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Uwe Schoof

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1

Mittwoch, 26. April 2006, 23:05

Uwe Schoof: Unverzichtbare Klassikaufnahmen

Liebe Musikfreunde,

in diesem Thread möchte ich versuchen, in mich zu gehen und meine absoluten Lieblingskompositionen in den qualitätsentsprechenden Einspielungen zu fixieren und vorzustellen. Die Auswahl der Kompositionen wird mir leichter fallen als die der Interpretationen.

Meine muskalische Leidenschaft gilt schwerpunktmäßig der Kammermusik, wobei ich für lockere, lustige und oberflächlich-beschreibende Musik weniger übrig habe als für schwere, ernste und tiefe, ohne auf die Definitionen hier eingehen zu wollen.

Ich bin selber gespannt, ob und wie ich mich für die Auswahl entscheiden werde.

Gruß,

Uwe
Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

Uwe Schoof

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2

Donnerstag, 4. Mai 2006, 22:01

Dmitri Schostakowitsch

Hallo,

als erste „unverzichtbare“ Aufnahme habe ich die zweite Gesamtaufnahme sämtlicher Streichquartette Schostakowitschs, interpretiert vom Borodin String Quartet, ergänzt durch Sviatoslav Richter im ebenfalls eingespielten Klavierquintett, ausgewählt. Ich besitze diese Aufnahmen schon sehr lange, habe sie in meiner Jugend allerdings noch als Summe einzelner CDs erworben. Wenige Musikkompositionen sind mir so vertraut und haben mich so häufig und intensiv über viele Jahre begleitet wie diese Quartette.



Meine Favoriten unter den Quartetten Schostakowitschs sind:

Streichquartett Nr. 4 op. 83
Streichquartett Nr. 5 op. 92
Streichquartett Nr. 8 op. 110
Streichquartett Nr. 14 op. 142
Streichquartett Nr. 15 op. 144

Sie gehören zu meinen absoluten Lieblingswerken in der Musik.


Die eingespielten Werke: Sämtliche 15 Streichquartette sowie das Klavierquintett von Dmitri Schostakowitsch

Die Ausführenden: Mikhail Kopelman, Andrei Abramenkov (violine), Dmitri Shebalin (viola), Valentin Berlinsky (violoncello);
Klavierquintett: zusätzlich Sviatoslav Richter (piano)

Zur Komposition: Die Streichquartette Schostakowitschs gehören für mich zur aussagestärksten und emotionalsten, gleichzeitig formell gefestigter, Musik. Ich finde darin Traurigkeit, Hoffnung, Niedergeschlagenheit, Spitzbübigkeit…auf jeden Fall vertraut Schostakowitsch diesen Werken und uns Hörern sehr intime Gedanken an.

Zur Interpretation: Das Borodin Quartett nimmt von der Emotionalität nichts weg. Im Gegenteil: sie wird durch diese Musiker hervorragend und intensiv transportiert, aber keinesfalls auch nur annähernd verkitscht – und zwar mit strenger Wahrung von Struktur und Sachlichkeit.

Sonstiges: In den Beiheften der CDs gibt es kurze, aber informative Begleittexte zu den einzelnen Werken. Ich hoffe, dies ist auch adäquat in der Box der Fall.

Gruß,

Uwe
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Uwe Schoof

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3

Dienstag, 9. Mai 2006, 22:01

Bela Bartok

Die zweite "unverzichtbare" Aufnahme ist die Gesamtaufnahme der Streichquartette von Bela Bartok, interpretiert vom Takács Quartet. Da ich diese Aufnahme schon lange besitze und sie gegen andere Einspielungen dieser Werke meist vorziehe, ist sie ein zentraler Teil meiner Musikwelt geworden.



Meine Favoriten sind das zweite sowie das fünfte Quartett, ich mag sie aber alle.

Die eingespielten Werke:
Streichquartett Nr. 1, Sz. 40
Streichquartett Nr. 2, Sz. 67
Streichquartett Nr. 3, Sz. 85
Streichquartett Nr. 4, Sz. 91
Streichquartett Nr. 5, Sz. 102
Streichquartett Nr. 6, Sz. 114

Die Ausführenden: Gabor Takács-Nagy, Károly Schranz (Violine), Gábor Ormai (Viola), András Fejér (Violoncello)

Zur Komposition: Alle sechs Quartette haben eine ernste, starke Sprache. Nichts erscheint unwichtig, jede Note, jede Phrase und jeder Abschnitt scheint bedeutungsvoll. Die Konzentration des Werkes fordert mich sehr heraus, was mir immer ein Vergnügen ist. Es scheint mir unmöglich zu sein, mich an diesen Werken "satt" zu hören.

