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sagitt

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1

Donnerstag, 9. Dezember 2004, 09:02

Claudio Monteverdi: Orfeo- der Beginn der Oper

Sagitt meint:

Orfeo wird öfter als erste Oper bezeichnet. Das stimmt nicht, aber es ist die früheste Oper, die heute noch immer wieder gespielt wird. Monteverdi war in Padua beschäftigt, den kunstsinnigen Herzog zu erfreuen und da passte es ( 1607) natürlich, dass eine Oper geschrieben wurde. Damals war noch nicht selbstverständlich, dass Handlungen gesungen werden ( was ja letztlich auch ziemlich unnatürlich ist). In der Frühzeit der Oper treten nicht nur Personen auf, sondern auch Prinzipien, die musica, die Esperanza. Immerhin fängt bei Monteverdi die psychologische Charakterisierung von Menschen ( später bei Incoranazione di Poppea noch ausgeprägter).

Orfeo ist großartige Musik, die Hirtenscenen, der Auftritt des Charon, der Klagegesang des Orpheus.

Musikalisch gibt es verschiedenen anhörbare Versionen. Zum Anschauen, und das zuerst, gibt es als Referenz immer noch Ponelle-Harnoncourt, Zurich 1977. Was da geschaffen wurde,muss schlicht als Gesamtkunstwerk angesehen werden. Harnoncourt steckt mit seiner Spielfreude alle Protagonisten an.
Ponelle stattet die Oper optisch hervorragend aus ( er kommt ja aus diesem Gebiet) und insceniert speziell für die Aufnahme mit eindrucksvollen Bildern ( wie sich Euridice und Orfeo annähern, wie Orfeo den Caronte bezirzt, wie die Mänaden den Orfeo zerreissen, wie Orfeo in den Sternenhimmel aufsteigt).
Das Orchester spielt beseelt. Orfeo ist -leider,leider- nach meinem Geschmack eine Fehlbesetzung. Ich mag die Stimme von Philippe Huttenlocher nicht und dann als Orfeo !
Sehr gut der noch sehr junge Araiza als erster Hirte ( eine Rolle, die 1955 Fritz Wunderlich in Hitzacker hatte) und Hans Franzen als Caronte ( der immerhin bis zum tiefen C hinunter muss).

Die Aufnahmen des Orfeo werde ich später einbringen.

Jetzt bin ich erst einmal auf die Diskuission gespannt.

MStauch

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2

Sonntag, 12. Dezember 2004, 00:12

Lieber Sagitt, liebe Forianer,

sowohl in der Darstellung wie musikalisch rangiert für mich die Züricher Aufnahme von Harnoncourt in der ersten Reihe der Interpretationen des Orfeo, leider ist sie auf DVD noch nicht allgemein zugänglich. Wann hat man diese Oper so beschwingt vorgetragen erlebt. Einer der grossen Verdienste Harnoncourts ist sicherlich, dass er den Zugang zu Monteverdis Opern gerade für das Publikum wieder erschlossen hat.

Vergleichbar in der Darstellung und im musikalischen Ausdruck ist der Orfeo von Jordi Savall (DVD BBC Opus Arte, Januar 2002), eine äußerst attraktive Aufnahme in Bild und Ton. Allein der Orfeo (Furio Zanasi) entspricht für mich nicht zu Hundertprozent dem Bild, das ich mit dieser Rolle verbinde.

Die Aufnahme von Gardiner (1987) wird immer wieder als Referenzaufnahme benannt. Sie ist IMO ungemein kunstvoll, das ländliche, bäurische, das tänzerische, das in dieser Musik auch enthalten ist, höre ich in dieser Aufnahme weniger.

Mindestens ebenbürtige, wenn nicht vorzuziehende Alternativen sind für mich deshalb die Aufnahmen von

Rene Jacobs (1995 harmonia mundi) sowie die von Philip Pickett (1992 DECCA) - letztere Teil der 8 CD-Box mit der Marienvesper und anderen Aufnahmen.





sowie neuerdings die Aufnahme von Emmanuelle Haim mit Ian Bostridge in der Rolle des Orfeo ( ich bleibe aber auch dieser Aufnahme gegenüber eher bei Jacobs und Pickett).
Tobe Welt, und springe,
Ich steh hier und singe.

Albus

Profi

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3

Montag, 13. Dezember 2004, 15:47

Tag,

Orfeo - das ist immer wieder Philip Pickett und sein Consort, farbiger 'historischer' Instrumentalkang, ein herausragender schwarzbassiger Charon. - Jacobs kommt zum Zuge mit Poppea und Ulysses.

MfG
Albus

Uwe

Moderator

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4

Montag, 13. Dezember 2004, 20:19

Hallo sagitt,

leichtfertig habe ich den armen Jürgen Jürgens in einem Kurzvergleich einen eher historischen Stellplatz eingeräumt - und schon heute so nicht mehr haltbar ist :jubel:.

Auch wenn das mit dem (im Vergleich zu den anderen) eher bescheidenere Orchester nicht ganz mithalten kann, so nimmt seine Deutung doch durch einen ganz speziellen Charme, Natürlichkeit, seine moderaten Tempi für sich ein.

Gardiner hat sicher bessere Sänger, das bessere Orchester, klingt schöner - ziehe ich sicher auch oft/meist vor.

Und auch die Vartolo-Aufnahme kann durch ihre (fast karge) Besetzung, die einen sehr durchsichtigen Klang erreicht, gut gefallen.

Wie so oft hängt es von der Tagesform ab, was mir besser gefällt. (Aber wozu hat man schließlich unterschiedliche Aufnahmen :D)

Grüße aus Hamburg
Uwe

sagitt

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5

Dienstag, 12. April 2005, 08:45

Orfeo in Brüssel

Sagitt meint:

Rene Jacobs hat den Orfeo mit der Choreographin Trisha Brown in Brüssel produziert.Läuft diese Woche bei classica. Eine eher abstrakte Choreographie. Vergleiche ich sie mit der historischen Spielweise eines Ponelle sehe ich Licht und Schatten. Schatten darin, dass die Gesten sich nicht jedem erschließen- das ist bei Ponelle anders. Licht, dass durch die Abstraktion solche Peinlichkeiten vermieden werden, wie das Horrorscenario, das Ponelle für die Unterwelt entfaltet. Es finden sich starke Bilder in dieser Inscenierung und man hat länger damit zu tun, das Werk zu entschlüsseln. Bei Ponelle wird lein Feuerwerk fürs Auge geboten, das weitere Nachdenkprozesse eher nicht auslöst.

