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lohengrins

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1

Mittwoch, 11. Oktober 2006, 10:26

Ohne Krimi ...

Hallo, liebe Forianer!

Krimis zu lesen, ist, so habe ich es erlebt, eine Angelegenheit, die manche kultivierten Mitmenschen am liebsten leugnen würden. Es scheint "unter Niveau" zu sein. Ich teile diese Einschätzung nicht.

Angefangen hat meine Freude an entsprechender Literatur mit Raymond Chandler. Sprachwitz, Milieu-Schilderung und eine humanistische Grundausrichtung (man denke nur daran, dass er seinem Marlowe im letzten Buch eigens ein Happyend schrieb - das ihm selbst verwehrt blieb) nahmen mich für ihn ein.

Ein weiterer Eckpfeiler ist Georges Simenons Kommissar Maigret. Ein extrem verknappter, schmuckloser Stil, der zugleich Platz lässt, eigene Bilder zu bauen und doch eine genaue Innendarstellung der handelnden Personen liefert.

Dann die Skandinavier. Angefangen mit Sjöwall/Wahlöö über Mankell, Nesser, Edwardson bis hin zu Arne Dahl schätze ich diese Autoren, auch wenn mir deren Fälle manches mal ein wenig gewollt blutrünstg scheinen. Philipp Kerr hat mit dem "Wittgenstein-Programm" einen für mein Empfinden großartigen Krimi voller Anspielungen auf Wittgenstein und TS Eliot geschaffen (leider ein Einzelfall bei ihm).

Interessant auf jeden Fall auch deutsche Autoren. Ulrich Ritzel möchte ich da nennen oder Jan Seghers, auch Bernhard Schlink; letzteren bezogen auf die Romane um den Privatdetektiv Selb, dort ist er meines Erachtens seinem Thema des Nationalsozialismus souveräner begegnet als bei seinen nachfolgenden enstprechenden Bemühungen wie dem "Vorleser".

So viel zu mir. Wie sieht es bei Euch aus? Mögt ihr Krimis (warum nicht)? Welches sind eure Favoriten? Habt ihr Tipps?

:hello:

Gruß, l.

Mignon

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2

Mittwoch, 11. Oktober 2006, 11:34

Hallo lohengrins,


ich liebe Krimis auch, habe aber leider seit vielen Jahren keine mehr gelesen, da mir dazu die Zeit fehlt. Ich muss (oder besser möchte) eine Auswahl meines Lesestoffes treffen, denn sonst könnte ich die vielen Bücher, die ich lesen möchte, in diesem Leben nicht mehr lesen.

Zu Schulzeiten habe ich unzählige Krimis von Agatha Christie gelesen. Ich liebe es nämlich, wenn der Mörder erst auf den letzten Buchseiten enttarnt wird. Dauernd legt sie falsche Fährten und führt ihre Leser so in die Irre - unglaublich spannend!

Zur Zeit beschränke ich mich (leider) auf die (englischen) Sonntagskrimis im ZDF. Ich habe aber schon seit einiger Zeit überlegt, doch vielleicht einmal einen Krimi von Elisabeth George zu lesen, von deren Büchern ich bis jetzt ich nur Gutes gehört habe.

Hast Du vielleicht schon etwas von ihr gelesen? Kannst Du mir vielleicht etwas empfehlen?

Liebe Grüße

Mignon :hello:
Maybe the nation has found peace from its sins... I. A. a. W.E.B. Du Bois

GiselherHH

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3

Mittwoch, 11. Oktober 2006, 12:23

RE: Ohne Krimi ...

Zitat von »lohengrins«

Interessant auf jeden Fall auch deutsche Autoren (...) Jan Seghers

Hallo lohengrins,

der war mal sehr kurzzeitig Mitglied in unserem erlauchten Kreise, hat dann aber schnell das Handtuch geworfen. Er kam, glaube ich, mit dem Führungsstil unseres Herrn und Meisters nicht ganz klar.

:hello:

GiselherHH
"Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."

(Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

lohengrins

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4

Mittwoch, 11. Oktober 2006, 13:32

Hallo.

@mignon

Nein, mit englischen Krimis bin ich leider nicht wirklich bewandert. E. George kenne ich daher nicht. Leider.

Das Problem, dass man mit dem Lesen kaum hinterher kommt, ist mir nur zu bewusst. Ich versuche, wacker dagegen anzukämpfen, sehe beispielsweise wenig fern. Krimis lese ich ehrlich gesagt auch nur zum Einschlafen - würde ich mir da beispielsweise den Zauberberg vornehmen, würde ich einfach nicht müde werden. Bei spannenden Geschichten funktioniert das bei mir eben am besten (warum auch immer, vermutlich, weil man nicht so viel Grübeln muss).

@giselher

Ja, er ist mir auch schon in einem anderen Forum begegnet. Als es hier bei uns Turbulenzen gab, hat er sich regelrecht gefreut. Nun ja. Vielleicht eine Frage des Stils, ich weiß nicht.

Auch seine Ausflüge (in den Marthaler-Krimis) in die Welt der Musik beeindrucken mich nicht so.

Aber ich habe eben eine Schwäche für deutsche Krimis, da sie nun mal unsere Lebenswirklichkeit spiegeln (sollen).

:hello:

Gruß, l.

Caesar73

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5

Mittwoch, 11. Oktober 2006, 17:25

Servus Lohengrins,

ein schöner Thread! Vielleicht hat es sich ja schon herumgesprochen, aber ich ein ausgesprochener Krimi-Fan. Die von Dir genannten skandinavischen Autoren mag ich sehr, wobei mein Favorit im Augenblick Arne Dahl ist (sprachlich große Klasse und phantasievolle Plots) den neuesten Roman von Edwardson (sein Inspektor Winter ist ja ein ausgesprochener Jazz-Liebhhaber) habe ich allerdings noch nicht gelesen. Mankell gefällt mir grundsätzlich gut, nur stören mich bei ihm gelegentlich die seitenlangen Lamentationen über den Verfall des schwedischen Sozialstaats. Einer seiner besten Romane ist sicher "Die Rückkehr des Tanzlehrers", oder auch "Die fünfte Frau".

Bei Elisabeth George würde ich "vorne" anfangen - die Bände bauen mehr oder weniger aufeinander auf, und man verliert sonst ein wenig den Überblick. (Ich muss mal sehen, wie der erste Band heißt) George hatte zwischendrin den einen oder anderen Hänger, allerdings waren die letzten beiden Romane wieder auf dem Niveau der vorigen Bände. Die Filme gehen allerdings mit der der Vorlage relativ frei um. Die Inspektor-Jury-Reihe von Martha Grimes finde ich zum Einschlafen. Sehr gut gefallen mir die Romane von Ian Rankin mit dem knorrigen Detective Inspector Rebus - mit einer Schwäche für Whiskey und die Musik der 60er Jahre. Und dann wären da noch die Inspector-Banks-Romane von Peter Robinson. Banks war mir von Anfang an sympathisch- und das nicht nur weil er klassische Musik liebt (allerdings ist seine Sammlung im vorletzten Buch in Rauch aufgegangen ;() Zu guter letzt: Ein Konkurrenz für George: Stephen Booth. Ein interessantes Phänomen: Die meisten Autoren der Romane die in England spielen sind Amerikaner :D

Sehr mag ich auch die Pathologie-Thriller, also Patricia Cornwell und Kathy Reichs. Wobei bei Cornwell die frühen Romane IMO die besten sind. Eine besondere Schwäche habe ich für historische Kriminalromane, und darunter besonders für solche, die in der klassischen Antike spielen, also Lindsey Davis oder auch Robert Maddox mit seiner SPQR-Reihe. Einen faszinierenden Einblick in das Irland des frühen Mittelalters bietet Peter Tremayne mit seinen Romanen um die irische Nonne und Anwältin Fidelma. Gut recherchiert und mit viel Liebe zum Detail.

Und dann wären da auch noch die deutschen Autoren: Robert Schlinks Krimis um den kauzigen Privatermittler Selb, V. Dithfurths Romane um den Historiker Stachelman, der eigentlich an der Universität Hamburg Dozent für Geschichte ist- und dabei immer wieder in Kriminalfälle verwickelt wird (Sein dritter Roman ist gerade erschienen). In der Ulmer Gegend spielen die Krimis von Ulrich Ritzel.

So, das soll´s für erste gewesen sein :D

Herzliche Grüße :hello::hello:

Christian
Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

Andrew

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6

Mittwoch, 11. Oktober 2006, 19:42

Hallo lohengrins,

ein gutes und vielschichtiges Thema hast Du eröffnet. Der Kriminalroman ist inzwischen eine wichtige Form des Gesellschaftsromanes geworden - wie in früheren Zeiten Liebesromane eine ähnliche literarische Funktion hatten.

Erstaunlich ist die Bandbreite von Banalliteratur bis zu niveauvoller Unterhaltung und guter Literatur - auch hier wieder ähnlich wie beim Liebesroman: niemand wird die Dutzendware in den Buch-Discountern im Ernst mit Anna Karenina in einem Boot sehen.

Die erste Krimi-Autorin (ich bin spät mit dieser Art Literatur angefangen), die ich gelesen habe und die ich auch heute noch verehre, ist Dorothy Sayers. Kriminalromane sind nur ein Teil ihres literarischen Schaffens, das u.a. auch Hörspiele, Stücke, Essays usw. umfasst.

Inzwischen kenne ich viele Reihen und Serien. Besonders gern habe ich außer den bereits erwähnten die historischen Romane von Kate Sedley (auszeichnet recherchiert, hervorragende Beschreibungen, immer ein spannender und interessanter Fall für den wandernden Kurzwarenhändler Roger Chapman), Peter Tremayne (Schwester Fidelma, eine irische Nonne im frühen Mittelalter) und Ellis Peters (Bruder Cadfael, unterhaltsam und sorgfältig recherchiert - Kult!!!).

Hallo Christian, bei den von Dir empfohlenen Romanen fällt mir eine gewisse Konvergenz der Leseschwerpunkte auf. Hatten wir das nicht schon mal? Bei Mankell spielt die Musik eine kleine, aber nicht unwichtige Rolle in der Charakterisierung Wallanders. Außer den beiden von Dir genannten Romanen finde ich auch "Die falsche Fährte" sehr gut.

Von Martha Grimes gefielen mir die ersten Romane recht gut. Aber irgendwann stellten sichmir bei der Lektüre eines jeweils neuen Romanes gewisse Déjà-vu-Erlebnisse ein. Es zeichneten sich gewisse Wiederholungs- und Klischeebildungen ab.

Das ist bei Elizabeth George eindeutig anders. Ihr erstes Buch ist übrigens "A Great Deliverance" von 1988 (deutsch: Gott schütze dieses Haus). Ich bin zwischendurch einmal ausgestiegen, da mir die familiären beziehungskisten zu stark im Vordergrund standen und der Roman nur noch mit Mühe die Form eines Krimis wahrte. Vielleicht habe ich da auch zu vorschnell geurteult und muss mir die Bücher noch einmal anschauen.

Mit Ian Rankin und Arne Dahl kann ich leider nichts anfangen. Vielleicht habe ich da eine wenig sinnvolle Entscheidung für das Erstbuch getroffen. Ich halte mich da immer an Lichtenbergs Zitat: "Wo ein Buch und ein Kopf auf einander treffen ..." - gilt das eigentlich auch für Musik?

Ditfurts Krimis sind großartig.

Empfehlen möchte ich noch die kanadische Autorin Charlotte MacLeod, der wir drei Reihen verdanken. Mein Favorit, die Balaclava-Serie, spielt an einem landwirtschaftlichen Institut. Schon der erste Roman "Schlaf in himmlischer Ruh" hat mich ungeheuer begeistert. Spannend und dennoch mit Humor geschrieben, eine interessante Schilderung des Colleges und tolle Personen ... Komm und lies!

Anspruchsvoll und interessant geschrieben ist auch die Kemelman-Reihe über Rabbi David Small mit interessanten Einblicken in jüdisches Leben in den USA und die Romane von Tony Hillerman über die Navajo-Polizeibeamten Jim Chee und Joe Leaphorn ...

... ich muss sofort aufhören. Etwas ausführlicher würde ich gern einmal die Romane von Lauri King ("Die Gehilfin des Bienenzüchters" u.a.) ... und ... und ... und vorstellen.

Ihr merkt, dass hier mein Herz schlägt. :yes: Ich werde hier gern ab und zu etwas vorstellen und freue mich vor allem auf Lesetipps.

Freundliche Grüße aus dem Land der Friesenkrimis, Andrew
„Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

Misha

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7

Donnerstag, 12. Oktober 2006, 21:39

Auch ich schätze D. Sayers sehr. Schade, daß sie relativ wenige Krimis geschrieben hat. Aber ihre Produkte sind stilistisch und sprachlich so gut, daß man sie ohne zu zögern zur "Literatur" rechnen kann.
Wen ich ob seines skurrilen Humors und der originellen Erzählperspektiven sehr schätze, ist Wolf Haas, der leider wohl keinen Roman über seinen (Anti-)Helden Brenner mehr schreiben wird.
res severa verum gaudium

Herzliche Grüße aus Sachsen
Misha

Andrew

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8

Donnerstag, 12. Oktober 2006, 22:05

Hallo Misha,

herzlichen Glückwunsch zum fünfhundertsten Beitrag! :]

Meine Lieblingsromane von Dorothy Sayers sind The Nine Tailors / Der Glocken Schlag und Gaudy Night / Aufruhr in Oxford.

Welches Buch von Haas würdest Du zum Einstieg empfehlen? Ich habe noch nichts von ihm gelesen und würde seine Literatur gern einmal kennenlernen.

Sehr skurril ist übrigens auch der Humor in den Heidelberg-Krimis von Carlo Schäfer.

Freundliche Grüße von Andrew - die wahren Sachsen sind die Niedersachsen! :yes:
„Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

klingsor

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9

Donnerstag, 12. Oktober 2006, 23:48

hallo, also, mich langweilen krimis ... :stumm:

zwar ein paar mal versucht, dann aber enerviert aufgegeben
:hello:
--- alles ein traum? ---

klingsor

Theophilus

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10

Donnerstag, 12. Oktober 2006, 23:50

Hallo

Schön langsam getrauen sich ja die Krimi-Fans aus ihren Löchern herauszuschlüpfen! 8)

In den letzten Jahrzehnten ist der historische Krimi sehr populär geworden. Er wird besonders im anglikanischen Raum gepflegt (Ellis Peters & Co). Neuerdings mischt auch ein Skandinavier mit. Kurt Aust lieferte mit Das jüngste Gericht den ersten Band einer potentiellen Reihe. Kurz vor Silvester 1699 findet sich in einem dänischen Landgasthof eine kleine Gesellschaft ein, die für einige Tage eingeschneit ist. Und es gibt natürlich einen Toten. Wir haben also eine geschlossene Gesellschaft à la Agatha Christie und glücklicherweise einen Philosophieprofessor, der sich der Lösung des Falles annimmt. Die Geschichte wird ein wenig episch erzählt (über 400 Seiten bei eigentlich wenig Handlung), doch obwohl ich Geschwafel nicht schätze wunderte ich mich darüber, dass mir dabei nicht langweilig wurde. Kurt Aust besitzt offenbar ein profundes Wissen über Denken und Wissensstand dieser Zeit und hält den Leser durchgehend bei Laune (man muss sich lediglich am Anfang an das bedächtige Tempo gewöhnen).

:hello:

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

Reinhard

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11

Freitag, 13. Oktober 2006, 00:22

Zitat

Original von Theophilus
...profundes Wissen über Denken und Wissenstand dieser Zeit ....

... das bedächtige Tempo


sind zwei Gründe dies Buch zu lesen.
Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
(Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

lohengrins

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12

Freitag, 13. Oktober 2006, 06:32

Guten Morgen.

Mit historischen Krimis habe ich nicht so viel am Hut. Woran es liegt, kann ich eigentlich auch nicht sagen, da ich mich schon für historisch interessiert und auch vorgebildet halte.
Das einzige Buch, das mir insofern in wirklich guter Erinnerung geblieben ist: "Der Name der Rose" von Umberto Eco. Als es damals erschien, wollte ich schon angesichts des darum entstehenden Hypes damit weniger zu tun haben; doch dann empfahl mir mein Vater, der Mediävist war, das Buch ausdrücklich - ich habe es dann mit Gewinn (sogar mehrfach) gelesen.
Aber ansonsten ist mir diese Spielart des Genres bislang unzugänglich geblieben. Beispielsweise versuchte ich mich ohne Erfolg, "Tod und Teufel" von Schätzing zu kosumieren. Die Tendenz zur Langatmigkeit, die manchem dieser Bücher wohl immanent ist, verkrafte ich nicht.

@klingsor
Krimi ist nicht gleich Krimi. Wir haben es für mein Dafürhalten mit einem wirklich weiten Literatur-Feld zu tun. Da Du, wie mir auch angesichts Deines jetzt angelegten Literatur-Threads scheint, ein Sprachliebhaber bist, könnte ich Dir beispielsweise Bücher von Jan Costin Wagner nahe legen, vielleicht den "Schattentag", die über eine hohe (Du würdest vielleicht sagen: Genre-untypische) sprachliche und erzählerische Qualität verfügen. Ich kenne Dich ja nicht weiter, aber das könnte schon etwas für Dich sein, ein Krimi.

:hello:

Gruß, l.

Misha

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13

Samstag, 14. Oktober 2006, 10:38

Zitat von »Andrew«

Welches Buch von Haas würdest Du zum Einstieg empfehlen? Ich habe noch nichts von ihm gelesen und würde seine Literatur gern einmal kennenlernen.

Vorsicht! ;) Haas ist wirklich Geschmacksache. Ich finde ihn prima, kenne aber auch Leute, die sein Stil nervt. Man muss die Romane IMO nicht in der Reihenfolge ihres Erscheinens lesen (1. war "Auferstehung der Toten", ich habe mit dem makaberen "Komm süßer Tod" angefangen). Ausnahme: "Das ewige Leben" sollte man auf jeden Fall zuletzt lesen.
res severa verum gaudium

Herzliche Grüße aus Sachsen
Misha

Alfred_Schmidt

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14

Samstag, 14. Oktober 2006, 11:21

Ich oute mich als ausgesprochener Krimi-Fan.

Warum auch nicht.
Obwohl einige meiner Autoren der "Weltliteratur" zugeordnet werden, habe ich darin nie etwas anderes gesehen als Unterhaltung und Entspannung - Und es ist letztlich MEINE Sache wobei ich mich entspanne....

Meine Autoren:

Allen voran stelle ich Agatha Christie, die allerdings bei kritischer Betrachtung auch sehr clichéhafte Charaktäre hat, der Überdetektiv Hercule-Poirot hat durchaus Schundheft-Qualitäten . Die Starts der Romane sind durchwegs schwach, die Auflösing ist so, daß ein kluger Krimiautor zehn Seiten vor Ende des Buches JEDERZEIT eine andere, ebenso logische Auflösung - mit einem anderen Mörder schreiben könnte.

All das hindert mich jedoch nicht daran sie zu meiner Nummer eins zu erwählen.

Da ich fast alle (es sind an die siebzig) Romane von ihr schon gelesen habe musste ich für Ersatz sorgen - den ich nach langer Zeit letzlich gefunden habe. Aber es mussten mehrere Autoren sein - niemand schrieb so fleißig wie Agatha:

Zunächst entdeckte ich Martha Grimes.
Ihr Inspektor Jury ist indes eine recht farblose Person, und das ist ihr scheinbar auch aufgefallen, weshalb sie ihn mit zwei starken Personen umgeben hat: Melrose Plant, einen adeligen, der einen bürgerlichen Namen angenommen hat, und in Wahrheit doch voller aristokratischer Marotten ist - immer im Streit mit seiner Tante Agatha (ja sie heisst tatsächlichs so ) und der hypochondrische Assistent Wiggins.

Meine Empfehlung zum Einstieg: Inspektor Jury schläft außer Haus.
("The man with a load of mischief")


Dann fand ich weitere Autoren, die ich heute alle nicht mehr missen möchte:

Charlotte MCLeod, Ellery Queen, John Dickson Carr, Michael Innes, S.S van Dine, Margery Allingham und zuletzt Ann Grainger.

Alle diese Krimis sind im Stil der "Englischen Krimis alter Schule" geschrieben.

Daüber hinaus lese ich natürlich auch Rex Stout, Raymond Chandler und (etwas veralteter Stil) Friedrich Glauser.

mfg
aus Wien

Alfred

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Theophilus

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15

Samstag, 14. Oktober 2006, 12:12

Zitat

Aber es mussten mehrere Autoren sein - niemand schrieb so fleißig wie Agatha:

Schon einmal etwas von Edgar Wallace gehört? :D

:hello:

Ciao

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16

Samstag, 14. Oktober 2006, 12:15

Bin zwar lange nicht so bewandert wie andere hier und meine mich nur vage daran zu erinnern, einen Inspektor Grimes mal gelangweilt abgebrochen zu haben. Wer von den etwas älteren englichen Damen jedoch wirklich sehr gut ist ist Ruth Rendell (auch unter einigen Pseudonymen aktiv), u.a. mit Inspector Wexford. Und natürlich Patricia Highsmith
Agatha Christie liebte ich in meiner Jugendzeit sehr. Weiß nicht genau, wie das heute wäre, aber viele Fälle sind schon sehr brillant konstruiert. (Die Klischees sind beim wirklichen Schundautor E. Wallace m.E. sehr viel ausgeprägter, was nicht heißt, dass ihm doch einige Reißer gelungen wären. Meiner Erinnerung nach hier aber mehr Schock und Spannung als Verwicklung und Komplexität)

Wie schon mehrfach gesagt: Wolf Haas :jubel: :jubel: :jubel: Allein dafür, dass man sie so durch den Kakao ziehen kann, müßte man Euch Österreicher erfinden, wenn es sie nicht schon gäbe. Und Vorsicht, teils extrem schwarzer Humor.

Was ich ebenfalls, teils aber mehr wegen der Milieu-Schilderungen schätze, sind die auch schon genannten Rabbi-Small-Bücher.

Und in einem anderen thread genannt, unter den historischen Richter-Di von R. Van Gulik; nicht alle sind gleichgut, aber allesamt lesenswert, einige wirklich hervorragend. Und was man über das Alte China erfährt, wirklich sehr interessant und gar nicht belehrend (wie selbst Eco zuweilen sein kann)

Unlängst habe ich eine Reihe der Amsterdam-Krimis mit Grijpstra, De Gier und dem "Comissaris" gelesen. Die genießen wohl auch Kultstatus; unterhaltsam sind sie, jedoch etwas eigenartig. Fast am besten fand ich den ersten (leider noch ohne den Comissaris) "Outsider in Amsterdam"

viele Grüße

JR
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Theophilus

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17

Samstag, 14. Oktober 2006, 12:37

Hallo JR

Na, hat dich das Thema etwa aus deiner kurzzeitigen Versenkung herausgeholt? :D

Ich wollte Edgar Wallace keinesfalls ernsthaft ins Spiel bringen. Aber der Mann war wirklich sehr fleißig, ein wahrhafter Vielschreiber. Und kann natürlich nicht annähernd mit Agatha Christie verglichen werden. Ich denke auch, dass seine Zeit endgültig vorbei ist, vielleicht mit Ausnahme einiger Verfilmungen, die langsam Kultcharakter annehmen. Aber Agatha Christie wird auch leicht angestaubt eine fixe, wenn auch historische Größe in diesem Genre bleiben.

:hello:

Ciao

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18

Samstag, 14. Oktober 2006, 13:39

Zitat von »Theophilus«

Na, hat dich das Thema etwa aus deiner kurzzeitigen Versenkung herausgeholt? :D
Meine Versenkung war eine tatsächliche physische Abwesenheit von Heimat und Computer. (auch wenn einige hier dank ihrer Streitereien etwas strafende Mißachtung verdient hätten... :wacky: ) in diesem thread nur, weil ich da nicht denken, nachlesen oder nachhören muß, sondern einfach drauflosschreiben kann.


Zitat

Ich wollte Edgar Wallace keinesfalls ernsthaft ins Spiel bringen. Aber der Mann war wirklich sehr fleißig, ein wahrhafter Vielschreiber. Und kann natürlich nicht annähernd mit Agatha Christie verglichen werden.
Er hat AFAIK auch schon mit Textbausteinen und Karteikartensystemen gearbeitet, Geschwindigkeit ist keine Hexerei ;)
Die Filme sind ungemein schrottig und waren schon damals nicht immer ganz ernst gemeint (nicht nur bei eindeutigen comic relief Typen wie Eddie Arend), daher wohl der Kultstatus.

:hello:

JR
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Alfred_Schmidt

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19

Samstag, 14. Oktober 2006, 14:22

Natürlich lese ich auch Edgar Wallace - aber das gebe ich nicht zu.
Wallace war ein Vielschreibenr par eccelence, er diktierte stets mehrere Bücher gleichzeitig.

Seine Bücher werden vermutlich geächtet, weil er relativ oft jene Wertungen verwendet, die man allzugern den Deutschen nachsagt, und bei den Engländern und Amerikanern verleugnet: (frei aus dem Gedächnis, aber sinngemäss garantiert richtig) "...jene Verschlagenenheit und Heimtücke, die seine Rasse gemeinhin auszeichnet ......."

Ansatzweise findet man das auch bei Agatha Christie, wenn sie ihre Miß Marple kühn behaupten lässt, Leute mit gleichem Aussehen und gleicherm Allgemeinverhalten würden auch die gleichen Verbrechen begehen. Man darf hier nicht vergessen, daß Miß Marple wahrscheinlich ein Sprachrohr der Autorin ist.....

Simenon meide ich wie die Pest - aber vielleicht waren die Bücher spannender als die´einstige Fernsehserie mit R. Davies vermuten ließ ?

Die Edgar Wallace Filme habe ich immer als Meisterwerke gesehen - sie haben den Spagat geschafft spannend zu sein und trotzdem die ironische Distanz zu wahren - Das ist bei der Unlogik der Vorlage schon eine ganze Menge.....

Krimis, die nicht dafür geschrieben wurden sind imo nicht verfilmbar - sie verlieren wenn nicht mehr - zumindest ihren Charakter.
Bei Agatha Christie hat man sich des Kunstkniff des Humors bedient - ein Humor der in den Romanen nirgends zu finden war, und den die Autorin nicht schätzte (Sie hasste die Verfilmungen mit Margret Rutherford geradezu - und ich wage zu behaupten UIstinov als Poirot wäre ihr auch nicht recht gewesen...)

mfg
aus Wien
Alfred

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ThomasBernhard

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20

Samstag, 14. Oktober 2006, 15:00

Zitat von »Alfred_Schmidt«

(Sie hasste die Verfilmungen mit Margret Rutherford geradezu

Hach, was war ich als Knabe von diesem Cembalo-Geklingel des Vorspanns begeistert...

:hello:

Zum Thema Krimi fällt mir nur ein, daß ich unbedingt mal ein Buch des italienischen Duos Carlo Fruttero und Franco Lucentini lesen muß... bekomme ich wöchentlich von einer Bekannten empfohlen. Kennt jemand Bücher der beiden?
Frauen und Kinder zuerst

good night and good luck

thomasbernhards-1[ätttttt]yahoo[punkt]de

S.Kirch

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21

Montag, 16. Oktober 2006, 19:44

Gruseligen guten Abend ;) ,

Krimis lese ich ja für mein Leben gern. Allerdings nur sporadisch und kaum zu Hause, da fürchtet es mich zu sehr mit so einer Lektüre :D . Angefangen vor `zig Jahren mit Roald Dahl und Henry Slesar, dann gab`s eine längere Pause. Die litcologne veranstaltet die Krimi-Lesungen im Kölner Polizeipräsidium, da waren auch diese beiden Herren mal zu Gast:

Zitat

Original von Caesar73
V. Dithfurths Romane um den Historiker Stachelman, der eigentlich an der Universität Hamburg Dozent für Geschichte ist- und dabei immer wieder in Kriminalfälle verwickelt wird (Sein dritter Roman ist gerade erschienen). In der Ulmer Gegend spielen die Krimis von Ulrich Ritzel.
Die ersten beiden Krimis mit Stachelmann habe ich dann verschlungen, wobei der erste Band mir besser gefiel. Ritzel las aus einem neu erschienenen Band mit Kurz-Krimis, ziemlich makaber... :yes: . Und die beiden wiesen dann auf das Duo "Sjöwall / Wahlöö" hin (die Namen sind aus dem Gedächtnis zitiert). Nur für starke Nerven, aber unsagbar spannend.

Von den unzähligen "Regional-Krimis" lese ich nur die Eifelkrimis von Jacques Berndorf und wollte schon immer mal die Verfolgungsjagden nachdüsen :D .

Sophia

Caesar73

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22

Montag, 16. Oktober 2006, 20:02

Zitat von »ThomasBernhard«

Zum Thema Krimi fällt mir nur ein, daß ich unbeingt mal ein Buch des italienischen Duos Carlo Fruttero und Franco Lucentini lesen muß... bekomme ich wöchentlich von einer Bekannten empfohlen. Kennt jemand Bücher der beiden?
Lieber Markus,

gut sind sie eigentlich alle. Fang doch mal mit dem "Palio der toten Reiter", erschienen sind die Bücher wenn ich mich nicht irre als Piper Taschenbücher.

Herzliche Grüße,:hello: :hello:

Christian
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Theophilus

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23

Dienstag, 17. Oktober 2006, 02:35

Hallo,

die beiden sind unbedingt lesenswert. Und wenn du mit ihnen Norditalien ein wenig kennengelernt hast, kannst du dich Andrea Camilleri zuwenden, und einiges über Sizilien in Erfahrung bringen. Dabei schreiben Fruttero und Lucentini oft nur Krimis im weiteren Sinn, während Camilleris Commissario Montalbano eine klassische Krimi-Figur ist (eine Art sizilianischer Maigret).

@Alfred
Simenons Romane sind auch keine üblichen Spannungsromane, sondern mehr psychologische Krimis. Er hat auch nicht nur Krimis geschrieben, sondern viele Romane, die man heute wohl als Psychothriller bezeichnen würde, wenngleich sie wesentlich feinsinniger ausgeführt sind, als die heutigen sehr werbewirksamen und lautstarken Produkte. Er erfreute sich vieler Jahrzehnte vollster Schaffenskraft und sein Oeuvre umfasst mehr als 300 Romane. Er kann aber Qualitativ nicht mit Wallace verglichen werden, sondern war so gut, dass die Franzosen den Belgier Simenon annektiert haben und ihm einen wichtigen Platz in der französischen Literatur des 20. Jahrhunderts einräumen (die Maigret-Romane spielen ja überwiegend in Paris und so gut wie immer in Frankreich).

:hello:

Ciao

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lohengrins

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24

Dienstag, 17. Oktober 2006, 06:56

Hallo Theophilus,

ich stimme Dir da voll zu: Edgar Wallace und Simenon sind in verschiedenen Ligen unterwegs. Als ich jünger war, habe ich auch ganz gern Wallace gelesen - schön englisch, neblig, gruselig. Doch was die Personenzeichnung angeht, so ist Simenon natürlich weitaus tiefgreifender. Wobei ich auch verstehen kann, wenn jemand Simenon nicht so mag. Immerhin ist in seinem Romanen (auch den Maigrets) unheimlich viel Melancholisches und Morbides - was namentlich Wienern doch eigentlich entgegenkommen sollte ;) - und sich mit vergangener Pracht, Lebenslügen, Eifersucht und sonstigen menschlichen Niederungen zu befassen ist nun mal nicht jedermanns höchstes Freizeitvergnügen.

Kurz noch zu den Stachelmann-Krimis von Ditfurth: Ich habe nun den jüngsten (dritten) aus der Reihe gelesen, "Schatten des Wahns". Und ich möchte Sophias Wertung unterstreichen: Der erste Band war der beste. Ein wenig nutzt sich das "System Stachelmann" ab, will sagen: die Handlung ist denn doch in der Grundstruktur ähnlich aufgebaut (es entsteht ein leichter Dan-Brown-Effekt - kennst Du einen, kennst Du alle).

:hello:

Gruß, l.

GiselherHH

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25

Dienstag, 17. Oktober 2006, 08:24

Zitat von »Alfred_Schmidt«

Bei Agatha Christie hat man sich des Kunstkniff des Humors bedient - ein Humor der in den Romanen nirgends zu finden war, und den die Autorin nicht schätzte (Sie hasste die Verfilmungen mit Margret Rutherford geradezu - und ich wage zu behaupten Ustinov als Poirot wäre ihr auch nicht recht gewesen...)

Mittlerweile hat man beiden Protagonisten seitens der BBC sehr angemessene Verfilmungen zukommen lassen:





David Suchet hat aus dem seitens Agatha Christie fast unbeschriebenen Blatt Poirot einen dreidimensionalen Charakter mit netten Marotten gemacht, wobei er sich dabei allerdings weit strengere Beschränkungen auferlegt hat als Ustinov. Besonders schön auch die konsequent durchgehaltene Art-Déco-Ausstattung der Serie.

Joan Hickson, die in den 60er Jahren in einer der Rutherford-Verfilmungen mitspielte (dich ich im übrigen auch sehr mag, obwohl sie mit dem Original wenig zu tun haben), wurde von Agatha Christie selbst für die Idealbesetzung der Jane Marple gehalten.

Neben dem klassischen Krimi in Buchform mag ich selbst noch zwei Hörspielserien des Autors Michael Koser sehr gern. Zunächst die Reihe um Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, die es von 1978 bis 1999 im RIAS (später DLR) auf 79 Folgen brachte. Koser entlieh sich die Figur der professoralen "Denkmaschine" vom amerikanischen Autoren Jacques Futrelle, der seinen Helden als positivistische, streng wissenschaftlich handelnde Intelligenzbestie konzipiert hatte. Koser adaptierte zunächst einige Futrelle-Geschichten, schrieb dann aber zunehmend eigene Stories, die immer ironischer wurden und Anspielungen auf andere große Kriminalserien und -helden enthielten. Zunächst löste der Professor seine Fälle im New York um das Jahr 1900 herum, begab sich dann aber zusammen mit seinem etwas begriffsstutzigen Assistenten und Chronisten, dem Journalisten Hutchinson Hatch, auf eine dreijährige Weltreise, auf der die beiden bei der Lösung ihrer Fälle mit vielen weiland prominenten Persönlichkeiten zusammentrafen. An der in Berlin produzierten Serie wirkten im Laufe der Zeit viele bekannte Schauspieler und Synchronsprecher mit, zudem spielte klassische Musik, eher ungewöhnlich für eine solche Reihe, eine wichtige dramaturgische Rolle.

Ganz anders die zweite Serie von Michael Koser: "Jonas - der letzte Detektiv", 1984 bis 2001 in 40 Folgen produziert vom Bayerischen Rundfunk. Sie spielt in einer düsteren Zukunft ab 2010, die geprägt ist von Unweltzerstörung, Krieg, Gewalt und sozialer Spaltung. In der fktiven mitteleuropäischen Großstadt "Babylon" herrschen Großkonzerne und korrupte Politiker. Während einige wenige Superreiche in streng abgeschotteten Wohnvierteln ihrem Luxus frönen, lebt die Mehrheit der durch den weitgehend automatisierten Produktionsprozess überflüssig gewordenen Menschen von "Volksrente" (=Sozialhilfe) in kleinen und schäbigen Wohnungen. Geschützt wird die Stadt durch einen sog. Klimadom, dessen gigantische Kuppel schädliche UV- und atomare Strahlung abhalten soll. In der ungeschützen, öden Umgebung um Babylon herum hausen nur noch religiöse Sektierer, kriminelle Banden und außereuropäische Armutsflüchtlinge.

In diesem Cyberpunk-Szenario steht Jonas, der letzte Detektiv in Trenchcoat und Hut (er ist einer der letzten Fans von Hammett und Chandler), in seinem Kampf gegen das Verbrechen ziemlich allein, nur unterstützt von seinem mobilen Computer SAM. Die Serie ist ziemlich "hard boiled", also recht zynisch mit einiger Brutalität. Auch wenn Jonas seine Fälle meistens erfolgreich abschließen kann, so sind die Erfolge doch eher vorläufig und er muss dafür oft einen hohen Preis zahlen.

:hello:

GiselherHH
"Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."

(Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

Edwin Baumgartner

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26

Dienstag, 17. Oktober 2006, 10:26

Wenn es um Krimis geht, empfehle ich stets zwei Psychothriller, die ich für Höhepunkte dieser Gattung halte.

Im ersten erschlägt ein junger Mann eine alte Frau, ohne sich der Motive für diese Tat klar zu sein. Das Buch zeigt in der Folge, wie der junge Mann mit dieser Tat umgeht. Das Gewissen kann schon eine lästige Sache sein...

Der zweite Thriller ist ebenfalls nichts für schwache Nerven, immerhin geht es um einen Serienkiller. Und zwar ist dasein perverser Handwerker, der sich von den von ihm hergestellten Objekten nicht trennen kann und deren Käufer ermordet.

Sollte nun Interesse an diesen beiden Mankell-Vorläufern bestehen, in der Buchhandlung fragen nach:
1) Dostojewskij: Verbrechen und Strafe (am besten in der Übersetzung von Svetlana Geier, derzeit als Taschenbuch zu bekommen)
2) E. T. A. Hoffmann: Das Fräulein von Scuderi

:hello:
...

Radagast

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27

Dienstag, 17. Oktober 2006, 21:43

Oh Gott, ein Krimi-Thread,

als bekennender Kriminologe, Kriminaler, ähh passionierter Krimileser, hier meine Meinungen und Empfehlungen.

In der Schule durften oder mussten wir mehrmals Krimis lesen. Drei blieben in meinem Gedächtnis: Hoffmans "Fräulein von Scuderi" und Dürrenmats "Der Richter und sein Henker" als positive Beispiele, als negatives Beispiel fällt mir immer spontan Droste-Hülshoffs "Judenbuche" ein, obwohl dieses Werk streng genommen literaturhistorisch nicht als Krimi zählen. Der erste Detektiv-Krimi war Poes grossartiges "Der Mord in der Rue Morgue". Hier wurde erstmals ein Detektiv als Ermittler eingeführt.

Christie, Wallace, Conan Doyle und Leblanc waren dann mein Einstieg in der Jugend. Heute lese ich diese Autoren nicht mehr. Warum eigentlich ??

Dann kam irgendwann Elisabeth George, die ich verschlungen habe, bis sie immer dicker und langweiliger wurden. Irgendwann gab es dann einen, den ich nach 100 Seiten weggelegt habe. Seitdem habe ich nie wieder George gelesen.

Paralell dazu habe ich alle Cadfael-Romane gelesen. Sie waren eine wunderbare Entspannung wärend des Studiums. Auch heute noch liebe ich historische Krimis. So habe ich einige Krimis von Madoxx oder auch Tremany gelesen, bin aber nicht völlig überzeugt von ihnen. Interessanter, gerade für zwischendurch, finde ich Richter Di.

Der oben genannte Inspector Jury schläft ausser Haus erzeugte bei mir nur gähnen.

Zur Zeit lese ich gerade einen Montalbano, diesen Humor mag ich sehr. Natürlich habe ich auch Donna Leon gelesen, die ganz gut sind.

Mankell schreibt richtig gute Krimis, die aber für mich viel zu depressiv sind. Viele norwegische und schwedische Krimis haben für mich diesen depressiven Charakter. Dann lese ich lieber Arne Dahl.

Philipp Kerrs "Wittgenstein-Programm" ist mit Sicherheit einer seiner besten, wenn nicht sein bester Krimi. Aber sehr gut ist auch seine Berlin-Trillogie.

Ein heisser Tip für NewYork-Fans sind die Smith&Wetzon Romane von Annette Meyers. Zwei Wallstreet-Headhunterinnen stolpern immer wieder über Leichen. Ihre historischen Krimis finde ich dagegen ziemlich langweilig.


Abschliessend möchte ich meine beiden Lieblingsautoren vorstellen.

Horst Eckert schreibt Realo-Grosstadtkrimis, teilweise ziemlich hart und auch überzogen, trotzdem mag ich sie sehr. Hier sollte man mit dem ersten Krimi anfangen. Es gibt zwar keinen durchgehenden Ermittler, aber eine durchgehende Kriminalpolizeistation, d.h. Ermittler aus alten Büchern tauchen in neuen Büchern wieder in Nebenrollen auf und umgekehrt.

Mein Favorit ist aber Horst Bieber. Auch das sind Realo-Krimis, aber bis auf Einen alle sehr realistisch. Leider sind meiner Meinung nach seine Besten Werke, die hochpolitisch sind, alle nicht mehr lieferbar. Gerade ist ein Neuer herausgekommen, den ich mir aber noch nicht kaufen durfte. Bis Weihnachten kann ich aber nicht warten. Von den aktuell lieferbaren Krimis würde ich Soko Feuer oder Der Abstauber empfehlen.

Und ich habe am Anfang glatt gelogen. Da ich im letzten Sommer an den Reichenbachfällen war, las ich dann mal wieder ein paar Sherlock Holmes Geschichten.

Ich denke, dass es mal wieder Zeit für einen Agatha Christie-Roman wird. Allerdings sind hier ja soviele neue Empfehlungen genannt worden, dass ich wohl erstmal nach dem neuen Bieber mir daraus etwas aussuchen werde.
Grüsse aus Rhosgobel

Radagast

Andrew

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28

Dienstag, 17. Oktober 2006, 22:41

Es ist mehrfach bemerkt worden, dass es besonders amerikanische Autorinnen sind, deren Kriminalromane „very british“ geschrieben sind.

Das gilt in gewisser Hinsicht auf für Laurie King, die 1952 in der Nähe von San Franzisko geboren wurde. Sie studierte in Santa Cruz und Berkeley Theologie, ging aber nicht ins Pfarramt oder an die Uni, sondern zog sich mit ihrer Familie aufs Land, wo sie sich ihren Kindern und der Instandsetzung der Farm widmete. Ihr theologisches Fachwissen bringt sie in einige ihrer Romane auf faszinierende und interessante Weise ein.



Zunächst schreibt sie als Hobby-Autorin. Ihren Erstling, „Die Gehilfin des Bienenzüchters“ vollendet sie 1987. Es soll sieben Jahre dauern, bis er veröffentlicht und ein großer Erfolg wird. Auf dieses Buch möchte ich kurz hinweisen:

Die hochgebildete junge Mary Russel lernt den älteren Sherlock Holmes kennen, der sich als Bienenzüchter ins Privatleben zurückgezogen hat. Er ist von der selbständigen und klugen Mary fasziniert und unterrichtet sie. Dadurch kommt auch er mit seinen detektivischen Fähigkeiten wieder in Kontakt. Gemeinsam müssen sie schon recht bald den ersten Fall lösen, denn Sherlocks Leben ist in Gefahr …

Ich hätte ein Buch mit diesem Klappentext nicht unbedingt gekauft, aber ich bekam es geschenkt und habe es aus Höflichkeit gelesen. Ich war begeistert. Dieser Roman ist keineswegs kitschig oder klischeehaft, und er lebt auch nicht vom Rückgriff auf den guten alten Sherlock. Vielmehr wird hier ein in bester englischer Tradition erzählter Roman mit interessanten Personen und spannender Handlung vorgelegt. Manche Sherlock-Fans jaulen auf. Macht nichts. Mir hat es so gut gefallen, dass ich bisher alle Romane von Laurie King gelesen habe.

Bisher sind auf Deutsch aus der Mary Russell-Sherlock Holmes-Reihe erschienen:

Die Gehilfin des Bienenzüchters;
Tödliches Testament;
Die Apostelin (hier merkt man, dass Laurie King eine theologisch und religionsgeschichtlich hochgebildete Autorin ist: es geht um die Bedeutung der Frau in der Anfangszeit der christlichen Religion);
Das Moor von Baskerville (IMO das schwächste Buch aus dieser Reihe, aber dennoch lesenswert!!!).

Auf andere Romane weise ich später hin.

Freundliche Grüße aus dem Nordwesten von Andrew
„Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

Alfred_Schmidt

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29

Dienstag, 17. Oktober 2006, 22:46

Ich merke nur an - ohne zu werten:

Kein Wunder, wenn jemand Inspekotor Jury zu m Gähnen findet, der Realo-Krimis gern liest - bei mir ist es geanu umgekehrt - Realo-Krimis widern mich an.

Ich wollte eigentlich damit nur für Mitleser zum Ausdruck bringen, wie verschieden die Geschmäcker sein können.
Während ich das schreibe wird mir gbewusst, daß das Litereaturforum ja gar nicht von Mitlesern gesehen werden kann.

mfg
aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Radagast

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30

Dienstag, 17. Oktober 2006, 23:24

Zitat von »Alfred_Schmidt«

Ich merke nur an - ohne zu werten:

Kein Wunder, wenn jemand Inspekotor Jury zu m Gähnen findet, der Realo-Krimis gern liest - bei mir ist es geanu umgekehrt - Realo-Krimis widern mich an.

Da hast Du im Prinzip völlig Recht, aber ich lese auch sehr gerne historische Krimis, und die sind doch von Realo-Krimis genauso weit weg wie ein Inspektor Jury.

Für mich müssen Krimis eine gewisse Logik haben, dabei sollten sie nicht so holprig sein, dass sie konstruiert wirken. Und es muss voran gehen. Dann ist es eigentlich egal , wann die Krimis spielen, ob im alten Rom, heute, in einer Zukunft oder in good old Britannia.
Grüsse aus Rhosgobel

Radagast