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AMATEURVIDEO-FILMFORUM-WIEN

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Uwe Schoof

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Beiträge: 1 570

Registrierungsdatum: 11. Dezember 2005

1

Donnerstag, 16. November 2006, 22:03

George Enescu

Liebe Musikfreunde,

Der Rumäne George Enescu, geb. am 19.08.1881 und gest. am 04.05.1955, war ein Komponist und wohl hervorragender Violinist, über den nicht allzu viel zu vernehmen ist; ich bringe ihn meist in Verbindung damit, dass er ein Lehrer Menuhins gewesen war.

Auf Enescu komme ich, wie so häufig, über die Kammermusik. Seit langem besitze ich die beiden Streichquartette, das Streichoktett sowie ein Kammermusikwerk für 10 Instrumente. Lange Zeit habe ich diese Musik wegen Desinteresses verlegt; vor einigen Monaten wieder einmal hervorgekramt und angehört hat mich die Sprache dieser Musk erstaunt, ja sogar entzückt. Wie ich zu ihr nach intensiverem Kennenlernen stehe, weiß ich noch nicht so recht; es ist für mich nicht so leicht, an diese Musik heranzukommen. Sie drängt sich nicht so sehr im Hau-Ruck-Verfahren auf, sondern gestaltet sich etwas bescheidener, was ich sehr mag. Auf jeden Fall möchte und werde ich mich in nächster Zeit mehr damit befassen.

Von den Orchesterwerken habe ich lediglich einmal eine Sinfonie gehört, die mir auf Anhieb nicht so gefallen hat.

Kennt Ihr Werke und Hintergründe Enescus? Mich würde interessieren, wie Ihr ihn einschätzt und ob / welche Werke dieses Komponisten Euch gefallen.

Vielen Dank und schönen Gruß,

Uwe
Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

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Beiträge: 552

Registrierungsdatum: 27. Januar 2006

2

Donnerstag, 16. November 2006, 22:59

Hallo Uwe,

ich bin zufällig vor geraumer Zeit eher zufällig auf Enescu gestoßen, nämlich als ich eine preisreduzierte Marco-Polo-CD aus dem dem Fachgeschäft scchleppte. Sie enthält verschiedene Orchesterwerke und machte mich hellhörig für diesen Komponisten, der sich zunächst für Wagner begeisterte, dann aber einen rasanten Wandel in seinem Schaffen erkennen ließ.

Geboren 1881 im moldawischen Teil Rumäniens, war er das achtgeborene Kind. Alle sieben älteren Geschwister verstarben bereits im Kindesalter, so dass sich alle Hoffnungen auf ihn kaprizierten. Mit acht Jahren spielte er erstmals als Violin-Solist und in der Tat wurde er später Lehrer Menuhins, aber auch der von Christian Ferras, Arthur Grumiaux und Ivry Gitlis. Seine Hauptbetätigung lag lange Zeit eher auf der Lehrer-Seite und der Tätigkeit, die man heute neudeutsch Kulturmanager nennt, sprich Organisator und Mittler der Kunst. Nicht zu vergessen seine Betätigung als Geiger und Dirigent.

Sein Kompositionsstil ist für mich schwer zu fassen. Üppige Romantik, die mich an Bruckner oder Wagner denken lässt, höre ich z.B. in der ersten Sinfonie. Ganz anders dagegen seine Oper Ödipe. Da gehen die Bezugspunkte bis zum Barock zurück. Was ihn am bekanntesten machte und mir auch am nächsten ist, sind seine Orchesterwerke, die Bezug auf rumänische Volksmusik nehmen, ähnlich der Art von Kodaly und Bartok in Ungarn, auch wenn der Vergleich nicht ganz stimmt.

Mein zwei CDs umfassender Fundus Enescus schreit nach schneller Erweiterung, da mich die Entwicklung seines Kompositions-Stils aufs höchste fasziniert.

