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  • »Walter.T« ist männlich

Beiträge: 424

Registrierungsdatum: 9. April 2005

31

Samstag, 8. April 2006, 11:25

Manchmal bin ich etwas irritiert und ärgere mich fast, wenn in solcher Weise mit Anekdoten über die persönlichen Probleme und Marotten von Bruckner gesprochen wird, dessen Musik ich so gern höre. Aber vielleicht ist das ja auch eine Stärke: Kaum ein Komponist versteht es offenbar so gut, Gefühle aus ihrer Bindung und Entfremdung an Konventionen zu lösen und in einer Direktheit zu komponieren, die unmittelbar anspricht.

Das löst Angst aus, dann in der stark von Konventionen geregelten Welt nicht bestehen zu können. Und das führt zu der Frage: Wie hat Bruckner das geschafft oder eben nicht geschafft. Die einen, die sich den Konventionen unterworfen haben und den Schmerz darüber tief im Innern vergraben haben, mögen über Bruckners Versagen triumphieren. Die anderen können eigene Probleme und Schwächen in ihm wieder erkennen und in den Biographien und Anekdoten Bruckners ein Beispiel finden, wie es jemand anders gegangen ist. Da die Welt nicht aus Schwarz-Weiß besteht, werden sich meistens diese beiden Haltungen mischen.

Was Helmut über Bruckners Musik als Rätsel schreibt, kann ich nachvollziehen. Bruckner trifft den Punkt, wo jeder selbst sich ein Rätsel ist. Daher lädt diese Musik so ein, sich mal ganz mit ihr und dem Menschen, der sie komponiert hat, zu identifizieren, und dann wieder von dieser großen Nähe abzustoßen.

Auch Brahms kam aus ärmlichen Verhältnissen. Clara Schumann war entsetzt über die Enge, als sie ihn zum ersten Mal in Hamburg besuchte.

Viele Grüße,

Walter

Holger_Grintz

unregistriert

32

Donnerstag, 13. April 2006, 14:55

Zitat

Original von nala
Ich empfehle übrigens jedem von Ansfelden aus einen Spaziergang im Hochsommer, kurz bevor das Getreide geerntet wird. Vielleicht geht ein bisschen Wind und die Felder wogen, die Wolken treibt es über den Himmel. Das muss man erlebt haben!


und wenn man Hunger bekommt, gleich ein guter Hinweis:


Weiss jemand, welches Bruckners Lieblingsspeise war, und wieviele Portionen er davon "verdrücken" konnte, und wieviel "halbe" er dabei herunterbrachte?

ThomasBernhard

Prägender Forenuser

  • »ThomasBernhard« ist männlich
  • »ThomasBernhard« wurde gesperrt

Beiträge: 4 310

Registrierungsdatum: 21. Januar 2005

33

Donnerstag, 13. April 2006, 15:20

Zitat

Original von Holger_Grintz
und wieviel "halbe" er dabei herunterbrachte?


Ich dachte Bruckner war dem Alkohol eher abgeneigt?
Da gibts doch die Geschichte, daß ihn Wagner zum Biertrinken (oder war es Wein?) nötigen mußte und er nur unter Vorbehalt getrunken hat?
Frauen und Kinder zuerst

good night and good luck

thomasbernhards-1[ätttttt]yahoo[punkt]de

Holger_Grintz

unregistriert

34

Donnerstag, 13. April 2006, 15:40

vielleicht wollte er sich vor seinem Meister nicht blamieren? Ich kenne die Geschichte gar nicht.

Seine Leibspeise war jedenfalls der Überlieferung nach Geselchtes mit Knödeln (und Sauerkraut?), und davon mindestens zwei, manchmal drei Portionen.

Und dem Gerstensaft war er wohl auch nicht abgeneigt, wenn es stimmt, was ich gelesen habe.

Edwin Baumgartner

Prägender Forenuser

  • »Edwin Baumgartner« ist männlich

Beiträge: 5 583

Registrierungsdatum: 17. Dezember 2005

35

Donnerstag, 13. April 2006, 16:10

Der Mann war aus Oberösterreich! G'selcht's mit Kraut und Knödeln ohne Bier? - Unmöglich!
Dass er in Bayreuth das Bier abgelehnt hat, glaube ich hingegen auf's Wort. Wer schon einmal Bayreuther Bier getrunken hat, wird Bruckner verstehen... :D
...

nala

Profi

  • »nala« ist weiblich

Beiträge: 407

Registrierungsdatum: 14. Dezember 2005

36

Samstag, 15. April 2006, 16:59

Eine der vielen kuriosen Wesensarten Bruckners war das Interesse an allen Fragen, welche mit Krankheit, Medizin - aber vor allem mit dem Tod zu tun hatten. Es ist wahrscheinlich, daß dies mit frühen Jugendeindrücken zu tun hat: als Kind musste er schon mit dem Pfarrer von Windhaag zu Besuchen bei Sterbenden mitgehen und wurde schon sehr früh notgedrungen mit dem Ernst und den Schauern des Todes vertraut.

