleriana und g-moll-Sonate und Chopins Scherzo E-Dur.

Er arbeitet mit dem von ihm mitbegründeten Kulturzentrum Consol Theater in Gelsenkirchen zusammen und hat dort am 24. Februar seinen nächsten Auftritt, mit Werken von Mozart, Schumann, Chopin, Bach und eigenen Klavierstücken, die den Tagebuchaufzeichnungen der Südpolexpedition von Robert Falcon Scott gegenübergestellt werden. Die Aktivitäten und CDs von Michael Gees und den anderen Künstlern am Consol Theater können über die Website des Theaters aufgerufen werden (worldwideweb punkt consoltheater punkt de). Die CDs mit Christoph Prégardien und Ingeborg Danz sind natürlich auch über jpc abrufbar, die Solo-CDs hingegen nicht.

Weiterhin tritt er auch als Improvisator auf und in Events in Grenzbereich zwischen Musik und Theater. Ich habe Michael Gees mehrfach im Konzert und im Aufnahmestudio erlebt. Zum Beispiel vor über 10 Jahren in Bochum mit
Schumanns Kinderszenen, Beethovens Opus 31 Nr. 3, der b-moll-Sonate von Chopin und der ersten Partita von Bach. Gerade die Stücke von Chopin und Bach hat er in den thematischen und harmonischen Strukturen sehr eindrucksvoll nachgezeichnet, übrigens teilweise in ungewöhnlich langsamen Tempi (Chopin-Finale), die den Blick auf die Details lenkten und nichts mit Grenzen klaviertechnischer Art zu tun hatten. Manches wirkte so unmittelbar, als ob Gees es selber komponiert hätte. Aber tatsächlich gibt es nur wenige Pianisten, die den Konzertbesucher so suggestiv zum Zuhören animieren wie Michael Gees. Allerdings - so eindrucksvoll seine Aufführungen auch sein mögen - er nimmt sich in Hinsicht der im Notentext angegebenen Indikationen in Bezug auf Phrasierung, Anschlagsarten und Dynamik relativ viele Freiheiten, obwohl sein Blick auf die musikalischen Details gleichzeitig eine sehr intensive und genaue Auseinandersetzung mit den Kompositionen beweist.

Im Forum hat sich übrigens auch reklov 29 lobend über Michael Gees geäußert.
Liebe Grüße!

Ralf

Thomas Pape

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19

Donnerstag, 11. Januar 2007, 00:48

Zitat

Original von Santoliquido
[Völlig ungewöhnlich ihr Zugang zu Schumanns Kinderszenen, einer bei Vanguard erschienenen Platte: die fremden Länder und Menschen werden in einem atemberaubenden und auch gewöhnungsbedürftigen Tempo gestreift (dies umso auffälliger, wenn kurz zuvor das selbe Stück von Rubinstein gespielt wurde). .


Da muß ich mich korrigieren: Das gemeinte Stück war "des Abends" aus den Fantasiestücken op 12, die Jacqueline Blancard für DECCA eingespielt hatte. Ganz besonders peinlich muß mir die Anmerkung in Bezug auf Heitor Villa-Lobos sein: Das 1945 vollendete Klavierkonzert wurde mitnichten Jacqueline Blancard zugeeignet, sondern Ellen Ballon. Mit eben der hat Ansermet es auch für die Schallplatte aufgenommen. Und Ellen Ballon wäre gewiss das nächste Kapitel in diesem Thread der zu unrecht vergessenen Musiker.

Auffällig übrigens, daß es sich zumeist um Musikerinnen handelt. Oder täusche ich mich?

Liebe Grüße vom Thomas :hello:
Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
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musicophil

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20

Donnerstag, 11. Januar 2007, 01:03

Lieber SL,

Da kannst Du Recht haben. Früher hatte ich eine Schellackplatte von Cécile Chaminade. Die wurde, zusammen mit allen anderen Schellackplatten, von meiner Mutter, als wir nach von Indonesien nach Holland zurückgingen, weggegeben. :motz:
Und es waren fast nur Schellackplatten von mir, denn ich hatte sie von einem Nachbarn bekommen. :angry:
Er hatte ein neues "Equipment" (so wurde das von ihm genannt :D) gekauft, womit nur 33 RPM Platten gedreht werden konnten.
Werk kennt jetzt noch Chaminade als Klavierspielerin? Ja als Komponistin des Flötenkonzertes vielleicht. Aber von das von mir geliebte "Automne"? ?(

LG, Paul
Wirklich schöne Musik rührt

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21

Sonntag, 18. Januar 2009, 23:37

Wohl nicht völlig unbekannt, aber gründlich in Vergessenheit geraten ist Friedrich Wührer, dessen Aufnahme der "Davidsbündlertänze" ich gerade mit wachsender Faszination höre: eine klare, dabei verspielt-detailreiche, an Kempff erinnernde (aber zupackendere) Spielweise. So sieht die alte Plattenhülle aus:



Wikipedia liefert Eckdaten zu dem mir bisher unbekannten Wührer: geboren 1900 in Wien, Klavierstudium bei Franz Schmidt, gelegentliches Auftreten bei Konzerten des Schönberg-Kreises in den zwanziger Jahren, aber Schwerpunkt auf dem romantischen und spätromantischen Repertoire. Spielte als erster das gesamte Klavierwerk Schuberts auf Schallplatte ein. Trat auch als Pädagoge, Autor ("Meisterwerke der Klaviermusik", 1966) und Herausgeber (der Klavierwerke von Franz Schmidt) hervor. Gestorben 1975 in Mannheim.

Wer weiß mehr über und vor allem kennt mehr von Wührer? Auf CD zu kaufen ist derzeit nur das Schumannkonzert mit Abendroth.

Grüße,
Micha

Thomas Pape

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22

Montag, 19. Januar 2009, 00:06

Lieber Micha,

sehr viel mehr weiß ich auch nicht über Wührer, dessen Spiel ich gerne zuhöre. Für die Schallplatte war er wohl spezialisiert auf Schubert, dessen Klavierwerke er für VOX in den 1950er Jahren eingespielt hat. Für das selbe Label hat er auch noch Schuberts Forellenquintett aufgenommen, eine Aufnahme von Beethovens Es-dur-Konzert ist mir auch bekannt. Und eine ungemein anrührende Einspielung von Dvoraks Klavierkonzert.

Das sind nun alles Preziosen, die der CD-Markt uns verweigert. Und auf dem grauen LP-Markt muß man nach Wührer-Aufnahmen auch geduldig fahnden.

Friedrich Wührer war einer jener Solisten, die zwar an der Wiege der LP gestanden haben, das Lehren und öffentliche Musizieren der Konservierung auf Tonträger jedoch vorgezogen haben.

Sollte Dir seine Einspielung des Dvorak-Klavierkonzertes über den Weg laufen, greif' zu (in Deutschland auf dem Pantheon-Label erschienen). Und vergleiche, nachdem Du Dich mit ein, zwei Glas Rotwein entspannt hast, diese Aufnahme mit der von Richter/Kleiber. Mehr sag' ich jetzt nicht.

Liebe Grüße vom Thomas :hello:
Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

Thomas Pape

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23

Montag, 19. Januar 2009, 16:53

Und was für ein netter Zufall: bei pristine classicalgibt es frisch restauriert das 4. Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven mit Friedrich Wührer. Der dritte Satz kann probegehört werden. Andrew Rose hat mal wieder ganze Arbeit geleistet (ich sollte wirklich einmal darüber nachdenken, ihm meine Santoliquido-Schellacks zukommen zu lassen).

Liebe Grüße vom Thomas :hello:
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Robert Stuhr

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24

Montag, 19. Januar 2009, 18:06

Zu Wührer habe ich noch ein paar ergänzende Informationen:

Ich habe diese Aufnahmen:
Schumann: Davidsbündlertänze op. 6.
Schumann: Klaviersonate 3 f-moll op 14
Vox PL 8860
Aufgenommen ca. 1954


Bekannt sind mir noch diese Aufnahmen (alle auf LP):

Anton Rubinstein: Piano Concerto no. 4 in D Minor, op. 70.
Vienna State Philharmonia
Rudolf Moralt, Conductor
Vox PL 7780

Tchaikovsky: Piano Concerto No. 2 in G Minor, Op. 44
Pro Musica Symphony of Vienna
Heinrich Hollreiser, Conductor
Vox PL 9200

Weber: Piano Concertos: No. 1 in C Major, op. 11
and No. 2 in E-Flat Major, op. 32
Pro Musica Symphony of Vienna
Hans Swarowsky, Conductor
Vox PL 8140

Mendelssohn: Piano Concerto No. 2 in D Minor, Op. 40
Vienna Symphony Orchestra
Rudolf Moralt, Conductor
Vox PL 6570

Das Tschaikowsky-Konzert soll mit dem Klavierkonzerrt von Scriabin gekoppelt gewesen sein. Nähere Infos habe ich leider nicht.

Außerdem gibt es nach meinen Informationen noch eine Gesamtaufnahme der Beethoven - Cellosonaten mit Joseph Schuster als Cellisten. Die könnte ich mit etwas Glück bald in der Sammlung haben.
Ermutigung nach 200 Jahren (auf dem heimweg von einem orgelkonzert)
Zu füßen gottes, wenn
gott füße hat,
zu füßen gottes sitzt
bach,
nicht
der magistrat von leipzig
(Reiner Kunze, Auf eigene Hoffnung, Gedichte)

William B.A.