Gruß
B.
"Once you've seen your face on a bottle of salad dressing, it's hard to take yourself seriously."
Paul Newman

Robert Stuhr

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Registrierungsdatum: 24. September 2005

3

Donnerstag, 16. November 2006, 23:08

Lipatti hat sich - mit wenig Erfolg - für Enescus Klavierwerke eingesetzt, mindestens die Klaviersonate Nr 3 op 25 für die Schallplatte eingespielt (18.10.1943). Das Werk ist - wie man so treffend sagt - gefällig, aber nicht aufregend oder gar bahnbrechend.

Spannender, wenngleich auch nicht gerade avantgardistisch, ist ein Konzertstück für Viola und Klavier. Das habe ich mit Bashmet und Muntian, und höre es gern.

Für seine Symphonik oder größere Orchesterwerke interessiere ich mich nicht, Das liegt aber nicht an Enescu, sondern daran, daß mich die Werkgattungen insgesamt kalt lassen.
Ermutigung nach 200 Jahren (auf dem heimweg von einem orgelkonzert)
Zu füßen gottes, wenn
gott füße hat,
zu füßen gottes sitzt
bach,
nicht
der magistrat von leipzig
(Reiner Kunze, Auf eigene Hoffnung, Gedichte)

teleton

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Beiträge: 4 974

Registrierungsdatum: 10. Dezember 2004

4

Freitag, 17. November 2006, 11:18

Enescu (1881-1955): Rumänische Rhapsody Nr.1

Hallo Uwe,

ich habe seit Ewigkeiten eine CD-Box mit den Enescu-Sinfonien im CD-Schrank stehen.
Seltsamerweise gehören diese zu den am wenigsten gehörten CD´s. Ich hatte mal angefangen und kein richtigen spannenden Zugang gefunden - die letzte Sinfonie war dabei noch einigermaßen Interessant anzuhören.
Enescu´s Musik hat spätromantische Züge und ist keinesfalls supermodern oder atonal, eigendlich für jeden fassliche Musik --- daran liegt es also nicht.

Sicher war es ein Fehler von mir, nicht weiter eingestiegen zu sein - ich habe es mir schon lange vorgenommen, aber immer wieder kommen andere Komponisten dazwischen :wacky:.

Ein Werk, das zu den absoluten Ohrwürmern gehört und darüberhinaus von Antal Dorati mit dem richtigen Feuer präsentiert wird ist die
Rumänische Rhapsody Nr.1 auf dieser CD:

Liszt: Ungarische Rhapsodien Nr. 1-6
Enescu: Rumänische Rhapsodie Nr. 1
London SO, Dorati
Mercury , 1960/63 ADD

Die Rumänische Rhapsody Nr.2 hat nicht diese Aussagekraft, ist aber ebenfalls nicht zu verwerfen.


:( Es ist sicher absolut unangemessen Enescu auf ein/zwei Werke zu reduzieren, aber leider - so ich es bei mit derzeit noch.
Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • »Kurzstueckmeister« ist männlich

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Registrierungsdatum: 16. Januar 2006

5

Freitag, 17. November 2006, 11:27

Symphonien

Die 3 Symphonien Enescus sind unbedingt empfehlenswert, wobei der persönliche Stil ab Nr. 2 voll ausgeprägt erscheint. 2 und 3 offenbaren gigantische zerrissene Welten mit reich schlingernden melodischen Organismen, deren Bezug zur Volksmusik in dieser sehr eigenwilligen vielleicht an Mahler erinnernden Verarbeitung faszinierend ist und in den Passagen, wo der Chor hinzutritt besonders "logisch" erscheint, ohne jemals "populistisch" zu wirken. Besonders mag ich die abrupten Ausbrüche, die Stellen, wo sich kein leicht nachvollziehbares Steigerungs-/Beruhigungskonzept erkennen läßt, die modern-sperrigen eben.

Jedenfalls halte ich ihn neben Szymanowsky für den bedeutendsten Symphoniker seiner Generation (wenn man Strawinsky nicht als Symphoniker anspricht - was ja doch möglich wäre).