Das erste Mal hört man von dieser Hinwendung zum Tod anlässlich des Selbstmordes seines Vetters und Paten Johann Baptist Weiß. In seiner hingebungsvollen Verehrung wollte er unbedingt den Totenschädel in seinen Besitz bringen. Auch bei der Exhumierung bzw. Überführung der Gebeine Beethovens und Schuberts vom Währinger - auf den Zentral-Friedhof gelang es ihm dabei zu sein und die stark zerfallenen Knochenreste zu berühren. Angeblich soll er sogar die Locken Schubert geküsst haben.

Nach dem Ringtheaterbrand machte er einen Besuch im Leichenschauhaus, um die verkohlten Überreste begutachten zu können.

Nach der Überführung des in Mexiko hingerichteten Kaiser Maximilians nach Wien, schrieb er seinem Freund Rudolf Weinwurm: "Ich möchte um jeden Preis gern die Leiche von Maximilian sehen. Sei doch so gut Weinwurm und sende eine ganz zuverlässige Person in die Burg, am sichersten: lasse im Oberhofmeisteramte fragen, ob der Leichnam Maximilians zu sehen sein wird, also offen im Sarge oder durch Glas, oder ob nur der geschlossene Sarg zu sehen sein wird. Laß es mir dann gütigst telegraphisch anzeigen, damit ich nicht zu spät komme."

Ein Nervenkitzel war es auch, vom selben Fleisch Schnitzel gegessen zu haben, das am Tag vorher die Henkersmahlzeit für den Delinquenten Hugo Schenk war; anschliessend betete er die ganze Nacht für den Hinrichtungskanditaten.

Diesen eigenartigen Charakterzug büsste er hinterher mit quälenden Angstzuständen! So wird berichtet, daß er nach der Besichtigung der verkohlten Leichen noch lange große Angst hatte und behauptete, während der Nacht huschten kleine Lichter am Fenster vorüber - die Geister der Verbrannten!
WHEN MUSIC FAILS TO AGREE TO THE EAR;
TO SOOTHE THE EAR AND THE HEART AND SENSES;
THEN IT HAS MISSED ITS POINT
(Maria Callas)

Masetto

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  • »Masetto« ist männlich

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37

Samstag, 15. Juli 2006, 09:29



Handelt es sich bei diesem Bild um eine (Toten) Maske Bruckners oder um eine Plastik?

Gibt es überhaupt eine Totenmaske von Anton Bruckner?
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BigBerlinBear

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  • »BigBerlinBear« ist männlich

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Registrierungsdatum: 11. August 2004

38

Samstag, 15. Juli 2006, 10:56

Hierbei handelt es sich um die Totenmaske Bruckners, die unmittelbar nach seinem Tode am 11. Oktober 1896 abgenommen wurde.
Der Komponist hatte sie noch selber zu Lebzeiten in Auftrag gegeben.
Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

Masetto

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  • »Masetto« ist männlich

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Registrierungsdatum: 29. April 2006

39

Freitag, 4. August 2006, 15:40

Gibt es noch mehr Fotografien aus Bruckners letzten Jahren, als die vor seiner letzten Wohnung mit seiner Haushälterin und den Ärzten und das letzte Foto im Bett?

Wurden die Fotos von der Sargöffnung aus den 60gern eigentlich inzwischen veröffentlicht?
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Masetto

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  • »Masetto« ist männlich

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40

Montag, 7. August 2006, 12:57

Bruckner war schon - bei aller Tragik - ein komischer Kauz. Eine Biografie ist sehr zu empfehlen.

Er wurde mal gefragt, ob er seine Anzüge selbst nähe oder sie tischlern lasse :D
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Masetto

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  • »Masetto« ist männlich

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41

Donnerstag, 10. August 2006, 21:11

Ich hab schon wieder etwas gelesen, was mir sehr komisch vorkommt.
Als Brucker in der Villa Wahnfried mit Wagner zusammentraf, um sich das Urteil des Meisters zu holen, ob seine dritte Sinfonie offiziell Wagner zugedacht sein dürfe, tischte Wagner mit Bier auf. Und schenkte dem Bruckner immer ordentlich ein. Bruckner - wohl schon ordentlich einen im Tee (ich seh die Szene vor mir) meinte ergeben und befangen nur immer wieder "Mei, was für a Kellner". Am nächsten Morgen hatte er so einen Schädel, dass er nicht mehr wusste, welche der vorgelegten Sinfonien nun von Wagner auserkoren wurde. :D Man stelle sich seine Verzweiflung vor.

