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sagitt

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1

Freitag, 17. März 2006, 19:15

Anna Netrebko - Einzigartig oder nur Marketing?

Sagitt meint.


Eben sah ich eine Traviata aus der Ahoy-Arena in Rotterdam und frage mich und Euch,warum wird eine solche Hype um die Nebtrebko gemacht,während eine Bonfadelli, die eine ganz grossartige Violetta gibt, allenfalls Kennern bekannt ist ?
Sie gibt dér Rolle alles, was diese braucht. Kraft,Höhe,Zerbrechlichkeit und eine überwältigende schauspielerische Leistung im dritten Akt.
Leider ist das Umfeld eher fragwürdig. Der Tenor singt sehr schön,könnte das bei seinen schauspielerischen Fähigkeiten auch aus dem OFF tun. Die Inscenierung kann nicht gelingen. Der dritte Akt in einer Arena, in die wieviele zehntausend Zuschauer passen?

Aber: DIE BONFADELLI

nala

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2

Freitag, 17. März 2006, 19:38

RE: Ein Flop: Verdis "La Traviata"

so viele Menschen können sich nicht irren. Die Netrebko singt hervorragend, sieht besser aus als der Durchschnitt der Frauen :) und hat eine ziemlich (sehr) gute Promotion. Warum sucht man immer nach Fehlern, anerkennt nicht einfach, dass sie gut ist. Als Donna Anna sah ich sie in Salzburg, da war sie noch nicht berühmt, und trotzdem stach sie heraus und ich "prophezeite", von der würde man nochmal hören! :)
Letztes Jahr im 'l'elisier d'amore' wars irgendwie nicht zu toppen. Das heisst nicht, dass Bonfadelli nicht auch gut ist, vergleichen muss man nicht immer, einfach mal geniessen.
WHEN MUSIC FAILS TO AGREE TO THE EAR;
TO SOOTHE THE EAR AND THE HEART AND SENSES;
THEN IT HAS MISSED ITS POINT
(Maria Callas)

Alfred_Schmidt

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3

Freitag, 17. März 2006, 21:41

Ich hab sie mir angehört gegen alle bekannten Violettas der mittleren Vergangenheit. Leider muß gesagt werden, daß sie da kaum einer das Wasser reichern kann.
Ich gebe aber zu, daß ich auch durch die aufdringliche Promotion und die Salzburger Ausstattung (wenn der Begriff Aussattung hier überhaupt angebracht ist) noch zusätzlich meinen Widerwillen erregen, wodurch mein Urteil a priori nicht mehr ganz unvoreingenommen sein kann........
Über die Assoziazionen, die das Cover bei mir erweckt, schweige ich dezent, erlaube mir aber anzumerken, daß es sich bei der Rolle um eine Kurtisane handelt und nicht ..........

Beste Grüße

Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

sagitt

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4

Freitag, 17. März 2006, 23:26

RE: Ein Flop: Verdis "La Traviata"

Sagitt meint:

auch wenn das Argument, die Fülle könne nicht irren, höchst fragwürdig ist,möchte ich klarstellen, ich will Frau Netrebko nicht abwerten, warum auch ? Sie sieht fabelhaft aus und singt gut.
Nein, das ist nicht mein Argument,sondern, warum um diese ein hype gemacht wird und um andere nicht ? Die von mir eingebrachte Bonfadelli sieht auch nicht schlecht aus, singt sehr gut und spielt noch besser. Während das nicht Anlass für einen hype ?

heldenbariton

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5

Sonntag, 30. April 2006, 07:55

RE: Ein Flop: Verdis "La Traviata"

Das ganze Gerede um die, ich hab´s schon mal geschrieben, von vielen so hochgelobte Netrebko(besonders im klassikakzente-Forum) und auch hier, ist für mich kein Grund in die Lobeshymnen einzustimmen, denn es gibt noch andere, hervorragendere, will sagen, bessere "Violetta´s"; z.B. Cristina Gallardo-Domâs, wenn man die "Violetta´s" der Vergangenheit mal ausser Acht lässt.Auch habe ich in Bezug auf Netrebko gelesen, dass sie und Angela Gheorghiu in Sachen "Violetta" Maßstäbe gesetzt haben. Welche ?
Gruß Heldenbariton
Wie aus der Ferne längst vergang´ner Zeiten
GB

Siegfried

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6

Sonntag, 30. April 2006, 18:57

RE: Ein Flop: Verdis "La Traviata"

Hallo Guido B.

ich erinnere mich,deine o.g.Frage schon mal gelesen zu haben.
Da Kunst nur immer subjektiv bewertet oder beurteilt werden kann,
stelle ich dir einfach die Gegenfrage:
Warum wurde die von dir so hoch favorisierte Cristina Gallardo-Domas nicht für die Salzburger Traviata 2005 oder für die Londoner ein paar Jahre früher engagiert?
Ich denke,daß gerade bei der Besetzung von Opernrollen für Festspiele mit weltweitem Interesse Angebot und Nachfrage von den jeweils gefragtesten Künstlern bestimmt wird.

Natürlich kannst du "deine" Sängerin hervorragender und besser finden,doch wie willst du den schäbigen Rest der Welt davon überzeugen?
Freundliche Grüße Siegfried

Misha

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7

Sonntag, 30. April 2006, 19:34

RE: Ein Flop: Verdis "La Traviata"

Zitat

Original von Siegfried

Warum wurde die von dir so hoch favorisierte Cristina Gallardo-Domas nicht für die Salzburger Traviata 2005 oder für die Londoner ein paar Jahre früher engagiert?
Ich denke,daß gerade bei der Besetzung von Opernrollen für Festspiele mit weltweitem Interesse Angebot und Nachfrage von den jeweils gefragtesten Künstlern bestimmt wird.

