Sie sind nicht angemeldet.


JPC Amazon

AMATEURVIDEO-FILMFORUM-WIEN

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Tamino Klassikforum. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

klingsor

Prägender Forenuser

  • »klingsor« ist männlich
  • »klingsor« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 498

Registrierungsdatum: 26. April 2005

1

Samstag, 25. Februar 2006, 17:07

Schöner können's auch die Engel nicht - ätherische Musik(stellen)

hallo, es gibt musik, die m.e. einfach schöner nicht sein kann, bei der man den eindruck hat, dies ist die harmonia coelestis, himmelsmusik, sphärenmusik ... musik, die zart ist, dennoch rauschhaft, die schwebend ist und dennoch im strom mit sich nimmt, musik, die vielleicht schließlich verklingt, verrinnt und dann zur ewigen stille wird ...

welche musik ist das für euch?

zwei beispiele von mir möchte ich schon mal nennen:

der letzte satz (neptun) der planeten von gustav holst,

das abschlußterzett aus dem rosenkavalier von r. strauss
--- alles ein traum? ---

klingsor

BigBerlinBear

Prägender Forenuser

  • »BigBerlinBear« ist männlich

Beiträge: 1 660

Registrierungsdatum: 11. August 2004

2

Samstag, 25. Februar 2006, 17:13

eine etwas ungewöhnliche Antwort meinerseits, da ich diese Musik eben höre: Das Finale von Arnold Schönbergs unvollendetem Oratorium
"Die Jakobsleiter"
hier in einer Einspielung unter Kent Nagano:

Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

Carola

Prägender Forenuser

  • »Carola« ist weiblich
  • »Carola« wurde gesperrt

Beiträge: 839

Registrierungsdatum: 25. Oktober 2005

3

Samstag, 25. Februar 2006, 17:55

der Inbegriff der Engelsmusik ist für mich in Mendelssohns Elias die Stelle "Denn er hat seinen Engeln befohlen.... Das ist wirklich von herzerreißender Schönheit.

Wunderbar gesungen in dieser Aufnahme von 1968



Mit Gruß von Carola :hello:
Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen. (Astrid Lindgren)

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 485

Registrierungsdatum: 12. August 2005

4

Samstag, 25. Februar 2006, 18:36

Beethoven:
9. Sinfonie, 3. Satz (das "zweite Thema" in 3/4), Quartett op. 132, Anfang des Trios des 2. Satzes und dann natürlich der "Heilige Dankgesang", besonders der letzte Abschnitt
Missa solemnis, Benedictus

J. Strauß: Sphärenklänge ;)

Mahler: Anfang von "Urlicht" in der 2. Sinfonie
Strauss: "Beim Schlafengehen"

viele Grüße

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

Austria

Prägender Forenuser

  • »Austria« ist weiblich

Beiträge: 1 119

Registrierungsdatum: 15. Oktober 2005

5

Samstag, 25. Februar 2006, 18:55

Das Vorspiel zu Lohengrin - natürlich...

LG
Austria
Wir lieben Menschen, die frisch heraus sagen, was sie denken - vorausgesetzt, sie denken dasselbe wie wir (Mark Twain)

Misha

Prägender Forenuser

  • »Misha« ist männlich

Beiträge: 1 061

Registrierungsdatum: 16. März 2005

6

Samstag, 25. Februar 2006, 19:10

Zitat

Original von Austria
Das Vorspiel zu Lohengrin - natürlich...

LG
Austria

Natürlich!
An 2. Stelle dann das Vorspiel aus Parsifal; ist auch nicht ganz von dieser Welt.
res severa verum gaudium

Herzliche Grüße aus Sachsen
Misha

petemonova

Prägender Forenuser

  • »petemonova« wurde gesperrt

Beiträge: 4 186

Registrierungsdatum: 6. Dezember 2004

7

Samstag, 25. Februar 2006, 19:36

Zitat

Original von Carola
der Inbegriff der Engelsmusik ist für mich in Mendelssohns Elias die Stelle "Denn er hat seinen Engeln befohlen.... Das ist wirklich von herzerreißender Schönheit.



Aus dem gleichen Werk: "Wer bis an das Ende beharrt, der wird selig".
Sogar direkt von Engeln dem resignierten Elias gesungen.
Für mich auch Musik, wie es einfach nicht schöner geht.