Zur Interpretation: Das Takács Quartet spielt diese Stücke nahezu ideal, nämlich sehr kraftvoll und offensiv in den nach vorne strebenden Stellen, sehr zärtlich und mystisch aber nie vulgär in den himmlischen adagio-Passagen. Dabei spielen die Musiker jede Note sehr deutlich und kraftvoll; die Töne sind nicht ausschließlich Überleitungen zum Folgenden, sondern sie sie stehen auch für sich. Dies ist auch bei Spitzenquartetten nicht selbstverständlich; ich liebe das, zumindest bei den Bartok-Quartetten.

Sonstiges: In dem Beiheft gibt es einigermaßen ausführliche Informationen zu den Quartetten.

Uwe
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Michael Schlechtriem

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4

Dienstag, 9. Mai 2006, 22:55

Hallo Uwe,

Das sind WIRKLICHE unverzichtbare Aufnahmen!

Ich wollte nur kurz meiner Begeisterung für diese wohlüberlegte Auswahl, die von unschätzbarem Wert ist, Ausdruck verleihen.

LG, :hello:

Michael
"I should never have switched from Scotch to Martinis.“
Humphrey Bogarts letzte Worte.

Uwe Schoof

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5

Sonntag, 28. Mai 2006, 00:08

Arnold Schönberg, Alban Berg, Anton Webern

Die dritte „unverzichtbare“ Aufnahme ist die Gesamtaufnahme aller Streichquartette der drei Klassiker der „Zweiten Wiener Schule“, nämlich Arnold Schönberg, Alban Berg und Anton Webern, interpretiert vom LaSalle Quartett. Diese 4 CDs beinhaltende Box war eine meiner ersten CD-Anschaffungen überhaupt. Sie hat meinen Musikgeschmack sowie meinen Sinn für Ästhetik sehr geprägt.



Meine Favoriten sind die vier Streichquartette Schönbergs mit Opuszahl sowie Bergs „Lyrische Suite“.

Die eingespielten Werke:
Arnold Schönberg:
1. Streichquartett op. 7
2. Streichquartett (mit Sopranstimme im 3. und 4. Satz) op. 10
3. Streichquartett op. 30
4. Streichquartett op. 37
Streichquartett o.op.
Anton Webern:
Fünf Sätze für Streichquartett op. 5
Streichquartett o.op.
Sechs Bagatellen für Streichquartett op.9
Streichquartett op. 28
Alban Berg:
Lyrische Suite für Streichquartett
Streichquartett op. 3

Aufnahmen: 1968 bis 1970

Die Ausführenden: Walter Levin, Henry Meyer (Violine), Peter Kamnitzer (Viola), Jack Kirstein (Violoncello), Margaret Price (Sopran in Schönberg, op. 10)

Zur Interpretation: Dem LaSalle Quartet gelingt es in dieser Einspielung ausgezeichnet, zu durchleuchten. Besonders in den späteren Werken ist es ein Verdienst der Musiker, durch die klare, Melodieführungen dezent heraushebende, Spielweise die Strukturen und Verläufe zu verdeutlichen und transparent zu machen, ohne jedoch den Blick auf das Ganze zu verlieren. Dies ist, besonders bei Schönbergs Quartetten und der Lyrischen Suite, bedeutsam für das Wirken der Dramatik. Somit vereinen die Musiker in den einzelnen Werken Gegensätze: dramatische Leidenschaft einerseits und in sich ruhendes, homogenes Ganzes andererseits.

Sonstiges: Unter anderem dank der Leidenschaft und dem gestalterischen Wirken von Walter Levin und dessen Liebe zum musikgestalterischen Wirken der drei Komponisten wurde ein 340-seitiges Beiheft sorgfältig erstellt. Es beinhaltet ausführliche Informationen über diese Musik sowie zahlreiche Briefinhalte oder Tagebucheintragungen der drei Komponisten hinsichtlich ihrer Streichquartette, aber auch kurze musikalische Erläuterungen mit Notenveranschaulichungen. Ich habe daraus viele Erkenntnisse und Hintergrundinformationen auf äußerst lebendige Art erhalten. Die Ausstattung ist mustergültig.