Natürlich kannst du "deine" Sängerin hervorragender und besser finden,doch wie willst du den schäbigen Rest der Welt davon überzeugen?


Damit stellst Du die Behauptung auf, daß tatsächlich die "gefragtesten" Künstler auch die besten sind. Das lässt sich einfach an Hand von Beispielen wie zB der Konzerte der 3 Tenöre oder Pavarottis peinlicher Abschiedstour für gerontophile Musikfreunde widerlegen: Alles im Höchstpreissegment, ausverkauft und - mit Verlaub - Mist.
Im Kapitalismus verkauft sich gut, was gut vermarktet wird. Bei Pavarotti und Co. wird nicht die künstlerische Leistung sondern das Image eines Künstlers verkauft. Ähnlich verhält es sich mit Netrebko: Die Leute, die für schlechte Arienprogramme mit der Dame Irrsinnspreise zahlen, verstehen zum großen Teil nix von Gesang - oft allein deswegen, weil Ihnen die Maßstäbe fehlen, da sie nicht viel anderes gehört haben, um in langem ,mühevollen ((!) Prozess Gehör und Geschmack zu bilden.
Aber sie sind dank entsprechender Vermarktung überzeugt, für teures Geld etwas besonders gutes zu erleben. Wenn dann noch eine Prise Sex dazu kommt, ist die Mischung perfekt.
Netrebko sehe ich übrigens eher als Opfer denn als "Täterin" dieser Geschichte: Natürlich kann die Dame singen, aber sie ist - auch mangels entspr. Entwicklung - (noch) nicht so gut, wie die Propagandamaschine Glauben macht und wird verheizt. Natürlich kann ich auch verstehen, daß sie (sie kommt schließlich aus einem der Armenhäuser Europas) das große Geld samt EU Pass nicht ablehnt. Aber wenn man es (weltfremd natürlich) streng sieht, hat sie sich korrumpieren lassen und ihre künstlerische Identität an den Profitbetrieb verkauft. Sie ist für die besser betuchten Leute, die außerdem meinen, sich gelegentlich für ihr Image mal ein Häppchen Kultur (i.e. was sie dafür halten sollen) gönnen zu müssen, nichts anderes als für die Unterschicht ein "Superstar" aus der Bohlen Fabrik.
Mich widert das alles an, aber wir leben wohl in einer Zeit, wo an die Stelle tradierter Wertsysteme der Gott "Profit" getreten ist.
res severa verum gaudium

Herzliche Grüße aus Sachsen
Misha

Austria

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8

Sonntag, 30. April 2006, 21:37

@Misha

Ähnlich verhält es sich mit Netrebko: Die Leute, die für schlechte Arienprogramme mit der Dame Irrsinnspreise zahlen, verstehen zum großen Teil nix von Gesang - oft allein deswegen, weil Ihnen die Maßstäbe fehlen, da sie nicht viel anderes gehört haben, um in langem ,mühevollen ((!) Prozess Gehör und Geschmack zu bilden.
Aber sie sind dank entsprechender Vermarktung überzeugt, für teures Geld etwas besonders gutes zu erleben. Wenn dann noch eine Prise Sex dazu kommt, ist die Mischung perfekt.


Ich verwahre mich ganz energisch gegen solche Verallgemeinerungen. Ich habe in langem (seit ich 12 Jahre alt war), mühevollen Prozess mein Gehör und meinen Geschmack gebildet - meist live, aber auch auf Platten und auf CDs. Und ich bin gewiß nicht bi - also läßt mich Netrebko's "Prise Sex" ziemlich kalt. Und ich finde, daß sie eine ganz ausgezeichnete Sängerin mit einem sehr schönen, samtenen Timbre ist, mit sicherer Intonation und beeindruckender Höhe. Und dieses ständige Geschrei um ihre Vermarktung wird langsam fade...... Man vergißt dabei auch das Theater, das um all die Primadonnen der Vergangenheit gemacht wurde - siehe Callas & Co. Aber die sind ja sakrosankt, wohl weil sie tot sind und weil man über Tote keine Häme ausschüttet.

LG
Austria
Wir lieben Menschen, die frisch heraus sagen, was sie denken - vorausgesetzt, sie denken dasselbe wie wir (Mark Twain)

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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9

Sonntag, 30. April 2006, 21:51

Zitat

Original von Austria
@Misha

Ähnlich verhält es sich mit Netrebko: Die Leute, die für schlechte Arienprogramme mit der Dame Irrsinnspreise zahlen, verstehen zum großen Teil nix von Gesang - oft allein deswegen, weil Ihnen die Maßstäbe fehlen, da sie nicht viel anderes gehört haben, um in langem ,mühevollen ((!) Prozess Gehör und Geschmack zu bilden.
Aber sie sind dank entsprechender Vermarktung überzeugt, für teures Geld etwas besonders gutes zu erleben. Wenn dann noch eine Prise Sex dazu kommt, ist die Mischung perfekt.


