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La Gioconda

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  • »La Gioconda« ist weiblich

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1 291

Dienstag, 20. September 2011, 16:14

Der kann auch ohne Frau Netrebko Karriere machen - und sei es nur als Tangotänzer!

Als Tangotänzer könnte ich ihn mir gut vorstellen! In diesem Konzert in Berlin mit Netrebko und Kaufmann war er jedenfalls grauenvoll vulgär, pseudo-Macho, viele falsche Töne - wäh.
"Man muß nicht fliegen können um ein guter Ornithologe zu sein."

"Stimm´ brauchst kane, SINGEN muasst können!!" Julius Patzak

"WIRKLICH gut singt man vielleicht EIN MAL im Jahr." Fernando De Lucia

Manfred

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  • »Manfred« ist männlich

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1 292

Dienstag, 20. September 2011, 19:05

Als Tangotänzer könnte ich ihn mir gut vorstellen! In diesem Konzert in Berlin mit Netrebko und Kaufmann war er jedenfalls grauenvoll vulgär, pseudo-Macho, viele falsche Töne - wäh.

Stimmt. Mich störte das sehr häufige - und daher nicht mehr tolerierbare - Distonieren des Sängers ebenso.
"Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
Enrico Caruso

"Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
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Gregor

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1 293

Dienstag, 18. Oktober 2011, 15:54

Mich wundert, dass noch niemand auf diese DVD-Veröffentlichung hingewiesen hat, vor allem da ja so ein großer Hype um die Interpretation der Netrebko entstanden ist.



Bei youtube hat sich jemand die Mühe gemacht die Version der Anna-Bolena-Arie der Netrebko der von Maria Callas gegenüberzustellen, in der man sich passagenweise anhören kann wie die Sängerinnen diese Arie interpretieren.
Was sagen die Experten?
Nicht irritiert sein - bei 4.27 min gibt es eine etwa 20 Sekunden dauernde Pause.


Milletre

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  • »Milletre« ist männlich

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1 294

Dienstag, 18. Oktober 2011, 23:25

Ich persönlich würde eher von einer Gegenüberstellung sprechen, denn beide Sängerinen sind vom Stimmfach und der Stilistik derart unterschiedlich, dass ein "Vergleich" im Sinne, wer ist besser, nicht statthaft ist. Genauso verwegen wäre übrigens ein Vergleich zwischen z.B. Caruso und Alagna. Zu bedenken ist ferner, dass die Aufnahme mit der Callas höchstwahrscheinlich im Studio entstand, während die Netrebko live präsentiert wurde.

Aussagekräftiger wäre gewesen, hätte man beide Sängerinnen mit der vollständigen Arie gegenübergestellt. Dennoch: Eine Netrebko gegen die Callas antreten zu lassen, mag zwar interessant sein, ist aber schon auf Grund der extrem unterschiedlichen Interpretationsweise sehr fragwürdig.
Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

Gregor

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1 295

Mittwoch, 26. Oktober 2011, 16:18

Ich persönlich würde eher von einer Gegenüberstellung sprechen, denn beide Sängerinen sind vom Stimmfach und der Stilistik derart unterschiedlich, dass ein "Vergleich" im Sinne, wer ist besser, nicht statthaft ist. Genauso verwegen wäre übrigens ein Vergleich zwischen z.B. Caruso und Alagna. Zu bedenken ist ferner, dass die Aufnahme mit der Callas höchstwahrscheinlich im Studio entstand, während die Netrebko live präsentiert wurde.

Aussagekräftiger wäre gewesen, hätte man beide Sängerinnen mit der vollständigen Arie gegenübergestellt. Dennoch: Eine Netrebko gegen die Callas antreten zu lassen, mag zwar interessant sein, ist aber schon auf Grund der extrem unterschiedlichen Interpretationsweise sehr fragwürdig.

Mir ist dieser Einwand jetzt nicht verständlich, denn ich selbst habe ja das Wort "gegenüberstellen" benutzt. ?(

Es ging auch gar nicht darum zu entscheiden, wer denn nun die Bessere ist? Warum muß denn immer alles in einem Wettbewerb ausarten??? :rolleyes:
Kann man denn nicht einfach zwei Sängerinnen und deren Zugang zu einer Arie oder Rolle vergleichen, Gemeinsamkeiten und Gegensätze feststellen? Das kann doch auch sehr interessant sein.

Aber es sollte mich nicht wundern, dass eine derartige Diskussion in diesem Forum nicht funktioniert.
Es fehlen hier derzeit wohl auch Mitglieder die ernsthaft an Diskussionen über Sänger und Gesangsstile und -techniken interessiert sind.

Gregor

farinelli

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  • »farinelli« ist männlich

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1 296

Mittwoch, 26. Oktober 2011, 17:10

"Io son l'umile ancella"

Für mich ist es eben eine Binsenweisheit (schön im "Liedgesang vor Fischer-Dieskau"-Thread zu beobachten) :

Einer Sängerin wie der Callas hält ein Detailvergleich oft nicht stand - ich erinnere mich, wie ich zum ersten Mal "Poveri fiori" auf ihrem Recital mit der Tebaldi-Gesamtaufnahme verglichen habe. Wenn man Selbstmord begehen möchte, sollte man sich zu der Callas-Version in der Badewanne die Pulsadern aufschneiden. Nirgends hat die Tebaldi hier diesen persönlichen Tonfall und modulierten Nachdruck auf jeder Note. - Dennoch ist die Tebaldi eine tolle Adriana Lecouvreur.

Oder die Schwarzkopf als Marschallin - jede Phrase wie gestochen, alles auf die seelische Nuance herabgestimmt. Dennoch hab ich die Reining mindestens ebenso gern; sie trifft eben den gewissen Ton auf Länge genauer; aus der Nähe, unter der Lupe des phrase pour phrase hört man das nicht.

So zweifellos die Callas, die Schwarzkopf oder Fischer-Dieskau Ausnahmesänger mit sehr speziellen Fähigkeiten waren, so wenig sollte man sie darin zum Vorbild und Maßstab erheben. Einerseits wertet man damit nämlich zum Allgemeingut herab, was eine individuelle Singulärerscheinung war. Andererseits legt man unangemessene Maßstäbe an gänzlich anders geartete Vokalkünstler an, deren Eigenwert dann ganz verloren geht.

:hello:
Zerging in Dunst das heilge römsche Reich

- uns bliebe gleich die heilge deutsche Kunst!

Bernward Gerlach

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1 297

Mittwoch, 26. Oktober 2011, 17:59

So zweifellos die Callas, die Schwarzkopf oder Fischer-Dieskau Ausnahmesänger mit sehr speziellen Fähigkeiten waren, so wenig sollte man sie darin zum Vorbild und Maßstab erheben. Einerseits wertet man damit nämlich zum Allgemeingut herab, was eine individuelle Singulärerscheinung war. Andererseits legt man unangemessene Maßstäbe an gänzlich anders geartete Vokalkünstler an, deren Eigenwert dann ganz verloren geht.
Allgemeinverständlich für jedermann formuliert und trotzdem ein spitzenmäßiger Beitrag, an dem absolut alles aus meiner Sicht richtig ist.

LG, Bernward

"Nicht weinen, dass es vorüber ist
sondern lächeln, dass es gewesen ist"
Waldemar Kmentt (1929-2015)


Milletre

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1 298

Donnerstag, 27. Oktober 2011, 10:51

So zweifellos die Callas, die Schwarzkopf oder Fischer-Dieskau Ausnahmesänger mit sehr speziellen Fähigkeiten waren, so wenig sollte man sie darin zum Vorbild und Maßstab erheben. Einerseits wertet man damit nämlich zum Allgemeingut herab, was eine individuelle Singulärerscheinung war. Andererseits legt man unangemessene Maßstäbe an gänzlich anders geartete Vokalkünstler an, deren Eigenwert dann ganz verloren geht.
Allgemeinverständlich für jedermann formuliert und trotzdem ein spitzenmäßiger Beitrag, an dem absolut alles aus meiner Sicht richtig ist.

LG, Bernward


In meiner unbeholfenen Art, Konkretes konkret auszudrücken, habt ihr hier genau das gesagt, was auch ich eigentlich gemeint habe.
Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

Harald Kral

Erleuchteter

  • »Harald Kral« ist männlich

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1 299

Montag, 13. Februar 2012, 11:39

Anna Netrebko sagt Opernball-Teilnahme ab

Nachdem publik geworden ist, dass die Sopranistin Anna Netrebko in einem Unterstützungskomitee für die erneute Wahl Wladimir Putins als Präsident Russlands gelistet ist, hat sie die Teilnahme am Wiener Opernball vorläufig kurzfristig abgesagt.

Laut österreichischen Presseberichten zieht es die Sängerin vor, an der Metropolitan Opera zu proben. Am 19. Februar soll sie in der Grand Hall in Moskau auf der Bühne stehen. Ob sie für Putin singe, sei nicht bekannt.

Zu ihrer Unterstützung der Wahl Putins will Netrebko keinen Kommentar abgeben. Die Unterstützerliste besteht aus 499 Namen «vertrauter Personen» Putins.
(Quelle: cf)
Harald

Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
(Vinícius de Moraes)

9079wolfgang

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1 300

Montag, 13. Februar 2012, 12:05

Mein Kommentar:

Singen und Politik sind zweierlei Dinge. Da hat eins mit dem anderen nichts zu tun!
W.S.

Fides

Fortgeschrittener

Beiträge: 229

Registrierungsdatum: 8. Mai 2009

1 301

Montag, 13. Februar 2012, 13:38

Netrebko und Putin

@Wolfgang...meine vollste Zustimmung!
Es mag ja einigen Menschen nicht gefallen, doch haben selbst "Stars" ein Recht auf eine eigene (politische) Meinung!
Lg
Fides :hello:
La vita è bella!

Erich Ruthner

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1 302

Montag, 13. Februar 2012, 22:26

Netrebko und Putin

Es gibt Dinge, die wir (leider) nie so genau erfahren werden. Wie z. B. hat AN von sich aus Kontakt aufgenommen und sich auf die Liste setzen lassen oder wurde sie auf die Liste gesetzt (als eine der prominentesten Russinen im Ausland) ???

Welcher Russe würde sich trauen - im Angesicht der dort herrschenden politischen Verhältnisse - gegen die Nennung auf dieser Liste zu protestieren?

Erich
Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen.

Caruso41

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  • »Caruso41« ist männlich

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1 303

Montag, 13. Februar 2012, 22:34

Es mag ja einigen Menschen nicht gefallen, doch haben selbst "Stars" ein Recht auf eine eigene (politische) Meinung!

Ja, das haben sie!

Dumm ist nur, wenn ihre Meinungsäusserung offenbart, wie unreif sie in politischen Fragen sind, oder - was noch schlimmer ist -: wes politischen Geistes Kind sie sind!


Sicher wird das mein Urteil über Stimme und Gesangskunst von Frau Netrebko nicht beeinträchtigen, aber das Bild, das ich von ihr als Mensch habe, doch sehr grundlegend!

Da lasse ich Erich Ruthners Einwand überhaupt nicht gelten!
Sie lebt ind Wien und verdient ihr Geld hauptsächlich in Ländern, die sich als freie pluralistische Gesellschaften verstehen und sich mehr oder weniger erfolgreich um eine demokratische Kultur bemühen!
Was bitte hätte sie zu fürchten, wenn sie sich dagegen verwahrt, dass ihr Name für die Wahlkampagne einer Politikers benutzt wird, der einer freiheitlichen demokratischen Entwicklung in Rußland massiv entgegensteht?


Caruso41
;) - ;) - ;)

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

Erich Ruthner

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  • »Erich Ruthner« ist männlich

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Registrierungsdatum: 19. März 2009

1 304

Dienstag, 14. Februar 2012, 20:46

Lieber Caruso41,

ich gebe Dir in vielen Punkten recht, aber du kennst anscheinend die russische Mentalität (Seele) zu wenig. Für jeden Russen, egal wo er auf der Welt ist und wie er auch seine Brötchen verdient, bleibt "Mütterchen Russland" immer ein zentraler Punkt. Darauf beruhen ja Bindungen, die z.B. der "ehrenwerten Gesellschaft" weltweiten Einfluß sichern - verkürzt ausgedrückt.

Erich
Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen.

9079wolfgang

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  • »9079wolfgang« ist männlich

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1 305

Dienstag, 14. Februar 2012, 20:58

Zitat

der einer freiheitlichen demokratischen Entwicklung in Rußland massiv entgegensteht?
Diese Demokratie, wie wir sie schon in den Irak, Afghanistan und ins vordere Afrika getragen haben? Ich kenne die russische Seele und diese Menschen sind oft zufriedener als manche Westler. Da gibt es noch Hilfsbereitschaft unter Nachbarn und die Jugend hat noch Respekt vor dem Alter. Ich möchte hier auch nicht alles schönreden, weil auch nicht alles gut ist. Aber ich verstehe Anna Netrebko. Und noch einmal: So viel Hilfsbereitschaft und Freundschaft habe ich selten so erlebt wie dort und in der Ukraine.
W.S.

Thomas Pape

Moderator

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1 306

Dienstag, 14. Februar 2012, 22:59

Im Grundsatz stimme ich Caruso zu. Frage mich allerdings, ob die sowjet-russische Gesellschaft für reif ist, eine pluralistisch-demokratische zu sein. Wir erleben selbst in unseren Breitengraden, dass etwa ländliche Regionen völlig anders ticken, politisch auch eher xenophob, vulgo bräunlich sind als urbane. Stijn Stgreuvels "Flachsacker" ist so weit auch bei uns nicht weg. Was nun will ich von einem Konglomerat von Gesellschaften erwarten, das noch nie, noch niemals nie, in ANsätzen etwas Demokratie erlebt hat. Als sich 1871 das zweite deutsche Reich mit teil-sozialen Strukturen bildete wurde in Russland mal gerad die Leibeigenschaft abgeschafft (und in ländlichen Gebieten dennoch fortgeführt). Das friedliche Einfordern sozialer Reformen führte zum Blutsonntag 1905. Die Pest des Zarentums wurde von der Cholera des Stalinismus abgelöst. Kurze Entspannung unter Chruschtschow, danach Rigidität bis Gorbatschow. Die Auflösung der sozialistischen Strukturen führte dazu, dass einige wenige einen unermesslichen Reichtum binnen weniger Jahre anhäufen konnten, der überwiegenden Mehrheit geht es schlechter als zuvor. Faktisch ist diese Gesellschaft, in deren Beschreibung ich Wolfgang vollinhaltlich zustimme, wohl noch nicht reif für das extrem abstrakte juristische Konstrukt Demokratie westglichen Zuschnitts.

Um Putin -ohne ihn verteidigen zu wollen- einzurordnen, nenne ich Konrad Adenauer und Walter Ulbricht in einem Atemzug. Beide waren zu ihrer Zeit die richtigen Leute an der Spitze ihrer Staaten. Aus heutiger Sicht und für unsere heutige Gesellschaft wären beide eine Katastrophe. Ich unterstelle Anna Netrebko, instinktiv genau dies zu erkennen.

Liebe Grüße vom Thomas :hello:
Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

Garaguly

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Dienstag, 14. Februar 2012, 23:21

Mein Kommentar:

Singen und Politik sind zweierlei Dinge. Da hat eins mit dem anderen nichts zu tun!


Diese Aussage kann ich nicht unkommentiert lassen: Singen und Politik seien zweierlei Dinge, sagst Du, Wolfgang?!?! Stars mit öffentlicher Breitenwirkung haben Vorbildfunktion. Die Kleidung, die sie tragen, animiert viele Menschen dazu, diese Kleidung ebenso zu kaufen und ähnlich verhält es sich mit politischen Einstellungen. Ein beliebter Star, dessen Engagement für eine bestimmte politische Partei oder einen speziellen Politiker bekannt wird, ist ab diesem Moment nicht mehr unpolitisch. Er wird zum besten Werbeträger für eine Partei - diese Wirkung können tausende geklebter Wahlkampfplakate nicht erreichen. Diese Stars erfüllen die Funktion eines Multiplikators.

Es tut mir leid, aber zu behaupten: "Singen und Politik sind zweierlei Dinge" - das ist mir zu naiv.

Selbstredend haben Stars das Recht auf eine eigene politische Meinung, so wie jeder von uns "Normalos" auch - nur, Wolfgang, wenn Du oder ich unsere politische Einstellung öffentlich herausposaunen, dann juckt das halt niemanden, und wir können auch keinen großen Schaden anrichten.

Grüße,

Garaguly

Wolfram

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Mittwoch, 15. Februar 2012, 05:22

Ich möchte Wolfgang Recht geben. Leider, leider ist die Kunst keine "heile Welt", in der Künstler völlig unberührt von gesellschaftlichen Zuständen wirken würden und ihr Publikum unabhängig von der Großwetterlage unterhalten würden.

Es gab eben immer solche und solche.

Beniamino Gigli - ein großartiger Sänger, gewiss! Doch eben auch der "Tenor Mussolinis", der "auch nichts dabei fand, seine Popularität in Hitler-Deutschland voll auszukosten" (J. M. Fischer, Große Stimmen, S. 143).

Andere wie der unbeugsame Toscanini oder der nicht minder berühmte Tita Ruffo bewiesen, dass es eben auch anders ging.

Das tut Giglis gesanglichen Leistungen zunächst mal keinen Abbruch.

Die Frage aber ist: Wenn wir darin übereinstimmen, dass ein Musiker immer als ganzer Mensch musiziert, dass sein Musizieren kein rein technisches Funktionieren irgendwelcher Bewegungsabläufe ist, sondern auch immer von einer seelischen Bewegtheit getragen sein will, welcher Anteil kommt dann dem Charakter des Menschen an der Interpretation zu?

Ganz direkt gefragt: Giglis charakteristische Schluchzer galten immer als minderwertig, als künstlerisch zweitklassiges Mittel. Hört man sie nochmal mit einem anderen Ohr, wenn man weiß, welche Schichten er mit seinem Gesang unter Billigung der politisch führenden Kaste rühren wollte?

Nochmal anders gefragt: Möchte man sich beispielsweise das Humanum der Botschaft von Beethovens Musik von jemandem vortragen lassen, der mit einem Unrechtsregime kollaboriert? Das hätte etwas geradezu Zynisches ...

:hello:
Viele Grüße, Wolfram

Bernward Gerlach

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1 309

Mittwoch, 15. Februar 2012, 08:33

Beniamino Gigli - ein großartiger Sänger, gewiss! Doch eben auch der "Tenor Mussolinis", der "auch nichts dabei fand, seine Popularität in Hitler-Deutschland voll auszukosten" (J. M. Fischer, Große Stimmen, S. 143).
Ja Wolfram, stimme zu. Aber Gigli konnte nichts dazu, dass er entweder zu früh oder zu spät geboren wurde. Und was ist mit der Kunst und/oder den Musikinterpreten, die heute in Diktaturen ihre Kunst ausüben? Und wie war das zu Zeiten Erich Honeckers, alles prima oder?


Die Frage aber ist: Wenn wir darin übereinstimmen, dass ein Musiker immer als ganzer Mensch musiziert, dass sein Musizieren kein rein technisches Funktionieren irgendwelcher Bewegungsabläufe ist, sondern auch immer von einer seelischen Bewegtheit getragen sein will, welcher Anteil kommt dann dem Charakter des Menschen an der Interpretation zu?
Sehr viel. Und trotzdem, wir alle leben im Vergleich zu vielen Menschen Menschen in Afrika im Überfluss. Und. Sollen wir jetzt alle im Büßergewand umhergehen und uns schämen? Kein guter Vergleich, ich weiß. Aber solange der Künstler nicht aktiv Partei ergreift für die Diktatur oder deren obere, sondern nur seine Kunst ausübt, oder darf es die dort nicht geben, verurteile ich das nicht. Wer hat denn beim Erklingen der Stimme von Gigli oder beim Ansehen seiner Filme an Mussolini gedacht, meine Eltern nicht und ich auch nicht. Ich hätte mich glücklich geschätzt, hätte ich seine Stimme gehabt.

LG, Bernward

"Nicht weinen, dass es vorüber ist
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Waldemar Kmentt (1929-2015)


La Gioconda

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1 310

Mittwoch, 15. Februar 2012, 08:55

Stars mit öffentlicher Breitenwirkung haben Vorbildfunktion. Die Kleidung, die sie tragen, animiert viele Menschen dazu, diese Kleidung ebenso zu kaufen und ähnlich verhält es sich mit politischen Einstellungen. Ein beliebter Star, dessen Engagement für eine bestimmte politische Partei oder einen speziellen Politiker bekannt wird, ist ab diesem Moment nicht mehr unpolitisch. Er wird zum besten Werbeträger für eine Partei - diese Wirkung können tausende geklebter Wahlkampfplakate nicht erreichen. Diese Stars erfüllen die Funktion eines Multiplikators.
Es tut mir leid, aber zu behaupten: "Singen und Politik sind zweierlei Dinge" - das ist mir zu naiv.
Selbstredend haben Stars das Recht auf eine eigene politische Meinung, so wie jeder von uns "Normalos" auch - nur, Wolfgang, wenn Du oder ich unsere politische Einstellung öffentlich herausposaunen, dann juckt das halt niemanden, und wir können auch keinen großen Schaden anrichten.

Grüße,
Garaguly

Das ist ganz exakt auch meine Meinung dazu.

Und wer die Annehmlichkeiten, die seine Wirkung in der Öffentlichkeit mit sich bringt, in Anspruch nimmt, muss sich, finde ich, auch der Pflichten und seiner Verantwortung bewusst sein.
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zweiterbass

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Mittwoch, 15. Februar 2012, 10:02

Ganz direkt gefragt: Giglis charakteristische Schluchzer galten immer als minderwertig, als künstlerisch zweitklassiges Mittel. Hört man sie nochmal mit einem anderen Ohr, wenn man weiß, welche Schichten er mit seinem Gesang unter Billigung der politisch führenden Kaste rühren wollte?

Dieses Zitat wende ich auf den heutigen Musik- und Kulturbetrieb an - den meist außerhalb des klassischen Bereichs - und komme genau zu dem Ergebnis, das ich im Thread "Plauderein hinterm Ofen" auch schon gepostet habe, hier aber nicht wiederholen will, kann, darf.

zweiterbass
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

Caruso41

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Mittwoch, 15. Februar 2012, 10:03

Für jeden Russen, egal wo er auf der Welt ist und wie er auch seine Brötchen verdient, bleibt "Mütterchen Russland" immer ein zentraler Punkt.

Wir müssen hier wirklich nicht über soziologische, sozialpsychologische und politische Fragen diskutieren.
Aber mit solchen Feststellungen, dass die russische Natur gleichsam per se vormodern sei und eine aufgeklärte und sebstverantwortete Entwicklung nicht zulasse, mag ich mich nicht abfinden.

Ich bin zwischen 1978 und 1998 jedes Jahr zwei oder drei mal in der Sowjetunion beziehungsweise in Russland gewesen. Meistens jeweils für eine Woche. In den letzten Jahren hatte ich nicht mehr so viele Gelegenheiten zu Reisen nach Russland oder in die Ukraine.
Und doch wage ich zu behaupten, dass ich nicht völlig ahnungslos bin, wenn über die Lage und die Entwicklungschancen in Russland geredet wird.
Da gibt es eine ziemlich breite und gut qualifizierte Zivilgesellschaft. Nicht nur in Moskau und St. Petersburg, sondern längst auch in Jaroslawl, Ekatarinenburg, Kasan und so weiter. Allerdings kann sie sich unter dem Druck des Putin-Regimes nicht die Organisation und Struktur erarbeiten , die sie vielleicht bräuchte. Ihre Möglichkeiten, sich zu artikulieren, sind ja auch sehr eingeschränkt. Deshalb wird oft kaum wahrgenommen dass es auch ein anderes Russland geben könnte als das Russland Putins. Da ist ein Potential, das einen Aufbruch zu einer Umgestaltung von Gesellschaft und Staat tragen könnte. Wie das dann aussehen würde, ist eine ganz andere Frage! Ganz sicher wird eine solche Umgestaltung weder dem Westminster-Modell noch dem Bonn-Modell verpflichtet sein. Es werden eigene Muster und Organisationen gefunden werden müssen. Aber so abstrakt ist es ja nun wirklich nicht, wenn Mitbestimmung und bürgerliche Rechte, Meinungsfreiheit und Transparenz gefordert werden. Solche Ideen können und werden doch soziale Phantasie freisetzen und Formen und Verfahren finden, die einem Land mit dieser Geschichte, dieser Größe und dieser Mentalität angemessen sind.

In jedem Fall braucht ein Aufbruch zu einem offenen und von der Verantwortung aller getragenen Russland Ermutigung ! Ermutigung von Aussen!!! Gerade auch Ermutigung von denen, die - da folge ich ganz dem Gedanken von Garaguly und Gioconda - in der Welt bekannt sind und Aufmerksamkeit finden.
Meinestwegen muss sich Anna Netrebko überhaupt nicht zu politischen Fragen äussern. Aber wenn sie es tut, muss sie sich fragen lassen, warum sie einem korrupten und autoritären Regime Unterstützung gibt, selbst aber die Annehmlichkeiten des Lebens in Staaten genießt, in denen doch - bei aller Unvollkommenheit, die wir ja immer wieder auch kritisieren - Freiheit, Menschenrechte und Transparenz herrschen, die demokratische Idee vielleicht nicht vollkommen realisiert ist, aber doch als Leitbild in Gesellschaft und Staat nicht in Frage gestellt wird.

Caruso41



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9079wolfgang

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Mittwoch, 15. Februar 2012, 10:09

Zitat

Es tut mir leid, aber zu behaupten: "Singen und Politik sind zweierlei Dinge" - das ist mir zu naiv.


Hallo, Garaguly!

Ich bleibe bei meiner Meinung! Wer Politik und Kunst miteinander vermischt, ist für mich naiv! Was die Einmischung in die Politik anderer Länder bewirkt, hat die jüngste Vergangenheit ja gezeigt. Wer weiß von euch, wie z. Bsp. die Bevölkerung der Ukraine über Julia Timoschenko wirklich denkt? Sie hat immense Summen nach England transveriert, das z. Bsp. für Straßenbau und andere wichtige Projekte benötigt wurde. Nur der Westen möchte sich einmischen und sie schützen. Ich schreibe dies nur, um Anna Netrebko ihre künstlerische Freiheit und die politische Freiheit sich selbst zu überlassen!
W.S.

Joseph II.

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1 314

Mittwoch, 15. Februar 2012, 12:35

"Die Tage der Einmischung in das innere Leben andrer Völker werden, so hoffen wir, unter keinem Vorwand und in keiner Form wiederkehren." — Otto Fürst von Bismarck, Reichskanzler des Deutschen Reiches und Ministerpräsident von Preußen
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

Siegfried

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1 315

Mittwoch, 15. Februar 2012, 14:51

Singen und Politik...

Liebe Musikfreunde,

das so kontrovers diskutierte Thema entfernt sich immer mehr von Kunst und klassischer Musik. Ich werde dabei unangenehm an eine früher versuchte Würdigung der künstlerischen Verdienste von Elly Ney erinnert, als mich einige Ideologen plötzlich zum Buhmann dieses Forums abgestempelt haben. So weit darf es nicht wieder kommen!

Deshalb meine eindringliche Bitte: Laßt die Emotionen nicht weiter eskalieren. Bella musica hat das nicht verdient.

:hello:
Freundliche Grüße Siegfried

Caruso41

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1 316

Mittwoch, 15. Februar 2012, 19:04

"Die Tage der Einmischung in das innere Leben andrer Völker werden, so hoffen wir, unter keinem Vorwand und in keiner Form wiederkehren." — Otto Fürst von Bismarck, Reichskanzler des Deutschen Reiches und Ministerpräsident von Preußen

Überleg doch mal, warum Bismarck das gesagt hat und welchen Interessen diese Position dienen sollte!


Ganz abgesehen davon: wir leben heute in einer ganz anderen Welt und was genau man noch unter "das innere Leben anderer Völker" verstehen kann, können wir hier nicht erörtern. Das bringt uns nun wirklich sehr weit weg von unserem Thema.

Ich habe bisher die Diskussion durchaus als eine verstanden, bei der es um Anna Netrebko und ihre politischen Äusserungen geht. Aber ich denke, dass es genau genommen um mehr gehen müsste - nämlich um die gesellschaftliche Verantwortung von Kunst und Künstlern.
Das sollte dann aber vielleicht doch nicht am Beispiel Netrebko diskutiert werden.

Also: macht einen neuen Thread zu dem Thema!

Caruso41
;) - ;) - ;)

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

Siegfried

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Samstag, 19. Mai 2012, 18:59

In Kürze beginnt I Capuleti e i Montecchi in München

Liebe Opernfreunde,

in wenigen Minuten beginnt das livestream event aus München mit Anna Netrebko und Vesselina Kasarova in den Hauptrollen:

I Capuleti e i Montecchi von Vincenco Bellini. Trotz oder gerade wegen der unerträglichen Bayern-Chelsea-Hysterie ist die Vorstellung seit Wochen ausverkauft.

Hier der Zugangslink:

http://www.bayerische.staatsoper.de/861-…les_detail.html

Viel Vergnügen!
Freundliche Grüße Siegfried

rodolfo39

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1 318

Samstag, 19. Mai 2012, 19:43

Sänger, Chor und Orchester bislang großartig, aber die Inszenierung ?( ? Das ganze sieht aus als wollte ein Modeschöpfer seine Kollektion vorführen. Kann man diese eigentlich auch in der Pause erwerben ? Und was für ein schreckliches Kostüm wurde Frau Nebtreko angezogen ? Da sehen die Damen und Herren im Orchester und der Dirigent wesentlich besser aus.

hami1799

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Samstag, 19. Mai 2012, 20:02

Wunderbare Sänger. Die oftmals geradezu gehässige Kritik gegen Netrebko kann ich wirklich nicht nachvollziehen. Wen die heutige Leistung nicht überzeugt, muss aussermusikalische Gründe für seine Aversion haben.

rodolfo39

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Samstag, 19. Mai 2012, 20:21

Ich finde die Sänger ( auch Anna Netrebko ) große Klasse, wenn nur diese Inszenierung nicht wäre. Sensationell gut grade das Duett mit Frau Kasarova.