Ohne einen Vergleich zu haben, finde ich folgende Aufnahme recht gelungen:

"George Enescu" Bucharest PO, Mandeal

Hier finden sich auch die von teleton angesprochenen Ohrwurm-Rhapsodien, die eine ganz andere Sprache sprechen, verglichen zu den Symphonien ist das Unterhaltungsmusik.

romeo&julia

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Registrierungsdatum: 18. April 2005

6

Freitag, 17. November 2006, 12:51

Hallo liebe TaminoanerInnen

Wir kennen nur sein Kammermusikwerk. Diese Werke gefallen uns dafür ausserordentlich gut.
Sehr angesprochen hat uns eine Aufnahme mit einer Violinsonate auf einer Aufnahme von ECM

Die atmosphärische Interpretation der Impressions d'enfance, wie auch von Enescus dritter Sonate für Klavier und Violine erinnert mit ihrem orientalischen Kolorit häufig an Charles Koechlins eindrucksvollen Klavierzyklus ,Les Heures Persanes‘. Taktschwerpunkte sind verwischt, Stimmungen wirken vage und wie in Trance erlebt, die Musik flirrt.
Kavakos spielt seine Stradivari mit strahlendem, schlankem Ton ohne jeglichen mäkelnden Beiklang.



Violinsonate Nr. 3;Impressions d'enfance

mit dem griechischen Geiger Leonidas Kavakos und dem ungarischen Pianisten Péter Nagy

Herzliche Grüsse

romeo&julia

ThomasNorderstedt

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Beiträge: 1 367

Registrierungsdatum: 26. Juni 2006

7

Freitag, 17. November 2006, 14:20

Liebe Enescu-Interessierte!

Nach einer irgendwann irgendwo gelesenen Empfehlung habe ich mir vor Jahren die Cellosonaten-Aufnahme mit Zank/Sulzen gekauft. Es war ein guter Kauf. Als auffallend rhythmisch, bartoknah, dann aber auch wieder sehr romantisch habe ich die Musik empfunden und sehr oft gehört. Irgendwann hatte ich mich dann durchgehört. Die CD habe ich daher schon lange nicht mehr aufgelegt. Mal sehen, vielleicht heute abend mal wieder.



Gruß, Thomas

a.b.

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Beiträge: 881

Registrierungsdatum: 19. August 2006

8

Freitag, 17. November 2006, 14:27

Auch ich schätze die Kammermusik Enescus sehr, kenne aber weder seine Klavierwerke noch seine Sinfonien. Wer hat denn da Vergleichserfahrungen?

Danke!
Gruß ab

---
Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
J. Locke

Uwe Schoof

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9

Freitag, 17. November 2006, 19:22

Hallo,

das ist ja schön, dass Enescu doch ziemlich bekannt ist und einige Hinweise gegeben werden.

@Barbirolli

Zitat

Sein Kompositionsstil ist für mich schwer zu fassen. Üppige Romantik

Das sehe ich auch so, und genieße es, wie Du ja wohl auch. Es wirkt wohltuend, dass Enescu, auch in den wenigen mir bekannten Frühwerken, die Inhalte seiner Musik nicht direkt und platt, sondern allmählich und in ausgeweiterten Formen übermittelt.

Nach den Beschreibungen von Teleton und Kurzstückmeister scheint Enescu wohl in der Orchestermusik sehr unterschiedliche Werke geschrieben zu haben: ohrwurmgeprägt bis modern-sperrig.

Gespannt bin ich natürlich auch auf die hier vorgeschlagenen Viola-, Violin- und Violoncellosonaten; sind diese auch so "ausgedehnt"?

Ich selber habe Enescu durch folgende CD kennengelernt:



Das Streichoktett, das Enescu bereits als 19-Jähriger komponierte, ist schon ein gewaltiges, fast auf 40 Minuten ausgedehntes Werk mit einem schönen Hauptmotiv, das in allen vier Sätzen präsent ist. Der langsame, beruhigende Satz wirkt sehr wohlig, bevor es im Schlussatz wieder intensiv losgeht.

Interessant auch das Dezett für 10 Bläser, das eher unaufdringlich, aber voller Inhalt ist. Ich denke, der Zugang dieser beiden Werke ist eher etwas für "nordische" Charaktere: Man findet nicht sofortigen Zugang und stößt nicht sofort auf den Kern der Sache, sondern allmählich. Aber wenn es irgendwann einmal soweit ist, dann weiß man es auch zu schätzen.