Ich verwahre mich ganz energisch gegen solche Verallgemeinerungen. Ich habe in langem (seit ich 12 Jahre alt war), mühevollen Prozess mein Gehör und meinen Geschmack gebildet - meist live, aber auch auf Platten und auf CDs. Und ich bin gewiß nicht bi - also läßt mich Netrebko's "Prise Sex" ziemlich kalt. Und ich finde, daß sie eine ganz ausgezeichnete Sängerin mit


Ich kenne von Netrebko garnix, aber ich verstehe auch nicht, was an einer "Prise Sex" bei einer Opernsängerin falsch sein. Auf der Bühne dürften wir doch alle Probleme haben, Caballé mit einem Zweimannszelt dekoriert als Violetta oder Mimi ernst zu nehmen. Dass Bühnenpräsenz für 40 Jahre alte Platten nicht zählt, ist klar, aber warum soll sie hier und heute auf einmal wurscht sein. (Hier besteht bzgl. der Relevanz des sex-appeals m.E. ein zentraler Unterschied zwischen einer Opernsängerin und einer Pianistin)

Natürlich ist ein Hype wie "zweite Callas" Unsinn. Aber die Quelle solchen Unsinns ist doch ebenso der fetischistische Personenkult um die Callas, egal wie großartig sei zweifellos als Künstlerin gewesen ist.

viele Grüße

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

Misha

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10

Sonntag, 30. April 2006, 22:03

Ich habe Frau Netrebko keineswegs sängerische Qualitäten abgesprochen, wenn ich auch sicher in ihr nicht die primadonna assoluta unserer Tage sehe. Meine Kritik richtet sich gegen das in ihrer Person sich zuspitzende Phänomen unseres gegenwärtigen Umgangs mit der Kultur im allg. und mit der des Gesangs im Besonderen.

Kesting, dessen Urteil über Sänger ich sicher nicht immer teile und der Frau N. als Sängerin übrigens keineswegs negativ beurteilt, hat es IMO auf den Punkt gebracht:

Zitat

So, wie Luciano Pavarotti dazu diente, den Mythos des Tenors aus der Sphäre der vermeintlichen Hochkultur herauszuholen und als Massenphänomen – vor allem: als Kassenphänomen – zu erneuern, spielt Anna Netrebko, up to date geschminkt, die Rolle der Primadonna im globalen Medientheater. Dabei sind die Programme ihrer beiden Rezitals altmodisch. Ästhetisch-immanente Massstäbe spielen bei der Beurteilung dieser «neuen» Primadonna eine nur mehr nebensächliche Rolle. Damit ein Ereignis Grösse habe, so schrieb Friedrich Nietzsche in seiner «Unzeitgemässen Betrachtung» über Wagner in Bayreuth, müssen zwei Dinge zusammenkommen: der grosse Sinn derer, die es vollbringen, und der "grosse Sinn derer, die es miterleben. Anna Netrebko ist der Star eines Events, bei dem es vor allem darum geht, einfach nur dabei zu sein bei einem von den Preisen her elitären Massenereignis.


Falls jmd. den gesamten Artikel nachlesen möchte:

"http://www.musikundtheater.ch/mt/ausgabe/11_05/netrebko.html"

Meine persönliche Meinung zu ihrer Leistung als Salzburger "Traviata" hatte ich im entspr. thread dargelegt.
res severa verum gaudium

Herzliche Grüße aus Sachsen
Misha

faun

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11

Sonntag, 30. April 2006, 22:05

oper ist ja vor allem dazu gedacht, dass sie auf der bühne und nicht im
konzert (CD) aufgeführt wird. vor allem bei befürwortern der 'werkgetreuen'
aufführungspraxis (also gegnern des regie-theaters), ist bei der traviata
folgendes zu beachten:

- sie ist eine kurtisane und OHNE sex und laszive erotik ist diese rolle unglaubwürdig !
- für das alter der rolle dürfte 30 das äusserste limit sein (vor allem, wenn man die
zeit der handlung betrachtet)

werden die obigen gesichtspunkte bei der besetzung nicht beachtet, so müssten
eigentlich die verfechter des werkgetreuen aufschreien. denn hier wird ja die intention
des autors gröblichst missachtet.

faun
die kritik ist das psychogramm des kritikers (will quadflieg)

Theophilus

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  • »Theophilus« ist männlich

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12

Sonntag, 30. April 2006, 22:24

Zitat

Ich habe Frau Netrebko keineswegs sängerische Qualitäten abgesprochen, wenn ich auch sicher in ihr nicht die primadonna assoluta unserer Tage sehe. Meine Kritik richtet sich gegen das in ihrer Person sich zuspitzende Phänomen unseres gegenwärtigen Umgangs mit der Kultur im allg. und mit der des Gesangs im Besonderen.

Gut, die Kritik richtet sich also gegen das Phänomen, verdroschen wird aber die Netrebko.


Zitat

Ich hab sie mir angehört gegen alle bekannten Violettas der mittleren Vergangenheit. Leider muß gesagt werden, daß sie da kaum einer das Wasser reichern kann.

Die Vergleiche sind vermutlich größtenteils gegen Studioaufnahmen gemacht worden, was insbesondere bei der die Sänger aktionsmäßig sehr fordernden Salzburger Inszenierung für diese naturgemäß von vornherein ein Nachteil war. Ich glaube aber, dass kaum eine Violetta der mittleren Vergangenheit an Anna Netrebkos Darstellung heranreicht, was sie in Summe nicht schlecht dastehen lässt. Alfred scheint auch generell Schwierigkeiten zu haben, in diesem Fall die Bühnenfigur von der Sängerin zu unterscheiden. ;)


Während es offensichtlich zum guten Ton gehört, bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf Anna Netrebko herumzureiten, bin ich sehr überrascht, dass von der Übertragung des Don Pasquale aus der MET vor acht Tagen kaum ein Sterbenswörtchen gefallen ist. Hat doch der hier so hochgelobte Juan Diego Florez neben der ach so mittelmäßigen Anna N. bemerkenswert blass gewirkt. Kann mir das einer der Experten bitte erklären? ;)

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

heldenbariton

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13

Montag, 1. Mai 2006, 09:43

Hallo Theophilus,
du sprichst mir aus der Seele...

