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zweiterbass

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301

Montag, 6. Januar 2014, 20:47

Zu Crossover gehört immer der Anspruch einer Synthese und "Versöhnung" zwischen den Gegensätzen - hier den Bereichen von U und E.

Lieber Holger,
ich möchte es eher als Synthese/"Versöhnung" zwischen überlieferten, oft auch eingeprägten (prägenden) Klangvorstellungen von Hörern sehen und solchen, welche diese Eigenschaften (noch) nicht haben. Zwischen U und E zu unterscheiden ist für mich sehr problematisch, da mich z. B. Teile der h-Moll-Messe oder..., meiner augenblicklichen inneren Einstellung entsprechend, sehr wohl unterhalten können, mich aber z. B. Kammerjazz oder außereuropäische Volksmusik (die wohl als U eingestuft werden), wie vor, rational sehr fordern können.

Bitte, höre Dir die Musik aus meinem Beitrag Nr. 274 an - ist das Cross-Over?

LG
zweiterbass
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

tuonela

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302

Montag, 6. Januar 2014, 21:01


Auch ein geistliches Werk von Bach kann mich gut "unterhalten", ebenso eine Oper wie z.B. "das Rheingold" von Wagner .
Unterhaltung ist ja ein Zeitvertreib - und wenn es einem nicht langweilig wird, dann wird man eben gut und interessant unterhalten. Im Barock nannte man es "Ergötzung".

nee, Ergetzung. 8-)

Zitat

Neben der Erbauung und der Belehrung war sie immer ein bewusster und gewollter Bestandteil eines nach den Prinzipien der Rhetorik aufgebauten Musikwerkes.
Die Idee der Versöhnung zwischen U und E wäre also gar nicht nötig, weil E auch sehr U sein kann.

Allerdings finde ich Musik immer dann unterhaltend, wenn sie mich zum Hinhören auffordert, und eben nicht zum Weghören. "Nebenbei" kann ich Musik eigentlich gar nicht hören, was z.B. die Konsequenz hat, dass ein Fahrgast in meinem Auto schweigen soll, wenn ich Musik höre. Da ich das aber ausser meiner Familie kaum jemanden zumuten kann, lass ich in solchen Fällen besser die Musikanlage des Autos schweigen.....

... was auch der Konzentration auf den Straßenverkehr zugute kommt. (Im Auto - so wir es noch fahren - hören wir eigentlich kaum noch wirklich zu.)
Nichtsdestotrotz hätte Harnoncourt vielleicht gesagt: es gibt gar keine "U"-Musik, denn bei jeder Musik [die man bewusst, also gerne anhört] muss man hinhören, weil sie ja spricht, etwas aussagt.

Zitat

Gegen"versöhnendes" Cross-over im Stile des genannten Geigers würde ich jedoch ganz unversöhnlich ein Veto einlegen, egal ob im Auto oder zu Hause.

Man kann nicht alles mögen. 8-) Und das ist auch gut so: sonst wäre man glatt über- (manchmal auch unter-)fordert. :D
Gruß tuonela
"Waaaas, noch lauter?" - "Nein, ein wenig lauter."

m-mueller

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303

Dienstag, 7. Januar 2014, 00:26

Zudem ist die (klassische - Einfügung von mir um Irrtümer zu vermeiden) Musik viel zu komplex, um "alltagstauglich" zu sein, also z.B. als Unterstützung an einem trüben Tag zu DIENEN. Nein, die Musik will was von MIR, sie will Aufmerksamkeit, sie will meine Zeit, ich soll IHR dienen.


Hallo m-mueller,

kleiner Einspruch: Wenn Du der klassischen Musik gibst, was sie braucht - das ist von Werk zu Werk und von Hörer zu Hörer äußerst unterschiedlich - dann gibt sie Dir genau das, was Du Dir z. B. wünscht. Manche Stücke aus der h-Moll-Messe oder Schubertlieder oder Distlerchorsätze oder, oder... habe ich so "intus", dass ich sie "im Ohr habe" und wenn ich sie dann auch noch tatsächlich höre, ist mein Gewinn sehr hoch und die intellektuelle Inanspruchnahme geringer, als wenn ich mir "Dideldadeldum" anhöre und frustriert bin.