Gruß,

Uwe
Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

andythr

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10

Freitag, 2. Februar 2007, 10:56

Auch ich finde die Orchesterwerke Enescus sehr spannend und hörenswert. Empfehlen kann ich hierzu die Aufnahmen unter Lawrence Foster: neben den Sinfonien 1-3 und den Rumänischen Rhapsodien sind dies das "Poem roumain" op. 1, die Suiten 1 - 3, die Symphonie concertante für Cello und Orchester op. 8 sowie "Vox Maris" symphonisches Poem für Sopran, Tenor, Chor und Orchster op. 31.




raphaell

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Registrierungsdatum: 12. März 2007

11

Dienstag, 1. Mai 2007, 13:04

Hallo,

Ich habe Oedipe in Bielefeld gesehen und folgenden Mitschnitt aus der WSO Zuhause:

(Die Klangqualität hält sich in grenzen...!)

Die Oper finde ich sehr schön, und sie wird mit recht von vielen als eine wichtige Oper von der Spätromantik zur Moderne angesehen.
Die Komposition ist asgesprochen farbig und enthält Stilelemente von Spätromantik, Impressionismus und stellenweise auch expressionistische Ausbrüche. Das Libretto erzählt die klassische Ödipus-Geschichte Sophokles' nur, dass Enescu den Stoff nicht (wie bei Sophokles) als bekannt vorraussetzt, sondern ihn von der Geburt des Ödipus bis zu dessen Tod nacherzählt.
Das kriminalistische von Sophokles Drama bleibt dabei relativ auf der Strecke, jedoch kommt das Unausweichliche und Tragische ebenfalls bestens zur geltung. Die Bielefelder Inszenierung was sowohl musikalisch als auch szenisch sehr, sehr sehens und hörenswert und weurde beim Publikum erfreulicherweise gut aufgenommen!

Viele Grüße,

Raphael

Harald Kral

Erleuchteter

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Registrierungsdatum: 20. Juni 2007

12

Freitag, 1. Februar 2008, 13:09

"Ödipus" im WDR Radio

Die Referenzaufnahme der Oper unter Lawrence Foster aus Monte Carlo wird am kommenden Sonntag im WDR 3 ausgestrahlt:

Sonntag, 03. März 2008, 20:05 - 23:00

WDR 3 Bühne: Radio

Ödipus
Lyrische Tragödie in 4 Akten von George Enescu


Ödipus: José van Dam
Tiresias: Gabriel Bacquier
Kreon: Marcel Vanaud
Ein Hirte: Nicolai Gedda
Der Hohepriester: Cornelius Hauptmann
Phorbas: Laurence Albert
Der Wächter: Jean-Philippe Courtis
Theseus: Gino Quilico
Lajos: John Aler
Jokaste: Brigitte Fassbaender
Die Sphinx: Marjana Lipovsek
Antigone: Barbara Hendricks
Merope: Jocelyn Taillon
Eine thebanische Frau: Isabelle Vernet
Orféon Donostiarra Chor; Philharmonisches Orchester Monte-Carlo,
Leitung: Lawrence Foster

LG
Harald

Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
(Vinícius de Moraes)

ThomasBernhard

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Registrierungsdatum: 21. Januar 2005

13

Donnerstag, 25. September 2008, 12:20

Hallo,

ich wollte nur nebenbei mitteilen, dass ich heute erstmals Enescu "auf den Leim gegangen" bin und nun mehr von dieser interessanten Musik kennenlernen möchte.

Auslöser war folgende CD mit ja wahrscheinlich vergleichsweise "leichter" Muse:

Rumänische Rhapsodie Nr 1 und die Suiten 2 und 3



An Szymanowski musste ich bei den Suiten zeitweise auch denken. Interessante Klänge...!

Jetzt steht der Ödipus und die Sinfonien auf dem Wunschzettel, gerne auch Kammermusikwerke mit Cello etc.

Habt Ihr vielleicht noch ein paar weitere CD-Empfehlungen für den Enescu-Einsteiger? (Und vielen Dank für das bisher schon in diesem thread vorgestellte!)

:hello:
Frauen und Kinder zuerst

good night and good luck

thomasbernhards-1[ätttttt]yahoo[punkt]de

Philhellene

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14

Donnerstag, 25. September 2008, 14:31

Cool finde ich die ersten beiden Sätze seiner "Suita nr. 1 pentru orchestr în Do major" op. 9: Das "Prélude a l'unison", in dem die Streicher unisono eine leicht folkloristische Melodie spielen, nur manchmal von pianissimo-Paukenwirbeln begleitet - und das attacca anschließende elegante Menuet lent. Gemeinsam machen die beiden Sätze über zwei Drittel des Werkes aus. Der kurze Rest ist weniger gelungen, oder zumindest weniger besonders, mehr konventionell - die Suite ist ja auch vergleichsweise ein Frühwerk.

Den Oedipe habe ich auch gern - auch das Textbuch ist m. E. sehr gelungen, oft nahe an Sophokles, aber von ganz eigenständigen Sichtweisen auf Handlung und Charaktere, beispielsweise einer ausgeprägt deontologischen Ethik (die ich teilweise teile - gerade auch in Bezug auf dieses Stück). Die Apotheose am Ende gehört wohl zu den großen Finalszenen der Operngeschichte.

:hello: Martin

Guercoeur

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15

Donnerstag, 25. September 2008, 15:39

Oh ja, den 'Oedipe' kann auch ich nur wärmstens empfehlen in dieser erstklassigen Einspielung:

George Enesco (1881-1955):
Oedipe -
Lyrische Tragödie in 4 Akten und 6 Bildern, opus 23 1921-31
José van Dam, Gabriel Bacquier, Marcel Vanaud, Nicolai Gedda, Cornelius Hauptmann, Laurence Albert, Jean-Philippe Courtis, Gino Quilico, John Aler, Brigitte Fassbaender, Marjana Lipovsek, Barbara Hendricks, Jocelyne Taillon, Isabelle Vernet
Les Petits Chanteurs de Monaco, Orfeón Donostiarra,
Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo, Lawrence Foster
EMI, 1989, 2 CD



:hello:
Johannes

Uwe Schoof

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16

Montag, 28. September 2009, 19:03

Jetzt habe ich auch die Sinfonien etwas besser kennengelernt, und zwar habe ich jetzt die bereits erwähnten Aufnahmen auf "Arte Nova".

Der Skizzierung von Kurzstückmeister schließe ich mich an. Die zweite und dritte Sinfonie ziehe auch ich der ersten vor.

Manchmal habe ich bei den Sinfonien den Eindruck, dass es sich um instrumentale Opernmusik handelt; sehr anmutig finde ich die langsamen Sätze und Stellen.

Also: Mir scheint auch nach dem Kennenlernen einiger Orchesterwerke, dass Enescu gemessen an seiner Musik zu wenig anerkannt und bekannt ist.