Gruß, Peter.
Musik zu hören ist zweifellos eine der extravagantesten Arten, sein Geld auszugeben.
- Mauricio Kagel

Carola

Prägender Forenuser

  • »Carola« ist weiblich
  • »Carola« wurde gesperrt

Beiträge: 839

Registrierungsdatum: 25. Oktober 2005

8

Samstag, 25. Februar 2006, 20:12

Zitat

Original von petemonova


Aus dem gleichen Werk: "Wer bis an das Ende beharrt, der wird selig".
Sogar direkt von Engeln dem resignierten Elias gesungen.
Für mich auch Musik, wie es einfach nicht schöner geht.


Gruß, Peter.



Du hast recht, das ist auch so eine "Engelmusik" - ich habe den Chor gerade seit langer Zeit mal wieder gehört.

Ebenfalls in diese Kategorie gehört für mich der Schlusschoral "Ach Herr, lass dein lieb Engelein" aus Bachs Johannespassion.

Mit Gruß von Carola :hello:
Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen. (Astrid Lindgren)

Guercoeur

Prägender Forenuser

  • »Guercoeur« ist männlich

Beiträge: 1 845

Registrierungsdatum: 20. Februar 2005

9

Sonntag, 26. Februar 2006, 05:09

Hallo Jörg, hallo Taminos,

wunderschöne ätherische Musikstellen kenne ich vor allem von dem bereits erwähnten Klangmagier Gustav Holst (1874-1934).

Auch ich empfinde die wunderbar schwebende Musik des siebten und letzen Satzes 'Neptune, the Mystic' aus 'The Planets' als den beeindruckendsten und faszinierendsten Satz der berühmten Suite.

Gleichfalls befinde ich mich immer in einem überirdischen Schwebezustand beim Anhören von Holsts:
Choral Hymns from the Rig Veda für gemischten Chor und Orchester / Harfe, opus 26; H 97-100 1908-12:
Second Group für Frauenchor und Orchester, H 98:
2.1. To Varuna (God of the Waters)
2.3. Funeral Chant
Third Group für Frauenchor und Harfe, H 99 1910:
3.1. Hymn to the Dawn
3.3. Hymn to Vena (Sun rising through the mist)

Bezüglich sphärischer Klänge möchte ich außerdem empfehlen:

Rued Langgaard (1893-1952):
Sfaerernes Musik (Sphärenmusik) für Sopran, gemischten Chor, Orgel, Fernorchester und Orchester, BVN 128 1916-18

Alfred Schnittke (1934-1998):
(Zwölf) Bußpsalmen für gemischten Chor a capella 1988
12. Satz (textlos, auf Vokalisen gesungen)

Aarre Merikanto (1893-1958):
Genesis für Sopran, gemischten Chor und Orchester 1955/56


Überirdisch schwebende Stimmungen gibt es weiterhin insbesondere bei englischen Komponisten zu erleben, z. B.:

Sir Granville Bantock (1868-1946):
der Beginn der 'Hebridean Symphony' für Orchester 1913

Frederick Delius (1862-1934):
der ruhig dahin fließende Mittelteil von 'A Song of the High Hills' für gemischten Chor (textlos) und Orchester 1911

Ralph Vaughan Williams (1872-1958):
The Pilgrim' s Progress -
Oper 1921-49:
I. Akt: Szene 2: The House Beautiful
IV. Akt: Szene 2: The Delectable Mountains

Nicht zu vergessen die himmlischen a capella-Chöre der Schatten aus der Oper 'Guercoeur' von Albéric Magnard (1865-1914).


Himmlische Grüße
Johannes

klingsor

Prägender Forenuser

  • »klingsor« ist männlich
  • »klingsor« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 498

Registrierungsdatum: 26. April 2005

10

Montag, 27. Februar 2006, 14:55

johannes, du hast natürlich wie immer recht .. ganz nach meinem geschmack ..

traumhaft schön sind natürlich auch die

nuages (3. satz der nocturnes) von claude debussy

sowie die gut 8 letzten minuten des cellokonzertes von william walton (ähnliche stellen gibts auch in seiner oper troilus and cressida) das ich sowieso allen liebhabern der cellomusik und natürlich auch allen anderen ans herz lege ...
--- alles ein traum? ---

klingsor

Wulf

Prägender Forenuser

  • »Wulf« ist männlich
  • »Wulf« wurde gesperrt

Beiträge: 3 837

Registrierungsdatum: 14. Februar 2006

11

Montag, 27. Februar 2006, 19:21

Hallo zusammen,

Holst wurde nun ja schon mehrmals genannt - ein Umstand der mich nicht daran hindern wird ein weiteres Werk in die Runde zu werfen, welches ich genauso gut in den "Gänsehautstellen"-Thread anbringen könnte (was ich vielleicht auch tue), weil diese Musik mit Verlaub gesagt AFFENGEIL ist. Ich soll endlich zum Punkt kommen? Ok:

Balletsuite: The Perfect Fool (Der vollkommene Narr) op 39
daraus: Dance Of The Spirits Of Water

Diese Musik - vor allem das glitzernd -perlende Ende ist IMO verboten schön - einfach himmlisch!! =) :jubel: :angel:

LG
Wulf
Carreras, I'll never stop saying Carreraaaas!
(Leonard Bernstein)

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

Beiträge: 18 949

Registrierungsdatum: 9. August 2004

12

Montag, 27. Februar 2006, 20:16

Ich würde die gesamte Krönungsmesse von Mozart in diese Kategorie stufen.
Oder aber bei Haydn:

Und Gott sprach: Es werde Licht............................................
........................und es ward L I C H T !!!!

LG

aus Wien

Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Edwin Baumgartner

Prägender Forenuser

  • »Edwin Baumgartner« ist männlich

Beiträge: 5 599

Registrierungsdatum: 17. Dezember 2005

13

Montag, 27. Februar 2006, 21:21

Das meiste, was ich nennen würde, ist bereits genannt. Dennoch zwei weitere meiner Engelsstellen:
1) Bruckner, IX/3. Satz, erster Höhepunkt: Zunehmende Verdichtung mit greller Dissonanz - und dann setzen pianissimo die Wagnertuben mit einem Choralthema ein. Fast unerträglich schön!
2) Mahler, II/5. Satz: Diffuses Stimmengewirr wie Vogelrufe, dann setzt der Chor a cappella ein: "Auferstehen, ja auferstehen...". Hier zückt der hartgesottene Edwin jedes Mal sein Taschentuch...

Hallo BigBerlinBear,
irgendwie hast Du ja recht: Es waren ja einmal Engel. Aber ich glaube, der Thread bezieht sich eher auf die mit den schönen weißen Flügeln und weniger auf die mit den Hörnern, Schwänzen und Spießen.
:D
Aber im Ernst: Die "Jakobsleiter" ist wirklich eine Neudefinition der Sphärenmusik - genial!
LG
...

klingsor

Prägender Forenuser

  • »klingsor« ist männlich
  • »klingsor« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 498

Registrierungsdatum: 26. April 2005

14

Montag, 27. Februar 2006, 22:33

ätherisch schön natürlich auch fast die gesamte oper pelleas et melissande von claude debussy ..einer meiner ganz großen lieblinge schlechthin ...
--- alles ein traum? ---

klingsor

katlow

Fortgeschrittener

  • »katlow« ist männlich

Beiträge: 247

Registrierungsdatum: 11. August 2004

15

Dienstag, 28. Februar 2006, 16:19

Eine weitere wunderschöne Musikstelle, die wohl die Beschreibung "ätherisch" verdient, ist der dritte Satz "Elégie" der Streicherserenade Op. 48 von Tschaikowsky.

Grüße

katlow

MatthiasR

Fortgeschrittener

  • »MatthiasR« ist männlich

Beiträge: 259

Registrierungsdatum: 7. November 2005

16

Dienstag, 28. Februar 2006, 19:00

Der geht der Himmel auf:

Beginn des 3. Satzes der pathetischen Sinfonie von Tschaikowsky!
Für mich die Schönste Stelle der gesamten Musikgeschichte.

Brahms: Ein Deutsches Requiem, Selig sind die da Leid tragen.
Der Anfang mit den Vorhaltsauflösungen ("die da Leid"). Wundervoll.

musicophil

Prägender Forenuser

  • »musicophil« ist männlich
  • »musicophil« wurde gesperrt

Beiträge: 7 091

Registrierungsdatum: 19. Februar 2006

17

Dienstag, 28. Februar 2006, 19:35

Der Satz "Nehmet, esset, das ist mein Leib." (Bach - MP)
Konzertarie "Non temer amato bene" (Mozart - aus KV505)
Wirklich schöne Musik rührt

  • »Walter Heggendorn« ist männlich
  • »Walter Heggendorn« wurde gesperrt

Beiträge: 353

Registrierungsdatum: 25. November 2007

18

Donnerstag, 6. Dezember 2007, 14:47

Hallo Ihr lieben Adventlichen,

Weil man denn schon kaum mehr vor die Tür treten kann, weil Weihnachten davor steht... hier ein paar Gedanken zu aetherischen Engelsstellen.