Viele Grüße
zweiterbass



Hallo Zweiterbass,

ich gebe Dir völlig Recht.

Ich hatte im Konjunktiv geschrieben aus der Sicht eines virtuellen Popfans, dem das ewige "ich bin besser"-Getue der Klassiker auf den Keks geht und der entsprechend kontert.

Wenn ich die "Kosten-Nutzen"-Balance klassischer Musik nicht auch so sehen würde wie Du, wäre ich sicherlich nicht hier.

Ansonsten wird hier wohl nicht immer konsistent argumentiert.

Dr. Holger hat durchaus nicht auf den Einzelfall, sondern verallgemeinernd formuliert, Crossover sei der Versuch, Klassik zu ent-elitisieren, was ich für Schmarr´n halte. Johannes meint, ein Unterstützungsbeispiel dadurch zu bringen, daß er die Hörer von Crossover der Ent-Elitisierung verdächtigt, was nun allerdings nicht auf die ursprüngliche Intention der Erzeuger dieser Musik schließen läßt.

Auch geht es bei Felix und Johannes bezüglich zum einen des Alters angefügter Gegen-Beispiele gegen das Argument, Pop sei NUR fad, und zum anderen der Frage, inwieweit sich Pop weiterentwickelt hat, munter durcheinander. Das Thema scheint dann doch einige Emotionen zu wecken...

Jetzt ist aber wirklich alles gesagt, was ich hierzu noch beitragen wollte.

Thomas Pape

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304

Dienstag, 7. Januar 2014, 00:42

Ansonsten wird hier wohl nicht immer konsistent argumentiert.
Das stimmt wohl. Deswegen haben wir ja versucht, den Begriff Crossover zu bestimmen.
Dr. Holger hat durchaus nicht auf den Einzelfall, sondern verallgemeinernd formuliert, Crossover sei der Versuch, Klassik zu ent-elitisieren, was ich für Schmarr´n halte. Johannes meint, ein Unterstützungsbeispiel dadurch zu bringen, daß er die Hörer von Crossover der Ent-Elitisierung verdächtigt, was nun allerdings nicht auf die ursprüngliche Intention der Erzeuger dieser Musik schließen läßt.
Holger geht von einem wissenschftlichen Diskurs aus, der seit den 1980er Jahren in einigen geisteswissenschaftlichen Disziplinen (also auch in seiner) geführt wird. Hier hats Du natürlich wieder recht, es wird insofern nicht konsistent diskutiert, als das Einbeziehen des Postmoderne-Diskurs über Crossover in die Debatte einen zusätzlichen Aspekt einführt, der die Verständigung nicht eben erleichtert. So recht Holger hier von seinem Standpunkt aus hat, würde ich dennoch einstweilen bei den Verständigungsgrundlagen über die musikalischen Hervorbringungen bleiben wollen.

LIebe Grüße vom Thomas :hello:
Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

Thomas Pape

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305

Dienstag, 7. Januar 2014, 01:03


Bitte, höre Dir die Musik aus meinem Beitrag Nr. 274 an - ist das Cross-Over?

LG
zweiterbass
Das kommt darauf an, wie wir hier Crossover definieren wollen. Aus meiner Sicht ist das ein auf Präetorius fußendendes, dennoch eigenständiges Werk. Es bedient sich zwar in Teilen der ursprünglichen Melodie, übersetzt sie aber in eine völlig andere Stimmung. Die ursprüngliche Melodie ist wiedererkennbar, die Zäsuren indes völlig anders gesetzt (wundervoll die große Pause nach "und hat ein Blümlein bracht", auf die musikalische eine neue Strophe, aber keine Fortführung folgt). Im Sinne von Holgers Diskussionsansatz ist das ebenfalls kein Crossover, da hier keine Versöhnung zwischen E und U stattfindet. Füre mich ein wunderschönes Lied, und ich danke Dir sehr dafür, dass Du es gepostet hast: ich kannte es zuvor nicht.

