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Travinius

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121

Dienstag, 8. März 2011, 22:03

Das mit Bartok habe ich anders verstanden: Bartok zitiert Schostakowitsch m.E. nicht, er parodiert ihn. Er stellt das Thema der Leningrader in einen anderen Kontext mit einem ziemlich spöttischen Unterton.

Aber noch eine andere Frage möchte ich in die Runde werfen: heute habe ich die VIII. Symphonie von Heitor Villa-Lobos gehört. Kann es sein, dass das Hauptthema des 1.Satzes ein Zitat von Schuberts Großer C-dur ist?
LuciusTravinius Potellus

Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)

moderato

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122

Dienstag, 8. März 2011, 22:50

Lieber Travinius
Ich denke nicht, dass Bartok Schostakowitsch parodiert. Das Melodie-Zitat aus der "Leningrader" stammt zweifelsfrei von Lehar. Bartok hat in meiner Einschätzung die gleiche Melodie ebenfalls aufgegriffen und in sein Werk übernommen. Er soll den Operettenkomponisten nicht allzusehr geschätzt haben. Diese Melodie "Heut gehn wir ins Maxim" ist wohl als Code zu verstehen, der auf die faschistischen Kräften hinweist, die in Europa und weltweit wüteten. Bartok verwendet dieses Zitat spöttisch, wie du richtig beschreibst. Die "Leningrader" hatte in den Kriegsjahren eine grosse Popularität erhalten, nachdem die Partitur auf Mikrofilm ausser Landes geschmuggelt wurde und von Toscanini uraufgeführt wurde. Jeder musikalisch Gebildete wusste wohl zu jener Zeit, was dieses Lehar Zitat zu bedeuten hatte. Deshalb griff es Bartok in seiner Komposition auf. Ich sehe dieses Zitat als Chiffre, Code, das dem Hörer eine Botschaft übermittelt. In Gojowys rororo Monografie ist erwähnt, Bartok habe die 7. Sinfonie in New York bei der Arbeit am Konzert für Orchester gehört.

.
Um ein guter Zuhörer zu sein, muss man eine musikalische Kultur erwerben...man muss vertraut sein mit der Geschichte und Entwicklung der Musik, man muss zuhören...Um die Musik zu empfangen, muss man seine Ohren öffnen und auf die Musik warten, man muss glauben, dass man sie braucht...Zuhören ist anstrengend, und blosses Hören ist keine Leistung. Auch eine Ente kann hören.
Igor Strawinsky

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Accuphan

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Registrierungsdatum: 7. Februar 2007

123

Montag, 19. Dezember 2011, 12:51

Dvořáks Streichquartett mit "Tochter Zion"

Streichquartett Nr. 11, C-Dur, op. 61, 1. Satz - mehrfach beginnt eine Phrase mit den gleichen Tönen wie "Tochter Zion" aus Judas Maccabaeus von Händel. Ich sang das einst auf Englisch, dort heißt es übrigens "See, the conqu'ring hero comes"...
(gut stimmen!!)

Maurice

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Beiträge: 4 839

Registrierungsdatum: 7. Oktober 2010

124

Freitag, 30. Dezember 2011, 12:49

»Blithe Bells« von Percy Grainger

Das Stück »Blithe Bells« von Percy Grainger (1882-1961) entpuppt sich nach kurzem Hören als Anleihe bzw. Verarbeitung einer Passage aus eine Kantate von J.S. Bach BWV 208
»Was mir behagt, ist nur die muntre Jagd!« (Jagd-Kantate); und zwar die Arie »Schafe können sicher weiden«.

Nicht schlecht gemacht … :pfeif:
Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

Lynkeus

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Beiträge: 275

Registrierungsdatum: 10. April 2012

125

Dienstag, 24. April 2012, 21:41

Mahlers "Totenfeier" und Wagners "Feuerzauber"?

Hallo liebe Taminos

Zitiert Mahler im ersten Satz seiner 2. Sinfonie möglicherweise den "Feuerzauber" aus Wagners Walküre? Für meine Ohren klang und klingt es jedenfalls so - wenn auch leicht variiert - und ich glaube, dass es auch inhaltlich passen würde, geht es doch in beiden Stücken um eine - ich nenn es mal so - vorübergehende Leblosigkeit. (Mahlers Held erlebt seine Auferstehung durch das Jüngste Gericht und Brünhilde durch Siegfried.)

Die entsprechenden Stellen hier mal zum Vergleich:

Mahler (ab Sekunde 42)


Wagner (ab Sekunde 10)


Viele Grüße
Lynkeus
"Geduld und Gelassenheit des Gemüts tragen mehr zur Heilung unserer Krankheiten bei, als alle Kunst der Medizin." (W.A. Mozart)

Tapio

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Beiträge: 294

Registrierungsdatum: 15. März 2012

126

Mittwoch, 25. April 2012, 19:02

Antheil Symphonie 6 <- Schostakowitsch Klavierkonzert 1

Ich weiß nicht, ob man hier noch von einem "Zitat" sprechen kann, oder ob es mehr ist. Ich mache Euch jedenfalls mit Freude hierauf aufmerksam: George Antheil hat in seiner sechsten Symphonie das Lento aus Schostakowitschs ersten Klavierkonzert "zitiert" - und ich höre mir Antheil fast noch lieber an. Er verarbeitet das Hauptthema in verschiedensten Variationen, dann folgt ein Intermezzo (ich bin terminologisch da jetzt nicht bewandert) und er kehrt dann zum Hauptthema zurück. Mir gefallen die Holzbläser (Oboen und Klarinetten lösen sich wunderschön ab) darin ganz besonders. Es ist die grossorchestrale Herangehensweise, ohne Klavier.
Schostakowitsch PC1, 2. Lento
Antheil Symphonie 6, 2. Larghetto
Anhören! Meine Empfehlung.

