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Alfred_Schmidt

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Registrierungsdatum: 9. August 2004

1

Montag, 22. November 2004, 12:02

Vladimir Ashkenazy - Pianist am Prüfstand(?)

Liebe Forianer,

Wenngleich nicht viele hier eigene Threads eröffnen (obwohl sich das hier schon sehr gebessert hat), so gebt Ihr Doch immer wieder den Anstoß zu solchen, manchmal explizit '("Geh Alfred, schreib doch mal...")
manchmal implizit.
Solch eine Ermunterung war beispielsweise Jubals Aussage:

Zitat

Schön, daß hier auch einmal jemand ein positives Wort zu Ashkenazy findet!


Die fiel bei mir sofort auf fruchtbaren Boden.
Auch ich hab mir Gedanken gemacht, weshalb der Pianist Wladimir Askenazy eigentlich heute eher unter- als ge-schätzt wird.
Na ganz so arg ist es natürlich nicht, aber irgendwie hat er sich immer in der Mitte bewegt, kaum je verrissen, nie eine "skandalöse" Deutung .

Er debutierte 1945, als bereits als achtjähriger, studierte anschließend in Moskau. Mehrere Auszeichnungen, darunter:

1955 2. Preis beim 5. internationalen Chopin Wettbewerb
1956 1. Preis beim Concours Reine Elisabeth in Brüssel
1962 1. Preis beim 2. Moskauer Tschaikowski-Wettbewerb ex equo mit John Ogdon

Man mag über den Wert von Klavierwettbewerben geteilter Meinung sein, aber eine solche Liste von Erfolgen - in verschiedenen Ländern - har schon eine gewisse Aussagekraft.

Ashkenazys Repertoire ist breit gefächert: Nebem dem "russischen Fach, hat er das komplette Klavierwerk Chopins eingespielt, sämtliche Beethoven Sonaten, Listz, Schumann etc.

Die Schallplattenindustrie hat ihn nicht stiefmütterlich behandelt, Musiklexika weisen ihn als einen der größten Pianisten seiner Generation aus, ich erinnere mich nie, daß eine Aufnahme die ich von ihm erworben habe "enttäuschend" gewesen wäre.
Und dennoch: Wenn man mich fragte, welche Aufnahme von Ihm ich für "unverzichtbar" hielte, ich wüsste keine .(was nicht heissen soll daß es nicht eine gibt !!)
Immer gab es eine Aufnahme von einem anderen Pianisten, die zwingender, eindrucksvoller oder einfach auch nur "berühmter" war.
(Allerdings steht sein Chopin derzeit auf meiner Wunschliste.)

Über die Ursachen kann man nur rätseln. War es, weil in den frühen achzigern , anlässlich der Einführung der Compact-Disc der Markt geradezu mit einer Flut von Ashkenazy-Aufnahmen überschwemmt wurde ? Oder weil er begann, nebenbei auch noch zu dirigieren ?
IMO hat das schon dem Ruf von Barenboim als Pianisten nicht gut getan, in meiner Jugend wurde Barenboim absolut zur ersten Garde von Pianisten gerechnet, was heute sicher nicht mehr in jener Ausprägung der Fall ist. (unabhängig von der tatsächlichen Leistung)

So, und nun ist hier noch (ein bisschen) Platz für Eure Empfehlungen und Statments zum Pianisten Ashkenazy, der Dirigent wird zu einem späteren Zeitpunkt mal das Ziel unseres Interesses sein.

Freundliche GRüße aus Wien

Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Klassikliebhaber

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2

Montag, 22. November 2004, 13:44

Der Mann ist gut...aber nicht (in allen Dingen) spektakulär.

Aber ich verstehe auch nicht,wieso er unterschätzt wird.
Dabei ist er wirklich einer der grössten Pianisten unserer Zeit.

Seine Rachmaninoff Klavierkonzerte fand ich sehr gut.
Noch besser finde ich die Mozart Klavierkonzerte KV 414+415 (Decca) Aufnahmen mit dem Philharmonia Orchestra.
DAS ist Mozart!

Meine Meinung: Es können nicht alle Pianisten beachtet werden. Es gibt zu viele davon. Und er ist dann unter den vielen Pianisten untergegangen. Sicher hat er viele Aufnahmen gemacht (u.a.einen guten Beethoven-Komplettsonaten-Zyklus), was ihn nicht ganz vergessen machen liess.

Aber seid mal ehrlich...wieviele Ashkenazy Aufnahmen besitzen wir? Nicht viele...oder vielleicht doch???

jubal

Anfänger

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Beiträge: 61

Registrierungsdatum: 11. November 2004

3

Montag, 22. November 2004, 13:56

So danke ich denn herzlich, daß man meine implizite Anregung aufgenommen hat!

Tatsächlich scheint sich unter den Aufnahmen Ashkenazys insgesamt wenig Sensationelles zu finden. Es sind immer andere da, die ein Werk herausragender dargeboten haben. Oder könnte mir jemand eine Referenzeinspielung Ashkenazys nennen?

Ich bin allerdings der Meinung, daß er z.B. aus den Chopin-Walzern sehr viel herausgeholt hat (ohne zu bestreiten, daß andere diesen oder jenen Walzer dann doch eindrücklicher gespielt haben). Jedes dieser oft unterschätzten Stücke hat einen ganz eigenen Charakter, wird gleichsam zur Persönlichkeit gestaltet. Die Einspielung des gesamten Chopin durch Ashkenazy ist insgesamt gut und empfehlenswert.

Auch Ashkenazys Bartók-Konzerte (unter Solti) sagen mir sehr zu. Zwar behauptet man - im Anschluß an eine Aussage von Zoltan Koscis, den hochgepriesenen Bartók-Interpreten -, um die Werke des Ungarn angemessen zu spielen, müsse man der ungarischen Sprache mächtig sein, was wohl bei Ashkenazy nicht der Fall ist. Dennoch haben seine Einspielungen etwas Bezwingendes, evident Richtiges. Meine erste Prägung, an der man ja eher festzuhalten geneigt ist, war in Sachen Bartók Nr. 1 und Nr. 2 die Interpretation Pollini-Abbado. Aber wirklich: Ashkenazy ist hier weitaus besser! Übrigens auch härter im Zugriff und noch straffer in den Tempi.

Sodann Prokoffief: Alle 5 Konzerte, auch die mörderisch schweren Nr. 2 und Nr. 5 (und das 4. für die linke Hand), hat er unter Previn gespielt, und zwar exzellent. Keine Beanstandung. Von den (oft ironischen) Idyllen bis zu den dämonischen Stimmungslagen und den Tobsuchtanfällen ist alles da. Wiederum: Es gibt wohl bessere Einspielungen dieses oder jenes Konzertes (insbesondere der beliebten Nr. 3) - aber wer hat sie denn alle auf solchem Niveau interpretiert?

Darin scheint mir denn auch die Bedeutung Ashkenazys zu liegen: Nicht hier und da eine Referenzaufnahme gemacht zu haben, sondern ein sehr hohes Niveau mit einem ungeheuer breiten Repertoire zu verbinden.

Die Stars der Gegenwart lassen sich gerne mit berauschenden Häppchen feiern. Sie hätten es nicht so leicht, wollten sie wie Ashkenazy erst einmal alle Mozart-Konzerte, Beethoven-Sonaten und -Konzerte, das Werk Schumanns, Schuberts, Liszts, Debussys, Scriabins, Rachmaninovs, Prokoffiefs, Schostakowitschs, Bartóks... einspielen.

Aber Solidität ist wohl nicht mehr gefragt. Was in der Wissenschaft der Spezialist (wie jener Theologieprofessor, der Experte für den zweiten Halbvers des dritten Kapitels beim Propheten Amos war, aber nichts über Genesis und das Matthäusevangelium zu sagen wußte...), ist in der Musik der Auswahl-Interpret. Ashkenazy verkörpert noch den Typus des Universal-Interpreten bester Art.

Soweit mein Plädoyer!
Musik: Atem der Statuen. Vielleicht: Stille der Bilder. Du Sprache wo Sprachen enden. Du Zeit, die senkrecht steht auf der Richtung vergehender Herzen. (Rilke)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »jubal« (22. November 2004, 14:09)


Richard

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4

Montag, 22. November 2004, 18:04

RE: Wladimir Ashkenazy - Pianist am Prüfstand (?)

Also, ich kenne nur wahrlich nicht viele seiner Einspielungen.

Diese sind:
- Rachmaninov 1-4 unter Previn
- Rachmaninov 2&4 unter Haitink
- Mozart Klako 25&26 (DECCA 1983)

Mein "Problem" mit Ashkenazy ist folgendes:
Alles ist ganz "nett" gespielt, auf ordentlichem Niveau.
Aber nichts "glänzt", nichts "leuchtet" ..........
Seinen Klang erkenne ich nicht. Alles gleichmäßig ........
Er ist keiner wie Richter, Michelangeli, Argerich, Arrau, Cliburn, Zimerman
oder gar ein Sofronitsky.

Keine seiner Rachmaninov Einspielungen ist Referenz!
Gibt es sonst irgendwelche Referenzeinspielungen ?

Betrachtet man einmal die verschiedenen Rezessionen der großen Klavierkonzerte oder Werke für Klavier insgesamt, wo hat er da einen Massstab gesetzt. Wo ist die Referenzaufnahme ?

Seine Qualität mag es sein, dass er überall solide Arbeit leistet.
Ob das für einen der Besten Pianisten ausreicht mag ich zu bezweifeln.
Masse, wenn auch solide eingespielt, ist nicht unbedingt klasse.

Für mich gehört er nicht in den Olymp. Aber vielleicht steht mir das Urteil nicht zu, da ich zu wenig von ihm kenne.

Gruss
S. Rachmaninov:
Music must first and foremost be loved, it must come from the heart and it must be directed to the heart.’

TobyWilson

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5

Montag, 22. November 2004, 22:30

Zitat

Ashkenazy verkörpert noch den Typus des Universal-Interpreten bester Art.


Dem kann ich nur zustimmen !!!

Und mal ehrlich, welcher Pianist hat neben den Top-Einspielungen von Klavierkonzerten und Solowerken auch noch ein derartig hochwertiges Kammermusikschaffen hervorgebracht ?

Seine Rachmaninoff Klavierkonzerte mit Previn sind nach wie vor unangefochtene Referenz (und zu einem "Döner-Preis" zu haben, Dank der Eloquenz-Serie :] ).

Grüße TW

Richard

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6

Dienstag, 23. November 2004, 11:34

Zitat

Original von TobeyWilson

Seine Rachmaninoff Klavierkonzerte mit Previn sind nach wie vor unangefochtene Referenz (und zu einem "Döner-Preis" zu haben, Dank der Eloquenz-Serie :] ).

Grüße TW


So unterschiedlich kann Geschmack sein!
Sorry, aber wenn seine Rachmaninov Klavierkonzerte unter Previn Referenz sind, dann fällt mir nichts mehr ein.

Gruss
S. Rachmaninov:
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Antracis

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7

Samstag, 27. November 2004, 13:57

Hallo zusammen,

als ich auf den Namen Ashkenazy erstmals aufmerksam wurde, wußte ich in der Tat noch gar nicht, dass dieser Mann Klavier spielen kann. :D
Hier in Berlin leitete er damals das Deutsche Symphonie Orchester Berlin, und so war er für mich erstmal Dirigent.
Erst später bekam ich mit, dass er auch ein hervorragender Pianist ist und ich schätze Ihn als diesen wesentlich höher wie als Dirigent ( ähnlich geht es mir mit Barenboim ).

Seine technischen und gestalterischen Fähigkeiten belegen eindrucksvoll die Etüden von Chopin:




Auch diese Aufnahme ist hervorragend:




Diese ebenso:




Das er sich nicht nur im slawischen Repertoire auszeichnen kann, muss man spätestens zugestehen, wenn man diese wunderbare Aufnahme hört:



Fazit: Der Mann ist für mich ein großartiger Pianist, von dem es sicher noch einiges andere sehr hörenswertes gibt. "Referenzaufnahmen" von Askenazy ? Die "Referenzen" gibt es aus meiner Sicht eh nur, um Kritikern und Sammlern das Leben zu erleichtern. :D Ansonsten gibt es immer viele Aufnahmen, die dem Werk gerecht werden, nur jede von einer anderen Sichtweise aus und da hat der Mann sicher einiges zu bieten.
Er hätte nur vermutlich ganz beim Klavier bleiben sollen und hatte darüberhinaus das Pech, nicht gut vermarktbar gewesen zu sein z.B. von einem gelben Label. Dieses Schicksal galt z.B. lange Zeit auch für Perahia, der ist auch erst seit wenigen Jahren in die "erste Reihe gerückt worden", obwohl er das schon viel früher verdient gehabt hätte.

Richard

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8

Samstag, 27. November 2004, 14:53

Moment, der Mann war eine Ewigkeit bei DECCA.
Was will man denn mehr ?
Es gibt schlimmeres........

Gruss
S. Rachmaninov:
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Alfred_Schmidt

Administrator

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Registrierungsdatum: 9. August 2004

9

Samstag, 27. November 2004, 15:05

Hallo,

Hier ein paar allgemeine Bemerkungen,

Daß sich hier endlich polarisierende Ansichten zu verschiedenen Themen etablieren , halte ich für durchaus begrüßenswert.

Man sollte sich lediglich vor Augen halten, daß jede Wertung relativ ist und schon morgen überholt sein kann. Ich erinnere mich tatsächlich, daß Ashkenazys Rachmaninov-Klavierkonzerte vor etlichen Jahren als Referenz galten, Harenberg sieht das jedoch anders. Daher habe ich einen Konzertführer der Späten siebziger bemüht um zu sehen wie das dort bewertet wurde. Um es kurz zu machen: Ich konnte die gewünschte Information nicht finden, weil Rachmaninoff gar kein eigener Eintrag gewidmet war (!!!!) So ändern sich die Zeiten....

Zu Ashkenazy, und einigen Bemerkungen von Sascha (Anti):
Ashkenazy wurde keineswegs schlecht promoted, ich möchte fast sagen er wurde Deccas-pezifisch "überpromoted". Damit meinie ich, daß er als "Unversalpianist" eingesetzt wurde: Es gab praktisch außer Haydn, nichts was er nicht aufgenommen hat, zudem begann er dann noch zu dirigieren. Mir persönlich sind solche "Allrounder" immer ein wenig suspekt, und wahrscheinlich geht das vielen so. Ich habe immer den Eindruck, ein dirigierender Pianist, hätt plötzlich in seine eigene Kunst kein vertrauen. Aber wahrscheinlich ist das ungerecht. Daher auch der Titel des Threads - Wir werden zwar nie die "absolute Wahrheit" erfahren - aber wir werden ihr näher kommen.
"Referenzen" sind immer eine relative Angelegenheit, vom Zeitgeist geprägt, 1960 hießen Refernzen Karajan, Böhm, Kempff und Backhaus.
Heute ist dieser Anspruch jedoch relativiert worden, nicht wegen der absoluten Leistung dieser Interpreten, die natürlich dem damaligen Zeitgeschmack verpflichtet waren, sondern durch den "point of view" heutiger Hörer.
Immerhin werden in diesem Theread einige Aufnahmen "ausgegraben" und zur Diskussion gestellt, mehr ist wohl nicht zu erwarten.

Beste Grüße aus Wien

Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

TobyWilson

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Registrierungsdatum: 11. August 2004

10

Samstag, 27. November 2004, 20:23

Um Euch bzw. dem Leser etwas auf die Sprünge zu helfen :







Nicht berücksichtigt habe ich hier seine Aufnahmen mit den Pragern, wo auch einige Perlen zu entdecken sind.

Grüße TW

Gerrit_Stolte

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11

Sonntag, 26. Dezember 2004, 13:15

Zitat

Original von Richard Ross
Sorry, aber wenn seine Rachmaninov Klavierkonzerte unter Previn Referenz sind, dann fällt mir nichts mehr ein.


Mir auch nicht. Vor allem, da die Aufnahmen mit Previn von Ashkenazy ja selbst früher übertroffen wurden. Hier lohnt es sich definitiv mal reinzuhören:



Katalognummer: 466375-2, mid-price

Ashkenazy wird hier begleitet von Kondrashin und den Moskauer Philharmonikern (2.) und Anatole Fistoulari und dem LSO im 3. Klavierkonzert. Besonders interessant ist das 3., weil Ashkenazy hier auch die mittlerweile selten gespielte frühe (und lange) Kadenz zum besten gibt.


Da die Notleidenden Schallplattenindustrie nicht will daß man auf Ihre Bilder verlinkt hat DECCA den Zugang durch ein Passwort blockiert.
Dies wieder stört unser Forum, daher wurde der Link entfernt
Alfred , Moderation
Gruß,
Gerrit

teleton

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12

Mittwoch, 5. Januar 2005, 12:33

Ashkenazy der Vollblutmusiker

Ashkenazy ist ein Vollblutmusiker, der nicht nur am Klavier großartige Werkreihen aufgenommen hat , sondern auch als Dirigent zeigen kann, was eine Interpretation ist:

:) Sibelius-Sinfonien: Ich habe viele Einzelaufnahmen der Sinfonien (Karajan, Bernstein, C.Davis, O.Kamu, Ormandy) aber an die Gesamtaufnahme mit Ashkenazy kommt keiner ran und das bei gewohnt bester DECCA-Klangqualität.

:) Prokoffief - Romeo und Julia_Ballett: Meine absolute Lieblingsaufnahme des gesamten Balletts mit Askkenazy/Royal PO London

:) Prokoffief - Cinderella_Ballett: Besser geht es nicht !

:) Scriabin - Sinfonien: Spannende Interpretationen mit dem DSO Berlin

:) Rachmaninow - Sinfonien: Hervorragende Aufnahmen, noch über Maazel und einige russ.Aufnahmen hinausgehend.

Ashkenazy hat Glück bei DECCA unter Vertrag zu stehen, da hier immer TOP-Klangqualität zum tragen kommt und das macht erst recht Spaß beim hören !

Gruß aus Bonn
Wolfgang
Gruß aus Bonn, Wolfgang

mathemike

unregistriert

13

Dienstag, 15. Februar 2005, 20:11

Referenz

Ashkenazy als Dirigent ? Da fallen mir zwei CDs ein, die für mich absolute Referenz sind : Die Scriabin-Sinfonien und Rimsky-Korsakovs Sheherazade (beide Decca). Für mich das allerbeste, selbst Reiner mit dem CSO sieht bei der Sheherazade alt aus...

teleton

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14

Mittwoch, 16. Februar 2005, 08:31

Hallo Taminoaner,

wenn man sich den Anfangsbeitrag von Alfred genau ansieht sollte dies eigendlich ein Thread über Ashkenazy als Pianist werden. Dies wurde von vielen (auch von mir) übersehen.

Ich meine seine Leistungen als Pianist sind genauso hoch zu bewerten, wie als Dirigent.

:) Als Pianist hat Ashkenazy diese in der Kritik sehr umstrittene Aufnahme der Bartok-Klavierkonzerte mit Solti gemacht:
[IMG]http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7134254.jpg [/IMG]

Mir gefällt diese Aufnahme, neben der Pollini/Abbado-Aufnahme (Nr.1+2), von allen die ich kenne am Besten. Ashkenazy und Solti sind sich in der Interpretationsfrage, die Brutismen (besonders bei Nr.1+2) effektvoll und ohne Zurückname auszubreiten, absolut einig. Eine wahnsinnige pianistische Leistung, die überrumpelnd wirkt und mich immer wieder begeistert.
Viele werden jetzt direkt an die sogenannte Referenzaufnahme denken: Anda/Fricsay (die ich auch auf auf DG-LP habe) - aber ich finde Ashkenazy bietet hier die interessantere Version, die durch den ganz anderen Interpretationsansatz dagegen wie 3 andere Konzerte von Bartok wirkt.

Was nun "richtig" ist bleibt weiter umstritten !
Gruß aus Bonn, Wolfgang

tom

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  • »tom« wurde gesperrt

Beiträge: 687

Registrierungsdatum: 17. November 2005

15

Samstag, 19. November 2005, 15:31

Am Prüfstand befindet sich der Pianist; deshalb die Frage: hat seine pianistische Qualität nachgelassen hat, seitdem er sich schwerpunktmäßig als Dirigent betätigt? Ich persönlich habe darauf keine schlüssige Antwort, da ich mich zuwenig mit A. beschäftige, meine aber, daß die Doppeltätigkeit Dirigent/Instrumentalsolist bei einigen Musikern zu einem Abschwächen der Qualität als Solist geführt hat, wobei manche als Dirigent zudem auch nicht befähigt waren. Zu nennen ist hier m.E. insbesondere Yehoudi Menhuin. Lorin Maazel dagegen zeichnet sich als Dirigent, wie ich finde aus. Als Solist auch noch?

16

Sonntag, 20. November 2005, 18:35

bin mit seinen Skrjabin Sonaten sehr zufrieden, da verzichte ich gern auf Horowitz und John Ogdon

Ok, die Auswahl ist bei dem Thema nicht so groß
ich hab die späten Sonaten gesucht...
da gibts noch Nr.3 und 10 von Bernd Glemser
und 4 und 10 von Pletnev...
Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
(frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

Maexl

Profi

  • »Maexl« ist männlich

Beiträge: 328

Registrierungsdatum: 16. April 2005

17

Sonntag, 20. November 2005, 22:57

ah, nach kurzer Suche:



ich wusste doch ich hatte im Brilliant-Katalog etwas gesehen, was mich interessiert hat...

Kennt jemand vll. die Aufnahme schon - oder den/die Pianist/in: Håkon Austbø?

Es wird aber sicher noch einige andere Einspielungen geben?

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Beiträge: 326

Registrierungsdatum: 19. Dezember 2005

18

Samstag, 11. März 2006, 18:41

Vladimir Ashkenazy - ein Alleskönner oder ein musikalischer Allesfresser?

Liebe Taminos,

habe ich das Forum richtig durchsucht? Gibt es tatsächlich noch keinen Thread zu Vladimir Ashkenazy? Wenn nicht, dann schieße ich einfach mal los:

Eines vorweg: Ich will an dieser Stelle den Kapellmeister Ashkenazy außen vor lassen und mich erst gar nicht an die leidige Diskussion wagen, ob Pianisten, die das Dirigieren für sich entdecken, zwangsläufig zu klimpernden Dirigenten mutieren müssen. In dieser Hinsicht scheint mir Ashkenazy pianistisch doch sattelfester geblieben zu sein, als Daniel Barenboim.

Den Pianisten Ashkenazy zeichnete ein wahrhaft enzyklopädisches Interesse an der Musik des klassich-romantischen Repertoires aus. Wenn er sich Schumann vornahm, spielte er nicht nur die Kreisleriana und die symphonischen Etüden, sondern gleich den ganzen Schumann ein. Genauso verfuhr Ashkenazy auch mit Chopin, Rachmaninow, Skrjabin, Prokofjew, Mozarts Klavierkonzerten und Beethoven (dessen Klavierkonzerte ich zumindest in drei Gesamtaufnahmen habe - vermutlich staubt in irgendwelchen russischen Archiven noch die eine oder andere vor sich hin...)

Auf dem Feld der Kammermusik mit Klavier tummelte sich Ashkenazy nicht weniger fleißig. Es liegen praktisch alle Standardwerke der Literatur mit ihm vor, dazu die eine oder andere Scheibe auf der er sich als Liedbegleiter austobt...

Tja, was soll man von ihm halten? Er ist erstaunlich vielseitig, ein gründlicher, natürlicher Musiker, mit kernigem, "urgesundem" pianistischem Zugriff.

Mir scheint, als habe er inzwischen einen ziemlich miesen Ruf, um's vorsichtig auszudrücken... Woran liegt das? Hat er zu viele Noten gefressen und über die Quantität vergessen, hin und wieder eine wirklich aufregende, künstlerisch eigenständige Platte zu machen? Bemerkenswerterweise dominierte Ashkenazy vor ca. 15 Jahren den Katalog von DECCA - heute wird er in Budget-Boxen verramscht...

Ich finde ihn allerdings deutlich besser, als seinen Ruf. Technisch ist er nach wie vor sehr zuverlässig, allerdings scheint er seine Bänder im Studio (aus Nachlässigkeit oder mit Absicht?) nicht immer gründlich abzuhören. Es gibt hier und da Huddeligkeit, rhythmische Unsauberkeiten, in langen brillanten Passagen, droht er manchmal zu "verhungern", bzw. schließt sie nicht mustergültig ab (es kann natürlich auch sein, dass er es ablehnt, von"misslungene" Passagen weitereTakes zu machen). Sein klangliches Differenzierungsvermögen (bzw sein Interesse an Klangfarben) war noch nie besonders stark ausgeprägt. Ashkenazy hat einen massiven, recht unpersönlichen Ton und arbeitet nur wenig mit dynamischen Abstufungen - sein wirklich alles andere als überfeinertes Spiel schwankt zwischen aufrichtiger Natürlichkeit (in den gelungenen Aufnahmen) und bäuerlicher Plumpheit (in den weniger gelungenen Aufnahmen).

Allerdings: Das er in irgendeiner Form respektlos, bzw. fahrlässig mit Musik umgeht, kann man ihm als allerletztes unterstellen. Seine Redlichkeit ist mit Sicherheit eine seiner Kardinalstugenden.

Der aktuelle Anlass dieses Threads ist sein neu erschienenes "wohltemperiertes Klavier". Ich habe bezüglich des WTK einen Vollständigkeitstick, ich nehme wirklich jede Aufnahme mit, also auch die Lesart von Vladimir Ashkenazy. Ich habe ein paar Nummern (allerdings noch nicht wirklich konzentriert) gehört. Es ist wie erwartet: Besser als Ashkenazys Ruf, aber vermutlich nicht gut genug, um für längere Zeit Bestand in den Katalogen zu haben. Ashkenazy fehlen einfach zentrale Qualitäten, die wirkliche Bach-Spezialisten auszeichnen (z.B. in bezug auf Phrasierung, Akzente, korrekte Triller). Ashkenazys Spiel klingt strukturklar, pianistisch im Großen und Ganzen souverän, ehrlich und im positiven Sinne unaufgeregt - aber leider auch etwas zu unbedarft und hölzern.
Allerdings kann man auch hier attestieren, dass Ashkenazy wenigstens keine Nabelschau praktiziert und seinen Bach auf Teufel komm raus extravagant aufhübscht, um seine Version "einmaliger" und damit konkurenzfähiger zu machen. Dafür, dass Bach für Ashkenazy nur ein Projekt unter vielen ist, sollte man ihm fairerweise wenigstens etwas Respekt für seine Leistung zollen - andere würden es sicher um einiges schlechter machen.

Wie geht es Euch? Ist Ashkenazy ein Langweiler, ein uninspirierter Allesspieler, ein Handwerker, der sich versehentlich ins Künstlerzimmer verirrt hat?

Oder doch ein zu unrecht verschmähter Tastengroßmeister?


LG! :hello:
Daniel

  • »Daniel Behrendt« ist männlich
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Beiträge: 326

Registrierungsdatum: 19. Dezember 2005

19

Samstag, 11. März 2006, 23:12

... Kruzifix! Irgendwas mache ich beim Durchsuchen der Foren falsch!!! Naja, jetzt sind die Threads wenigstens zusammengeflickt- ...vielmals um Entschuldigung!
Also, dann kann ich jetzt ja lesen, was ihr von Ashkenazy haltet.

Und, Hallo Maexl,

Zitat

Zitat Maexl: Kennt jemand vll. die Aufnahme schon - oder den/die Pianist/in: Håkon Austbø?


Ja, der ist nicht schlecht. Er produziert nicht nur für Brilliant sondern auch für Naxos. Unprätentiöser, im Detail höchst akkurater Spieler, der eine Menge Modernes im Repertoire hat. Seine Messiaen-Aufnahmen gehören zu den besten, auch die Scrjabin-Sonaten sind nicht übel - er legt offenbar weniger Wert auf rauschende Virtuosität als auf eine behutsame Klangregie und Strukturklarheit. Für die paar Euro macht man jedenfalls nix falsch!

LG :hello:
Daniel

AcomA

Profi

  • »AcomA« ist männlich

Beiträge: 563

Registrierungsdatum: 8. Juli 2005

20

Montag, 13. März 2006, 12:23

hallo Daniel,

sehr schöne übersichtsarbeit ! ich habe über die jahrzehnte einiges mit vladimir ashkenazy gehört. lustig in diesem zusammenhang: als 15-jähriger wollte ich einen klavierabend in der düsseldorfer tonhalle besuchen, es sollte mein erster werden ! ich las ein plakat und freute mich auf vladimir ashkenazy ! ich hörte den namen zuvor mehrfach aus dem munde meiner mutter und ihrer brüder, die erfahrung mit klassischer musik hatten. umso verdutzter war ich, als ein alter mann namens stefan askenase erschien ! ich hatte das plakat nicht genau genug gelesen ! :D heute bin ich natürlich froh, askenase noch erlebt zu haben.

was finde ich wirklich stark mit vladimir ashkenazy ? es sind vor allem seine frühen einspielungen, die teilweise verfügbar sind.

rachmaninovs konzert nr.2 mit fistoulari (dir.)
rachmaninovs suiten f. 2 klaviere (mit previn)
chopins 2. konzert
chopins 1. und 2. sonate
chopins etüden
schumann symph. etüden (fernsehmitschnitt)
prokofievs 7.sonate

und dann gibt es einige aufnahmen, die ich zwar nicht als referenzwürdig bezeichnen würde, die IMO trotzdem sehr stark sind:

einige der großen mozartkonzerte mit ihm als dirigenten in personalunion
beethovens 4. und 5. konzert mit z. mehta (wiener philh.)
rachmaninovs preludes (komplett).

um es mal klar zu formulieren: was die chopin-etüden angeht, nach dem frühen pollini kommt IMO der frühe ashkenazy !

hinzu kommt eine wunderbar feine und sympathische persönlichkeit. wenn er schon nicht zu den größten pianisten gezählt werden soll, dann würde ich zu den größten musikern zählen ! dass er nun auch das WTK aufgenommen hat, wusste ich bis dato nicht, macht ihn aber noch sympathischer. ich vermute mal, dass sein bach nicht schlechter als der des jungen till fellner oder martin stadtfeld ist.

gruß, siamak :hello:
Siamak

  • »Daniel Behrendt« ist männlich
  • »Daniel Behrendt« wurde gesperrt

Beiträge: 326

Registrierungsdatum: 19. Dezember 2005

21

Dienstag, 14. März 2006, 00:51

Hallo Siamak,

Ja, des sehe ich genauso: Ashkenazy ist ein echter Sympath und ein wirklich großer, universeller Musiker - Im Einzelnen snd andere besser, in der Vielfalt seiner Talente ist Ashkenazy hingegen ein Phänomen.
Im Konzert wirkt er stets so, als würde er sich riesig darauf freuen, Musik zu machen. Allein wie zackig dieser laufende Meter (er ist ja wirklich ein Zwerg, fast wie Cherkassky...) auf die Bühne flitzt ist schon enorm mitreißend. Am Flügel agiert er für mein Empfinden dann allerdings deutlich verhaltener als am Dirigentenpult, wo er es an starken Abenden durchaus versteht, dem Affen Zucker zu geben. Mir fallen übrigens noch zwei Aufnahmen ein, die sehr, sehr gut sind:

Bachs BWV 1052 mit Zinman - eine sehr energisch vorwärtsdrängende "dramatische" Interpretation,sicher nix für Puristen, aber trotzdem: toll, toll, toll!

Und: Beethoven 2 aus der frühesten GA mit Solti

Aber auch die Mozartkonzerte - absolut unterschätzt, sollten häufiger erwähnt werden.

LG! :hello:
Daniel

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 373

Registrierungsdatum: 12. August 2005

22

Dienstag, 14. März 2006, 08:29

Ich bin kein Pianophiler, möchte aber die frühe Platte mit Konzerten von Bach und Chopin ausdrücklich unterstützen und auf eine Schubert-CD aus etwa derselben Zeit hinweisen, nämlich mit D664 und D784, zwei der schönsten Sonaten und dazu welche, die fast ohne himmlische Längen auskommen. Gab es auf "Decca Legends", anscheinend leider vergriffen...

Ein sentimentaler Favorit sind Beethovens 3. & 4. Klavierkonzert mit Solti, denn das war meine allererste CD (ca. 1988 gekauft)

viele Grüße

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

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23

Dienstag, 14. März 2006, 08:54

Hallo Johannes,
Ja, man könnte auch die gesamte Beethoven-GA mit Solti loben - ist wirklich nicht übel!
Zu seinem Schubert: Neulich spielte mir ein Freund die ersten Takte aus (wenn ich mich recht entsinne) D959 der Vorletzten Schubert-Sonate vor. Ich sollte Raten wer's war. Es klang hart, fast scheppernd, so als ob ein ungezähmter Wilder auf Beethovens Hammerklaviersonate losgehen würde. Ich tippte uncharmanterweise auf den greisen Serkin aber, oh Schreck, es war der noch nicht ganz so greise Ashkenazy...
Die Platten, die A. in den letzten Jahren gemacht hat (er ist ja, wie's scheint mit vollem Elan an den Flügel zurückgekehrt) sind für mein Empfinden nicht mehr auf dem Level der früheren Aufnahmen. Heute klingt manches unrund, hölzern, etwas zu pauschal oder gar langweilig - bisweilen ein bisschen Chorepetitorenmäßig. Schade, denn der junge Ashkenazy war wirklich ein absolutes Ausnahmetalent.

LG! :hello:
Daniel

scriabin007

Schüler

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24

Freitag, 30. März 2007, 01:53

RE: Wladimir Ashkenazy - Pianist am Prüfstand (?)

Ich bin nach wie vor von Ashkenazys Aufnahme der Prokofeiv Konzerte (unter Previn) begeistert. Sein Spiel enthält Präzision, Feuer und Leidenschaft, und den für Prokofiev nötigen Sarkasmus. Man höre die Durchführung im 1. Satz des g-moll Konzertes (Nr.2). Ich habe das noch in keiner anderen Einspielung so überzeugend gehört. :jubel:

Auch seine 10 Scriabin Sonaten sind ihm beachtlich gelungen. Besonders die Sonaten Nr.5, 7 und 9 gelingen ihm gut. Die 7. Sonate habe ich bisher von keinem anderen Pianisten so frenetisch und euphorisch spielen hören. Hamelin, Glemser und Ogdon sind zwar pianistisch etwas vouveräner als Ashkenazy, aber dafür auch etwas weniger "scriabinistischer".

Er ist sicher nicht mein Wunschkandidat wenn es um die Beethoven Sonaten oder um Schumanns Klavierwerke geht. Doch das russiche Repertoir und einiges von Chopin gehören für mich zu den hörenswerten Einspielungen (und Interpretationen)

Niko

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25

Sonntag, 10. Juni 2007, 07:10

RE: Wladimir Ashkenazy - Pianist am Prüfstand (?)

Zitat

Original von scriabin007

Auch seine 10 Scriabin Sonaten sind ihm beachtlich gelungen. Besonders die Sonaten Nr.5, 7 und 9 gelingen ihm gut. Die 7. Sonate habe ich bisher von keinem anderen Pianisten so frenetisch und euphorisch spielen hören. Hamelin, Glemser und Ogdon sind zwar pianistisch etwas vouveräner als Ashkenazy, aber dafür auch etwas weniger "scriabinistischer".

Er ist sicher nicht mein Wunschkandidat wenn es um die Beethoven Sonaten oder um Schumanns Klavierwerke geht. Doch das russiche Repertoir und einiges von Chopin gehören für mich zu den hörenswerten Einspielungen (und Interpretationen)

Niko


da hast du wirklich meine vollste zustimmung :yes: :yes: :yes:

sein scriabin dürfte wohl sogar noch den horowitz übertreffen. bei ashkenazy riecht es wirklich ganz wunderbar intensiv nach schwüler dekadenz :beatnik:

seine chopin-walzer finde ich auch sehr akzeptabel



eine meiner schlimmsten fehlgriffe beim cd-kauf war jedoch



so voller kälte
als ob er von dieser musik nichts verstanden hätte 8o :no:
"Der moderne Komponist darf seine Werke einzig und allein auf der Grundlage der Wahrheit schreiben."
Claudio Monteverdi

"Der Komponist komponiert erstens für sich selbst und zweitens für das Publikum; aber für ein ideales Publikum und nicht für das...welches real existiert"
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"Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche."
Gustav Mahler

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26

Sonntag, 10. Juni 2007, 08:58

weiss zufällig jemand ob ashkenazy tatsächlich der einzige ist der schumanns klavierwerk komplett(!) aufgenommen hat ?
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Zwielicht

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27

Sonntag, 10. Juni 2007, 12:24

Zitat

Original von Prometeo
weiss zufällig jemand ob ashkenazy tatsächlich der einzige ist der schumanns klavierwerk komplett(!) aufgenommen hat ?


Es gibt mindestens noch eine weitere Gesamtaufnahme, nämlich diejenige mit Karl Engel aus den 70er Jahren (heute offenbar nur noch schwer erhältlich). Ich erinnere mich vage sowohl an vernichtende wie an begeisterte Kritiken.

Das wenige, was ich von Ashkenazys Schumann-Einspielungen besitze, würde ich zwar nicht in die absolute Spitzenklasse einreihen, aber doch als durchaus differenzierte und jederzeit inspirierte Interpretationen bezeichnen: Papillons, Davidsbündlertänze, Symphonische Etüden und Fantasiestücke op. 12.

Viele Grüße

Bernd
Was heut gehet müde unter, hebt sich morgen neugeboren.

Christian B.

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28

Sonntag, 10. Juni 2007, 13:32

Zitat von »Prometeo«

weiss zufällig jemand ob ashkenazy tatsächlich der einzige ist der schumanns klavierwerk komplett(!) aufgenommen hat ?

Die Einspielung von Ashkenasy ist mit 7 CD's alles andere als komplett! Man muss sie nur mal mit der vollständigen Aufnahme von Jörg Demus vergleichen (13 zumeist randvolle CD's):

Davidsbündler Tänze op. 6; Fantasiestücke op. 12 & 111; Gesänge der Frühe op. 133; Klavierstücke op. 32;
Carnaval op. 9; Albumblätter op. 124; Canon für Alexis; Arabeske op. 18;
Klaviersonaten Nr. 1 op. 11; Impromptus op. 5 über ein Thema von Cl. Wieck; Sechs Intermezzi op. 4;
Kinderszenen op. 15; 3 Romanzen op. 28; 7 Klavierstücke in Fughettenform op. 126; Etüden nach Paganini op. 10;
Fantasie op. 17; Supplemente zu op. 12 & 68; Etüden nach Paganini op. 3;
Symphonische Etüden op. 13; Variationen op. 13 posth.; Nachtstücke op. 23; Skizzen für den Pedalflügel op. 58; Blumenstück op. 19;
Kreisleriana op. 16; 3 Sonaten für die Jugend op. 118;
Album für die Jugend op. 68;
Waldszenen op. 82; Geistervariationen über den letzten Gedanken; Klaviersonaten Nr. 3 op. 14; Hasche Mann; Mit Gott;
Humoreske op. 20; Faschingsschwank aus Wien op. 26; Toccata op. 7; Supplement zu op. 68;
Novelletten op. 21; Etüden für den Pedalflügel op. 56;
Bunte Blätter op. 99; 4 Fugen op. 72; 4 Märsche op. 76; Scherzo in f op. posth.; Allegro op. 8;
Abegg-Variationen op. 1; Papillons op. 2; Klaviersonaten Nr. 2 op. 22; Presto in g op. posth.;



Ich schätze die Einspielung von Demus nicht nur ihrer Vollständigkeit wegen, die lyrischen Stücke gelingen ihm sehr gut, aber bei den großen Zyklen kommt man um Ergänzungen nicht herum. Auch klangechnisch ist die Demus-Aufnahme leider nicht optimal.

Viele Grüße,
Christian

Theophilus

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29

Sonntag, 10. Juni 2007, 13:46

Hallo

Jörg Demus hat Schumann zweimal komplett eingespielt. Die erste (bei Intercord) war wirklich so ziemlich vollständig, die zweite (digitale) umfasst nur die Werke für Klavier solo.

Als Grundstock für eine Schumann-Sammlung würde ich Demus jederzeit empfehlen. Dann kann man bei besonders beliebten Werken mit (empfohlenen) Alternativen nachrüsten.

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

viviane47

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30

Freitag, 14. September 2007, 22:09

RE: Wladimir Ashkenazy - Pianist am Prüfstand (?)

niemand erwähnt seine Einspielung der beiden Brahms Konzerte (mit Haitink, op. 15 Concertgebouw, op. 83 Wiener Philharmoniker). Seine Interpretation von op. 83 ist für mich immer noch die stimmigste. So wenig,wie ich Wein mit "vollmundigen" Attributen beschreiben kann ("eine Spur Tabak und Johannisbeeren im langen Abgang...."), fehlen mir diese auch bei Musik, aber versuchsweise mal soviel: es ist ein eleganter und reifer Brahms, dabei schlicht und nicht künstlich "aufgemotzt" durch z.B. langsames Tempo oder merkwürdige Betonungen. Wirkt aus einem Guss und sehr einfühlsam.
Op. 15 hat mir zu wenig "Sturm und Drang", da ziehe ich Fleisher/Szell vor.

Über V.A. als Dirigent gibt es auch einiges zu sagen, wo?
Grüsse Viviane
viviane

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