Liebe Grüße vom Thomas :hello:
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Felix Meritis

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306

Dienstag, 7. Januar 2014, 01:12

Auch geht es bei Felix und Johannes bezüglich zum einen des Alters angefügter Gegen-Beispiele gegen das Argument, Pop sei NUR fad, und zum anderen der Frage, inwieweit sich Pop weiterentwickelt hat, munter durcheinander. Das Thema scheint dann doch einige Emotionen zu wecken...

Emotionen wurden bei mir nur durch Deine Bemerkung, in der "Klassik" habe sich seit 100 Jahren nichts mehr getan, geweckt ;) . Ansonsten verstehe ich unter Pop etwas anderes als Du und Johannes. Ihr seht offensichtlich jegliche Musik, die nicht Klassik oder Volksmusik ist, als Pop an. Für mich ist Pop medial und ökonomisch forcierte Unterhaltungsmusik. Irgendwelche Freaks, die in der Garage experimentieren sind für mich keine "Pop-Musiker".

Dr. Holger Kaletha

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307

Dienstag, 7. Januar 2014, 09:17

Holger geht von einem wissenschftlichen Diskurs aus, der seit den 1980er Jahren in einigen geisteswissenschaftlichen Disziplinen (also auch in seiner) geführt wird.
Das stimmt ja nicht ganz, lieber Thomas. Die Diskussion war ursprünglich keine wissenschaftliche, sondern wie schon gesagt eine Literaturdebatte. Auf diesen fahrenden Zug sind dann schließlich auch Philosophen wie der Pragmatist John Dewey etwa aufgesprungen. :hello:

Schöne Grüße
Holger

zweiterbass

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308

Dienstag, 7. Januar 2014, 10:26

Ich hatte im Konjunktiv geschrieben aus der Sicht eines virtuellen Popfans, dem das ewige "ich bin besser"-Getue der Klassiker auf den Keks geht und der entsprechend kontert.

Hallo m-mueller,

dummerweise hatte ich den Kunjunktiv nur auf Deinen Absatz 2 bezogen, sonst hätte ich meinen "kleinen Einwand" zum Absatz 3 nicht gepostet - und mit Deinem Argument, "dass Du sonst nicht im Forum wärst", hast Du natürlich völlig recht.

Viele Grüße
zweiterbass
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

zweiterbass

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309

Dienstag, 7. Januar 2014, 10:37

Füre mich ein wunderschönes Lied, und ich danke Dir sehr dafür, dass Du es gepostet hast: ich kannte es zuvor nicht.

Lieber Thomas,

ich habe es mit den "Windsbachern" - Motette am 29.11.2013 - gehört (denen gilt mein Dank), ich kannte es zuvor auch nicht. Mit etlichen anderen Besuchern der Motette - u. a. mit meinem Chorleiter - waren wir der Meinung, es war das beste Stück der Motette, da gab's auch Bach usw.

Herzliche Grüße
zweiterbass
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Dr. Holger Kaletha

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310

Dienstag, 7. Januar 2014, 11:15

Das Gegenbeispiel:



Willem Mengelberg dirigiert Franz von Suppe statt als schmissige Unterhaltung mit deutschem Tiefsinn, so, als handele es sich hier um Wagners Tannhäuser. Was dabei herauskommt ist dermaßen triefender Kitsch, daß ich wirklich Tränen lachen mußte beim ersten Hören! :D

Schöne Grüße
Holger

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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311

Dienstag, 7. Januar 2014, 11:55

Auch geht es bei Felix und Johannes bezüglich zum einen des Alters angefügter Gegen-Beispiele gegen das Argument, Pop sei NUR fad, und zum anderen der Frage, inwieweit sich Pop weiterentwickelt hat, munter durcheinander. Das Thema scheint dann doch einige Emotionen zu wecken...