Uwe
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6

Dienstag, 1. August 2006, 11:55

Alexander Zemlinsky, Hans Erich Apostel

Die vierte „unverzichtbare“ Aufnahme ist die Aufnahme der vier Streichquartette von Alexander Zemlinsky sowie des ersten Streichquartetts von Hans Erich Apostel, interpretiert vom LaSalle Quartett. Diese 2 CDs beinhaltende Box höre ich schon seit vielen Jahren regelmäßig, besonders das zweite Quartett von Zemlinsky. Dieses Werk gehört für mich zu den komplettesten und gleichzeitig spannendsten Musikwerken überhaupt.



Mein Lieblingswerk dieser CD ist das Zweite Streichquartett von Zemlinsky.

Die eingespielten Werke:
Alexander Zemlinsky:
1. Streichquartett op. 4
2. Streichquartett op. 15
3. Streichquartett op. 19
4. Streichquartett op. 25
Hans Erich Apostel:
1. Streichquartett op. 7

Aufnahmen: 1977, 1980 und 1981

Die Ausführenden: Walter Levin, Henry Meyer (Violine), Peter Kamnitzer (Viola), Lee Fiser (Violoncello)

Zur Interpretation: Besonders dem zweiten Streichquartett kommt eine wesentliche Eigenschaft des LaSalle Quartetts zugute: die Fähigkeit, äußerste Dramatik lebendig werden zu lassen, während das Werk gleichzeitig ein in sich ruhendes und homogenes Ganzes bleibt. Dem Quartett gelingt es ausgezeichnet, zu durchleuchten und, auch in den hinwegfegenden Musikpassagen, die Übersicht zu behalten und die Bedeutung jeder Note herauszustellen. Durch die klare, Melodieführungen dezent heraushebende Spielweise werden die Strukturen und Verläufe verdeutlicht und transparent gemacht.

Sonstiges: Das Beiheft informiert einigermaßen ausführlich über die Hintergründe sowie Inhalte der einzelnen Quartette Zemlinskys; weiterhin ist ein sehr kurzes Interview mit Walter Levin über das Quartett Apostels zu lesen.

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Sonntag, 29. Oktober 2006, 22:50

Krzysztof Meyer, Augustyn Bloch

Meine Auswahl der fünften „unverzichtbaren Aufnahme“ geht an die Aufnahme zweier Klarinettenquintette, und zwar von Krzysztof Meyer sowie von Augustyn Bloch, wie auch dessen Musikstück für Soloklarinette, interpretiert durch den Klarinettisten Eduard Brunner und dem Wilanów-Quartett. Besonders das fantastische gehaltvoll-bescheidene Klarinettenquintett Meyers ist mir sehr ans Herz gewachsen und wurde hier wunderbar eingespielt.



Mein Lieblingswerk dieser CD ist das Klarinettenquintett von Krzysztof Meyer.

Die eingespielten Werke:
Krzysztof Meyer:
Klarinettenquintett op. 66 für Klarinette und Streichquartett
Augustyn Bloch:
„Musica per clarinetto e quattro archi“ für Klarinette und Streichquartett
“Clarinetto divertente” für Soloklarinette

Aufnahmen: 1986

Die Ausführenden: Eduard Brunner (Klarinette), Tadeusz Gadzina, Pawel Losakiewics (Violine), Ryszard Dus (Viola), Marian Wasiólka (Violoncello)

Zur Komposition: Das Klarinettenquintett Meyers ist ein Zusammenspiel von Bläser und Streichern ohne Dominanz und künstliche Herausstellung der Klarinette. Vielmehr ist ein auf die jeweilige Passage, aber auch auf den gesamte Werksverlauf bezogener homogener, unaufdringlicher und dennoch intensiver Gesamtklang zu hören. Es handelt sich hier um ein großes und gewichtiges Werk von großer Leidenschaft, aber auch Disziplin. Blochs Klarinettenquintett beinhaltet teilweise Mikrointerwalle. Das kurze Solowerk Blochs zeigt ein variables und abwechslungsreiches Klarinettenspiel mit wechselnden Klangakzentuierungen auf engem Raum.