@Lynkeus: Man kann Youtube-Videos auch an der gewünschten Stelle starten lassen, so wie ich das hier gemacht habe. Das ist dann aber nicht eingebettet. Die URL bekommst Du mit einem Rechtsklick auf das Video, "Video-URL an dieser Stelle kopieren".

teleton

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127

Donnerstag, 26. April 2012, 10:38

RE: Antheil

Hallo Tapio,

Dein Beitrag zeigt wieviele Lücken sich auch bei musikalischen Interessengebieten (Amerikanische Sinfonik) noch auftun ! Ich habe gerade mal meine zahreichen CD´s der "Amerikanischen Komponisten" durchgesehen. Irgendwo war mit Gerorge Antheil im Zusammenhang mit Morton Gould mal als Komponist begegnet ... aber nichts dabei; das es von ihm Sinfonien gibt lese ich auch bewusst zum ersten Mal.

Ich habe gerade mal in diverse Werke im Netz reingehört:u.a. Sinf.Nr.4 und 6 (Naxos) und das scheinbar bekannteste Werk Ballet meccanique für 8 Klaviere, Schlagzeug und Flugzeugpropeller. Hört sich interessant an; allerdings in verschiedenen kleiner besetzten Werken klingt es mir zu kammermusikalisch abgehackt. Ich mag diesen abgehackten Kammerochster-Sound, der nur fipsende Akzente setzt nicht. ;) Aber man kann sich ja bei den Werken die Rosinen rauspicken. Die Sinfonien und sein KK (1922) scheinen solche "Rosinenfälle" zu sein.

Eine Affinität zu Schostakowitsch hört man nicht nur bei deinem Zitat-Beispiel im Vorbeitrag, sondern auch in der Instrumentation der Sinfonie Nr.4 und 6.
Antheil muss wohl in den USA wegen seiner Eigenheiten bei seinen Komponistenkollegen nicht so sehr beliebt gewesen sein und wurde auch von Copland in einem schriftlichen Aufsatz über zeitgenössische Komponisten der USA gar nicht erwähnt !

8-) Antheil ist bei mir erstmal als einer der nächsten Neuzugänge gedanklich gebucht !
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Maurice

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Registrierungsdatum: 7. Oktober 2010

128

Donnerstag, 8. Oktober 2015, 15:50

Der Komponist Josef Joachim Raff
zitiert und variiert im vierten Satz ein Volkslied von dem Komponisten Friedrich Silcher
»Ach, wie ists möglich dann, dass ich dich lassen kann« – sehr schön verarbeitet. ;)
Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

Alfred_Schmidt

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129

Donnerstag, 8. Oktober 2015, 17:49

Zitate waren überhaupt eine Spezialität von Raff. Im 4. Satz Der Sinfonie Nr 1 zitiert er - wieder im 4, Satz - ein Lied von Johann Friedrich Reichardt (1752-1814) "Was ist des Deutschen Vaterland" - ebenfalls sehr schön verarbeitet.....
Siehe - und höre...

Joseph Joachim RAFF Sinfonie Nr 1 „An das Vaterland“

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

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musikwanderer

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130

Donnerstag, 8. Oktober 2015, 18:24


Etwas abseits der hier geposteten großen Sinfonik stelle ich mal ein Marsch-Video ein. Wem Marschmusik nicht gegen den Strich geht, der wird in diesem etwas über 3 minütigen Clip eine sicher bekannte Melodie finden. Das Stück hat der Walzerkönig nach einem Attentat auf den Monarchen (18.02.1853) geschrieben. Es könnte sein, dass sich Strauß, der angeblich den revolutionären Ideen nahe stand, genötigt sah, seine Treue zum Erzhaus Habsburg unter Beweis zu stellen, weil er doch auf die Nachfolge seines Vaters als Hofballdirektor schielte...

:hello:
.

MUSIKWANDERER

Alfred_Schmidt

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131

Donnerstag, 8. Oktober 2015, 19:12

Auch wenn wir uns hier schon ein wenig vom eigentlichen Thema entfernen, so ist doch anzumerken, daß Johann Strauß jr. zahlreiche Hymnen und Opernmelodien in seinen Werken verarbeitet hat. Und das immer sehr erfolgreich. Wenn auch heute manche seine Nase rümpft - Die zeitgenössischen Komponisten taten dies nicht, er war sowohl von Rossini, Verdi, als auch Brahms geschätzt. Im Falle von Offenbach ist das wohl kaum einer Erwähnung wert.
Man betrachtete es damals nicht als Urheberrechtsverletzung, sondern als "Ehre" zitiert zu werden.
Auf das Urheberrecht schauen besonders zeitgenössische Komponisten. Schnell fühlen sie sich ihrer Uhrheberrechte beraubt.
Da kann es schon mal passieren, wenn jemand ein Tablett mit Geschirr, Gläsern und Besteck fallenlässt, der dabei entstehende ziemlich komplexe Klang einem genialen schöpferischen Einfall eines unserer noch lebenden oder vor kurzem verstorbenen Komponisten ähnelt und einem der Komponist oder dessen Erben in Erklärungsnotstand bringen. Vorsicht ist daher in jedem Falle geboten.......

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

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MSchenk

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132

Donnerstag, 22. Oktober 2015, 21:26

Ein recht amüsante Hintereianderschaltung von "Zitaten" (ich bin nicht sicher, ob es tatsächlich echte Zitate sind) findet sich in Nielsens Symphonie Nr.4 op.29 "Det Uuudslukkelige". Man starte bei 8'00'' und höre bis 9'15'' einmal Bruckner und einmal Wagner:

mfG Michael

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