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timmiju

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  • »timmiju« ist männlich

Beiträge: 1 574

Registrierungsdatum: 5. Oktober 2010

61

Montag, 31. August 2015, 12:01

Da ich beim Start dieses Threads noch kein Forumsmitglied war, kann ich mich jetzt hier äußern, denn das Thema erscheint mir nicht unwichtig.
Heute bin ich nicht mehr bereit für zeitgenössische Interpreten Geld auszugeben, die mich - warum auch immer - nicht mehr so faszinieren, wie die Größen der Vergangenheit. Eigentlich verlasse ich meine Wohnung nur ungern.....
Das finde ich sehr schade. Als wenn die "zeitgenössischen Interpreten" nichts taugen würden. Wenn man in Wien lebt, dann gibt es doch ein Riesenangebot, aus dem man sich gut und gerne die Rosinen herauspicken kann. Nur in der Vergangenheit leben, wie armselig ist das. Ich genieße in Berlin das herrliche musikalische Angebot, gehe monatlich 2-3mal in ein Konzert und ab und zu in die Oper. Dabei könnte man Woche für Woche mehrmals gehen, aber das ist 1. finanziell nicht möglich, 2. könnte man diese Fülle nicht verarbeiten und 3. gibt es auch noch ein zu Hause. Ich habe die Saisonprogramme aller Orchester und der drei Opern und suche mir dann aus, was mir a) vom Programm und b) von den Interpreten gefällt. Zum Beispiel jetzt beim Berliner Musikfest. Da gibt das DSO von Schönberg "Die Jakobsleiter". Das ist vom Aufwand noch gigantischer als seine Gurrelieder, mit Fern- und Höhenmusiken, die normalerweise über Lautsprecher kommen, in der Berliner Philharmonie ganz oben aber gut verteilt werden können. So etwas wird sich für mich in diesem Leben wohl nicht mehr wiederholen. Und das live zu hören gibt doch wesentlich mehr als von der Konserve, wo man sich den Raumklang denken muss. Ich ziehe mir Liveerlebnisse immer CD- oder DVD-Aufnahmen vor, weil sie unmittelbarer sind, natürlicher, nicht etwas zusammen geschnippeltes. Und auch akustisch normaler, denn alle Aufnahmen werden nachträglich auch in der Dynamik noch bearbeitet, die eine Stelle leiser, die andere lauter. Im Konzert sehe ich, wenn der Oboist seine Pausbacken aufbläst, der Hornist zum Solo ansetzt, der Paukist einen Wirbel vollbringt, der Hammer jetzt z.B. bei Mahlers 6. zuschlägt, die Geiger auf der Stuhlkante sitzen, den Ansatz beim Kontrabass usw. Es gibt einen Wiedererkennungswert, wenn man geschätzten Musiker/innen wieder begegnet, oder aber umgekehrt sie vermisst, weil sie vielleicht dienstfrei haben. Sicher - es passieren auch mal Fehler, das macht die ganze Sache aber nur interessanter. Da spielt z.B. das Fagott schneller als die Oboe und schon ist alles raus, damit muss der Dirigent umgehen. Soll keiner sagen das darfs nicht geben, das habe ich so ähnlich fast überall schon erlebt, nur bei den Berliner Philharmonikern noch nicht. Das ist eben live und auch deshalb schätze ich den unmittelbaren Konzerteindruck. In der Mehrzahl der Konzerte läuft alles ziemlich perfekt, aber auch bei Wiederholungskonzerten - jeder Abend ist eben etwas anders. Wie beim Fussball, da fängt das Spiel auch bei 0:0 an und so ist es auch im Konzertsaal. Man kann doch nicht sagen, ich kenne Horowitz, Gilels, Serkin und Richter, da brauche ich keinen Buchbinder, Trifonov oder Lisiecki. Ich entdecke gerne Neues, auch wenn ich das Alt Bekannte wohl schätze. Wer die großen Interpreten der Vergangenheit kennt, kann sehr gut in der Gegenwart die Spreu vom Weizen trennen.
Für zwei Beethovensymphonien würde ich vermutlich nicht gehen, egal wer spielt.
Warum nicht? Und für eine Beethoven-Sinfonie? Es kommt für mich drauf an, wer dirigiert. Ich will ja nicht auf Beethoven verzichten, nur weil ich die Musik gut kenne. Das sollte dann schon ein interessanter Name sein, bei dem man annimmt, das wird gut.
DVDs können keine Bühnenwahrheit ersetzen und CDs keine Konzertwahrheit!!Daran ändert sich auch nichts, wenn man dabei war, als die Konserve entstanden ist!!!
Das ist mal eine Aussage, der ich 100%ig zustimmen kann. Und so ich bin neugierig auf die vielen unterschiedlichen Erlebnisse, die die jetzt beginnende Saison mit sich bringen wird. Dazwischen lege ich mir auch mal wieder die eine oder andere Konserve auf. Da gibt es manches, was ich seit Ewigkeiten nicht mehr hörte. Oder noch gar nicht gehört/gesehen habe. Somit steht eines fest: Langweilig ist das Leben nicht.
:hello:
Wenn schon nicht HIP, dann wenigstens TOP