Zur Interpretation: Die Musiker bewirken durch ihr Spiel Klarheit und Gradlinigkeit ohne Schnörkel und Verweichlichung. Dadurch entsteht ein etwas kühler und sachlicher Klang, der den Inhalten der Kompositionen Wirkungsfreiheit gibt und diese nachvollziehbar macht. Besonders das Klarinettenquintett Meyers ist somit sehr gut wiedergegeben und bedarf wegen seines ohnehin starken inneren Gehaltes keines äußeren Fingerzeigs. Alle hier beteiligten Instrumentalisten arbeiten bereits seit vielen Jahren mit dem Komponisten zusammen.

Sonstiges: Das CD-Beiheft stellt jeweils in kurzen Abschnitten die Komponisten, ihre Werke sowie die Interpreten in deutscher und englischer Sprache vor.

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8

Donnerstag, 30. November 2006, 21:51

Max Reger

Die Einspielungen sämtlicher Streichquartette Max Regers durch das Berner Streichquartett auf drei CD ist meine sechste „unverzichtbare Aufnahme“. Allein die Tatsache, dass die Werke überhaupt eingespielt werden, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden, stellen sich doch die weitaus meisten der bekannten Streichquartettformationen dieser schwierigen Aufgabe nicht. Aber dabei soll es nicht bleiben: Die vorliegenden Einspielungen dieser raffinierten Werke sind ausgezeichnet.



Meine Lieblingswerke dieser CD sind die Streichquartett op. 74, op. 109 sowie op. 121.

Die eingespielten Werke:
Streichquartett in d-moll (1889)
Streichquartett op. 54 Nr. 1 in g-moll
Streichquartett op. 54 Nr. 2 in A-Dur
Streichquartett op. 74 in d-moll
Streichquartett op. 109 in Es-Dur
Streichquartett op. 121 in fis-moll

Aufnahmen: 1992 – 1994

Die Ausführenden: Alexander van Wijnkoop, Christine Ragaz (Violine), Henrik Crafoord (Viola), Angela Schwartz (Violoncello)

Zur Komposition: Regers Werke sind gleichermaßen dicht und breit, robust und feinfühlig. Besonders die drei letzten Werke sind verhältnismäßig lang. Da Reger seine musikalischen Kräfte und Inhalte in diesen Werken jedoch nicht etappenweise sammelt und zusammengefasst in „markanten Höhepunkten“ bündelt, sondern ziemlich homogen und gleichmäßig verteilt, ist die Länge notwendig und dient dem Zweck. Aus diesem Grund ist alle Musik vom Beginn bis zum Schluss der Werke gleichwertig; dies gilt auch für die einzelnen Stimmen, die fast in Fugenmanier sowohl eigenständig sind wie auch dem Gesamten dienen. Zugegeben: Die Werke eignen sich weniger gut, sofort erkannt und ans Herz geschlossen zu werden; man muss sie schon allmählich erobern. Dann aber strahlen sie von innen heraus in "leiser", unaufdringlicher Schönheit.

Zur Interpretation: Dem Berner Streichquartett gelingt neben der feinen Artikulation eines besonders gut: die Gesamtstruktur der Werke zu vermitteln. Besonders die drei letzten Quartette leben von der großen Struktur, vom „großen Bogen“. Nach meiner Empfindung wirkt der Organismus, trotz Verspieltheiten im Kleinen, nur im übergeordneten Puls; der Gesamtüberblick und die Gesamtstruktur dürfen hier nie aus der Konzentration verschwinden, da sonst sofort Orientierungslosigkeit und Langeweile auftauchen. Die Werke müssen gewissermaßen von außen beherrscht werden. Dieses schwere Unterfangen gelingt dieser Quartettformation ausgezeichnet.

Sonstiges: CPO hat in seiner gewohnten, angenehmen Form sein Begleitheft gestaltet. Neben den einzelnen Werken werden auch die einzelnen ausführenden Musiker kurz vorgestellt.

Uwe
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9

Mittwoch, 14. März 2007, 18:13

Ludwig van Beethoven

Meine siebte "unverzichtbare" Einspielung beinhaltet Ludwig van Beethovens späte Streichquartette, interpretiert vom Hungarian Quartet (Ungarisches Streichquartett oder original: Magyar vonósnégyes). Diese Musik ist für mich der bisherige Höhepunkt der gesamten Musikliteratur. Es gibt viele ausgezeichnete Einspielungen dieser Werke; die vorliegende habe ich erst ziemlich spät kennengelernt. Sie bewirkte bei mir nach einer ersten Phase der Verunsicherung ein "Genau-So-Erlebnis". Es handelt sich hier um eine Box mit drei CDs.