Ich frage mich halt einfach, warum der Archetyp „Engel“ so selbstverständlich mit dem Begriff "aetherisch" verbandelt wird?

Natürlich gibt es in unserem Unterbewusstsein die pausbäckigen, gefiederten Nackten auf Wölkchen 7 bis 77, die eine Ewigkeit lang die „Kleine Nac(k)htmusik“ üben (nichts gegen Mozarts KV 525!)

Ich persönlich borge mir den Begriff „Engel“ eher für die metaphorische Darstellung der inneren Posaune, die mich in meinem „Gewissen“ (oder wo auch immer - ich bin vorsichtig mit alten Begriffen) lautstark auf meinen individuellen, oft unbequemen Lebensweg ruft.

Das klingt dann alles andere als aetherisch, sondern eher wie der Beginn von Janaceks Sinfonietta!!

Um dennoch einen kleinen Beitrag zum Aetherischen zu leisten:
Ich höre in diesen Tagen wiederholt den 3. Satz aus Karl Weigls (1881-1949) „Apokalyptica“:
Ich möchte seine 5. Sinfonie gerne auf die Stufe von Zemlinskys Sinfonien heben. Der langsame 3. Satz mit der Ueberschrift „paradise lost“ wimmelt nur so von aetherischen Stellen! Hören und Abheben mit englischen Flügeln!!

Karl Ignaz Weigl
Symphony No.5 "Apocalyptic Symphony" (1945)
Rundfunk Sinfonieorchester Berlin
Thomas Sanderling
BIS-CD-1077 2000/1

Adventlich Grüsse von

Walter
Der grösste Ton ist ohne Klang (Laotse)

Chorknabe

Prägender Forenuser

  • »Chorknabe« ist männlich
  • »Chorknabe« wurde gesperrt

Beiträge: 813

Registrierungsdatum: 13. Dezember 2006

19

Donnerstag, 6. Dezember 2007, 15:09

Zu diesem Thema fallen mir mehrere Werke ein:

Henryk Korecky - 3. Sinfonie (Sinfonie der Klagelieder)

Hans Otte - Das Buch der Klänge

Nachezu sämtliche Werke von Alexander Knaifel

viele Chorwerke von Erik Withacre

Diesen Werken wohnt allen eine sehr schwebende Harmonik und/oder eine große Zerbrechlichkeit und Zartheit inne.

Liebe Grüße, der Thomas. :hello:

  • »Walter Heggendorn« ist männlich
  • »Walter Heggendorn« wurde gesperrt

Beiträge: 353

Registrierungsdatum: 25. November 2007

20

Donnerstag, 6. Dezember 2007, 15:34

Hallo lieber Chorknabe, hallo liebe AetherikerInnen

"Aetherisch" ist ein vieldeutiger Begriff.
Synonyme sind etwa: himmlisch, duftig, flüchtig, zart, durchgeistigt. Wenn man so will, ist die ganze Musik unter diesem Begriff subsummierbar.

Der Thread-Starter, unser lieber musicophil, (dem ich von Herzen gute Besserung wünsche) denkt dabei wohl an das Flirrende, Irisierende an der Musik (von griech „Iris“ = Regenbogen)

Mir kommt dabei (neben dem schon von mir erwähnten Weigl) auch die bemerkenswerte Sinfonische Dichtung: „Das Gefilde der Seligen“ von Felix Weingartner in den Sinn

(Basler Sinfonieorchester, Marko Letonja auf cpo)

und natürlich Schönbergs „Verklärte Nacht“, m.E. eine Musik die den Spagat schafft zwischen Himmel und Erde, Irisierendem und Schwül-Sinnlichem. Ein Jahrhundertwerk!

Flirrende Grüsse aus Bern
Walter
Der grösste Ton ist ohne Klang (Laotse)

Chorknabe

Prägender Forenuser

  • »Chorknabe« ist männlich
  • »Chorknabe« wurde gesperrt

Beiträge: 813

Registrierungsdatum: 13. Dezember 2006

21

Donnerstag, 6. Dezember 2007, 15:59

Zitat

Original von Walter Heggendorn[..]Der Thread-Starter, unser lieber musicophil, (dem ich von Herzen gute Besserung wünsche) denkt dabei wohl an das Flirrende, Irisierende an der Musik (von griech „Iris“ = Regenbogen)


Ich empfinde diese flirrende Musik als etwas luftiges, fast nebulöses, aber hell und klar, und vor allem nicht greifbares.
Genau diese Stimmung trifft bspw. Gorecky mit seiner Sinfonie der Klagelieder. Kaum ein Akkord lässt sich greifen, vielmehr werden die Töne zu einem dichten, lichten und zarten Geflecht versponnen. Ich liebe diese Art von Musik sehr. Hier treten die Einzelstimmen in den Hintergrund, ein Klangteppich wird gewoben.