Gerhard Wischniewski

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  • »Gerhard Wischniewski« ist männlich

Beiträge: 4 550

Registrierungsdatum: 7. April 2011

62

Montag, 31. August 2015, 13:51

Ich habe dieses Thema erst jetzt entdeckt. Ich zähle mich auch zum Typ 3 (sowohl in Bezug auf Oper wie auf Konzert). Das ist einerseits eine Frage der Finanzen, andererseits aber auch bekomme ich im Konzert bei weitem nicht all das geboten, was ich durch CD und DVD bisher kennen lernen durfte. Also bin ich zu mehr als der Hälfte auch Stubenhocker. Ich gehöre auch zu den Menschen, die nicht so sehr die einzelnen Interpretationen vergleichen (ich besitze meist von den Werken nur eine Interpretation) sondern mir kommt es in erster Linie auf das Werk und darauf an, immer wieder noch neue Werke kennen zu lernen.

Liebe Grüße
Gerhard
Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

musikwanderer

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  • »musikwanderer« ist männlich

Beiträge: 4 289

Registrierungsdatum: 20. Januar 2010

63

Montag, 31. August 2015, 17:27

Ich gebe dann, wie Alfred oder Gerhard, zu, ein Stubenhocker zu sein. Seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts habe ich den Opernbesuchen in den Häusern meiner Umgebung abgeschworen. Verschiedentlich habe ich meine Auffassung in den RT-Threads dargelegt, das will ich hier nicht wiederholen. Konzertbesuche stehen hin und wieder in meinem Kalender, allerdings zu 99% Geistliche Musik betreffend; überörtlich reichlich angebotene Sinfoniekonzerte interessieren mich nicht mehr. Das hat aber in erster Linie damit zu tun, dass sich in meinem örtlichen Bekanntenkreis niemand für Klassik interssiert (die entsprechend Gleichgesinnten wohnen alle weiter weg) und nach dem Konzert alleine mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause zu fahren ist mir nach mehreren üblen Vorkommnissen verleidet worden. Rodolfo39 hat in seinem Posting (50) von ähnlichen Erfahrungen geschrieben.

Bleiben also die wenigen (örtlichen) Angebote mit geistlicher Musik, die sich in der Regel aber auf die Weihnachts- und Passionszeit beschränken. Da habe ich manche erstaunenswerte Hörerlebnisse gehabt, denn hier "tummeln" sich die oftmals sehr guten Laienchöre. Manchmal muss ich mich dann allerdings zwingen, abartige akustische Gegebenheiten zu ignorieren (meist in den großen Hallenkirchen), doch macht die hörbare Sangesfreude der Interpreten alles wieder wett.

Das letzte eindeutig in die gehobene Kategorie fallende Konzerterlebnis hatte ich im Februar, als in einer der hiesigen Neuapostolischen Kirchen ein Jugendchor und ein Instrumentalkreis dieser religiösen Gemeinschaft das "Vater unser" in Vertonungen moderner Komponisten (deren Namen ich bis dahin noch nie gehört hatte) darboten: Jochen Rieger, Alexander Hohenfels, Karl Jenkins, Johannes Nitsch und M. (?) Smith. Vollkommen unbekannte Namen für mich! Zwischen den einzelnen Sätzen wurden kontemplative Texte, die von den Jugendlichen selber ausgearbeitet worden waren, wechselweise vorgetragen. Und in zwei Solo-Beiträgen erwies sich eine der Geigerinnen als fantastische Interpretin: Einmal der makellose Vortrag des Adagios aus Bachs erster Sonate für Violine solo, zum anderen in der Meditation aus "Thais" (hier mit einem Pianisten als Begleiter). Und das alles bei freiem Eintritt (viele baten nach Konzertschluss laut um die Aufstellung eines "Klingelbeutels" - und darin verschwand, wie ich während eines Nachgesprächs feststellen konnte, mancher Schein!). Wow!