Musikalisch ebenfalls Licht und " Schatten". In jedem Fall mit Kenyslide ein viel besserer Orfeo als es die Fehlbesetzung von Harnoncourt mit Huttenlocher war. Überdies ist Jacobs natürlich ein Monteverdi-Spezialist.
Und dennoch. Die Aufnahme von Harnoncourt stammt aus dem Jahre 1977. Sie kann es aber noch mit jeder Konkurrenz aufnehmen, was die Spritzigkeit und Emotionalität der Interpretation angeht. Durchgäng hat Jacobs die besseren Sänger ( nicht den den Caronte, nicht den ersten Hirten, aber sonst). Aber musikalisch ist sie Harnoncourt ein wenig unterlegen.

der Lullist

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6

Dienstag, 12. April 2005, 17:40

Huttenlocher ist sicher Geschmackssache, in Mondonvilles "Titon" ist er ganz gut, aber hier als Orfeo mag ich in auch nicht besonders.
Bei Harnoncourt gefällt mir persönlich die festliche und reiche Orchesterbesetzung, auch wenn die Aufnahme, (die ich habe ist der Livemittschnitt dieser pompösen Aufführung in Zürich), mit vielen störenden Nebengeräuschen belastet ist, so bevorzuge auch sie immer noch.
Selbst bei den anderen beiden Werken gebe ich Harnoncourt den Vorzug.
Aber alle Interpretationen kenne ich auch noch nicht.

sagitt

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7

Dienstag, 12. April 2005, 18:04

Zürich-Ponelle-Orfeo

Sagitt meint:

Da gibt es offensichtlich verschiedene Versionen. Ich hatte die auf Laserdisc. da sind keinerlei Nebengeräusche. Leider sitzt Unitel auf vielen dieser Aufnahmen und meist sind sie im freien Handel nicht erwerbbar. Allerdings werden diese Aufnahmen gelegentlich bei classica gesendet.

In der Tat Geschmackssache. Huttenlocher war meiner nie, in keiner Aufnahme, aber hat hat vielen Dirigenten gefallen und viele Aufnahmen gemacht.....

salisburgensis

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8

Donnerstag, 23. Juni 2005, 14:14

Ich möchte noch zwei Aufnahmen ins Spiel bringen, die noch nicht erwähnt wurden. Die mit dem Concert d´Astrée und der Leitung von Emanuelle Haim, hier gibt Ian Bostridge den Orfeo und jene mit dem Ensemble Elyma und Gabriel Garrido.

Von der Erstgenannten hatte ich mir, nach dem ich von der Aufnahme des Händelschen Acis Galatea e Polifemo restlos begeistert war, viel erhofft. Leider vergeblich. Diese Aufnahme erhielt zwar offenbar Bestnoten, aber ich bin (wiedermal) anderer Meinung. Bostridge ist als Orfeo eine glatte Fehlbesetzung, wie ich finde. Ihm nimmt man den Mumm, für seine Geliebte in die Hölle zu gehen einfach nicht ab mit seinem fast etwas kindlich klingenden Tenor. Caronte dagegen, von Mario Luperi gesungen, gebraucht seine Stimme mit so viel Druck, Kraft und Gewalt, dass es einem selbst im Halse weh tut. Zudem fehlt es ihm bei den tieferen Tönen an Volumen. Nächster Schwachpunkt ist der Chor, der für meinen Geschmack mit viel zu viel Vibrato singt. Das Orchester kann sich zwar hören lassen, allerdings gelingt Haim nicht richtig, dem Stoff in sich stimmig zu folgen (Sorry, ist etwas schwammig ausgedrückt, ich kann´s grad nicht besser formulieren). Fazit: Ich bin enttäuscht von dieser Aufnahme, vor allem was das sängerische angeht.

Um wievieles besser ist da die Aufnahme mit Garrido. Dafür lass ich sogar Gardiner und Harnoncourt im Regal stehen. Den Orfeo singt hier der in Buenos Aires geborene Victor Torres, ein Bariton, der sonst eher bei Rossini, Puccini, Verdi und Consorten zu Hause ist. Er ist der beste und überzeugendste Orfeo den man sich vorstellen kann. Das Baritonale passt zu dieser Rolle wie angegossen. Man will´s nie wieder anders hören. Torres´ Verzierungen sind atemberaubend virtuos, die Klage über den Verlust seiner Euridice herzzerreißend, zum mitheulen schön. Auch das Ensemble Elyma spielt hervorragend. Die Szene, in der Orfeo den Caronte besänftigt ist so stimmungsvoll wie in keiner anderen Aufnahme, woran die Instrumentalisten großen Anteil haben. Insgesamt ist Garridos Lesart nicht die eines bunten Arkadiens sondern mitfühlend erzählend, meist ein wenig melancholisch. Fazit: Bei dieser Aufnahme passt alles perfekt zusammen. Für mich ist sie die unumstrittene Referenz.




Thomas
Da freute sich der Hase:
"Wie schön ist meine Nase
und auch mein blaues Ohr!
Das kommt so selten vor."
- H. Heine -

Maik

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9

Dienstag, 6. September 2005, 07:39

Hallo allerseits,


wie sagitt ja schon sagte, schrieb Monteverdi die Oper im Auftrag oder im Dienste des Herzogs.
Und zwar waren es die Herzöge von Mantua.
Mantua ist eine italienische Stadt in der Lombardei, in der Provins Mantua.
Auch die Uraufführung fand in Mantua statt und zwar am 24.Februar 1607.


Orfeo ist ja wie ein Drama aufgebaut.
Fünf Akte und man könnte auch das klassische Dramendreieck erstellen.
Mit Exposition, Höhepunkt und am Ende der Katastrophe (vielleicht hier etwas überspitzt, da hier ja eher der vierte Akt die Katastrophe ist und der fünfte Akt die Verarbeitung dieser).

Meine Frage an Opernkenner:
Sind Opern generell, meistens oder fast nie nach dem Dramenschema aufgebaut?
Lässt sich also eine Parallele zur Dramaturgie in der Literatur ziehen? (Natürlich inhaltlich bezogen. Es wäre dann für mich sozusagen ein mit Musik unterstrichenes Drama...wenn man das so sagen kann.)


