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BigBerlinBear

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1

Dienstag, 7. Dezember 2004, 21:09

Die Orgelwerke Dietrich Buxtehudes

Buxtehude gehört zu den wenigen bedeutenden Komponisten, von denen keine Autographen auf uns gekommen sind.
Wir müssen also mit den Kopien, von denen die ältesten um 1700 datierbar, die spätesten um 1780 entstanden sind, leben.
Man muss wohl davon ausgehen, daß mehr als die Hälfte des ursprünglichen Werkbestandes (sowohl vokal wie instrumental)
verloren ging. Fachleute meinen, daß das vollständige Spätwerk des Meisters, (ab1685) NICHT auf und gekommen ist, was wahrhaftig als ein großer und unersetzlicher Verlust zu beklagen ist.

Im 20.Jahrhundert war es der Schriftsteller Hans Henny Jahnn, der Buxtehudes Orgelwerke zum ersten mal einer größeren Öffentlichkeit erschlossen hat und der Weg war geebnet, den Lübecker Meister aus dem Schatten seines "Schülers" Bach treten zu lassen.

Vorstellen möchte ich hier meine "Lieblings-Gesamteinspielungen" der Orgelwerke des Meisters, die so von der Interpretation und auch von der Auffassung der Musik nicht unterschgiedlicher sein könnten:

Die Gesamteinspielung Prof. Harald Vogels auf Orgeln des vor allem norddeutschen Raumes zeichnet sich durch Klarheit,
profunde Kenntnis der Werke, und (was sehr wichtig ist) auch der benutzten Instrumente aus.

Die Aufnahme von Frau Prof. Helga Schauerte dagegen ist durch ungewöhnliche Registrierung und erkennbare Musizierfreude
ausserordentlich fazinierend.

Mit der großen Donati-Orgel (1673) in der westsorbischen "Hauptstadt" Luckau wurde eines der schönsten Instrumente in Deutschland ausgewählt, das es wert is, so schnell wie möglich wieder in seinen Original-Zusand versetzt zu werden. Es unterscheidet sich grundlegend von den Werken Hans Scherers d.J. aber auch von den norddeutschen Werken eines Arp Schnitker.Helga Schauerte entlockt allen vorgestellten Instrumenten sozusagen "unerhörte" Klänge
Für all jene, die Bachs Werke kennen, seien die Kompositionen Buxtehudes, die denen seines "Gast-Schülers" um nichts nachstehen, wärmstens empfohlen:





Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

Alfred_Schmidt

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2

Dienstag, 7. Dezember 2004, 22:25

Hallo Big Berlin Bear,


Leider bin ich ja kein Orgel-Spezialist, und natürlich auch kein Buxtrehude-Kenner. Trotzdem ist er kein Niemandsland au meiner Klassik-Landkarte.

Vor Etlichen Jahre erwarb ich 2 CDs einer Serie, die ich leider nicht vollendet habe, weil es das Label heut gar nicht mehr gibt.

Der Organist Wolfgang Rübsam war mir zumindet dem Namen nach bekannt, heute spielt er für Naxos AFAIK.

Aber während ich den Text hier schreibe, habe ich ohne daß ich angenommen habe auch nur Spuren dieser uralten Aufnahmen zu finden, gesehen, daß es offenbar noch einige CDs aus dieser Serie gibt:



Ich besitze aus dieser Serie jedenfalls die Nr 4 und 5

Nr 4
____________________________________

1. Magnificat BuxWV 203 im 1. Ton
2. Danket dem Herren, denn er ist freundlich BuxWV 181
3. Nun lob, mein Seel, den Herren BuxWV 212
4. Auf meinen lieben Gott BuxWV 179
5. Gelobet seist du, Jesu Christ BuxWV 188
6. Ach Gott und Herr BuxWV 177
7. Magnificat BuxWV 204 im 1. Ton
8. Wie schön leuchtet der Morgenstern BuxWV 223

Nr 5

_________________________________________

x. Toccata und Fuge F-dur BuxWV157
1. Ich dank' dir schon durch deinen Sohn BuxWV 195
2. Canzonetta BuxWV 167 C-dur
3. Nun lob, mein Seel, den Herren BuxWV 213
4. Präludium und Fuge BuxWV 143 e-moll
5. Präludium und Fuge BuxWV 141 E-dur
6. Canzonetta BuxWV 169 e-moll
7. Canzonetta BuxWV 225 a-moll
8. Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ BuxWV 196
9. Präludium BuxWV 158 a-moll

Ob es sich dabei um repräsentative Werke Buxtehudes handelt weiß ich nicht.


Was ich aber noch in guter Erinnerung habe (und mein Eindruck bestätigt sich beim Hineinhören) ist, daß Buxtehude sehr abwechslungsreich, fast möchte man sagen temperamentvoll komponiert hat.

Die Aufnahmetechnik ist übrigens superb.