:hello:
.

MUSIKWANDERER

Caruso41

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  • »Caruso41« ist männlich

Beiträge: 4 458

Registrierungsdatum: 19. November 2010

64

Montag, 31. August 2015, 18:29

Mir ging es einfach darum, darauf hinzuweisen, dass die Tonkonserve ein wichtiges, ja unverzichtbares Medium für die gründliche, ins Detail gehende, also analytische Beschäftigung mit Musik ist, wie sie ja hier im Forum Grundlage für den einschlägigen Diskurs ist.


Lieber Helmut Hofmann,
Deine klärenden Ausführungen haben mich richtig beruhigt. Alles gut!
Und: dein oben von mir zitierte Satz hätte gut und gerne auch von mir sein können!

Mit besten Grüßen
Caruso41
;) - ;) - ;)

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

Helmut Hofmann

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  • »Helmut Hofmann« ist männlich

Beiträge: 5 854

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

65

Montag, 31. August 2015, 19:45

Und wie mich das erst beruhigt, lieber Caruso, wenn ich das lese, was Du da schreibst. Ich wollte mich gerade noch einmal ausdrücklich bei Dir entschuldigen, so sehr belastete mich der Gedanke, Dich - und das ohne jegliche Absicht - "attackiert" zu haben.

Übrigens:
Mir ist das Wort "Stubenhocker", das hier in diesem Thread in der ihm zugrunde liegenden, wirklich unsinnigen Alternativ-These als begrifflicher Angelpunkt dient, höchst unsympathisch, weil in seiner Semantik negativ belastet. Der "Stubenhocker" ist in diesem Gedankengang einer, der sich in seinem Interesse an klassischer Musik und der Beschäftigung mit ihr in einer abgeschiedenen, gleichsam insularen Welt aufhält, an der das wahre, das wirkliche, das seinen ganzen Reichtum sich präsentierende musikalische Leben in Gestalt konzertanter Realisation vorbeizieht. Denn die Schallplatte, die CD oder die DVD, diese Musik in Konservenbüchsen, ist ja eigentlich tot, - wie alle Konserven das sind.

Dem "Stubenhocker" geschieht in in dieser metaphorisch-begrifflichen Verunglimpfung großes Unrecht. Denn er ist ja ein leidenschaftlicher Liebhaber von Musik, - wie jener andere, der besagte "Konzertbesucher" auch. Nur dass er, aus welchen Gründen auch immer, weniger das Live-Erlebnis mit all seinen sinnlichen Reizen, den unmittelbar musikalischen und den vom Ambiente ausgehenden, sucht, als vielmehr die unmittelbare, ganz und gar ausschließlich an ihn gerichtete Begegnung mit ihr anstrebt, in der er sich ganz dem Studium der Struktur und der Eigenart der Interpretation hingegeben kann, in der Musik wie in gleichsam in einem Buch blätternd.
Das ist - ich sagte es schon - eine dem auf die Live-Erfahrung ausgerichteten Leben mit klassischer Musik gleichwertige, also ebenbürtige Grundhaltung. Sie muss ja keine ausschließliche, keine dogmatische sein. Für gewöhnlich geht sie ja mit jener anderen problemlos einher. Der "Stubenhocker" ist gemeinhin auch ein "Konzertbesucher", - vor allem dann, wenn ihn ein singuläres, interpretatorisches "Event" aus seiner Stube mit Macht herauslockt.