Bei einer späteren Gelegenheit in Bayreuth auf einem Empfang Wagners bei dem sehr viele Leute anwesend waren brachte Bruckner, als Wagner dem in der Menge verloren rumstehenden Bruckner ein Glas Wein brachte, auch wieder nur hervor, was denn der Wagner für ein großer Kellner ist :D
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Masetto

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  • »Masetto« ist männlich

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42

Freitag, 11. August 2006, 22:08

Kellner muss zu dieser Zeit ein Wort gewesen sein, was relativ wenig benutzt wurde, das entspräche dann wieder Bruckners Kompositionen.
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Masetto

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  • »Masetto« ist männlich

Beiträge: 1 783

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43

Dienstag, 5. September 2006, 13:11

Ist eigentilch etwas über Bruckners Qualitäten als Dirigent (seiner eigenen Werke) bekannt?

Ich kenne nur die eine Anekdote, wo Bruckner etwas dirigierte und ein Ton musste immer zarter und leiser werden. Das Orchester machte sich schließlich den Scherz an der Stelle dann gar nichts mehr zu spielen. Bruckner jedoch kniete fast mit dem Taktstock mit einem verzückten Gesichtsausdruck und fand die Stelle besonders gelungen :D
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Tapio

Fortgeschrittener

  • »Tapio« ist männlich

Beiträge: 294

Registrierungsdatum: 15. März 2012

44

Samstag, 28. April 2012, 15:15

Und gerade Bruckner, der die absurdesten Anreden und Grußformeln erfinden konnte (hat er dabei über die Eitelkeit dieser Zielpersonen eigentlich gewiehert vor Lachen?)

Ich las einmal Bruckners gesammelten Briefe und stieß beispielsweise hierauf (Brief an König Ludwig II.). Unglaublich, wie viele Unterwerfungsfloskeln man in einem Text unterbringen kann!

Eure königliche Majestät! Aufs tiefste ergriffen und im höchsten Gefühl der Freude bitte ich allerunterthänigst, Euere Majestät wolle allergnädigst gestatten, daß ich für die mir durch Allerhöchste Entschließung Euerer königlichen Majestät gewordene Allerhöchste Auszeichnung: die allerunterthänigste Widmung meiner VII. Sinfonie Allergnädigst entgegenzunehmen - Euerer königlichen Majestät meinen ehrfurchtsvollsten, im tiefsten Herzen gefühlten Dank zu Füßen legen dürfe!
[...]
Gestatten mir Euere Majestät zum Schlusse noch die Allerunterthänigste Bitte Euere königliche Majestät wollen allergnädigst geruhen, auf dem Wege Allerhöchster Entschließung eine Aufführung von meiner Allergnädigst angenommenen Sinfonie, in deren Adagio die Trauermusik zum Andenken an des Meisters Hinscheiden ertönt, vor Euerer königlichen Majestät in königlicher Gnade gestatten zu wollen.
Gott segne! beschütze! und schirme Euere königliche Majestät! In tiefster Erfurcht verharrt
Euerer königlichen Majestät allerunterthänigster Diener
Anton Bruckner.


Ich hab schon wieder etwas gelesen, was mir sehr komisch vorkommt.
Als Brucker in der Villa Wahnfried mit Wagner zusammentraf, um sich das Urteil des Meisters zu holen, ob seine dritte Sinfonie offiziell Wagner zugedacht sein dürfe, tischte Wagner mit Bier auf. Und schenkte dem Bruckner immer ordentlich ein. Bruckner - wohl schon ordentlich einen im Tee (ich seh die Szene vor mir) meinte ergeben und befangen nur immer wieder "Mei, was für a Kellner". Am nächsten Morgen hatte er so einen Schädel, dass er nicht mehr wusste, welche der vorgelegten Sinfonien nun von Wagner auserkoren wurde. :D Man stelle sich seine Verzweiflung vor.

Über diese Zusammenkunft habe ich auch in seinen Briefen gelesen. Ich kann mich nur noch erinnern, dass er wohl höchst dankbar niederkniete und dem "Meister aller Meister" die Hand küsste.

Meinen allerunterthänigsten Gruß Euch zu Füßen legend
Michael

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 241

Registrierungsdatum: 12. August 2005

45

Montag, 11. September 2017, 11:27

Bitte hier nicht antworten, ich bin noch auf der Suche nach einem besseren Thread für den letzten Beitrag.