Beste Grüße aus Wien

Alfred

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reklov29

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3

Samstag, 11. Dezember 2004, 22:14

RE: Die Orgelwerke Dietrich Buxtehudes

Hallo BigBerlinBaer,
was für ein wunderbarer Thread über Dietrich Buxtehude
Deine Aussage:
Für all jene, die Bachs Werke kennen, seien die Kompositionen Buxtehudes, die denen seines "Gast-Schülers" um nichts nachstehen, wärmstens empfohlen:
________________________________________________________
Diese Aussage kann von mir im vollem Umfang nur bejaht werden........
--------------------------------------------------------------------------------------------------
Einer der größten und vrituosesten Orgelkomponisten, Begründer der Norddeutschen barocken
Orgelkompositionen......

Es ist kein Wunder, dass Johann Sebastian Bach den beschwerlichen Fußweg nach Lübeck nicht scheute, um Dietrich Buxtehude Orgel spielen zu hören; die Orgelmusik des ‘Deutsch-Dänen’ ist von einer Ausdruckstiefe und kompositorischen Qualität, die ihresgleichen suchen.
Selbst ein Händel bewarb sich um die Stelle des Organisten an der Lübecker Marienkirche.

Doch dieser durch und durch norddeutsche Organist hatte zu jener Zeit einen weithin ausstrahlenden Ruf, den er in langen Jahren begründet hatte und der ihm zu Recht vorauseilte – beeinflusste er doch viele seiner komponierenden Altersgenossen vor allem mit seinen harmonisch kühnen Orgelwerken.

Beeinflusste er doch viele seiner komponierenden Altersgenossen vor allem mit seinen harmonisch kühnen Orgelwerken, aber auch mit seiner Vokalmusik, die, weit weniger streng, vorwiegend an italienischen Vorbildern orientiert war. Diese Werke füllten die geistlichen Abendmusiken, die Buxtehude nach seinem Amtsantritt 1668 in Lübeck weiterführte und mit neuem Leben füllte.

Aus der Historie heraus kann gesagt werden, dass Buxtehude der Ziehvater J.S.Bachs für seine
Orgelkompositionen darstellte....

Buxtehudes Ciacona in c-Moll war wohl ein unmittelbares Vorbild für Bachs große eigene c-Moll-Giacona.

Buxtehude primär virtuose Präludien und Fugen sowie Variationenwerke – zum anderen in den Choralvorspielen. In beiden prägte Buxtehude einen eigenen Typus: Während er bei den Präludien einen hochvirtuosen Toccatenstil mit eingeschobenen fugierten Passagen bevorzugte, ist der überwiegende Teil seiner Orgelchoräle so gestaltet, dass der Choral verziert in der Oberstimme erklingt und die Mittelstimmen für die reiche harmonische Grundierung sorgen.

Unter Orgelliebhabern recht bekannte Präludien sind die zwei g-Moll-Werke BuxWV 149 und 148; sowie das Präludium in C-Dur BuxWV 137, dazu drei hochexpressive Variationenwerke(Ciacona in c-Moll BuxWV 159, Passacaglia in d-Moll BuxWV 161, Ciacona in e-Moll, BuxWV 160.

Auf eine dänische Einspielung der Gesamtwerke Buxtehudes Orgelwerke möchte ich auf folgenden
dänischen Label aufmerksam machen: Dacapo
mit der Interpretin:
Bine Bryndorf, die unter anderem in Wien bei Michael Radulescu studierte. Bryndorf empfiehlt sich als hundertprozentig stilsichere und mit makelloser Technik ausgestattete Interpretin der Orgelmusik Buxtehudes. Sie spielt auf einem wirklichen ‘Originalinstrument’, der von Johan Lorentz um 1641 gebauten, 1997 in den Originalzustand zurückversetzten Orgel in der St. Marienkirche von Elsinore, einem herrlichen Werk mit sehr charakteristischen Klangfarben.



Obige CD ist in meinem Besitz und ist eine schöne Einspielung an der Schnitger-Orgel von St.Jacobi
in Hamburg.....

Herzliche Grüße aus Spenge
relov29
Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
Zitat: J.E.G.

4

Mittwoch, 6. April 2005, 23:55

meinen 100. Beitrag widme ich gerne dem so unterschätzten Komponisten Buxtehude.

mein Zugang war zunächst über das Repertoire meines Orgellehrers... unter den "ausgewählten Stücken der Weltliteratur", die er alle seiner Schüler rauf und runterspielen ließ, waren auch 3 oder 4 von Buxtehude... zuerst war ich noch nicht begeistert...
dann hat mir ein komponist die Empfehlung gegeben, mir mal Buxtehude genauer anzusehen, da gäbe es Besseres zu finden als bei Bach...
das war mir zu allgemein - und der Typ war arrogant, also ließ ichs wieder bleiben..
die dritte Gelegenheit war ein Wettbewerb, bei dem ich ein kleines g-Moll Präludium spielen mußte - ein Juror sagte mir, daß ich den "Stylus phantasticus" gut spielen könne..

bis ich eines Tages beim Bach-Spielen an einem toten Punkt angekommen war. Mein Problem war, daß es so wenige Stücke von Bach gab, die die Spontaneität der Toccaten - auch unter diesen Werken ist die "bekannte" 565er einfach das Fantasievollste Werk.