Aber an den Reaktionen der Forumuser, nicht nur auf meine Meinung zu Frau N., sehe ich persönlich, das , Gott sei Dank, die Ansichten verschieden sind, es aber einigen Forumusern schwerfällt, die Meinung des Einzelnen zu akzeptieren. Das zu der Partie eine, ich drücke es mal so aus, eine erotische Ausstrahlung der Titelinterpretin gehört, liegt auf der Hand, aber das reicht nicht aus, denn der Gesang gehört dazu; außerdem gehört die Violetta zu den am schwersten (so erzählte es mir Frau Varady nach einer Aufführung) "rüber zu bringenden" Partien Verdis.

Gruß Heldenbariton
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Herbert Henn

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14

Montag, 1. Mai 2006, 10:15

Ein Flop:Verdis"La Traviata"

Meiner Meinung nach ist A.Netrebko nicht der Typ der leidenden Frau,
weder in ihrem Timbre,noch in Ihrem Outfit.
Es ist ein großer Unterschied zwischen :Traviata,Lucia,oder Butterfly
und:Norina,Adina,Rosina,et.c.
Die"Callas" war wohl der Prototyp der"Leidenden",auch Sängerinnen
wie z.B. A.Moffo,R.Tebaldi,J.Sutherland,V.Zeani,und auch
A.Gheorghiu passten in dieses Fach.A.Netrebko bleibt für mich
immer der Typ des netten Mädels.Das ist doch auch schon was,oder?

Gruß von Herbert.
Tutto nel mondo è burla.

heldenbariton

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15

Montag, 1. Mai 2006, 10:38

RE: Ein Flop:Verdis"La Traviata"

Hallo Herbert,
recht hast du..

Gruß Guido
Wie aus der Ferne längst vergang´ner Zeiten
GB

Misha

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16

Montag, 1. Mai 2006, 12:41

Zitat

Original von Austria


Die Leute, die für schlechte Arienprogramme mit der Dame Irrsinnspreise zahlen, verstehen zum großen Teil nix von Gesang

Ich verwahre mich ganz energisch gegen solche Verallgemeinerungen. Ich habe in langem (seit ich 12 Jahre alt war), mühevollen Prozess mein Gehör und meinen Geschmack gebildet


Chère Austria bleib geschmeidig: Wenn es sich so verhält, was ich nicht bezweifle, warum ziehst Du Dir den Schuh dann an?
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Misha

Austria

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17

Montag, 1. Mai 2006, 13:19

Zitat

Original von Misha

Zitat

Original von Austria

Die Leute, die für schlechte Arienprogramme mit der Dame Irrsinnspreise zahlen, verstehen zum großen Teil nix von Gesang

Ich verwahre mich ganz energisch gegen solche Verallgemeinerungen. Ich habe in langem (seit ich 12 Jahre alt war), mühevollen Prozess mein Gehör und meinen Geschmack gebildet


Chère Austria bleib geschmeidig: Wenn es sich so verhält, was ich nicht bezweifle, warum ziehst Du Dir den Schuh dann an?


Hallo Misha,

Ich BIN geschmeidig :D

Also gut, wir reden nicht mehr über AN (sie kann einem gefallen oder auch nicht, ihre weitere Entwicklung wird zeigen, ob und wozu sie noch fähig ist) - sondern über ihre Vermarktung. Und das eine hat mit dem anderen meiner Ansicht nach nichts zu tun.

Daß die 3 Tenöre, als sie allesamt auf dem ABSTEIGENDEN Ast waren, nochmal versucht haben, Kohle zu machen - DAS finde ich schrecklich, das entspricht genau dem, was Du angesprochen hast:

Mich widert das alles an, aber wir leben wohl in einer Zeit, wo an die Stelle tradierter Wertsysteme der Gott "Profit" getreten ist.

Warum aber jemand, der qualitativ (gesanglich) und ästhetisch (Schönheit) etwas zu bieten hat, nicht auch seine pekuniären Möglichkeiten ausschöpfen soll, das sehe ich nicht ein - ich gönne es ihr einfach. Und ich habe nicht den Eindruck, daß sie sich künstlerisch verheizen läßt.

Das einzige, was mich nervt, sind manche ihrer Interviews in der Yellowpress - wobei ich der Überzeugung bin, daß da zu 90% schon die Fragen an sie einfach blöd sind. Wenn sie sie NICHT beantwortet, wird man sie als zickig einstufen, wenn doch, als dämlich. Sie sollte sich einfach die Zeitungen besser aussuchen.

LG
Austria
ganz cool ;-)
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Siegfried

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18

Montag, 1. Mai 2006, 16:56

RE: Ein Flop: Verdis "La Traviata"

Hallo Misha,

etwas abstrus finde ich deinen Vergleich zwischen Anna Netrebko und den "3Tenören".Das hat nun wirklich überhaupt nichts miteinander zu tun.Und mit Kapitalismus auch nicht und mit "Superstar aus der Bohlen- Fabrik" schon gar nicht.
Solche Beiträge liebe ich nicht,weil sie nur aufs Polemisieren hinzielen.Damit ist niemandem gedient und dem Forum schadet es auch.
Für Klassenkämpfer gibt es geeignetere Plattformen als das Tamino-Forum.
Freundliche Grüße Siegfried

Misha

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19

Montag, 1. Mai 2006, 17:13

Lieber Siegfried,

Zitat

Das hat nun wirklich überhaupt nichts miteinander zu tun

Doch, s.o. und den Beitrag von Kesting.