Gruß,

Uwe
Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

Julius

Schüler

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17

Sonntag, 27. Dezember 2009, 13:11

Enescu: Ein musikalisches Genie

Hallo,
ich möchte noch etwas zu George Enescu sagen. Ich schätze seine Klavierwerke (Luiza Borac, AVIE, 2003) und Musik für Cello und Klavier (Viviane Spanoghe, André de Groote, Classic Talent, DomMusic) sehr. In den CD-Beilagen findet man ganz erstaunliche und auch ergreifende Angaben zu Enescus Person. So soll er ein musikalisches Genie gewesen sein, ein Frühreifer, der mit 11 schon komponierte, kein Werk das er hörte jemals vergas, sofort nach Gehör fehlerfrei und mit genauem Ausdruck ziemlich alle bekannte Klaviermusik nachspielen konnte (er spielte virtuos mehrere Instrumente, er war einer der bekanntesten Geiger seiner Zeit), usf., man möchte es garnicht alles glauben. Dabei war er doch immer ein freundlicher, bescheidener Mensch, der zu seinem Lebensende in Paris lebte in einem Zimmer mit Stuhl, Bett, Tisch und einem Schrank. Er hätte es besser haben können, aber er wollte keine Unterstützung annehmen. Oder doch: befragt, was er sich wünsche, antwortete er: “Ein Löffel Marmelade”. "Und er stürzte sich darauf wie eine Katze auf ihre Milch."
Einmal sagte er “Wenn ich alles notieren würde, was ich im Kopf habe, hätte ich 100 Jahre zu tun.” Aber ihn ereilte Krankheit und eine Schreibblockade. Was hätten wir, wenn ihm die 100 Jahre beschieden gewesen wären? Schon die drei Klaviersuiten (AV0013) sind im Stil höchst unterschiedlich, und die Doppel-CD (AV2081) mit Nocturne, Prelude und Fuge, und den zwei Klaviersonaten erweitert den Reichtum seiner Ausdrucksmöglichkeiten nochmals. Es ist eine sehr organische, lebendige Musik, die aber niemals aufschreckt und verstört, das hat sie nicht nötig. Sie lässt mich stattdessen bei jedem Hören etwas Neues entdecken, das ich vorher nicht bemerkte, es ist eine ganz unaufdringliche Komplexität und Virtuosität. Ich bin sehr froh, Enescus Musik kennengelernt zu haben und denke jetzt besonders an das “Andante molto expressivo” der 1. Klaviersonate, mit seinen über den Feldern herüberwehenden Glockenklängen, eine Meditation über das rumänische Wort “Dor”, für das es kein deutsches Äquivalent gibt, und das Sehnsucht, Nostalgie, Liebesschmerz, Wehmut gleichermassen bedeutet.
Ich möchte damit nicht sagen, dass seine Musik traurig ist, für mich aber ist eine sehr spezielle Melancholie, oder eine Zartheit, jedenfalls ein demverwandtes Gefühl, der Kern seines Individualstiles, der sich sonst nicht festmachen lässt.

Viele Grüsse Julius
Julius

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Julius« (27. Dezember 2009, 16:55)


William B.A.

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18

Mittwoch, 19. August 2015, 12:46

George Enescu hat heute Geburtstag. Zu diesem Anlass habe ich diese CD gefunden:



Heute ist die 134. Wiederkehr von George Enescus Geburtstag.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

lutgra

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19

Donnerstag, 17. September 2015, 18:49

George Enescu - 4. Symphonie

George Enescu ist wie Josef Suk und Karol Szymanowski ein Komponist, der in seinem Mutterland hochverehrt wird, es aber international schwer hat. Selten findet man seine Werke bei uns auf dem Konzertprogramm und auch die Schallplatten- und CD-Aufnahmen sind überschaubar.
Als bedeutender Symphoniker des 20. Jahrhundert wird er praktisch nie genannt, dabei hat er immerhin fünf großformatige Werke geschrieben. Fünf? werden einige fragen, die bisher von den 3 bekannten ausgingen. Ja, es gibt noch zwei weitere. Warum diese in den meisten Quellen nicht genannt werden, hat einen guten Grund. Enescu hat sie nicht vollendet, sondern in einem mehr oder weniger unfertigen Zustand zurückgelassen. Warum, kann ich nicht sagen. Der Komponist war wohl überaus selbstkritisch. Die unfertigen Symphonien wurden vor einiger Zeit von Pascal Bentoiu, einem ebenfalls rumänischen Komponisten (mit 8 eigenen Symphonien) und Musikwissenschaftler "vollendet", laut Booklet galt bei dieser Symphonie vor allem die Instrumentierung zu komplettieren. Wieviel wir jetzt also hier Enescu oder Bentoiu hören, kann ich nicht sagen. Davon mal abgesehen ist dies aber ein durchaus sehr hörenswertes Werk. Drei Sätze mit insgesamt 35 Minuten Spielzeit. Das 1934 entstandene Werk ist zumindest in den ersten beiden Sätzen eher düster gestimmt und ich empfinde auch den letzten Satz nicht wirklich so optimistisch und übermütig wie ihn das Textheft ausweist. Die Verarbeitung der Themen wie auch viele Aspekte der Instrumentierung erinnern mich ziemlich stark an Gustav Mahler. Es fehlt zwar das Grandiose und die berühmten Durchbrüche, aber vieles was man in Mahler Scherzi und Burlesken findet, hört man auch hier. Dazu höre ich hier und da frühe Vorboten von Allan Pettersson's Symphonik. Das ist aus zwei Gründen interessant. Der Komponist ist nach 1946 aus Protest gegen die Kommunisten nicht mehr nach Rumänien zurückgekehrt und hat in USA und Paris gelebt. In Paris ist er auch 1955 gestorben. In den frühen 50er Jahren lebte auch Allan Pettersson in Paris und war dort Schüler u.a.von Rene Leibowitz. Zufall? Das zweite bemerkenswerte ist, dass sich gerade Peter Ruzicka dieser letzten beiden Symphonien angenommen hat. Ruzicka ist auch erklärter Pettersson-Verehrer und hat seine 15. Symphonie dirigiert sowie die vorhandenen Fragmente der 17. Sinfonie in seinem Orchesterwerk "... das Gesegnete, das Verfluchte" verarbeitet.
Allen Taminos, die für gemässigt moderne Symphonie ein Ohr haben, sei diese CD empfohlen. Neben der Symphonie findet sich darauf noch die "Nuages d'automne sur les Forets", eine Tondichtung, die Teil einer Triogie von Naturschilderungen werden sollte. Das klangschöne Werk zaubert eine vergleichbar düstere Stimmung herauf wie die "Toteninsel" von Sergej Rachmaninoff, bricht aber - da nicht komplettiert - nach knapp 9 Minuten unvermittelt ab. Die Kammersymphonie op. 33 ist ein spätes Werk, wohl das letzte veröffentlichte. Deutlicher spröder als die beiden anderen, muß man sich hier ein wenig einhören, um die Schönheiten zu entdecken. Wer Schönbergs Kammermusiken mag, wird dies hier vielleicht auch mögen.