Emotionen wurden bei mir nur durch Deine Bemerkung, in der "Klassik" habe sich seit 100 Jahren nichts mehr getan, geweckt ;) .

Eben. Mich persönlich interessiert weder typischer "Kommerz-Pop" noch "Prog/Art-Rock" genügend, um Emotionen zu wecken. Die werden bei mir nur durch Vergewaltigung klassischer Stücke (a la Garrett) und solche Aussagen wie oben geweckt.

Zitat


Ansonsten verstehe ich unter Pop etwas anderes als Du und Johannes. Ihr seht offensichtlich jegliche Musik, die nicht Klassik oder Volksmusik ist, als Pop an. Für mich ist Pop medial und ökonomisch forcierte Unterhaltungsmusik. Irgendwelche Freaks, die in der Garage experimentieren sind für mich keine "Pop-Musiker".

Ich kenne Freaks, die in einem Keller experimentieren oder das zumindest mal getan haben (nahe Verwandte...) Die stehen ganz eindeutig in der Tradition und bedienen sich der Instrumente und Stilmittel der üblicherweise elektronisch verstärkten, auf "Songs" konzentrierten Populärmusik der letzten 60 Jahre.
Gewiss mag es ein paar Freaks geben, die da nicht reinpassen, aber niemand wird bestreiten, dass zB Pink Floyd a) eine Rockband b) in der Tradition der Rock/Pop-Musik seit den späten 50ern und c) kommerziell erfolgreich ist. (Und zB Genesis oder Gabriel habe ich als Jugendlicher Mitte/Ende der 80er wohl erst nach ihrem "commercial turn" wahrgenommen. Was ich davon in Erinnerung habe, ist Popmusik, wenn auch vielleicht sehr gut gemacht und vergleichsweise originell.) Einige schwierige Grenzfälle heben grundsätzlich sinnvolle Unterscheidungen nicht auf.

Meine Spitze gegen "Art-Rock" bezieht sich eher darauf, dass das zum einen heute keine populäre Musik mehr ist, sondern eher noch stärker an eine bestimmte Generation gebunden zu sein scheint als andere Popmusik (oder auch Klassik). Ich glaube nicht, dass diese Nische ernsthaft als "Ersatz" für Klassik oder Avantgarde gesehen werden kann, kann das aber natürlich nicht beurteilen. Es gibt alle möglichen Schnittmengen, vermutlich auch solche zwischen Hörern von Garbarek/Hilliard, anderen ernsthaften schwarzen ECM-Scheiben, die stilistisch schwer einzuordnen sind, Art-Rock und Avantgarde.

Felix Meritis

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312

Dienstag, 7. Januar 2014, 12:43

Natürlich ist die Unterscheidung im Allgemeinen sinnvoll. Ich behaupte aber, dass die qualitativen Unterschiede im "Pop"-Bereich viel größer sind als in der Klassik, weshalb es mir etwas Bauchweh bereitet, alles in einen Topf zu werfen. Originelle Künstler wie Freddy Mercury oder Könner wie (die frühen) Metallica mit Leuten zu gruppieren, die weder komponieren noch überhaupt ein Instrument spielen bzw. singen können, bringt nicht viel. Schließlich ist dann doch eher die Unterscheidung "qualitätvoll" und "wertlos" von Bedeutung. Selbstverständlich aber ist der Anteil an qualitätvoller Musik in der Klassik und wohl auch dem Jazz viel höher als in der Pop-Musik.