Und dann geschah es, daß ich Buxtehude entdeckte...

die Stücke sind schwieriger zu spielen - die Pedaltechnik anspruchsvoller...ich nehme fast an, daß Bach vor allem das gelernt hat...

die Fugen sind strenger als bei Bach; keines dieser "harmonisch orientierten" Zwischenspiele" innerhalb einer Fuge, sondern sehr kompakte Verarbeitung des Themas, oft mit gleichbleibenden Kontrapunkten und sehr lebhafter, synkopierter Rhythmik.
dazwischen immer wieder freie fantasieartige Teile mit virtuosen Läufen und Trillern.

als Zusammenfassung:
wer interessiert ist, Stücke kennenzulernen, die sich mit der legendären d-Moll Toccata messen können, ist bei Buxtehude an der richtigen Adresse.
Leidenschaftliche, mitreißende Musik, die alle Facetten der Barockorgel zeigt.


jetzt bleibt mir nur noch eins, endlich mit dem Üben zu beginnen....


Liebe Grüße,
Wolfgang
Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
(frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

BigBerlinBear

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5

Donnerstag, 7. April 2005, 11:08

Tastenwolf schrieb:

Zitat

die Spontaneität der Toccaten - auch unter diesen Werken ist die "bekannte" 565er einfach das Fantasievollste Werk.


Hallo Wolfgang, ich weiss nicht, ob dir bekannt ist, welche Komposition
sozuagen die "Vorlage" für BWV 565 ist; das emoll-Praeludium des Buxtehude-Schülers Nicolaus Bruhns (1665-1697), das Bach auf jeden Fall bei seinem Besuch in Norddeutschland kennengelernt hat.
Mein Lehrer Joshua Rifkin geht soweit, für 565 die Autorschaft Bachs
zu verneinen und schreibt das Werk Bruhns zu
8)
Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

Karsten

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6

Mittwoch, 4. Mai 2005, 12:44

RE: Die Orgelwerke Dietrich Buxtehudes

Kennt hier jemand die Gesamtaufnahme des Dänen Ulrik Spang-Hanssen (Classico)? Die Aufnahmen sind (auszugsweise) als Lizensausgaben sehr günstig zu haben.

Spang-Hanssen spielt an verschiedenen historischen und historisierenden Orgeln in Dänemark, Deutschland und Frankreich.

Seien Spielweise ist äussert frisch und zeichnet sich neben historisch informiertem Spiel durch enorme Spielfreude, man könnte schon sagen: Spielwitz aus. Je nach Ausgabe sind in den Booklets umfangreiche Informationen zu Interpret, Werken, Orgeln und Registrierunegn angegeben.

Weitere Meinungen zu den Aufnahmen würden mich interessieren.

Gruß
Karsten

BigBerlinBear

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7

Mittwoch, 4. Mai 2005, 13:14

Hallo Karsten,

die Aufnahmen Spang-Hansens sind gut, frisch und voller Spielfreude !
Sollten die jetzt wneig kosten, ist es sicher eine gute Wahl !
Allerdings hat Helga Schauerte die interessanteren Orgeln, allen vorran die wunderbare Donat-Orgel der Stadtkirche in Luckau/Brandenburg von 1673 ! Ich sag mal so: den Spang-Hansen würd ich einem "Einsteiger" in Sachen Bux schenken, die Schauerte-Aufnahmen würd ich selber behallten :D
Der von dir an anderer Stelle gelobte Harald Vogel ist sicher einer der profundesten Kenner des buxtehudeschen Oevres, mir stellenweise aber einfach etwas zu "professoral" :rolleyes:
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Karsten

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8

Freitag, 24. Juni 2005, 12:11

aktuelle Verbraucherinformation

Zitat

Original von BigBerlinBear
die Aufnahmen Spang-Hansens sind gut, frisch und voller Spielfreude !
Sollten die jetzt wneig kosten, ist es sicher eine gute Wahl !

Die besagte Aufnahme (6 CDs) kostet im aktuellen 2-Monats-Katalog eines bekannten deutschen CD- und Bücherversands nicht mal 10 Euro... ;)

Gruß
Karsten

BigBerlinBear

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9

Freitag, 24. Juni 2005, 14:22

Selbstzitat:

Zitat

die Aufnahmen Spang-Hansens sind gut, frisch und voller Spielfreude !