Liebe Grüße, der Thomas. :hello:

  • »Walter Heggendorn« ist männlich
  • »Walter Heggendorn« wurde gesperrt

Beiträge: 353

Registrierungsdatum: 25. November 2007

22

Donnerstag, 6. Dezember 2007, 16:18

Hallo lieber Chorknabe,

danke für Deine freundliche Mithilfe beim Wachküssen des "Aetherik-Threads". Ein kleiner Einwand:
Der Sachverhalt des "Aetherischen" hat für mein Dafürhalten nichts mit "Nebulösem" zu tun, im Gegenteil! Deshalb kann ich auch wenig anfangen mit dem tatsächlich nebulösen Gorecki. Nimms mir nicht übel.

Ich wünsche Dir eine klare Adventsnacht,
Walter
Der grösste Ton ist ohne Klang (Laotse)

Rosenkavalier

Prägender Forenuser

  • »Rosenkavalier« wurde gesperrt

Beiträge: 755

Registrierungsdatum: 15. Juni 2007

23

Donnerstag, 6. Dezember 2007, 17:03

Ohne Zweifel die Stellen des Solo-Soprans im Brahms-Requiem.

Sophies Duetteinsätze "wie himmlische nicht irdische, wie Rosen vom hochheiligen Paradies" und "Ist wie ein Gruß vom Himmel" ( R.Strauss, Der Rosenkavalier, 2. Akt Rosenüberreichung).

LG
Rosenkavalier
Ich glaube, dass es in jedem Sänger einen einzigen, reinen und kleinen Ton gibt, welcher der wahre Ton der Stimme ist, und was immer man tut und wie man seine Stimme auf diesem Ton aufbaut, man muss zu ihm zurück kehren können, sonst ist es aus.
Agnes Baltsa

Gurnemanz

Prägender Forenuser

  • »Gurnemanz« wurde gesperrt

Beiträge: 1 177

Registrierungsdatum: 16. November 2007

24

Donnerstag, 6. Dezember 2007, 17:55

Liebe Engelsfreund/innen,

darf ich eine "ätherische" Stelle beisteuern - ätherisch im Sinne eines ganz sanften Herabschwingens wie aus einer anderen Welt - glückhaft, wie unerwartet?

Auch wenn ich jahreszeitlich damit daneben liege (oder doch nicht?): Ich meine eine Stelle, genauer: einen einzelnen Ton in der Ouvertüre zum Sommernachtstraum (Mendelssohn Bartholdy) - wenn am Schluß zu Beginn der Coda - nach dem Choral der Holzbläser - die hohen Violinen auf einem hohen (zweigestrichenen?) E herabschweben (E - Dis - Cis - H, wenn ich richtig höre) - gerade dieses E meine ich, das gleichsam aus einem anderen Raum zu kommen scheint.

Es ist mir hier so, als würde hier "bewiesen", alles könne am Ende doch noch gut werden auf Erden... (bitte Nachsicht für den pathetischen Ton, den ich anschlage)

Übrigens habe ich noch keine Aufnahme gehört, in der ich diese Phrase ganz so gehört habe, wie sie meinem inneren Ideal (einem "fernen Klang" gleichsam) entspricht.

Ungefähr vielleicht Klemperer mit dem Philharmonia Orchestra (Track 1, 11'36''):



Frohe Adventszeit!

  • »Walter Heggendorn« ist männlich
  • »Walter Heggendorn« wurde gesperrt

Beiträge: 353

Registrierungsdatum: 25. November 2007

25

Donnerstag, 6. Dezember 2007, 18:34

Hallo und Tschou lieber Gurnemanz

Ich höre in Deiner Argumentation nirgends einen pathetischen Ton: Natürlich habe ich kapiert, welche Textpassage du dahingehend qualifizierst: „ ...alles könne am Ende doch noch gut werden auf Erden...