Meine Lieblingswerke dieser CD sind die Quartette op. 127, op. 130 (mit großer Fuge), op. 131 und op. 132.

Die eingespielten Werke:

- Streichquartett op. 95 in f-moll
- Streichquartett op. 127 in Es-Dur
- Streichquartett op. 130 in B-Dur
- Streichquartett op. 131 in cis-moll
- Streichquartett op. 132 in a-moll
- Große Fuge op. 133 in B-Dur
- Streichquartett op. 135 in F-Dur


Aufnahmen: 1953

Die Ausführenden: Zoltan Szekely, Alexandre Moskowsky (Violine), Denes Koromzay (Viola), Vilmos Palotai (Violoncello)

Zur Komposition: Das Besondere an den späten Streichquartetten ist das gleichzeitige Vorhandensein sich scheinbar gegenseitig ausschließender Gegensätze. So sind diese Werke, um nur einige Beispiele zu nennen, zugleich traditionell und modern, lebhaft und melancholisch, schwer und leicht, in sich geschlossen und offen, emotional und sachlich; nahezu jedes diese Musik beschreibende Adjektiv kann durch das gleichzeitig belegbare Gegenteil ergänzt werden. Durch diese Aufhebung der Grenzen erscheint die Musik sehr sphärisch bzw. magisch und fordert dadurch viele verschiedene interessante Interpretationsansätze heraus.

Zur Interpretation: Das Ungarische Streichquartett interpretiert die Werke ziemlich zügig, aber nie oberflächlich. Dadurch, dass die Musiker die verschiedenen Emotionen in dieser Musik zwar aufnehmen und ausdrücken, aber nie darin schwelgen, ergeben die teilweise auf den ersten Blick zusammenhanglos erscheinenden Teile einen stimmigen Grad an Einheitlichkeit. Das Spiel wirkt sehr frisch und hell, was aus der Klarheit und Verständlichkeit der Wiedergabe des Rhytmus, aber auch schnörkelloser Direktheit sowie Lebendigkeit, resultiert.

Sonstiges: Das Umschlagblatt bietet bis auf die Aufzählung der einzelnen Werke bzw. Sätze sowie der jeweiligen Einspielzeiten keine weiteren Informationen.

Uwe
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10

Donnerstag, 27. September 2007, 15:17

Krzysztof Meyer

Die Einspielungen von Krzysztof Meyers Streichquartetten Nr. 2, 3 und 10 sind Bestandteil meiner achten „unverzichtbaren Aufnahme“. Eingespielt wurden die Werke vom 1967 gegründeten „Wilanow Streichquartett, das u.a. das 10. Quartett 1994 uraufführte. Diese CD gehört, besonders wegen des gerade genannten Werks, zu meinen absoluten Favoriten; ich höre sie sehr häufig und völlig ohne Abnutzungserscheinungen; dafür mit stetig wachsendem Gewinn.



Mein Lieblingswerk dieser CD ist das 10. Streichquartett.

Die eingespielten Werke:
Streichquartett Nr. 2 op. 23
Streichquartett Nr. 3 op. 27
Streichquartett Nr. 10 op. 82

Aufnahmen: 1995 und 1998

Die Ausführenden: Tadeusz Gadzina, Pawel Losakiewics (Violine), Ryszard Dus (Viola), Marian Wasiólka (Violoncello)

Zur Komposition: Besonders das Quartett Nr. 10 ist ein fast 40-minütiges Werk von großer Schönheit und Eleganz. Es erklingt überwiegend im Lento, verliert dabei nie das Empfinden der Kompaktheit. Die Musik ruht sehr in sich und bezieht seine Kraft aus seinem Inneren; von extremen Klängen betreffend Dynamik und Tonhöhen konnte der Komponist dadurch absehen. Durch gelegentlich wiederkehrende markante, aber unaufdringliche Tonfolgen, besonders prägnant im Cello, wird das Empfinden von äußerer Stütze und Ordnung erreicht.

Zur Interpretation: Die Musiker bewirken durch ihr Spiel Klarheit und Gradlinigkeit ohne Schnörkel und Verweichlichung. Dadurch entsteht ein etwas kühler und sachlicher Klang, der den Inhalten der Kompositionen Wirkungsfreiheit gibt und diese nachvollziehbar macht. Durch intensive gemeinsame Arbeit der Interpreten mit Meyer scheint ein hohes Maß an Komponistenvorstellung in den Aufnahmen zu stecken.