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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313

Dienstag, 7. Januar 2014, 13:00

Es gibt, glaube ich, massenhaft handwerklich solide oder vielleicht sogar virtuose, aber künstlerisch wertlose Popmusik, oder?
Und es gibt ganz sicher umgekehrt popkulturell außerordentlich einflussreiche, (anfangs) nichtkommerzielle Populärmusik, die diesbezüglich eher schwach zu nennen wäre, wenn es denn hauptsächlich darauf ankäme: Punk, Nirwana etc.
Machen wir uns doch nichts vor, Weltruhm und Einfluss gewannen die Beatles mit dem relativ frühen Geschrammel, nicht mit Sgt. Pepper...

Felix Meritis

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314

Dienstag, 7. Januar 2014, 13:10

s gibt, glaube ich, massenhaft handwerklich solide oder vielleicht sogar virtuose, aber künstlerisch wertlose Popmusik, oder?
Und es gibt ganz sicher umgekehrt popkulturell außerordentlich einflussreiche, (anfangs) nichtkommerzielle Populärmusik, die diesbezüglich eher schwach zu nennen wäre, wenn es denn hauptsächlich darauf ankäme: Punk, Nirwana etc.

Naja, dieses Missverhältnis gibt es wohl überall, auch in der Klassik. Curt Cobain war halt ein brillianter Melodiker, das gleicht so manch technisch primitives Geklampfe aus (Beatles detto). Mir sind vor allem jene ein Dorn im Auge, die weder ihre Songs selber schreiben noch spielen, sondern höchstens dazu tanzen. Das ist leider vom Marktvolumen her sicherlich der Löwenanteil heutztage. Andere Popmusiker sehe ich eher als Poplyriker, etwa Bob Dylan. Da ist der musikalische Anteil sehr gering.

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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315

Dienstag, 7. Januar 2014, 13:22

Klar, gibt es das Missverhältnis auch anderswo (wohl aber kaum so krass wie bei Pop/Rock/Punk etc.). Aber das wären dann Unterscheidungen *innerhalb* zB der Popmusik nach handwerklichem Geschick, Inspiration, Originalität etc. Ich sag ja nicht, dass alle Populärmusik Schrott ist.
Ich glaube halt nicht, dass handwerklich sehr gut gemachte Populärmusik (wie Queen, Genesis oder so) dadurch irgendwann so eine Art Klassik wird, ebensowenig wie sie es wird, wenn das London Symphony Orchestra "Rock Symphonies" spielt, d.h. bombastisch instrumentierte Rocksongs. Ich weiß nicht, ob irgendjemand das meint, aber manches im Thread klingt ein wenig in diese Richtung.

seicento

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316

Dienstag, 7. Januar 2014, 22:47

Da jetzt hier eine kleine Diskussiionspause eingetreten ist, wollte ich ein Beispiel eines "umgekehrten" (?) Cossovers oder einer Art Cross-Reverenz vorstellen. Es ist meiner Ansicht nach nicht vergleichbar mit Led Zeppelin vom London Symphony Orchestra gespielt:

Pink Moon

Requiem for a Pink Moon

Albert Hosp (ORF) hat das so ausgedrückt (wie man in den Rezensionen bei amazon und JPC nachlesen kann): Crossover ist ein schrecklicher Begriff, sagt nichts aus und erinnert mich eher an »über etwas das Kreuz schlagen« ... Wenn dann doch jemand kommt und Grenzen-überschreitend bzw. Genre-übergreifend Musik macht, stelle ich mir oft die Frage: »Warum?« Hier aber heißt die Frage »warum nicht?«!! Jungverstorbener Song-Poet trifft auf Barock-erfahrene Bassstimme, oder: Die eigenwilligen Lieder von Nick Drake (1948-1974) werden mit verwandten Songs aus dem 17. Jahrhundert kombiniert, verknüpft, ja vermischt. Das Ganze funktioniert nicht nur, ich vergieße sogar Tränen der Freude bei manchen Passagen.
P.S.: Ich oute mich hier gern als jemand, dem die Musik von Nick Drake sehr tief berührt. Ich muss mich eher an die 'tiefe' Schönheit der Stimme von Joel Frederiksen 'gewöhnen', der übrigens in München lebt.