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25

Samstag, 2. August 2014, 18:47

Youra Guller (1895-1980)

Durch Zufall entdeckte ich bei Amazon Youra Guller. Sie wude am 14. Mai 1895 in Marseille geboren und war ene französische Pianistin jüdischer Abstmmung. Zwar von Pablo Casals, Alfred Cortot, Ernest Ansermet und anderen bewundert, blieb sie jahrzehntelang n der breiten Öffentlichkeit unbeachtet und in Lexika unerwähnt.

Rose-Georgette, wie sie eigentlich hieß, war Tochter eines russischen Vaters und einer rumänischen Mutter. Mit fünf Jahren trat sie in einem Klavierabend auf, mit neun Jahren wurde sie am Conservatoire de Paris zugelassen. Mehr an Violinspiel und Kammermusik interessiert, gab sie den Klavierunterricht bei Isidore Philipp auf. Sie musizierte mit dem Violindilettanten Albert Einstein und war befreundet mit Pablo Picasso und André Gide, dem sie Klavierunterricht gab. Besonders nahe stand sie Clara Haskil, Guiomar Novaes, Martha Argerich und Nelson Freire. Vaslav Nijinsky bot ihr Ballettunterricht an. Sie verkehrte in den Salons des Hauses Polignac und war ein Mittelpunkt der Pariser Gesellschaft. 1926 nahm sie sieben Klavierstücke für das Reproduktionsklavier Welte-Mignon im Aufnahmestudio von M. Welte & Söhne auf.
Für eine zehntägige Tournee nach Shanghai gereist, blieb sie acht Jahre in China. Als sie Ende der 1930er Jahre nach Frankreich zurückkehrte, war es für eine künstlerische Wiederkehr zu spät. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Frankreich musste sie sich als Jüdin vor der Gestapo verstecken, bei der Gräfin und Mäzenatin Lily Pastré im Schloss Pastré im Marseiller Stadtteil Montredon. Zwischenzeitlich erkrankt, begann sie erst in den 1950er Jahren wieder zu konzertieren – wenn sie Geld benötigte. Ihr Mann, der Verleger Jacques Schiffrin, war 1950 im Alter von 58 Jahren gestorben.
Zu ihren wenigen Einspielungen gehören 1956 die Mazurkas, die Nocturnes (beide von Chopin), die Klaviersonate h-Moll von Liszt (1965), die beiden letzten Beethoven-Sonaten (1973) sowie Stücke von Scarlatti, Rameau, Couperin, Bach und Granados (1975).[4] Bach spielte sie mit Vorliebe in Transkriptionen von Liszt und Busoni. Milhaud widmete ihr einige Klavierwerke.
Der aus München stammende Klavierpädagoge Peter Feuchtwanger entdeckte die immer noch bezaubernde Youra 1965 in London von neuem. Eine begeisterte Musikkritikerin verhalf ihr zum späten Comeback. Ihr Debüt in New York gab sie 1971 im Alter von 76 Jahren.
In ihren letzten Lebensjahren kamen Yehudi Menuhin, Radu Lupu und Martha Argerich für ihren Unterhalt auf. Mitschnitte sind erhalten von Schumanns Sinfonischen Etüden und Beethovens 4. Klavierkonzert (mit Ansermet und dem Orchestre de la Suisse Romande). (Quelle: Wikipedia)
Ich führe hier mal ein Zitat an, das der ehemalige Tamino Tom vor achteinhalb Jahren von dem/der ebenfalls ehemaligen Tamino/Pamina Ipsa anführte:

Zitat

Tom: Hier muss auf jeden Fall noch Youra Guller (1895-1980) Erwähnung finden, von der es sowieso recht wenig Material gab, noch weniger inzwischen auf der üblichen Silberscheibe; die Original-LPs sind fast nicht mehr bezahlbar.
Guller fand schon in dem Klavierbüchlein von Walter Niemann 1921 Erwähnung, sie gehörte zwischen den beiden Weltkriegen zu den großen zeitgenössischen Pianistinnen; Verehrer wie Ravel, Strawinsky, Casals - aber auch Nichtmusiker wie Einstein und Gide lagen ihr regelrecht zu Füßen. Ihre berühmte Freundin Clara Haskil unterlag ihr sogar in einem Wettbewerb.