Danke&Gruß, Maik
Wie ein Rubin auf einem Goldring leuchtet, so ziert die Musik das Festmahl.

Sirach 32, 7

der Lullist

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10

Dienstag, 6. September 2005, 08:06

Generell muß man was die Formen der Barockoper Oper betrifft, unterscheiden:

Die Barockoper hat zwei Formen:


die italienische Opera Seria - Drama 3 Akte, rekrutiert ihren Stoff hauptsächlich aus der römischen / griechischen Geschichte.
Ausnahmen die frühe Form der Oper - da ist es ja Mythologie (und Ausnahmen gibt es sowieso immer)

die frz. Oper - Tragödie 5 Akte, rekrutiert ihre Stoffe auschließlich aus der Mythologie (und Ritterepen).

Im 18. Jahrundert entsteht noch die Opera Buffa - als Intermezzo bezeichnet, meist in zwei Teilen - damit sie in die Pausen der 3 aktigen Opern als Unterhaltung eingeschoben werden kann.

Im Barock wurde sehr großen Wert darauf gelegt diese Formen einzuhalten.
Du wirst z.B. niemals eine frz. Tragèdie Lyrique mit dem Thema "Julius Cesar", finden - oder eine Opera Seria in 5. Akten, da es sich immer um ein Drama per musica handelt.

Das geht auf die griechische Unterscheidung der beiden Formen zurück, so hat das Drama immer 3 Akte die Tragödie 5.

In der Tat ist es so, dass in der Oper - zumindest im 17. und 18. Jahrhundert diese Formen immer eingehalten wurden, denn der Text hatte - besonders im 17. Jahrhundert die wichtigere Rolle.
(So wurden die Opern auch nicht von Sängern im Heutigen Sinn gesungen - sondern von Schauspielern).

Erst mit der Entwicklung der Opera Seria aus den Opernformen wie sie Cesti und Scarlatti entwickelten trat der Text hinter die Musik zurück.

Damals sagte man noch "Zuerst der Text, dann die Musik"

Du wirst Dich wundern welchen Stellenwert die Vortragskunst hatte, die Rhetorik ist das A und O in dieser Zeit und diese Formen des Redeaufbaus findet man in jeder Arie wieder.

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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11

Dienstag, 6. September 2005, 13:57

Zitat

Original von Maik
Orfeo ist ja wie ein Drama aufgebaut.
Fünf Akte und man könnte auch das klassische Dramendreieck erstellen.
Mit Exposition, Höhepunkt und am Ende der Katastrophe (vielleicht hier etwas überspitzt, da hier ja eher der vierte Akt die Katastrophe ist und der fünfte Akt die Verarbeitung dieser).

Meine Frage an Opernkenner:
Sind Opern generell, meistens oder fast nie nach dem Dramenschema aufgebaut?
Lässt sich also eine Parallele zur Dramaturgie in der Literatur ziehen? (Natürlich inhaltlich bezogen. Es wäre dann für mich sozusagen ein mit Musik unterstrichenes Drama...wenn man das so sagen kann.)


Der Kreis um 1600, zu dem auch Monteverdi gehörte, dachte (was sich inzwischen als falsch erweisen hat), die griechische Tragödie sei gesungen worden. Und eben die wollte man wiederbeleben. Für spätere Opern gilt das nur in groben Zügen, weil die Musik meist Text und Handlung dominierte. Aber die Grundzüge sind natürlich in den meisten zu erkennen: Ohne Exposition kommt wohl kaum ein Stück aus. Und die meisten Opern im 18. Jhd. gehen gut aus, auch opere serie. Bei denen wirkt das gute Ende jedoch häufig etwas aufgesetzt (Deus ex machina oder anderweitig unplausibel). Dennoch sind m.E. die dramatischen und theatralsichen Qualitäten der Meisterstücke der Opera Seria von z.B. Händel sehr viel besser als ihr Ruf.
Ich bin auch kein Opernfreak, kenne aus dem Stand nicht so viele so detailliert, um Deine Frage wirklich beantworten zu können, aber z.B. im Fidelio ist der erste Akt nicht besonders straff strukturiert, enhält manches nicht unbedingt geschickt plazierte retardierende, aber der 2. Akt ist aus einem Guß mit unwiderstehlichen drive zum Wendepunkt (im Quartett), lediglich der Schluß ist dann vielleicht ein wenig breit geraten.

viele Grüße

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

Maik

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12

Dienstag, 6. September 2005, 17:25

Hallo Johannes und Lullist,

erstmal danke für eure Antworten.
Ich gehe später darauf ein, möchte mich aber erstmal selbst ausbessern, da dies keiner getan hat.


Zitat

Original von mir
Mit Exposition, Höhepunkt und am Ende der Katastrophe (vielleicht hier etwas überspitzt, da hier ja eher der vierte Akt die Katastrophe ist und der fünfte Akt die Verarbeitung dieser).


Die Katastrophe ist, dabei bleibe ich, nicht am Ende.
Für mich ist die Katastrophe ganz klar der Moment, als sich Orpheus nach Euridice umdreht und diese dann im Schatten verschwindet.
Für Orpheus das schlimmste, was ihm passieren konnte. Er verliert doch seine Geliebte.

Der letzte und fünfte Akt handelt ja von dem Lied, das Orpheus dort singt, wo er Euridice kennen gelernt hat. Dort berichtet er ja der Natur, was vorgefallen ist.

Jetzt dachte ich, dies sei das Ende und deshalb war es für mich letztlich eine abgedämpfte Katastrophe, weil Orpheus sie verarbeitet.

Heute durfte ich dann aber doch erfahren, dass dies nicht das Ende ist.
Sondern das Apollo ihn zu einem Gott (oder Gott ähnlichem Geschöpf) macht und er auf ewig mit Euridice als Stern zusammen sein wird.

Ein komisches Ende!!!
Denn eigentlich ist ja Euridice in der Unterwelt gefangen, denn dadurch, dass sich Orpheus zu ihr umgedreht hatte, wurde sie letztlich doch nicht frei gegeben.
Also kann er sie nicht bei den Sternen wieder treffen.

Vielleicht verstehe oder interpretiere ich das auch falsch...
Kann es mir jemand erklären?