zweiterbass

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Mittwoch, 8. Januar 2014, 17:28

Hallo Seicento,

wenn ich die Beiträge bisher durchlese, herrscht keine Einigkeit darüber, was unter Crossover zu verstehen ist, was die Eigenart dieser Musik sein soll.
Ein "Rück-Crossover" würde für mich bedeuten, dass ich in diesen Tagen komponierter Musik Anklänge an Musik höre, die vor 100, 150, 200 Jahren komponiert wurde - das kann ich nicht hören, auch wenn auf der 2. CD mit historischen Instrumenten gespielt wird; die Spielweise, Anschlagtechnik, Rhythmik und Harmonik ist von klassischer Musik so weit entfernt für meine Ohren, dass ich keinen Bogen zu weitaus früherer Musik finde - bei der 1. CD noch viel weniger, was aber keineswegs ein Qualitätsurteil ist/sein soll.

Viele Grüße
zweiterbass
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seicento

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Mittwoch, 8. Januar 2014, 18:26

Hallo zweiterbass,

ich hätte ehrlich gesagt gedacht, dass dir das Beispiel gefallen würde - eine schöne Bassstimme und u.a. eine Theorbe. ;)
Mit "umgekehrt" meinte ich Crossover von Pop/Rock zu Klassik anstelle von Klassik zu Pop (wie z.b. das abschreckende Beispiel von David Gerrett, Bachs Air). Ich denke, dass es sich bei meinem Beispiel um einen gelungenen Fall von Crossover im Sinne einer Synthese und "Versöhnung" handelt, um es mit den Worten von Holger Kaletha zu sagen. Wenn klassische Musiker ansonsten Pop und Rock "zitieren", dann meistens nur, um ihn noch bombastischer klingen zu lassen. Bei "Requiem for a Pink Moon" ist man mit dem Original "Pink Moon" sehr sensibel umgegangen und hat es in einen interessanten Zusammenhang gestellt. moderato hat mal ein ähnliches Beispiel erwähnt, bei dem ein Ensemble, das sonst mittelalterliche Musik spielt, Frank Zappa auf's Korn genommen hat.

zweiterbass

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Donnerstag, 9. Januar 2014, 08:30

Hallo Seicento,

die Bassstimme gefällt mir gut, ich habe auch nicht gesagt, dass mir die Musik nicht gefällt, ich kann sie nur nicht als "umgekehrten" Crossover hören, was ich auch begründet und nicht nur so "dahin gesagt" habe. Es besteht also an sich kein Grund zur "Enttäuschung". Für mich ist der "übliche" Crossover (wenn er sehr gut ist) der bessere Weg - und was unter Crossover verstanden wird, ist m. E. uneinheitlich. Ob "Es ist ein Ros' entsprungen" von Sandström (was ich eingestellt habe) Crossover ist, dazu gab's schon hier unterschiedliche Meinungen.

Viele Grüße
zweiterbass
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seicento

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320

Freitag, 10. Januar 2014, 20:28

Hallo zweiterbass,

hier ist das andere "unübliche" Crossover-Album, das moderato erwähnt hat: "The Frank Zappa Album - On Period Instruments". Bei JPC kann man - im Unterschied zu amazon - sich die Sound-Schnipsel anhören. In der Genetik ist ein Crossover übrigens streng reziprok - also ein echter Austausch. Im andern Fall redet man dann von Konversion ... um mal ganz krass zu klugscheißern. ;) :untertauch:
Das Cover soll wohl signalisieren, dass hier was vermischt wurde, indem man das Kaninchen bellen lässt. ("Arf!" ist wohl englisch für "Wau!").

Ich muss auch außerdem zugeben, dass ich mich einfach nur sehr gefreut habe, dass jemand wie Joel Frederiksen das Album Pink Moon so gut fand, dass er einige Stücke daraus gecovert hat.