lutgra

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20

Freitag, 27. Januar 2017, 22:03

Es ist sicher 20 Jahre her, dass ich die 1. Symphonie von Enescu das letzte Mal gehört habe. Nachdem ich diese gelungene Einspielung gehört habe, werde ich sie vielleicht demnächst häufiger hören. Wer Spätromantik a la Strauss und Schreker mag, dem gefällt auch dieses Werk vermutlich.

teleton

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21

Samstag, 7. Oktober 2017, 11:09

Enescu - Sinfonien

Pablo Casals: "Grösstes musikalisches Phänomen seit Mozart !"


Seit einigen Tagen habe ich (mehr zufällig) die neuste FONO FORUM Okt 2017 vorliegen.
Darin ist eine Rubrik mit den 10 grössten unterschätzten Komponisten enthalten: Dazu gehört auch George Enescu.

Ich hatte ihn bisher auch nur auf seine fetzigen Rhapsodien Nr.1und 2 "reduziert". Mir fiel dabei auf, dass ich seine Sinfonie Nr.3 und die Concert Ouvertüre noch gar nicht kenne und in meier CD-Sammlung habe.
Im Laufe der Jahre hat sich bei mir durch Vergleichstests herausgestellt, dass die Aufnahmen der Sinfonien Nr.1 und 2 mit Mandeal/Bukarest PO (ARTE NOVA) immer noch die mit dem grössten Herzblut und einer unbändigen Spielfreude ihres Landsmannes sind; dazu gute Klangqualität.

Ich überlegte heute mir die neue verfügbare 3CD-Box der Sinfonien Nr.1 - 3 mit Roshdestwensky/BBC PO (Chandos) zuzulegen, die Chandos neu seit 2017 im Programm hat.
:!: Ein Blick auf die Spielzeiten verriet mir, dass Mandeal (dessen Aufnahmen der Sinfonien Nr.1 und 2, incl.Suite Nr.1 und den Rhapsodien Nr.1 und 2 (ARTE NOVA) ich sehr schätze) bei der Sinfonie Nr.3 straffer unterwegs ist (5Minuten weniger) als Roshdestwensky. Deshalb (und auch um Dopplungen zu vermeiden) entschied ich mich wieder für Mandeal mit dieser Ergänzung:

Sinfonie Nr.3 op.21

ARTE NOVA; 1995, DDD

Ich werde weiter berichten, wie die Aufnahme/WErke bei mir ankommen !
Gruß aus Bonn, Wolfgang