Jedenfalls wird durch diese Tat des Apollo ja das Ende doch 'verschönt'.
Ich habe das in '' gesetzt, weil man es zweideutig sehen kann.
1.Er erlangt dadurch ewiges Leben und wird so nie vergessen, wie er Euridice in der Unterwelt verloren hat.
Wenn jetzt korrekt wäre, dass Euridice nicht bei ihm in den Sternen seien könnte, da sie ja eigentlich in der Unterwelt sein müsste, wären das große Qualen, die Orpheus leiden müsste, da er von seinem Liebesschmerz nie befreit werden könnte.
2.Da ja Euridice scheinbar doch nicht in der Uunterwelt geblieben ist, ist er auf ewig mit ihr zusammen und ist glücklich.

Also letztlich ein Happy-End.
Und so ist ja es schließlich auch (Auch wenn ich es nicht ganz nachvollziehen kann, was an der Tatsache nichts ändert.)


Was ich damit verdeutlichen will, ist, dass die Katastrophe nicht abgemildert wird, sondern sich letztlich zum Guten hin wendet.


Damit habe ich meine Aussage ausgebessert...



Dann gehe ich jetzt noch einmal auf euch beide ein.

@Lullist

Ich bin bei den fünf Akten in Bezug auf das Drama von der Literatur ausgegangen.
Im Sturm und Drang bestand das Drama IMMER aus fünf Akten (weiß nicht, ob dies vorher auch so war,geändert hat es sich, meines Wissen nach, nicht).
Es gab dazu auch das Dramendreieck, welches den Handlungsverlauf darstellt.
Als ich mich mit dem Inhalt der Oper beschäftigte, sind mir gewisse Parallelen aufgefallen und ich erinnerte mich sofort daran.

Wie ich nun festgestellt habe, zu unrecht.
Da das Geschehen am Ende doch sehr stark vom Schema eines literarischen Dramas abweicht.

Außerdem ist mir eingefallen, als ich dann in der Schule war, dass es ja Mythologie ist, wie du schon anführtest!


Zitat

Damals sagte man noch "Zuerst der Text, dann die Musik"


Das ist richtig!
Monteverdi selbst spricht von seconda practica.
Prima practica war für ihn die alte Praxis der Mehrstimmigkeit, welche auf den Text zu wenig Rücksicht nahm.
Dies wurde u.a. auch durch die Begleitung verursacht.
Wenn man sich da z.Bsp. gleich den Anfang der Oper ansieht,erkennt man im Prolog zu Euridice und Rosa del ciel (Orfeo, 1.Akt), wie schlicht und einfach die Begleitung ist, aber teils auch die Singstimme. Textlich jedoch hervorragend deutlich und verständnisvoll.
Auch durch Syllabik erzeugt.


@Johannes
Ja, irgendwo hat alles eine Exposition.
Und meinen Fehler, dass es letztlich in einer Katastrophe endet, habe ich ja eingeräumt und korrigiert.

Aber vielen Dank für eure Antworten!

Gruß, Maik
Wie ein Rubin auf einem Goldring leuchtet, so ziert die Musik das Festmahl.

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Maik

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13

Dienstag, 4. Oktober 2005, 22:08

Hallo allerseits,

die Ausschnitte, welche ich bisher aus der Oper genießen durfte, haben mich so begeistert und angesprochen, dass in mir der Wunsch nach einer eigenen Aufnahme entstand.



Diese Aufnahme unter dem Cornett & Sackbut Ensemble mit Rogers soll wohl gar nicht so schlecht sein.
Die Hörproben haben mir auch zugesagt und deshalb habe ich sie mir gekaufen.

Kennt vielleicht jemand die Aufnahme und könnte meinen Eindruck bestätigen?

Zur Entscheidung hat mir besondes Hörbeispiel 6 bei jpc verholfen.
Bisher meine Absolute Lieblingsstelle!

Sol, che 'l tutto circondi...
Sonne, die du mit leuchtendem Gesichte...

Schade ist bei diesem kurzen Hörbeispiel nur, dass gerade an der Stelle in Takt 17 mio ben (mein Lieb') schluss ist...die punktierte Achtel mit Sechzehntel und dann eine Viertel mit punktierter Achtel vom a zum h zum cis' ist herrlich...
Leider nicht ganz drauf! Die punktierte Achtel auf dem cis' wurde leider unterbrochen... :(
Aber sonst gefällt mir hier diese wunderbar sanfte, ruhige und herrlich sehnsuchtsvolle Interpretation! Sehr schön gemacht :jubel:



Ich kann es gerne auf die gesamte Oper beziehen, was ich zu dem kleinen Ausschnitt sagte: herrlich gefühlvoll interpretiert!


Aber ich schreibe, weil mir während meiner Arbeit für den Opernführer einige interessante Dinge am Inhalt aufgefallen sind!
Vielleicht regen sie zu einer Diskussion an...


Es geht mir eigentlich nur um den zweiten Akt. Jedenfalls fallen mir nur dort gerade zwei Besonderheiten auf.

1.Wenn die Hirten vom Gott Pan berichten, wird erzählt, dass dieser hierin Thrakien von seinem Liebesleid berichtet oder in Erinnerungen schwelgte.
Fällt euch da auch was auf???
Mich hat es an den fünften Akt erinnert. Orpheus ist aus der Unterwelt zurück und klagt dort, wo es auch Pan tat, sein Leid. Er hat eben seine Eurydike 'für immer' verloren.
Aber man könnte auch diese Parallele allgemeiner ziehen, nämlich so zu Orpheus, dass er ja auch schon vorher seinen Kummer der Natur mitgeteilt hat. Dies ist zwar allgemeiner, ist aber vielleicht ein Hinweis auf das Göttliche, das in Orpheus steckt. Oder in ihm stecken wird, wenn er von Apollo entrückt wird.


2.Gleicher Akt und ebenso der Bericht oder der Gesang der Hirten. Diesmal aber von den Waldnymphen. Vielleicht auch diesmal nicht ganz so klar wie bei Orpheus, aber mir ist es dennoch aufgefallen.
Die Waldnymphen haben an dem Orte (grünen Ufer) Rosen gepflückt.
Lasst es uns aus analytischen Gründen doch einmal verallgemeinern. Sie haben Blumen gepflückt.
Was hat denn Orpheus an diesem Ort erfahren???
Das seine Geliebte beim Blumenpflücken an einem tödlichen Biss der Schlange starb.
Vielleicht ein Hinweis auf die Botschaft, die ja kurz darauf Orpheus gebracht wird. - Der Tod Eurydikes.