Zitat

Und mit Kapitalismus auch nicht

Das ist entweder mangelnde Kenntnis der Mechanismen der Marktwirtschaft ("Kapitalismus" hast Du gesagt, interessante Assoziation....) oder - sei mir nicht böse - naiv.

Zitat

Solche Beiträge liebe ich nicht

Das tut mir - wirklich! - leid, aber man kann in einem ernsthaften Klassikforum die Mechanismen des Marktes nicht ignorieren, zumal wir ja letztlich alle unser Hobby/unsere Passion auch bezahlen müssen.

Zitat

Damit ist niemandem gedient

Doch: Denjenigen, die die Augen vor der Realität nicht verschließen wollen und die (naive) Hoffnung haben, auch als Verbraucher durch ihr Kaufverhalten noch einen Rest Einfluss ausüben zu können.

Zitat

dem Forum schadet es auch

Das ist ein völlig inhaltsleeres Schein- und Totschlagargument.

Zitat

Für Klassenkämpfer gibt es geeignetere Plattformen als das Tamino-Forum

Gott erhalte Dir Dein konservatives Weltbild (mir bitte auch ;) ). In der "Geschichte des Forums kannst Du aber nachlesen, daß unser verehrter Admin nicht zuletzt auch eine sagen wirs mal' modisch "Verbraucherorganisation" der Klassikkäufer schaffen wollte.


Außerdem: Übe Nachsicht, heute ist der 1. Mai! ;)
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Herzliche Grüße aus Sachsen
Misha

sagitt

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20

Montag, 1. Mai 2006, 17:34

Munter durcheinander

Sagitt meint:

Sind es nicht verschiedene Ebenen ?

a) die Ebene des Marktes. Er ist, wie er ist. Klassikfreunde sind dafür weniger anfällig. Könnte man nicht die Haltung haben: man muss auch jönnen könne- . Wenn man sich zu dieser Haltung nicht durchringen kann, mag man den Markt kritisieren.
b) der Geschmack einer grossen Masse. Event ist nicht unmittelbar abhängig von der Qualität- in bezug auf Programm und Ausführung. Paganini hat schon Schubert ausgestochen. Die Straussens allemal. Die Menge ist für Komplizierteres,Diffferenzierteres noch nie empfänglich gewesen
c) die konkrete Künstlerin. Sie nutzt den Markt. Der Markt benutzt sie. Wenn wir nur nach künstlerischen Maßstäben urteilen, ist ihre Leistung nicht einmalig und sicher nicht berechtigt, sie über alle anderen zu stellen. Ich habe im Laufe des threads auf zwei andere Sängerinnen, u.a. die Bonfadelli, hingewiesen, die ihr stimmlich und schauspielerisch gewachsen sind ( beide jeweils live,also vergleichbar). Gerade, wenn wir uns nicht den Markt-Kriterien unterwerfen,können wir ein geschultes Ohr und Auge einsetzen und auf dieser Ebene argumentieren. Frau N. ist nicht die Vermarktung vorzuwerfen,sondern ihre künstlerische Leistung ist zu würdigen. Die ein oder andere Kritik ist wie die Götter Griechenlands. Die Anhäufung bemerkenswerter Eigenschaften in einer Person muss beschädigt oder zerstört werden.Schwierigkeiten habe ich nur damit, dass man sich den- marktorientierten Kriterien entsprechend- in seinem künstlerischen Urteil beeinträchtigen lässt. Die einzige, beste usw. Violetta sei N. oder irgendjemand anders. Je mehr man gesehen und gehört hat, desto weniger sollte einem ein solches Urteil in den Sinn kommen.

Austria

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21

Montag, 1. Mai 2006, 17:50

@sagitt

ja, dieser Trennung der Ebenen stimme ich zu. Und ich stimme auch zu, daß AN nicht "die einzige", "beste", usw. ist. Sie ist einfach gut, was nicht heißen soll, daß die anderen weniger gut wären.

LG
Austria
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Theophilus

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22

Montag, 1. Mai 2006, 19:28

Hallo Austria

Zitat

Daß die 3 Tenöre, als sie allesamt auf dem ABSTEIGENDEN Ast waren, nochmal versucht haben, Kohle zu machen - DAS finde ich schrecklich, das entspricht genau dem, was Du angesprochen hast:

Man muss aber auch gerecht sein und daran denken, dass dies ja ursprünglich nicht auf ihrem Mist gewachsen ist, sondern die geniale Idee eines Medienexperten anläßlich der Fussball-WM in Italien war. Und zumindest das erste Konzert in den Caracalla-Thermen war doch erstklassige Unterhaltung. Dass das ein Riesenerfolg wurde und die nachträgliche mediale Vermarktung alle Rekorde brach, kann man ihnen nicht gut vorwerfen. Dass dann die Plattenfirma die Sache am Köcheln hielt und nach Möglichkeit versuchte, das Erfolgsrezept zu prolongieren, ist doch auch selbstverständlich. Und hätten die drei sich dagegen wehren sollen, mit Geld zugeschüttet zu werden? Wir sollten doch nicht allzu naiv sein...

:hello:

Ciao

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Austria

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23

Montag, 1. Mai 2006, 20:54

@Theophilus

Und hätten die drei sich dagegen wehren sollen, mit Geld zugeschüttet zu werden? Wir sollten doch nicht allzu naiv sein...