Sonstiges: Das CD-Beiheft stellt jeweils in kurzen Abschnitten den Komponisten, seine hier eingespielten Werke sowie die Interpreten in deutscher und englischer Sprache vor.

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11

Sonntag, 30. Dezember 2007, 14:16

Arnold Schönberg

Meine neunte „Unverzichtbare“ beinhaltet ein Früh- sowie ein Spätwerk Arnold Schönbergs, nämlich das Streichsextett „Verklärte Nacht“ op. 4 sowie das Streichtrio op. 45. Beides sind fantastische Werke; besonders die „Verklärte Nacht“, nach dem Gedicht von Richard Dehmel, lässt mich auch nach vielen Jahren häufigen Hörens noch erschauern und bewirkt, ganz besonders in dieser wunderbaren Einspielung, regelmäßig das Entstehen einer Gänsehaut.



Mein Lieblingswerk dieser CD ist die „Verklärte Nacht“, wenngleich auch das Trio faszinierend ist.

Die eingespielten Werke:
“Verklärte Nacht“ für Streichsextett op. 4
Streichtrio op. 45

Aufnahmen: 1982

Die Ausführenden: Walter Levin, Henry Meyer (Violine), Peter Kamnitzer, Donald McInnes (Viola), Lee Fiser, Jonathan Pegis (Violoncello)

Zur Komposition: Beide Werke sind sehr dramatisch - hinsichtlich der äußeren Gestaltung jedes auf seine Weise. Sie verkörpern sehr anschaulich die Schreibweise in der jeweiligen Schaffensphase; oder besser: sie zeigen die Entwicklung Schönbergs hinsichtlich der äußerlichen Gestaltung seiner musikalischen Gedanken. Bereits bei der frühen "Verklärten Nacht" zeigt sich, trotz der Ausdehnung des Werks und der Menge von Gedanken, das ernorme Gespür des Komponisten für das einheitliche Ganze. Das Sextett wurde auch für Streichorchester instrumentiert und auf diese Weise häufig gespielt.

Zur Interpretation: Die ausführenden Musiker lassen Dramatik lebendig werden, während die beiden Werke gleichzeitig in sich ruhende und homogene Ganze bleiben. Die „Verklärte Nacht“ wird in klaren Farben und lebendigen Übergängen „gemalt“, das Trio sehr dynamisch und ebenfalls deutlich gespielt.

Sonstiges: Das Beiheft informiert einigermaßen ausführlich über die Hintergründe sowie Inhalte der beiden Werke Schönbergs; Dehmels Gedicht ist dort ebenfalls aufgeführt. Die Gestaltung des Umschlags gefällt mir gut.

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12

Samstag, 3. Oktober 2009, 17:14

Ludwig van Beethoven

Zum zweiten Mal zähle ich eine Einspielung der späten Streichquartette Beethovens zu meinen "Unverzichtbaren", diesmal vom legendären "Busch Quartet". Neben meiner Begeisterung für diese Einspielung spielt für mich auch eine persönliche Komponente eine Rolle, da ich hiermit (als LP) zum ersten Mal ein spätes Streichquartett des Komponisten gehört habe, und zwar op. 127. Ein unvergessener Moment mit Folgen für mein Musikverständnis.



Meine Lieblingswerke dieser CD sind op. 131 und op. 132.

Die eingespielten Werke:
Streichquartett op. 95
Streichquartett op. 127
Streichquartett op. 130 (mit alternativem Finale)
Streichquartett op. 131
Streichquartett op. 132
Streichquartett op. 135
"Große Fuge" in einer Bearbeitung für Orchester

Aufnahmen: 1932 bis 1941

Zur Komposition: s. Einspielung durch das Ungarische Streichquartett

Zur Interpretation: Mir erscheint die Musik völlig unverkrampft und "von Innen heraus" gespielt. Ganz locker und dabei genau und klar erklingen die Streichquartette bzw. die einzelnen Sätze jeweils als eigenständiger Organismus.

Sonstiges: Die Große Fuge in Originalbesetzung ist nicht Inhalt dieser CD-Box.