Sie hatte, Joachim Kaiser zufolge, immer wieder versucht, zu konzertieren, es jedoch nur noch selten gewagt. Ihr selbst lag nichts an einer Rolle als glänzendes Idol und umherreisende Legende - so ist sie dem großen Publikum verborgen geblieben und den "Legenden"-Status huldigten ihr nur unzählige Kollegen und die wenigen, die ihre seltenen, jedoch grandiosen Konzerte besuchen konnten.
J. Kaiser schwärmte von ihrer Beethoven Sonate op. 110 als großartig spirituelle Einspielung - eine Untertreibung par excellence.
Ihr entgeistigerter "Nachlass" im Nimbus Studio 1975 - da war sie immerhin schon 80 Jahre alt - zeigt deutlich, dass der Status als Mysterium oder Legende durchaus gerechtfertigt war. Was gäbe man darum, mehr Aufnahmen oder Mitschnitte von ihr aus früheren Zeiten zur Verfügung zu haben.
So bleibt zur Zeit nur, sich z.B. an den beiden Bach/Liszt Werken (Fantasie+Fuge g-moll, Präludium+ Fuge a-moll) zu ergötzen, die sie so trocken und kontrapunktisch darstellt und ohne große Virtuosität. Die 4. Chopin Ballade hätte ihr gewidmet werden müssen - da stockt dem Zuhörer gut 12 Minuten lang der Atem. Der "Orient" aus den Spanischen Tänzen von Granados läßt die Gänsehaut wachsen und die Augen mit Tränen füllen - was für eine Interpretin !

Ich habe gestern die in Rede stehenden Sonaten Nr. 31 und 32 von Beethoven, die sie 1973 aufgenommen hat, bestellt und heute erhalten:

Ich habe die Nr. 31 sofort gehört und mit der Partitur verfolgt. Diese Aufnahme ist der helle Wahnsinn. Ich wuste jederzeit, wo ich in der Partitur war und konnte feststellen, dass sie jede dynamische Veränderung, jeden Rhythmuswechsel, jeden Tempowechsel wie selbstverständlich beachtete, einen wunderbaren, transparenten Klnag produzierte und einen Zauber schuf, den man nur schwer beschreiben kann. Jedenfalls kann ich schon jetzt, nach dieser einen Aufnahme, sagen, wie traurig ich bin, dass sie nicht mehr Zutrauen zu sich hatte, um mehr aufzunehmen. Welch ein Verlust für die Musikwelt, aber auch für sie selbst.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

JLang

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26

Samstag, 2. August 2014, 22:25

Lieber Willi,
haben vielen Dank für den Hinweis auf diese Pianistin, die mir bisher schlichtweg nur dem Namen nach bekannt war. Deine Begeisterung für die späten Beethoven-Sonaten, die sie aufgenommen hat, läßt meine Wunschliste einmal wieder wachsen, zumal eine apex-CD ja nicht die Welt kostet.
Sei herzlich gegrüßt
Jörn
Gute Opern zu hören, versäume nie
(R. Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln)

Alfred_Schmidt

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27

Samstag, 2. August 2014, 23:22

Da der Threadstarter nicht mehr Mitglied des Forums ist, kann ich sein Einverständnis nicht einholen - aber ich möchte diesen Thread ein wenig "umfunktionieren" und nicht nur "unbekannte Tastengenies" hier vorstellen, sondern auch jene Pianisten, die uns immer wieder begegnen, wenn wir "Nischenrepertoire" hören, die aber ungerechterweise immer wieder hinter den sogenannten "Großen" zurückstehen müssen - einfach "zur Strafe" dafür, dass sie uns das Repertoire weniger bekannter Komponisten näherbringen - teilweise in hervorragender Interpretation. Einigen der hier in Folge gelisteten Pianisten möchte ich später einen eigenen Thread widmen - was natürlich davon abhängig ist, ob es genügend Aufnahmen von ihnen gibt, und dass einige Taminoianer etwas über sie zu sagen (bzw. zu schreiben ) haben....

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

timmiju

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28

Sonntag, 3. August 2014, 12:15

Unbekannt (jedenfalls weitgehend) und Nischenrepertoire, das lässt sich gut für einen mir persönlich gut bekannten Pianisten aussagen: Oliver Triendl.


Triendl verfügt über ein großes Repertoire, auch Standards wie Mozart oder Beethoven und widmet sich dazu stark der Kammermusik. Der Begriff "Tastengenie" ist vielleicht etwas hoch gegriffen, aber die Fähigkeit, Unbekanntes und Bekanntes gleicherweise meisterhaft zu interpretieren, sollte schon mal gewürdigt werden. Zudem ist er im Spiel völlig uneitel, ihm geht es ausschließlich um die Kunst. Ich habe ihn vor Jahren oft auf Reisen mit dem Göttinger Symphonieorchester begleitet, wo er in vielen Städten (auch kleinen) die Menschen für die klassische Musik begeistert hat.

Grüße
:hello:
Manfred
Wenn schon nicht HIP, dann wenigstens TOP