Das sind mal zwei Gedanken, die mir zum Inhalt kamen.

Ist es euch vielleicht auch aufgefallen?
Was haltet ihr davon?


Gruß, Maik
Wie ein Rubin auf einem Goldring leuchtet, so ziert die Musik das Festmahl.

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Pius

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14

Dienstag, 4. Oktober 2005, 22:21

Hallo, Maik!

Zitat


Was haltet ihr davon?


Solche Gedanken mache ich mir auch ständig, nicht unbedingt bei Opern, eher beim lesen. Das ist etwas, daß ganz allgemein in diesen leider wenig beachteten thread gehört. Das Einflechten bestimmter Symbole, wiederkehrender Handlungsschemeta etc. gehört zum dramatischen Aufbau der Oper. Monteverdi wollte mit seinen Opern ja die antike Tragödie wiederbeleben.
Konkretes zu den Stellen kann ich nichts sagen, ich kenne die Oper leider nicht.

Viele Grüße,
Pius.

Johannes_Krakhofer

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15

Donnerstag, 13. Oktober 2005, 09:04

HILFE

Hallo Leute!!!

Da ich, wie einige bereits wissen, meine Matura über Klassische Musik im speziellen über die Oper schreibe ,habe ich eine Bitte!!

Könnten die hier schon geposteten "Fachleute" meinen Text durchlesen und mir ihre Kritik und Verbesserungsvorschläge zukommen lassen.

PS: Bitte keine hochwissenschaftlichen Erörterungen, denn zur Doktorarbeit dauerts noch :D :D :D :D :D

Die Entstehung der Oper

Im Europa des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit legten die Menschen das mittelalterliche Denken langsam ab und wandten sich wieder den Denkweisen und Erkenntnissen der Antike zu. Die antike Kunst erwachte wieder zum Leben. Darum nennt man diese Zeit „Renaissance“ (frz. Wiedergeburt). Was diese Tatsache mit der Oper zu tun hat, will ich nun erklären!

Die Menschen, vor allem die Künstler, versuchten die Antike wiederzubeleben. Das galt auch für die Theaterschaffenden. Diese glaubten aber, dass in der antiken griechischen Tragödie, GESUNGEN und NICHT GESPROCHEN wurde. Heute weiß man, dass das nicht stimmt, aber damals war man eben dieser Meinung. Darum beschloss eine florentinische Künstlergemeinschaft, die „Camerata“, ein solches Theaterstück nach griechischem Vorbild zu schaffen. Dies geschah im Jahre 1589. Nun begannen die Mitglieder der Camerata sich genauer zu informieren und sich vorzubereiten.
Vincenzo Galilei, ein Musiker (und Vater von Galileo Galilei) veröffentlichte einige altgriechische Musikstücke, die er in Bibliotheken gefunden hatte.
Nicola Vicentino, ein Instrumentenbauer, stellt ein „Instrument zu Erzeugung griechischer Tonleitern“ her, das er „Archicembalo“ nannte. Es ist der Vorgänger des Cembalo, klang aber noch um einiges leiser und lautenähnlich.
Die Camerata wurde immer bekannter und bald übernahmen einige Adelige das „Sponsoring“ dieser Gemeinschaft. Der wichtigste Geldgeber wurde Jacopo Corsi.
1591 verstarb Galilei.
Es stießen immer mehr Künstler aus Florenz zu Camerata, die sich an der Wiederentwicklung und Rekonstruktion des griechischen Theaters beteiligten: die Dichter Ottavio Rinuccini und Gabrielo Chiabrera, die Musiker Jacopo Peri, Giulio Caccini und Emilio de´ Cavalieri seien hier genannt.
Alle diese Künstler sollten einen mehr oder weniger großen Anteil an der Entstehung der allerersten Oper haben.

Im Jahre 1594 oder 1597 (so genau weiß man das nicht) war es dann so weit. Die erste abendfüllende Oper wurde in Florenz uraufgeführt.
„DAFNE“ war der Titel. Der Oper lag eine Dichtung aus der griechischen Antike zugrunde. Das Libretto (Textbuch) stammte von Rinuccini und Chiabrera, die Musik von Peri und Caccini. Der Text ist heute noch erhalten, die Musik ging im Laufe der Zeit leider verloren.

Aus dem Jahre 1600 stammt die älteste noch vollständig erhaltene Oper „Euridice“. Das Textbuch wurde von Rinuccini verfasst, die Musik stammt von Peri. Diese Oper behandelt die Geschichte der Eurydike, die durch einen Schlangenbiss ums Leben kommt und von Ihrem Geliebten Orpheus wieder ins Leben zurückgebracht wird. Diese Geschichte wurde unzählige Male vertont, (die bekannteste „Orfeo ed Euridice“/ „Orphee et Eurydike“ von Christoph Willibald Gluck aus den Jahren 1762/1774) hier aber liegt das Hauptaugenmerk auf Eurydike, nicht auf Orpheus.
PS: Von dieser Monteverdi-Oper gibt es einige CD-Aufnahmen.

Rinuccini und Chiabrera schrieben weitere Textbücher. Sie waren die ersten echten Librettisten der Musikgeschichte. Rinuccini sollte der wichtigere der beiden werden, da er wenig später mit einem gewissen Claudio Monteverdi zusammenarbeitete. Dieser Monteverdi ist auch der Grund warum man den Namen Rinuccini öfter hört als Chiabrera.

Peri und Caccini schrieben weitere Opern, die entweder verloren sind oder aufgrund ihrer „Schwäche“ nicht aufgeführt wurden und daher nicht bekannt sind.

Der Begriff „Oper“ wurde in der Renaissance aber noch nicht verwendet. Man nannte die tragischen Opern „Dramma per musica“ (Drama für Musik) oder „Favola in Musica“ (Fabel in Musik). Der Begriff Oper (von Opus-Werk) setzte sich erst ab etwa 1650 durch.