Und da beginnt die Würde des Künstlers - sich nicht von Einflüsterungen ("Du bist immer noch genauso gut wie vor 10 Jahren") und vom Mammon blenden zu lassen. Die WISSEN ja, daß sie eben NICHT mehr so gut sind. Wobei ich Carreras noch zugute halte, daß er für seine Leukämie-Stiftung sammelt.

Vielleicht bin ich naiv - mag sein. Aber mein Stolz würde über meine Geldgier siegen :D

Da lob ich mir die Garbo - die hat gewußt, wann sie abtreten muß.

LG
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Alfred_Schmidt

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24

Montag, 1. Mai 2006, 23:17

Zitat

Alfred scheint auch generell Schwierigkeiten zu haben, in diesem Fall die Bühnenfigur von der Sängerin zu unterscheiden


Das ist sicher ZUM Teil nicht ganz unrichtig, Frau Netrebkow ist hier sicher auch Opfer der Vermarktung - der sie sich aber nicht widersetzt sondern - ihr gutes Recht -die sie mitträgt.

Aus meiner Sicht eine wahrscheinlich nicht schlechte Sängerin, die aber - wie schon des öfteren geschrieben wurde - keinesfalls exeptionell gut ist - wenn man sie mit anderen Tonaufnahmen vergleicht - daher für mich nicht von Interesse ist.

Nun kann man zu recht den Einwand erheben - man würde hier Die Bühnenpräsenz nicht würdigen. Diesem Einwand kann ich durchaus folgen. Tue ich das aber - dann sieht die Sache noch viel übler aus.
All das, was geeignet gewesen wäre Schwächen der Protagonistin zu cachieren, ein historisch korrektes Bühnenbild mit viel Plüsch, Petrolembeleuchtung und Outfit des frühen bis mittleren 19. Jahrhunderts - man hat es verworfen, man hat aus einer Kurtisane ein ordinäres Freudenmädchen des 21. Jahrhunderts gemacht. Damit wird - ob Absicht oder nicht - im Inneren vieler Musikfreunde fast automatisch Abneigung geweckt - gegen wen sich diese Abneigung richtet - das ist nicht mehr so genau zu orten.

Glücklicherweise - möchte man fast sagen - habe iich -BEVOR ich die Salzburger Inszenierung sehen konnte (musste) - in eine Arien -CD von Frau N. hineingehört. Neutral geprochen konnte ich nichts hören was in mir den Wunsch erwecken konnte dies Aufnahme zu kaufen.
Die oft besprochen erotische Ausstrahlung der Künstlerin teilte sich über die CD nicht mit - und ich habe meine berechtigten Zweifel daran, ob die in der Lage wären mein Urteil zu trüben.....

Aber zum Schluß möchte ich noch ganz zart daran Erinnern, daß es sich hier EIGENTLICH um das Werk "La Traviata" handelt nicht um eine einzelne Sängerin - wir sollten uns also nicht verzetteln (wenngleich - zu meinem Bedauern - diese (aus meiner sicht abstoßende) Inszenierung aus Salzburg immer wieder erwähnt wird, wenn es um La Traviata geht.

Nächster Punkt
Klassenkampf im Tamino-Forum ?

Ich hoffe nicht - wenngleich - wenn man es genau analiysiert - das eines der Hauptthemen dieser Oper ist.

Man kann die Geschichte in verschiedenen Ebenen betrachten (und hier finde ich wieder den großen Bogen zum eigentlichen Thema)

1) Als Spannungs drama zwischen verschiedenen Gesellschaftsschichten - die miteineander "verfeindet" sind - und dich auf engste miteinander verknüpft. Romeo und Julia nicht unähnlich - bezahlen die Leibenden einen teuren Preis, weil sie diese Fessel zu sprengen versuchten.


2) als "moralisierendes" Drama - mit der Kernaussage: Man kann seiner Vergangenheit nicht entfliehen. (alle Schuld rächt sich auf Erden - jene von Volette, aber auch jene von Alfred Germont) Das Schicksal ist unerbittlich und verzeiht nichts.


3) Als schmalziges Rührstück des 19. Jahrhunderts, dessen Problematik im 21. Jahrhundert gar nicht mehr verständlich ist - weil es diese starren gesellschaftlichen Rollenbilder gar nicht mehr gibt (selten so gelacht)

So - bis zum Jahre 2013, dem 200 Geburtstag Verdis dürfte dieser Thread Sprengstoff genug enthalten.

Ich appelliere an alle - möglichst nicht gegen andere Forianer persönlich zu werden - es ist selbstverständlich daß - Wie schon in vergangenen Jahrhundeten üblich - manchmal die Emotionen durchgehen - wenn es ums Thema "Oper" geht.
Dies sei auch ein Anschauungsbeispiel für die Faszination dieses Genres - für alle. die diese Kunstform für "veraltet" halten... :D

Beste Grüße aus Wien

Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Siegfried

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25

Dienstag, 2. Mai 2006, 13:57

@ Misha,

auch wenn heute nicht mehr der 1.Mai ist,übe ich trotzdem die von die eingeforderte Nachsicht.
Eine Anmerkung erlaube mir aber noch zu deiner Behauptung,wer was gesagt hat:
Lies bitte nochmal genau nach,was du in deinem vorletzten "Beitrag" geschrieben hast:
"Im Kapitalismus verkauft sich gut,was gut vermarktet wird."
Damit hast du dich als exzellenten Kenner der Mechanismen der Marktwirtschaft geoutet,wofür dir uneingeschränktes Lob gebührt.
Solche Männer braucht das Land!
Freundliche Grüße Siegfried

Edwin Baumgartner

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26

Dienstag, 2. Mai 2006, 18:03

Zitat

Frau Netrebko ist hier sicher auch Opfer der Vermarktung


Nein, ist sie nicht. Sie ist kein Opfer. Sie macht mit. Wer's nicht glaubt, der sehe sich die Fotogalerien auf ihrer Homepage an.

Anna Netrebko besitzt eine schöne, aber völlig uncharakteristische Stimme. Hieße sie Karoline Pospischil und brächte sie bei 1.60m Größe etwa 80 Kilo auf die Waage, würde kein Hahn nach ihr krähen.
Aber Anna Netrebko sieht überdurchschnittlich gut aus - und genau da setzt die Vermarktung an.

Es muss uns doch eines klar sein: Plattenfirmen sind keine Wohltätigkeitsorganisationen. Um wirklich wertvolle Projekte zu finanzieren, müssen sie auch mal Kohle machen - und wenn man das ohnedies floppende Klassikgeschäft mit einem Sexy-Star ankurbeln kann - warum nicht?

Wir erleben den Verkauf über das Aussehen bei Geigerinnen und Pianistinnen (eine zog sich dabei bis auf BH und Höschen aus und posierte mit gespreizten Beinen - bloß mit dem Treffen der richtigen Tasten haperte es etwas), wundern wir uns, dass es gerade bei Sängerinnen anders sein soll?

Mich wundert, dass die Netrebko dabei offenbar mitmacht - und das ist es, was mich stört. Eine Christine Schäfer würde wahrscheinlich eher einen Plattenvertrag kündigen, als sich als Sexypüppchen ablichten zu lassen.

Aber es muss uns klar sein, daß das, was sich im Fall Netrebko abspielt, die neue Form der Sängerinnen-Vermarktung ist. Ich prophezeihe, dass wir eine Flut junger, überdurchschnittlich hübscher Klassik-Sängerinnen mit immer knapper werdenden Outfits zu erwarten haben, die sich in Videos räkeln und denen vielleicht sogar Personality-Shows auf den Leib gezaubert werden à la "Traviata".

Optisch geht man(n) also herrlichen Zeiten entgegen.
Dass man sich dabei mitunter wünschen wird, taub zu sein, steht auf einem anderen Blatt.
...

Theophilus

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27

Dienstag, 2. Mai 2006, 18:59

Zitat

Nein, ist sie nicht. Sie ist kein Opfer. Sie macht mit. Wer's nicht glaubt, der sehe sich die Fotogalerien auf ihrer Homepage an.

Und was ist an ihrer Photogalerie auch nur im Geringsten auszusetzen? Es sind Photos von Aufführungen (bzw. Proben), aus ihren Videos und ein paar private mit anderen Künstlern.


Zitat

Mich wundert, dass die Netrebko dabei offenbar mitmacht - und das ist es, was mich stört. Eine Christine Schäfer würde wahrscheinlich eher einen Plattenvertrag kündigen, als sich als Sexypüppchen ablichten zu lassen.

Wenn du das aus ihrer Photogalerie abliest, dann hast du ein Problem und nicht Anna N.


Zitat

Dass man sich dabei mitunter wünschen wird, taub zu sein, steht auf einem anderen Blatt.

Nicht gerade auf sie bezogen, ist die Tendenz unmissverständlich. Aber leider scheinst auch du bei diesem Thema jegliche Objektivität über Bord geworfen zu haben.

Rekapitulieren wir das letzte Jahr. Anna N. sang im April 2005 mit Rolando Villazon eine Aufführungsserie an der WSO als Norina. Sie ist in dieser Rolle nicht nennenswert zu toppen, die ganze Aufführung, die heuer auf DVD herauskommen wird, ist ein Juwel unter den heiteren Opern. Im Sommer gab es die jetzt schon berüchtigte Salzburger Traviata. Sie war darin gesanglich sehr gut, wenngleich nicht mit Spitzenleistungen der Vergangenheit vergleichbar. Aber ihre Gesamtdarstellung, und insbesondere die Gesamtleistung des Teams Netrebko, Villazon und Hampson wäre heutzutage von keiner anderen Besetzung zu erreichen gewesen. Im Winter gab es eine Übertragung aus der MET, wo sie eine Gilda sang, die jeden Vergleich mit Größen aus der Vergangenheit mit Anstand ausgehalten hätte. Und vor zehn Tagen hat Superstar Juan Diego Florez im Don Pasquale aus der MET beim Duett im dritten Akt neben dem volltönenden und samtenen Sopran der Netrebko wie ein Kapaun geklungen.

Das alles weist Anna Netrebko in ihrem Fach als absolute Spitzensängerin unserer Zeit aus. Aber sie muss furchtbares verbrochen haben, denn dir hehren Großsiegelbewahrer der reinen Gesangskunst - und nicht nur sie - fühlen sich auf alle möglichen Schlipse getreten und führen einen permanenten Feldzug gegen sie, wobei als Munition jede verwertbare Nebensächlichkeit verwendet wird, aber kaum einmal objektiv über ihre gesanglichen Qualitäten gesprochen wird, was ja wohl eigentlich die Hauptsache wäre. Und dass sie schließlich den unverzeilichen Fehler macht, nicht nur bei der ohnehin völlig unwissenden Festspielschickeria sondern auch bei der breiten Masse der Musikkonsumenten beliebt zu sein, macht sie derzeit vollends zur Persona Non Grata des Gesangsolymps.