So jedanfalls hatte ich das in Erinnerung von 1990 und ich ließ mir dieser Tage die Box für unter 10 € durch einen bekannten Klassik-Versandhandel ins Haus kommen
:D

Zuerst hörte ich die CD mit Werken, eingespielt auf der phänomenalen Raphaelis-Orgel im Dom zu Rosklilde und was Spang-Hansen da an Registrierungsvielfalt abliefert, kann man getrost und ohne zu zögern in die Tonne treten !!! Um alles, was den ganz besonderen Klang-Charakter dieses Instrumentes ausmacht, schlägt der Player einen Bogen wie der Teufel, der das Weihwasser fürchet. Die wunderbaren Lorentz-Register, die uns eine Ahnung davon vermitteln, wie die Orgeln des legendären Gottfried Fritsche geklungen haben könnten, werden völlig ignoriert.
Das alles ist zwar Flott, mit Pepp und gebotener manueller Geschicklichkeit gespielt, klingt aber, wie auf einem Allerwelts-Instrument
des 20. Jh.. Das ganze mutet an, als interpretierte es ein junger, neugieriger Amerikaner, der zwar das technische Rüstzeug für dergleichen, nicht jedoch den geistigen Background besitzt, der in dieser Musik AUCH ist und der sich entfalten muss, wenn man den ganzen Buxtehude haben will. Ich revidiere deshalb meine Meinung aus 1990 und senkden Daumen nach unten ! :angry:
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10

Montag, 8. Mai 2006, 18:09

Reklov:

Zitat

Sie spielt auf einem wirklichen ‘Originalinstrument’, der von Johan Lorentz um 1641 gebauten, 1997 in den Originalzustand zurückversetzten Orgel in der St. Marienkirche von Elsinore,


Hallo Volker, leider ist das nicht ganz so, denn "original" an dieser Orgel ist (leider) NUR der Prospekt aus dem Jahre 1641. Das komplette "Innenleben" des Instrumentes ist ein Produkt der Fa. Marcussen aus dem Jahr 1997.
Entstanden ist ein schönes Instrument, das sich am norddeutschen Orgelbau
(Scherer, Schnitker) orientiert, die Chance jedoch, darin auch "Lorentz-Register" wieder zu beleben, (Lorentz war, im Gegensatz zu Scherer und Schnitker kein Norddeutscher, sondern Sachse !) wurde leider vergeigt...
Die letzten "überlebenden" Lorentz-Register" kann man heute an der Raphaelis-Orgel im Dom zu Roskilde bewundern. Die eng mensurierten Prinzipale der Lorentz-Orgeln kamen dem Gambenklang der alten Streichinstrumente sehr nahe. Lieblichkeit und Anmut des Klanges waren von erstrangiger Bedeutung.

Von Bine Bryndorfs Buxtehude-Einspielung , von der ich, im großen ganzen gesehn, recht angetan bin, ist mittlerweile Vol. 4 erschienen.
Bryndorf setzt auf äusserste Transparenz und die Durchhörbarkeit ALLER Stimm-Verflechtungen, könnte allerdings bei der Farbgebung mittels Registrierung hin und wieder etwas mutiger sein...
Wer Buxtehude jenseits extremer Auffassungsweise kennelernen möchte, ist mit dieser Einspielung gut bedient, wenn auch die historisch intendierte Marcussen-Orgel ein Original-Instrument nicht ersetzen kann:

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11

Mittwoch, 10. Mai 2006, 07:45

Nachtrag zur Bryndorf-Einspielung:

Vol. 4 der Buxtehude-Gesamteinspielung durch Bine Bryndorf.
Diese wurde diesmal NICHT auf der Marcussen-Orgel in Elsinore, sondern auf der "Düben-Orgel" der Deutschen Kirche in Stockholm erstellt.
Das Original-Instrument baute im Jahr 1609 Paul Müller aus Spandau bei Berlin.
Vater und Sohn Düben liessen die Orgel umdisponieren und im Jahr 1684 war
ein Instrument entstanden, das allen Ansprüchen der damaligen Zeit entsprach. Um 1780 wurde die Orgel in verschiedene Gemeinden Nordschwedens verkauft, wo Hauptwerk und Rückpositiv mit einem hohen Anteil originaler Bausubstanz noch heute ihren Dienst tun.
Dieses erleichetere die Arbeit der Rekonstruktöre natürlich ganz erheblich.
Die Arbeiten wurden von der renommierten Firma Grönlund unter fachkundiger
Aufsicht durch Prf. H.O. Ericsson und Prf. Harald Vogel durchgeführt.
Entstanden ist auf diese Weise ein wunderbar klingendes, sehr obertonreiches
Werk mit einer Fülle an Klangfarben.
Und genau diese setzt Frau Bryndorf inspiriert ins "rechte Licht". Für mich ist diese Einspielung eine der erfreulichsten Buxtehude-Interpretationen der letzte Jahre.




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reklov29

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12

Samstag, 13. Mai 2006, 01:01

Bine Bryndorf Buxtehude-Einspielungen

Hallo BigBerlinBär,

ein interessantes Statement nach Monaten zu Buxtehudes Orgelwerke von Dir und Danke für den Tipp der Neueinspielungen.