Im Jahre 1607 fand am herzöglichen Hofe zu Mantua eine Hochzeit statt. Für diesen Anlass gab der Herzog eine „Favola in Musica“ in Auftrag. Alessandro Striggio schrieb den Text für „L´ Orfeo“. Er greift wieder die Geschichte mit Orpheus und Eurydike auf, da sich diese (weil der unsterblichen Liebe gehuldigt wird), am besten für Hochzeitsfestivitäten eignet.
Die Musik dazu komponierte Claudio Monteverdi, der damalige Hofkapellmeister von Mantua. Diese Oper wird als die erste populäre Oper angesehen, da sie einen Riesentumult im positiven Sinne auslöste. Jeder in Italien wollte sie sehen und hören. Monteverdi wurde als Genie gefeiert.

Der Unterschied zwischen Peris und Monteverdis Erzählweise ist klar zu erkennen:

¯ Während Peri Rezitative aneinanderreihte, findet man in
¯ Monteverdis Oper schon arienähnliche und liedartige Abschnitte.

Ein wichtiger Grundsatz, den Monteverdi selbst aufstellte und nach dem er seine Opern schrieb, war: „L´ oratione sia padrone della musica non serva“, „Das Wort ist die Herrin der Musik und nicht deren Dienerin.“ Monteverdi war der Ansicht, dass die Musik die menschlichen Gefühle am besten erreichen und beschreiben kann, besser als jedes gesprochene Wort.

Im darauffolgenden Jahr schuf Monteverdi „Arianna“, eine damals unerhört populäre Oper. Ihre „Kennmelodie“, das „Lamento“ soll die Zuhörer immer zu Tränen gerührt haben. Dieses Lamento nahm Monteverdi auch in einen seiner Madrigalbände auf. So ist es uns erhalten geblieben, während der Rest der Oper verloren gegangen ist. Ein Madrigal ist ein mehrstimmiges Orchesterwerk. Das Libretto stammt von Rinuccini, es sollte sein letztes gewesen sein.
Immer mehr Musiker komponierten nun Opern, da die Begeisterung für die Oper enorm zunahm.

Im Jahre 1627 wurde „Dafne“ vom norddeutschen Heinrich Schütz uraufgeführt. Dieses Werk ist die erste deutschsprachige Oper der Musikgeschichte. Leider ist auch sie verloren.
Schütz hatte Monteverdi, der inzwischen in Venedig arbeitete, besucht und bei ihm Unterricht genommen.
Im selben Jahr veröffentlichte Monteverdi „Il combattimento di Tancredi e Clorinda“ (“Der Kampf zwischen Tankred und Clorinda”). Dieses Werk wird heute als das erste Oratorium angesehen, da es szenisch im Markusdom zu Venedig aufgeführt wurde.

In den Jahren 1641 und 1642 komponierte Monteverdi seine Meisterwerke „Il ritorno di Ulisse in Patria“ („Die Heimkehr des Odysseus“; wörtlich „Die Rückkehr des Odysseus nach Hause“) und „L´ incoronazione di Poppea“ („Die Krönung der Poppea“). In der erstgenannten Oper probierte Monteverdi etwas total neues. Er schrieb die Titelpartie des Ulisse (Odysseus) nicht wie damals üblich für Tenor oder Sopran, sondern für einen Bariton. Die Oper wurde kein so großer Erfolg wie erwartet, dafür übertraf der der Poppea alle seine Erwartungen.
Die Poppea wurde im ersten „echten“ Opernhaus der Welt, im Venediger Opernhaus, uraufgeführt. Dies war vermutlich 1642.

Am 29.11. 1643 starb Monteverdi im Alter von 76 Jahren in Venedig.

Monteverdi schrieb mehr als ein dutzend Opern. Er war es, der die Barockoper (um 1660) einleitete und die Grundlage für Komponisten wie Keiser, Fux, Cavalli, Caldara, Hasse, Händel, Vivaldi und sogar für den jungen Mozart bildete.

Monteverdis Opern sind die ältesten, die heute noch regelmäßig aufgeführt werden. Er beeinflusste Opernkomponisten bis in das 19. Jahrhundert hinein.

Die Oper wurde immer beliebter und kam nach Frankreich, wo sich eine eigene Opernpraxis entwickelte. Die Italiener und Franzosen entwickelten „ihren“ Stil weiter, sodass die barocke Prachtentfaltung auch auf der Opernbühne Einzug hielt.

Danke im Voraus

MFG joschi
Den Mozart und den Wagner hör´ich gerne, wenn ich jausen
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der Lullist

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16

Donnerstag, 13. Oktober 2005, 17:39

Hallo Joschi,

im großen und ganzen ziemlich gut.
Gut komprimiert und nur das wichtigste, ich bin gespannt auf die Fortsetzung.
Vielleicht am Anfang noch etwas an der Formulierung feilen.

Ich bin mir sicher das wird !

Allerdings drei kleine Anmerkungen:

1. Das Cembalo ist wesentlich älter, das älteste erhaltene Instrument stammt aus dem Jahre 1521 ... es war auch nicht nur das Cembalo das gewissermaßen neu erfunden wurde, sondern die Theorbe.
Dieses Instrument wurde für die Begleitung der Sänger modifiziert.
Und diese Zupfinstrumente waren wesentlich beliebter für die Begleitung der Sänger und häufiger verwendet.

Details:

Laute, Theorbe und Chitarrone


2. Bei Orfeo ed Euridice scheint Dir eine kleine Verwechslung unterlaufen zu sein. Orpheus steht auch bei Gluck im Mittelpunkt. Allein der ganze erste Akt ist nur seinem wunderbaren Geheule gewidmed :D
Der zweite Akt beschäftigt sich mit seinem Abstieg in die Unterwelt und der Zähmung der Geister.
Erst im 3. Akt hat Euridice einen kurzen Auftritt...

3. vielleicht kannst Du noch erwähnen, dass das Libretto zu Daphne welches Schütz vertonte, von Martin Opitz stammte, einem der wichtigsten deutschen Dichter des Barock. (bei den anderen hast Du es ja auch gemacht ;) )

Johannes_Krakhofer

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17

Freitag, 14. Oktober 2005, 12:54

Hallo Lullist!!!

Das mit Gluck ist tatsächlich ein schwerer Fehler, ?( ?( ?( ?( ;( ;( ich weiss nicht wi mir der passierenkonnte, besitze ich doch 2 Aufnahmen seiner Oper!!!