Geschieht leider - um mal persönlich zu werden - nicht allzu oft. Aber wenn es dann geschieht, beim Auftritt eines bedeutenden Interpreten, ereignet sich beim "Stubenhocker" etwas höchst Bezeichnendes: Er greift nach dem Konzert-Erlebnis zu der Aufnahme der Musik mit diesem Interpreten, um das, was er da gerade erlebt hat, hörend und studierend und begreifen wollend nachzuvollziehen.
Zu einem wahren Erlebnis wurde mir, als "Stubenhocker", das - um noch einmal persönlich zu werden - in herausragender Weise u.a. bei Dietrich Fischer-Dieskau, Swjatoslav Richter, Alfred Brendel und Vladimir Horowitz.
Also bitte, - ich möchte als Liebhaber klassischer Musik mit diesem Wort "Stubenhocker" nicht diskriminiert werden!

Caruso41

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  • »Caruso41« ist männlich

Beiträge: 4 458

Registrierungsdatum: 19. November 2010

66

Montag, 31. August 2015, 21:16

Also bitte, - ich möchte als Liebhaber klassischer Musik mit diesem Wort "Stubenhocker" nicht diskriminiert werden!


Lieber Helmut Hofmann!
Durch den Titel des Threads sollte gewiss niemand diskriminiert werden.
Ich hatte ja schon die unsinnige Alternativ-Konstruktion kritisiert.
Den in Anführungszeichen gesetzten Stubenhocker muss man natürlich genauso kritisieren.

Die Titel der Threads sind ja immer wieder unüberlegt, kurzschlüssig, missverständlich oder einfach unsinnig. Damit habe ich mich abgefunden. Auch damit, dass die Eröffnung oft krude ausfällt. Es läuft ja eh so, dass der eine bei diesem, der andere bei jenem Wort oder Hinweis so seine Assoziationen hat und dann dazu etwas von sich gibt. Ich habe mir angewöhnt, erst mal abzuwarten und zu sehen, in welche Richtung der Fluß seinen Weg findet oder ob er einfach durch die Tiefebene mäandert.

Aber noch ein Wort zu Deinem inhaltlichen Argument!
Ein Anekdote, die mir zwar von verschiedenen Seiten zugetragen wurde, von der ich aber nicht weiss, inwieweit sie stimmt!

Theodor Adorno hatte einen runden Geburtstag (keine Ahnung welchen!). Seine damaligen Assistenten wollten ihm eine besondere Freude machen und besorgten eine Karte für eine Aufführung des Giovanni in Salzburg, um sie ihm zu schenken. Er zeigte sich sehr erfreut und bedankte sich sehr!
Je näher der Zeitpunkt der Aufführung rückte, desto stiller und bedrückter wirkte er aber.
Schließlich sprach er einen seiner Assistenten - einen großen Musikenthusiasten - an und fragte ihn, ob er statt seiner nach Salzburg fahren und die Aufführung besuchen wolle. Der war natürlich sehr verwundert und wies das zurück. Die Karte sei doch ein Geschenk und sollte ihm, Adorno, Freude machen.
Darauf entgegnete Adorno: "Ja, ...ja, ... ich weiss! Aber ich möchte mir meinen Giovanni nicht durch eine Aufführung kaputt machen lassen!"
Durch nichts war er umzustimmen. Der Assistent fuhr nach Salzburg und Adorno zog es vor, sich in seinen Sessel zu setzen und die Partitur zu lesen.

Eine gute Nacht!
Caruso41
;) - ;) - ;)

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

m-mueller

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  • »m-mueller« ist männlich

Beiträge: 3 646

Registrierungsdatum: 9. Januar 2007

67

Montag, 31. August 2015, 22:51

eindeutig Stubenhocker.

Ich würde durchaus in Konzerte gehen, da die Klangqualität in den meisten Häusern dem Klang auch guter Anlagen überlegen ist, wenn nicht....
- gute Plätze in hochrangigen Konzerten so teuer wären
- mich das gesamte Programm interessiert, und ich mich nicht erst durch zwei moderne Performances durchzittern muß, um ein gutes Stück zu hören
- die guten Konzerte in der Nähe wären, 1 Stunde pro Hin- und Rückfahrt schrecken mich ab

So bleibe ich doch lieber zu Hause, werfe, wann ich will, eine CD in den Player oder den PC an und bin dann auch mit diesem Klang zufrieden. Das Leute-sehen und gesehen werden finde ich auch eher lästig.