Zitat:
leider ist das nicht ganz so, denn "original" an dieser Orgel ist (leider) NUR der Prospekt aus dem Jahre 1641. Das komplette "Innenleben" des Instrumentes ist ein Produkt der Fa. Marcussen aus dem Jahr 1997.
Entstanden ist ein schönes Instrument, das sich am norddeutschen Orgelbau
(Scherer, Schnitker) orientiert, die Chance jedoch, darin auch "Lorentz-Register" wieder zu beleben
---------------------------
da stimme ich Dir zu, wo gibt es sonst noch wirkliche Original-Orgeln, nach Jahren bedürfen alle Orgeln einer Überholung und sind somit keine im Originalzustand. Wenn damit gepriesen wird. dass das Instrument wieder in den Originalzustand zurückversetzt wurde, ist es eben doch kein Original, auch wenn Teile (Prospekt, Original-Pfeiffen, etc.) Wiederverwendung finden.

weiteres Zitat:
Nachtrag zur Bryndorf-Einspielung:
Vol. 4 der Buxtehude-Gesamteinspielung durch Bine Bryndorf
---------------------------
Mich überrascht die Damenwelt, ob Helga Schauerte oder Bine Bryndorf mit wirklich hervorragenden
Buxtehude-Interpretationen und Einspielungen, Hut ab, da müssen sich die männlichen Interpreten schon ins Zeug legen, um diese gekonnte Klasse ebenbürtig rüber zu bringen.

Grüsse
Volker.
Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
Zitat: J.E.G.

Albus

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13

Freitag, 21. Juli 2006, 14:18

Dietrich Buxtehude, Orgelwerke

Tag,

vor Tagen hatte ich bei Gelegenheit meines Hinweises auf Kammermusik von Dietrich Buxtehude mit einem Blick auf die Orgelwerke geendet.

Die Vol. 1-5 der Dietrich Buxtehude, Orgelwerke, sämtlich NAXOS (bei jpc), sind eingetroffen. Man, ich, meine Frau, wir, höre(n) da nun seit wenigen Tagen etwas Enormes, die Toccaten, die Praeludien. Um mich zu vergewissern schlug ich rasch nach in Guido Adler, Handbuch der Musikgeschichte, Band 2 - über den Index und konsultierendes Lesen gelangt man zur Seite 561. Und nun, die Versprachlichung des innerlich noch Zurückgehaltenen im dortigen Text: gerühmt wird Dietrich Buxtehude mit Blick auf die Toccaten und Praeludien für seine "Einfälle von phantastischer Dämonie".

Die Aufnahmen (aus den Jahren 1999-2005) tun das Ihrige, es sind Aufnahmen von großer Dynamik. Produzent Wolfgang Rübsam, der auch selbst eine CD bespielte.

Mit freundlichen Grüßen
Albus

AH.

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14

Freitag, 21. Juli 2006, 14:34

Hallo Albus,

was für ein Instrument findet Verwendung?

Orgelmusik der norddeutschen Schule, deren bedeutender aber keineswegs alleiniger Vertreter Buxtehude ist, verlangt nach Instrumenten von z.B. Scherer oder Schnitger (ersatzweise Stilkopien), ebenso wie man z.B. für Reger eine Sauer-Orgel oder für Widor ein Cavaille-Coll-Instrument wünschen sollte.

Gruß

Andreas
De gustibus non est disputandum (über Geschmäcker kann man nicht streiten)

Karsten

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15

Freitag, 21. Juli 2006, 15:22

Zitat

Original von AH.
was für ein Instrument findet Verwendung?

Ich erlaube mir zu antworten:

Orgelwerke Vol. 1
- Magnificat im 1.& 9.Ton BuxWV 203 & 205
- Präludien BuxWV 139, 147, 149, 152
- Choräle BuxWV 178, 190-192, 198, 224
Volker Ellenberger / Orgel Lutherische Kirche Bückeburg

Orgelwerke Vol. 2
- Choräle BuxWV 75, 137, 197, 199, 207, 208, 212, 221, 223
- Präludien BuxWV 137 & 153
- Toccata BuxWV 164
- Fuga Bux WV 174
- Ciaccona BuxWV 160
Julia Brown / Brombaugh Orgel Central Lutheran Church Eugene, Oregon (USA)

Orgelwerke Vol. 3
- Präludium & Fuge BuxWV 146
- Ciacona BuxWV 159
- Te Deum laudamus BuxWV 218
- Passacaglia BuxWV 161
- Präludium BuxWV 142
- Choräle BuxWV 180, 182-186
Wolfgang Rübsam / Orgel Central Lutheran Church Eugene, Oregon

Orgelwerke Vol. 4
- Präludien BuxWV 140, 141, 143
- Canzonetten BuxWV 168, 169, 171
- Toccata BuxWV 155
- Choräle BuxWV 177, 181, 187, 189, 193, 200, 202, 208, 211, 217
Craig Cramer / Orgel Pacific Lutheran University Tacoma, Washington

Orgelwerke Vol. 5
- Toccaten BuxWV 156 & 157
- Präludien BuxWV 148 & 151
- Canzonetta BuxWV 172
- Fugen BuxWV 175 & 176
- Choräle BuxWV 196, 201, 206, 210, 219, 220
Julia Brown / Orgel Saint Cecilia Cathedral Omaha, Nebraska

Weitere Infos (Dispositionen etc.) zu den Orgeln lassen sich problemlos ergoogeln.

Hinweis an die Moderation:
Wäre es möglich, die beiden Bustehude-Orgelthreads zu verschmelzen. Da es keine chronologischen Überschneidungen der Beiträge gibt, sollte das kein Chaos verursachen. Dank und Gruß!

Gruß
Karsten

BigBerlinBear

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16

Freitag, 21. Juli 2006, 16:15

AH:

Zitat

verlangt nach Instrumenten von z.B. Scherer oder Schnitger (ersatzweise Stilkopien),


Stilkopien sind hier die Orgeln von CD von CD 2,3,4.
Die Orgel von CD 1 wäre nicht meine 1. Wahl gewesen, CD 5 hab ich eben erst geordert.
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Albus

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17

Montag, 24. Juli 2006, 08:50

Morgen,

danke für die Vereinigung; so ist es entschieden richtig.

Das Instrument auf der CD 4 ist ein recht mächtiges Stück von Orgel; Craig Cramer, Organist, weiß die Möglichkeiten zu nutzen. Die Frau Julia Brown (CD 5 und CD x) hat einen etwas unglücklichen Hang zum Pedal-Ostinato, was unnötig nivelliert.

Ich bemerke noch, seit meinen Gesprächen mit Zsigmond Szathmary über die Eignung von Orgeln für bestimmte Formen von Musik glaube ich nicht mehr an irgend herausragende Spezialitäten. Ausgangspunkt unserer seinerzeitigen Überlegungen war die - angeblich - für moderne Orgelmusik besonders hergerichtete Orgel in der Kirche Hamburg-Wellingsbüttel (Zacher, Allende-Blin). Szathmary hatte deren Vorgängertum zu überbieten, als Organist, auch als Komponist griff er zu. Ob nun Liszt, Ligeti, Bach, Buxtehude, Froberger - auf die Komposition und den Interpreten kommt es an. Wie auch sonst.

Freundliche Grüße
Albus

Karsten

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18

Dienstag, 25. Juli 2006, 15:07

Zitat

Original von BigBerlinBear
Die Orgel von CD 1 wäre nicht meine 1. Wahl gewesen, CD 5 hab ich eben erst geordert.

Die Pasi-Orgel der Saint Cecilia Cathedral Omaha, Nebraska ist ein hochinteressantes Instument: es handelt sich um eine Orgel mit zwei Temperierungen. Durch eine raffinierte Konstruktion der Windladen und Verwendung von 8 zusätzlichen Pfeifen pro Oktave für einige Register ist es möglich, die Orgel einmal als ein mitteltöniges Instrument von zwei Manualen und 29 Registern zu verwenden oder als großes Instument (III/55) in einer wohltempertierten Stimmung für romantische und moderne Werke zu verwenden.
Ähnliche Konzepte mit Doppeltemperierungen wurden zuvor in den USA schon an der Stanford University (C.B. Fisk, Op. 85) und in Deutschland an der Wegscheider Orgeln der Allstedt Schloßkapelle (Op. 1) und in Dresden-Wilschdorf (Op. 21) realisiert.

Gruß
Karsten

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19

Dienstag, 25. Juli 2006, 15:37

Hallo Karsten gewiss, alles richtig ... Meine Kritik richtet sich auch nicht gegen das Instrument mit zwei Temperierungen, denn dergleichen hat Woehl mit seiner "Neuen Leipziger Bach-Orgel" ebenfalls umgesetzt !
HIER überzeugte mich das klangliche Ergebnis restlos und die Erfahrung, auf ein und demselben Instrument sowohl Buxtehude, Scheidt aber eben auch
Messiaen erleben zu können, möchte ich nicht missen.
Die Mitteltönigkeit der der Pasi-Orgel liess bei mir jedoch Wünsche offen.
Möglicherweise liegt das an einer ungünstigen Mensurierung. Der Versuch, ein
"all in one instrument" zu produzieren, wird zwangsläufig immer damit enden, das etwas auf der Strecke bleibt. Auch im Ogelbau gibt es keine "eierlegende
Wollmilch-Sau", will sagen, ein Instrument, das alles kann und auf dem jede
Stilepoche artgerecht ertönt: das wird wohl Illusion bleiben....
Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

Karsten

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Dienstag, 25. Juli 2006, 16:12

Zitat

Original von BigBerlinBear
Hallo Karsten gewiss, alles richtig ... Meine Kritik richtet sich auch nicht gegen das Instrument mit zwei Temperierungen, denn dergleichen hat Woehl mit seiner "Neuen Leipziger Bach-Orgel" ebenfalls umgesetzt !

Hallo!
Ich habe diese Infos nicht aufgrund von Kritik eingestellt (Vol. 1 wurde ja nicht auf der Pasi eingespielt), sondern als allgemeine Hintergrundinfos zu Vol.5 , das du ja zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht hattest.
Woehl realisiert eine doppelte Temperierung momentan in Flensburg (St. Nikolai). Die Leipziger Bach-Orgel von Woehl hat nur "eine ungleichschwebende Stimmung nach Andreas Werkmeister für den 'Bassus continuus'", allerdings hat diese Orgel eine Kammertonkoppel, d.h. die Orgel kann auch im Kammerton, also einen Halbton tiefer gespielt werden.

Gruß
Karsten

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Mittwoch, 26. Juli 2006, 14:04

Hallo Karsten, ich hätte in Leipzig mal genauer hinsehen sollen, dann wär mir das mit der Kammertonkoppel selber aufgefallen ! :beatnik:
Mittlerweile ist auch CD 5 der Naxos-Edition bei mir eingetroffen, wurde mehrfach angehört und fand Gnade ! :D
Wär die Einspielung vor 3, 4 Jahren erschienen, hätte ich sie gewiss noch höher bewertet, doch kam inzwischen mit Schauerte und Bryndorf ernstzunehmende Konkurrenz auf den Markt.
Der Interpret bei Naxos, der Buxtehude "am nächsten" ist, ist zweifellos Craig
Cramer. Über da Flensburger Projekt habe ich mich eben über die Website der Nikolaikirche Informiert. Auf das "klingende Resualtat" darf man da wohl wirklich gespannt sein....
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Albus

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Mittwoch, 26. Juli 2006, 14:19

Tag,

ich höre nun Abend für Abend Toccaten und Praeludien, aber auch zur Erleichterung Choralvorspiele. Ich muss sagen, das Praeludium BuxWV 149 (Vol. 1, Track 12) macht einen völlig fertig. Bei, ich sage, werkgerechter Lautstärke im 115 cbm-Hörraum bin ich am Ende erschöpft. Im kleinen Hörraum, 40 cbm, ist Derartiges nicht anhörbar, die Atemluft bleibt fast weg.

Dietrich Buxtehude, von woher komponiert der leidenschaftliche Mann. Vom Ende her?

Freundliche Grüße
Albus

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Mittwoch, 26. Juli 2006, 14:40

Albus:

Zitat

Dietrich Buxtehude, von woher komponiert der leidenschaftliche Mann. Vom Ende her?


Hallo Albus, ja wenn man das wüsste ! Dabei muss man bedenken, daß aus den letzten 25 Lebensjahren Buxtehudes KEINE (weder Orgel- noch Vokalwerke überliefert sind. Die Buxtehude-Forschung geht davon aus,
daß die letzten annähernd datierbaren Werke aus dem Jahre 1686 stammen, Buxtehude lebte und komponierte jedoch bis zum Jahr 1707 !




Die wirklich schönste CD mit Buxtehudes Kammermusik ist beim auidiophilen Label Alpha erschienen, die solltest du unbedingt haben !

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Albus

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24

Mittwoch, 26. Juli 2006, 14:46

Tag erneut,
und Tag BigBerlinBär,

um den Stylus Phantasticus werde ich mich kümmern. Danke!

Freundliche Grüße
Albus

AH.

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Mittwoch, 26. Juli 2006, 15:05

Glücklicherweise finden sich Werke von Buxtehude regelmäßig in den Programmen der Orgelkonzerte. Diese sind oft kostenfrei oder spendenfinanziert und ebenso oft dennoch nur maßvoll besucht. Dies als Ermutigung, eine Originaldarbietung aufzusuchen, dabei treten auch keine Probleme mit dem Hörraum auf ;)

Ich lernte Buxtehude vor vielen Jahren durch die Konzerte Manfred Brandstetters kennen und schätze seine ganz von musikalischem Feuer durchglühten Werke bis heute mehr, als die meisten Werke Bachs, denen dieses Feuer zu oft schmerzlich fehlt.

Noch eines, weil ich es gerade las:

Zitat

Buxtehudes Ciacona in c-Moll war wohl ein unmittelbares Vorbild für Bachs große eigene c-Moll-Giacona.


Es dürfte die c-moll Passacaglia von Bach gemeint sein, eine c-moll Chaconne von Bach kenne ich zumindest nicht, nur eine in d-moll (für Violine Solo).
Jedenfalls hat sich Bach bei beiden erkennbar Mühe gegeben, was nicht verwundert, wenn man ständig so einen Riesen hinter sich marschieren hört.