Den Textdichter von Dafne von Schütz hab ´ ich nirgends herausgefunden.

Danke für die Hilfe!!

LG Joschi
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der Lullist

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18

Freitag, 14. Oktober 2005, 14:52

Hallo Joschi,

mir persönlich ist auch schleierhaft warum man Martin Opitz immer unter den Tisch fallen läßt.
Ich persönlich mag seine Sachen sehr gerne, aber ich habe in einigen älteren Lexika gelesen, da hielt man es für angebracht eine Wertung mit einfließen zu lassen :kotz: , dass er als minderwertig gilt.
Seine Gedichte seien zweitrangig, sogar als wenig orginell beschrieben...

Ich mag ihn sehr und ich halte ihn für erstrangig - ich schätze ihn mehr als Goethe :stumm:

Man fragt sich dann auch warum so viele Komponisten seine Gedichte vertonten wenn sie so "unoriginell" waren...

LG,

Matthias

der Lullist

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19

Dienstag, 25. Oktober 2005, 13:08

Ich habe mir jetzt auch nochmal zwei Einspielungen zugelegt:




die von Maik gepriesenen Einspielung.
In der Tat gar nicht übel, allerdings sind mir die Einspielungen von Charles Medlam irgendwie zu "kühl"



dann eine weiter preisgünstige Aufnahme:



und diese war wirklich eine sehr positive Überraschung.

Die Einspielung bei Naxos ist unglaublich reich besetzt, gerade was das Continuo anbelangt. Die Tänze werden mit Schlagwerk verstärkt und auch die Sänger sind sehr überzeugend.
Die Aufnahme glänzt auch noch durch einige Zugaben:
Die Arie des Orfeo vor Caron wird in zwei Versionen dargebracht, einmal in der einfachen Version und dann als Dacapo in der reich ausgezierten Variante. Außerdem gibt es noch einen Chor der Bacchantinnen, die in ihrem Überschwang schon fast dämonisch wirken.

Diese Szene scheint bei keiner anderen Einspielung dabei zu sein.

der Lullist

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20

Samstag, 5. November 2005, 09:45

Zitat

Peri und Caccini schrieben weitere Opern, die entweder verloren sind oder aufgrund ihrer „Schwäche“ nicht aufgeführt


mir ist aufgefallen, dass über Peris Kompositionen einige Fehlurteile im Umlauf sind.

Ich halte seine (erhaltenen) Kompositionen keineswegs für schwach.
Unter seiner Feder wurde die Oper als perfektes "Kind" geboren.

Die "Euridice" ist absolut genial, auch von einer ewigen Reihung von Rezitativen kann man nicht sprechen, denn es gibt auch hier schon Arien und Chöre.

Sicher ist Monteverdis Orfeo reicher als Peris Euridice, doch hat dies nichts mit der Qualität der Musik zu tun.

Irgendwo wurde auch mal geschrieben "nur Monteverdis "Orfeo" sei der Grund dafür, dass die Oper keine Eintagsfliege gewesen ist..."
dem will ich vehement widersprechen, denn das was Peri oder Cavallieri mit ihren ersten Werken schufen wurde von der Aristokratie über alle Maßen geschätzt.
Man darf nicht vergessen, dass es sich um eine zuerst sehr intellektuelle Kunst handelte, die musikalsich dann ausgebaut wurde um dem einfachen Publikum zu gefallen...

Peris Euridice ist Oper in Reinform.
Und wenn mich mein Eindruck nicht trügt so sind die Kompositionen von Luigi Rossi und Pietro Antonio Cesti eher Peri als Monteverdi verpflichtet, einzig Cavalli hält sich an Monteverdi - kein Wunder ist er doch sein Schüler gewesen.

Man wertet Peri nur deshalb ab, weil man seine Musik kaum oder gar nicht kennt.
Monteverdis Opern wurden aber auch erst von Harnoncourt wieder auf die Bühne gebracht, das sie solange nicht aufgeführt wurden lag auch nicht an der Qualität der Musik...

der Lullist

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21

Freitag, 18. November 2005, 09:52

gerade kam mit der Post das Opernpacket mit den 3 Opern von Monteverdi (Garrido)




ich kann nur eines sagen: alles andere was ich bisher gehört habe verschwindet in diesem Schatten.

Das ist die genialste Interpretation die ich seit langem gehört habe.
Der Orfeo ist wunderbar besetzt, das Ensemble übertrifft so manche etablierte Konkurrenz.

Harnoncourts Aufnahme ist nur noch ein historisches Dokument, über die Medlam Aufnahme sage ich nichts mehr :stumm:
Jacobs wurde genauso wie die schon sehr gute Einspielung bei Naxos weit übertroffen.

Das ist wirklich eine Aufnahme die mich richtig tiefgehend begeistert hat.
Für mich ist das momentan die absolute Referenz - ich bin gespannt, ob das demnächst (oder überhaupt) übertroffen wird.
allein der Preis (24.99 alle 3 (!) Opern ) ist unschlagbar und dann noch in dieser Qualität - für mich die Anschaffung des Jahres!

:jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:

Thomas Du hattest Recht ! Der Tipp ist Goldwert!

sagitt

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Samstag, 11. Februar 2006, 17:17

Orfeo früher und später

Sagitt meint:

Wenn man die beiden Aufnahmen von Harnoncourt vergleicht ( 196?) und 1977 in Zürich, fällt mir auf:

196? hatte Harnoncourt den besseren Orfeo
1977 die bessere messagiera,obwohl die berühmte Cathy Berberian 196?sang
196?war Harnoncourt in seinen Emotionen noch zurückhaltender, 1977 die Aufführung also intensiver.
1977 war der erste Hirte mit dem jungen Araiza optimal besetzt.
196? war der Chor mit capella antiqua München deutlich besser als der suboptimale Opernchor 1977.
1977 war Hans Franzen der überzeugendere caronte.Er hatte das tiefe C, Nikolaus Simkowky oktaviert und macht damit den Effekt dieses Stückes kaputt.
Rotraud Hansmann singt besser als ? ( ist es wirklich Dietlinde Turban, seit langem Frau Maazel?), aber 1977 ist es einfach ergreifender.

Wenn man die beiden Aufnahmen betrachtet, ist wohl die erste von nur mehr historischem Interesse.Die zweite wird wegen der Inscenierung von Ponelle aber immer Referenz sein.