Uwe
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13

Samstag, 22. Oktober 2011, 00:48

Wolfgang Rihm

Meine nächsten "Unverzichtbaren" sind zwei Streichquartette von Wolfgang Rihm, und zwar das fünfte und sechste, eingespielt vom Minguet Quartett. Ich höre diese Aufnahmen sehr gerne, kenne leider keine Alternativeinspielungen. Umso mehr weiß ich diese wunderbar eingespielte Musik zu schätzen.



Mein Lieblingswerk dieser CD ist das 5. Streichquartett.

Die eingespielten Werke:
5. Streichquartett "Ohne Titel"
6. Streichquartett "Blaubuch"

Aufnahmen: 2002 und 2003

Zur Komposition: Die Quartette sind ruhelos, vorwärtstreibend und grenzen an Aggressivität. Dennoch sind sie, besonders das 5. Quartett, besonders homogen und in sich ruhend. Zusammenhänge sind nicht nur in kleinen Sequenzen, sondern besonders im Gesamten auszumachen. Die Musik ist ernsthaft und dem jeweils Ganzen verpflichtet.

Zur Interpretation: Die Musik wird klar und schnörkellos wiedergegeben. Es wird nicht versucht, ein künstliches Pulsieren zu erzeugen, sondern vielmehr in der Ausdruckssphäre zu ruhen.

Sonstiges: Die CD ist Bestandteil einer Serie, die die Einspielungen sämtlicher Streichquartette Riehms zum Inhalt hat. Das Beiheft gibt nur kurze begleitende Informationen zu den eingespielten Werken sowie vom Minguet Quartett.
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Montag, 25. Juni 2012, 13:54

Arnold Schönberg, Paul Hindemith, Hanns Eisler

Zum dritten Mal beinhaltet eine "Unverzichtbare" ein Werk Schönbergs, zwei kurze Stücke neben diesem sind von Hindemith und Eisler. Hierbei geht es um die Kompositionen für die "klassische" Bläserquintettbesetzung. Neben der hier interpretierten Version des Aulos-Bläserquintetts existieren übrigens auch, für das wunderbare Schönbergwerk kenne ich noch einige, weitere gute Einspielungen dieser großen Musik.



Mein Lieblingswerk dieser CD ist das Bläserquintett Schönbergs.

Die eingespielten Werke:
Paul Hindemith:
Kleine Kammermusik für 5 Bläser op. 24.2
Hanns Eisler:
Divertimento op. 5
Arnold Schönberg:
Bläserquintett op. 26

Aufnahmen: 1992

Zur Komposition: Schönbergs gelingt es in seinem Bläserquintett, die unterschiedlich klingenden Instrumente zu einem homogenen Klang abzurunden. Gleichzeitig können die einzelnen Instrumente bzw. deren Melodienführung gut verfolgt werden. Während der Gestaltungsaufbau des Werkes äußerst traditionell ist, beziehen sich die Töne nicht auf eine harmonische Basis, sonder nur im Stile der Reihentechnik aufeinander. Im Gegensatz zu Schönbergs ca. 40-minütigem Werk sind die Stücke Hindemiths und Eislers mit 13 und 7 Minuten weniger ausgedehnt.

Zur Interpretation: Warum das Aulos Bläserquintett eines der weltweit führenden Formationen dieser Besetzung ist, läßt sich sofort erkennen. Die Musik wird so klar und lebendig vorgetragen, dass sie miterlebt, aber auch gut nachvollzogen werden kann.

Sonstiges: Das Beiheft gibt einen kurzen Überblick über die Besetzung "Bläserquintett" und die drei eingespielten Werke; übrigens werden auch die Reihen des Schönbergwerkes dargestellt. Das Umschlagbild meiner CD zeigt übrigens die fünf Musiker mit ihren Instrumenten in Nahaufnahme; ich habe sie mir schon vor mehreren Jahren zugelegt.

Uwe
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15

Donnerstag, 31. Oktober 2013, 20:11

Johannes Brahms

Die Aufnahmen der vier Quintette von Johannes Brahms durch Mitglieder des Philharmonischen Oktetts Berlin sind Inhalt meiner nächsten „unverzichtbaren Aufnahmen“. Erwähnung hier findet diese Doppel-CD wegen der Einspielung der beiden Streichquintette, die ich aus einer anderen Pressung, ohne die beiden anderen Quintette, seit vielen Jahren kenne und besitze. Die hier enthaltenen Einspielungen des Klavier- sowie des Klarinettenquintetts sind mir nicht bekannt.