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

Edwin Baumgartner

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Dienstag, 2. Mai 2006, 19:50

Hallo Theophilus!
a propos Fotos:







Und jetzt erzählst Du mir sicher, dass die Netrebko nur über ihre Gesangskunst und nicht ansatzweise über den Sex-Appeal verkauft wird...

Zitat

aber kaum einmal objektiv über ihre gesanglichen Qualitäten gesprochen wird,


Woran kann das nur liegen...? :stumm:
Aber im Ernst: Bitte mal ganz ehrlich - intoniert sie sauber? Phrasiert sie richtig? Hat sie es mittlerweile aufgegeben, in Phrasen hineinzuatmen? Kann sie die Sprachen, in denen sie singt, zumindest soweit, dass man die Worte halbwegs versteht?

Abgesehen davon ist dieser Thread von der "Traviata" auf die Netrebko gekommen, so, als wäre die eine das Synonym für die andere. Wie es ja die DG glänzend insinuiert: Da wird doch glatt eine Auskoppelung als "Netrebko - Violetta" bezeichnet. Als wäre "Violetta" ein Werk von Anna Netrebko. Und spätestens da hat die Seriosität nichts mehr zu melden. (Oder glaubst Du, dass eine Cotrubas, eine Freni, eine Tebaldi sich für so etwas hergegeben hätte - geschweige denn, wenn ein Dirigent wie Carlos Kleiber am Pult gestanden wäre...)

Aber Alfred hat recht - es ist ein "Traviata"-, kein Netrebko-Thread. Also, sage ich mich selbst bei der dicken Nase nehmend, zurück zum Thema!

LG
...

Theophilus

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29

Dienstag, 2. Mai 2006, 20:43

Hallo Edwin

Mann, jetzt hast du es geschafft, aus 120 Photos drei herauszufischen, die deine Unterstellungen einigermaßen stützen können. Dass über 100 sie nur auf der Bühne, auf ihren Videos oder mit Künstlerkollegen zeigen, wird hingegen großzügig unter den Tisch gekehrt. Wirklich ein Paradebeispiel objektiver Berichterstattung! ;)

Ich frage mich wirklich, was man mit dieser Präsentation für ein Problem haben kann. Aber lassen wir das.


Zitat

Aber im Ernst: Bitte mal ganz ehrlich - intoniert sie sauber? Phrasiert sie richtig? Hat sie es mittlerweile aufgegeben, in Phrasen hineinzuatmen? Kann sie die Sprachen, in denen sie singt, zumindest soweit, dass man die Worte halbwegs versteht?

Das sind ja wieder nur Allgemeinplätze und vage Unterstellungen. Gib mir ein konkretes Beispiel aus dem letzten Jahr und beschreibe was daran wirklich nicht gut war, und wer es zur Zeit besser macht. Nur so können wir sie unter den heutigen Sängerinnen einigermaßen objektiv einstufen. Du hast dich ja wieder einmal um konkrete Information gedrückt und bist auf keines meiner Beispiele eingegangen.

Wenn man es darauf anlegt, kann man an jedem Sänger beckmessern, ob das jetzt objektiv sinnvoll ist oder nicht. Und es hilft keinem Operndirektor, dass es vor 40 Jahren für jede Rolle gleich drei bessere Sängerinnen gegeben haben mag. Wir leben nun einmal im Jahr 2006 und sollten in erster Linie heutige Maßstäbe ansetzen um einen Künstler zu beurteilen, denn ansonsten können wir gleich alle Opernhäuser zusperren und uns aufs Hören von legendären Schellacks beschränken. Aber ständig mit vagen Andeutungen zu operieren und über ihre ach so unmoralische Vermarktung zu wettern, empfinde ich als sehr billig...

Ciao

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Robert Stuhr

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30

Dienstag, 2. Mai 2006, 20:49

Kinder, hier brechen ja wahre Religionskriege aus, der Karikaturenstreit ist ja nichts dagegen! Was soll denn die ganze Aufregung über Aussehen, Vermarktung, Kapitalismus und sich verkaufende Künstler...

Wer sich über das intellektuelle Niveau der Marketingabteilungen von Musikkonzernen aufregt, der nehme die Aktivitäten einfach nicht zur Kenntnis! Den Kauf einer CD, Konzertkarte, oder die Freude am Hören von Musik vom Aussehen eines Künstlers oder den Werbeaktivitätern der Plattenfirma beeinflussen zu lassen - egal, ob in negativer oder positiver Hinsicht - spricht nicht gerade für die musikalische Souveränität des Betreffenden. Ob die N mitmacht oder nicht, ist völlig wurscht, solange man Freude an ihrem Gesang hat (ich kenne keine einzige ihrer Aufnahmen und - bis heute - auch keines ihrer Fotos)!

Wer sich über die Abschiedstournee der 3 Tenöre echauffiert, der geht einfach nicht hin, und kauft sich auch keine CD.

Niemand wird dazu gezwungen, Werbebroschüren zu lesen, CDs zu kaufen und Konzerte zu besuchen. Der Kunde ist im Kapitalismus auch eine Marktmacht, die Konzerne sind auf sein Geld scharf, er muß es ausgeben!

Edwin: Stelle doch ähnlich laszive Fotos von Dir auf Deine Homepage, schon bist Du auch so erfolgreich :baeh01: ;)
Ermutigung nach 200 Jahren (auf dem heimweg von einem orgelkonzert)
Zu füßen gottes, wenn
gott füße hat,
zu füßen gottes sitzt
bach,
nicht
der magistrat von leipzig
(Reiner Kunze, Auf eigene Hoffnung, Gedichte)