P.S. Die Fragezeichen setze ich, weil meine CD behauptet, die CD sei 1969, ich aber im Gefühl habe, dies sei früher gewesen.

GalloNero

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23

Sonntag, 28. Mai 2006, 15:46

Zitat

Original von sagitt
P.S. Die Fragezeichen setze ich, weil meine CD behauptet, die CD sei 1969, ich aber im Gefühl habe, dies sei früher gewesen.


Hallo saggit,
also meine CD bzw. die der Stadtbibliothek behauptet das auch :D
Unabhängig davon, ob die CD nun Recht hat oder nicht, hat sie mir das Tor zur Barockoper aufgestoßen. Harnoncourts L'Orfeo ist praktisch mein Erstkontakt mit dem Genre und die Einspielung macht mir wirklich Lust auf mehr.

Nachdem nun der Lullist und salisburgensis beide schon ein paar Werke mehr gehört haben als ich ;) und beide sowas von Garrido angetan sind, werde ich vermutlich auch zur Garrido-3er-Box greifen müssen.

Liebe Grüße
GalloNero
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Wulf

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24

Sonntag, 28. Mai 2006, 15:57

Hallo lullist,

na, wirst Dich doch jetzt nicht umbenennen in monteverdist, oder?

:hello:
Wulf.
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der Lullist

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Sonntag, 28. Mai 2006, 18:45

och nö Du,

ich mag ihn zwar ganz gerne, aber welcher Komponist könnte schon an Lully heranreichen :D

mit anderen Worten:


Monteverdi: :jubel: :jubel: :jubel:



Lully:

:D

Wulf

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26

Sonntag, 28. Mai 2006, 19:59

Jep, ich sehe, die Smileys sprechen eine eindeutige Sprache.

Ich bin beruhigt. :)

LG
Wulf.
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Siegfried

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27

Montag, 29. Mai 2006, 16:39

L'Orfeo, Favola in musica

Hallo zusammen,

eine interessante Aufnahme stammt von den Sommerlichen Musiktagen Hitzacker aus dem Jahr 1955.August Wenzinger leitete den Chor der Staatlichen Hochschule für Musik Hamburg.An Solisten sind zu nennen:

Orfeo - Helmut Krebs
La Musica & Proserpina - Margot Guilleaume
Apollo & Pastore II & Spirito I - Fritz Wunderlich
Euridice - Hanni Mack-Cosack
Messagiera & Speranza - Jeanne Deroubaix
Plutone - Horst Günter
Caronte - Peter Rot-Ehrang
Pastore I - Bernhard Michaelis
Pastore III & Spirito II - Clemens Kaiser-Breme
Pastore IV & Spirito III - Peter Offermanns
Ninfa - Hildegard Wild

L'Orfeo ist wohl das erste Werk der Musikgeschichte,bei dem die Musik nicht sklavisch dem Text untergeordnet wurde,sondern mit dem reichen Instrumentarium seiner Zeit die Handlung bereicherte.

In der vorliegenden Aufnahme hört und spürt man den Geist des ersten Musikdramas.Erschienen ist sie bei DG Archiv Produktion Nr.289 453 176-2.
Freundliche Grüße Siegfried

GalloNero

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28

Dienstag, 30. Mai 2006, 16:22

Hallo Lullist, Hallo Freunde der Barocken Oper,
ich habe versucht die vom Lullisten angepriesenen 3er Box mit Garrido zu bestellen. Es mißlang (siehe hier)!

Nun - so wie das aussieht, ist die Box nicht mehr für die besagten €24.99 zu haben. Alle mir bekannten Quellen verlangen über €40.

Habe ich nun die falschen Quellen oder hat sich der Marktpreis einfach der Qualität angepasst. Sollte dies der Fall sein, so stellt sich mir die Frage, ob man zu diesem Preis denn wirklich alle 3 haben muss. Besonders hervorgehoben wurde ja der Orfeo. Diesen gibt es bei zweitausendeins für vergleichsweise günstige €19.99.

Oder ist €40 für alle 3 immer noch ein sehr guter Preis.

Liebe Grüße
Euer Gallo
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29

Dienstag, 30. Mai 2006, 16:44

Zitat

Original von GalloNero
Hallo Lullist, Hallo Freunde der Barocken Oper,
ich habe versucht die vom Lullisten angepriesenen 3er Box mit Garrido zu bestellen. Es mißlang (siehe hier)!

Nun - so wie das aussieht, ist die Box nicht mehr für die besagten €24.99 zu haben. Alle mir bekannten Quellen verlangen über €40.

Habe ich nun die falschen Quellen oder hat sich der Marktpreis einfach der Qualität angepasst. Sollte dies der Fall sein, so stellt sich mir die Frage, ob man zu diesem Preis denn wirklich alle 3 haben muss. Besonders hervorgehoben wurde ja der Orfeo. Diesen gibt es bei zweitausendeins für vergleichsweise günstige €19.99.

Oder ist €40 für alle 3 immer noch ein sehr guter Preis.


Es sind 8 oder 9 CD mit libretti, also immer noch ein sehr guter Preis. Ich kenne allerdings nur den Orfeo mit Garrido (und die Marienvesper), glaube aber sofort, dass die beiden anderen Aufnahmen auch sehr gut sind. Wenn Du jedoch noch nie was von Monteverdi gehört hast, wäre es vielleicht klüger, mit nur einer Oper anzufangen. Wenn es Dir gefällt, gibt es ja auch noch die Möglichkeit DVDs zu kaufen usw.

viele Grüße

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

GalloNero

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30

Dienstag, 30. Mai 2006, 17:35

Hallo Johannes,

ich habe mir den Orfeo nun schon mehrere male einverleibt (guckst Du hier) und habe mich total in diese Musik verliebt. Deswegen bin ich ja so heiß auf die Box.

Ich kenne den Orfeo, wie gesagt, unter Harnoncourt (1969? 1971?) und bin auch von dieser Aufnahme begeistert. Nie hätte ich gedacht, dass in einer Barrockoper so viel Gefühl zum Ausdruck gebracht werden kann :jubel: :jubel:.

Als ich mein Voting im Lieblingsopernthread abgab, kannte ich den Orfeo leider noch nicht, ansonsten wäre er ganz weit oben gelandet.

Liebe Grüße
GalloNero
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