Mein Lieblingswerk dieser CD ist das Streichquintett op. 88.

Die eingespielten Werke:
Klavierquintett op. 34
Streichquintett op. 88
Streichquintett op. 111
Klarinettenquintett op. 115

Aufnahmen: 1970 – 1973

Die Ausführenden: Alfred Malecek, Ferdinand Mezger, Rudolf Hartmann (Violine), Kunio Tsuchiya, Dietrich Gerhardt (Viola), Peter Steiner (Violoncello), Werner Haas (Klavier), Herbert Stahr (Klarinette)

Zur Komposition: Die Quintette, zumindest die späteren, gehören für mich zum Stärksten, was Brahms geschrieben hat. Das Streichquintett op. 88 ist mein Lieblingswerk des Komponisten. Besonders dieses sowie sein Schwesternwerk faszinieren durch ihre scheinbare Leichtigkeit, obwohl doch so viel passiert. Den beiden Streichquintetten wird häufig frühlingshafter Charakter zugeschrieben; das empfinde ich ebenso.

Zur Interpretation: Die beiden Streichquintette werden deutlich und klar gespielt, so dass der Verlauf gut nachvollzogen werden kann. Mir gefällt, dass diese Musik nie zu schnell heruntergespielt wird, da sie ohnehin schon flotten, fließenden und leichten Charakter hat.

Sonstiges: In diesen beiden CDs sind sämtliche vier instrumentale Quintette enthalten.

Uwe
Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

Uwe Schoof

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Mittwoch, 1. März 2017, 15:05

Heinz Holliger

Das Berner Streichquartett taucht bei bei meinen "Unverzichtbaren" nun zum zweiten Mal auf, was nicht nur daran liegt, dass es ein gutes Ensemble ist, sondern auch daran, dass es gelegentlich Werke aufnimmt, an die sich die meisten anderen renommierten Formationen wohl nicht herantrauen oder dies aus anderen Gründen ablehnen. So bin ich erfreut, das (erste; zwischenzeitlich hat Holliger ein zweites geschrieben) Streichquartett Holligers auf Tonträger zu finden. Auch ein Chorstück und ein kurzes Solo für Violoncello sind beinhaltet.



Mein Lieblingswerk dieser CD ist das Streichquartett.

Die eingespielten Werke:
1. Streichquartett
"Die Jahreszeiten" - Vier Lieder nach Gedichten von Scardanelli für gemischten Chor
Choconne für Violoncello solo

Aufnahmen: 1977 und 1979

Die Ausführenden:
Berner Streichquartett mit Alexander van Wijnkoop und Eva Zurbrügg, Violinen; Henrik Crafoord, Viola; Walter Grimmer, Violoncello (Streichquartett)
Schola Cantorum Stuttgart, Leitung: Clytus Gottwald (Die Jahreszeiten)
Walter Grimmer, Violoncello (Chaconne)

Zur Komposition: Das fast halbstündige Streichquartett beginnt in hohen Tonbereichen hektisch und wild, beruhigt sich allmählich fast linear und endet tieflagig in Erstarren. Es ist eine äußerst emotionale Beschreibung des Zustandes von "energiebeladen" zu "ausgepumpt", die bei konzentrierter Hörteilnahme auf den Hörer übergeht. Holliger verwendet bei diesem Werk eine Vielzahl von Geräuschen, die aus den Streichinstrumenten herauszuholen sind, wie Kratzgeräusche, Klopfen und Streichen mit verschiedenen Drucktechniken an den verschiedensten Stellen der Instrumente. Alles wirkt jedoch keineswegs unkontrolliert oder chaotisch, sondern tatsächlich fein gestaltet und irgendwie schön.

Zur Interpretation: Die "Berner" spielen sehr lebendig, aber auch deutlich. Dadurch verstärkt sich der Eindruck eines fein durchkomponierten Musikverlaufs. Ich kann mir bei der Intensität der Musik gut vorstellen, dass die Musiker am Ende des Werkes ebenso platt sind wie die im Verlauf des Schlusses bis zum Durchhängen herabgestimmten Saiten der Instrumente.

Sonstiges: Im Wergo-üblichem Stil gestalteten Begleitheft werden die Musikwerke sowie die Musiker in deutscher Sprache kurz vorgestellt. Auch die Texte der vertonten Gedichte für Chor sind Bestandteil des Heftes.

Uwe
Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)