Viele Grüße

seicento

tuonela

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321

Freitag, 10. Januar 2014, 21:04

Ein klassisches "Crossover"-Kompendium ist für mich Guldas Triple-Album "The Complete Musician":
sozusagen verschiedene Stile nicht in einem Stück, aber in einem Album, und miteinander verschmolzen durch einen Interpreten:

"Waaaas, noch lauter?" - "Nein, ein wenig lauter."

Glockenton

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Freitag, 17. Januar 2014, 14:26

Gulda finde ich so gut wie immer hörenswert. Ich mag fast alles, was er gemacht hat.

Durch eine Werbemail von Klassikakzente bin ich auf einen Herrn Einaudi aufmerksam geworden.
Natürlich dachte ich zuerst daran, ob es etwas mit Schleichwerbung für eine Ingoldstädter Marke zu tun habe. Aber nein: Hier stürmt ein Komponist die Klassikcharts, und ich habe noch nicht einmal diesen Namen zur Kenntnis genommen.



Nun habe ich in Stichproben mir etwas von dieser Musik angehört (nicht nur von der oben gezeigten CD) Obwohl es mich ehrlich gesagt am ehesten an das Piano-Geplätscher aus einer Hotellounge erinnert, muss ich sagen, dass ich durchaus nichts gegen diese Musik habe. Wer von Musik genau das und nicht mehr erwartet, der soll das gerne hören. Weichspülermusik muss es ja auch geben....

Was mich jedoch etwas irritiert ist dieser Werbesatz: "Die Musik von Ludovico Einaudi liegt in der Gunst der deutschen Klassikhörer ganz vorn" Vom "Klassik-Abräumer" ist da die Rede.
Ist denn das "Klassik"? Es könnten aus meiner Sicht auch pop-romantischer Akustik-Balladen sein. Nur weil es akustisch ist, soll es schon klassisch sein?
Was ist eigentlich klassisch? Der Meinung, dass "ernstzunehmende" Musik des 21. Jahrhunderts nicht tonal sein dürfe, bin ich keineswegs. Sie darf selbstverständlich auch hauptsächlich konsonant sein, eben so wie diese hier. Dennoch finde ich nicht, dass es sich hier um Klassik im Sinne von "gehaltvoll" handelt.
Das musikanalytisch zu belegen wäre möglich, aber ich (er)spare mir das hier aus Platz- und Zeitgründen.

Und so wiederhole ich meine oben geäusserte Kritik: Den Leuten wird heute etwas als Klassik (offensichtlich mit viel Erfolg) verkauft, was diesen Namen m.E. nicht tragen dürfte. Sie sagen Klassik, aber meinen Einaudi.
Ist das ein Etikettenschwindel?
In vielen Fällen sage ich ja, in diesem Fall habe ich noch nicht so viele Takte Musik gehört, dass ich mich da endgültig festlegen will. Aber egal in welche CD ich hineinhörte: Ich traf immer auf diese Beruhigungsmusik, die man im Hintergrund für "gute Gespräche" bei einem guten Wein laufen lassen kann. Vielleicht nur ein Zufall....
Klassik so wie ich sie kenne, fordert jedenfalls zum Hinhören auf. Wer die Nerven hat, sich angeregt plappernd beim Kaffee über Prominententratsch auszutauschen und gleichzeitig z.B. den "Doppelgänger" von Schubert laufen lässt, sitzt m.E. auf seinen Ohren.