Gruß

Andreas
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26

Mittwoch, 26. Juli 2006, 15:27

AH:

Zitat

Ich lernte Buxtehude vor vielen Jahren durch die Konzerte Manfred Brandstetters kennen und schätze seine ganz von musikalischem Feuer durchglühten Werke bis heute mehr, als die meisten Werke Bachs, denen dieses Feuer zu oft schmerzlich fehlt.


Buxtehude und Bach miteinander vergleichen zu wollen, ist wenig sinnvoll, nicht nur, weil sie verschiedenen Generationen angehörten, sondern auch, weil sie als Musiker unterschiedliches wollten. So ist Buxtehude zusammen mit J.A. Reinken, vor dem Bach in Hamburg im Jahr 1723 spielte, der letzte Vertreter
einer Orgelmusik, die seit Sweelinck sich zur Eigenständigkeit emanzipierte und in den überlieferten Orgelwerken Buxtehudes gipfelt. Bach hingegen, als typischer Vertreter des Spätbarock, ist sich darüber im klaren, neue Wege gehen zu müssen und deshalb konzentriert er sich mehr auf formale Aspekte
des Orgelspiels, von denen er gaubt, sie künftigen Generationen überliefern zu müssen. Buxtehude ist, in seiner Vokalmusik ist das noch deutlicher erkennbar
als in den Orgelwerken, in erster Linie Lyriker. Sein Metier sind weit ausschwingende Melsimen, während Bachs Talent da eher im rhetorisch-deutenden angesiedelt ist. Wichtig scheint mir vor allem, das es gelingt, Buxtehude als eigenständigen GROSSMEISTER und nicht nur wie bislang als nicht unbegabten Vorläufer Bachs publik zu machen.
Die neuerdings zunehmende Resonanz beim Publikum, die in kürzester Zeit erfolgten mehreren Gesamteinspielungen seiner Orgelwerke und die in angriff genommene Gesamteinspielung seiner Vokalmusik unter Ton Koopmans Leitung stimmen mich diesbezüglich optimistisch.
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AH.

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Mittwoch, 26. Juli 2006, 15:56

Unterschiedlicher künstlerischer Wille oder Zugehörigkeit zu einer anderen Generation schließen für mich einen Vergleich nicht von vorneherein aus. Dies hätte zur Folge, daß letztlich kaum ein Künstler mit einem anderen verglichen werden dürfte.

Neue Wege zu gehen, liegt im innersten Wesen der Kunst, aber die Betonung formaler Aspekte der Satztechnik steht für mich im Verdacht, bloßes Kunsthandwerk zu sein.
Ich persönlich habe bis heute Schwierigkeiten mit der überragenden Bedeutung, die Bach und Reger im deutschsprachigen Raum zugemessen wird, Komponisten, bei denen ich neben wirklicher Kunst auch viel Kunsthandwerk zu sehen meine.

Daher begrüße ich die von mir bisher unbemerkte Zunahme der Rezeption der Werke Buxtehudes sehr.

Gruß

Andreas
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Mittwoch, 2. August 2006, 20:55

Neu-Einspielung der Gesamtwerke Buxtehudes

Hallo BigBerlinBär,
Zitat:
Die neuerdings zunehmende Resonanz beim Publikum, die in kürzester Zeit erfolgten mehreren Gesamteinspielungen seiner Orgelwerke
-----------------------
Sind diese Neueinspielungen als Vorgriff auf das kommende Buxtehude-Jahr 2007 anzusehen?:jubel:



Grüsse
Volker.
Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
Zitat: J.E.G.

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Donnerstag, 3. August 2006, 07:21

Hallo Volker, die Neueinspielungen der Buxtehude-Werke mit Bryndorf ist eindeutig im Zusammenhang mit dem Jubiläum uzu sehen; die Naxos-Ausgabe jedoch nicht, ist sie doch schon seit Jahren in der "Mache" !

Manchmal hat so eine Festivität auch ungewollte Nebenerscheinungen und so werden z.b. bis zum Jahresende gleich 3 Einspielungen des sogenannten
"Jüngsten Gerichtes", eines wohl kaum den Opera des Lübecker Meisters
zuzuordnenden Werkes eher schlichter Bauart, auf dem Markt sein....

Die von Koopman geplante Einspielung SÄMTLICHER Vokalwerke dürfte nicht vor 2010 abgeschlossen sein doch ist immer noch mit Einzelveröffentlichungen zu rechnen, die durchaus auch ihren Wert haben können.
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Mittwoch, 9. August 2006, 17:32

Hallo BigBerlinBär!

Danke für Deine Rückmeldung. Habe es mir fast gedacht, dass aufgrund des Jubeljahres auch Neuveröffentlichungen dabei sein werden, die nicht zum Jubelausbruch einem verleiten.


Grüsse nach Berlin,
Volker.
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Zitat: J.E.G.