Auf die Gefahr hin, dass meine Replik OT ist:
Warum müssen wir uns eigentlich immer entschuldigen, wenn wir noch so etwas wie Hoffnung im Herzen haben?
Ich hoffe doch wohl inniglichst, dass das ganze Theater auf Erden mit seinen Licht- und Schattenseiten auf eine geheimnisvolle Art und Weise stimmig ist! (und wenn auch nur dank des Vorhandenseins von Musik)

Um dies zu verdeutlichen, kann eben ein einziger Ton genügen: „Dein“ E (wie Engel), das Dir durch die mendelssohnsche Vermittlung zu einem Rettungsklang wird, weil es ein Loch reisst in den dunklen Vorhang des Leidens! Schönes Beispiel.

Danke für deinen Beitrag.
Mit liebem Gruss
Walter
Der grösste Ton ist ohne Klang (Laotse)

Gurnemanz

Prägender Forenuser

  • »Gurnemanz« wurde gesperrt

Beiträge: 1 177

Registrierungsdatum: 16. November 2007

26

Donnerstag, 6. Dezember 2007, 18:54

Einfach nur: Danke, lieber Walter. Ich fühle mich verstanden.

  • »Walter Heggendorn« ist männlich
  • »Walter Heggendorn« wurde gesperrt

Beiträge: 353

Registrierungsdatum: 25. November 2007

27

Donnerstag, 6. Dezember 2007, 19:14

Ich bedanke mich auch, lieber Gurnemanz.

Ein einziger Ton kann niemals nebulös sein. Aetherisch allerdings auch nicht: Es ist der Zusammenhang, der die Bedeutung herstellt.

LG Walter
Der grösste Ton ist ohne Klang (Laotse)

Gurnemanz

Prägender Forenuser

  • »Gurnemanz« wurde gesperrt

Beiträge: 1 177

Registrierungsdatum: 16. November 2007

28

Donnerstag, 6. Dezember 2007, 19:59

Lieber Walter,

das sehe ich auch so: Das hohe Streicher-E (ob Mendelssohn hier wirklich an E wie Engel gedacht hat?) gewinnt Ätherisches (nicht Nebulöses) erst im Zusammenhang mit dem Choral, der den Hörer in eine andere Welt führt (ein Gebet?) - und dann die Stimme von oben. Dasselbe in anderem Zusammenhang wäre etwas völlig anderes, klar.

Übrigens gilt das auch, finde ich für Pausen, die ebenfalls etwas ganz Besonderes sein können: Spontan würde ich hier zwei Pausen aus dem Schluß von Mozarts "Figaro" anführen (für mich eine der ganz großen "Wunder-Stellen" in der Musikgeschichte!) - wenn im äußersten Trubel der Graf auf die Knie sinkt, die Gräfin um Verzeihung bittet (erste Pause), diese sie dann gewährt (zweite Pause) - bevor die Coda mit dem Festplateau folgt. Hier geschieht für mich - weit über das Geschehen auf der Bühne hinaus - ganz Außerordentliches - würde mich gern mal gelegentlich genauer drüber auslassen. Gut möglich, daß in diesem Forum an anderer Stelle schon darüber geschrieben wurde.

Tschau!

  • »Walter Heggendorn« ist männlich
  • »Walter Heggendorn« wurde gesperrt

Beiträge: 353

Registrierungsdatum: 25. November 2007

29

Donnerstag, 6. Dezember 2007, 20:44

Holla lieber Gurnemanz, Holla!

Jetzt kommen wir auf den Punkt: Die Pause! Inbegriff des Aetherischen, und ich sag das (fast) ohne Ironie... Muss noch drüber hirnen. Danke für die Anregung!

Grüessli, Walter
Der grösste Ton ist ohne Klang (Laotse)

audiamus

Prägender Forenuser

  • »audiamus« ist männlich
  • »audiamus« wurde gesperrt

Beiträge: 1 663

Registrierungsdatum: 24. Oktober 2007

30

Donnerstag, 6. Dezember 2007, 22:37

Ohne Euren Dialog stören zu wollen, schiebe ich einfach mal das Bachsche "Wahrlich" aus der MaPa dazwischen. Wenn's zelebriert und nicht so durchgenudelt wird. Dann rührt's mich nach 2 1/2 Stunden Drama an wie sonst kaum etwas in der Literatur.

Übrigens, lieber Chorknabe, der freundliche alte Herr mit den Klageliedern heißt Górecki.

Englischer Gruß,


audiamus

"Oh, das schmeckt gut. Danke!" - Johannes Brahms' letzte Worte