Wer meine Aussagen als elitäre Gehabe und Elfenbeinturm bezeichnen will, kann das gerne im Sinne der Meinungsfreiheit tun. Ich stehe zu jedoch der durch viele eigene Erfahrungen genährten Meinung, dass sich nicht die Kunst auf ein tiefstmögliches Niveau herabbeugen muss, um möglichst jeden abzuholen, sondern dass der Einzelne sich auf das Niveau der Kunst heraufzubegeben habe, d.h. man muss sich den späteren Genuss oft auch "erarbeiten", sich in einen Stil hineinhören.
Als Jugendlicher konnte ich z.B. mit Brahms nichts anfangen, bis es irgendwie ein Stück vermochte, mich doch gefangen zu nehmen (es war, glaube ich, die 1. Symphonie, bei der ich beethovensche Elemente suchte...) Heute bin ich froh, dass ich mir damals auch bewusst einmal Musik anhörte (auch mit Noten), die mir auf Anhieb nicht gleich verständlich erschien. Umso grösser ist die Bereicherung des Lebens aus heutiger Sicht.

Gruss
Glockenton

tuonela

Schüler

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323

Freitag, 17. Januar 2014, 14:47

im deutschen Sprachraum vertriebene Plätscher"klassik" wird oft "Classics" oder manchmal auch "Kuschelklassik" (o.ä.) genannt ...
... meiner Meinung nach hat diese Verniedlichung von Klassik schon mit dem oben erwähnten Waldo de los Rios begonnen. Fand ich immer öde. - Oder waren "Songs" wie "In mir klingt ein Lied" vorher da?
"Waaaas, noch lauter?" - "Nein, ein wenig lauter."

Schneewittchen

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324

Freitag, 17. Januar 2014, 15:29

Den Leuten wird heute etwas als Klassik (offensichtlich mit viel Erfolg) verkauft, was diesen Namen m.E. nicht tragen dürfte.
Ist das ein Etikettenschwindel?
Genau das meine ich auch.
Die Klassik-Verkaufsstatistik ist Etikettenschwindel.Klassik im Aufwind?
Viele der großen Klassik-Verkaufshits,die Gewinn bringen,sind gar keine Klassik.
Bereinigt man die Klassik-Verkaufsstatistik um die Pseudoklassik-Verkäufe,dann sieht es düster aus.
Bezeichnet sich jemand als Klassikliebhaber,so sollte man erst einmal nachfragen,was er hört?
Bei jungen Leuten reicht oft schon der Orchesterklang von The Hobbit-Filmmusik,um die Klassikschublade zu öffnen.
Oder das Geklimpere von Einaudi.
mfG
Michael

zweiterbass

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325

Freitag, 17. Januar 2014, 17:11

Hallo,

es geht um die Komponisten „Simeon ten Holt“ und „Enaudi“ (Lebensläufe usw. siehe Wikipedia). Letzterer wurde am 3.11. in BR-Klassik quasi als „Vater“ der entschleunigten Musik gepriesen (so kam es bei mir an). Das sehe ich anders und verweise auf die Beiträge in diesem Thread (Einfügung: Simeon ten Holt).

Um eine Vergleichsmöglichkeit zu schaffen (auch ohne CD), stelle ich als Erstes einen Link zu Simeon ten Holt und dann zu Enaudi ein.

https://www.youtube.com/watch?v=JDCsOL2vBJc
https://www.youtube.com/watch?v=PAuwd-4yYHE

Entschleunigte Musik im Gegensatz zu Minimalmusik, die nur in kleinsten Schritten vorangeht (und daher auch "entschleunigt"). Man muss aufpassen, um die kleinen Veränderungen mitzubekommen - andererseits ist es rein tonale Musik, die schon von ihrem Wesen her zur Ruhe kommen lässt...

Viele Grüße
zweiterbass


Ausnahmsweise zitiere ich mich selber, was als Ergänzung zu diesem Thread gedacht ist.

Simeon ten Holt schreibt Minimalmusik, die große Aufmerksamkeit und Konzentration erfordern (beim 1. Hören) um die Variationen zu erkennen - beim 2., 3., 4. Hören... kann man sich fallen lassen.
Bei Einaudi kann man sich sofort fallen lassen - es ist m. E. "Geklimpere".

Viele Grüße
zweiterbass
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler